Die Welt der Former

GeschichteMystery, Fantasy / P18 Slash
03.09.2019
05.04.2020
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10.09.2019 12.793
 
Kapitel 3


Er bekam das Wochenende zur freien Verfügung und war dann Freitags nachmittags vor dem Jugendhotel in London, wo seine Klasse eingekehrt war, hinter ihm stiegen nach ihm zwei Inquisitoren aus mit weißen Masken, die keiner anstarrte und irgendwie auch niemand bemerkte.

Seth war etwas nervös seine Freunde wiederzusehen, sicher war nicht viel Zeit vergangen, aber bei ihm war viel passiert.
Er wollte gerade den Schritt zur Glastür machen, als diese sich teilte und ein Dutzend Schüler herauskamen, vorne gleich Lina, die kreischte auf ihn zeigte und zu ihm rannte, die restlichen Schüler folgten ihr schnell über den kurzen Weg.
Schnell umarmte sie ihn und küsste ihn dann heftig was Seth überaus überraschte und kaum ihren Händen entkam, die sein Gesicht festhielten.
Man lachte, schlug ihm auf die Schulter „Bist kaum gewachsen!“ „Siehst gut aus“ „Die Haare werden auch immer länger!“ „Wir wollten gerade los ein paar Kneipen unsicher machen!“, nahm Thorsten ihn mit und zerrte ihn in eine Richtung, legte ihm freundschaftlich einen Arm um die Schulter, während Lina sich unterhakte „Das mit deinem Vater tut mir echt Leid, er war wirklich immer nett.“, lauschte er der vertrauten Stimme und sah sich um zu den Männern der Inquisition, die nahe bei ihnen waren und niemand Kenntnis davon nahm.


Sie redeten viel, über die Lehrer, alte Anekdoten, über die Partys, die gefeiert wurden und Seth lachte seit langem wieder ohne sich anstrengen zu müssen.


Die zwei Männer, die ganz in der Nähe standen vergaß er schnell, als er vergangenen Zeiten lauschte und auch die neusten Dinge hörte. Thorsten verließ sie einmal kurz und gleich ging das Getuschel los, sobald er auf Toilette war.
Frederic beugte sich stark zu ihm „Wusstest du, dass er schwul ist?“ Seth zuckte mit den Schultern „Ich dachte, er hätte eine Freundin?“
„Lang nicht mehr, hat nen 15 Jahre älteren. Pass auf, sonst hast du nachher noch einen Schwanz im Hintern, so wie er dich abfüllt.“ Man lachte und Seth schüttelte den Kopf „Thorsten nicht, der war immer der anständige von euch dreien.“, tadelte er Frederic, der grinste und nun plötzlich laut lachte „Stimmt wohl, was ist mit dir? Hast du ne Neue?“

„Nichts wirkliches, bin ja noch ganz neu da.“, erklärte Seth und sah wie Lina nun den Platz einnahm den Thorsten zuvor gehabt hatte und sich an ihn lehnte „Bleibst du über Nacht?“
„Ich hab das Wochenende frei“, sah er kurz auf zu den 2 Gestalten, die nur dastanden und sah wie einige nun seinem Blick folgten „Ist da was?“, fragte Lina träge „Nein, was steht morgen bei euch auf dem Plan?“

„Tower, Busfahrt, die Lehrer haben schon gesagt, dass du mitkommen kannst, danach wieder feiern.“

Er hatte nie so viel getrunken und wusste auch nicht wirklich wie ihm geschah, wie er ins Bett kam und wer ihn auszog.
Seinen ersten Sex nahm er volltrunken wahr, aber er war sich ziemlich sicher, dass es Lina war, die am nächsten Morgen neben ihm lag und es mit ihm gleich das zweite Mal machte oder war es das dritte Mal? Als er irgendwann aufstand und die Kondome zählte war er sich nicht sicher, ob sie es wirklich 5 mal gemacht hatten. Er fühlte sich gut, erleichtert, erwachsen.


Er hielt mit ihr Händchen den ganzen Tag, sie küssten sich viel und bekamen nicht viel von der Umgebung mit, nur manchmal starrte Seth auf die 2 maskierten Gesichter, die in direkter Nähe waren und vermutlich alles irgendwo aufschrieben und später dann ihm vorhielten. Aber momentan war ihm das sehr egal.

Abends spielten sie im Zimmer Karten und hatten genug Alkohol, um den Verstand rauszukotzen. Lina ging irgendwann nach Mitternacht auf Toilette und Seth bekam nicht mehr mit, ob und wann sie überhaupt wiederkam, während Frederic ihm noch ein Bier öffnete und hinstellte, die Karten neu mischte und verteilte und grinsend zum anderen Schulkameraden sah, der nickte „Hey, nicht falsch spielen, ich verlier wohl deshalb so oft.“, nahm er einen Schluck vom Bier und betrachtete die Karten „Ich bin mir sicher ihr spielt falsch.“, trank er die Hälfte des Biers aus, als man anstieß auf die nächste Runde und schnell wieder ins Hintertreffen geriet. „Unsinn, eine 8 wirst du wohl haben“, legte Frederic eine Karte auf den Haufen und Seth nickte nur um dann eine Karte zu ziehen und irritiert zu bemerken, wie diese ihm einfach aus der Hand fiel und als er diese aufheben wollte, gleich alle anderen herunterfielen.


Er spürte seine Hände kaum mehr und er sah dann wie sein Bild sich kippte und blinzelte dann als er bemerkte mit dem Kopf auf dem Boden zu liegen. Ihn verließen gerade alle Kräfte, alle Konzentration. Hatte er eine Alkoholvergiftung? Funktionierte überhaupt noch sein Gehirn?
Während er das dachte, hatte sich das Bild verändert und er lag auf dem Bett.

Stimmengemurmel im Hintergrund, aber er selbst schaffte es nicht mal seine Zunge zu bewegen, geschweige denn seine Lippen. Er spürte leichte Panik in sich aufsteigen und gleichzeitig wie seine Konzentration verpuffte. Nichts war mehr unter Kontrolle, ihm war heiß und über ihm zog gerade Frederic ihm Hemd und Hose aus, zeigte ihm seinen Penis, wo er das Kondom herüberstreifte sagte irgendwas, während Seth nur panisch spürte nicht mehr er selbst zu sein. Er fühlte den Schmerz kaum in seinen Eingeweiden und starrte nach dem ersten Ruckeln zur Seite, wo der andere Mitschüler nur daneben stand und starrte dann auf seine Hand, die aus dem Bett hing. Sie brannte, flüssiges Feuer tropfte aus dieser, aus seinen Augen. Feuer. Sein Gehirn hatte keine Kontrolle mehr. Schmerzen und Feuer.

Er war verloren.
Er konnte sich selbst nicht mehr halten. Er versuchte noch einige Male sich die Kälte vorzustellen, wie sein Vater ihn gelehrt hatte, um dann hoffnungslos die Augen zu schließen und nichts mehr zu spüren, bis auf das alles verzehrende Feuer. Es brannte heiß und brannte in seinen Eingeweiden. Er kam nicht mal dazu einen letzten Gedanken zu fassen, außer Feuer.


Nackt, in Eiseskälte und mit schmerzenden Ketten, die in sein Fleisch schnitten wachte er schreiend auf. Die Kupferketten klirrten, rissen seinen zuckenden Körper zurück an die kalte Wand, wo er wieder schrie und die Hände versuchte schützend um seinen Körper zu legen, den er in der Dunkelheit kaum sah.

Die Ketten schnitten ins Fleisch, er spürte seinen kalten Atem über den Händen und zitterte dann als er sich umsah. Ein Spalt wurde geöffnet und Licht fiel herein, bevor es wieder dunkel wurde und jemand davor stand und hineinstarrte. Seths Lippen waren trocken als er über diese leckte und auch seine Stimmbänder schienen vertrocknet als er nur ein krächzen herausbekam „Papa? Was ist passiert? Was…?“, er brach ab als er versuchte sich zu erinnern. Sie hatten Karten gespielt und dann?

Die Tür wurde aufgemacht. Sie klang nach altem Metall, jemand kam als dunkler Schatten herein und Seth blinzelte mehrmals „Du hast 4 Menschen getötet mit deinem Feuer.“
„Feuer?“, flüsterte Seth und sah zu seinem Urgroßvater, dessen Stimme verzerrt klang.
„Man konnte nichts löschen, ich erinnerte mich an die Aufzeichnungen deines Vaters, sonst hätte man dich töten müssen. Warum hast du Feuer gelegt?“
„Ich …“ 4 Menschen?
„Sogar deine Freunde getötet.“, klang sein Urgroßvater abschätzig und Seth schüttelte den Kopf. Er konnte sich nicht erinnern, Alkohol… Karten, was war passiert?

„Du hast gleich eine Anhörung, dein Großvater wird diesmal dich nicht verteidigen. Dafür hast du ihn zu sehr enttäuscht. Du hast ihn blamiert. Kennst du jemanden, der dich vertreten soll? Sonst werde ich dir einen aussuchen!“

Seth Gedanken rasten. Woher sollte er jemanden kennen? Woher sollte er überhaupt jemanden „Man wird dich vermutlich mit der Todesstrafe belegen.“
Seth Mund klappte auf, ehe er begann zu zittern. Man wollte ihn töten? Für was? Weil er etwas getan hatte woran er sich nicht erinnerte? Wie konnte sich damals sein Vater befreien? Er musste das auch tun, bald, schnell.

Die Fesseln brannten ins Fleisch, er versuchte sich wieder zu beruhigen, durchzuatmen, die Kälte in seine Gedanken zu lassen. „Devon, dieser Anwalt…“ der Einzige, der Interesse an dem Fall seines Vaters gehabt hatte. „Er ist ein Neuling, er hat keinen Respekt hier, damit unterschreibst du dein Todesurteil.“
„Ich dachte, dass es schon steht?“, erwiderte Seth kühl.
„Mrs Fox hat angeboten…“
„Niemals.“, zischte Seth und ließ sich wieder an die kalte Wand fallen. „Und ich möchte was zu essen und zu trinken haben.“


Wenige Zeit später bekam er etwas zu trinken und zu essen neben sich gestellt von einem weiß maskierten Inquisitor und sah wie der Anwalt ebenfalls durch die Tür kam, begleitet von einem weiteren Inquisitor und sich fröstelnd umsah, dann ihn erblickte und ehrlich geschockt schien „Sein Körper ist voller Verbrennungen, er gehört ins Krankenhaus.“, brachte er hervor „Das ist doch Folter!“

Die Maskierten sagten nichts, gingen einfach und schlossen die Tür ab. Ein Licht ließen sie immerhin an. Der Anwalt starrte zur Tür und dann zu ihm, ehe er näher kam „Hallo!“, begrüßte Seth ihn und sah wie jener seine Tasche abstellte auf den schwarz, verrußten Boden und sich dann auf einen Hocker setzte neben dem Essen, ihn weiter anstarrte und es dann schaffte auch zu sagen „Hallo. Sethos Dunninger, schön dich wieder zu treffen, wieder in solchen Umständen?“
Seth sah zum Essen „Können Sie mir mit dem Essen helfen?“
„Ja, natürlich.“

Es verging nur wenig Zeit ehe Seth sich mit den Fesseln an die Wand drückte und sah wie nun sein Anwalt versuchte Stift und Papier herauszuholen „Schildere mir doch mal, was aus deiner Sicht passiert ist.“

„Ich bin mit meinen Freunden auf das Zimmer gegangen, wir haben Karten gespielt… irgendwann ist meine Schulfreundin Lina auf Toilette gegangen und danach weiß ich nichts mehr.“

Der Anwalt sah von seinen Notizen auf und starrte ihn an „Nichts?“

„Normalerweise weiß ich ganz genau immer was passiert ist, wenn ich irgendwie für Tote verantwortlich bin, aber diesmal nichts. Ich habe einen Blackout.“

Mr. Devon starrte ihn an „Wir müssen dann beantragen, dass jemand deine Gedanken sich vornimmt.“

„Wenn etwas im Kurzzeitgedächtnis verloren geht ist es verloren, vielleicht habe ich ja einen Schlag auf den Kopf bekommen.“

Mr. Devon schaukelte hin und her und starrte ihn an „Nein, es ist irgendwo versteckt, aber nicht abrufbar, wir müssen schnell jedoch handeln und jemanden dafür beauftragen vor Zeugen.“

„Wieder vor hunderten Gaffern?“

„Nein, Gedanken sind intim. Die Richter, bzw. der Rat wird dabeisitzen, wir müssen jemanden finden, der deine Gedanken ordnen kann, es gibt nur wenige, die das machen können.“

Seth nickte „Mein Großvater, er ist oft unterwegs deswegen.“

„Ja, und Mrs. Fox, die du vehement ablehnst?“

Seth nickte „Ich habe es mit meinem Großvater geübt.“

„Das ist gut, nur dein Großvater hat bereits gesagt, dass er mit dem Prozess nichts zu tun haben will. Er ist enttäuscht, er hat seinen Namen gegeben, sein Wort, dass du nichts tust. Scham und Ungnade…“

„Ich weiß ja nicht mal…“

„Ganz ruhig, ich könnte meinen Sohn fragen…“

Seth starrte jenen ungläubig an „Gibt es niemanden qualifizierten? Außerdem sieht er mich eh als Mörder, wer weiß was er da so erzählt.“, dachte er an das letzte Zusammentreffen.

„Er ist qualifiziert, Nael ist außerordentlich begabt und schließt jede Prüfung mit Bestnoten ab. Er versucht die Erinnerung zu finden und wird das wiedergeben, was selbst du nicht mehr mitbekommen hast, wenn du ohnmächtig warst. Es sind die Schwingungen im Ohr, dieser Widerhall wird gespeichert, er wird es finden und entschlüsseln können.“

„Okay… was muss ich machen?“

„Dich entspannen und ich werde schnell alles organisieren.“



Es ging wirklich schnell. Seth wurde mit 8 Männern zur Bewachung wenige Minuten später weggebracht. Es war der Ratssaal, der gänzlich leer war und wo man seine Fesseln verankerte. Seth blinzelte einige Male im Licht und sah dann auf die vernarbten Hände, die roten Narben am Rest des Körpers, die aufgeplatzten Brandblasen und versuchte weiter die Kälte in sich zu behalten. Der Schmerz war so erträglicher, die Kupferfesseln allerdings brannten am meisten und ab und zischte es, wenn diese seine Haut berührten. Dampf stieg auf und meist wurde dies von den Bewachern argwöhnisch begutachtet und notiert.

Wahrscheinlich würden sie ihn lieber noch in Laboren untersuchen als gleich umzubringen, so wie es aussah. Er zuckte kurz zusammen als eine Tür laut aufschlug. Der Ratsvorsitzende kam herein mit düsterer Miene und ihm folgten 2 weitere. Mrs. Fox, und ein anderes Ratsmitglied, das er bereits gesehen hatte. Er sah elegant aus, hatte schwarze Haare, kurz und wirkte eher distanziert als er sich setzte „So, die Erinnerung verloren, was für eine Ausrede. Das werden wir gleich haben. So oder so, das Feuer ging von dir aus.“, fauchte der Ratsvorsitzende und schwieg als durch eine andere Tür Seths Urgroßvater kam als Großinquisitor gekleidet „Was machst du hier, Großinquisitor?“

„Es wurden 2 meiner Mitarbeiter verletzt, ich will wissen was passiert ist und ich werde beobachten, wie der Angeklagte sich in seine Lügenwelt verstrickt. Ich möchte dabei sein, wenn er für seine Taten endlich zur Rechenschaft gezogen wird.“

Seth starrte zu jenem und fühlte wie in seinem Inneren etwas zerbrach, etwas was er nicht geglaubt hatte noch einmal haben zu können.
Vertrauen.
Sein Urgroßvater verteufelte ihn – einfach so. Seth spürte die Tränen nicht mal, die aus seinen Augen kamen und gleich vor Kälte verdampften auf seiner Haut. Es schmerzte im Inneren fast mehr als die Wunden durch die Ketten überall. Er sah wie sein Anwalt nun rein kam und sich überrascht umsah „Oh, schon alle da. Eigentlich sollte der Angeklagte, wenn noch minderjährig nur in Begleitung seiner Vertrauensperson hier sein, aber es wurde wohl sich nicht daran gehalten, ich bitte das zu vermerken.“, wies er zu einer Person, die im Schatten saß, irgendwo hinter Seth, der sich nicht umdrehen konnte und nun seinen Schulkameraden sah, der irgendeine Robe trug, die nach einem Krankenpfleger aussah „Ich bitte auch zu vermerken, dass eine Abwesenheitsbescheinigung erstellt wird für meinen Sohn, der deswegen vom Unterricht fernbleiben muss.“

Seth Blick fiel auf den Boden auf die Fesseln, er hörte das leise Verdampfen der Tränen und schrak entsetzt zusammen als er etwas auf seinen Schultern spürte und nun silbern glitzerte „Eine Decke, bei Brandwunden…“, hörte er seinen Anwalt „Nichts schlimmes…“, beruhigte er ihn „Ich bitte auch zu vermerken, dass man den Angeklagten nackt und mit 8 Männern in den Saal geführt hat, ohne irgendwas zu bedecken.“

Seth zitterte als er die zweite Decke kühl auf der Haut spürte und nickte nur „Danke“.
„Kein Problem, denke daran, du darfst dich nicht sperren, hörst du? Sonst können Erinnerungen verloren gehen.“
„Ich versuchs…“

Seth sah wie der Anwalt nun seinen Sohn vorschob, dessen Gesicht nichts erkennen ließ was er dachte. Seth schloss fest die Augen und wartete darauf, dass jemand in die Gedanken eindrang und erschrak als Finger sein Gesicht berührten, öffnete die Augen und starrte in die grünen Augen, die vor seinen Augen plötzlich schwarz wurden und er dessen Stimme hörte „Es ist kalt. Ich muss kalt bleiben, es tut sonst weh. Er hat mich verletzt. Habe ich noch irgendjemanden? Papa? Hilf mir… Ich will weg hier…“ Die Augen wurden wieder grün und er sah nun weg „Ich habe kein Problem seine Gedanken und Gefühle zu erfassen, sind sie verständlich gewesen?“
„Ja, fahren Sie fort.“

Seth erschauderte als die Augen vor ihm wieder grün waren und ins schwarze umschlugen und dort Bilder scheinbar erschienen „Ihr wart im Tower?“
„Ja“, flüsterte Seth heiser und sah fast alles so in den anderen Augen als würde er es gesehen haben. Wie war das möglich?
„Nicht denken, deine Freundin?“
„Lina… ja…“
„Ihr hattet Sex.“ Seth riss sich zusammen und sagte nichts dazu „Ihr geht zurück ins Hotelzimmer, es sind 2 Betten da, Frederic und Marcel sind da. Lina auch, ihr trinkt, Lina sagt, dass sie auf Toilette muss, ihr spielt weiter Karten…“

Die Bilder die nun kamen waren verwirrend für Seth, er war sich nicht sicher, ob er das wirklich erlebt hatte, er schloss lieber die Augen und lauschte der Stimme „Du trinkst Bier, du hast alles unter Kontrolle, deine Mitspieler betrügen dich, du siehst es, aber du willst kein Spielverderber sein, du legst die Karte auf den Stapel, sie fällt dir aus der Hand, die anderen Karten auch. Du kannst deine Hände nicht mehr bewegen, deine Arme auch nicht, du fällst um. Gelähmt, du nimmst nichts mehr wahr. Die Stimmen sind für dich unverständlich. Ich übersetze sie…//Das ging aber schnell.//
/Ich habe sie schon paar Mal benutzt…hilf ihn mir aufs Bett zu legen./
//Er ist schwerer als er aussieht//
/Unsinn, sieht nicht nur aus wie ein Mädchen, sondern wiegt wie eins, ha ha ha… die KO Tropfen bringen es, er sabbert, oder? Heiß. Scheiße, ich will ihn ficken, siehst du das? Ich wird dich sowas von durchficken, bis dir der Hintern blutet./
//Und ich?//
/Du kannst danach, scheiße was sind das denn für Kleidungsstücke, ist das ne Robe? Wo trägt man sowas? Heiß, wie so ein Magiermädchen beim RPG, fehlt nur noch der Busen. Hey, hey Seth, ich zeig dir mal meinen Penis und weißt du was jetzt passiert? Ich ficke dich. Ich ficke dich. Und willst du wissen warum? Weil du so aussiehst./
//Scheiße, hat der lange Haare, ganz weich…//
/Lass mich zuerst Schwuchtel./
//Ist ja gut…//
/Verdammt…eng, ja heiß… und jetzt wirst du nie mehr laufen können, wenn ich mit dir fertig bin…Ja… ah…/
//Fred? Fred!//
/Was denn verdammt?/
//Irgendwie…er sieht komisch aus… er ….//
/Scheiße ist der heiß… ich komm gleich, ich komm…/
//Da tropft Feuer aus seinen Fingern.//
/Was sagst du? Lass mich doch erstmal zu Ende ficken, du bist gleich dran./
//Ich… sein Arm schmilzt…//
/Du hast zu viel getrunken…/
//Er schmilzt… Feuer, das Kissen brennt, das Kissen. Der Feueralarm, Fred, nun komm…//
\Was macht ihr hier?\
//Lina! Verschwinde!//
\Es brennt hier!!! Wo ist Seth?\
//Auf dem Bett.//
\Verdammte Scheiße! Weg hier, schnell, ich dachte ihr wollt ihn nur ficken, nicht anzünden!\
/Er ist von selbst, einfach…Aaah… Er steht auf! Nein!/ //NEIN!// \Wo denn? Er ah!\

Es ist heiß, alles brennt, überall ist Feuer! Heiß, Schmerzen
~„Habt ihr ihn nicht gefunden?“
„Nein, nur das Kind.“
„Deine Tochter…“
„Sie ist selbst schuld an ihrem Tod, wir müssen Dunninger finden“
„Er hat keinen Grund zurückzukommen, du hast gerade seine Tochter ermordet.“
„Er wird kommen, nehmt das Baby“
„Ein Kind?“
„Hier!“

~ Schmerzen ~

„Du hast ihm den Arm gebrochen!“
„Foltert das Baby, verbrennt es Stück für Stück, er wird kommen. Er wird kommen.“ Feuer, Schmerzen, Feuer…Seth sah verschwommen Bilder vor seinen Augen und starrte auf Menschen, die er nie gesehen hatte. „Er ist dein Enkel!“
„Foltert ihn, wir müssen seinen Vater bekommen, alles andere ist egal. Für die Gemeinschaft, es wird nichts verraten.“ Mama. MAMA! Hilfe! Mama!“


Seth schrie spürte Schmerzen überall, spürte verwirrende Gefühle und schrie immernoch als um ihn herum überall Hände waren und er seine Tränennassen Augen nicht verbergen konnte. Der Großinquisitor hockte auf ihn, hielt ihn dabei fest und umarmte ihn, die Ketten waren weg. Es roch nach Feuer und er hörte Stimmen „Mir geht es gut, Vater. Ich bin einen falschen Weg gegangen, eine Kindheitserinnerung, die versiegelt war, es ist meine Schuld. Das Feuer hat mich rübergeführt. Es geht schon. Wirklich.“
„Nael, du bist gerade 10 Meter zur Seite geflogen.“
„Ich hab mich abgefangen, lass mich durch, ich will sehen, ob er tatsächlich Kupfer zum Schmelzen gebracht hat.“

Seth klammerte sich an die schwarze Robe zitternd. Es war seine Mutter, er sah die Leiche seiner Mutter vor seinen Augen, er spürte die Schmerzen, man hatte ihm den Arm gebrochen, zerrissen, er spürte das Feuer, man hatte ihn verbrannt, Stück für Stück... und dann… Er zitterte, schluchzte, er schaffte es nicht sich zu beherrschen, es funktionierte nicht.
Die Schmerzen waren überall, sie waren real.
Eine Hand legte sich auf seinen Kopf, die Erinnerungen verblassten etwas und er beruhigte sich nur langsam, während neben ihm Stimmen waren „Er hat es geschmolzen, alles und niemanden verletzt. Die Kraft ist versiegelt, ich weiß nicht wie genau, aber damals diese Ereignisse, man muss dort etwas lösen. Sie wurden bewusst versiegelt, ich wusste nicht, dass Former Kupfer schmelzen können.“, hörte er Nael, während er leise wimmerte vor Schmerzen. „Das können auch nur wenige…“, erklang die Stimme von Seths Anwalt. „Wie ist das Urteil?“, hörte er plötzlich die Stimme seines Urgroßvaters dunkel.

„Unschuldig, die Menschen starben weil sie es verdient haben. Sie spielten mit einer Macht, die sie nicht fassen konnten.“, klang es düster aus dem Rat.

„Ich bringe ihn ins Krankenhaus.“

Seth wurde hochgerissen und schien fast durch die Hallen zu fliegen, ehe er im Krankenhaus anderen übergeben wurde und Seth zitternd sich der Behandlung unterzog. Er schwieg bei allen Fragen, die man ihm stellte und rollte sich zusammen als man ihn bat doch seine Wunden im Analbereich zu zeigen. Die Schmerzen wurden weniger, aber das Gehörte blieb und auch die Erinnerung an die Schmerzen konnte er weiter spüren. Seine Schreie hören als Kind. Die Hilflosigkeit spüren. Niemand der kam. Einsamkeit und Schmerzen.

Die Decken wärmten ihn kaum während er im Bett lag und an die Decke starrte. Er hörte manchmal Stimmen vor seiner Tür, manchmal erhaschte er in seiner Müdigkeit einige Worte draußen „Sag schon, wurde er wirklich betäubt und vergewaltigt?“
„Ihr könnt ja seine Akte lesen.“
„Du hast die Wunden gesehen…“
„Und?“
„Warum ist alles in Flammen aufgegangen?“
„Heute hat der Rat gesagt, dass in den nächsten Tagen intensiv bei ihm Untersuchungen gemacht werden, er wurde wohl bei der Flucht gefoltert und da hat man irgendwas…. shhh da kommt wer.“

Seth hörte die Tür öffnen und schließen, starrte nur an die Decke und spürte dann eine Hand auf seiner, zog seine Hand weg unter die Decke und diese hoch bis zur Nase ehe er den Besucher anstarrte „Sethos? Mein Vater sagte mir, dass meine Frau dich gefoltert hat, dass jeder in der Halle es deutlich sehen konnte, so intensiv waren deine Schmerzen. Ich wollte mich für sie entschuldigen.“

„Wozu? Sie hätte sich nie entschuldigt.“, flüsterte Seth und starrte in die Augen seines Großvaters, der sich setzte und still neben ihm saß „Es gab einige Hinweise, aber ich habe sie nie geglaubt. Meine Frau hat unsere Gemeinschaft verraten, alle in ihrer Truppe, alle die euch folgten und starben.“

Sein Großvater schien auf eine Antwort zu warten und Seth starrte ihn nur weiter an „Ich habe dir Unrecht getan. Dass die Menschen dich missbraucht haben, es tut mir Leid.“
„Ich habe kaum Erinnerung daran. Nur dass was Nael Devon sagte, ich fühle nichts dabei, es ist ganz gut so.“ sah er dann zur Tür.

„Ich möchte mich bei meinem Anwalt bedanken, denkst du, dass er kommt?“

„Wir übernehmen natürlich die Kosten und es…ich übermittele deinen Dank. Sie sagen, dass du aus dem Krankenhaus könntest.“

„Hmm.“ Seth hörte draußen die Stimmen.
// „Hörst du nichts?“
„Gar nichts“
„Izumi ist auch einer der besten in der Abschirmung.“//
Seth stieg aus dem Bett, nackt wie er war und ging zum Schrank „Nicht mal Narben von außen…“ sah er im Spiegel seinen Körper an „Aber im Inneren, die sieht niemand.“ hörte er seinen Großvater.
„Der erste Blick täuscht.“, kam er zu ihm, reichte ihm einen weißen Krankenhaus-Kimono, den Seth anzog und er dann sein Haar anstarrte, das verknotet war. Mit langem Haar sah er aus wie ein Mädchen? Er ging ins Bad, nahm eine Schere „Sethos? Was machst du da? Nein! Das schöne Haar!“
Es ging schwieriger als er dachte. Er erwischte nur ein paar Strähnen, bevor sein Großvater ihm die Schere aus der Hand riss und Seth verzweifelt aufschrie „Ich seh aus wie ein Mädchen!!“
„Nein! Nein, du bist muskulös, nicht die Haare“
„Ich will sie wieder kurz haben, wie vorher…“ Sein Großvater atmete tief aus, und fuhr dann mit den Fingerspitzen an den Haaren entlang, bis seine Haare abfielen an der Grenze und Seth wieder sein kinnlanges Haar zurück hatte, dieses langsam mit den Fingern kämmte und dann sein Gesicht wusch.
„Wann werde ich wachsen? Ich bin der kleinste in der Klasse, ich hab nicht mal einen richtigen Stimmbruch gehabt.“
„Ich weiß es nicht.“
„Wenigstens hatte ich schonmal Sex, mit Mädchen und Jungen, das hat sicher auch niemand in meinem Alter.“, bemerkte Seth kühl und massierte seine Augen „Gehen wir nach Hause.“
„Ja.“



Seth ließ die Tür hinter sich ins Schloss fallen, sah wie sein Großvater die Schuhe auszog und ging selbst, barfuß wie er war die Treppe hoch ohne sich umzusehen und erschrak daher um so mehr als er eine Stimme hörte „Sethos?“, er zuckte heftig auf der Treppe zusammen und starrte zu seinem Urgroßvater, der keine Maske aufhatte und mit besorgtem Gesichtsausdruck an der Treppe stand und zu ihm hochsah „Wie geht es dir?“

Seth starrte zu ihm, dann hinter ihm in den Raum, wo scheinbar nicht nur ein Besucher am Tisch saß, sondern mehrere „Ich möchte duschen und schlafen.“

„Kommst du nach der Dusche herunter? Ich möchte dir Fragen stellen, solange deine Erinnerungen noch frisch sind.“

„Mal sehen.“, ging er nur einfach weiter und war froh als er unter dem heißen, dampfenden Wasser stand, die Bürste und Seife fand und sich wohl noch nie im Leben so lange geduscht hatte wie da. Überall, mehrmals, ehe er mit kochendem Wasser seine Haut weiter abspülte und mit einem frischen Handtuch sich lange abrubbelte, Strümpfe, Unterwäsche und ein T-Shirt anzog, ehe er leise ins Wohnzimmer ging, wo sicher ein halbes Dutzend Menschen zu hören waren „…es geht nicht um die Schuldfrage. Es ist absolut erwiesen, dass Dunninger seine Familie getötet hat, aber immerhin ist jetzt klar, dass er seine Frau nicht getötet hat, deine Schwester!“, erklang eine fremde Stimme, „Es ist mir egal, verstehst du egal, ob Dunninger total bekloppt ist, aber meine Mutter war keine Verräterin! Niemals hätte sie uns verraten! Oder Vater? Du hättest was bemerkt? Irgendwas bemerkt? Du bemerkst das doch!“
„Es gab Hinweise, ich bin ihnen nie nachgegangen.“
„Das kann doch wohl nicht wahr sein, und das alles wegen diesem verdammten Dunningerkind! Du verteufelst meine Mutter, für den Spross einer Familie, die uns nicht mal mit dem Arsch angesehen hätte, wenn sie jetzt noch leben würde!“
Seth betrat den Raum und sofort verstummten alle Gespräche, sein Großvater schien entsetzt als er ihn sah „Was hast du getan?“
„Geduscht…“, sah Seth über die unterschiedlichsten Gesichter. Wohl seine Familie, die andere, die, die ihn niemals treffen wollte, nachvollziehbar. „Du bist überall aufgekratzt und blutest!“ An der Tür klopfte es und sein Großvater riss ihn grob am Handgelenk mit und ging zur Tür „Meine Tochter muss noch kommen“. Vor der Tür stand allerdings Seth Rechtsanwalt „Mr. Devon“, brachte sein Großvater heraus „Ich hoffe, dass ich nicht störe“ Seth schüttelte den Kopf „Möchten Sie einen Tee? Ich wollte mich bedanken für Ihre Hilfe.“
Mr.Devon sah zuerst zu Seth Großvater der nickte „Danke gerne.“ Seth sah weiter nach draußen „Ihr Sohn darf auch reinkommen, immerhin hat er alles getan.“
Sein Großvater sah überrascht nun wieder nach draußen und starrte dann zu Seth „Woher wusstest du, dass da noch jemand ist?“

Seth wollte etwas sagen, fand aber keine Erklärung dafür, während der Oberstufenklässler nun näher kam und Seth eine eindringliche Nähe in seinem Kopf spürte. Er war so oft in seinem Kopf drin gewesen, so tief, vielleicht deshalb? Es wirkte bekannt… „Danke für die Einladung“, nickte er Seth Großvater zu, der weiter Seth anstarrte „Ich sag der Köchin, dass sie Tee machen soll.“

„Ich mach das schon, ich geh mit ihnen in die Küche und ihr könnt noch darüber reden was für einen abgrundtief böse Vater ich habe. Hier entlang.“, wies Seth in eine Richtung und spürte wie sein Großvater noch sein Handgelenk hielt „Seth, deine Wunden müssen versorgt werden. Du blutest überall.“

Seth sah auf die rote Haut „Es ist eine leichte Übung für mich, ich mach das.“, bot Nael an und nur zögernd ließ sein Großvater Seth Hand los, der dann in der Küche die Köchin überraschte, die an der Wand lauschte und ihn entsetzt ansah „Ich…“
„Ich mach nur Tee und setz mich hierhin.“
„Sie bluten Mr Dunninger. Ich mach den Tee.“

„Nein!“, ging Seth dazwischen und erwärmte dann selbst Wasser auf der Herdplatte, ehe er sich hinsetzte und zusammenzuckte als eine Hand ihn berührte „Das Heilen geht so besser.“, bemerkte Nael und Seth nickte nur, sah auf die Blutstropfen die überall langsam verblassten, in die Haut einzogen und spürte die Präsenz des Anderen sehr stark um sich herum. Der pfeifende Teekessel half ihm wieder sich zu konzentrieren, die Routine zu finden.

„Danke Mr. Devon, mein Großvater sagte mir, dass er sie bezahlen wird, aber ich weiß nicht, Sie und ihr Sohn haben mir das Leben gerettet. Ich weiß nicht wie viel ein Anwalt verdient, aber mein Leben bedeutet mir viel, insbesondere wo mich jeder bereits im Labor oder am Galgen sehen wollte.“, goss er in aller Sorgfalt Tee ein, was die Köchin argwöhnisch betrachtete und Mr. Devon nur lächelnd sich bedankte „Auch wegen der Heilung danke“, sah Seth kurz zu Nael, der mit den Schultern zuckte „Es ist nicht anstrengend, nur Kratzer.“

Seth setzte sich dazu, nahm die heiße Tasse, starrte auf den Dampf und trank den glühenden Tee „Du verbrennst dir absichtlich die Zunge und die Speiseröhre?“, hörte er plötzlich Nael und starrte ihn an wie einen Fremdkörper „Es beruhigt mich.“
„Schmerzen?“
„Sie sind nicht so schlimm…“
„Es ist so, dieses Siegel was ich gebrochen habe, du brauchst psychologische Unterstützung bei so einem Trauma“, überschlug jener die Beine und betrachtete ihn skeptisch als Seth lachte „Jeder brennt darauf in meinen Gedanken rumzufummeln, ich will das nicht. Ich komm damit klar. Wenigstens habe ich jetzt das erste Mal ein Bild von meiner Mutter gesehen, tot, zerstückelt und Blut überströmt aber ein Bild. Ich werde das verarbeiten, ich habe schon andere Sachen verarbeitet.“

„Da war aber deine Kraft noch versiegelt, ich habe was aufgebrochen, du wirst eine Gefahr sein, wenn du das nicht kontrollieren kannst.“

„Ich kann es kontrollieren!“, erwiderte Seth heftig.

„Und im Schlaf?“, widersprach Nael und stand wütend auf „Du kannst hier alle umbringen mit Albträumen! Du musst es beherrschen, verarbeiten. Ich wollte dir nur sagen, dass ich das an die zuständige Behörde weitergegeben habe, solange bis du dich einer Therapie unterzogen hast, musst du unter Beobachtung schlafen!“

Seth lehnte sich im Stuhl zurück „Und?“ hob er die Finger „Hier, siehst du das?“

„Ich weiß, dass du glaubst, dass du am Tod hunderter Unschuldiger Schuld bist.“, ergriff Nael diese fest und Seth versuchte jene herauszuwinden, um dann auch aufzustehen wütend und ihn anzufunkeln. Er hasste seine Größe, er musste wachsen.

„Nein, ich denke das nicht! Du denkst das! Ich komme damit klar, dass ich Schulkameraden, Nachbarn und Freunde getötet habe, und weißt du auch warum? Weil ich so erzogen worden bin! Ich beherrsche mich, ich kann alles beherrschen in mir.“

„Und das in London?“

„Sogar wenn ich volltrunken bin, kann ich mich beherrschen, KO Tropfen sind was anderes, sie greifen Nervenzellen an und das akut, kein Rausch, sie lähmen sie!“, riss er seine Hände los und atmete aus, um ihn herum waberte die Luft kalt und auf dem Boden wo er stand lagen kleine Eiskristalle, was ihn erstaunte.

„Gut, ich sehe, dass da scheinbar irgendwas locker geworden ist bei mir, aber ich beherrsche es.“
Nael starrte ihn an, ebenso wie sein Vater, die Tür wurde aufgerissen und sein Urgroßvater stürmte herein „Was …“ Er starrte ihn auch an und andere quetschten sich nun durch starrten zu ihm und Seth drehte sich irritiert um, wo die Wand voller Eiszapfen hing und spürte dann Eiskristalle auf seinen Wangen, sah nach oben, wo eine Schneewolke leise Schnee herabrieseln ließ und setzte sich dann auf den kalten Stuhl, vergrub sein Gesicht hinter den Händen „Ich hab nicht aufgepasst.“

Naels Hand fuhr durch die Wolke „So sieht nicht aufgepasst aus? Formerkunst eines höheren Levels? Und das nur bei einem kleinen Bruch im Siegel? Ich will nicht wissen was da auf die Menschen wartet, wenn du deine ganzen Kräfte kontrollieren kannst. Du bist eine Gefahr, du musst es beherrschen.“

Seth atmete tief durch und sah wie sein Urgroßvater alle wegschickte und auch die Köchin rausschickte, dann die Wolke nahm, verschob und wieder losließ, während Seth versuchte sich zu konzentrieren, es ging doch sicher auch ohne Eis, tief ein- und ausatmen „Worüber habt ihr geredet?“

„Er hat ein Trauma, ein gerissenes Siegel, er muss beobachtet werden, bis er es kontrollieren kann – auch nachts.“, hörte er Nael und Seth stand auf, hob die Hand zur Wolke an die er kaum herankam, die daraufhin verschwand, nur weil er es sich vorstellte und auch die Wand war wenige Sekunden später wieder eisfrei „Ich beherrsche es. Ich wusste nicht, dass es so einfach ist.“

Die Augen seines Urgroßvaters beobachteten jede Bewegung die er machte und Seth setzte sich dann doch wieder hin und schloss die Augen. Er musste sich konzentrieren, das war doch was anderes. Es ging zu einfach, er hatte es sich schwieriger vorgestellt. So wie mit einem Zauberspruch irgendwas, aber er musste es sich nur vorstellen und da war es.

„Du musst beobachtet werden.“, hörte er seinen Urgroßvater und Seth öffnete die Augen wieder, starrte ihn an, sah dann zu seinem Anwalt, der ihm in die Augen starrte „Ich stimme ihm zu. Die Dunningers hatten ein besonderes Training, leider sind alle die es kannten tot, bis auf deinen Vater. Möglicherweise hat er dir vielleicht einige Hinweise gegeben, aber die Dunningers haben mächtige Gene. Du scheinst nichtmal ein Wort sagen zu müssen wie manch anderer am Anfang.“
Seth stand auf „Unterhaltet euch nur, ich hatte einen anstrengenden Tag, eigentlich wollte ich nur schlafen.“

„Du solltest jetzt nicht schlafen…“, stellte Nael sich ihm in den Weg und Seth starrte geradeaus auf dessen Brustkorb, schürzte die Lippen und ging dann zum Kühlschrank und nahm sich Lebensmittel heraus. Er hatte Hunger, wenn er schon nicht schlafen durfte – und vor allem sich nicht aufregen sollte.

„Ich werde mich darum kümmern“, hörte er seinen Urgroßvater „Toshi, achte darauf, dass er nicht einschläft.“

„Was ist los?“

„Du hast es doch gesehen, die Augen haben geleuchtet. Er ist ein Dunninger, wie wir es erwartet haben.“


Seth vertiefte sich ins Kochen und versuchte die Gespräche über ihn überall auszuschließen. Nael beobachtete jede Bewegung von ihm und Teile seiner Familie starrten immer wieder um die Ecke, um vielleicht darauf zu warten, dass ihm Hörner wuchsen. Er war sich nicht so sicher. Er aß ohne viel nachzudenken, und aß das was er finden konnte, um dann irgendwann wieder den Kühlschrank zu öffnen und alles leer vorzufinden, als er hereingreifen wollte.


In der Spüle stapelten sich Töpfe, Pfannen und Teller als sein Urgroßvater hereinkam und ihm eine große braune Tüte überreichte „Was ist das?“, fragte Seth und nahm diese, um dann den Geruch von Fast-Food in die Nase zu bekommen und mit einem „Danke“, dann die Burger auszupacken, die sich darin stapelten. Er sah während seines 5. Burgers wie sein Großvater mit Nael und einer etwas älteren Frau unterhielt, betrachtete alles müde und merkte gar nicht wie seine Augen zufielen.

Er träumte nicht viel, er träumte tief und wurde erst unruhig als er etwas Fremdes spürte, was Bilder von seinem Vater in die Träume zerrte. Die verzerrte Gestalt, die ihn mahnte „Vertraue niemanden…“ Seth schrie als die Augen seines Vaters leuchteten, und schlug um sich, traf etwas und fuhr instinktiv dorthin um das Objekt wegzureißen. Er hörte es gegen die Wand donnern und sah Sekunden später eine fremde Frau, die keuchend sich den Hals hielt und wenige Sekunden später die Tür aufgerissen wurde und sein Urgroßvater mit Maske hereinstolperte, sowie 2 Inquisitoren, die sofort Seth angriffen und Seth entsetzt wegsprang „Was soll das!? Sie hat in meinen Gedanken spioniert, sie hat…“

Sein Urgroßvater hielt die 2 Inquisitoren auf und drückte seinen Arm, den er in die Richtung der Frau hielt herunter „Holt den Anderen, Sethos runterlassen. Wir überprüfen das. Beruhig dich.“
Seths Hände verkrampften kurz ehe sie auf den Boden fiel und mit geweiteten Augen zu ihm sah „Hast du in seinen Gedanken gelesen?“ Sie schüttelte den Kopf und Seth grollte „Sie lügt! Das ist doch überall hier so, jeder stirbt vor Neugier nach meinem Vater. Ihr seid so dreckig…“, zischte er und sah zur Tür wo der andere Inquisitor nun jemanden heranholte, der die Robe gerade richtete und dann die Haare versuchte gerade zu rücken. „Devon?“, fragte Seth „Was ist passiert? Hat er schlecht geschlafen? Als ich gegangen bin war alles in Ordnung, ist doch erst paar Minuten her. Wir haben kurz nach Mitternacht…“

Sein Urgroßvater wies auf die Frau „Megan verneint seine Gedanken gesehen zu haben, er sagt, sie hat es getan. Untersuch es…“

„Ich bin keiner von der Inquisition.“, bemerkte Nael.

„Momentan schon, mach es einfach.“, befahl sein Urgroßvater und Seth wich  zurück als Nael auf ihn zukam „Wieso ich? Wieso nicht ihr Kopf? Bleib doch raus!“

Die Augen Naels wurden schwarz und Seth fühlte wie die Beine unter ihm wegbrachen, starrte in seine eigenen Gedanken und sah wieder die Bilder, die herausgezerrt wurden, völlig zusammenhangslose Bilder, sein Vater, der ihn aus dem brennenden Haus holt in London, wie sie auf dem Sofa saßen gemeinsam und er von seiner Mutter erzählte, sein Vater, der ihn anschreit es rückgängig zu machen, was er mit der Stiefoma angestellt hatte. Seth atmete entsetzt schneller als die Präsenz plötzlich verschwand und hielt sich mit den Händen den Kopf fest, sah wie sein Urgroßvater mit der Maske wie eine Krähe scheinbar die Szenerie beobachtete und wie Nael dann sagte „Eindeutige Spur. Emotionale Erlebnisse mit seinem Vater. Sie hat gesucht. Außerdem kann man sie noch nachspüren.“

„Mitnehmen.“

Sie schrie und Seth sah wie sie herausgezerrt wurde. Sein Urgroßvater blieb stehen kurz und sah sich im Zimmer um „Sethos, du musst wissen, dass ich deinem Vater kein Wort glaube und je glauben werde, aber eins scheint tatsächlich interessant. Jetzt wo scheinbar durchsickert, dass bei dir eine Sperre bröckelt, ist das heute schon die 3. Verhaftung von einem Kolaborateur. Irgendwas weiß dein Vater, und alle glauben, dass du was weißt. Pass also auf dich auf, wobei…“ Er sah auf die Wand, die leicht eingedellt war von dem Aufprall des Körpers der Frau von zuvor „Ich muss mir wohl kaum Sorgen machen. Vertraue niemanden ohne zweimal hinzusehen.“

Seth sah wie jener ging und die Tür zuschlug.
Draußen war es dunkel.

Nael starrte auf die Tür gähnte dann „Ich werde sicher nicht die Verantwortung für ihn übernehmen!“, schrie er dann „Ich bin müde, und ich habe ein Recht auf Schlaf!“

Seth starrte zu ihm „Wehe… wehe… du gehst nochmal in mein Hirn.“

Nael sah auf ihn herab, wie er auf dem Boden kauerte und sah sich dann im kahlen Zimmer um, wo nur dutzende von Büchern standen. „Je öfter ich das mache, desto schneller geht es. Ich mache das aber nur auf Befehl eines Großinquisitors, bei Notfällen und wenn der andere mich darum bittet bzw. engagiert.“, ging er zur Tür und öffnete diese „Hallo? Ich brauche eine Ablösung!“

Stille ertönte zuerst „Izumi wird in einer halben Stunde wiederkommen.“

„Ich schlaf im Stehen ein!“, schrie Nael zurück und Seth stand nun auf, nahm eine Decke von den 2 auf dem Bett und setzte sich in den Stuhl „Ich bleib so lange wach. Eine halbe Stunde schaffe ich.“
Nael starrte ihn an „Wehe nicht.“, ging er ohne zu zögern in Seths Bett, fiel auf dieses und schlief noch ehe er die Kissen berührte.

Seth starrte lange zu jenem, stand dann auf und nahm die andere Decke, die er dann vorsichtig über dessen Körper legte, ehe er zur Tür ging und diese schloss, sich an den Schreibtisch setzte und ein Mathebuch herausholte, auf die Uhr sah und dann ein paar Übungen machte.

Niemand kam, auch 2 Stunden später nicht.

Er wusste nicht genau wann, aber irgendwann schlief er ein mit der Decke über seinen Körper geschlungen.

Ein Rütteln weckte ihn, Seth stand sofort aufrecht, schlug gegen den Tisch und nahm die Uhr in die Hand „Ich bin nur kurz eingenickt, vorhin war es erst 2 Uhr und…“ Die Uhr zeigte auf die 8. Nael stand angekleidet vor ihm „Duschen, wir gehen zur Schule.“
„Was? Was…viel zu spät!“
„Dann anziehen. Wenigstens hast du deine Hausaufgaben gemacht.“, packte Nael seine Bücher ein während Seth Jeans, Pullover und Jacke aus dem Schrank holte und entsetzt merkte „Was brauchst du so lange?“, hörte er Nael „Die Hose, sie… ist geschrumpft, die Ärmel passen nicht mehr am Hemd…“

Nael kam zu ihm, nahm wortlos eine zweite Jeans und ein Hemd, und passte scheinbar alles nur mit Gedanken an, ehe er ihm eine Robe überwarf „Die Schuhe krieg ich nicht hin, versuch die von deinem Großvater.“

Seth fühlte sich unwohl in seinem Körper. Er war gewachsen, sehr gewachsen und er hatte Hunger, und Nael zerrte an seiner Hand als er in die Küche wollte „Wir haben keine Zeit!“
„Nur kurz“

In der Tüte waren zum Glück noch 8 Burger drin. Kalt, samt Pommes, aber sättigend. Er achtete kaum auf den Weg, folgte nur der dunklen Robe vor sich während er alles verzehrte und stoppte fast zu spät als Nael anhielt und ihm die Tasche gab „Sei so gut und halt die Klappe“
„Was? Weshalb?“
„Du sollst nichts über die letzten Tage sagen, verstanden?“
Seth sah das Schulgelände und hörte das Signal um dieses zu betreten „Das ist wichtig.“
„Wem sollte ich das freiwillig erzählen?“, entgegnete Seth bloß.
„Und noch was…“, Seth sah fragend zu ihm „Abstand zu mir halten, und du besuchst erstmal nicht den Nachmittagsunterricht, egal wer dich bittet.“
„Klar und keine Wölkchen mit Schnee am Himmel“, wies er nach oben und grinste als Nael nach oben starrte wo ein Wölkchen Schnee auf ihn rieseln ließ. „Ich mein es ernst!“
„Ich auch! Ich pass auf…“, das Wölkchen verschwand und Seth rannte los „Bis dann, ich will nicht zu spät zum Unterricht kommen.“

Er sah sich nur noch einmal um und grinste als er Nael auch rennen sah. Er kam zumindest gerade rechtzeitig vor dem Lehrer an, rang nach Luft und setzte sich in die Klasse, wo er sein Heft und Stifte auspackte und gar nicht bemerkte, dass alle ihn anstarrten „Mr. Dunninger wie schön Sie wieder hier bei uns im Unterricht zu sehen, geht es Ihnen gut?“

Seth sah zum Biolehrer auf, der ihn fragend ansah und Seth bemerkte nun auch die anderen Schüler, die ihn anstarrten „Ja, sicher. Hab ich viel verpasst?“

„Nur die genetische Vielfalt der Drosophila, wie haben Sie die letzten Tage verbracht?“

„Oh, in Ketten meist, und eine Nacht sogar in einem Bett, war sehr vorteilhaft, danke der Nachfrage“, nahm Seth das Biobuch heraus und erstarrte als er das der Oberstufe in den Händen hielt, hörte dann ein Klopfen und sah wie Nael die Tür nach dem „Herein“ öffnete.

„Entschuldigung.“

„Unser Chefredakteur, wunderbar, ein Interview mit unserem Schüler bitte nur in der Pause.“

„Ja, natürlich.“, nahm er Seth das Buch aus der Hand, dann die Tasche und ließ dann die andere Tasche auf seinem Tisch liegen, die Seth dann nahm und herunterstellte, zum Lehrer sah, der sie beide anstarrte „Wir waren bei der genetischen Vielfalt der Drosophila?“, fragte Seth und der Lehrer sah nun zu ihm, ehe die Tür zuschlug und der Lehrer nun mit dem Zeigefinger wippend zu ihm sah und die Augen leicht zukniff „Ich werde mich im Lehrerzimmer erkundigen.“

„Machen Sie das.“



Er hatte tatsächlich eine Woche verpasst? Kaum zu glauben, dennoch kam er gut mit und hatte höchstens in den Pausen ein Problem, als sofort alle Mitschüler sich um ihn drängten und fragten was nun dran wäre daran, dass er halb London verbrannt hatte. „Es war ein tragischer Irrtum. Ich denke, dass die Inquisition ein besseres Statement dazu geben kann als ich.“, bemerkte Seth nur gelangweilt nach der x.Frage.

„Und was ist mit Nael Devon? Was hast du mit ihm zu schaffen?“, fragte Amy neugierig. „Nichts. Wir sind vor der Schule ineinander gelaufen, sozusagen und haben wohl die Schulranzen vertauscht. Immer diese Einheitssachen…“

„Was ist mit deinem Prozess? Meine Mutter sagt, dass Naels Vater dich vertreten hat und sein Sohn hat am selben Tag eine wichtige Prüfung abrupt abgebrochen auf Befehl des Rats…“, fragte eine Mitschülerin, Rose, eine Formerin, die sonst nie mit ihm auch nur ein Wort geredet hatte.
„Davon weiß ich nichts, ich war im Gefängnis…“

„Und danach im Krankenhaus, mein Vater hat erzählt, dass ein Arzt auf der Station erzählt hat, der auf deiner Station gearbeitet hat, dass du schwere Verletzungen hattest, fast überall… vor allem…“, begann ein anderer Mitschüler neugierig, den Seth jetzt unterbrach „Wo leben wir hier? Werden medizinische Sachen einfach so weitergegeben? Wenn ich demnächst mal da arbeite, weiß ich dann auch über Potenzprobleme und Verstopfungen Bescheid, sobald du da hingehst?“, fragte er scharf und einige lachten, andere schwiegen dazu. Das Problem war nicht, dass einige was wussten, Seth Problem war, dass sie zu viel wussten.

Er stand einfach auf und ging, ein paar seiner Freunde folgten ihm, die „Normalen“, die sich schweigend zu ihm setzten, als er woanders sich hinsetzte und nachdenklich über den Pausenhof blickte „Ist alles okay?“, fragte May, während Harry bloß schnaufte „So schnell geht das, du musst damit rechnen, hier erzählt jeder alles weiter, ein kleines Dorf wo jeder Bescheid weiß.“

„Worüber weiß man noch Bescheid?“, fragte Seth gleichgültig und sah wie Jason wegblickte „Dass du wohl vergewaltigt wurdest und daher das Hotel abgebrannt hast, weil man dich unterschätzt hat.“

Alle 4 seiner Freunde sahen ihn nicht an, als er sie anblickte, Seth schwieg lange und fragte sich ernsthaft was ihm noch blieb. „Sind deine Kräfte wirklich erwacht? Müsstest du nach so einem Ausbruch nicht unter Beobachtung stehen?“, fragte Amy.

„Ich habe nichts, was man beobachten müsste.“, erklärte Seth knapp und sah auf der anderen Seite des Schulhofs wie gerade Devon junior aus dem Gebäude kam, Nael, ein paar Mädchen eilten zu ihm, er überlegte, ob diese nicht zu jung waren. „Das ist seine Schwester Karen aus der Parallelklasse“, hörte er neben sich Amy und erschrak kurz, ehe er zu ihr sah „Warum sagst du mir das?“

„Na ja, du guckst da hin.“

Seth verdrehte die Augen, ehe er wieder da hin sah. Überhaupt, viele sahen in die Richtung.

Warum?
War er so beliebt bei Mädchen und Jungen? Seth drehte sich mit dem Rücken zu jenem und blickte auf seine Finger. War es gut wieder in der Schule zu sein? War es richtig nach all dem Chaos sofort wieder andere Gedanken zu haben? Er schien fast eine Woche gebraucht zu haben im Gefängnis um wieder zu Sinnen zu kommen. Manchmal war er auch bei seinem Vater so lange eingesperrt gewesen. Es war viel Zeit gewesen, die er in solchen Fesseln verbracht hatte. Die Haut die sie jedesmal verbrannten, sein Vater, der ihn danach heilte. Es blieben nur kleine unsichtbare Narben übrig, wenn man wusste wo man suchen sollte, fand man die Überbleibsel der Fesseln. Sein Vater war wohl auch kein Heiler so wie die im Krankenhaus, oder sein Großvater. Die machten das perfekt – da blieb nichts.

Er hob seine linke Hand und drehte diese, erinnerte sich an den Schmerz als seine vermeintliche Großmutter in seinen Erinnerungen den Arm zerbrochen hatte und strich den Ärmel hoch, um dann an das Feuer zu denken und die Schmerzen, die seinen Körper und seinen Geist zertrümmert hatten. Das Siegel war nur bis dahin gebrochen. Was war dahinter? War da noch mehr? Und seine Mutter? Wie war das passiert? An seinem Arm war keine Narbe, nur die Schmerzen kannte er, er spürte wie Amy ihn anstupste „Was ist?“, fragte er nur genervt, er musste einen Weg finden mehr zu erfahren, mehr zu sehen, das Siegel ganz zu brechen, was sein Vater ihm auferlegt hatte.

Er fuhr zusammen entsetzt als eine Hand seinen Arm berührte, stand auf im gleichen Moment und wirbelte herum, um dann keuchend in die schwarz-grünen Augen Naels zu sehen, sofort wich er dem Blick aus und sah auf dessen Lippen, die sich bewegten „Ich habe dich nur gefragt, ob du mich kurz begleiten könntest.“

Seth Ohren rauschten, er war im Verteidigungsmodus, erwartete irgendeinen Angriff, aber sicher keine Worte „Wohin?“, zischte er somit nur.

„Wegen einem Interview“, die Lüge kam ihm problemlos über die Lippen.

Seth schüttelte den Kopf „Nein, ich hab keine Zeit. Die Pause ist gleich um.“

„Dann in der Mittagspause.“

„Nein.“

„Doch er kommt!“, sprach Amy für ihn und strahlte den Oberstufler an, der sie anlächelte und nickte „Ich verlass mich auf dich.“


Wie er sie manipulierte! Und niemand merkte es? Dieser Wechsel der Augenfarbe war bösartig, Seth nahm seine Arme hoch in Verteidigungsposition als Nael Devon plötzlich in seine Richtung ging, nah an ihm vorbei ging, ihn nicht berührte und starrte weiter nicht in die Augen ehe er dessen Stimme hörte „Denke nicht mal daran, dass du das Siegel brichst ohne Hilfe. Du könntest den Tod hunderter hier verursachen, denke nicht daran.“

„Hat er was gesagt?“, fragte May plötzlich und Seth starrte sie irritiert an, dann zu dem Schülersprecher, der allerdings bereits wieder weit weg mit anderen stand und sich unterhielt, hatte er einen Black-out gehabt? Das konnte doch nicht sein? Durfte er ihn so manipulieren? „Was ist passiert?“, fragte er daher seine Klassenkameraden.

„Er ist an dir vorbeigegangen und seitdem stehst du da und reagierst nicht.“

„Verdammter Scheißkerl.“, flüsterte Seth leise und starrte in dessen Richtung. Er sah nicht zu ihm. Was hatte er gesagt? Woran hatte er gedacht? Er schloss die Augen und versuchte sich zu erinnern „Dürfen Former Gedanken anderer manipulieren?“, fragte er Harry, der nur die Stirn runzelte „Sowas können sie nicht, nur Gedanken lesen.“
„Bist du dir sicher?“

„Ziemlich. Wieso?“

Seth winkte ab und schüttelte den Kopf „Wir haben gleich Mathe, oder?“ Seth dachte an die Matheübungen, die er gemacht hatte, während Nael in seinem Bett geschlafen hatte und hörte dann plötzlich von Mark Silur, einem seiner Klassenkameraden, der, der zu einem wohl sehr viel besseren Haus gehörte als alle anderen „Wie ist es denn so von einem Mann gefickt zu werden? Hab gehört deine Familie steht darauf?“ Seth starrte absolut irritiert zu ihm. So einen niveaulosen Kommentar hätte er niemals von irgendwem erwartet. Und dann von einem Mitschüler aus einem besseren Haus?

„Was denn?“, lachte jener laut und warf sein schwarzes-glänzendes Haar samt Kopf in den Nacken „Möchtest du auch mal von mir gefickt werden?“

Seth stellte sich vor wie jener aus der zermatschten Nase blutete und stand Sekunden später auch vor ihm, um seine Faust jenem genau auf die Nase zu schlagen, die sofort blutig spritzte und jener schreiend mit der Hand fuchtelte „Hilfe! Scheiße! Du scheiß…“ Er schien wohl irgendeinen Zauber auf ihn wirken zu wollen, ehe Mark dann seine Faust nutzte und ziemlich problemlos von Seth Hand abgefangen wurde, die er dann verdrehte und jenen über die Schulter warf und auf den Boden schmetterte. Irgendwas streifte seinen Rücken was er ignorierte und sich über jenen stellte und zischte „Ich denke, ich weiß wer am liebsten unten liegt…“ bemerkte er und ging dann einfach weg.

Dutzende Schüler hatten sie umringt und ließen ihn durch, während Mark Silur wütend auf dem Boden schrie und Seth ihn hinter sich herstürmen spürte ohne sich umzudrehen.

„Auseinander!“, schrie plötzlich ein Lehrer und schlug Seth einen Ellbogen in den Nacken, obwohl er mit dem Rücken zu ihm stand.

Entsetzt stolperte Seth und verlor das Gleichgewicht als die Nervenstränge ihm das Gehen verweigerten und hielt sich den Nacken während er den Lehrer schreien hörte, dass er niemals so etwas erlebt hatte, dass ein Normaler auch nur die Frechheit besaß einen Former zu verletzen und so etwas erst recht nicht. Dass Dunninger froh sein könnte überhaupt noch zu leben und er zum Direktor kommen sollte.

Seth massierte sich nur den Nacken stand auf und sah zum Sportlehrer, der überrascht ihn anstarrte und dessen Augen groß wurden als Seth seine Hand hob und plötzlich eine Hand vor den Augen spürte „Ich nehme ihn mit ins Krankenzimmer, Mr. Diving, vielleicht informieren Sie schonmal die Inquisition über den Vorfall, wir kommen dann nach zum Direktor. Komm mit Dunninger.“ Nael Devon.
Seth versuchte seinen Kopf zu schützen und spürte dennoch diese Präsenz in sich. Er hörte nicht seine Stimme, aber er hörte ihn „Beruhige dich. Wenn du dich weigerst glaub mir, dann wirst du die nächsten Wochen nicht mehr rauskommen.“

Seth folgte ihm stumm und hielt die Augen fest verschlossen bis sie auf der Krankenstation waren und Nael ihn in ein Bett drückte „Warum hast du ihn geschlagen?“, hörte er und öffnete langsam die Augen „Er hat mich sexuell belästigt.“, erklärte Seth knapp und sah wie Nael ihn anstarrte „Sexuell?“, schien er irritiert „Er fragte mich, ob er mich mal ficken sollte.“
„Umdrehen.“, bemerkte Nael nur und Seth sah fragend zu ihm „Dein Rücken wurde von einem Feuerball getroffen, ich will es mir ansehen.“

„Oh.“, drehte sich Seth um auf dem Bett und legte den Kopf ins Kissen „Deine Kleidung ist verbrannt, aber sonst sieht alles unversehrt aus. Immerhin.“, murmelte Nael und tastete den Rücken ab. Seth vergrub seinen Kopf ins Kissen „Alle wissen Bescheid, über alles. Die Eltern erzählen es anderen Eltern und die Kinder plappern wie dämliche Papageien.“, bemerkte Seth leise.
„So ist das Leben in einem Dorf nun mal.“

„Wenn ich hier je wieder raus darf, dann werde ich in eine große Stadt ziehen, wo mich niemand kennt und ich niemanden kennen muss.“

„Ich denke, dass du wohl eher alle hier umbringen musst, bevor man dich freiwillig weglässt.“

„Ich bin gut dabei, oder?“

„Sicher, du bist zu wertvoll als Angreifer oder Spion. Wenn du deine Kräfte ganz kontrollieren kannst, dann wirst du vermutlich auf der Stufe mit dem Großinquisitor stehen.“

„Sollte ich mich freuen? Vielleicht will ich lieber Feuerwehrmann werden?“

Er hörte Nael lachen, ehe jener sich irgendwo hinsetzte „Pyromane und Feuerwehr?“

„Feuer kann man mit Feuer eindämmen.“

„Sicher.“

„Wirst du hier bleiben? Du bist ziemlich beliebt in der Schule.“

„Ich weiß, ich bin ein weißer Engel, der liebevoll sich um die Verletzten kümmert.“

„Ich erinnere mich an einen Fußtritt gegen meine Hand, warst du das nicht?“

„Ich erinnere mich nicht. Das war sicher mein böser Zwilling. Nein ehrlich, ich find es interessant diesen Weg als Heiler zu gehen.“

„Dir bleibt nichts anderes übrig, vielleicht möchtest du lieber kämpfen?“

„Niemals. Ich sehe die zerstörten Geister und den zerstörten Verstand von Verletzten aus Folter und Kämpfen, sie leben nicht mehr, sie sind selten so stark weitermachen zu können.“

„Ohne dass du ihnen die Schmerzen nimmst? So wie mir? Vielleicht brauchen sie diese um es zu verarbeiten!“

„Nein, wer kommt auf so eine Idee, Schmerzen, Wunden, Narben, sie lassen einen nicht vergessen. Du wirst immer im Kreislauf bleiben der Angst und des Todes, du wirst niemals vergessen. Möchtest du dich lieber erinnern an die Schmerzen, die Frederic dir zugefügt hat?“

Seth setzte sich schnell auf und drehte sich um zu ihm. Er erinnerte sich nicht daran, er war betäubt. Es konnte doch kaum besser sein, wie wäre es, wenn er sich erinnern könnte? War vergessen doch besser? Aber wie sollte man lernen ohne Schmerz?

„Erziehung und lernen funktioniert auch ohne Schmerz und Angst.“, hörte er Nael nur.

„Und wie hätte mein Vater und mein Urgroßvater mich eindämmen sollen, als ich ohne Kontrolle war? Wie geht es sonst ohne Kupferketten, Eiskammern und Bewusstlosigkeit?“, fragte er Nael und sah in den grünen Augen kurz Überraschung. Er schien nicht genau zu wissen, wovon er sprach.
„Was meinst du?“

„Mein Vater, wenn meine Kräfte außer Kontrolle waren, wenn ich wütend wurde, funktionierte nur das. Er schlug mich k.o. und fesselte mich mit Kupfer, hielt mich tagelang in Eiskammern, bis ich mich wieder beruhigt habe. Wusstest du das nicht? Du warst doch in meinen Gedanken?“

„Ich wusste von Kupferfesseln, das hat jeder gesehen, wie oft hat dein Vater das mit dir gemacht?“
Seth wollte zuerst antworten, schwieg aber dann und starrte zur Tür „Was hätte er sonst tun sollen?“, fragte er dann „Ich habe ganze Wohnblöcke verbrannt und Nachbarn, weil sie mir Unrecht getan haben, Nachbarn, die sonst immer nett zu mir waren. Ich tötete beinahe die Mutter meiner Stiefmutter, weil ich ihr sagte, dass sie an ihren Lügen ersticken sollte. Ein Blitz tötete vor meinen Augen meine Stiefmutter, weil ich es mir gewünscht habe, Nael, ich bin ein Mörder.“, sah er in dessen grüne Augen. „Ich habe gerade meine besten Freunde verbrannt, und ich denke kaum daran, ich denke nur, dass sie selbst schuld sind und es schade ist, dass ich nicht mehr Bier mit ihnen trinken kann. Ich habe mit ihnen viel Zeit verbracht. Ich habe keine Gefühle für irgendjemanden. Alle sagen es hier. „Ein Dunninger“. Ich kenne keinen aus meiner Familie, aber wenn ich an mich denke, dann verstehe ich die Menschen hier, die Angst haben, dass ich Amok laufe. Es kümmert mich nicht.“

Nael sah lange mit grünen Augen zu ihm „Du bist innerlich gebrochen als dein Urgroßvater dich im Rat abgelehnt hat. Du hast Gefühle, du hast nur Angst diese zu zeigen. Du bist nicht so stark wie du dich gibst. Du bist ein Kind, ein Jugendlicher. Du weinst, wenn niemand hinsieht. Du sehnst dich nach deinem Vater, wie jedes Kind. Du willst eine Familie wie jeder Mensch. Du solltest dir nicht einreden was du bist.“

Seth hielt seine Lippen fest verschlossen und sagte nichts mehr dazu. Sonst gab er noch zu viel von sich preis. Wie konnte man mit jemanden über das Thema reden, der seine Gedanken kannte?

„Wie ist das in anderen Gedanken zu lesen?“, wechselte er das Thema.

„Wie wenn man ein Buch liest. Es nimmt einen mit, aber wenn man das Buch zuklappt, dann denkt man darüber nach, ob das Gesehene einem hilfreich ist, was man daraus lernt und denkt nicht mehr darüber nach als nötig.“

„Und bei Problemen? Wer hilft dir?“

Nael zögerte „Es sollte nicht dazu kommen, dass jemand wie ich Probleme bekommt.“

„Und wenn dir sowas wie mir passiert wäre… was dann?“

Nael atmete aus und schien lange zu überlegen „Ich müsste damit leben.“

„Können andere das nicht ausschalten?“

„Möglich, ich denke schon, aber sie können schwer meine Gedanken lesen, ich schirme sie ab instinktiv.“

„Das heißt, wenn du über den Mord an deinen Eltern reden willst, dann muss man reden und niemand hilft dir bei deinen Ängsten und Gedanken.“, sah Seth zu Nael, der ihn nun anstarrte düster.

„So ist es.“

„Was hat mein Vater getan?“, sah Seth nun zu jenem, der den Kopf schüttelte „Darüber darf man nicht reden.“

„Warum?“

„Es ist deswegen verboten, damit es keine Spekulationen gibt und Panik geschürt wird. Es gibt eine Bibliothek, da kannst du dich ja mal erkundigen.“, sah Nael zur Tür und Seth folgte dem Blick, die nun aufgerissen wurde und sein Urgroßvater hereinkam. Nun, wohl eher der Großinquisitor. Die lange Maske wirkte jedesmal grotesk.

„Ist ihm was passiert? Er hat einen Feuerball abbekommen?“, schloss er die Tür.

„Der Nackenschlag vom Lehrer war wohl schlimmer“, stand Nael nun auf, während Seth Urgroßvater zum Rücken ging und diesen mit den Lederhandschuhen befühlte „Hast du es geheilt?“

„Wie gesagt, der Nackenschlag hat mehr Verletzungen verursacht. Nur die Kleidung ist verbrannt, mehr nicht.“, ging Nael zur Tür.

„Aber der Rücken…“, fragte Toshihito wieder verwirrt „Wie gesagt“, wiederholte Nael „Nichts.“

„Ein Feuerball?“

„Nichts. Ich gehe wieder zum Unterricht.“

„Tu das.“

Seth sah wie die Tür sich schloss „Mark Silur?“, hörte er dann den Großinquisitor „Das ist eine einflussreiche Familie.“

„Waren die Dunninger auch mal. Sieh wo sie jetzt gelandet sind.“

„Du hast deinen Sarkasmus wieder, das freut mich. Zieh das über, wir gehen zum Direktor.“



Wenige Minuten später war er dort und sah wie der Sportlehrer nervös zu ihnen sah, sitzend vor dem Tisch des Direktors, der nur nickte „Setzen Sie sich doch. Mr. Dunninger, hier doch bitte.“
Seth setzte sich auf den dritten Stuhl und sah zu den 2 Inquisitoren die dort nun sich zurückzogen und doch im Raum blieben. „Sie haben sich gestritten mit Mr. Silur.“

„Nein. Wir haben nur unsere Meinungen ausgetauscht, wer beim gemeinsamen Sex wohl unten liegen wird.“, erklärte Seth neutral „Nachdem Mr. Silur das verstanden hat, kam hier Mr. Diving dazu, der ohne eindeutigen Grund mich zu Boden schlug.“

Dem Direktor gelang es kaum die Mimik gleich zu belassen „Über Sex…“, schien er dann dort stehen geblieben.

„Sehen Sie, wir sind in der Pubertät, deshalb wird man hier geschlagen?“, fragte Seth und hörte nun wie der Sportlehrer sich einmischte.

„Es gab einen eindeutigen Angriff der von Ihnen ausging.“

„Bitte, so etwas nennt sich Vorspiel.“, erklärte Seth und sah jenem düster in die Augen, der schnell wegsah und sich mit den Händen über die Stirn fuhr.

„Herr Direktor…“

Jener hob die Hand und es wurde still „Ich habe bereits zwei Meinungen dazu gehört, dazu eine Stellungnahme der Inquisition bekommen, die den Status unseres Schülers klärt und daher entschuldigen Sie sich doch bitte bei Ihrem Schüler, dass nach einer Meinungsverschiedenheit Sie eingegriffen haben.“

Der Sportlehrer schüttelte erst den Kopf, ehe er dann Seth ansah, der zurückstarrte „Er ist gefährlich. Er ist ein Dunninger. Man muss ihn unter psychologische Kontrolle stellen.“, erklärte er dann in den Raum.

Seth stand daraufhin auf „Ich muss zum Unterricht, ich brauche keine Entschuldigung. Ich werde schon seit ich in diesem Dorf bin von allen wie Aussatz behandelt, so eine gezwungene Entschuldigung ist der größte Mist überhaupt. Wahrscheinlich erstickt er lieber als…“ Seth biss sich auf die Lippen und beruhigte sich, ehe er die Tür aufriss und diese dann hinter sich zuknallte.

Er atmete tief aus, ehe er sich dann zum Klassenraum aufmachte und die 5 Inquisitoren ignorierte die jeder seiner Bewegungen folgten, bis er aus der Sichtweite war.

Wenige Minuten später öffnete er die Klassentür ohne anzuklopfen, sah kurz zu seinem Klassenkameraden, der ihn wütend zurückansah, und setzte sich dann auf seinen Platz. „Ah, Mr. Dunninger, schön, geht es Ihnen besser? Neuerdings bei der Inquisition?“ Seth sah auf seine Robe und nickte dann „Bin der neue Anwärter.“

„Wie schön für Sie, wie steht es mit den Hausaufgaben? Haben Sie da etwas beizusteuern?“

Zwar hatte er aus Spaß nur Rechenaufgaben gelöst, aber somit hatte er wenigstens Hausaufgaben, was den Lehrer gut gefiel.


In der Mittagspause brachte Amy und May ihn zum Zimmer der Schülerzeitung, trotz Widerstands Seths, der am Ende nur wütend sich die schwarze Robe zurechtzog und düster in die Räume sah, wo die Reporter zu ihnen sahen, Nael war nicht zu sehen, was Seth beruhigte „Er ist nicht da, also gehen wir wieder“, drehte er sich um und starrte dann auf die ihm bekannten Lippen und sah nur kurz hoch zu den Augen „Wie schön, dass du es einrichten konntest, Dunninger.“

„Ich habe Mittagspause, ich möchte etwas essen.“, sah er weg und atmete tief durch als jener ihm eine Tüte zeigte „Die hat mir dein Verwandter gerade in die Hand gedrückt, du hast sicher viel Hunger, danke Amy, May, dass ihr ihn hergebracht habt, wollt ihr euch was umsehen?“, säuselte er zu jenen zuckersüß, während Seth die Tüte aus der Hand riss und öffnete. Es waren waren warme Burger, mit zitternden Händen riss er die Folie ab, ehe er hineinbiss und diese verschlang, um gleich den nächsten zu nehmen. Er ignorierte die Blicke als Nael ihn in ein Nebenzimmer brachte und Block und Papier herausholte „Du bist der neue Schüler hier auf der Schule, also werden wir nur kurz dich vorstellen.“

„Und wer stellt mir die anderen dutzend hier vor?“, fragte Seth schmatzend und fingerte nach dem 5. Burger.

„Es gibt ein Jahrbuch, das wird auch wieder im Dezember herauskommen.“

„Du machst wirklich ein Interview mit mir?“, fragte Seth als er jenen Notizen machen sah.

„Natürlich, wir wollen auch gekauft werden, und momentan bist du eben interessant.“

„Vorher nicht?“

„Auf dem Schulhof hat gerade jeder die Eisaugen der Dunningers gesehen, du solltest mal den Gesprächen lauschen „Oh, er wollte den Sportlehrer umbringen!“ „Er hat Silas fertig gemacht“ „Der Feuerball hat ihn nicht mal gekratzt!“ Sehr interessant hier alles.“, erklärte Nael und Seth nahm sich ein paar Pommes aus der Tüte.

„Eisaugen?“, fragte er dann.

„Ich führ das Interview, die Dunninger haben ein Markenzeichen, die blauen Augen… wenn sie Formen, dann sieht man das in den Augen, sie leuchten.“

„So wie deine schwarz werden?“

„Bei den meisten werden sie schwarz, aufgrund der Konzentration erweitern sich die Pupillen, bei euch verkleinern sie sich und die Iris, nun sie leuchtet blau, warum kann ich dir nicht erklären, aber nun zum Interview.“

„Die von meinem Vater haben nie geleuchtet.“

„Sicher?“

Seth wollte etwas erwidern, überlegte es sich aber dann doch. Es könnte sein, dass damals in dem brennenden Haus in London, und… er schüttelte die Gedanken ab. Nicht bei einem Gedankenleser abschweifen.

„Also was willst du wissen?“

„Name, Geburtstag, Berufswunsch, wo warst du überall.“

„Nun, Seth Dunninger“

„Du meinst Sethos.“

„Was auch immer, Geburtstag, am 31.Oktober.“

„Ist ja jetzt bald, feierst du?“

„Mit wem?“

„Freunden?“

„Ich möchte gerne Wissenschaftler werden, ich fand Genetik immer interessant, mein Vater hat auf dem Gebiet…“, Seth schwieg, Nael starrte ihn an und Seth legte den Kopf in den Nacken „Ich will jetzt einfach schlafen.“

„Wir haben Schule. Was hat dein Vater gemacht?“

Seth schüttelte den Kopf „Vertraue niemanden, weißt du?“, erklärte er Nael und stand dann auf „Es ist eh gleich nur dummer Unterricht, sag denen, dass ich krank nach Hause bin.“

„Du kannst nicht ohne Überwachung gehen.“, stand Nael nun auf und Seth ging einfach zur Tür, die er öffnen wollte „Bleib“, hörte er durchdringend und starrte entsetzt auf die Hand, die sich plötzlich nicht mehr bewegen wollte. Wie konnte das sein? Das war Nael! Wut kochte in ihm hoch, die sich löste, als Nael ihn an der Schulter berührte und Sekunden später einen roten Handabdruck auf der Wange hatte, entsetzt zu ihm sah und Seth verkrampft ihn anstarrte „Hör auf mit deinen Zaubereien!“, schrie er und schüttelte die Hände, bis es ihm wieder leichter fiel und er die schwarzen Augen wütend ansah „Das ist verboten was du tust, und wenn du das noch einmal machst bei mir, dann werde ich es weiter erzählen!“

„Wirst du nicht.“, erklang es in seinem inneren deutlich.

Seth erstarrte wieder, ehe er schrie, die Tür aufriss und wegrannte. Er ignorierte jede Hand, die nach ihm griff, jede Stimme, die fragte was los wäre. Das Eingangstor zur Schule war verschlossen, er kletterte mit wenigen Sprüngen drüber und rannte ohne irgendwo hinzusehen in den Park, wo er sich durch die Menschenleeren Wege bahnte und hinter dem Pavillon sich dann ins kühle Gras setzte, versuchte wieder langsamer zu atmen und dann das Gesicht hinter den Händen vergrub.
Allen ging es nur um seinen Vater. Egal wo er dachte, dass jemand vielleicht zu ihm freundlich  sein könnte, es ging nur um ihn. Was würde sein Vater dazu sagen? Er umklammerte seine Beine und drückte sich in die warme Robe, ehe er zur Seite kippte und das Gras vor seinen Augen beobachtete, welches sich nicht bewegte und er lange blinzelte, bevor seine Augen ganz zufielen.

Er schlief tief, träumte von seinen Klassenkameraden, Nael, der seinen Kopf ausdrückte und davon wie sein Vater ihn in die Arme nahm und flüsterte wie stolz er auf ihn war.

Als er aufwachte war es eiskalt, tiefe Nacht und er hörte Hundegebell, welches näher kam. Es klang auf den ersten Blick wie Hunde als er sich aufrichtete sah er schwarze, gigantische Hunde, mit milchigweißen Augen und so groß wie ein Pferd, deren Zähne wie aus einem Monsterfilm wirkten und die Nase urplötzlich in seine Richtung wies. 9 Inquisitoren hielten das Wesen in Schach, welches in seine Richtung stürmen wollte und nun schrie und jaulte unter den Schlägen von Peitschen und Stromstößen auf die Brustinnenseite.

Seth blieb wie angewurzelt stehen, während er Stimmen hörte, die schrien, dass man ihn gefunden hätte und sah dann wie der gigantische Hund sich plötzlich losriss und bellend wie ein Raubtier sich auf ihn stürzte. Es waren nur wenige hundert Meter, der mutierte Hund jedoch war innerhalb von Sekunden bei ihm, zerschlug den Pavillon mit einer Pranke und Seth sah wie Steine auf ihn stürzten und die Kralle ihn nur knapp verfehlte, bevor die Schnauze vorstieß und die Zähne die Robe erwischten als er gerade wegsprang.

Der Ruck des Kiefers riss ihn nach vorne, so dass er wieder in die Steine stürzte und überall Feuerbälle und Blitze sah, die in den gigantischen Körper des Wesens eindrangen. Er hörte Schreie und starrte in das milchigweiße Auge, welches ihn fixierte. Das Wesen war blind, zumindest sehbehindert, er hörte das Schnaufen, riss die Robe vom Leib und rannte so schnell er konnte weg, sah kurz hinter sich, hörte den Lärm und sah wie das Wesen die Robe im Maul schüttelte und dann verschlang, einen Inquisitor zur Seite fegte, der ihn bändigen wollte und wieder schnüffelte, um dann mit großen Sätzen hinter ihm her zu springen, Seto spürte Tränen der Angst und des Windes an seiner Wange herunterlaufen, was war das?
Was wollte man tun? Ihn töten, und das wie ein Unfall aussehen lassen?

Vor ihm war ein Schmuckzaun, der ihn hinderte weiterzukommen, ein Baum in der Nähe ließ ihn kurz abweichen vom Kurs, auf den er sprang und über die Äste balancierte, aufschrie als die Pfote den Stamm zum Wanken brachte und dann über den Zaun sprang auf den Betonboden um sich wieder umzudrehen und den Hundemutanten nun hinter dem Zaun knurren zu sehen „Sethos!“, hörte er seinen Großvater schreien, der gerade aus einem Auto sprang und sah zu ihm, der nun mit großen Augen innehielt „Ein Hound? Wer hat das erlaubt?“, meinte Seth zu hören, bevor er ein lautes Bellen hörte und dann ein lautes Jaulen, sah wie sein Großvater plötzlich mit einem Schwert dazukam, sich vor ihn stellte „Geh weg, los!“, schrie er als bereits der Hound, wie es wohl hieß, sprang und sein Großvater mit einer interessanten Schwertbewegung jenem beinahe eine Pfote abschlug. Es hatte nur ein grauenvolles Jaulen zur Folge und dann einen Angriff aus purem Hass und Bösartigkeit. Seth konnte nicht so schnell sehen, wie sein Großvater weggerissen wurde von der Pranke, das Schwert klirrend gegen die Mauer schlug und der Hound seinen Großvater an einem Bein hochriss in die Luft warf und verschlang mit einem Happs.
Seth sah entsetzt zu dem Hound.
Kein Pferd, kein Elefant, das war fast wie ein Raubsaurier.
Was für ein gigantischer Schlund! Und sein Großvater?


Seth war wie betäubt, ehe der Hound sich umdrehte zu ihm und wirkte als wüsste er was er dachte und auf ihn sprang. Seine Reflexe retteten ihn, das Schwert an der Mauer lag fast automatisch dann in seiner Hand.
Er hörte die Inquisitoren, nur noch in einem Rauschenden Unterton als er voller Wut auf das Wesen zustürmte, der Pfote auswich, die sensible Bauchseite angriff, die ein Inquisitor zuvor angezielt hatte und war überrascht wie geschmeidig das Schwert den Bauch aufritzte, Blut und Gedärm sich über ihn ergoss und Sekunden später die schwere Gestalt des Hounds ihn zu Boden drückte.


Blut drückte sich in seinen Mund, Gedärme zerdrückten ihn, während er versuchte mit dem Schwert voranzukommen und mit der anderen Hand alles wegschob, bis er glaubte den Magen gefunden zu haben in der Dunkelheit, wo nur durch Zufall wohl blau leuchtendes Licht etwas alles erhellte. Das Schwert schnitt problemlos durch den gigantischen Magen, wo er eine Hand seines Großvaters sah an dieser zog und sah wie hustend und keuchend jener herauskam, Säure hatte bereits seine Haut angefressen, die Seth wimmernd mit der wenigen Kleidung abwischte und nur Blut über die Haut wischte, ehe er jenen im blauen Licht ansah, der zitterte und im Schutz seiner Arme blieb „Wir kommen hier raus…“, hörte er sich selbst sagen, ehe er dann versuchte das Schwert zu fassen und hochzustemmen.

Er traf einige Male wohl die Wirbelsäule, die Schläge schienen nichts zu bewirken, ehe er wütend schrie „Seth, ich bekomme keine Luft mehr.“, hörte er seinen Großvater, hielt ihn fester und schloss die Augen, einfach vorstellen… ein Brandloch, Feuer über ihnen, nein besser, Eis, das alles einfror, ein kleiner Schlag… als er die Augen öffnete sah er eine dicke Eisschicht über ihnen. Er schlug mit dem Schwert heftig dagegen, das Eis splitterte, Sekunden später atmete er Luft und schlug noch einige Male dagegen, sah Hände und hörte Stimmen, um dann seinen Großvater nach oben zu heben und selbst herauszuklettern, ohne dass er eine Hand nahm, einfach seinem Großvater folgte, der auf eine Bahre gelegt wurde und schrie als man ihn berührte und auch zu Pflegern bringen wollte „Fasst mich nicht an!“, schrie er die Inquisitoren an „Mörder, was ist das für eine Kreatur, wie könnt ihr so etwas tun?“, schrie er, sah wie sie zurückwichen, hilfesuchend sich umsahen, sah seinen Urgroßvater, der dort neben dem Tier stand, schüttelte bloß den Kopf und eilte zu seinem Großvater, dessen Hand er nahm und das Gesicht abwischte mit seiner Blutverklebten Hand „Toshi? Wie geht es dir? Opa?“, flüsterte er leise und hörte dann „Er hat schwere Bisswunden, wir müssen operieren, damit er den Fuß nicht verliert, seine Lungen sind voll Säure, lass ihn los.“, ein Arzt drückte ihn zur Seite.

Seth blieb auf dem Boden knien, spürte die heißen Tränen über die Wangen rollen und sah sie auf den Boden tropfen, ehe er seine Arme auf den Boden schlug sich nach vorne beugte und weinte.
Er spürte Schnee auf seinem Rücken der ihn kühlte und starrte auf die Eispfützen, die aus seinen Tränen sich bildeten.

„Sethos?“, hörte er seinen Urgroßvater.

„Geh weg! Geh weg!“, schrie er in den Beton.

„Es schneit, du wirst noch krank.“

„Wie kannst du so ruhig bleiben? Er hat deinen Sohn aufgefressen!“, schrie Seth auf und stand nun wütend vor seinem Großvater, dessen Maske allein noch zwischen ihnen stand und Seth diese mit einem fauchenden Geräusch abriss.

Sein Großvater schien müde „Ich habe den Einsatz nicht erlaubt, ein Hound zu nutzen in der Stadt ist verboten. Man braucht 5 Inquisitoren um einen Hound ohne Verluste zu töten.“

„Er hat deinen Sohn getötet!“, schrie Seth.

„Er wird überleben, du hast ihn rechtzeitig daraus geholt. Du hast das gut…“

„Ich will so einen Mist nicht hören! Es hätte mich gefressen, Opa, jeden, der in seine Nähe kam! Was ist das! Wie könnt ihr es wagen?!“, schrie Seth wutentbrannt. Die weißen Masken funkelten blau als Seth die anderen Inquisitoren sah, die scheinbar zum Schutz näher kamen.

„Ihr seid erbärmlich.“, drehte er sich um und folgte dem Weg zum Krankenhaus, ignorierte, dass ihm einige Inquisitoren folgten und betrat bald die sauberen Räume. Man eilte zu ihm und bat ihn doch bitte sich zu säubern „Wie geht es meinem Großvater?“, fragte er nur und sah wie diese erst irritiert waren.

„Izumi? Sie sind Dunninger“, wich die Frau zurück vom Empfang und sah hilfesuchend zu den Inquisitoren.

„Er wird noch operiert, sie sollten duschen.“

„Ich möchte warten.“

Sie schien überfordert, rief bei verschiedenen Personen wohl an; manche wollten ihr helfen und kamen zu Seth, der nur stur im Eingangsbereich stehen blieb und nicht mal einen Muskel bewegte, als er sah wie Nael gerade lachend mit anderen Kollegen wohl aus dem Fahrstuhl stieg und dann wie die anderen entsetzt stehen blieb „Was ist passiert?“, fragte einer der Pfleger und eilte zu ihm „Sind Sie verletzt?“

„Nein, er will zu seinem Großvater, das ist der Dunninger Sohn.“, flüsterte die Frau am Empfang leise.

„Was ist passiert?“, fragte nun auch Nael, der langsam näher kam „Gehen Sie ruhig nach Hause, Sie sind erst in der Ausbildung – alle drei.“, schüttelte jene den Kopf und Nael sah zu Seth, der den Blick einfach leer entgegennahm.

„Was?“, fragte Nael „Was ist das für Blut?“, fragte er dann Inquisitoren.

„Es gab einen Zwischenfall, es wurde ein Hound frei gelassen, der sich losreißen konnte und Izumi schwer verletzte.“

„Ein Hound?“, fragte nun die Dritte im Bunde, die langsam näher kam „Wie viele Tote gibt es? Können wir helfen?“

„Kein Toter, nur ein Schwerverletzter.“

„Und der Hound?“, fragte Nael.

„Er wurde getötet.“

„Dafür ist unsre Inquisition immerhin noch gut.“, bemerkte der Erste Pfleger.

„Das ist Houndblut. Du bist voll davon, deine Kleidung ist verätzt von Säure und deine Beine sind verätzt, Dunninger?“, hörte er Nael und spürte dessen Finger an der Wange „Das ist Säure und muss gereinigt werden, sonst frisst es dein Bein auf.“

Seth spürte einen leichten Tritt gegen seinen Unterschenkel und krachte voller Schmerz sofort ein, Nael fing ihn ab, so wie der Andere „Hilf mir ihn in den Behandlungsraum zu bringen.“

Seth schlug noch einige Male nach den Armen, die ihm helfen wollten, ehe er sich mehr oder weniger über den Boden schleifen ließ. Die Beine sahen wirklich nicht unbedingt mutmachend aus. Das Auswaschen der Säure brannte wie die Hölle, und er war erleichtert als dann sich die dritte im Bunde bequemte Betäubungsmittel auf eine Spritze zu ziehen und sah entsetzt zu Nael als dieser das ihr aus der Hand schlug „Nina! Bist du des Wahnsinns? Keine Betäubung!“

„Aber, er…“

„Es tut weh verdammt!“, schrie Seth Nael an, der einen Handschuh abzog nach kurzem Zögern und ihm die Hand auf die Stirn legte, die grünen Augen wurden schwarz „Nein, nein!“, schrie Seth wütend und versuchte sich aufzubäumen. „Lass das. Narkosemittel? Nach der Sache in London!“, drückte Nael ihn zurück. „So oder gar nicht.“

Seth zitterte noch einmal, spürte dann das Schaben auf den Knochen am Bein, schrie wütend ein letztes Mal und spürte dann heiße Tränen auf den Wangen, ehe die Präsenz des Anderen seine Sinne vernebelte und er in eine Art Ohnmacht fiel.
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