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The Things We Did

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 Slash
Montgomery de la Cruz
03.09.2019
01.05.2020
13
55.964
8
Alle Kapitel
6 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
03.09.2019 2.864
 
Ihr Lieben,

vorweg schon einmal vielen Dank für das Interesse an dieser Arbeit! Ich habe mich recht kurzfristig dazu entschlossen, meine Gefühle nach dem Schauen der dritten Staffel (die ehrlich gesagt noch nie so stark waren) in Kreativität umzuwandeln und die Dinge, die mir durch den Kopf gehen, schriftlich zu verarbeiten.

Disclaimer: Keiner der portraitierten oder genannten Personen gehört mir, Ausnahmen sind vermutlich ziemlich offensichtlich.

Anmerkung: Leider geht es, wie ihr wisst, gelegentlich sehr rau und unangemessen im 13RY-Fandom zu, deshalb fühle ich mich dazu verpflichtet, auch an dieser Stelle zu betonen, dass meine Auslegung von Charakteren gewiss keine Allgemeingültigkeit beansprucht und ich niemanden meine Sicht der Dinge aufzwingen will. Ich schreibe hier über einer der kontroversesten, kaputtesten Figuren der ganzen Serie und ich möchte in keiner Weise Abbitte an seiner Stelle einfordern oder Dinge, die er getan hat, entschuldigen, herunterspielen oder gar ignorieren. Mir geht es um eine möglichst facettenreiche Darstellung eines Charakters ohne Schwarz-Weiß-Malerei und ich bin davon überzeugt, dass die Serie gerade das bewerkstelligen will; niemand ist sauber und manche sind dreckiger als andere, aber niemand ist rein gut oder rein böse und genau diesen Umstand, an dem der Verstand manchmal scheitert, möchte ich darstellen, auch wenn wir mit Abschnitt Nummer 1 "The Good Guy" recht fluffig einsteigen.

Wem das nicht zusagt oder wer sich aufgrund seiner Taten von einer tieferen Darstellung Montgomery de la Cruz' getriggert fühlt, empfehle ich, diese FF schnellstmöglich zu vergessen. Ich bin außerdem immer offen für Diskussionen, gerne auch leidenschaftlich, aber falls sich jemand grob im Ton vergreifen sollte, werde ich Konsequenzen ergreifen.

Geplant sind dreizehn, lose miteinander verknüpfte Abschnitte, die ich versuche, neben meinem Hauptprojekt bis zum Erscheinen der vierten Staffel fertigzustellen.
Ich halte mich bei der Interaktion meiner beiden Charaktere an den Plot der dritten Staffel, lege aber den Zeitraum möglicherweise etwas großzügiger aus und erlaube mir vielleicht im Verlauf die eine oder andere künstlerische Freiheit. Ich hoffe, ihr habt Verständnis dafür, dass mir bei Winston Williams beinahe unerschöpfliche Möglichkeiten geboten sind und ich, im Interesse einer tiefgründigen Persönlichkeit, einiges zu seinen in der Show sichtbaren Charakterzügen hinzudichte.

Nach diesem erschlagenden Absatz wünsche ich trotz allem viel Spaß beim Lesen, gebt gut auf euch Acht und seid lieb zueinander,

pumpkin~


P.S. Zitate aus der Serie entsprechen möglicherweise nicht der genauen deutschen Synchronisation, da ich die Serie auf Englisch schaue, meinen sprachlichen Fähigkeiten aber nicht weit genug über den Weg traue, um den Bims auf Englisch zu verfassen.

P.P.S. Ich überarbeite gelegentlich bereits gepostete Abschnitte, wundert auch also nicht, wenn ihr nochmal auf ein altes Kapitel zurückkommt und das ganze ein klein bisschen anders ist.







The Things We Did




I. The Good Guy




„Du... Du scheinst ein guter Kerl zu sein.“



Gedankenverloren zog Winston an seiner halb aufgerauchten Zigarette. Ascheflöckchen fielen vereinzelt auf seine überkreuzten Beine und die dunkle Bettdecke, hinterließen helle, verwischte Flecken auf seiner blassen Haut und den teuren Leinentüchern. Maggie würde mit ihm schimpfen, auf die gleiche Art und Weise, mit welcher sie ihn schon immer gescholten hatte, seit er fünf war, auch wenn die Flecken von Gleitmittel und Sperma diesmal vermutlich eher ihren stillen Unmut erregen würden, als früher Chipskrümel oder sonst die verstreute Zigarettenasche.

Ein liebevolles „Junger Mann,... mit bestimmtem Unterton auf ihrer akzentschweren Zunge, raspelig wie die Liebesbekundung einer Katze.

Ein junger Mann, das war er ohne Zweifel. Winston hatte sich im Vergleich zu gleichaltrigen Jungs immer schon für reif und seinen Jahren voraus gehalten, aber obwohl er noch etwas zu schlaksig war, um als ausgewachsen zu gelten, waren kürzlich die letzten Pubertätspickel verschwunden und er betrachtete sich, seit seinem Geburtstag vor einem Monat, als erwachsen. Kein Mann, aber ein junger Mann.

So weit, so gut. Aber war er auch das, was Montgomery ihn genannt hatte?

Ein guter Kerl... Bin ich das?

Hätte ein guter Kerl mit einem Erbe wie dem seinen Bryces Geld angenommen und noch nach einer Erhöhung verlangt, obwohl er sowieso kein Wort über den wahren Grund des Geschehenen verloren hätte? Einfach um seines verletzten Stolzes willen?

Wahrscheinlich nicht. Er war ein verdammter, stinkreicher Kapitalist aus einer Linie von Maden, die stets gewusst hatten wie man sich dick fraß. Es war zwar nicht anzunehmen, dass der Verlust von sieben Mäusen den blonden Ex-Footballstar von der Liberty sonderlich geschmerzt hatte, aber Schmiergeld war trotzdem Schmiergeld, egal wem man es abnahm.

Machte ihn das schlecht? Gewissenslos? Amoralisch?

Es war zumindest nicht sein bester Moment gewesen, das gab Winston ohne zu zögern zu, aber er hatte keine wirkliche Alternative gesehen. Er hatte seiner Wut irgendwie Luft gemacht, und zwar auf die einzige Art und Weise, die er kannte; er hatte das Geld genommen und tags darauf in Kaviar, Austern und Kobe Rinder-Carpaccio investiert, um sich mit Stil seinen Frust wegzufuttern. Denn Bryce zu stecken, warum Monty wirklich auf ihn losgegangen war, wäre ihm nicht im Traum eingefallen.

Er konnte mit Glück sagen, keinen Zahn verloren zu haben, sicher, denn Montgomery schlug noch härter zu als er küsste, aber Winston wurde lieber naiv und gelegentlich ‚übertrieben altruistisch‘ genannt, wobei letztere Bezeichnung von seinem eher brachial veranlagten Vater stammte, als dass er das kümmerliche Kartenhaus eines erbärmlichen Lebens von jemandem mit so traurigen Augen zerstören würde. Auch wenn derjenige offensichtlich mehr als dazu bereit war, jede Fessel der Vernunft von seiner animalischen Aggression zu lösen, um sich und seine brennende Welt zu schützen.

Ich möchte wetten, jemand nennt Pretty Boy zuhause in genau der gleichen höhnischen Tonlage auch eine Schwuchtel und holt dabei gleichzeitig mit der rechten Faust aus, ein älteres, grausameres, noch verloreneres Exemplar im Flanellhemd, das sich seinen Doppelgänger herangezogen hat.

Aber verdammt, das teure Carpaccio hatte nach Eisen geschmeckt, sein linkes Auge war über Nacht zugeschwollen, seine geplatzte Lippe hatte genäht werden müssen und trotzdem hatte sie weniger geschmerzt als das Gefühl, benutzt und anschließend enttäuscht worden zu sein, ganz egal welche Gründe dahinter steckten. Sicher, er hatte zwar augenblicklich verstanden, wo sein Fehler gelegen hatte, noch bevor er ihm die Seele aus dem Leib geprügelt hatte, aber die Demütigung, die sich tief in seine Knochen eingegraben hatte um ihn an den unpassendsten Stellen wie ein steifes, bei kaltem Wetter schmerzendes Knie an seine Misere zu erinnern, war lange geblieben. Viel zu lange.

Der Tabak in seinem Mund brannte säuerlich. Der Mann – nein, der Junge – neben ihm zuckte im Schlaf, fast als würde er sich unter einem Schlag wegducken wollen.

Der bläuliche Rauch war in Kringeln an die Decke gestiegen und hatte sich unter dem antiken Lampenschirm gesammelt. Er hatte das Fenster zum Lüften geöffnet, bevor er nach seinem Feuerzeug und der in seinem Nachtschrank versteckten Packung Kippen gesucht hatte, aber der ungewohnt frostige Novemberwind stand ungünstig und blies die Schwaden immer wieder zurück in das Zimmer. Nicht, dass es ihn störte. Die Möbel hatten längst unterschwellig den Geruch von Marlboro Menthol angenommen und aus den Kissen und Decken schien anstelle von Staub Zigarettenrauch herauszuquellen, wenn Maggie sie jeden Morgen missbillig schnalzend ausschüttelte.

Es hatte angefangen, in eisigen Bindfäden zu regnen. Montys nackte, unter der Decke hervorschauenden Schultern hatten kaum merklich zu zittern begonnen und die harten Tröpfchen schlugen dünn und unregelmäßig durch den geöffneten Spalt auf die Fensterbank und das dunkle Parkettimitat auf, wo sie im Licht der hereinscheinenden Straßenlaterne wie kleine Perlen feucht vor sich hin glänzten. Der glühende Filter brannte in Winstons Finger, als er selbstvergessen einen letzten Zug von der Zigarette nehmen wollte und er drückte die leere Hülse leise fluchend an der nassen Hauswand aus, nachdem er schwerfällig aufgestanden war, um den Wind und den Regen wie unerwünschte Besucher auszuschließen.

Sein nackter Körper erschauerte in dem kalten Luftzug, als er zurück zu seiner ausgelegenen Seite des Bettes ging; zwei tiefe Kuhlen in der Matratze, eine für die Schultern, eine etwas Tiefere für das Gesäß, und zwei flache, schon beinahe verschwundene Abdrücke von vorhin, dort wo sich seine Knie und Ellbogen in das weiche Material gegraben hatten.

Ein breites, etwas beschämtes Lächeln legte sich unwillkürlich auf seine Lippen.

Verflixter Mistkerl. Sein Hintern war so etwas von wund.

Nicht, dass es ihn wirklich störte.

Er hatte bis eben in der Mitte der weiten Fläche des ausladenden Doppelbettes gelegen, ganz so wie er es tat, wenn er alleine schlief. Der muskulöse Körper Montgomerys, den er immer noch zwischen seinen Beinen zu spüren schien, war im Schlaf unnatürlich klein geworden und er hatte sich verstohlen – Winston tippte darauf, dass es sich um eine bewusste Entscheidung gehandelt hatte – ganz an den Rand der Matratze gerollt, die kräftigen Arme um den eigenen Oberkörper geschlungen.

Winston sah davon ab, sich direkt wieder unter die Decke zu begeben und betrachtete den Anderen für einen Moment, länger und ausführlicher als er sich vorhin auf der Seite liegend von Angesicht zu Angesicht getraut hatte, hastig und überstürzt, getrieben von der Furcht, nicht genug Zeit zu haben, um jeden einzelnen Pigmentfleck und jede verblasste Sommersprosse auf dem flachen Nasenrücken entdecken zu können. Jetzt ließ er sich mehr Zeit, kostete den Anblick der zur Ruhe gekommenen, braunmelierten Wimpernfächer aus, ließ seine Augen über die sich bläulich abzeichnenden Venengeflechte an den Schläfen wandern und strich genießerisch mit seinem Blick über die schwach in den Wangen eingegrabenen Grübchen.

Er konnte und wollte sich nicht sattsehen.

Hatte er ihm verziehen? Und wenn ja, dann aus welchen Motiven? Sein hübsches Gesicht, kombiniert mit einem Körper zum Anbeten? Die ernsthaft psychischen Auffälligkeiten? Die Kombination von beidem, die für verzweifelte Bottoms auf Sexentzug unwiderstehliches Gift war?

Winston schnaubte um sein unwillkürliches Amüsement über diesen speziellen, sehr an der Wahrheit orientierten Gedankengang vor sich selbst zu verstecken, doch es klappte nicht wirklich, wie zu erwarten gewesen war.

Es existierte ein feiner und umso bedeutender Unterschied zwischen rationalem Verständnis des Verhaltens einer Person und dem tatsächlichen Verzeihen, das war Winston klar. Nie war er zuvor so verletzt worden und obwohl sein letztes Bisschen Bitterkeit bei Montgomerys Entschuldigung und seinem unsicheren Halb-Lächeln im Licht der Rückscheinwerfer des Sportlerbusses vor einer Handvoll von Stunden wie Butter zerschmolzen war, war ein nicht unerheblicher Teil von ihm seit jeher auf der Hut. Selbst jetzt noch fürchtete er den Moment, in dem alles kippen würde, obwohl Monty doch derjenige von ihnen beiden gewesen war, der sich nach allem verletzlich gezeigt und angreifbar gemacht hatte.

Und er weiß mit Sicherheit, dass er das alles beenden kann, er muss dir nur die Fresse polieren und zur Tür herausstürmen, nicht wahr?

Doch würde er sich das trauen? Er konnte, anders als Winston selbst, nicht wissen, dass dieser ihn unter keinen Umständen jemals hinterrücks outen würde, auch wenn noch ein, zwei blaue Augen hinzukommen würden.

Sollte er etwa tatsächlich der gute Kerl mit dem goldenen Herzen sein?

Monty hatte es ganz sicher gehofft, als er einen ersten, zögerlichen Schritt auf ihn zugemacht hatte.

„Hey, hey, warte, ich werde dir nichts tun, ich schwör’s.“

Er hatte den kaputten Jungen von dem Moment an bemitleidet, als seine Faust zum ersten Mal ausgeholt und ihn hinterrücks auf die Treppenstufen befördert hatte, denn ihm war fast zeitgleich klar geworden, dass der Moment in Purcells Schlafzimmer Montys erster und einziger Ausrutscher in seiner ansonsten tadellosen Fassade gewesen war.

„Du... Du scheinst ein guter Kerl zu sein.“ Im Klartext: im Gegensatz zu mir.

Winston hatte selbst kein wirklich gutes Verhältnis zu seinen eigenen Eltern und er erachtete die regelmäßigen Bevormundenden und die maßlosen Erwartungen, die an ihn und sein gesellschaftliches Bewusstsein herangetragen wurden, nicht wirklich als ideal, aber seine Gefühle diesbezüglich kamen nicht im Entferntesten an die blanke Wut heran, die beim Gedanken an den gequälten Ausdruck in Montys Augen in ihm aufstieg. Ganz zu schweigen von dem folgenden „Ich kann das nicht“ bezüglich seiner eigenen sexuellen Identität im Angesicht eines verdammt noch mal Gleichgesinnten, den er gerade, um noch einen draufzusetzen, gevögelt hatte.

Wie konnte man sein Kind, sein beschissenes eigen Fleisch und Blut derart zerstören und aus einem heranwachsenden Jungen mit harmlosen Neigungen ein selbstverleugnendes, psychisches Wrack machen, dass die Homophobie seines Umfeldes als eine besonders perfide Art des Selbsthasses internalisiert hatte? Im verfickten Jahr 2019?

„Hey, entschuldige, Mann, er ist total abgefuckt und wird zuhause verprügelt, verstehst du?“

Bryce hatte ihm nichts erzählen können, was ihm wirklich neu gewesen wäre. Ungezügelte Aggression schockiert maßlos und konnte dementsprechend ungemein viel verstecken, aber Monty hätte doppelt so hart zuschlagen müssen, um den offenen Schmerz in seinem Gesicht zu überspielen, als er Winston in jenem Moment im Sommer eine Schwuchtel nannte.  

Was war es also, was ihn das Blut in seinem Mund, die lockeren Zähne, seine Platzwunde an der Schläfe, die wochenlangen Hämatome und seine mit Füßen getretene Würde so bereitwillig nach einem gemurmelten „Es tut mir leid“ vergessen ließ?

Es lag sicher auf der Hand, dass ihm beim Anblick eines nicht geouteten Schwulen, der vor nichts so viel Angst hatte, wie vor sich selbst und seinem eigenen Sehnsüchten, das Herz blutete.

Hinzu kam, und seine Wangen wurden rot bei dem Gedanken, dass ihm selten ein so gut aussehender Bastard über den Weg gelaufen war, welcher, nebenbei bemerkt, gerade seinen gesamten Körper auf unglaubliche Art und Weise mit Knutschflecken bedeckt hatte und sich auch noch gut vor der Kamera machte. Er musste sich wirklich beeilen, den beim Homecoming-Spiel verschossenen Film zu entwickeln, bevor sich die anderen im Jahrbuchkomitee darüber wundern konnten, dass fast ausschließlich Fotos von Liberty‘s Nummer 32 existierten und er sich nicht wirklich die Mühe gemacht hatte, Hillcrests‘ Idioten-Königsklasse mit ihren diskriminierenden Witzen und tiefvioletten Trikots zu fotografieren.

Doch reichte das? Tiefes Mitleid, Trauer um die Person, die unter besseren Umständen hätte sein können und pures Begehren, wobei letzteres peinlichst ausgeprägt war und er sich schon wieder zwingen musste, seine Finger nicht in diesem Moment über die definierte Rinne der Wirbelsäule zwischen den langen Rückenmuskeln wandern zu lassen, welche zum Vorschein gekommen war, als Montgomery sich zuletzt seufzend ausatmend auf die andere Seite gedreht hatte.

Sollte das alles sein?

Verdammt, die Gerüchte, die Tunte Williams hätte sich hemmungslos und dermaßen aufdringlich an einen Footballspieler von der Liberty herangemacht, dass dieser ihn letztendlich zu Brei geschlagen hätte, hatten sich monatelang in der Schule gehalten, und obwohl er sich sonst herzlich wenig für die Anfeindungen interessierte, war das Getuschel über ihn nie lauter und verletzender gewesen als in den letzten vier Monaten. Vielleicht weil es ihn zum ersten Mal wirklich kümmerte?

Vielleicht stand er tatsächlich auf kaputte Jungs mit der psychischen Verfassung einer Mondlandschaft, wie er vorhin halb im Spaß gedacht hatte??

Und, oh Gott, dieses Gesicht....

Anscheinend war es Winston nicht vergönnt, die genaue Zusammensetzung seiner offensichtlichen Zuneigung zu dem Wrack von einem Jungen in seinem Bett ausführlich zu analysieren, ohne beim Anblick der entblößten Nackenlinie Montgomerys von einer plötzlichen Welle der Sehnsucht übermannt zu werden, und als seine Augen etwas zu lange an dem geschwungenen Bogen von glatter Haut, Muskeln, Sehnen und Wirbelkörpern hängenblieben, fragte er sich mit plötzlichem Erstaunen, warum er sich die ganze Grübelei überhaupt antat.

Plötzlich kam ihm nichts schlimmer vor, als alleine wach zu sein und diese Art von ängstlichen, pseudo-rationalen Gedanken zu wälzen, wenn er sich doch seine eigene Naivität zu Nutze machen konnte und sich mit Haut, Haar und Heureka in den köstlichen Moment stürzen konnte.

Scheiß auf Morgen, scheiß auf zukünftige Blutergüsse.

Er wollte sich wieder auf das Bett schwingen und mit klammen Fingern endlich die honigfarbene Haut berühren, die in dem kalten Licht der frühen Morgenstunden aschfahl geworden war, doch bevor er seinen Plan in die Tat umsetzen konnte, fiel sein Blick auf den blau-beige karierten Hemdszipfel, der aus dem halb unters Bett gerutschten Klamottenberg herausschaute, hastig heruntergerissen und seitdem auf dem kahlen Fußboden vergessen.

Es schien Stunden her zu sein, dass Winston den weichen Stoff unter seinen Fingern gespürt hatte, doch hungrig auf das Versprechen von nackter Haut, die man küssen konnte, hatte er nicht weiter auf die Verpackung geachtet und den stellenweise dünn gewordenen Stoff in seiner Ungeduld beinahe zerrissen.

Jetzt, um halb vier Uhr morgens nach einer einsamen Zigarette, streckte er die Hand aus um das verwaiste Kleidungsstück aufzuheben und konnte, als eine zarte Wolke von Montgomerys körpereigenem Geruch davon aufstieg, nicht anders, als sich das Hemd zitternd um die eigenen Schultern zu legen und seine Arme in den weiten Ärmeln zu versenken. Seine in einer festen Gänsehaut steil aufgerichteten Körperhärchen schienen sich zunächst gegen den zu oft gewaschenen, flaumig gewordenen Stoff zu wehren, doch als Winston sich mit einem wohligen Seufzen unter die graue Decke kuschelte und seine Arme nach dem anderen Jungen ausstreckte, gaben sie schaudernd klein bei und akzeptieren das fremde Kleidungsstück und die plötzliche Wärme bereitwillig

„Rauchen ist echt ungesund,...und widerlich, Mann.“ kam es schlaftrunken von irgendwo auf der anderen Seite des massiven Körpers genuschelt und Winston versteckte sein unfreiwilliges Schmunzeln, indem er sein Gesicht im Nacken des Anderen vergrub und gierig den Geruch der erstaunlichen weichen Haare einsog.

„Ihhh.... Kalter Aschenbecher,“ protestierte Monty noch schwach, schien sich aber dann mit seiner Situation abzufinden und sich mit einem letzten demonstrativen Schnuppern der Umarmung hinzugeben; unsicher, zögerlich und mit einer nicht zu übersehenden Spur Misstrauen, als er Winstons Handgelenk zu fest packte, aber dieser kümmerte sich nicht weiter darum.

Er hatte bis jetzt noch keine gescheuert bekommen, nicht wahr, und wenn Winston ehrlich war, reichte ihm das.

Vorerst, zumindest.
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