Die Welt der Former

GeschichteMystery, Fantasy / P18 Slash
03.09.2019
05.04.2020
20
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6
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06.09.2019 14.292
 
Kapitel 2

Seth stieg mit der dunklen Begleitung aus um ihn herum vor einem scheinbar ganz normalen Gebäude in einer kleinen Stadt. Er bemerkte einige neugierige Blicke und sah andere schwarzgekleidete, die fragten „Habt ihr ihn diesmal erwischt?“
„Lies es im Protokoll.“, bemerkte einer.
„Und wer ist das?“
„Der Sohn von Izumi. Sein Urenkel.“
„Wirklich? Er sieht normal aus.“, begleitete ihn die Nummer 20 bis zum Eingang musterte ihn prüfend „Er hat Nummer 7 bei der Flucht mit einem Blitz ziemlich verletzt.“
„Ist mit der Nummer 7 alles in Ordnung? Sicher, dass es er war und nicht sein Vater?“
„Andere Formwerte, zumindest nicht die seines Vaters.“
Seth blickte finster zur neugierigen Nummer 20 „Warum ist er nicht gefesselt?“
Seth blieb stehen und hinter ihm rannte Nummer 6 in seinen Rücken „Was ist das hier?“, fragte er seinen Urgroßvater, der ihn nun ansah „Ein Gericht.“
Seth ballte die Fäuste „Ich habe nie zugestimmt hierher zu kommen. Bin ich jetzt ein Gefangener? Weswegen? Weil ich einen möglichen Verbrecher als Vater habe?“
„Nummer 20?“, bemerkte sein Großvater „Verschwinde sofort, wir werden nachher darüber reden was man nach einem Einsatz nicht tun sollte.“

Nummer 20 schien geschockt, nickte aber nur kurz und eilte schnell davon „Wieso bestrafst du ihn, wenn er mir doch wenigstens die Wahrheit gezeigt hat. Ich soll also bestraft werden? Angeklagt werden? Ihr seid nicht mal im Ansatz vertrauenswürdiger als mein Vater, im Gegenteil!“, schrie er und sein Urgroßvater reichte ihm die Vase wortlos.

Seth nahm diese leise an und wickelte sie dann vorsichtig in den Fetzen seines Hemdes ein, ehe er sie in den Rucksack legte. Er war verwirrt, sein Vater vor seinen Augen verschwunden, merkwürdige Typen aus dem Nichts. Sein Weltbild kam am heutigen Tag wirklich stark ins Schwanken – und nun schien er hier Gefangen genommen worden zu sein?

„Wo sind wir hier? Gibt es nicht so was wie ein Jugendamt? Oder hab ich nicht Recht auf einen Anwalt oder so?“, fragte Seth nun ruhiger. Er musste sich konzentrieren, nicht aufregen. Von wegen Blitz, dass er Schuld war… darüber wollte er nicht genauer nachdenken momentan.
Man beobachtete genau jeden seiner Handgriffe, während er sich langsam wieder beruhigte „Wir wollen dich nur befragen…“
„Ich bin ein Kind.“, erwiderte er nun stoisch zu seinem Urgroßvater, der ihn hinter der Maske scheinbar endlos beobachtete.
„Kein Wunder, dass wir sie nie finden konnten.“, bemerkte plötzlich Nummer 4 leise und Seth sah wie alle kurz nickten.

„Bitte begleite uns.“, bemerkte sein Urgroßvater und Seth überlegte kurz was passieren würde, wenn er sich trotzig auf den Boden setzen würde, sah die vielen Maskierten und Unmaskierten, die aus dem Gebäude raus und reingingen und neugierig zu ihnen sahen, er hörte wie kleine Gespräche geführt wurden und geflüstert wurde. Er hörte den Namen „Dunninger“, sehr oft. Den Namen, den er trug und sein Vater. Scheinbar sah er ihm ähnlich, sehr ähnlich, wenn auch einige Zentimeter kleiner. Und scheinbar kannte seinen Vater jeder hier.

„Mörder“, schrie plötzlich jemand hinter ihm, riss Nummer 6, die ihn hinten schützen sollte um, riss ihn zu Boden und schmetterte ihn samt des Rucksacks voller Wucht zu Boden. Seth bekam die Stufe aus Stein stolpernd fast ins Gesicht gedrückt, hätte er sich nicht mit einer Hand noch abgefangen, um dann Faustschläge im Nacken zu spüren.
Der Druck rammte seinen Mund dann doch auf die Stufen als er sich den Kopf schützen wollte, Blut schoss in seinen Mund, alles schmeckte nach Eisen, als den schreienden Mann wohl jemand doch von ihm herunterzog und Seth zitternd auf den Stufen sitzen blieb, die Hand ignorierte, die ihm beim Aufstehen helfen sollte, während der Angreifer schrie „Loslassen! Lasst mich los! Dieser Mörder hat es nicht anders verdient. Dieser verdammte Mörder! Na weißt du noch wer ich bin? Weißt du noch? Du hast meine Frau getötet! Ich mach dich kalt! Du wirst hier nicht lange überleben.“

Seth stand nun langsam auf und zog den Rucksack wieder ab.
Die Vase war wieder zerbrochen.

„Das ist nicht Jo Dunninger! Hör auf!“
„Und wie er das ist! Lasst mich! Lasst mich!“, schrie der Mann wie von Sinnen.
„Haltet ihn fest“, bemerkte sein Urgroßvater mit schneidender Stimme und Seth sah sich nun zum Angreifer um, wischte sich mit der verbundenen Hand das Blut aus den Mundwinkeln und starrte zu dem Mann, der wie ein normaler, durchschnittlicher Mitdreißiger aussah, der von 4 Maskierten festgehalten wurde. Einige Zuschauer klatschten „Zeigs ihm!“. Das Klatschen wurde erst leiser als man ihn nun ansah und auch der Angreifer hielt langsam inne sich zu wehren.

„Sethos? Alles in Ordnung?“, hörte er seinen Urgroßvater, der ihn berühren wollte und Seth die Hand von seiner Schulter schlug „Wo bin ich hier gelandet?“, fragte er nur und sah jeden an „Was ist das hier für eine verdammte Irrenanstalt?“

Sein Urgroßvater starrte auf die Hand, während Seth alle Mühe hatte sich zurückzuhalten, er dachte an die Kälte, wenn sein Vater ihn dort immer einsperrte, es beruhigte ihn etwas, in der Kälte konnte er Ruhe finden.

Zwei Maskierte wollten ihn nun anfassen „Nicht“, rief sein Urgroßvater und nur einer hörte nicht drauf, der die Hand dann mit einem Schmerzenslaut zurückriss und Seth das nachlaufende Blut von der Lippe abkratzte, und sah wie es gleich trocknete und kleine Eiskristalle sich auf diesem bildeten.

„Nehmt den Angreifer fest. Die Namen der Klatschenden aufschreiben. Ein Kind wurde angegriffen, so etwas sollte nicht bejubelt werden.“, hörte er seinen Urgroßvater und scheinbar hörte man darauf.

Seth hielt seine Tränen des Zorns und der Schmerzen zurück während er zusah wie jener verhaftet wurde widerstandslos und jener an ihm vorbei geführt wurde „Es tut mir Leid“, hörte er dann „Ich wusste nicht…“
Seth ging an jenem vorbei die Stufen runter und blieb vor dem Auto stehen „Ich möchte hier weg.“, erklärte er seinem Urgroßvater der dazu kam und neben ihm stehenblieb, kurz zögerte und dann nickte.
„Erstmal ins Krankenhaus.“



Das Krankenhaus war modern eingerichtet und ein Arzt legte ihm irgendwie eine Hand auf, damit alles besser heilte. Es wirkte leicht esoterisch, aber es half, dass die Schmerzen in seinem Körper sich abmilderten. Sein Zimmer wurde bewacht während auch die anderen Verletzungen an Arm und Händen geheilt wurden: Niemand sprach mit ihm, er hatte auch keine Lust zu sprechen und lag dann irgendwann im Bett des Krankenhaus, versuchte mit dem Handy Empfang zu haben und spielte dann Spiele solange damit, bis jemand hereinkam und er vom Handy aufsah.


Eine Frau kam herein, die breit lächelte „Hi, ich bin Kate Fox, man hat mich als deine Betreuerin ausgewählt“, erklärte die Frau mit braunen Haar und einigen blonden Strähnen im Haar, reichte ihm die Hand, die er nicht ergriff und nur sie anstarrte „Und? Was hat mein Vater in ihrer Familie angerichtet?“, fragte er dann.
„Oh, meine Familie wurde weitestgehend verschont. Meine Schwester war übrigens mal die Verlobte deines Vaters.“
„Also ist sie tot?“, fragte Seth und sah wie jene den Kopf schüttelte.

Seth versuchte sich an damals zu erinnern, als sein Vater über die Verlobungsfeier geredet hatte, dass alle tot waren, vor seinen Augen und die, die überlebt hatten… ihn als Schuldigen wollten. Seth starrte zu der Frau, die überaus freundlich lächelte.

„Meine Schwester hatte nur ein paar Kratzer, aber sie entkam, sie hat zwar gegen deinen Vater ausgesagt, aber auch, dass er sie genug geliebt hat, dass sie gehen konnte.“

Seth wurde übel. Man steckte ihn mit der Schwester der Verlobten in ein Zimmer? Ausgerechnet mit einer Schwester einer Überlebenden? Jemand, der das genauso gut hätte tun können – und nicht sein Vater?
„Waren Sie auch da?“
„Ich war noch zu jung für so eine ausschweifende Feier, glücklicherweise wohl.“, wollte sie ihre Tasche abstellen und Seth ging auf der anderen Seite aus dem Bett, ließ sie nicht aus den Augen und sah wie sie verwirrt zu ihm sah. „Was ist denn?“
„Sind Sie freiwillig hier?“, fragte Seth und ging langsam zur Tür.
„Ja, ich wollte…“

Seth rannte nun zur Tür riss sie auf und stürmte an den Maskierten vorbei den kalten Gang entlang. Draußen war es bereits dunkel, hinter ihm schrien Menschen, dass er anhalten sollte und Seth schrie auf, als scheinbar auf ihn irgendwas geschossen wurde. Er erreichte das Treppenhaus und rannte ohne sich umzublicken nach unten. Hinter ihm wurde es lauter, vor ihm stand niemand, als er aus dem Erdgeschoss heraussprang und das Foyer durchquerte, nochmal rannte und die Einfahrt erreichte, weiterrannte in der Dunkelheit und langsam merkte, wie er alle Verfolger abgeschüttelt hatte, langsamer wurde als er einen Park erreichte, der keine Besucher hatte und sich dann hinter einem Rondell, das scheinbar nie benutzt wurde in den Büschen versteckte.

Das Handy ließ er aus, damit man ihn nicht orten konnte, während er seinen Atem beruhigte und den Kopf in den Nacken lehnte, tief atmete. Sein Vater hatte ihn gewarnt Niemandem zu trauen. Und dann tauchte ausgerechnet jemand auf, der die Verlobte persönlich kannte, die das überlebt hatte und gegen seinen Vater ausgesagt hatte?

Wie kam er aus dem Dorf der Verrückten wieder raus? Und vor allem wo war er? Er konnte sonst wo auf der Welt sein. Er verstand zwar nicht genau wie, aber alles überstieg momentan die Grenzen seines rationalen Verstandes. Es war recht kühl wie er da saß und den Tag versuchte zu rekapitulieren, er trug leichte Kleidung und als auch noch klammer Nebel aufstieg je dunkler es wurde, desto unangenehmer wurde es.

Der Vorteil war aber auch, dass er im Nebel sich freier bewegen konnte. Er rieb sich die klammen Finger kurz, ehe er aufstand und sich im dunklen Park umsah. Die Lichter waren am Weg und kaum mehr zu erkennen. Langsam ging er dann in eine Richtung und stand bald am Ende des Parks. Eine Straße führte vor seinen Füßen vorbei, wo kein Auto fuhr. Trotz Nebel war das äußerst ungewöhnlich. Er folgte der Straße und suchte nach irgendeinem Schild, sah nur Straßenschilder, die darauf hinwiesen, dass die Stadt in England oder in den USA liegen müsste. Zumindest in einem englischsprachigen Land.

Als er ein Auto hörte versuchte er sich zu verstecken und atmete hinter einer Häuserecke auf als es vorbei fuhr ohne langsamer zu werden. Es dauerte etwas bis er dann doch mal an ein Straßenschild kam was sinnvoll wirkte. /London 20 Meilen/. Er atmete auf, als er sah, dass die Straße auch breiter wurde und er aus dem Stadtgebiet kam, beschleunigte seinen Schritt und rannte dann in leichtem Trab.

Sekunden später sah er nur kurz etwas aufglänzen und prallte dann hart gegen Luft.
Er fiel rückwärts zurück auf den Rücken starrte entsetzt auf eine glühende Wand, die leicht pulsierte, wo er gegen gelaufen war und stellte sich schnell wieder auf, um die Stelle zu berühren.

Es schien massiv, als würde dort Energie herunterfließen oder herauf, wie in Science Fiction Filmen. Seine Finger strichen an den Fasern entlang, wo die Energie floss und betrachtete fasziniert das pulsieren, passte sich dieser an und streckte die Finger vorsichtig hindurch. Er stieß ab und zu an Widerstand, aber bald war die ganze Hand durch was ihn erleichterte.
Licht blendete ihn plötzlich, Stimmen von vielen wurden laut als er entsetzt wieder in die Gesichter zahlreicher Maskenmänner sah. Einer davon war sicher sein Urgroßvater, der befahl „Waffen runter, er ist unbewaffnet“ und zu ihm kam. Die Maske streifte Seth fast als jene vorbeisah und die behandschuhte Hand seinen Arm berührte und das Schutzschild anstarrte.
Die Hand steckte fest, stellte Seth fest, als sein Urgroßvater an diesem Arm zog und zu den Männern auf der anderen Seite sagte „Ist er durch?“
„Ja, keine Ahnung wie, aber er ist durch.“
„Zieh deine Hand wieder zurück.“, hörte Seth und versuchte es, nur um selbst zu scheitern.
„Wie bist du da durch gekommen? So musst du auch wieder zurück.“
Seth schwieg weiterhin, Lichter blendeten ihn, leises Gerede nervte ihn und auch die Scham entdeckt worden zu sein. „Ist das ein Kraftfeld mit Alarmanlage?“, fragte er dann nach einigen Versuchen.
„So ähnlich, du bist weggelaufen. Warum?“
Seth stemmte einen Fuß gegen die Barriere und zog mit aller Kraft, aber die Hand blieb drin. Jemand von der anderen Seite machte Fotos.
„Sie ist eine enge Freundin aus der Familie deines Vaters.“
„Sie war sehr jung, sie kannte meinen Vater sicher kaum.“, widersprach Seth.
„Nun ja, sie ist aber für solche Fälle geeignet und qualifiziert, sie hätte etwas über deine Familie erzählen können und …“

Seth schrie wütend als er die Hand nicht rausbekam und unterbrach so seinen Urgroßvater. „Wie vorher sagte ich.“
„Ich weiß nicht wie ich es gemacht habe!“, schrie Seth ihn an.
„Beruhige dich.“, bemerkte sein Urgroßvater hart und Seth atmete tief durch kurz, ehe er wieder daran zog und es stecken blieb. „Müssen mich alle Lichter anblenden? Müssen alle darüber reden, dass sie sowas noch nie erlebt haben?“, giftete Seth dann.
„Ruhe.“, befahl dann der General und alles wurde leiser.

Seth ging seufzend einen Schritt zur Barriere und lehnte seinen Kopf daran „Ich will in ein Jugendheim. Ich möchte hier nicht bleiben.“, erklärte er dann und starrte durch die Barriere die 2 Inquisitoren auf der anderen Seite an, die unleserlich ihre Masken aufhatten.
„Sethos. Du hast eine Begabung, die trainiert werden muss. Die Begabung ist so groß, dass wir ohne Training dich nicht nach draußen lassen dürfen. Wahrscheinlich wird so der Rat entscheiden. Du musst hier bleiben, du musst dich daran gewöhnen. Du musst es akzeptieren.“

„Ich hab keine Begabung, das ist doch alles fauler Zauber, Zufälle, ich weiß nicht, wenn ich sowas kann, dann…“ Seth starrte auf den nebligen Boden und erschrak innerlich. Der Wirbelsturm, die Feuersbrunst… sein Vater, seine Reaktion, als wäre er schuld gewesen… wie viele hatte er getötet – wenn das die Wahrheit war, dann war er ein Mörder?

Er spürte Tränen der Panik  hochsteigen, sein Herzschlag beschleunigte sich enorm, auch der Blitz, den seine Stiefmutter tötete, oder als ihre Mutter nicht mehr atmen konnte – all diese Flüche die er gedacht und ausgesprochen hatte, die sein Vater ihm verboten hatte – er war es tatsächlich? Er konnte da kaum länger drüber nachdenken! Seth sackte weinend in sich zusammen an der Barriere, seine Hand steckte noch immer in dieser fest.

Er war ein Monster – ein Mörder. Freunde, Nachbarn, allen hatte er den Tod gebracht. „Sethos? Wir bekommen die Hand schon raus.“, hörte er seinen Urgroßvater „Wir holen einen der deine Kräfte begleitet.“
„Könnt ihr den Mist nicht einfach ausschalten?“, wimmerte Seth, als ob er wegen der Hand heulen würde. Sein Urgroßvater wusste nichts.
„Dann wird sie dir abgetrennt.“, bemerkte jener nur trocken.

Seth sackte mit den Kopf wieder an die Barriere „Ist doch egal…“, bemerkte er nur und sah wie ein Auto auf der anderen Seite anhielt und jemand herausstieg „Was ist hier los?“, fragte jener, zog eine Jacke zu „Die Inquisition? Mit einen Dutzend Männer? Welcher Schwerverbrecher ist entflohen? Wie lange ist die Grenze noch zu? Oh, General Izumi. Sie auch, haben Sie … ein Kind?“
„Guten Abend Mr. Devon. Entschuldigen Sie die Unannehmlichkeiten. Wir haben ihn erst heute eingefangen. Er möchte nichts von seiner Kraft wissen.“
Seth wischte sich die Tränen ab „Ist er mit einer Hand durch die Barriere gekommen? Ich wusste gar nicht dass das geht.“
„Es geht, aber sowas beherrschen nur eine Handvoll. Steigen Sie doch bitte wieder ins Auto und warten Sie. Nachher kommt eine Begleitung.“
„Gerne, wie alt ist er?“
„14.“
„Wie meine Tochter, wir waren gerade mit der Familie essen in London, ziemlich nebelig heute.“
„Was ist denn los?“, stieg wohl eine Frau nun aus. „Ein Gefangenenausbruch? Kinder bleibt im Auto.“
Seth starrte angestrengt auf den Boden und wollte nichts mehr mitbekommen.
„Bitte steigen Sie doch wieder ins Auto Mrs. Devon.“, bemerkte sein Urgroßvater.
„Ich kenne meine Rechte, wir behindern hier doch nichts mehr, welcher Schwerverbrecher… das ist Dunninger? Ist es Dunninger? Haben Sie ihn endlich gefunden?“, schien sie sein blondes Haar zu erkennen.
„Sieh mich an! Sieh mich an!“, schrie sie „Wie konntest du Mörder…“
„May, das ist nicht Dunninger. Beruhige dich.“

Eine Autotür schlug zu „Wo ist der Mörder meiner Eltern?“, erklang eine dunkle, jugendliche Stimme. Seth ballte seine Hand zu einer Faust und blieb in der Hocke sitzen, schweigend.
„Nael, bleib im Auto. Man wird ihn sicher bestrafen.“, erklärte die Frau, die scheinbar ihren Mann ignorierte. „Er kommt durch die Barriere?“, zischte der Jugendliche und trat dann tatsächlich gegen Seth Faust voller Wucht. Seth riss die Augen auf vor Schmerz und biss sich jeden Schrei auf die Lippen, „Haltet ihn auf.“, bemerkte sein Urgroßvater fast gleichzeitig und Seth hörte ein Gerangel als er eine Frauenstimme wieder hörte, die aus dem Krankenhaus.

„Ich bin hier, ist er stecken geblieben?“, Kate Fox?
Seth drehte sich entsetzt um, die sich neben ihn kniete und Hände auf seinen Kopf legte. Ein leichter Druck durchströmte ihn, irgendwie schien sie in seinen Kopf eindringen zu wollen, und tat es sogar. Ein Bild seines Vaters kam aus dem Nichts hoch und Seth schrie wütend auf, schlug sie mit der freien Hand weg und sah sie schwer atmend an, die auf ihrem Hintern aufkam und ihn auch mit großen Augen ansah.
„Verschwinde!“, schrie Seth entsetzt.
„Sethos.“, hörte er den General. „Sie will dir helfen!“
„Sie stöbert in meinen Gedanken! Sie holt Bilder von meinem Vater! Sie soll aus meinem Kopf bleiben!“, schrie er.
„Natürlich wollen wir wissen wo sein Vater ist Mrs. Fox, aber hier geht es erst mal um die Barriere.“
„Ja sicher, es ist nur…“
„Machen Sie es nochmal.“
Seth schüttelte den Kopf und versuchte ihr zu entkommen, sie schien konzentriert und Seth schloss wütend die Augen als niemand ihm zuhörte, dann musste er sich eben selbst konzentrieren.

Seth spürte wieder den angenehmen, einschmeichelnden Druck und sah wieder das Bild seines Vaters, um nun das Bild selbst zu lenken. Er zeigte ihr seine Schwiegermutter und wie sie gerade vom Blitz getroffen wurde, zeigte ihr die Schmerzen, die er in der Situation gerade hatte und hörte wie sie nun schreiend zurücksprang, sich den Kopf hielt und die Arme, schrie als hätte sie noch immer das Gesicht seiner Stiefmutter vor Augen und Seth lächelte zufrieden als sie sich kaum beruhigte und meinte überall Schmerzen zu haben.
„Was hat er getan?“, fragte sein Urgroßvater ein Dutzend Mal, bis sie sich beruhigte und stotterte „Er hat einen Gegenangriff gestartet.“, zitterte sie und zeigte ihren Arm „Er hat Schmerzen, die er selbst hatte auf mich projiziert.“
Sein Urgroßvater drehte sich sofort zu ihm um. Seth kümmerte sich nicht, er sah eh nicht die Augen.
„Sie soll verschwinden.“, erklärte er nur und hörte dann von der anderen Seite.
„Sein Sohn?“, bemerkte wohl Mrs. Devon, die ihre Arme überkreuzte „Er scheint genau so ein Verbrecher zu sein, wie sein Vater.“

Seth stand auf und sah ihr ins Gesicht. Sie war größer als er. Er hasste seine Größe wirklich. Ihr Mann hatte dunkles Haar und schien ganz fasziniert von der Sache und der Jugendliche namens Nael stand mit einem Mädchen daneben, jünger wohl die Schwester, die auch alles fasziniert betrachtete. Scheinbar war er aber dennoch der Kleinste hier. Seth stemmte wieder einen Fuß gegen die Barriere und riss an seiner Hand, als von hinten plötzlich wieder ein Schleier sich über ihn legte. Wieder sie? Seth erstarrte, kämpfte dagegen an und zeigte diesmal Schmerzen als man ihm das Knie zertrümmerte. Wenn man einmal wusste wie es ging?

Seth hörte sie wieder schreien, dann auf den Boden wälzen, während er selber weiter daran zog.
Als General schien er diesmal absolut nicht fähig, so wie er sie ansah „Ich hatte nicht gesagt, dass Sie es nochmal versuchen sollten. Ich versuche meinen Sohn zu erreichen, vielleicht ist das vertrauter.“, hörte er dann seinen Urgroßvater, der sich dann an die Leute auf der anderen Seite wendete „Momentan ist er in einer wichtigen Besprechung, das kann noch eine halbe Stunde dauern. Vielleicht warten Sie besser im Auto.“
„Haben Sie seinen Vater auch?“, fragte Mr. Devon nun und schob Seth eine Visitenkarte in die geballte Hand „Ich bin Anwalt. Ich vertrete ihn gerne.“
„Er hat deinen Bruder getötet!“, schrie seine Frau, während Seth irritiert auf die Visitenkarte sah.
„Ich möchte wissen warum, es ist doch wohl meine Sache, außerdem ist das gute Werbung.“
„Schlechte Werbung! Niemand wird uns mehr nehmen, nur noch Gauner.“, schien May absolut dagegen.
„Kommt er da nicht mehr raus?“, fragte der Jugendliche einen der Inquisitoren.
„Ja, wir haben ihn so erwischt.“
„Man kann gar keine Besonderheiten bei ihm fühlen.“
„Ja, er ist da gut trainiert, besser als jemand von uns. Wenn er je ein Inquisitor wird, dann gehört er sicher zu den Panthern.“
„Den Spionen?“, fragte das Mädchen.
„Ja, wo habt ihr eure Schwerpunkte?“
„Mein Bruder ist im Heilen gut, mehr nicht. Er wird nie ein Inquisitor. Ich will in die Kampftruppen.“
Seth starrte zu jenen und fragte sich welches Kind freiwillig in dem Alter zum Militär wollte. „Ein Heiler? Hast du schon Kurse für die Begleitung?“, fragte sein Urgroßvater.
„Er ist ein Kind, natürlich nicht.“, entgegnete Mr. Devon.
„Dann müssen wir eben noch warten.“
„Ich werde mir auch sicher nicht im Kopf rumspuken lassen von jemanden, der meine Hand tottreten will.“, erklärte Seth seinem Urgroßvater, der auf eine Uhr sah „Wir warten auf deinen Großvater.“

Seth hockte sich wieder hin und starrte dann nach oben auf die Hand, alles war weiterhin hell erleuchtet und man unterhielt sich darüber wie man ihn gefunden hatte. Mrs. Fox wurde wieder weggebracht, wohl gleich ins Krankenhaus um ihren Geist zu reinigen und sein Urgroßvater hockte sich irgendwann neben ihn „Warum hast du das mit ihr gemacht?“, fragte er ihn leise und Seth sah unter dem Arm hindurch zu ihm „Sie ist die Schwester der Verlobten meines Vaters. Mein Vater sagte, dass nicht er, sondern die Überlebenden die Mörder waren und eine Aussage nichts zählt gegen die vieler. So ist das Leben, aber ich werde sicher nicht jemanden zu nahe lassen, deren Schwester meinen Vater gefoltert hat.“
„Er hat dir das erzählt?“
„Ja. Dass ihm niemand glaubt.“
„Du vertraust da sicher deinem Vater, aber er ist ein Mörder.“

Seth lachte laut und erinnerte sich an die vielen Menschenleben, die wahrscheinlich er genommen hatte „Ein Mörder? Du spinnst. Ich bin ein Mörder, aber mein Vater wurde von euch nur falsch verdächtigt. Mörder.“

„Du hast jemanden umgebracht?“, fragte sein Urgroßvater vorsichtig „Ich werde sicher nichts ohne Anwalt mehr sagen, am Ende lande ich noch auf dem elektrischen Stuhl oder so.“, murrte Seth.
„Meine Karte hast du ja“, hörte er von der anderen Seite Mr. Devon, der seine Hand tätschelte „Also hast du momentan keinen Vormund? Seine Aussagen haben vor Gericht keinerlei Beweiskraft.“
„Er ist 14.“, bemerkte sein Urgroßvater trocken.
„Kaum dann eben. Du bist also Sethos Dunninger.“
Seth sah kurz hoch „Hat dein Vater was über meinen Bruder gesagt?“
„Nur dass er es nicht war und die anderen Überlebenden alle anderen vor seinen Augen getötet und gefoltert haben, so was vergisst man nicht.“, erklärte Seth leise „Aber die anderen die überlebt haben sind in hohen Positionen, unmöglich, dass diese alle…“
„Deshalb wurde wohl mein Vater als Sündenbock gewählt?“, schlug Seth vor und sah wie Mr. Devon scheinbar das erste Mal ernsthaft darüber nachdachte.

„Vater, er erzählt nur Müll. Die Beweise sprechen klar gegen ihn.“, kam der Jugendliche dazu und strich sich durchs braune Haar die Strähnen nach hinten „Du kennst die Akten nicht, es gibt zahlreiche Widersprüche….“, belehrte sein Vater jenen und Seth sah wie sein Urgroßvater wieder aufstand und die Gegend beobachtete während hitzige Debatten über seinen Vater geführt wurden, meist sehr subjektiv.

Es wurde etwas kälter irgendwann und Seth hockte immer noch in den kühlen Krankenhaussachen und Strümpfen auf dem asphaltierten Boden während das Mädchen nörgelte, dass es nach Hause wollte „Karen, du hast morgen dafür etwas was du in der Schule erzählen kannst.“, beruhigte ihre Mutter sie.
Seth selbst sah wie der Junge Nael ihn die ganze Zeit beobachtete und irgendwann näher kam „Soll ich es mal versuchen?“, fragte jener seinen Urgroßvater, der zu Seth sah „Ist das in Ordnung?“
„Solange er nicht nach meinem Vater sucht… soll er doch probieren.“
Sein Urgroßvater nickte und der Junge nahm die Hände nun aus den Taschen „Ich bin Nael“, strich er mit seinen Fingern über seine „Seth, sehr erfreut“, erklärte Seth knapp und ließ sich die Faust öffnen „Entschuldige wegen der Tritte“, nahm jener die Karte heraus „Ich geb sie dir nachher wieder.“
Seth nickte nur und starrte auf die Hand die jener nun mit seinen warmen Händen umschloss. „Du bist eiskalt“, bemerkte Nael knapp und Seth nickte „Sind Krankenhaussachen.“, spürte er eine leichte Wärme seinen Arm hochschlängeln, die seinen Kopf erreichte und warm einlullte, er blieb dennoch aufmerksam und starrte seinem Gegenüber durch die pulsierende Barriere direkt in die Augen, die auch ihn genaustens musterten.
„Krankenhaus? Was ist passiert?“

Seth erzählte und bemerkte wie einzelne Bilder aufstiegen, die jener suchte, von der Flucht mit dem Auto und seinem Vater, wie sein Vater ihm erzählte, dass auf den Trümmern des Hauses einer seiner wenigen Verwandten stand und wie seine Stiefmutter ihn geschlagen hatte, das Geschenk zerstört hatte, was er seinem Vater machen wollte, er erzählte von der Rose, die sein Vater ihm gegeben hatte zum Jahrestag seiner Mutter und bemerkte kaum wie sich der andere überall in seinen Gedanken ausbreitete.
Erst als er bemerkte, dass die Rose den anderen ja gar nichts anging, schwieg er dann und sah düster zu jenem „Wozu willst du das wissen?“
„Du hast es erzählt, du hast es noch niemandem erzählt?“, fragte er leise konzentriert und Seth sank mit dem Kopf seufzend an die Barriere, dachte an seine Freunde und Erlebnisse. Wen hatte er wirklich außer seinen Vater?
„Und dann, sind wir wieder im Krankenhaus, Kate Fox kam herein, was passierte dann?“
„Mein Vater sagte, dass ich niemanden hier vertrauen darf, ist doch klar, dass ich ihr erstrecht nicht vertraue. Vielleicht wollte sie mich auch töten, hier ist ja alles irgendwie… merkwürdig, wer weiß wie man das vertuschen könnte…“
„Du bist gerannt?“
„Ja, in den Park, die haben auf mich geschossen…“
„Es war kalt…“
„….besser für die Konzentration.“, nickte Seth und ließ sich von den Bildern leiten, spürte wie sie gemeinsam dann gegen die Barriere schlugen und musste nicht mehr wirklich reden. Er spürte wie Nael genau mit ihm erfasste wie er die Barriere gespalten hatte und wie er einfach nur durch den Schleier wollte…
„Dann komm durch…“, hörte er leise irgendwoher, während er in den Gedanken die Barriere zur Seite schob, stolperte plötzlich und fühlte wie er gegen einen warmen Körper prallte, der ihn sofort festhielt und Seth die Augen öffnete, die er irgendwann geschlossen hatte. Er war draußen!

Irritiert sah er sich um, sah dann hoch zu Nael dessen braune Augen ihn musterten und er spürte wie die Wärme aus seinem Geist langsam verschwand und er in der Kälte zurückgelassen wurde. Seth löste sich von jenem „Danke“, sah er dann weg zur Barriere und hörte wie der Inquisitorgeneral die Barriere öffnen wollte, nahm die Visitenkarte dann wieder und sah sich um. Ein klarer Nachthimmel erstreckte sich um sie.

Hinter ihm rief jemand „Handschellen, falls er flieht“ und Seth spürte wie jemand eine Hand plötzlich zu sich riss, hörte die Handschelle klicken an einem Handgelenk und starrte auf das brennende Kupfer.

„Keine Handschellen!“, hörte er seinen Urgroßvater noch schreien, als man seine zweite Hand nahm und Seth voller Wut sein Gegenüber die Hand ins Gesicht schlug, dem zweiten Inquisitor das Bein in die Eingeweide bohrte und er dann so schnell er konnte wegrannte.

Die Barriere hinter ihm brauchte wohl noch etwas um gelüftet zu werden. Er erschrak als heiße Kugeln neben ihm einschlugen und sah nur kurz zurück, wo die beiden Inquisitoren auf der anderen Seite sich wohl wieder gefasst hatten und ihn verfolgten.

Seth verkniff sich einen Schrei als eine heiße Feuerkugel sein Hemd wegbrannte, bei so kalter Haut spürte er nicht mal wirklich, dass es heiß war, auch wenn Brandblasen sich auf seinem Arm bildeten. Er bildete sich ein seinen Urgroßvater zu hören der schrie „Ich sagte keine Handschellen! Warum habt ihr euch widersetzt?“

Er rannte so schnell er konnte die Straße entlang und sah irgendwann grelle Lichter, die ihm entgegenkamen. Wieder schoss an ihm irgendeine Feuerkugel vorbei, die aber das Auto traf und dieses auswich. Seth riss die Augen auf, schrie als es auf ihn zuschoss, hob die Arme noch hoch und spürte dann wie der Aufprall ihn von den Füßen riss, er durch die Luft flog und hart auf den Boden aufschlug. Er verlor sofort das Bewusstsein.



Seth erwachte in einem Krankenhaus und spürte leichte Schmerzen im Kopf, Rücken und Beinen, auch die Arme schmerzten als er aufstehen wollte und stöhnend zurücksackte. Seine Arme lagen in Kupferketten, die schmerzten sobald er sich rührte und lauschen wollte. Er fühlte sich eingeengt und sah dann sich im Zimmer um wo er lag. Steril, kalt, sauber. Es war sicher kein normales Auto gewesen. Er wurde sicher wieder in die Irrenanstalt gebracht, wo man ihn aufbewahren wollte.
Er hörte Stimmen vor der Tür und schloss schnell die Augen, versuchte seine Atmung zu beruhigen und hörte dann wie die Tür sich öffnete „…eingestellt, dass er morgen früh aufwachen wird, also in 15 Stunden.“
„Konnten Sie bereits irgendwas in seinen Gehirnstrukturen erkennen?“
„Leider nicht, die Gehirnscans zeigen zwar einen sehr stark ausgebildeten Bereich, wo sich die Mutation zeigt, aber es ist schwer bei ihm messbar, die Instrumente sind da leider ja noch schlechter als unsere Begabten.“, klangen Schritte von 2 Personen, die nun an sein Bett kamen.
„Müssen die Fesseln sein, wenn er im Koma ist?“
„Ja, wir wissen nicht was er für Träume hat.“
Seth zuckte als jemand ihm Haare von der Stirn zur Seite strich und verfluchte sich innerlich dafür. Er hatte nicht damit gerechnet und sich sicherlich verraten. Die Hand hielt nämlich inne „Haben Sie schon einen Beschluss bekommen?“, fragte der andere, der ihn nicht berührt hatte.
„Wie? Ach ja, gerade eben ist die Sitzung abgeschlossen worden, er wird unter strenger Beobachtung gelassen, auch wenn Geräte bislang nichts feststellen konnte, glaubt man den Berichten der Inquisitoren, dass die unbekannte Energie, die wir messen konnten, von ihm stammen muss.“
Seth spürte einen leichten Druck im Gehirn, vage bekannt, dann wenn man in seine Gedanken eindringen wollte. Er mauerte sofort und spürte wie nun die Hand sofort weggezogen wurde. „Er soll erst morgen aufwachen?“
„Ja.“
„Geben Sie mir ein paar Minuten mit ihm?“
„Natürlich, Sie wissen ja wo es rausgeht. Müssen wir die Inquisitoren morgen hier im Krankenhaus haben? Es ist für die Kranken hier nicht unbedingt…“
„Das ist nicht meine Entscheidung.“
„Ich dachte nur, ob Sie den General vielleicht…“
„Ich werde mein möglichstes tun.“
„Danke.“

Der andere Mann verließ den Raum und Seth lauschte in die Stille lange, ehe er hörte. „Es ist natürlich nicht normal, aber du scheinst wach zu sein. Und bevor du morgen unter Aufsicht von allen stehst, biete ich dir an, dass wir beide uns in aller Ruhe unterhalten, Sethos Dunninger, ich hoffe, dass du dich erwachsen benimmst.“

Seth zögerte nur kurz, ehe er die Augen öffnete „Ich habe mich verraten, ich weiß.“, erklärte er nur und starrte zu dem Japaner, der ihm vollkommen unbekannt war und der mit verschränkten Armen dort stand, ihn beobachtete und nun lächelte als Seth ein paarmal blinzelte.

„Dein Vater hatte auch eine sehr gute Gesundheit und hörte nie darauf lange zu schlafen, auch wenn es der Genesung diente.“

Er kannte wohl seinen Vater, Seth wollte die Decke hochziehen und hörte das Klirren der Kupferketten um dann die Arme wieder locker zu lassen und zu jenem zu starren „Wer sind Sie?“
„Das weißt du nicht?“, schien jener wirklich überrascht und musterte ihn von oben bis unten.
Seth runzelte die Augenbrauen „Woher? Sind wir uns schon begegnet?“
„Nun, ja, da warst du nicht mal fähig zu krabbeln.“, schien er zu überlegen. „Hat dein Vater nie von uns erzählt?“
Seth zögerte kurz „Sie sind vielleicht aus der Verwandtschaft auf der anderen Seite?“
„Dein Großvater“, nickte jener „Toshi Izumi.“, verbeugte er sich leicht zur Begrüßung. Der Vater seiner Mutter. Seth nickte kurz „Freut mich…denke ich.“
„Sethos, du hast hier ziemlich viel Verwirrung ausgelöst. Wir wussten nicht mal zu 100%, dass du noch lebst. Und du hast innerhalb weniger Stunden ein paar Dinge gemacht, die man hier nicht tun sollte, ohne aufzufallen.“
Seth lehnte sich ins Kissen „Hier leben lauter Verrückte, die meinen Vater töten wollen, ich denke, dass es ganz natürlich ist, dass man da die Flucht ergreift.“
„So habe ich es nicht betrachtet, aber es stimmt wohl. Ich freue mich auf jeden Fall, dass ich dich kennenlernen darf, du bist das Einzige was mir von meiner Tochter geblieben ist. Du hast ihre Gesichtszüge.“
Seth starrte zu jenem, der ihn lange ansah „Sie war ein sehr kluges Mädchen, sie hat sich leider nur in den Falschen verliebt. Sonst wäre Sie noch am Leben.“
„Mein Vater hat sie sicher nicht umgebracht!“
„Nun, da hast du Recht. Er liebte sie leider auch abgöttisch.“, schien jener sich zu fangen und verschränkte nun wieder die Arme. „Wie ich sagte, du hast hier Konfusion angerichtet. Man ist verunsichert. Dein Vater hat dich scheinbar bereits mit jungen Jahren zu einem Spion ausgebildet, zumindest in den Fähigkeiten.“, betrachtete jener ihn und sprach dann plötzlich nicht weiter als Seth ihn ansah, als wäre erverrückt.
„Du glaubst das alles nicht, du denkst, dass wir alle verrückt sind?“
„Vielleicht so eine Droge, eine Sekte, wer einmal davon probiert hat ist im permanenten Wahn?“, schlug Seth vor und schüttelte den Kopf.
„Es ist nichts übernatürliches dabei. Wir verstehen die Gabe, die diese Mutationen bringen noch nicht hundertprozentig, aber wir sehen, dass diese Gabe gewisse Energien verschlingt und Energien des Körpers braucht und… wie denkst du bist du aus der Mauer gekommen?“
Seth schmunzelte kurz „Nun, ich musste mich beruhigen, ein Art Selbstpanik, es ist wie bei einem Kuhzaun, man muss nur sich konzentrieren, die Schmerzen ignorieren, dann kann man diesen dennoch überwinden. Eine interessante Konstruktion allerdings. Wusste gar nicht, dass sowas existiert.“
„Ich sehe, dass du ein Skeptiker bist, normalerweise sind wir alle sehr skeptisch was Übernatürliches angeht, aber nicht bei den Kräften. Das sind Tatsachen, die man messen kann. Viele die das erste Mal hier sind, sind nicht so skeptisch wie du. Hat dein Vater nie etwas davon erzählt?“

Seth dachte an die Flüche, und all die Schmerzen, den Tod den er womöglich anderen Menschen gebracht hatte, an seinen Vater, der ihn bei seiner Stiefmutter zwang einen „Fluch“ aufzuheben, den er verursacht hatte, ohne zu wissen wie. Er wollte nicht, dass er für all das verantwortlich war. Leugnen half da seinem Geisteszustand besser. Er verdrängte die Realität, dafür hasste er sich auch.

„Du ahnst es. Du weißt es.“, schienen seine Gedanken wohl auf seinem Gesicht zu stehen. Sein Großvater kam näher und wollte seine Hände berühren, sah auf diese und strich dann über die Handgelenke „Brennen die Fesseln?“
„Die ganze Zeit.“, gab Seth dann zu und hob die Hände etwas. Die Handgelenke waren feuerrot, Brandblasen lagen darum. Wie bei seinem Vater „Ich habe eine Allergie oder so gegen Kupfer.“
„Das liegt wohl eher daran, dass du deine Kräfte versuchst zu benutzen und diese davon aufgehalten werden. Die Energie wird auf dich zurückgeworfen.“
„Ich nenne das Freiheitsberaubung und Folter.“
Sein Großvater nickte und betrachtete ihn dann „Leider darf ich es nicht lösen.“
Seth sah zur anderen Seite und fand da die Vase die wieder heil dort stand „Du wirst morgen vor den Rat zitiert, danach wirst du wahrscheinlich hier bleiben. Du darfst bei mir wohnen und leben. Wir schicken dich zu einer Schule, wo du deine Kräfte kontrollieren lernst. Ich würde mich freuen, wenn wir uns besser kennenlernen könnten.“
„Wurde mein Vater gefunden?“
„Nein. Ich habe Berichte gelesen, er hat dich fast totgeschlagen?“
Seth presste die Lippen fest aufeinander „Nein, meine Stiefmutter. Er war nicht da.“
„Das wird dir hier nicht passieren. Man geht hier anders mit Begabten um.“
„Die Kupferfesseln kommen mir bekannt vor.“
Sein Großvater seufzte tief und strich ihm dann durch das Haar. Seth zuckte nur leicht „Morgen ist ein anstrengender Tag. Du solltest mir vertrauen, es gibt nicht so viele Menschen hier, die dir wohlgesonnen sind.“
„Was meinst du damit?“, sah Seth zu jenem und starrte zur Hand, die jener auf seine Augen legte.
„Schlaf jetzt.“, drückten ihn die Worte sanft in die Dunkelheit. Er konnte sich nicht wehren und schlief traumlos.



Als er das nächste Mal erwachte standen ein halbes Dutzend Menschen um das Bett herum, und einige etwas weiter. Sein Großvater hatte etwas Abstand zu ihm und sah ihn lange an als er die Augen rieb und auf die Handgelenke dann starrte, wo kaum mehr ein Abdruck zu sehen war. Tonlos fiel er wieder in die Kissen und sah über verschiedene Ärzte, jeglicher Nationalität und Pfleger, dann zu den Inquisitoren an der Tür, die gleich zu viert dort standen, und sah dann wieder zu seinem Großvater, dessen Haare fast blauschwarz im Licht der Lampe glänzte. Er sah sehr jung aus, keine 30. Scheinbar hatte man hier herausgefunden wie man ewig jung blieb.
„Ich bin dein Großvater, Toshi Izumi, du kannst Toshi zu mir sagen. Wir haben dich leider angefahren. Hast du noch Schmerzen?“
Seth setzte sich auf und starrte dann zur Tür wo der General-Inquisitor hereinkam mit der weißen Maske „Ist er wach? Er muss zum Rat. Zieh dir was an. Wir begleiten dich.“
Seth sagte nicht ein Wort als sie durch die Gänge gingen und hörte nur eine leise Diskussion hinter sich von seinem Großvater mit dem Groß-Inquisitor „Sei netter.“
„Es ist nicht meine Aufgabe nett zu sein.“
„Er ist ein Kind, 14!“
„Er wird bald 15, und er ist ungezogen. Du hast nicht gesehen was er kann.“
„Er hat Angst und ist verunsichert, er kennt hier niemanden! Natürlich benimmt er sich so. Es ist alles neu für ihn und er braucht Zeit.“
„So lange ist er eine Gefahr für alle hier. Ich würde ihn am Liebsten hier in Ketten rausführen, du spürst das doch auch, seine Energie umschwirrt uns hier fortwährend, und man kann sie nicht greifen. Die wenigsten spüren das, aber du sicher. Ich weiß nicht was das bedeutet, ob er alles nur tut um seine Umgebung abzuschätzen oder er lauscht…“
„Man kann ihn nicht blocken.“
„Konntest du herausfinden was in seinem Geist ist?“
„Ich bin mir nicht sicher, er scheint es nicht kontrollieren zu können, da hast du Recht Vater, es ist eine instinktive Verhaltensform.“
„Er hat damit wohl einige Dutzend Menschen getötet.“
„Das musst du ihm nicht auf die Nase binden. Er ahnt es selbst.“
„Er muss begreifen, dass er eine Gefahr ist für alle und wir ihm nur helfen wollen.“
„Nicht so.“
„Was hast du noch entdeckt?“
„Sein Vater hat ihn blockiert, ich weiß nicht womit es gekoppelt ist, er muss sich mir öffnen und die Vergangenheit zeigen, dann sehe ich es vielleicht. Es muss sehr früh in der Kindheit gewesen sein. Sonst würde sich nicht alles so entwickelt haben bei ihm.“
„Er hat eine Waffe gebaut?“
„Es scheint eher eine Nebenwirkung. Er wollte nur nicht, dass wir ihn finden.“
„So ein Narr. Hier hätte er ausgebildet werden können.“
„Es nützt nichts darüber zu grübeln.“
„Diese verdammte Energie, überall ist sie.“
„Ich weiß, er ist unsicher.“
„Dann hoffe ich, dass das vor dem Rat aufhört.“


Seth ging mit schlechtem Gefühl die Treppen zum Gebäude hoch. Es gab zahlreiche Schaulustige, die ihn beobachteten, ein paar Fotos wurden sogar von ihm gemacht und Seth eilte dann doch schneller hinein, hoffend, dass man ihn in Ruhe ließ, um dort im Gebäude noch mehr Menschen zu sehen, die ihn anstarrten und munkelten, wie sehr er doch seinem Vater ähnlich sah und dass man Gerüchte gehört hatte, dass er gefährlich war wie er.

Seth sah weg von all den fremden Gesichtern und eilte dann in eine Tür hinein, wo die Inquisition ihn hinführte und sie durch einen langen Gang gingen. Seth sah hinter sich und sah wie sein Großvater mit ernstem Blick ihnen folgte „Es ist das halbe Dorf da.“
„Wohl eher das Ganze.“, antwortete der General-Inquisitor unter der Maske und Seth blieb kurz stehen.
„Was wollen die alle? Ich habe nichts getan.“
„Zumindest nichts wissentlich…“, antwortete sein Urgroßvater streng „Es ist normal, dass ein neues Mitglied vorgestellt wird. Allerdings sind selten so viele Menschen da, die ihre Meinung dazu äußern wollen.“

Seth Magen knurrte und er bekam langsam Panik, sein Herzschlag klang laut im Ohr und er erschrak als sein Großvater seine Hand nahm und diese streichelte „Ruhig, dir passiert schon nichts.“

„Das sagst du so.“, flüsterte Seth in dem dunklen Gang und ließ sich dann leicht umarmen von dem für ihn recht Fremden, „Niemand wird dich den Hounds zum Fraß vorwerfen.“
„Was sind Hounds?“, fragte er leise.
„Große Hunde, mutiert, bestimmt 4 Meter groß und schwer, sie zerreißen einen Menschen in einer Sekunde, meist aber spielen sie lieber vorher mit ihm und reißen die Gliedmaßen einzeln aus.“, erklärte sein Urgroßvater neben ihm „Der Albtraum für alle Kriminellen.“, erklang es unter der weißen Maske und Seth spürte wie sich sein Magen umdrehte.
„Das ist nicht sein ernst?“, fragte er seinen Großvater, der seinen Vater wiederum düster ansah „Hounds? Warum fängst du damit an?“
„Du hast damit angefangen.“
„Zur Beruhigung. Und jetzt komm.“
„Ich will mich übergeben.“, bemerkte Seth nur.


Es dauerte noch ein paar Meter, ehe er in einem gigantischen Ratssaal war. Ähnlich wie ein Gericht war vor ihm eine lange Bank, und hinter ihm dutzende Ränge voller Menschen, die wie im Fußballstadion scheinbar dieses Ereignis verfolgen wollten. Überall waren Menschen, überall Fremde, überall drückte es auf ihn ein. Seine Hände zitterten als er sich setzte und er diese auf den Tisch drückte.
Neben ihn setzte sich sein Großvater, der ein paar Akten hervorholte und Seth die Augen aufriss „Wofür ist das da?“
„Nur damit ich nicht unvorbereitet bin.“
Seth sah wie die Inquisitoren, die ihn begleitet hatten um sie herum Platz nahmen und sich langsam die Menge setzte und sogar stiller wurde. Ganz leise wurde es als plötzlich 5 Menschen hervorkamen und sich an den Tisch setzten ihm gegenüber. Die Menschen dort sahen nicht wirklich so alt aus, aber waren wohl der Rat, 2 Frauen, 3 Männer. Seth Finger drückten sich in den Tisch als jene sich setzten und 10 Augen ihn anstarrten und der Druck auf seinen Geist und Körper sich erhöhte.

„Sethos Dunninger. Wir haben heute deinen Fall auf dem Tisch liegen, wohl ein Spezialfall. Sehr spät erst entdeckt und hier auch bereits auffällig geworden durch verschiedene Taten.“
Seth sah wie sein Großvater schwieg dazu und meldete sich dann „Entschuldigung, nichts gegen diesen Rat, aber gibt es hier kein Jugendgericht, wenn es darum geht? Und was ist mit der Entführung durch die Inquisition? Das ist doch nicht normal, wenn man dann nicht flieht?“
Sein Großvater zeigte weder Zustimmung noch Ablehnung zu dem was er sagte und sah nur zum Rat, der Sprecher, sichtbar auch der Älteste beugte sich etwas vor „Wir stehen außerhalb der Gerichtsbarkeit von weltlichen Gerichten.“
„Ist das legal?“, fragte Seth dann nur.
„Im Prinzip, nein.“, gab der Ratsälteste zu. „Wir sind hier aber eine Gemeinschaft, die unerkannt ist und bleiben will mitten unter den Menschen. Und es scheint, dass dein Vater wohl nie etwas von uns erzählt hat.“
Von Hexen und Zauberern? Seth schwieg lieber als sein Großvater ihn trat, bevor er was sagen konnte.

„Die Umstände sind wie gesagt etwas ungewöhnlich, wir haben hier Anträge, dass du in die Schule gehen sollst und unterrichtet werden solltest wie die anderen, allerdings liegen uns auch Berichte vor, dass du scheinbar keine messbaren Aktivitäten in der Kraft hast. Dann Zeugenaussagen, dass du sie schon einsetzen kannst und Berichte von einer ungeklärten Energie, die man dir zuordnet und die verantwortlich sein soll für…“, der Ratsvorsitzende blätterte einige Seiten um „…207 Tote.“
Seth öffnete entsetzt den Mund, der ihm dann trocken offen stand und der Richter über Tote in Japan erzählte als er 18 Monate alt war, dann über Tote in den USA und in England zuletzt seinen Stiefgroßvater und seine Stiefmutter, dazu unzählige Verletzte.

Die Zuschauermenge war aufgebracht murmelte lauter bei jedem Toten, den man nannte und Seth hörte das erste Mal das Ausmaß seines Verbrechens. Er hörte bekannte Namen, Namen von Freunden, Namen von Schulfreunden und Eltern dieser, damals in den USA, in England.
Was sollte er dazu sagen? Alle schienen hier was dazu sagen zu wollen, alle schrien, keiften, er spürte die Angst die von jenen auf ihm drückte und drückte seine Fingernägel in den Tisch vor sich, ehe der Ratsvorsitzende zum Ende kam als er dann die letzten Verletzten vorgelesen hatte.

„Und was hast du dazu zu sagen?“
Seth starrte jenen an „Ich bitte zu berücksichtigen, dass die Toten absolut nicht gewollt waren und ihm zum Zeitpunkt nicht bekannt war, dass er diese Fähigkeit hatte.“, hörte er seinen Großvater.
„Das ist uns bekannt, wir möchten dennoch hören was er zu sagen hat.“
Seth starrte auf den Tisch, wo Blut aus einem Fingernagel lief „Ich bin 14, ich sitze hier vor tausend Leuten auf dem Pranger, ich sehe hier nur Menschen, die schreien, dass ich eine Gefahr bin für ihre Kinder und höre sogar, dass man mich den Hounds vorwerfen sollte.“, begann Seth leise und sah dann auf „Ich werde mich nicht dazu äußern für perverse Befriedigung von irgendwelchen Fremden. Ihr habt meinen Vater verfolgt, ihr habt ihn dazu getrieben mich zu… verändern, ihr habt uns verfolgt, ihr habt mehr Schuld an den Toten als ich! Und ihr wollt wissen was ich dazu zu sagen habe? Ihr seid ein Haufen voller Irrer! Und ich beantrage, dass ich diese Irrenanstalt verlassen kann, sofort, dass ich in die Hand des Staates übergeben werde, wo wir hier sind und ich beantrage, dass dieser Schauprozess aufhört! Das hier ist abartig!“, beendete er seinen wütenden Monolog stehend und ignorierte das Kopfschütteln seines Großvaters.
„Verrückte? Das sind wir für dich?“, fragte der Ratsvorsitzende und aus seiner Hand kam eine Flamme „Was ist das für dich?“
„Ein Zaubertrick.“
„Hoher Rat, mein Enkel hat bislang noch keine Kenntnis gehabt von alldem ihm ist…“
„Schweig.“
„Genau, meinen Anwalt gleich mal Redeverbot erteilen, was ist das hier? Eine Diktatur von Irren?“, entgegnete Seth wütend und ballte die Fäuste, ein Ratsmitglied mischte sich ein „Inquisitor, bändigt ihn.“
Seth sah zurück zu den Inquisitoren, die sitzen blieben „Er ist keine Gefahr.“, hörte er seinen Urgroßvater.
„Das ist ein Befehl.“, schrie die Frau im Rat laut und Seth sah wie der General der Inquisition nun sich erhob „Ich unterstehe nicht dem Rat, sondern bin einzig der Inquisition verpflichtet. Wir urteilen nach klaren Vorgaben, nicht nach subjektiven Empfindungen. Er kann hier keine Gefahr ausüben, Mrs. Fox.“
Seth starrte blass zu der Frau, die im Rat saß und sie sich nun wieder fing, breit lächelte und Seth sich nun entsetzt wieder hinsetzte und seinen Urgroßvater fragte „Ist das die Ex meines Vaters?“
Jener nickte und sie musterte ihn düster als würde sie alles gehört haben. Sie war eine Überlebende? Sie saß hier? Im Rat? Kein Wunder, dass sein Vater ihn gemahnt hatte niemanden zu trauen.

Seth biss sich auf die Lippen, bis er Blut schmeckte und hörte erst dann wieder den Sprechenden zu, der sich über ihn aufregte und seinen mangelnden Respekt, er hörte wie jener das Volk aufforderte zu reden und hörte dann ein Crescendo von wirren Stimmen, die ihn als Sohn seines Vaters dem Tode übergeben wollten. Es waren nicht wenige. Und es waren alles Menschen, die ihn nicht kannten.

Manche forderten die Hounds, die meisten wollten einfach nur, dass er eingesperrt wurde und Seth strich sich irgendwann mit den zitternden Fingern das Haar zurück. Er hatte Recht, ein Schauprozess. Hier würde er sicher niemals eine Freundin finden und irgendwie glücklich werden. Hier war er in der Hölle gelandet. Hier kam er nie wieder raus, wobei er natürlich so tun konnte als ob und die nächste Gelegenheit zur Flucht wahrnehmen würde, gut geplant, dass man ihn nie wieder fand. Er blinzelte die Tränen weg, als er eine laute Stimme hörte „Werft ihn den Hounds vor, er ist doch ein Mörder, wie sein Vater, ein Kind? Ein Mörder! Von Geburt an!“
„Ruhe, Ruhe, möchtest du was dazu sagen?“, starrte der Ratsvorsitzend zu ihm, während Seth gerade versuchte die Tränen wegzublinzeln und nun trotzig diese wegwischte „Nun, ich habe gerade den Beweis gefunden, dass ich bei Irren sitze. Es gibt hier eine Erbschuld und scheinbar den Glauben, dass man Mördergene vererben kann, ich bin in einer fanatischen Trottelsekte gelandet.“, gab er nur bekannt.
„Wir sind natürlich nicht überzeugt davon!“, bemerkte der Ratsvorsitzende sofort „So? Was höre ich denn da?“, bemerkte Seth schneidend und nun kippte die Stimmung nun bei den Diskussionen doch auf seine Seite, dass man ja nicht primitiv sei und überhaupt…
Es dauerte gefühlte 20 Stunden, ehe man allen Anträgen stattgab und ihn mit Auflagen versah die Stadt ohne Begleitung nicht zu verlassen.


Seth starrte auf den Tisch vor sich als der Rat verschwand und sein Großvater die Papiere ordnete „Wie geht es dir?“, fragte jener ihn dann als er fertig war.
„Wie soll es mir gehen? Ich bin jetzt tatsächlich ein Gefangener in einer Irrenanstalt.“
„So scheint es wohl momentan. Du polarisierst wirklich, wer hätte das gedacht.“
„Und jetzt?“
„Wir werden nach Hause gehen, und dort werden wir erstmal uns langsam kennenlernen, du hast noch mehr Familie, und ich denke, dass da niemand dich nicht willkommen heißt.“


Seth eilte seinem Großvater hinterher durch die Eingangshalle des Rats und war froh als sie draußen waren, wo zwar auch einige Familien standen, aber da mehr Platz war. Sie warteten auf den Wagen und Seth hörte dann „Er ist ja viel kleiner als ich dachte.“, bemerkte ein Mädchen zu einem anderen, die in der Nähe standen und größer waren als er „Der soll 14 sein? So ein Winzling.“ Man kicherte „Ich frag mich zu wem er in die Klasse kommt!“ „Hoffentlich nicht zu uns.“
Man streckte ihm die Zunge raus, als er zu ihnen sah und Seth hob nur eine Augenbraue, vielleicht war es mit den Schülern besser auszuhalten als mit den Erwachsenen.


Es war ein nettes Haus von außen. Ein hoher Zaun und bedeutende Sicherheitsmaßnahmen wie ein Fingerabdruck ließen sie erst hineinkommen. Sein Großvater zeigte ihm das neue Zimmer, welches spartanisch eingerichtet war und lud ihn dann zum Essen ein, im Speiseraum in 20 Minuten. Er könne sich frisch machen und sich umsehen.

Das Frischmachen bestand darin, dass Seth sich erstmal zitternd in der Toilette übergab und auf die Magensäure starrte, die als einziges aus seinem leeren Magen herauskam, bevor er die heißen Tränen zurückdrängte und den Kopf an das kühle Toilettenbecken drückte, um seinem Zittern Einhalt zu gebieten.
Auch wenn er mit seinem Vater nie ein besonders enges Verhältnis gehabt hatte, er vermisste ihn und er war auch ein wenig wütend, dass er ihm all das verschwiegen hatte. Zauberei, nein Former, was für ein idiotischer Verein. Natürlich sprachen gewisse Sachen für sich, natürlich schien es wahr, dass so etwas wie diese Formerei funktionierte, aber in seinem Innersten sperrte sich alles dagegen so einen Mist einfach zu glauben. Was steckte dahinter? Wie funktionierte es? Und hatte er wirklich all die Menschenleben zu verantworten, die starben? Er wollte es nicht wahr haben, er wollte es nicht glauben. Er wollte nicht darüber nachdenken.

Als er sich im Spiegel ansah, starrte er in ein blasses Gesicht, blaue Augen, die in dunklen Höhlen lagen und sein blondes Haar wirkte auch schüttern. Er sah elend aus. Er hoffte, dass er sich irgendwie einleben würde… er wusch sich das Gesicht ab und ging dann zurück in sein Zimmer. Spartanisch war noch nett ausgedrückt. Langsam ging er dann ins Speisezimmer, wo sein Großvater stand und gerade telefonierte. Auch das Speisezimmer sah relativ unbenutzt aus wie Seth fand. Sein Großvater wies mit einem Fingerzeig auf einen Stuhl, wo er sich dann auch hinsetzte, während er weiter telefonierte „… nein, er darf die Stadt nicht verlassen. Ich kann aber nicht hier bleiben die ganze Zeit…. Ich weiß, dass du Kinder hast, aber nur wenn ich mal ein paar Tage weg bin, dass irgendjemand… Du kennst meinen Vater. Ich weiß nicht, was er von ihm hält, er ist ein Kind noch und vielleicht… Kommst du wenigstens vorbei um ihn kennen zu lernen? Wunderbar, ein guter Eindruck.“ Schmetterte sein Großvater dann den Hörer auf die Gabel und drehte sich zu ihm um.
„Heute kommt keiner, tut mir Leid.“
„Niemand will mich kennenlernen? Vielleicht auch zu knapp.“
„Eigentlich nicht. Immerhin…“, er setzte sich und sah sich um „Es dauert eigentlich keine Viertelstunde hierher zu kommen.“
„Wohnt hier überhaupt jemand?“, fragte Seth seinen Großvater dann, der sofort den Kopf schüttelte.
„Es ist nur ein kleines Anwesen, unsere Familie wohnt eigentlich in einer anderen Stadt. Dort arbeite ich auch hauptsächlich. Einzig dein Urgroßvater ist öfter in dieser Stadt. Ich bin nur hier, weil…“
„Wegen mir?“, Seth nickte nur „Danke. Vater war auch oft unterwegs, ich werde schon klarkommen, du musst mir nur die Küche zeigen, Lebensmittel besorgen oder mir was Haushaltsgeld geben… ich komme schon zurecht.“
Stille breitete sich aus, während sein Großvater ihn musterte „Weißt du…“, begann er vorsichtig „…was dein Vater so gemacht hat?“
„Ich dachte, dass er Vertreter oder so war. Ich habe nie gefragt.“, gab er zu und hörte nun auch in die Stille hinein.
„Ich will ehrlich mit dir sein.“, sagte sein Großvater nun leise „Es wird schwer hier für dich sein und auch die Familie wird nicht so hinter dir stehen, wie ich erhofft habe.“
„Die Familie wird mir nicht fehlen, wenn ich sie vorher nicht gekannt habe.“
Sein Großvater schüttelte den Kopf „Es ist nur, sie haben erfahren, dass du scheinbar – die Toten. Sie ziehen Parallelen zu deinem Vater.“
Seth sah weg, ehe er dann lauter als beabsichtigt fast schrie „Ich weiß gar nicht wie und ich versteh es nicht! Es war mehr ein Unfall, woher soll ich wissen, dass ich soetwas irgendwie kann.“, fragte er verzweifelt und hob die Hände „Ich weiß nicht was ihr macht, dass es so einfach aussieht, wenn ich mich konzentriere und mit der Macht irgendwas bewegen will, dann bleibt alles stehen. Ich habe diese Kraft nicht, ich begreife sie nicht.“, erklärte er verzweifelt und sah wie sein Großvater langsam seine Hände hob und die seinen einfing.

Seine Hände waren warm und fühlten sich weich an, nicht wie die seines Vaters, die voller Schwielen waren und Narben. Dunkle Augen fingen seinen Blick ein „Ich werde versuchen dir zu helfen. So etwas wie bei dir habe ich nie erlebt. Wir müssten einige Untersuchungen machen, bis die Schule wieder anfängt nach diesem Sommer, werden wir sicher herausgefunden haben was dich blockiert. Man fühlt nichts von deiner Kraft, es ist unheimlich, wie es dann aus dem Nichts manchmal herausbricht. Deine Kraft ist auch dann kaum zu spüren, wenn du sie einsetzt. Das können nur wenige stark trainierte, auch die Barriere. In dir steckt enorme Kraft, enormes Können, es ist kaum vorstellbar, dass wir nicht den Knoten zerschlagen können, der das alles einschränkt.“
Die Hände lösten sich von seinen „Die Sommerferien werde ich dich bei verschiedenen Trainern mal hinschicken und einige Checks im Krankenhaus, im August fängt dann wieder die Schule an, das zweite Halbjahr.“
„Warte, 2. Halbjahr? Bei uns…“
„Ach, ja, du hast doch gute Noten, das schaffst du schon. Welche Klasse wäre es dann? Die 10.?“
„Ja, eigentlich schon.“
„Ein paar Lehrbücher werden wir dir auch besorgen, nicht dass du sonst entsetzt bist über Integralrechnung…“
„Inte…was?“
„Und eine Köchin werden wir uns hier gönnen. Damit du wenigstens etwas zu essen hast.“, schien sein Großvater begeistert. Wenigstens einer, der damit irgendwie was anfangen konnte.


Sie aßen etwas später, sein Großvater musste noch auswärts etwas bestellen und kaufen, er sah jedoch fasziniert zu, wie Seth alles aufaß was in seine Reichweite kam und am Ende gesättigt sich zurücklehnte.
„Gut dass du satt bist, ich vergesse immer wie viel Kinder in deinem Alter essen, ich hatte schon Angst zu wenig gekauft zu haben. Ich habe morgen ein paar Termine und werde dir eine Liste schreiben, etwas Geld geben, damit kannst du dann einkaufen gehen. Bücher und vielleicht auch was zum anziehen.“, schlug sein Großvater vor.
Seth nickte nur müde „Wohnst du jetzt hier nur wegen mir? Was ist mit deiner Familie? Deiner Frau?“
Er sah wie sein Großvater ernster ihn ansah „Sie ist bereits länger verstorben. Sicher wohne ich in einem anderen Haus, das vielfältiger ausgestattet ist, aber dort bin ich nur zum Schlafen. Ich arbeite viel, ich habe in den letzten Jahren nie viel Zeit zu Hause verbracht, wozu auch.“
„Entschuldige, das wusste ich nicht. Tut mir Leid, ich dachte nur, alle sehen so jung aus und sogar mein Urgroßvater…“
„Das stimmt, hier werden viele sehr alt und bleiben jung. Meine Frau gehörte zur Inquisition erst seit wenigen Wochen, sie verfolgte auf eigene Faust Flüchtige mit anderen Inquisitoren. Man weiß nicht genau was geschah, es war ein Inferno, alle starben. Sogar einer der Flüchtigen.“
Seth sah überrascht zu seinem Großvater „Ich wusste nicht, dass es so gefährlich ist.“
„Du hast auch mit einem Blitz auf deiner Flucht fast jemanden getötet.“, entgegnete sein Großvater schneidend und Seth schwieg kurz „Wo arbeitest du?“
„Ich? Meine Begabungen liegen nicht im Angriff, ich bin mehr passiver Former, also Gedankenmanipulation.“
„Wie Mrs. Fox?“
„Genau.“
Seth nahm sich vor vorsichtiger zu sein und überlegte wie er das Thema wechseln sollte, als sein Großvater aufstand und den Müll zusammenräumte „Übrigens, die Flüchtigen waren dein Vater, du und meine Tochter. Es überlebten nur du und dein Vater, der Rest verbrannte zu Asche.“, sagte er fast beiläufig zu Seth, der kurz verwirrt war, ehe er es zuordnen konnte und auf den Tisch starrte, aufstand „Danke für das Essen.“
„Geh schlafen.“


Er war nicht willkommen, selbst bei seiner eigenen Familie nicht. Das war ihm klar. Er schlief nicht gut und träumte wirr von seinem Vater und dem Tod. Er hätte gerne mal ein Foto gesehen von seiner Mutter, wagte es aber nicht zu fragen. Scheinbar hatte sein Vater hier viele Feinde sich gemacht.


Als er am nächsten Morgen aufwachte, machte er sich langsam fertig. Die Küche war leer und es lag auf dem Tisch ein Zettel, eine Menge Geld, britische Pfund, wie er feststellte, und die Liste was er alles kaufen sollte.

Er betrachtete sich nochmal im Spiegel, ob alles am Tag besser aussah, die Turnschuhe, Jeans und Hemd, um dann die Haustür zu öffnen und die für ihn unbekannte Stadt zu betreten. Leider hatte sein Großvater keine Stadtkarte dazugelegt. Warum auch, die Stadt war wohl klein genug. Er brauchte auch kaum, um sich einen kurzen Überblick zu verschaffen wo das Krankenhaus war, der Park und das Haus wo er gerade lebte, um dann ein Geschäft zu sehen, wo einige Geschäfte folgten. Scheinbar setzte man auf eine Art Monopol Geschäftsviertel. Er sah von allem nur einen Händler. Viel war nicht los, man hielt im Allgemeinen auch von ihm Abstand, ignorierte ihn und grüßte einander.

Seth fand irgendwann den Buchladen, den er dann betrat, den Verkäufer grüßte höflich und zu ihm trat. Der Laden wirkte von innen größer als von außen, einige Kunden stöberten in den endlosen Bücherreihen, und sahen zu ihm als er dann den Zettel herausholte „Mein Großvater empfahl mir diese Bücher zu kaufen, können Sie mir sagen, wo ich sie finden kann?“ Der Verkäufer starrte ihn lange an mit undurchschaubarer Miene „Dunninger, Sethos, richtig?“, fragte er dann und sah auf den Zettel „Sie kommen in die 10.Klasse? Die Schulbücher sind…“, jener unterbrach sich plötzlich als Jugendliche kicherten und Seth sah auch zur Seite wo der Lärm herkam und jene nun sich wegdrehten und irgendwo bei den Büchern verschwanden. Sie waren höchstens 12! Allerdings roch es komisch und Seth sah sich um, ehe er auf seine Füße starrte, wo das Gummi seiner Sportsneaker schmolz und einen ätzenden Geruch absonderten.
Entsetzt schrak er zurück sah die geschmolzenen Fußabdrücke auf dem Parkettboden „Entschuldigung, ich weiß gar nicht….“, versuchte er diese auszuziehen, fühlte sich hilflos als er das heiße Gummi anfasste und sich verbrannte. Seine einzigen Schuhe waren kaputt, sie waren nichts besonderes – aber das letzte was ihm von seinem alten Leben blieb. Er hob sie hoch, stand nun barfuß auf den kühlen Brettern und sah zu dem Verkäufer, der telefonierte und gerade nickte „Ja, kommen Sie vorbei.“ Seth erstarrte „Ich weiß nicht, wie das passieren konnte“, versuchte er sich zu verteidigen, während der Verkäufer nur knapp den Kopf schüttelte „Dumme Kinderstreiche, das wird geregelt. Ich hole dir gleich die Bücher.“, schien er sogar etwas freundlicher als zu Anfang.

Es dauerte zudem keine 3 Minuten als 2 Dunkelblau Uniformierte den Laden betraten. Sie sahen ähnlich den Polizisten aus, die er aus London kannte. „Es gab einen Kinderstreichangriff auf einen Kunden von mir, ein Schaden ist entstanden.“, begrüßte der  Verkäufer jene, die danach Seth düster ansahen, der sich sofort als Schuldiger fühlte anstatt als Opfer. „Kann man kaum verdenken.“, bemerkte einer der Beiden und nun begehrte ein anderer Kunde auf „Hier geht es um einen Angriff auf jemanden, der sich nicht wehren kann! Das ist indiskutabel!“

„Natürlich“, erklärte der andere Polizist sofort und holte ein Messgerät raus, hielt es an die Schuhe, dann an ihn kurz, ehe sie zwei Namen auf dem Display lesen konnten „Wir werden die beiden mitnehmen und die notwendige Strafe verordnen sowie ihren Eltern das mitteilen. Die Kosten der Reparatur oder Neuanschaffung wird natürlich ersetzt, Mr. Dunninger.“

„Okay.“, bemerkte Seth kleinlaut und nahm einen Zettel entgegen, den er dann ohne wirklich draufzusehen einsteckte und zusah wie man dann den Laden verließ, während er selbst die Turnschuhe etwas irritiert ansah. Wie sollte er jetzt zurückkommen? „Soll ich die Bücher einpacken?“, fragte nun der Ladenbesitzer, der scheinbar aus dem Nichts die Bücher geholt hatte „Ja, danke.“, sah Seth zu wie diese in Tüten gepackt wurden und nahm sie dann, nachdem er bezahlt hatte, während hinter ihm ein anderer sagte „Dass sie die Kinder nicht im Griff haben ist ja das eine, aber die Kräfte gezielt einzusetzen, die Moral scheint langsam gegenüber Normalen abzunehmen.“ Woraufhin der Verkäufer sagte „Das stimmt schon, wenn gleich ich verstehe, dass einige ein wenig froh sind ihren Frust loszuwerden an einem Dunninger, der hier fast jeder Familie jemanden entrissen hat.“

Seth sah sprachlos zu jenem, der zuvor noch eher auf seiner Seite war „Nichts gegen dich persönlich, aber dein Vater hat hier viel Blut und verbrannte Erde hinterlassen. Außerdem scheinst du ja irgendwelche Kräfte zu haben, sonst wäre man nicht so restriktiv bei dir. Er könnte sich also wehren.“

Seth atmete einmal tief durch ehe er sagte „Wunderbar, dass Sie mir erklären wollen, was ich so alles kann. Ich kann es nicht. Ich bin hier eingesperrt mit Leuten, die also meinen Vater hassen, und alles an mir auslassen? Danke, dass Sie dafür Verständnis aufbringen, ich nicht und meine Schuhe auch nicht.“, verließ er dann den Laden ohne das „So war das nicht gemeint.“ abzuwarten.

Draußen waren die Gehsteige heiß von der Sommersonne, so dass er sich die Füße fast verbrannte als er über diese ging. Er musste sich konzentrieren, seine Wut nicht rauslassen, wahrscheinlich wartete man darauf. Die Tüten waren schwer in seinen Händen als er dann langsam sich auf den Nachhauseweg machte und froh war, dass durch seine Konzentration wenigstens die Hitze in den Fußinnenseiten kaum mehr zu spüren war. Draußen war eine Ansammlung von Passanten, die ihn beobachteten und wohl die Szenerie von zuvor. Seth sah wie auch der Jugendliche von zuvor zu ihm sah von der anderen Straßenseite, wohl mehr deshalb, weil er etwas bekanntes an seinen Gedanken zupfen spürte. Gedankenlesen war zwar eher nicht das woran er glaubte, aber das Gefühl war unangenehm.

Er zögerte kurz, ehe er die heiße Straße überquerte und zu jenem ging, der ihn anstarrte wie der Rest aller Passanten und wohl zu spät merkte, dass Seth ihn ansprechen wollte, denn er wandte sich erst von ihm weg als Seth ihn ansprach „Devon richtig? Ich wollte mich nochmal bedanken für…“ „Ich weiß nicht wovon du sprichst, ich habe mit Mördern nichts zu tun.“, drehte er sich um „…sprich mich niemals wieder an.“, ging er weg von ihm und Seth hörte erst ein Kichern aus der anderen Richtung und hörte dann das Reißen der Tüten in seiner Hand, bevor die Bücher auf den Boden fielen und das Lachen von Kindern in der Nähe noch lauter wurde.

Seth spannte sich an, ballte die Fäuste und kniete sich dann hin, um die Bücher einzusammeln, sah dann hoch als er alle hatte und bemerkte wieder das leichte Drücken in seinem Kopf. Der Schüler, der ihm durch die Wand geholfen hatte, stand etwas weiter weg und beobachtete ihn. Wunderbar, in einem Dorf voller Idioten war er gelandet und eingesperrt. Er ignorierte die Blicke, kapselte sich ein und ging voller wütenden Gedanken in die Richtung wo er die Wohnung verlassen hatte, er ging schnellen Schrittes mit den Büchern und Schuhen übereinandergestapelt und wollte am liebsten Heulen, sicher niemals vor all den anderen. Aber er hatte schon ähnliche Situationen erlebt. Damals endeten diese in einer Katastrophe, jetzt konzentrierte er sich wie sein Vater ihm das beigebracht hatte und nahm kaum was wahr, bis er nach Hause kam, die Tür aufriss und die Tür hinter sich zuschlug, die Bücher neben dir Tür warf wütend, und dann laut schrie, gegen die Tür trat.

„Diese verdammte Scheiß-Stadt! Papa! Bitte Papa, wo bist du nur? Wo bist du nur!! Hol mich hier raus!“, spürte er heiße Tränen über seine Wangen fließen und erstarrte als er dann ein Geräusch aus dem Wohnzimmer hörte und die Tränen grob wegwischte, mit zwei Schritten da war und sah wie ein schwarz maskierter ihn anstarrte. Ein Einbrecher? Seth sah sich um, sah ein Schwert nur wenige Meter vor sich auf dem Boden liegen und sah wie der Einbrecher scheinbar erst erstarrte und dann mit einem Kampfschrei und gezogenem Schwert auf ihn zu eilte. Seth blieb genügend Zeit zu reagieren, das Schwert hochzureißen vom Boden, dann mit einer Rolle dem Angriff auszuweichen und dem Angreifer mit dem verhüllten Schwert gleichzeitig noch die Beine wegzureißen, das Schwert herauszuziehen, während der andere getroffen sich schnell wegrollte und wieder stand und nun auch in Kampfhaltung zu ihm stand.

Seth atmete tief durch. Man wollte ihn töten. Erst das in der Stadt und nun so ein Ninja-Spinner, der nun wieder schreiend auf ihn zusprang. Seth Augen verengten sich zu Schlitzen. Wunderbar, hier konnte er seiner Wut freien Lauf lassen.

Er wehrte den Schlag ab, die Funken sprühten aus den Klingen und Seth sah das Schwarze in den Augen seines Gegenübers, die sich gerade weiteten und Seth damit zeigten, dass er gute Chancen hatte jenen zu überraschen. Er startete eine schnelle Abfolge von Angriffen, wehrte die wenigen des Anderen ab und spürte wie es um sie herum heißer wurde, was seine Schnelligkeit und Wut nur noch mehr anfachte. Wieder und wieder drängte er jenen zurück in den Flur, um dann mit einem gezielten Tritt jenen, der mehr als 2 Köpfe größer war als er an die Wand schleuderte, der nur mit Angriffen von der Waffe gerechnet hatte, sich nun den Bauch hielt und Sekunden später Seth nun dessen Schwert aus der Hand trat und jenen dann zu Boden riss, das zweite Schwert schnell aufhob, sich über jenen aufrichtete, der panisch an der Maske herumriss, diese versuchte wegzuziehen und Seth eine Schwertspitze nun an dessen Kehle hielt und jener schrie „Warte, warte, dein Großvater hat mich beauftragt. Ich sollte nur üben und…“
„Lügner!“, schrie Seth.
„Ich wollte dich überraschen und deine Kräfte testen und… hör mal hier brennt es…“
Seth starrte zu jenem, sah dann kurz zu den Flammen im Wohnzimmer, die das wenige bisschen Einrichtung zerstörten und nahm dann etwas das Schwert von der Kehle, als die Tür hinter ihm plötzlich aufging und Seth das Gesicht seines Urgroßvaters sah, das plötzlich voller Wut sich verzerrte und Seth mit einer unglaublichen Wucht weggeschleudert wurde, gegen die Wand krachte. Sein Kopf sich zur Seite drehte zu jenem, der zu ihm stürmte und Seth nun befürchtete zu Sterben, nur weil er sich kurz ablenken ließ, nur weil kurz seine Konzentration weggewesen war. Nie wieder durfte ihm so etwas passieren.


Sein Urgroßvater schlug ihn fest ins Gesicht. Er verlor das Bewusstsein und wachte danach im Wohnzimmer auf, wo sein Urgroßvater ihn anstarrte, der Ninja nun ohne Maske daneben saß und sonst niemand anwesend war. Das Feuer war gelöscht und Seth spürte Schmerzen an den Handgelenken, um da Kupferfesseln zu sehen, die scheinbar wie Säure seine Haut verätzte.
„Miyagi hat mich aufgeklärt, und ich ihn.“, hörte er seinen Urgroßvater, der nun die Fesseln von seinen Handgelenken nahm und auf diese starrte, die rot waren und Bläschen warfen „Das Feuer hörte nicht auf, ich musste das tun.“
Seth versteckte die Blasen und starrte beide wortlos an „Miyagi war lange Zeit Ausbilder bei den Inquisitoren im Nahkampf, scheinbar ist er etwas eingerostet.“
„Ich wusste nicht, dass du bereits eine Kampfausbildung hattest. Ich hätte sonst so etwas nicht getan, vor allem nicht ein Schwert in Griffnähe drapiert.“, erklärte Miyagi, der älter aussah als sein Urgroßvater und weiter sprach „Dein Großvater hatte nichts erwähnt davon.“
„Miyagi sagte mir, dass du geweint hast, als du nach Hause kamst, war es wegen der Sache in der Stadt?“, fragte sein Urgroßvater und Seth starrte beide an „Und wenn? Was hilft es dir das zu wissen?“
„Du hast deine Wut bis hierher kontrolliert und dann fast alles in Schutt und Asche gelegt? Ich will nur wissen worauf man achten muss bei dir.“
„Wie wäre es damit mich einfach in Ruhe zu lassen, nicht anzugreifen und einfach mich wieder frei zu lassen, hier wo mich jeder …“ Seth machte eine wütende Handbewegung und starrte dann auf seine Handgelenke, versuchte aufzustehen und hielt sich dann den Kopf als sich alles drehte „Dein Großvater kommt sicher gleich und kann das heilen, er ist da spezialisierter als ich.“, stand sein Urgroßvater auf und sah auf die Uhr „Miyagi sagte, du hättest über deinen Vater geredet?“
Seth starrte beide an und ignorierte nun den Schwindel, um einfach in sein Zimmer zu gehen, sich aufs Bett zu werfen und die Decke über den Kopf zu ziehen. Es würde hier niemals sich wie ein Zuhause anfühlen.

Er hörte einige Stunden später seinen Großvater nach Hause kommen, der leise an die Tür klopfte eintrat „Ich war nicht da. Soll ich mir deine Wunden ansehen?“
„Nein, schon gut.“, murmelte Seth und setzte sich dann doch auf, als jener eine Hand von ihm ergriff, sah zu jenem, der konzentriert über die Brandblasen strich und diese dabei langsam verblassten „Alle sind hier gegen mich, und dann ich bin kein Mörder. Ich wollte das nie, doch ich wollte es, aber ich wusste nicht, dass das mein Wille kann. Wer wünscht sich nicht mal den Tod von irgendwem…“
„Ich würde dich lieber gerne zu uns mitnehmen, aber man will dich hier behalten, ich kann dagegen nichts tun, hier wird es nur so weitergehen. Diesmal wieder Feuer?“
Seth nickte nur und starrte auf die wieder helle Haut an den Händen. „Mein Vater konnte nichts wirklich messen, woher es kam. Es macht ihn ziemlich unsicher, dass er das nicht kann. Er hat dir das Handy mitgebracht, und wollte es dir eigentlich geben, du kannst es hier kaum benutzen, nur außerhalb, aber du darfst nicht über die Grenze.“, legte sein Großvater es neben ihn.
Seth rieb sich die Augen „Werde ich abgehört?“
„Was wirst du?“
„Abgehört? Ist da eine Wanze im Telefon?“
„Wanze? Nicht dass ich wüsste, ich weiß aber auch nicht, ob ich dich richtig verstehe.“
„Belauscht mich jemand, wenn ich das nutze.“
„Ich wüsste nicht wie.“, überlegte sein Großvater „Ich habe eine Köchin gefunden, sie wird in einer halben Stunde fertig sein, und ich zeige dir mal einen besonderen Raum hier, wenn du wütend bist, geh einfach da rein. Er schirmt alles recht gut ab.“


Seth lebte sich nur langsam ein. Er ging auch nie wirklich nach draußen, und wenn doch, dann zog er meist es vor die Wege zu nehmen, wo ihm wenige Menschen begegneten. Er suchte die Grenze des Dorfes und fand auch diese rundherum, zeichnete in seiner Freizeit eine Karte von der Stadt und versuchte die Bücher zu verstehen, die einiges voraus waren.

Miyagi kam zweimal in der Woche und trainierte mit ihm normalen Waffenkampf in dem ominösen Raum. Miyagi selbst versuchte ihm zu erklären, wie er seine Wut bei Kämpfen kanalisieren sollte, aber für ihn war es mehr trockenes Training und seine Wut verschloss er meist unter seinem Eismantel.

Zweimal in der Woche ging es zudem auch in die Klinik, zu immer neuen Experten, die seinen Knoten lösen wollten, und ihn untersuchten, was seine Kraft zu einschloss. Sie konnten nur rätseln und versuchten es ein paar Mal, dass er seine Gedanken einem Fremden preisgeben sollte, die er jedoch niemals hineinließ.

So gesehen war das eine Sackgasse.


Seth bleiben nur die Einsamkeit, die Bücher und die Trainingsstunden mit Miyagi, der ihm wenigstens etwas erklärte wie es hier funktionierte. Menschen, die Formen konnten, bildeten sowas wie die Oberschicht, sie konnten in der Gesellschaft jeden Beruf ergreifen. Dann gab es noch normale Menschen, Menschen wie Seth momentan war. Keine Kräfte, keine Fähigkeiten, die durften dann so gesehen den Rest erledigen. Sie waren meist Hausangestellte, wie auch die Köchin bei ihnen. Es gab einige die hier lebten und von en Gesetzen geschützt wurden, dass man sie mit Kräften nicht angreifen durfte.

Er lernte nur etwas die Köchin kennen, die allerdings ihm zu verstehen gab, dass sie kein Interesse hatte mit ihm zu kommunizieren, so dass ihm die anderen Tage blieben, um dann einige Male auszuprobieren, wie er das Handy draußen hinlegen konnte und selbst mit einer selbstgebastelten Apparatur dann innerhalb der Grenzen blieb, und froh war nach 3 Wochen absoluter Öde seine Freundin wieder zu hören. Lina gestand ihm schnell, dass sie längst mit Thorsten ging und Frederic schien wohl auch sich ohne ihn zu vergnügen.
Dennoch war es schön ein paar Mal wieder Normalität zu spüren „Umgezogen nach dem Brand, alles so hektisch“ war seine Ausrede. Was sollte er sonst sagen, um sich nicht lächerlich zu machen.

Laut Handykarte war er in der Nähe von London und sagte es ihnen auch, so dass sie Pläne schmiedeten, dass sie ihn ja auf der Klassenfahrt besuchen könnten, zumindest sie sich treffen könnten, die im Oktober war.

Sein Vater rief nie an, wahrscheinlich war er für immer weg. Wenn sogar die Inquisition ihn nicht fand? Aber sie fanden ihn ja auch vorher nie.

Seinen Großvater sah er wohl insgesamt seltener als Miyagi, mit dem er eigentlich ganz gut klarkam. Auch wenn er schon 147 war und sie nicht viele ähnliche Gesprächsthemen hatten. Nicht mal bei den Schulsachen konnte er ihm helfen.



Als die Schule dann tatsächlich mal begann, war er auf alles gefasst und war dann schon fast enttäuscht als er die Klasse betrat, vorgestellt wurde und niemand ihn in Flammen setzte. 12 Schüler starrten ihn an, beobachteten ihn, als er die Klasse betrat und die Klassenlehrerin ihn vorstellte „Sethos Dunninger, wahrscheinlich haben die meisten schon von ihm gehört, wird ab diesem Halbjahr zu der Klasse dazustoßen. Er ist leider ein halbes Jahr hintendran, was das Wissen angeht, also helft ihm bitte bei Fragen und nehmt ihn gut auf.“

Seth war erstaunt über so eine nette Vorstellung „Setz dich doch da hinten hin, in die Ecke.“, er nahm es nur hin, bedankte sich knapp und verzog sich dahin, wo jeder ihn anstarrte und sich sogar umdrehte, um ihn zu beobachten. Die Lehrerin Mrs. MacReed lehrte die erste Stunde Mathematik, fasste alles zusammen und sprach ein, zwei Schüler an über das vorangegangene Halbjahr, die jedesmal aufschraken und nach vorne sahen dann, bis es ihr reichte. „So, das wars. Mr. Dunninger Sie kommen nach vorne und alle anderen in der Reihe rutschen jetzt eine Reihe nach hinten.“ So kam es, dass er in der ersten Reihe saß und sich ziemlich beobachtet fühlte von allen Seiten, und ziemlich angreifbar. Er konnte sich kaum richtig konzentrieren auf irgendetwas was da vorne gesagt wurde, so dass er bei Fragen der Lehrer zu seinem Wissensstand ziemlich oft dämlich wirkte.

Am erstaunlichsten aber war, dass nachmittags seine Klasse und die Parallelklasse mit den anderen 13 Schülern zusammengelegt wurden, und der Rest verschwand, während er mit 4 weiteren Schülern zurückblieb. Als er das erste Mal das erlebte und kein Lehrer kam, fragte er nach dem Grund „Wir haben keine Kräfte, die anderen bekommen jetzt Förderunterricht im Formen und wir können Hausaufgaben und so machen.“, erklärte ein Schwarzhaariges Mädchen, Amy, wie sie sich vorstellte und Seth sah sie verwirrt an „Ihr sitzt hier nur rum und macht nichts?“
„Ja, wir können sonst nichts Besonderes.“
„Habt ihr keine AG´s? Theater, Chor? Oder eine Schülerzeitung? Basteln, malen, ich weiß nicht irgendwas Originelles?“
Man schüttelte den Kopf „Und die Lehrer, kann man die nicht fragen? Was ist mit Sport?“
„Es gibt eine Schülerzeitung, aber da machen nur Former mit. Devon aus der Oberstufe ist der Leiter der Schülerzeitung und Schulsprecher, er ist eigentlich ganz nett, vielleicht können wir ihn mal fragen.“, schlug Amy vor.
Ansonsten saßen sie nach den Hausaufgaben wirklich immer herum und taten nichts.

Am nächsten Tag ging er mit Amy zu den Räumen der Schülerzeitung, wo sie anklopfte und hereinging und Seth in der Tür stehen blieb. Devon, er wusste, dass der Name ihm bekannt vorkam, aber der Junge, der ihm geholfen hatte und zutiefst verachtete, sogar als Mörder sah. Jener starrte ihn feindselig über die wenigen Köpfe, die dort arbeiteten hinweg an und Seth hielt Amy kurz auf „Warte, ich geh doch nicht mit.“ „Warum denn?“
„Er ist nicht gut auf mich zu sprechen.“
„Wieso?“
„Frag mich nicht… Soll ich jemanden anderes holen?“
„Ich frag alleine.“

Später kam sie raus und schien ein wenig hin und hergerissen. „Wie wars?“, fragte Seth und die anderen Schüler, die nicht Former waren sie.
„Er meinte, dass wir ja mal was machen könnten, aber er keine großen Hoffnungen hegt, und wer auf die Idee gekommen wäre. Als er deinen Namen hörte“, sah sie Seth mit ihren dunklen Augen tief an „…Er hasst dich wohl wirklich. Ich frag mich warum.“
Jason, der andere Schüler ohne Kräfte, schüttelte den Kopf „Ich denke, dass sein Vater doch seine Eltern getötet hat.“
„Uh, eine Familiensache…“, wedelte Harry, der dritte im Bunde die Hände „Former sind sehr nachtragend.“
„Mein Vater hat niemanden getötet, er hat selbst seine Familie verloren“, widersprach Seth heftig und sah wie ihn alle 4 ansahen, bevor Harry anfing zu lachen.
„Das glaubst du doch nicht selbst? Jeder weiß, dass er an das geheime Familienwissen drankommen wollte.“
„Ich nicht.“, gab Seth zurück und beherrschte sich dann wieder. Er sollte sowas nicht öffentlich sagen, niemand würde ihm glauben.
„Was auch immer, dein Vater hat hier einige Dutzend Familien gegen sich aufgebracht. Da wir nicht Former sind, sind allerdings meine Familie davon verschont geblieben. Außerdem bringst du frischen Wind mit rein und diese Handys, ich meine, ich sehe sie oft in der Stadt, aber was machst du damit die ganze Zeit, wenn du hier keinen Empfang hast.“, schien Harry interessiert und schob seinen roten Haarschopf über das Handy, welches Seth die ganze Zeit in der Hand hielt und er dort ab und zu Emails schrieb zu seinen Freunden, aber sie noch nicht verschickte.
„Schreiben und manchmal spielen, Musik hören…“, steckte Seth es dann ein.
„Du kannst uns ja in den Freistunden davon etwas erzählen, dann lernen wir wenigstens etwas, wenn wir uns dafür entscheiden, nicht in der Stadt hier zu bleiben und draußen zu arbeiten.“



Amy, Jason, May und Harry waren danach zumindest auf ihn besser zu sprechen. Sie saßen in den Pausen zusammen, halfen sich in der Schule und trafen sich auch mal nach der Schule. In ihren Freistunden machten sie gemeinsam mal Buchbesprechungen oder sprachen über ihre Lieblingsmusik. Seth war manchmal höchstens verwundert, dass sie über Handy und Internet nicht so viel wussten und zeigte es ihnen nach der Schule.

Es war irritierend manchmal wie wenig sie von der Welt von den normalen wussten, obwohl sie alle dort ein- und auskehren konnten, aber sie schafften es wohl kaum wirklich diese Welt zu verstehen. Ebenso wenig wie er diese Welt verstand. Diese abgeschlossene Welt, wo Menschen entweder was waren und „Kräfte“ hatten oder eben nur „normal“ waren und froh sein konnten, wenn sie als eine Schreibkraft angestellt werden konnten. Sie waren nicht in der Forschung gern gesehen, sie waren in höheren Posten nicht gerne gesehen und jeder schien dafür Verständnis zu haben. Sie waren ja sicherer hier und sie waren zufriedener hier, die andere Welt schien für sie oft brutal und fremd.

Einen Vorteil hatte es – auch wenn er selbst weniger von ihnen Nutzen ziehen konnte, fand er Menschen, mit denen er normal reden konnte. Menschen, die sich für ihn interessierten.
Er war froh Freunde zu haben, und auch ein paar Former schienen interessiert an Handys und Internet, die sich manchmal in Pausen zu ihnen setzten und mithörten.


Es wäre wohl so weiter gegangen, wenn nicht ein Lehrer selbst das nicht gut fand, dass er die anderen beeinflusste. Er wandte sich an seinen Großvater, der dafür extra in die Schule bestellt wurde. „Du triffst dich mit Nicht-Formern?“, bemerkte sein Großvater Ende September, der danach extra in sein Zimmer kam abends, nachdem Seth schon 2 Monate auf der Schule gewesen war und dementsprechende Freundschaften aufgebaut hatte.

„Ja, sie sind ganz nett. Nicht so wie ich befürchtet habe“, sah er zu seinem Großvater, der nickte und sich zu ihm setzte „Ich denke, dass wir mal darüber reden sollten. Es ist so, ob du nun als Former giltst oder nicht, du gehörst zu sehr alten Former-Familien. Sowohl die Dunninger als auch die Izumi sind reich, angesehen und werden oft als Freunde gesucht.“

Seth sah prüfend zu seinem Großvater, den er leicht wabernd in seinen Gedanken herumstörbern spürte und ihn nicht aufhielt „Sie sind nett.“, ließ er jenen Bilder zukommen, wo sie zusammen saßen im Gras und über die Welt draußen redeten und darüber wie Former manchmal angeberisch sie ignorierten und nur wenige Interesse zeigten.

Sein Großvater nickte „Dennoch. Ich habe mit einigen geredet. Kennst du einen Jungen namens Will Baker?“ Seth nickte nun auch, dachte an den Schüler, der ab und zu lauschte, wenn er mit normalen Mitschülern sprach und spürte wie sein Großvater seinen offenen Kopf nutzte um wie so oft versuchte den Knoten zu finden ohne in intime Erinnerungen zu stolpern. Er vertraute sicher nicht vielen hier, aber seinem Großvater noch etwas mehr als allen anderen. Daher war es eine gute Übung für sie beide.

„In der Parallelklasse. Braunes Haar, kurz, unscheinbar.“
„Ja, Aber die Bakers sind auch recht alt eingesessen und meinten, dass ihr beide Zeit miteinander verbringen solltet. Einfach damit du auch andere Sphären mal kennenlernst.“
Seth sah düster zu seinem Großvater „Muss das sein?“
„Versuch es. Und wegen Oktober, deine Freunde kommen doch in 2 Wochen?“
„Ja?“
„Du bekommst die Erlaubnis, zwei Inquisitoren werden zwar dich beobachten und begleiten, aber du darfst dich treffen.“, eröffnete ihm sein Großvater der überrascht war, als Seth freudig aufsprang und ihn kurz umarmte. „Ich sag ihnen gleich morgen Bescheid.“
„Sei aber weiter brav und gut in der Schule, nicht dass du mich enttäuschst!“
„Ich versprechs.“


Es war vielleicht der einzige Lichtblick seit Monaten. Er freute sich sehr und sprach sogar Will an, der scheinbar von der Unterredung der Eltern wusste und mit ihm ein wenig über die Handys redete.

Und so dämlich war er gar nicht auf den ersten Blick. Er schien sehr interessiert an allem, was Seth ihm so erzählte, über seine Freunde, woher er kam und erzählte ihm auch viel über das Dorf hier. Vor allem aber über das worüber sonst nie jemand mit ihm sprach. Seinen Vater.

Sie saßen Anfang Oktober gemeinsam mal in der kalten Luft draußen im Park, der fast nie besucht wurde von irgendjemanden, und Will hatte ihn hergelockt um dann wie versprochen von dem Vielfachmord seines Vaters zu erzählen.

Seth saß auf der Bank neben ihm und sah erwartungsvoll zu jenem, der zufrieden grinsend die Hände ineinander faltete „Wo soll ich also anfangen?“
„Von Anfang an?“
„Natürlich. Du weißt wozu Inquisitoren da sind?“
„Um Verbrecher zu fangen, weltweit. So ähnlich wie Interpol?“
„Was ist Interpol? Na ja egal, sie machen noch mehr. Es gibt nämlich auch noch Former, die sich vor langer Zeit abgesagt haben von uns. Sie haben Bereiche erforscht, die vielen nicht gefallen haben, und es gab eine Spaltung. Ich weiß, darüber redet man nicht in der Schule, nur zu Hause. Es gibt immer wieder Former, die auf die andere Seite wechseln, niemand aber wechselt je zurück.
Man sagt es liegt an den Experimenten da, weil man dann nie wieder zurückkann. Ich denke, dass es quatsch ist, sie sind einfach interessanter und stärker. Dein Vater hat auch Interesse gehabt an ihnen.“ Seth dachte daran, dass sein Vater ihm das ein wenig anders gesagt hatte, sah aber nur interessiert weiter zu ihm.

„Er sollte wohl so eine Art wichtiges Artefakt ihnen bringen, etwas was seit Generationen in Familienbesitz ist, aber seine Familie hat ihn ertappt und später hat er kalte Füße bekommen und ist flüchtig geblieben, weil er weder zu denen einen konnte noch zu den anderen.“
„Aha, und wie konnte er meine Mutter heiraten?“
„Sie waren nicht verheiratet“, erklärte Will ihm und zuckte dann die Schulter „Früher waren die einzelnen Dörfer noch nicht so vernetzt wie heute. Außerdem gab es ja erst mal den Prozess und den hat er verloren. Soll ich dir mal was zeigen?“
Seth runzelte die Stirn kurz und spürte den kalten Wind an seinen Wangen zerren „Was denn?“
„Du darfst es keinem erzählen.“
„Und was?“
„Ich zeigs dir!“
„Jetzt?“ Seth schüttelte den Kopf „Ich muss noch für die Schule lernen, der Test morgen muss gut sein. Ich kann nächstes Wochenende dann raus, ein paar Freunde treffen, vielleicht ein andermal?“
„Ja klar, aber verrat den anderen nicht, dass ich was über deinen Vater gesagt habe, das ist bei allen hier ein Tabu-Thema.“

Seth nickte nur und versuchte dann zu Hause sich auf das Lernen zu konzentrieren. Wollte sein Vater die Seiten wechseln und dann plötzlich nicht mehr? Das ergab keinen Sinn. Dazu noch Artefakte? Former“Magie“ war das eine, aber mächtige Artefakte? Wohl eher nicht.

Sein Großvater fragte ihn erst nach dem Test, ob er sich schon mit Will getroffen hätte und schien zufrieden als Seth meinte, dass er ja ganz okay wäre. Seth fieberte nur einem entgegen. Das Treffen mit seinen Freunden von damals.
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