Die Welt der Former

GeschichteMystery, Fantasy / P18 Slash
03.09.2019
05.04.2020
20
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03.09.2019 22.787
 

Hallo!
Ich habe mal eine Geschichte geschrieben, an der ich eigentlich noch immer bin. Bislang hat sie laut "word" knapp 700 Seiten.
Es geht in der Geschichte um Sethos, der aus der normalen Welt in eine Welt voller Zauberer, bzw. Former gerissen wurde. Die Gemeinschaft der Former hingegen misstraut ihm, da sein Vater vor seiner Geburt angeblich dutzende Menschen getötet hatte und mit den Feinden der Former, den Hexern, zusammenarbeitet.
Für Sethos ist es schwer die Kindheit lebendig zu überstehen. Es folgen immer wieder Angriffe aus allen Richtungen. Und iemand, dem er vertrauen kann. Am Ende muss er sich für seinen Weg entscheiden.

Ich bin mit der Geschichte noch nicht ganz zu Ende. Überarbeite sie momentan Stück für Stück und stelle dementsprechend unregelmäßig etwas online.
Das erste Kapitel ist relativ lang, aber schon mal ein kleiner Vorgeschmack darauf, wie es weitergeht.

Warnungen: Es gibt Gewalt, Kämpfe, die beschrieben werden, sexuelle Handlungen (hier die Warnung: Slash MxM), eine Art Abenteuergeschichte eines Jugendlichen, der auch erwachsen wird.

Diese Idee und die Figuren darin sind allein meine. Wenn jemand sie stiehlt und als seine ausgibt, der wird von mir angezeigt und verklagt. Daher, einfach unterlassen.

Ich freue mich natürlich immer wieder über Rückmeldungen. Was gefällt euch, was eher nicht. Ich hoffe, dass Ihr viel Spaß habt beim Lesen.  Und jetzt Kapitel 1 der Geschichte:

Die Welt der Former
Viel Vergnügen!
Eure Vegeta1708

Kapitel 1 - Eine ganz normale Kindheit

Sie waren bereits des Öfteren umgezogen. Normalerweise blieben sie nie sehr lange an einem Ort. Momentan lebten sie in Deutschland, wohnten in einem kleinen Häuschen etwas außerhalb der Stadt zu dritt und lebten verhältnismäßig normal.

Im Grunde war für Kinder auch alles normal, weil sie es nicht anders kennen. Normal war es sicher nicht, dass sie oft umzogen, dass es oftmals Hals über Kopf war, normal war es auch sicher nicht, dass seine Mutter früh gestorben war, oder dass seine Stiefmutter ihn hasste, wobei das war wohl sehr klischeehaft und normal, wenn das auch in Märchenbüchern meist die Titellinie war.


Momentan lebten sie bereits schon seit 3 Jahren in diesem Ort, zuvor in Frankreich, England, davor in den USA und davor in Japan. Dort war er auch geboren, auch wenn er nicht so aussah. Er war blond, hatte blaue Augen und einzig seine etwas weichere Hautfarbe und die etwas mandelförmigeren Augen ließen vielleicht darauf schließen, dass seine Mutter Japanerin war. Ansonsten hatte sich sein Vater absolut durchgesetzt. Was sicher ungewöhnlich war.

Ungewöhnlich war sicher auch, dass er seine Mutter weder kennenlernen konnte, noch dass er ein Foto von ihr besaß.

In England war zwar ihr gesamtes Hab und Gut damals im Feuer verbrannt, aber bereits vorher hatte er nie ein Foto von ihr gesehen.

Die Frage war, ob man jemanden vermissen konnte, den er nie kennengelernt hatte. Meistens behauptete er, dass es nicht so war. Seine Stiefmutter war eine gute Abschreckung dafür wie Mütter sein konnten, allerdings, wenn sein Vater mal wütend auf ihn war, da gab es niemanden dem er sich anvertrauen konnte.


Kinder stellen ihre Welt nicht in Frage. Sie kennen nur die Welt, in der sie aufgewachsen sind. Sie fangen erst an Fragen zu stellen, wenn sie andere Lebensgewohnheiten sehen, und manchmal, wenn sie klug sind lassen sie sich die Fragen nicht verbieten, suchen nach Antworten und suchen ihren eigenen Weg.

Was war das erste woran er sich erinnern konnte? Je älter man wurde, desto weniger wird es, einschneidende Erlebnisse, schöne Erinnerungen, Fotos, die einen bei dem Erinnern unterstützen. Meistens erinnert man sich langsam an Dinge, wenn man 3 Jahre alt war, oder etwas später.

Sethos Erinnerungen begannen auch dort, irgendwann, bei einem Fest im Grünen, strahlend blauen Himmel, viel Spaß und der Erinnerung daran, wie man ihn schubste und der eine in der Sonne stand, auf ihn heruntersah und sagte „Du dummer Chinese, Pech gehabt. Das gehört jetzt mir.“ Er war älter, größer, stärker als Seth. Er sah wie jener mit den anderen Kindern weglief und dabei sein Kuscheltier hin und her wackelte mit den Beinen.
Das Spielzeug bedeutete ihm etwas, warum wusste er nicht, aber es gehörte ihm. Kinder waren grausam, Erwachsene vielleicht grausamer. Er rannte zu seinem Vater, der dort mit anderen Erwachsenen stand, meist Frauen, sie lachten und lachten auch als er wimmerte, dass man ihm sein Kuscheltier weggenommen hatte und er auf die spielenden Kinder wies, die es in die Luft warfen und beinahe zerrissen in seinen Augen.

„Du musst auch lernen mit anderen Kindern zu spielen, geh zu ihnen, spiel mit ihnen.“, hörte er den Ratschlag seines Vaters „Ach so schlimm ist das nicht, meine Kinder verlieren alle 2 Tage eines ihrer Kuscheltiere.“, meinte eine Frau scheinbar tröstend zu ihm, die allerdings dabei lachte, was eher wie ein Auslachen wirkte.

„Sieh mal, so ist das Leben eben, manchmal verliert man liebgewordene Dinge.“, hörte er eine andere „Wenn du zu schwach bist, wird dir das immer passieren.“

„Aber sie sind größer und älter…“

„Das ist nur eine Ausrede…“ Seth spürte Tränen in den Augen, suchte nach der Hand seines Vaters, als der älteste Junge aus der Gruppe das Tier auseinanderzureißen versuchte.

„Papa, bitte…“

„Ich hab dir gesagt, dass du es nicht überall mitnehmen musst, damit hättest du rechnen können.“ Seth lehnte seine Stirn an dessen Hand, sah mit tränenden Augen zu ihm und schrie dann auf als er sah wie man das Kuscheltier auf einen Grill warf, rannte an ihm vorbei, schubste jeden der ihn in dem Weg kam, riss den Grill samt heißer Kohle um, hielt den kleinen einst weißen Hasen mit den langen Ohren in den Händen, spürte nicht den Schmerz, hörte nur die wütenden Erwachsenen, die ihn anschrien, dass er nicht einen ganzen Barbequegrill umreißen konnte, dass hier Gas war, dass es gefährlich war „Dann hättet ihr mir helfen können!“, schrie er die fremden Erwachsenen an, hörte das Lachen der anderen Kinder, während er den Hasen nach Brandspuren begutachtete und sah wie man auf ihn zukam und den Hasen wegreißen wollte. Das danach was folgte, war in seinem Hirn eingebrannt: etwas explodierte, alles ging in Flammen auf, und niemand konnte ihm den Hasen in seinen Armen wegnehmen.
Er saß in der Mitte des Feuertornados, der wie ein Schutz um ihn herum war und das Feuer jeden verschlang, der ihn zuvor ausgelacht hatte.

Sein Vater kam irgendwann, irgendwie durch das Feuer, er ging langsam zu ihm, schien entsetzt zu sein „Seth? Sethos? Verstehst du mich?“, hörte er ihn und nickte nur „Es brennt alles.“

„Es ist mir egal! Niemand bekommt ihn.“

„Den Hasen?“, sah er seinen Vater näher kommen, der sich dann zu ihm kniete und ihn beobachtete „Er ist von deiner Mutter, ich habe nicht daran gedacht, wir müssen weg… komm hoch.“
„Ich bleib hier! Hier ist es sicher.“, erklärte er seinem Vater überzeugt und sah dann wie jener sich umsah und ihn dann mit einem Schlag bewusstlos schlug.


Das war dann seine zweite Erinnerung, die sich im Laufe seines Lebens oft wiederholte. Er wachte in einer Art Kühlraum auf, gefesselt. „Papa? Papa?“, schrie er weinend, riss an den schmerzhaften Fesseln, alles war eisig kalt, es gefiel ihm nicht, alles war dunkel und kalt und es schien Ewigkeiten zu dauern bis sein Vater wieder da war, wütend schien als er hereinkam und ihm die Fesseln löste „Halte dich vom Feuer fern, es ist gefährlich, und jetzt sei ruhig, beherrsch dich, wir ziehen um.“


Sein halbes Leben bestand aus dutzenden Umzügen, meist nur in kleinere Orte, wieder und immer wieder. Er liebte Feuer. Entgegen des Ratschlags seines Vaters, hatte er immer ein Feuerzeug bei sich, sobald er wusste was es war. Der Nachteil war, dass er damit viel Dummes anstellte. In seiner Umgebung gab es viele Unfälle, und sein Vater sah in jedem Unfall die Schuld bei ihm.

Wenn schlimme Dinge passierten, dann war sein Vater, der sonst kaum zu Hause war, da, schlug ihn aus dem Nichts K.O. und Seth erwachte in einer Gefrierkammer. Er war in der Grundschule irgendwo in der Nähe von Boston als die Lehrerin ihn und alle fragte, was die Eltern mit ihnen machten, wenn sie etwas falsch machten oder wütend gemacht hatten.
Eifrig meldeten sich alle, Seth hörte zu, wie Eltern andere Kinder belehrten, ihnen Dinge erklärten, meldete sich weiterhin eifrig und sah wie immer weniger Kinder sich meldeten, an der Tafel immer mehr stand, schließlich einer drankam und sagte, dass er geschlagen wurde und Seth froh war, dass niemand sonst bislang das gesagt hatte, was sein Vater mit ihm machte, denn eigentlich war er Klassenbester, das was sein Vater von ihm wünschte, etwas was er gut konnte, er las viel, versuchte immer weit voraus zu sein, er wollte von seinem Vater ein Lob hören, er wollte alle anderen überragen.

„Ja, Seth, noch etwas was nicht gesagt wurde?“

„Ja, Mrs. Butterfield… wenn mein Vater wütend ist auf mich, dann schlägt er mich so fest und wenn ich wach werde, dann liege ich bei uns in der Kühlkammer mit so Fesseln an Armen und Beinen…“ Er hörte wie einige Kinder kicherten und die Lehrerin innehielt „Wirklich Seth? Dein Vater? Wann denn?“

„Oh vor 2 Wochen, er war wütend, weil ich schlecht geschlafen habe. Er hat mich aus dem Kinderzimmer gezogen und da eingesperrt, bis ich mich beruhige.“

„Wegen Albträumen?“, fragte seine Lehrerin nach „Wovon hast du geträumt?“

„Ich weiß nicht, ich träume aber oft nicht gut, und manchmal fehle ich dann am nächsten Tag.“ Sie nickte lächelte „Gut, dann schreiben wir das auch noch auf.“


Sein Vater kam am nächsten Tag zur Schule. Sein Vater fragte ihn auch, worum es ging und er nur mit den Schultern zuckte als er mit ihm zum Büro des Direktors ging an dessen Hand „Ich habe gestern Mathematik geschrieben, vielleicht bin ich so gut gewesen, dass ich in den höheren Kurs darf.“

„Dafür werde ich aber nicht so herbestellt.“, schien sein Vater nervös „Hast du irgendwas angestellt?“

„Nein, nein, wirklich nicht. Wirklich…“

Sein Vater nickte nur, sah dann zur Sekretärin „Jo Reno. Ich wurde von dem Direktor heute eingeladen?“, sah er zu der Sekretärin, die nickte, lächelte „Gehen Sie ruhig rein, der Direktor erwartet sie.“
Sein Vater lächelte, sie lächelte zurück und Seth folgte ihm, wo seine Lehrerin Mrs. Butterfield samt Direktor saß und Seth alle höflich begrüßte, so wie sein Vater. „Setzen Sie sich doch, wir haben nur ein paar Fragen, möchten Sie einen Kaffee?“

„Ja, gerne.“, schien sein Vater die Ruhe selbst, setzte sich „Wie geht es Ihnen?“
„Gut, danke.“
„Langsam eingelebt?“
„Ein wenig, leider habe ich kaum Zeit für Sehenswürdigkeiten.“
„Ja, so ist das als Alleinerziehender Vater, wie lange ist ihre Frau schon verstorben?“ Seth Kopf wankte zu seinem Vater. Er wusste natürlich, dass er eine Mutter hatte, aber sein Vater erzählte nie viel von ihr, er war jetzt 8 Jahre alt und wusste nicht mal ihren Namen. Sein Vater sagte immer, dass er nicht über sie sprechen wollte, dass sie einen schrecklichen Tod hatte. Aber mehr wusste Seth nicht, daher war es wohl eine der wenigen Gelegenheiten mehr von ihr zu erfahren. „Schon sehr viel länger als ich wollte…es belastet mich immer noch.“
„Natürlich. Überfordert Sie Ihr Sohn?“
„Nein, in keinster Weise.“, erklärte sein Vater scharf und Seth lächelte ihn an „Sie sind Vollzeit tätig, manche Eltern beklagen sich bei uns, dass ihr Sohn alleine nach Hause gehen muss. Sie bezeichnen Sie als schlechte Eltern, wussten Sie das?“

„Natürlich, ich habe genug Anrufe bekommen. Mein Sohn hat einen Schlüssel, schreibt gute Noten und macht nichts falsch, also scheine ich nichts falsch zu machen.“ Seth nickte, er würde seinen Vater nicht enttäuschen.
„Ihr Sohn hat gestern über die Erziehungsmethoden im Unterricht geredet, dass sie ihn in einen Eisschrank einsperren?“ Bis dahin hatte Seth es nie in Frage gestellt, dass es unnormal war. Er war 8, und er war bereits dutzende Male dort aufgewacht. „Auch bei Albträumen, ich möchte gerne von Ihnen hören, dass es so nicht stimmt.“, bemerkte der Direktor und Seth spürte in dem Moment, dass das was sein Vater tat nicht richtig war „Er lebt, schreibt gute Noten, was ich mit ihm tue oder nicht, geht niemanden etwas an. Seien Sie versichert, dass dies nicht stimmt.“

„Sie sperren ihn nicht ein?“
„Nein.“ Seth sah wie der Direktor etwas zögerte, dann sich eine Notiz machte, etwas zuschlug. „Dann Seth, überlege dir das nächste Mal was du sagst.“, hörte Seth den Direktor ihn tadeln „Solche Lügen zu verbreiten. Was willst du damit erreichen? Aufmerksamkeit? Mach das nie wieder.“
„Was denkst du dir nur für Sachen aus?“, sah sein Vater zu ihm.

Damals war er so sprachlos gewesen. Er dachte, dass alles vorbei wäre und alles gut wäre. „Ich hab doch Recht. Du sperrst mich in die Kühlkammer.“

„Ja, das tue  ich.“, erklärte damals sein Vater und sah ihn mit dunkelblauen Augen tief an, strich ihm über das Haar. „Und das war sehr mutig von dir, dass du dich an andere gewandt hast, weil du das nicht richtig findest.“

„Aber hören Sie doch“, rief der Direktor dann dazwischen und er sah noch ganz genau, wie sie plötzlich alle schwiegen in dem Raum als sein Vater aufstand und nur eine Handbewegung machte. Er erinnerte sich auch noch stark an die Kraft, die an seinen Erinnerungen gezerrt hatte und Folge leisten wollte, als sein Vater sagte „Ich rede mit meinem Sohn. Sie wissen doch alle, dass ich ein großartiger Vater bin und mein Sohn nur sauer auf mich ist, weil ich sein Geburtstag vergessen habe.“

Sein Geburtstag war erst in 66 Tagen gewesen. Er wusste das, deshalb wusste er auch, dass es eine Lüge war, auch wenn er es glauben wollte. Die anderen 4 in dem Raum hingegen sahen nun ihn das Kind tadelnd an. „Das ist nicht nett von deinem Vater das zu vergessen, aber er macht es sicher wieder gut. Du darfst andere nicht belügen deswegen.“ Man verabschiedete sich danach rührend, glaubte aber ihm kein Wort mehr, egal wie oft er sagte, dass er nicht gelogen hätte.

Damals war ihm klar geworden, dass sein Vater zumindest nicht ganz normal war. Er saß im Auto zurück neben seinem Vater und betrachtete damals mit kindlicher Neugier seinen Vater „Wieso haben die dir alle geglaubt und mir nicht?“ Sein Vater hatte ihm damals ein seltenes Lächeln geschenkt, die er so liebte. „Weil du ein Erwachsener bist?“

„Das liegt diesmal nicht daran. Ich habe wirklich nicht aufgepasst. Du musst wissen, dass ich dir nur wehtue, weil es für dich das Beste ist.“
„Für Kinder ist es nicht das Beste Schmerzen zu haben.“
„Bei uns ist die Sache komplizierter. Ich will dir ja eigentlich auch nicht wehtun, aber wenn du wütend wirst, dann wird es kompliziert. Du musst dich besser beherrschen. Sonst müssen wir wieder wegziehen. Das wäre das 3. Mal hier in den USA. Auf jeden Fall hast du richtig gehandelt. Ich bin auch nicht wütend auf dich.“
„Aber warum glauben sie dir alle?“
„Die meisten Menschen glauben schnell Dinge, wenn man sie ihnen eindringlich sagt.“
„Kann ich das auch lernen?“
„Vielleicht später mal, wenn du älter bist. Lerne erstmal lieber mich nicht sofort in Flammen setzen zu wollen, wenn du wütend bist.“
„Ich stell es mir ja nur vor.“
„Schlimm genug. Also etwas Konzentration vielleicht, vielleicht sollten wir auch hier wieder nach einem Sport für dich suchen?“
„Nicht wieder Baseball, das ist so dumpf.“, flehte er damals seinen Vater an, der nachdenklich nickte, sah dann wie das Handy klingelte von seinem Vater und jener dann am Steuer dran ging „Ja?... Nein… ja… schick mir die Daten.“, legte jener dann auf, der Gesichtsausdruck hatte sich um 180° gedreht..

Sein Vater blieb still bis sie zu Hause waren, schloss die Tür hinter ihm, ehe er mit der Hand hart Seth ins Gesicht schlug. Geschockt starrte Seth ihn an „Was…“
„Du wirst nie wieder so etwas behaupten.“
„Aber…“ Die Ohrfeige brannte, ebenso die Wut die in ihm aufstieg „Ich hab nichts getan! Ich hab die Wahrheit gesagt.“
„Diese Leute verstehen die Wahrheit nicht.“
„Welche Wahrheit? Dass man Kinder nicht in die Kühlkammer bindet? Das weiß ich jetzt auch. Warum tust du das denn?“
„Weil du gefährlich bist!“
„Bei Albträumen?“
„Geh auf dein Zimmer, keine Diskussion.“ Er war 8, er war wütend und er schubste seinen Vater, ehe er die Tür aufriss, aus dem Haus rannte, Tränen in den Augen spürte als der kühle Wind seine Wange aufriss.

Es war Winter und als er die Tür laut knallen hörte, und sah, dass sein Vater ihm nicht folgte. Der Telefonanruf hatte wohl wieder eine höhere Wichtigkeit als er. Sethos rannte er bloß weinend noch schneller in die Kälte.

Er saß im Park an einem Baum auf dem kalten Boden, sah seinen eiskalten Atem und starrte auf seine eisige Hand, wo er die ersten Schneeflocken einfing, und keine zu schmelzen schien. Er fühlte sich selbst so eisig an wie das Wetter, in ihm hatte sich etwas verändert, er war ein Stück erwachsener geworden, nicht mehr ein Kind, das an die Heiligkeit seines Vaters glaubte. Er sah etwas mehr Realität: sein Vater der ihn nie lobte, kalte Distanz wahrte. Er hatte gesagt, dass er gefährlich war… das einzige was er fühlte, dass er verloren war. Einsam.


Es war eine eiskalte Nacht, eisiger als in der Kühlkammer bei ihnen, sein Körper trug aber trotz Kälte keine Schäden davon wie immer, und als er am nächsten Tag aufstand und sich von seinem Baum wegbewegte, da schien es einige Meter wärmer als da wo er gesessen hatte. Er wusste nicht, ob er nach Hause sollte, aber er war noch so klein. Wo sollte er hin? Er starrte auf einen Polizisten, der dick verpackt in einem warmen Mantel zu ihm kam „Hallo? Was machst du bei der Kälte alleine draußen, hast du keine Eltern? Wo kommst du her? Hast du dich verlaufen? Komm her…“, hob der Polizist ihn auf den Arm, „Ich bin Officer Gordon, wer bist du?“
„Seth.“
„Okay Seth, denkst du deine Mutter macht sich nicht unglaubliche Sorgen?“
„Meine Mutter ist schon lange tot.“
„Das… sie macht sich trotzdem Sorgen, wenn du so alleine bist, sie sieht doch im Himmel zu dir herunter…“ Seth sah hoch in den Himmel wo graue Wolken entlang zogen „Ich seh sie nicht… nur Wolken.“
„Sie…sitzt auf den Wolken, ganz weit oben, natürlich sieht man sie nicht…“
„Ich bin schon mit Flugzeugen geflogen, über den Wolken ist nur die Atmosphäre und der Weltraum, sie ist tot.“
„Sie achtet auf dich.“
Seth starrte ihn nachdenklich an „Sie sind religiös, oder?“, fragte Seth jenen „Ja, natürlich, dann fühlt man sich nicht alleine.“
„Indem man sich selbst anlügt? Dass da oben im Himmel Leute sitzen? Ihnen muss es wirklich schlimm gehen.“
„Hey…“, schien der Officer etwas irritiert „Glaubst du etwa nicht Kleiner?“
„Tote wachen nicht wieder auf. Entweder man überlebt oder nicht.“
„Und Gott?“
„Welcher Gott?“
„Aus welchem Land kommst du denn? China?“, schien der Officer etwas irritiert „Der Gott, der das alles geschaffen hat, der uns alle liebt.“
„Er liebt uns und schafft den Tod?“
„Na ja, unsere Vorfahren haben doch gesündigt.“
„Gesündigt? Was ist Sünde?“
„Nicht auf Gott zu hören.“
„Und was sagt Gott?“
„Dass wir nicht lügen dürfen, dass wir unsere Eltern ehren müssen, den Nächsten lieben müssen…“ Seth starrte hoch in den Himmel wieder „Na ja, Gott scheint selbst sich nicht daran zu halten, sonst gäbe es keinen Tod.“
„Das ist alles etwas komplizierter.“
„Es ist eher einfacher ohne Gott.“, starrte Seth in die grauen Schneewolken. „Wie hieß denn deine Mutter?“
„Ich weiß es nicht.“, gab er ehrlich zu „Und dein Vater?“
„Er sagt ich bin gefährlich.“
„Höchstens gefährlich frech, wir gehen jetzt aufs Revier, und dann erzählst du mir bei einem heißen Kakao was passiert ist.“


Sein Vater war nicht sehr begeistert 3 Stunden später auf dem Revier zu erscheinen. Er sah ihn düster an, während eine Mrs. Chen vom Jugendamt neben ihm saß und der Polizist seinen Vater zu einem Gespräch ins Büro bat. Wenn er sich etwas konzentrierte und alle Kraft darauf konzentrierte, konnte er sogar hören was sie sagten „…sehen Sie, Ihr Sohn leidet darunter, dass er nichts über seine Mutter weiß.“
„Er hat es nie gesagt.“
„Sie sollten mehr mit ihm reden anstatt zu verbieten etwas zu fragen.“
„Seine Mutter wurde vor seinen Augen getötet als er fast 2 war. Er hat immer noch Albträume, aber keine Erinnerungen, es soll so bleiben, denn wenn er sich erinnert, dann wird es schlimmer.“
„Sie wurde getötet? Das ist natürlich…“
„Ich habe ihn gefunden an ihrem zerstückelten und verbrannten Körper, er hat ihre Hand nicht losgelassen. Ich habe sie sehr geliebt.“
„Sie haben es selbst nicht verarbeitet, es klingt wie eine… bestialische…“
„Es war eine Hinrichtung, eine Racheaktion gegen mich. Seth ist das Einzige was mir von ihr geblieben ist.“
„Reden Sie mehr mit ihm, sagen Sie ihm das.“
„Er lauscht gerade, er weiß es.“
„Die Türen sind schalldicht.“
„Er hat gute Ohren.“ Seth sah ertappt zur Tür, wo sein Vater und der Officer standen und ihn ansahen „Reden Sie trotzdem mit ihm, er ist ein kluger Junge.“
„Er ist naiv und dumm.“
„Dann helfen Sie ihm nicht mehr naiv zu sein.“
„Mal sehen.“
„Er sagte, dass er in ein Heim möchte.“
„Das werde ich nie zulassen. Ich werde ihn jetzt mitnehmen.“
Seth sah wie sein Vater herauskam und ihn dann mit den blauen Augen anstarrte, die jener hatte „Komm, du willst erwachsen werden? Dann bringe ich es dir bei.“


Es war eisig im Garten, wo sein Vater ihm einen langen Stock hinwarf „Heb ihn auf…“ war das was er als nächstes nach einer langen Autofahrt von ihm vernahm. Seth nahm den Stock hoch und bekam gleich von oben den Stock den sein Vater hielt auf den Rücken, so dass er geschlagen zurückwich und ihn erschrocken ansah „Seth, du kommst aus einer Familie, wo jeder kämpfen konnte, deine Mutter, ich, deine Großeltern. Wir kommen aus einer Welt, wo dein Können entscheidet, ob du lebst oder stirbst. Ich werde dir den Schwertkampf beibringen, vielleicht hilft es dir irgendwann mal, wenn ich nicht mehr da bin, wir fangen mit Stöcken an und wir werden von morgens bis abends trainieren - deine Mutter war eine fantastische Schwertkämpferin, sie wurde ermordet von ihrer eigenen Familie, verraten und getötet, wenn du mich nur etwas stolz machen willst, dann werde ein besserer Schwertkämpfer als sie je war.“

Es war das erste Mal und vielleicht auch das Letzte Mal für lange Zeit, dass er überhaupt was über seine Familie hörte. Und das Training war hart.

Sein Vater zeigte ihm Grundtechniken, nutzte jeden Fehler aus, wies ihn darauf hin, wie er jetzt tot sein konnte. Und jeder Schlag tat schrecklich weh. Sein Körper war bald voller blauer Flecken und einigen Wunden, die schwer waren im Sportunterricht zu verbergen.

Er wollte besser werden, er bemühte sich um auch nur einmal einen Angriff zu schaffen, der in die Nähe vom Gesicht seines Vaters war, doch jedesmal lag er auf dem Boden verletzt und starrte zu seinem Vater hoch, der mit dem Holzschwert auf seine Kehle drückte „Tot, wieder. Warum versuchst du immer mein Gesicht zu treffen?“
„Weil es das empfindlichste Körperteil ist…“, brachte er hervor „Schon, aber manchmal ist es wichtig jemanden erst von den Beinen zu holen, bevor man das Gesicht erreicht. Du bist viel kleiner als ich, du wirst immer Probleme haben mein Gesicht zu erreichen, such dir andere Bereiche, sonst wirst du mich nie berühren.“


Es war ein halbes Jahr später als ein Sportlehrer bei einem Sportfest Alarm gab bei dem Direktor, der wieder seinen Vater zitierte und auch Seth, der den Direktor anstarrte als dieser ihn fragte woher er die vielen Wunden hatte „Es war da eine Jugendbande… gestern… sie stehlen immer mein Schulgeld.“, log er um seinen Vater zu schützen, den er zuvor durch die geschlossene Tür das selbe hat hören sagen „Du wirst von älteren Schülern angegriffen? Warum sagst du nichts?“
„Es sind keine Schüler, sie… lauern mir ab und zu auf.“ Der Direktor seufzte „Sehen Sie Mr. Reno, es ist besser, wenn Sie ihren Sohn von der Schule abholen.“
„Ich werde sehen was sich machen lässt.“
„Wir haben natürlich den Fall auch der Polizei weitergemeldet. Sie kommen sicher auf Sie zu für Phantombilder.“ Seth starrte zu seinem Vater als sie draußen waren „Und jetzt?“
„Müssen wir besser aufpassen…“


Sein Vater begann am selben Tag ihn mit echten Schwertern zu trainieren, und diesmal blutete er wirklich oft. Seine Wunden heilten manchmal schnell bis zum nächsten Tag, manche blieben lange. Aber er fühlte sich gut, freute sich über jede Sekunde, die sein Vater mit ihm verbrachte, ihn verbesserte, und ganz selten sogar lobte, wenn er auswich.


Er war 9 auf einem Schulfest als er hörte wie sein Vater sich auch noch lustig machte bei den Lehrern über ihn, wie man auf Kühlkammern kam und wie phantasiereich er war. Das war der letzte Tag, wo sie in den USA gewesen waren.

Sein Vater war überrascht gewesen von dem Wirbelsturm und dem schweren Gewitter welches die Zelte des Sommerfestes weggerissen wurden und hatte ihn sogar schützen wollen, bevor er entsetzt über ihn schien, ihn ansah als wäre er ein Monster, wie immer kurz bevor er ihn bewusstlos schlug, was er wieder vor allen Augen tat. Die meisten waren eh bereits geflohen und hatten nichts gesehen. Er allerdings hatte auf seinen Vater gewartet mitten auf dem Schulhof wo die Zelte durcheinanderwirbelten und hatte gewartet und gehofft, dass sein Vater ihn retten würde. Ihm zeigte, dass er ihn mochte.

Dafür sah er diese grenzenlose Wut in den Augen seines Vaters, spürte dann wie sein Vater ihn schlagen wollte, was ihm nicht gelang „Warum tust du das?“, hatte sein Vater gefragt „Warum tust du das?“, hatte er gefragt.
„Warum machst du dich über mich lustig?“, schrie er bloß zurück.
Sein Vater schien betroffen und sah hinter sich „Du warst hier. Du hast es gehört?“
„Natürlich!“
„Es tut mir Leid.“, sagte sein Vater, was ihn beruhigt hatte. Bevor er wirklich niedergeschlagen wurde. Sein Hase lag fest in seiner Hand als er mit seinem Vater ins Auto stieg, sein Vater hektisch aus der Wohnung Dinge holte, sie losfuhren und er zurücksah zum brennenden Haus in der Nacht, sah wie dunkle Wagen dort hielten „Wo ist die Feuerwehr?“
„Hör auf, hör auf auch nur zu denken…“, hörte er seinen Vater, der etwas beschleunigte und ihn dann ansah, kurz seine Schläfe streichelte und Seth Sekunden später bewusstlos wurde.
Danach waren sie in Europa und eine neue Zeit begann da.


London war die erste Großstadt, die Seth wirklich erlebte. Sie wohnten in einer kleinen Wohnung, und sein Vater schickte ihn zum Training in ein Dojo für gemischte Kampfkünste. Seine Schule war eine recht angesehene Schule, wie sein Vater ihm versicherte als jener ihn am ersten Schultag dort absetzte „Glaub mir, hier gehen auch die Prinzen und Prinzessinnen der Adligen auf die Schule. Mach einfach keinen Ärger, streng dich immer an, und denk daran, wir heißen jetzt…“
„Shaw, schon klar…“, nickte Seth und sah wie sein Vater nun losfuhr mit dem Wagen, auf dem nun stand, dass er Geisterjäger wäre.


Er trug wie alle anderen eine beige Hose, ein grünliches Jackett samt dem Schulwappen auf der Brust, spürte wie jemand ihn leicht beim vorbeigehen schubste und ein Junge mit leicht indischem Akzent ihn ansprach „Hey, ich bin Arjun Sharma. Bist du der Neue aus Amerika?“

„Ja, Sethos Shaw.“

„Hey Seth, bist du Chinese?“

„Nein, eher nicht…“, sah er zu jenem, der die Stirn runzelte „Du hast sogar Mandelaugen wie eine dieser Konkubinen, und deine Haut ist auch so anders.“ Seth bevorzugte sich eigentlich nicht im Spiegel anzusehen, er wusste, dass er asiatisch aussah, sein Vater hatte allerdings einen vortrefflichen britischen Akzent, und auch mit seinen blauen Augen eher ein europäisches Aussehen, mit dem dunkelblonden Haaren, er musste seine Augen von seiner Mutter haben, aber er wusste nicht wie sie aussah, woher sie kam, daher sah er sich lieber nicht als Asiat, ob sie Chinesin war? War der Name Sethos ein chinesischer Name? „Ich spreche wohl besser englisch als du.“, entgegnete er so jenem, der nur höhnisch grinste und plötzlich Seths Portmonee hochhielt, Seth die Augen aufriss und danach suchte „Tja, Pech gehabt, jetzt gehört es mir…“
Es war nicht wirklich so extrem gewollt, allerdings lag Arjun eine Sekunde später auf dem Boden hielt sich die blutende Nase, und Seth riss ihm das Portmonee aus der Hand „Du Dieb.“
„Hey, was ist hier los!“, kam ein Lehrer zu ihnen, den Seth noch nicht kannte „Er hat mich bestohlen!“
„Und deswegen schlägst du ihn zusammen? Er blutet sogar, wer bist du überhaupt? Bist du der Neue? Hast ja einen tollen Einstand.“, riss der Lehrer ihn weg und Seth war etwas verdutzt eine Viertelstunde später beim Direktor, der ihm ähnliches sagte und Seth am Ende gefragt wurde „Hast du mich verstanden?“
„Schon, ja, aber… warum werde nur ich bestraft aber der Dieb nicht.“
„Er war kein Dieb. Er wollte nur die Aufmerksamkeit, du hättest zu einem Lehrer gehen können.“
„Also wird er nicht bestraft?“
„Du scheinst die Tragweite deiner Handlungen nicht wirklich zu verstehen, bist du etwas dümmlich?“


Damit begann wohl die schlimmste Episode bislang in seiner Schullaufbahn. Keine Freunde, der Mittelpunkt beim Mobbing aller Lehrer, bis die ersten Prüfungen kamen und er als Klassenbester über jegliche Lehrer und Schüler triumphierte.

Hailey war die erste Schülerin, die ihn danach ansprach und mit ihm lernen wollte, sie wollte Pilotin werden, durch die Welt reisen und hatte auch nicht wirklich viele Freunde hier, wie sie erzählte „Was willst du einmal werden?“, fragte sie ihn als sie gemeinsam Vokabeln lernten „Darüber habe ich nie nachgedacht…“, gab Seth zu.
„Und deine Eltern was wollen die, was du wirst?“
„Darüber haben wir nie geredet.“, stellte Seth fest.
„Warum lernst du japanisch?“, fragte sie dann die japanischen Vokabeln aufschreibend und Seth war auch da etwas überfordert „Mein Vater hat mir den Stundenplan zusammengestellt.“
„Ist er Japaner?“
Seth lachte kurz „Sicher nicht…“, schrieb er die Vokabeln weiter in sein Heft, flüsterte dabei ihre Bedeutung „Aber deine Mutter, ich hab sie nie hier gesehen, war sie auf dem Winterfest?“
„Sie ist gestorben als ich klein war, ich weiß es nicht.“
„Das tut mir Leid…“, schien sie es ernst zu meinen „Vermisst du sie?“
„Wie kann man etwas vermissen, was man nie kennen gelernt hat.“
„Ja, stimmt wohl, was willst du später mal machen?“
„Hab ich doch gesagt, weiß ich nicht.“, sah er zu ihr amüsiert.
„Du könntest auch Pilot werden“, schlug sie vor „So viel Reisen, die Welt sehen…“
„Ich kann auch einfach ins Flugzeug steigen…“
„Das ist was Anderes… meine Eltern, sie kommen aus der Unterschicht weißt du? Ich habe ein Stipendium hierfür, wir waren noch nie außerhalb von England.“ Seth nickte nachdenklich „Hast du nichts was dich interessiert in der Schule? Irgendwas?“
Seth sah über die Bücher vor ihnen „Noch nichts konkretes, aber ich wünsche mir etwas zu finden, was alles heilt, auch den Tod.“
„Damit wir hier überall Zombies haben?“, kicherte sie und Seth sah auf das Biologiebuch was nur über Kühe und Ziegen ging „Ich möchte Genetik studieren und irgendwas finden, was Wunden schneller heilen lässt.“
„Das klingt realistischer. Ist deine Mutter an Krebs gestorben?“
„Nein, sie wurde wohl ermordet, mein Vater redet nicht viel darüber.“
„Hat er nie eine Neue geheiratet?“

Seth schüttelte den Kopf und sah wie sie breit lächelte „Da hast du Glück, meine Eltern haben sich scheiden lassen, andere geheiratet, ich bin bei beiden das 5. Rad am Wagen, sie haben alle neue Kinder, ich will ihnen zeigen, dass ich besser bin als sie.“
„Will ich auch, dass mein Vater… mich dann sieht.“, gestand er ihr und sah wie sie begeistert nickte „Komm, das sollten wir schwören, wir werden beide unsere Eltern es beweisen…“ Seth nickte und sah überrascht zu ihr als sie ihn küsste auf die Lippen „So besiegelt man einen Schwur“, strahlte sie ihn an mit ihren dunklen Augen.


Hailey war seine erste Freundin, sie lernten viel, und manchmal übernachtete sie bei ihm, ihre Eltern interessierte es nicht bei welchem Elternteil sie übernachtete und sein Vater war oft auf Gespensterjagd. Er war 11, mehr als Küssen war da nicht drin, aber es war das erste Mal, dass er sich wohl fühlte. Eine echte Freundin hatte.

Sein Vater ertappte sie als sie wieder bei ihm schlief und sein Vater mal früher nach Hause kam als erwartet. „Das kann doch nicht dein ernst sein!“, weckte die Stimme seines Vaters ihn, er spürte wie Hailey neben ihm hochzuckte und hörte seinen Vater „Los anziehen, ich bring dich zu deinen Eltern, und du Seth! Was denkst du dir, kannst du mir sagen, was in dir vorgeht?“, schrie sein Vater ihn an, ehe er mit einem Stab auf seinen Körper schlug und Seth keine Zeit blieb sich wirklich zu schützen.

Als er aufwachte, bluteten immer noch seine Wunden, wenige Kerzen brannten, und sein Vater verband ihm gerade die Hand „Sie hat gesagt, dass ihr keinen Sex hattet, du bist erst 11, ich vergesse das immer wieder…“ Seine Hände zitterten während er es verband, Seth hatte nur ungeheure Schmerzen überall „Sieh mal Seth, du bist etwas besonderes, Sex… sie ist nur normal.“
„Ich auch, ich hab sie gern…“, hörte er das Knirschen von Knochen als sein Vater die Hand versuchte zu schienen, sah wie jener dann weinte und seine Hand losließ „Ich war wütend.“
„Es tut mir leid.“
„Nein, du hast es nur abbekommen.“
„Ist was passiert? Auf der Arbeit? Hat dich jemand nicht bezahlt?“, sah er wie sein Vater sich die Tränen abwischte, spürte wie die Schmerzen in seinem Körper immer weiter brannten „Ich hab alte Bekannte getroffen.“
„Freunde?“
„Nicht wirklich, Seth? Wenn ich irgendwann nicht mehr wiederkomme, dann bitte pass auf dich auf, vertraue niemanden. Hör nicht auf das was man dir sagt. Deine Mutter und ich, wir haben uns wirklich geliebt, und ich… ich habe niemals… niemals meine Eltern getötet. Ich war es nicht, ich konnte fliehen, aber sie sitzen im Rat, es sind Verräter überall, sie wollten nur das Wissen meiner Familie, du bist nicht dumm, wirklich, du bist stur, weihe niemanden ein, es ist alles deins, du bist der Letzte aus meiner Familie, und der Einzige den ich habe.“, umarmte sein Vater ihn fest „Du bist so ein guter Junge, was möchtest du mal werden?“
„Ich…“
„Deine Freundin sagte Genetiker? Weißt du dein Großvater, mein Vater war auch ein Forscher, er war sehr klug, das ist schön.“, fühlte er die streichelnde Hand auf dem Rücken, starrte auf die schmerzende Hand, mit der er die Umarmung erwiderte und sah, dass da etwas nicht stimmte.
„Du siehst deiner Mutter so ähnlich…“
„Wie war sie so? Wie hieß sie?“
„Sie hatte schwarze, lange Haare bis über die Schultern, wenn sie gekämpft hat dann war es das schönste was man sehen konnte, sie war wunderschön, sie sagen ich habe sie getötet.“
„Aber das hast du nicht?“
„Niemals konnte ich das, ich bin nur vorgegangen, ich habe den Weg für uns frei gemacht, sie war geschwächt. Als ich kam stand alles in Flammen, alles. Ich war mir nicht sicher, ob du überleben würdest, du hast nicht aufgehört zu schreien.“
Seth starrte auf die schmerzende Hand „Ich habe alles versiegelt, auch die Erinnerungen, sonst wärst du verglüht.“, hörte er leise.
„Zeig nochmal deine Hand, das sieht nicht gut aus, vielleicht gehen wir lieber in ein Krankenhaus.“


Es dauerte zwei Wochen, bis sein Gips wieder ab war und man ihm gutes Heilfleisch bescheinigte. Hailey trennte sich von ihm „Es ist sicher besser so, dein Vater war wirklich wütend, aber wir können ja weiter zusammen lernen.“

Die Trennung läutete im Grunde auch seinen gesellschaftlichen Untergang in der Schule ein. Die meisten waren 1 Jahr älter als er, manche sogar 2, manche hatten ältere Geschwister und als man sah, dass er wieder alleine herumhing, klaute man seine Sachen als er Sportunterricht hatte, riss ihn in eine Straßenecke mit 5 Jugendlichen, die ihn mit einem Messer am Hals das Geld abnahmen und sein Vater war nach dem Abend kaum mehr zu Hause.

Er wehrte sich einmal als er die Chance dazu hatte. Wieder drückte man ihn an die Wand, zog ihm gerade die Schuhe aus, während einer ihm ein Messer an die Wange drückte und eines an seinen Unterleib „Du siehst aus wie so eine japanische Schlampe, wir können ja deinen Schwanz abmachen, da fällt es sicher nicht auf, wenn wir dich ficken…“, hörte er einen an seinem Ohr, der mehr als einen Kopf größer war als er, „Du willst ihn ficken? Das ist ein Junge!“

„Und wen störts?“, lachte dieser „Los, dreh den Bastard um, und wehe du schreist, dann schneide ich dir die Kehle durch.“ Seth starrte panisch auf die Jugendlichen, dachte an seinen Meister im Dojo, der die Kampfkunst niemals als Angriff eingesetzt wissen wollte und fühlte wie man ihn herumriss, fühlte die 2 verschiedenen Hände, die ihn an den Schultern festhielten, hörte eine Gürtelschnalle und spürte wie man seine Hose herunterriss.

Es stank nach schalem Mundgeruch überall, er spürte die Finger an seinem Hintern, ehe er die Augen schloss nach dem Messer griff es herumriss, dem anderen in die Brust schlug mit seinen bloßen Händen die anderen in den Bauch schlug, die Beine wegtrat und mit beiden Händen zusammen gefaltet einen im Gesicht k.o. schlug, bevor er seine Hose hektisch hochzog und auf den Schreienden mit dem Messer in der Brust starrte, wo Blut heraussickerte „Wenn du es rausziehst, stirbst du bestimmt.“, hörte er sich sagen, sah wie die anderen beiden entsetzt Abstand hielten und er seine Sachen wieder einsammelte. „Lasst mich in Ruhe!“, floh er dann.


Er hörte nichts von der Polizei, starrte dann 2 Tage später aber zum Leiter des Dojo, der ihm verbot das Dojo zu betreten. „Ich habe von der Polizei gehört was du getan hast. Es ist nicht rechtens 5 Menschen so schwer zu verletzen. Dass du es hier gelernt hast ist eine Schande.“
Seth blinzelte verwirrt, das war nicht sein Ernst gewesen, oder? „Ich wurde von 5 Jugendlichen mit 2 Messern angegriffen, ich wurde sogar verletzt…“, wies er auf die kleine Schnittwunde an der Hand „Sie wollten mein Geld und meine Kleidung, sogar meine Schulsachen und so.“
„Was ist wichtiger für dich? Menschenleben oder deine Sachen?“
„Ich bin das Opfer!“, schrie Seth jenen an, der dadurch nur abweisender wirkte und Seth tief durchatmete. Er verstand die Erwachsenen nicht. Er wurde angegriffen, beraubt, man wollte sogar Schlimmeres tun und man hielt ihm Vorträge, dass er andere nicht verletzen durfte?
„Sie wollen also sagen Sensei, dass ich still hätte halten sollen, mir die Wange aufschlitzen lassen sollte und nackt darauf warten sollte, bis die Polizei kommt?“
„Du hast keinen Kratzer.“
„Ja! Ich nicht, aber viele andere Kinder schon!“, schrie er jenen an – wie viele Kinder hatten sie schon vergewaltigt? „Schön dass sie Verbrechern glauben und nicht dem Opfer, Sie lassen mich nicht mehr trainieren? Schön! Wer braucht Sie auch schon? Das ganze Viertel ist doch kaputt, wenn man sich wehrt ist man ein Verbrecher. Sterbt doch alle!“, schrie er laut, wandte sich wütend um, ignorierte den Donnerschlag hinter sich und rannte nach Hause.

Er war so wütend. Er hatte selbst die letzten 2 Tage gebraucht um nur zu verarbeiten, was sie mit ihm da gemacht hatten, was sie machen wollten, er konnte kaum schlafen, nicht weil er jemanden verletzt hatte, sondern weil erAngst hatte, dass sie ihn vergewaltigten. Er ignorierte die Panik auf der Straße, als er nach Hause eilte und weinend sich auf die Couch warf, den weiß-gräulichen Hasen in die Arme zog und daran dachte, wie oft er ausgeraubt worden war, wie oft man ihn verprügelt hatte, wie oft er nichts getan hatte. Wie konnte man ihn verurteilen? Warum wurde er bestraft? Wie krank war diese Welt? Er hoffte nie wieder raus zu müssen, er musste seinen Vater fragen, er wollte weg von hier.

Irgendwann hörte er Sirenen, sie drangen an sein Ohr, als er aufstand und zum Fenster ging, sah wie alle Häuser um ihn herum brannten und starrte auf den schwarzen Rauch überall. Er war erst verwirrt, ehe er fand, dass das wohl das Beste war, er ging in den Gedanken durch, wer am Besten alles verbrennen sollte, wer sterben sollte. Er drückte seinen Hasen an sich und hörte dann seinen Vater husten als er hereinkam „Was? Was hast du angestellt? Hör auf damit! Seth! Hör auf!“, schrie sein Vater als er auf ihn zukam, jener berührte ihn am Arm und Seth fühlte wie sein Verstand förmlich ausgeknockt wurde.


Als er aufwachte waren sie auf einer Fähre nach Frankreich, sein Vater saß neben ihm, starrte auf das Radio im Auto was berichtete von dem Großfeuer in London, was man versuchte einzudämmen, dass es wohl über Gasleitungen sich verbreitet hatte. Seth setzte sich auf „Wo ist der Hase?“, fragte er leise entsetzt „Ich hab ihn verloren, du solltest dir eher andere Gedanken machen…“
„Welche?“ Sein Vater starrte ihn an „Bist du zufrieden? Du hast ihnen doch alle den Tod gewünscht.“
Seth starrte ihn an „Ich wurde ausgeraubt immer und immer wieder, der Sensei hat mich aus dem Dojo geworfen. Ich habe mich doch nur gewehrt.“
„Und dafür brennt ein ganzes Viertel.“
„Es ist doch nicht meine Schuld…!“, wimmerte Seth „Und wenn schon?“ Seth presste die Lippen zusammen. Er hasste Erwachsene langsam wirklich, sein Vater machte ihn verantwortlich für das? Woran sollte er noch Schuld sein? An der Erderwärmung?
„Ja, ich kann dir dutzende Leute nennen, die ich alle tot sehen will. Ich hasse London, alle haben mich nur gedemütigt, alle haben mich gehasst, und du warst nie da, außer um mich zusammenzuschlagen. Weißt du überhaupt was sie mit mir machen wollten?“
„Nein, aber nichts rechtfertigt so eine Katastrophe.“
„Ich hasse dich.“, zischte Seth „Ich hasse alle Erwachsene.“

Sein Vater schlug ihn k.o. Es war etwas was er in den nächsten Jahren öfter erlebte.


Sein Vater war nach diesem Zwischenfall auch nicht mehr derselbe. Er schien wütend auf ihn zu sein war öfter gereizt und sobald er auch nur wütend seinen Vater fragte wo er so lange immer war, bekam er schon einen wütenden Schlag ab.Sie lebten einige Monate in Frankreich, wo Seth gefühlt öfter in der Tiefkühlkammer eingesperrt wurde, wenn er seine Wutanfälle hatte, weil sein Vater ihn für alles Elend verantwortlich machte, oder er kämpfte mit echten Schwertern mit seinem Vater, und tat alles dafür ihn zu treffen.

Das schönste für ihn war als er ihm tatsächlich einmal eine Wunde verpasste und sein Vater schwer atmend zu ihm sah „Du wirst langsam besser…“ Seth lächelte bloß. Sein Vater war außer Atem, aber er hatte noch genug Kraft um ihn fertig zu machen oder ihn zu töten. Seth wusste wer das nächste Mal gewinnen würde und schrak auf als sein Vater angriff und diesmal Seth Mühe hatte all die beinahe tödlichen Angriffe abzuwehren, bis er erschrocken auf seinen Arm starrte, das Blut was herausströmte und sein Vater ihn heftig schlug „Du solltest bereit sein zu töten, ich werde das nächste Mal nicht zögern und deinen Arm durchschlagen.“, schwor sein Vater ihm düster „Versorg deine Wunde, wir ziehen wieder um.“

Seth sah wie das Blut aus seinem Arm strömte und fragte sich wie er das tun sollte „Diesmal nach Deutschland, was ist los? Jetzt stopp es…“, kam sein Vater heran, ehe er meinte „Oh, wir sollten wohl besser vorher nochmal ins Krankenhaus.“



Deutschland war ein neues Kapitel, sie zogen wieder in eine Kleinstadt. Sie hatten wieder ein Haus, es gab sogar einen Kühlraum wie Seth bei der Besichtigung feststellte und sein Vater zufrieden schien „Es gibt eine Trainingshalle in der Nähe, ein Fitnessstudio, Seth, Schwertkampf kannst du hier alleine üben, unten im Trainingsraum. Gefällt es dir?“
„Es ist groß, es gefällt mir, bleibst du öfter hier?“, fragte er seinen Vater, der im Flur sich umsah „Du hasst mich doch?“
„Es…du hörst mir nie zu.“
„Ich weiß, in der Pubertät fühlt man sich immer unverstanden, ja die bösen Eltern, aber Seth, ich schaffe das nicht mehr alleine, ich kann nicht ewig für dich da sein. Ich habe auch Verpflichtungen, ich habe jemanden kennen gelernt, wir werden zusammenziehen und wir werden heiraten.“ Seth starrte entsetzt seinen Vater an, der bloß sich selbst bestätigend nickte „Du bist sicher überrascht, aber Maria ist ein Schatz, sie ist Erzieherin, sie freut sich schon dich kennen zu lernen.“
„Du testest nur meine Reaktion oder?“
„Ich kenne sie schon länger…“
„Warst du deshalb nie in London bei mir?“, schrie Seth ihn an und fühlte eine Ohrfeige von seinem Vater, starrte ihn an „Wie gesagt, ich komme nicht mehr klar mit dir, ich weiß nicht weiter. Es war ein großer Fehler dich zu retten.“
„Aber Mama… ich bin doch das Einzige was dir von Mama…“
„Wärst du nicht gewesen, wäre sie nicht so schwach gewesen, im Grunde bist du Schuld an ihrem Tod.“


Seth starrte in seinem Zimmer auf dem Schreibtisch auf die Schulbücher, die sein Vater besorgt hatte, er musste jetzt auch noch deutsch lernen, unten hörte er seinen Vater deutsch reden mit seiner Verlobten, die gerade angekommen war samt ihren Eltern. Er hörte das dickliche Lachen des neuen Großvaters und die schrill-strenge Stimme der Mutter, die auf eine kirchliche Hochzeit bestand. Er hörte seinen Vater, der meinte, dass er das tat, was seine Verlobte glücklich machte, die glücklich lachte und ihn fragte, ob sie seinen Sohn nun endlich mal kennen lernen könnte.
„Er ist gerade oben und schmollt.“
„Ah das macht nichts, ich kann gut mit Kindern…“
„Er braucht wirklich eine Mutter…“
„Ja, hast du erzählt. Kommt er herunter? Stellst du ihn vor?“
„Er kommt sicher gleich.“
„Ah, schon ein kleiner Fehler, du musst klare Regeln aufstellen, wenn Besuch kommt, soll er eigentlich schon da stehen und alle begrüßen.“
„Zum Glück hab ich dich, Seth!“

Seth atmete durch, starrte aus dem Fenster als er aufstand und ging dann aus dem Zimmer. Sie schien beinahe 40 Jahre alt zu sein, ihre Haut wirkte ledrig und zäh, sie wirkte wie eine zugeknöpfte Nonne, wie sie ihn mit strengem Blick musterte als er herunterkam und selbst sie musterte, den dicklichen Vater von ihr und die hagere Mutter mit den vielen Falten um den Mund, das diese aussah als trüge sie eine Maske, vielleicht lag das auch am falschen Make-up. „Hi, du musst Seth sein. Dein Vater hat mir schon viel von dir erzählt. Ich bin Maria, ich hoffe wir verstehen uns gut.“
Seth reichte ihr die Hand, erwiderte das „Hi“ und sagte nichts weiter dazu. „Du bist aber schüchtern, keine Angst, ich beiße nicht, wie alt ist er jetzt? 8?“
Sein Vater schien überrascht „Nein, er wird jetzt 12.“
„Was schon? Er sieht noch recht klein aus, war seine Mutter Philippinerin? Die sehen auch immer sehr klein aus.“
„Nein, sie war Japanerin. Er wächst etwas langsamer, aber das ist in Ordnung.“
„So klein“, ging sie beinahe auf die Knie vor ihm. Seth starrte sie an „Du wirst sicher wegen deiner Größe gehänselt, das muss schlimm sein, dein Vater sagte du hattest Probleme an deiner alten Schule?“
„Ein wenig.“
„Du musst mit positiver Energie dran gehen, du findest hier sicher neue Freunde.“
„Hmm…“
„Seth, das sind meine Eltern Agnes und Heinz Wager…“
„Du kannst ruhig Oma und Opa zu uns sagen…“, strahlten sie ihn an „Wir bekommen sicher noch ein paar mehr Enkelkinder, aber meine Tochter hat wirklich Unglück bisher gehabt. Das wird jetzt sicher anders.“ Seth sah zu seinem Vater tonlos „Ihre ersten 3 Männer sind alle verstorben, fürchterliche Unglücke.“ Seth klappte der Mund auf, Unglücke? 3 mal? Heiratete sein Vater gerade eine schwarze Witwe?

„Wir haben uns doch gerade noch über die Heirat unterhalten, Jo, wäre denn die Kirche für dich in Ordnung? Und du? Bist du denn getauft? Du könntest Messdiener sein…“
Seth starrte jene an „Ich glaube nicht an Gott.“
„Was? Du arme Seele, hier fehlt wirklich die Hand einer Frau, du kannst ihn doch nicht so gottlos erziehen…“, schien Agnes durchaus entsetzt „Wir melden dich gleich zum Konfirmandenunterricht an.“ Seth starrte sie an „Und dann natürlich müssen wir dich nachtaufen lassen.“ Wunderbarer Erster Eindruck.

„Nicht mal in der Hölle…“, bemerkte Seth düster „Viel Spaß in der Kirche bei der Trauung Vater, ich werde in diese Hölle nicht einen Fuß reinsetzen.“ Sein Vater sagte nichts dazu, als er aus dem Raum ging „Was… wie kann er so mich beleidigen?“, hörte er Agnes „Liebes, er ist verwirrt.“
„Verwirrt? Er beleidigt Gott, das ist ernster als ich dachte.“
Seth dachte das auch, da hatte sein Vater gottesfürchtige schwarze Witwen in sein Haus eingeladen, die ihm gleich ihre Religion aufzwingen wollten. Er hoffte, dass es besser war, wenn die Schwiegereltern weg waren.
//„Wie konnte das passieren?“
„Seine Mutter war Japanerin, da nimmt man den Glauben nicht wirklich ernst.“
„Ach so… aber er wird in der Kirche viele Freunde finden.“
„Sicher auch in der Schule.“
„Er hat erst mit 14 Religionsfreiheiten, du solltest ihn taufen lassen.“
„Agnes, dafür ist es schon zu spät, ich könnte ihn dazu nicht zwingen.“
„Du musst mit harter Hand durchgreifen.“
„Vielleicht, aber er kommt halt in ein schwieriges Alter, er stellt momentan alles in Frage was ich ihm sage, also versuche es lieber später.“
„Ich versuche es jetzt, wenn du es erlaubst.“
„Es ist deine Sache, wenn du es möchtest.“//


Die Tage bis zur Heirat waren schrecklich. Sein Vater befahl ihn mit zu Spaziergängen, damit man sich besser kennen lernte und er war Tag für Tag mehr enttäuscht, dass sein Vater ihm wirklich das antat.
Maria war oberflächlich, und manchmal sah sie ihn bösartig an, ihre Eltern waren jedesmal dabei seine Herkunft lächerlich zu machen. Er wusste nun, dass seine Mutter Japanerin war, was ihn motivierte weiter japanisch zu lernen, allerdings war er in den Augen von Marias Eltern alles mögliche asiatische, von Indien bis hin nach Indonesien, irgendwas mit Schlitzaugen und etwas dämlicher als der Rest der Welt, dazu kam noch seine Größe, die wirklich nicht beeindruckend war für sein Alter.

Er war daher mehr als froh, als der erste Schultag für ihn bald begann und er sich der Schulklasse vorstellen konnte „Seth Mercury.“, stellte er sich mit neuem falschen Namen der Klasse vor „Ich war vorher in England und muss noch etwas deutsch lernen, meine Mutter ist Japanerin, bevor also dahingehend irgendwelche Fragen kommen…“, warnte er alle vor und hörte dann wie Frau Sommer, seine neue Klassenlehrerin klatschte „Herzlich willkommen, du sprichst schon sehr gut deutsch, wie lange lernst du es?“

„Ungefähr 3 Wochen…“, gestand er ehrlich und hörte wie man staunte „Wirklich? So kurz erst?“, starrten ihn auch andere aus der Klasse an „Bist du irgendein Sprachengenie?“, fragte einer neben ihm, wo er sich hinsetzte „Nicht, dass ich wüsste.“, war er überrascht, dass man ihn nicht als Streber auslachte, setzte sich und hörte dann wie jener sich vorstellte „Ich bin Christian, freut mich. Wenn du Fragen hast…“
„Danke…“

Es war ein wirklich positives Schulerlebnis am ersten Tag, Thorsten, lang, dünn, dunkelhaarig, stellte Frederic vor, der etwas kleiner war, ebenfalls eher braunhaarig, dazu Lina und Linus, ihre Nachbarn, mit denen sie schon von klein auf immer was gemacht hatten. Sie zeigten ihm die Stadt, fragten ihn aus über die Hobbys, und auch alle anderen Schüler und Lehrer waren jedesmal durchaus interessiert, wenn er etwas sagte.


Die Heirat war die Hölle, zum einen, weil sein Vater ihm nie wieder etwas von seiner Mutter erzählt hatte und zum anderen, weil sein Vater sehr schnell beschloss die Dame zu heiraten. Im Juni desselben Jahres wo sein 12. Geburtstag war die Heirat stattfand.

Sie war 39, bislang dreimal verheiratet und laut Unterlagen sein Vater scheinbar selbst nie, wie er auf dem Standesamt mitbekommen hatte. „Jo Mercury, wollen Sie die hier neben ihnen stehende Frau Maria Wager zu Ihrer Angetrauten machen? Gibt es hier irgendjemanden der dagegen ist?“
„Ich, aber das zählt wohl nicht.“, hatte er damals bemerkt und einen ziemlich bösartigen Blick von seinem Vater geerntet „Sethos!“, hatte er gezischt, obwohl er meistens eher nur „Seth“ zu ihm sagte.
Die Familie seiner neuen Schwiegermutter war weiterhin sehr schwierig. Man legte ihm während der Hochzeitsfeier eine Taufe nahe, damit er nicht gottlos in der Hölle landen würde. Man meinte es ja nur gut mit ihm.

„Sie glauben an eine Hölle, Vater! Wie kannst du so jemanden heiraten?“, hatte er danach seinen Vater zur Rede gestellt. „Du bist doch sonst so ein Verfechter der Evolution und hast damals in den USA dich mit jedem Lehrer angelegt und hier heiratest du jemanden, der so gläubig ist, der sich freut mich als uneheliches Kind im Fegefeuer zu sehen! Was ist los mit dir?“, schrie er seinen Vater an, der nur alles tonlos über sich ergehen ließ und dann antwortete.
„Komm klar mit solchen Leuten. Sie gibt es überall. Erwarte nicht, dass alle derselben Meinung sind wie du, überzeuge sie.“

Die Überzeugung sah dann so aus, dass er bei jeder Einladung zum Sonntagsessen bei der Familie sich anhören musste, dass in der Hölle solche Worte wie seine bestraft würden. Er war 13 als ihm irgendwann mal der Kragen platzte und er fragte „Wunderbar! Ich werde also in der Hölle landen mit Sokrates, Imhotep und Konfuzius! Wenn euer Teufel so verschlagen und klug ist und voller Lästereien, warum sollte er Leute wie mich quälen anstatt mit uns über Gott zu lästern oder gleich eine Armee aufzubauen gegen Gott. So viele Leute, die in den Himmel kommen, kann es ja laut euch nicht geben!“, bemerkte er dann weniger taktvoll und sah wie seine Stiefgroßmutter scheinbar entsetzt einen Asthmaanfall vortäuschte, da sie selbst keinen hatte, während ihr Mann hochrot im Gesicht wurde, und dessen Übergewicht nun gar deutlich zurückschlug. „Nun tu was mit dem Bengel!“, schrie er seinen Vater an, der nur die Augen leicht weitete „Ich? Ihr habt gesagt, dass ihr ihn auf den rechten Weg rückt. Wenn euch die Worte eines Kindes so aus der Bahn werfen, dann braucht der Teufel wohl nicht viel.“

Seth war damals überrascht, dass sein Vater ihm nicht in den Rücken fiel sogar noch schmunzelte, während Maria seinen Vater immer wieder anflüsterte, dass doch die Eltern sowas nicht ertragen könnten in ihrem eigenen Haus. Seth hatte eher die Angst, dass man ihn das nächste Mal vergiften würde, und das als Strafe Gottes dann formulieren würde, so wie sie nun weiter wütend wurden.
„Das ist absolut gottlos! Wir haben hier einen kleinen Teufel bei uns, man muss dir mal Manieren beibringen.“

Seth hielt die fleischige Hand fest, die sein Gesicht treffen wollte und funkelte jenen düster an „Niemals schlägst du mich. Ihr seid nicht meine Familie. Ihr seid nichts wert. Ich werde dieses verdammte Haus nie mehr betreten. Du stirbst eh die nächsten Wochen an irgendeinem Herzinfarkt und deine Frau soll doch ersticken an ihrer Heuchelei!“, riss er die fremde Hand beiseite und verließ die Küche und das Haus, während die aufgebrachte Familie in der Küche bestürzt sich gegenseitig die Schuld zuwies.

Seth ging die 20 Kilometer damals allein nach Hause, sein Vater fuhr mit seiner Frau irgendwann auch vorbei an ihm, was ihn nicht störte. Er hoffte nur, dass sein Vater ihn nicht befahl, dass er sich entschuldigen sollte.


Zuhause war es bereits dunkel als er ankam. Er sah seinen Vater noch an einem japanischen Whisky nippen, der in einem Buch las und ihn wortlos ansah als er ins Wohnzimmer sah.
„Schläft sie schon?“
„Ja, hast du dich abgeregt?“
„Ich war nicht aufgeregt. Ich war… er wollte mich schlagen!“
„Das hätte ich nicht zugelassen, du hättest ihn verklagen können.“

Seth sah das Leuchten in den Augen seines Vaters, was er lange nicht gesehen hatte und setzte sich dann zu ihm, auf die Couch daneben, sah zu ihm und wartete, dass er noch irgendwas sagte, der nur wieder daran nippte und zufrieden schien. „Deine Mutter hat damals als wir uns lieben gelernt haben mir Whisky eingeflößt, damit ich wieder wach werde.“
„Wie habt ihr euch kennengelernt?“, fragte Seth sofort neugierig und sah wie sein Vater zufrieden in Erinnerungen schwelgte.
„Nun, ich war in Japan gelandet, ein Schneesturm hat mich auf einen Berg von allem abgeschnitten, dummerweise hatte ich auch noch Verletzungen - deine Mutter bewachte das Gebiet und fand mich durch Zufall, heilte mich und verliebte sich in mich.“ Sein Vater lächelte glücklich.
„Ohne sie wäre ich wohl nicht mehr am Leben.“
Seth nickte aufmerksam „Du lässt dir von niemanden sagen was du zu denken hast, deine Mutter war genauso. Sie hat auch immer so aus ihren Augen mich angesehen, sie waren fast schwarz, nicht so blau wie deine. Sie war wunderhübsch. Ich wusste nicht was Liebe ist, bis ich sie traf. Wir haben uns blind verstanden. Hast du schonmal ein Mädchen geküsst?“
„Ich dachte, ich lande in der Hölle, wenn ich das vor der Hochzeit tue.“, bemerkte Seth vorsichtig sarkastisch und war froh, als sein Vater lachte.
„Nun sag schon.“
„Auf der Klassenfahrt letztes Jahr, bei einem Spiel… Flaschendrehen.“
„Keine Freundin, die du mir verheimlichst?“
„Ich möchte zuerst gute Noten haben, damit du stolz auf mich bist und danach hab ich doch genug Zeit für ein Mädchen.“
Sein Vater nickte „Gute Noten sind wichtig, wichtiger aber ist, dass du das verstehst was du tust.“, schien er melancholisch. Vielleicht lag es daran, dass der Whisky schon halb leer war und Seth sich kaum erinnern konnte, dass er sie je angebrochen hatte.
„Es ist nicht wichtig alle Rechenaufgaben perfekt zu lösen, da können immer Flüchtigkeitsfehler sein, aber du musst dahinter sehen, weißt du? So viel wird versteckt hinter einfachen Aufgaben. Du darfst niemanden vertrauen, ich meine… auch wenn etwas einfach erscheint…“
„Was meinst du genau?“, fragte Seth leise nach, das Gesicht seines Vaters wirkte verzerrt plötzlich, der Griff um das Whiskyglas verstärkte sich, aber es zerbrach nicht.
„Irgendwas musst du es auch erfahren. Aber nicht jetzt, wenn du älter bist, 16 oder so, nur eins musst du mir glauben. Es war nicht so, wie sie sagen. Es war völlig anders. Ich habe nichts getan, mir hat man alles genommen. Alles! Ich hasse sie, sie haben mir alles genommen, meine Familie, meine Liebe, dich nicht, niemals.“, schien sein Vater sich zu fangen, trank einen großen Schluck von dem Whisky und stand dann leicht schwankend auf, setzte sich zu ihm auf die Couch und sah ihn ernst an „Wenn ich je vor dir sterbe und ich dich nicht mehr schützen kann, bitte denke daran, vertraue niemanden. Wirklich niemandem. Niemandem.“

Sein Vater umarmte ihn fest, küsste ihn sogar auf die Stirn was er das letzte Mal gemacht hatte, als er seinen 4.Dan gemacht hatte als er 12 gewesen war. „Du bist ein großer Junge geworden.“
„Ich bin immer noch klein.“, dachte er daran, dass alle Mädchen und eigentlich auch alle Jungen größer waren als er in der Klasse.
„Das sind nur Nebenwirkungen, du wirst sicher noch größer, das dauert nur länger.“
Nebenwirkungen? Er ließ sich lieber noch mal drücken und genoss die Wärme.

„Warum hast du sie geheiratet und nicht Mama?“
Sein Vater lachte leise „So einfach war das nicht. Außerdem brauche ich eher einen Puffer, du bist manchmal unberechenbar… da möchte ich nicht in der Schusslinie stehen.“
„Dann solltest du beten nicht in den Himmel zu kommen, weil ich komm in die Hölle, und ich bin ein erbitterter Feind.“
Sein Vater lachte tatsächlich „Ich werde mit dir in die Hölle kommen, glaub mir. Wenn dann ich.“
„Ich hoffe, dass es da schön warm ist und nicht so kalt.“
„Bei den Germanen und Kelten war es die Eishölle, wahrscheinlich findet man das immer am Schlimmsten was in dem Land auch am Schlimmsten ist. Aber das wusstest du sicher schon?“
„Ja, man fürchtet sich vor dem, wo man die schlechtesten Erfahrungen mit gemacht hat oder eben… was man nicht versteht.“
Sein Vater löste sich „Ich bin wirklich stolz auf dich. Sieh immer vorwärts und wenn mir was passiert, ich habe vorgesorgt, keine Sorge. Und jetzt ab ins Bett. Morgen ist wieder Schule.“


Seth war danach kaum gut darin sich zu konzentrieren. Es war das erste Mal, dass sein Vater darüber geredet hatte, was wäre, wenn er stürbe. Und irgendwie schien es sehr ernst gemeint gewesen zu sein. Sein Vater wollte, dass er wusste, dass alles in Ordnung wäre.
Seth hatte Angst, dass ihm was zustoßen würde, dass er dann bei der Stiefmutter sein würde. Er hatte Angst und schlief schlecht. Er stellte sich vor wie sein Vater abends trank auf dem Sessel und ihm sagte, wie er niemandem vertrauen dürfte, näher kam und zu einem Skelett wurde mit einem mahnenden Zeigefinger, das sagte „Traue niemandem! Traue niemandem!“

Die nächste Beerdigung war allerdings 6 Wochen später. Marias Vater starb an einem schweren Schlaganfall, die Aorta war sogar geplatzt. Gerade als er als Chef eines kleinen Handwerksbetriebs wohl seine Mitarbeiter angeschrien hatte, war er tot zusammengesunken. Einige Gesellen und Lehrlinge waren auf der Beerdigung und ein Meisterschüler wollte alles übernehmen, wie sich herausstellte.

Seth sagte nur knapp seiner Stiefgroßmutter „Mein Beileid“ nach dem Gottesdienst in der Friedhofskapelle, wo das gesamte Dorf anwesend war und hörte an der Hand seines Vaters wie seine Stiefgroßmutter mit einer Freundin flüsterte wer nicht gekommen war und wie typisch das war, während der Sarg von 8 jungen Männern getragen wurde, die aussahen als würden sie bald eine Rücken-OP brauchen. Er hatte wirklich Übergewicht gehabt.

Vor dem Grab warf jeder Blümchen herein und beim Leichenschmaus wurde dann über den Verstorbenen geplaudert als wäre er der Engel auf Erden gewesen. Der Pfarrer hatte bereits eine schöne Spende bekommen und versicherte jedem, dass der Verstorbene bereits mit einem Bein im Himmel stand.

Seth fragte sich kurz was wohl mit einem Einbeinigen passierte, wenn er bei jenen starb und war froh als sein Vater ihn irgendwann fragte „Möchtest du vielleicht nach Hause gehen? Morgen ist noch eine Prüfung.“
„Physik.“, nickte Seth und stand dann auf als auch sein Vater die Jacke anzog „Ich hol dich gleich wieder ab, Maria.“, erklärte er ihr, die kurz nickte. „Ja, bring dein Kind weg, und wenn du wieder kommst“, erklärte ihre Mutter dann „… reden wir mal über Nachwuchs bei euch, guter katholischer Nachwuchs. Jo, wir sollten auch mal über die Taufe reden, vielleicht hilft das Gott.“
„Wir reden nachher darüber.“, versprach sein Vater und Seth saß bald im Auto nach Hause mit seinem Vater, der ziemlich langsam über die Straße fuhr.
„Hast du auch keine Lust?“, fragte er seinen Vater offen.
„Was soll ich mir anhören? Dass ich endlich ein Enkelkind auf die Welt setzen soll? Ich hab dich.“
„Maria will ein eigenes.“
„Ich weiß, ich habe auch vor 2 Tagen gehört was sie dir gesagt hat.“
Seth schwieg kurz „Du warst arbeiten.“
„Ich höre es dennoch.“
„Hast du Videokameras im Haus?“
„Wer weiß? Ich will dir nur sagen, sie ist verzweifelt, weil sie keine Kinder bekommt, deswegen ist sie so zu dir.“
„Sie sagt, dass ich sterben soll, damit du dich aus Trauer mehr mit ihr vergnügst.“
„Sie sagte es anders.“
„Der Sinn stimmt.“
„Leider. Ich will dir nur sagen, dass sie unfruchtbar ist und du keine Angst haben musst, dass da irgendwas kommt.“
„Was ist mit künstlicher Befruchtung?“
„Nein.“
Sein Vater schien da entschieden und Seth starrte aus dem Fenster, wo die Sonne aus den Wolken herausblickte, lächelte etwas „Ich hab schon etwas Angst gehabt, dass ich irgendwann…“
„Niemals.“
„Du warst damals nach England so wütend auf mich, ich dachte, dass wir nie wieder normal miteinander reden können.“
Sein Vater schwieg, dachte wohl an England „Ich wollte dich nicht in Gefahr bringen, ich konnte ja nichts dafür, dass es eine Gasexplosion gab.“
„Richtig. Konntest du nicht. Du warst damals sehr wütend?“
„Sie fanden es alle richtig, sie sagten, dass ich verwöhnt bin und du ein Drogendealer oder schlimmeres bei der Mafia.“
„Die spinnen doch. Sollen wir uns noch ein Eis kaufen?“


So waren es die wenigen Minuten mit seinem Vater, die ihn wirklich glücklich machten, ihm zeigten, dass sein Leben doch normal war. Er fand sogar Freunde in der Klasse und glaubte irgendwann länger hier bleiben zu können als in den USA oder England. Da gab es seine Kussfreundin aus der Jugendherberge Lina und seine Klassenkameraden Thorsten und Frederic, mit denen er auch mal ins Kino ging.

Es war auch ein großartiger 14. Geburtstag den er feiern konnte. Da er am 31. Oktober immer hatte, war danach der Tag immer frei. Sein Vater hatte erlaubt, dass er die gesamte Klasse einladen durfte, wobei natürlich fast jeder kam. Sein Vater vertraute ihm voll und ganz, war mit seiner Stiefmutter weg im Hotel und Seth fragte lieber nicht, woher Frederic die Fässer Bier anschleppte am Morgen seines Geburtstags am Sonntag.
„Bier? Ich bin erst 14, und die meisten auch nicht älter.“
„Nur Bier, kein Schnaps, keine Sorge.“, versprach er. „Aber eine freie Bude? Das muss man ausnutzen in unserem Alter…“, schien er schon sehr zufrieden. Einige Klassenkameraden kamen, die beliebteste Mädchenclique der Klasse, Katharina, Simone, Charlotte und Lisa, begrüßten ihn abends gegen 18 Uhr alle mit einem langen Kuss, was ihn mit roten Wangen und schwerem Atem an der Tür zurück ließ und er kaum reagieren konnte, als sie aus ihrem Rucksack härteren Alkohol zogen.

Überall lachte man, als der Alkohol in rauen Mengen floss und auch er selbst bekam mehr als genug zu trinken, dass er am Ende sich in der Toilette übergab und dort in viele Pfützen voller Erbrochenen stapfte, am Rande noch bemerkte, dass er froh war, dass sie keine Teppiche hatten um dann mit einer Jacke im Garten zu sitzen alleine, zuzusehen wie man rauchte, trank und Joints zog, Alkohol nie versiegte und nichts im Grunde so war, wie er sich vorgestellt hatte.

Spät nach Mitternacht, es war eher schon 4 Uhr morgens ging er wieder durchgefroren ins Haus, wo nur einige vereinzelt schliefen und 2 Mädchen vollkommen nackt mit Geld in der Hand auf dem Boden lagen. Lange starrte er den Busen an und die Schamhaare, dachte daran, dass seine Stiefmutter wohl nackt auch so aussah und begann müde die Toilettenräume zu putzen. Er hoffte, dass er keinen Ärger bekam nachträglich.

Die meisten wachten nicht mal auf, als er um sie herumwischte und alles aufsaugte. Das Bett seines Vaters musste er auch neu beziehen und ekelte sich vor den Spermaspuren dort und dem Blut und den Kondomen, die er nur mit Gummihandschuhe anfasste. Eins war ihm klar, so eine Party wollte er nie wieder machen. Er war todmüde als Thorsten am Mittag kam und beim Aufräumen helfen wollte und dann überrascht war, dass alles schon sauber war. Frederic nahm die Bierfässer mit und Lina weckte die nackten Mädchen, die vor Scham schrien und sich nur langsam auf der Toilette beruhigten.

„Ist ein bisschen ausgeufert“, bemerkte Frederic als die letzten Gäste das Haus verlassen hatten und Seth müde nickend nur eine Cola trank. Lina seufzte „Sie waren aus der 11.Klasse und haben Geld bekommen dafür sich auszuziehen, ich hoffe, dass wir keine Klassenkonferenz wegen der Party bekommen. Da waren viele aus der Oberstufe da. Irgendwann hab ich dich nicht mehr gesehen Seth, du hast übrigens solche Augenringe.“, erklärte sie mit ihren Fingern nachdrücklich und lachte dann „Was wohl deine Eltern sagen?“

Als hätten sie es gehört, kamen sie tatsächlich in dem Moment an „Hallo!? Na, habt ihr schön gefeiert?“, kam Seths Stiefmutter herein und betrachtete sie und vor allem die Wohnung „Alles wieder blitzblank, ich bin beeindruckt.“, sah sie sich um, ehe sie meinte „Hier hinter dem Schrank ist nicht geputzt worden, da in der Ecke, Seth, eine Staubschicht hier auf dem Regal und hier, wo du die Gläser rausgeholt hast, das musst du schon sauber machen, ich seh mir die Toilette an. War ja typisch, dass du nichts anständig hinbekommst. Du bist so nutzlos.“, verschwand sie und Seth bekam von allen ein Augenrollen geschenkt und ein Grinsen, bevor sein Vater hereinkam und ihn düster ansah „Alkohol, Drogen und Sex in meinem Bett, wir reden darüber über 4 Augen Sethos. Geh jetzt schlafen, und lern daraus, dass du dir überlegen solltest, wem du traust und wen du das nächste Mal einlädst. Du hast dich gut gerettet.“, fügte er dann hinzu und nahm ihm die Cola aus der Hand. „Und jetzt ab nach Hause ihr 3. Ich mein das ernst.“

Man eilte davon und Seth sah zu seinem Vater als er wenige Minuten später nochmal zu ihm ins Zimmer kam, sich auf die Bettkante setzte und ihn prüfend ansah „Es wurden hier Mädchen vergewaltigt.“
„Sie haben Geld bekommen.“
„Sie wurden durch Alkohol gefügig gemacht.“
„Niemand hat sie gezwungen zu trinken!“, erwiderte Seth wütend und sah zum Fenster wo ein kühler Windhauch die Vorhänge bewegte. Sein Vater sah lange dorthin, ehe er nickte „Sie waren noch Kinder.“
„Sie waren über 16 und die eine 18!“
„Es… widersprich mir nicht immer. Gib zu, dass das keine Party war, die dir gefallen hat.“
Seth rümpfte die Nase, nickte dann „Ich habe doch nicht mal die Hälfte von allen eingeladen.“, erklärte er dann leise.
„Als Gastgeber musst du auch die Tür zuschlagen können und nein sagen müssen. Sei froh, dass deine Klassenkameraden früh genug gegangen sind. Du trägst auch eine gewisse Verantwortung, wenn du die Verantwortung übernimmst. Das musst du verstehen.“
„Ich werde nie wieder so viele einladen.“
„Oder du wirst es anders organisieren.“
„Bestimmt“, schloss Seth die Augen.
„Pass einfach gut auf dich auf, ja? Wenn ich nicht mehr da bin…“
„Stirb einfach nicht, bevor ich alt genug bin… dass sie mir nicht die Hölle auf Erden bereitet.“, widersprach Seth.
„Ich bemühe mich, versprochen.“, hörte er noch leise und fragte dann.
„Bist du krank? Geht es dir nicht gut?“, riss Seth nochmal die Augen müde auf und sah ein Lächeln „Unsinn, schlaf jetzt.“ und er schlief bis in den nächsten Morgen.


Über die Party wurde noch ausgiebig auf Elternabenden und bei Lehrern beraten, irgendwie schaffte es allerdings Seth Vater jede Anfeindung von dort zu ersticken und Seth hatte zumindest genug Freunde danach, wo die meisten sich bei anderen Partys gerne daran zurück erinnerten.
Einmal als seine Eltern wieder für ein Wochenende weg waren, nutzte Seth die Zeit das Haus mal zu durchsuchen nach Videokameras oder irgendwelchen Wanzen, er fand keine, zudem kommentierte sein Vater nicht als er wiederkam, dass er das Haus durchsucht hatte.

Das Verhältnis zu seinem Vater wurde im Allgemeinen je älter er wurde besser, zu seiner Stiefmutter hingegen immer schlechter. Leider war sein Vater tagsüber meist weg, und wenn er nach Hause kam, gab es meist von ihr die Aufforderung, dass er die Schuhe ausziehen sollte, sein Zimmer säubern sollte, überhaupt alles sauber machen sollte was sie dreckig morgens hinterlassen hatte. Es kam öfter deswegen zum Streit.

„Warum sollte ich das wegmachen? Als ich aus dem Haus heute morgen gegangen bin war noch alles ordentlich! Du bist Kindergärtnerin, in Teilzeit, erzähl mir nicht, dass du wie ich über 8 Stunden weg bist von hier!“, bemerkte er irgendwann als sie vor dem Fernseh saß und ihm wieder Aufgaben zuteilte.
„Du schweigst mal besser. Solange du nicht weißt was arbeiten bedeutet! Kleiner Bastard…“, zischte sie, warf ein Kissen nach ihm. „Räum den Tisch ab und spül die Sachen. Ich kann keinen Stress gebrauchen.“
„Oh, versuchst du wieder deinen Körper perfekt auf Temperatur zu bringen, damit du ein Kind bekommst? Schaffst es wohl nicht.“
„Verschwinde du Bastard!“, war meist ihre Antwort.

Es nahm sie wohl wirklich sehr mit, denn wenige Wochen später, als er wieder ihr nur den Mittelfinger zeigte, als sie ihn anschrie alles sauber zu machen und diesmal in der Küche stand mit einem Wischmopp, bekam er die Stange hart in den Rücken gestoßen, wie er selbst im Training noch nie gestoßen worden war als er auf dem Boden sich aufsetzte und hoch sah zu ihr, sah er das erste Mal absoluten Hass in ihren Augen, Verachtung und den Willen ihn zu verletzen als die Stange umgekehrt wieder auf sein Gesicht zustieß. Er schützte gerade noch seine Augen und war so erschrocken über das was er bei ihr gesehen hatte, dass er gar nicht so richtig bemerkte, wie sie seine Wange aufschrammte, rollte sich nur weg mit dem Rucksack auf den Schultern und eilte nach oben in sein Zimmer, wo er seine zitternden Hände beruhigte, froh war, dass ein Schlüssel in seiner Tür steckte, und die Schreie wahrnahm, die sie ihm durch die verschlossene Tür nachrief „Du wirst sehen was du davon hast! Du wirst es noch bereuen! Das wird alles auf dich zurückfallen! Du kommst sicher in die Hölle! Du bist ein Teufel! Verflucht und abstoßend bist du! Deine Mutter ist sicher gestorben, weil du so abartig bist! Dein Vater hasst dich! Weißt du was er mir gesagt hat, als er mich dir vorstellen wollte? Dass du sehr schwierig bist und du eine harte Hand brauchst. Dass du Disziplin brauchst! Ich werde dir zeigen was du brauchst, komm heraus! Komm heraus, du Bastard!“

Er ging natürlich nicht heraus und wagte sich erst spät am Abend heraus als sein Vater wieder da war, der seine Stiefmutter beruhigte, die ihn mit Lügen auf ihre Seite zog. Was er angeblich alles getan hatte, wie er alles verwüstet hatte, dass er sie angegriffen hätte.
Sein Vater schickte ihn mit einer Handbewegung auf sein Zimmer, als er ihn begrüßen wollte, wo er dann lange wartete, ab und zu die heißen Tränen der Angst wegwischte. Er würde ihr glauben und was dann? Würde es wieder wie vorher? Dass er ihn mied?

Es war kurz nach Mitternacht als sein Vater hereinkam und sich auf das Bett setzte. Er spürte dessen Hand warm auf seiner Stirn und fühlte das sanfte Streicheln, er dachte an das was sie alles gesagt hatte und wollte etwas sagen, sein Vater schüttelte nur den Kopf „Ich weiß was passiert ist.“
„Die Kameras?“, schniefte Seth leise.
„Genau. Es tut mir leid, es darf nie wieder vorkommen. Wenn sie dich wieder angreift, dann darfst du auch zurückschlagen, falls sie dich wieder so verletzten möchte. So etwas darf nicht passieren.“
„Brauchen wir irgendeine Familientherapie?“, fragte Seth.
„Wenn, dann brauchen wir eine Scheidung. So etwas geht überhaupt nicht, niemals.“
„Du hast mich damals auch angegriffen öfter und gefesselt und eingesperrt.“
„Das war mehr zu deinem und meinem Schutz.“
„Schutz wovor?“ Sein Vater atmete leise aus „Später, nicht heute Abend. Vertrau mir einfach.“
Seth nickte und sein Vater sah aus dem Fenster „Sieh mal, den ganzen Tag hat es geregnet, und wenn du wieder glücklich bist, dann hört es auch wieder auf.“, fabulierte sein Vater. Seth nickte bloß „Warum hast du sie geheiratet?“
„Vielleicht weil ich wütend auf dich war?“
„Was hab ich getan?“
Sein Vater schien nach Worten zu ringen, ehe er sagte „Du bist nicht aus dem brennenden Haus gelaufen. Du bist doch die einzige Familie, die ich noch habe.“
„Haben wir sonst keine Verwandte?“, fragte Seth.
„Niemanden direktes… alle sind tot.“
„Erzählst du mir von ihnen?“, nutzte Seth die Freizügigkeit seines Vaters, der ihm nochmal durch das blonde Haar strich und ihn lange ansah.
„Wir haben in England gewohnt. In der Nähe von London. Hoch angesehen in dem kleinen Städtchen und schon seit Generationen dort. Sowas wie Mit-Stadtgründer waren unsere Vorfahren. Sehr traditionell alles in manchen Dingen. Mir wurde sogar eine Verlobte ausgesucht, Miss Fox.“
„Aber nicht Mama?“
„Nein, die nicht. Auf der Verlobungsfeier passierte dann das Unglück, viele Tote, es war etwas, was Menschen nicht sehen können und es vergessen können. Viele sind gestorben, meine besten Freunde, meine Familie, und die, die überlebt hatten, sagten, dass ich Schuld wäre. Dabei waren sie es… alle, es waren Ungeheuer.“
„Du meinst… weil sie gegen dich ausgesagt haben und niemand dir geglaubt hat? Was ist mit DNA-Spuren? Oder Überwachungskameras?“
Sein Vater lachte trocken auf „Sie wollten mich als Schuldigen. Unsere Familie war reich, sagte ich das schon? Sie hatte eine ungeheure Bibliothek von Wissen und das Wissen wollten sie, das Geld. Wozu mich anhören, mir glauben? Jeder hatte was davon, dass sie mich als Schuldigen herausgesucht hatten. Jeder… die Familie Dunninger wäre nach mir ausgestorben gewesen. Aber jetzt bist du da. Und irgendwann kannst du alles einfordern.“
„Ist es nicht alles geplündert?“
„Nein, es wird verwaltet. So einfach kommt da niemand herein, wie man es gerne hätte.“, strich sein Vater über seine Wange.
„Glaubst du mir?“
„Warum sollte man seine eigene Familie töten? Außerdem in der Klasse hat auch jemand letztens was ziemlich dämliches gesagt und alle haben dann Matz beschuldigt. Und weil alle das getan haben und er es geleugnet hat wurde er doppelt bestraft.“
Sein Vater sah zu ihm „Und das habt ihr zugelassen?“
„Wir … haben danach der Klassenlehrerin gesagt, dass wir gelogen haben, aber selbst dann hat sie uns nicht mehr geglaubt, sondern gesagt, dass es sehr nett wäre, dass wir unserem Klassenkameraden helfen wollen, aber es nichts nützt und er sich das selbst zuzuschreiben hat. Wir haben ihm dann bei der Strafaufgabe geholfen und danach sich jeder entschuldigt.“
„Wenigstens ist eure Klasse etwas fairer als die erwachsene Lehrerin. Aber jetzt weißt du wie das ist. Hat man einmal einen Schuldigen, lässt man ihn nur ungern fliehen.“
„Wirst du von der Polizei gesucht? Interpol?“
„So schlimm ist es auch nicht, so schnell findet man uns nicht. Solange wir beide uns nicht dumm anstellen.“
„Du meinst, bei dem Tornado wären wir vielleicht auf einem Foto gewesen oder dem Brand und dann hätte man uns entdeckt?“
„Genau!“
„Was ist in Japan passiert?“
„Das… ist eine viel zu lange Geschichte, schlaf jetzt lieber“, zauberte er aus dem Nichts scheinbar eine Rose hervor, die er ihm reichte – ohne Dornen „Heute vor 15 Jahren hab ich deine Mutter getroffen und mich verliebt.“
Seth sah auf den Kalender und merkte sich für alle Zeit den 1. Dezember „Schlaf jetzt ein.“, hörte er noch und versank dann augenblicklich in tiefen Schlaf.

Er träumte wirr von den Angriffen seiner Stiefmutter und träumte auch von seinem Vater, den er verschwommen durch eine trübe Oberfläche sah. Er sah das Bild seines Vaters wackeln als wäre er unter Wasser und spürte einen enormen Druck auf der Lunge, als würde er nicht atmen können. Es war als würde sein Vater ihn umbringen wollen.

Der Wecker klingelte und weckte ihn aus dem schrecklichen Albtraum. Er konnte kaum atmen, rang im Bett sitzend nach Luft und ließ den Wecker lange weiterklingeln. Das Bett war nassgeschwitzt und seine blassen Finger schienen heute fast durchscheinend, als er diese zitternd betrachtete.

Er musste sich duschen, starrte in den Spiegel und auf die kleine Kerbe im Holz an dem Türrahmen, die seine Größe anzeigte und ihm bewies, dass er die letzten 3 Jahre nicht einen Zentimeter gewachsen war und immer noch seine 1,45m maß. Er sah nicht wirklich die Schramme an seiner Wange, die scheinbar geblutet hatte. Er verließ das Haus ohne Frühstück und ging zur Schule, wo Lina ihn gleich nach einer Begrüßung darauf ansprach „Was hast du denn da gemacht?“
Erst da fühlte er über die Schramme und dachte an den kurzen Schmerz als sie den Stab über sein Gesicht geschrammt hatte und fühlte eine gewisse Wut in sich aufsteigen „Meine Stiefmutter hat den Besen nach mir geschlagen.“
„Ist nicht dein ernst.“, schien Thorsten überrascht. „Ich mein, was ist bei euch los? Die war ja immer verrückt, aber das?“
„Ist neu, ich weiß, war gestern ein blöder Tag.“
„Was du nicht sagst. Ich war gestern auf dem Weihnachtsmarkt und eigentlich sollte die Sonne scheinen den ganzen Tag, mein Date ist voll ins Wasser gefallen.“, erklärte Frederic, ehe er nieste „Und eine Erkältung habe ich mir auch noch eingefangen.“, murrte er und betrachtete die Wunde an der Wange. „Du solltest da echt was drauf tun, eine Narbe da ist sicher uncool.“
„Vor allem von einem Besen“, lachte Thorsten und Seth lachte mit, der im Inneren jedoch von viel mehr geplagt wurde. Das in ihren Augen war nicht normal gewesen. Niemals.

Im Kunstunterricht begannen sie eine neue Aufgabe wie er feststellte und war froh, als die Aufgabe hieß einen Alltagsgegenstand zu töpfern. Die Wut konnte er so an dem Ton rauslassen, bis dieser weich genug war und er dann lange daran knetete, bis die Stunde zu Ende war „Soll das eine Vase werden?“, fragte der Kunstlehrer ihn als sie die Projekte mit feuchten Tüchern wegstellten und Seth sah es sich dann genauer an „Ja, wahrscheinlich.“
„Dann achte darauf, dass alles gleichmäßig verteilt ist und beim Brennen nicht platzt, das wäre schade.“
„Ja.“ Vielleicht konnte er die Rose darein stellen, wenn sie sich solange hielt, er sollte sie trocknen lassen. Dann hielt sie vielleicht fast ewig?

Er mied es nach Hause zu gehen, ging mit seinen Freunden und einigen anderen Mädchen auf den Weihnachtsmarkt, wo sie Glühweinbonbons kauften und sich mit Leckereien vollstopften. Danach saß man zusammen und sprach über den Weihnachtsbasar der in der Klasse anstand und wie man was organisieren könnte.

Als er nach Hause kam, grüßte er seine Stiefmutter nicht mehr und beschloss die nächsten Tage nur noch weg zu sein. Sollte sie doch tun was sie wollte. Er hatte Freunde, die mit ihm gut klarkamen und bei denen er auch mal über Nachmittag bleiben konnte.


Er kam dann auch öfter sogar nach seinem Vater nach Hause, der das alles still schweigend akzeptierte, ihm sogar mehr Geld mitgab, damit wohl Friede zu Hause herrschte.


Zu Weihnachten lag er mit dem Rücken auf der kalten Wiese irgendwo außerhalb des Dorfes, warf einen Ball stundenlang in seinen kalten Fingern hoch in den schwarzen Himmel und fing ihn wieder auf. Sein Vater hatte ihn gebeten doch pünktlich zum Fest zu Hause zu sein, weil es seiner Stiefmutter viel bedeutete, die ihre Mutter allerdings eingeladen hatte.
In Wirklichkeit hatte er abends einen Streit mitbekommen, dass sein Vater wütend auf sie war „Du kannst nicht meinen Sohn ausschließen!“
„Das ist ein Bastard, ein Teufel. Es gibt nur ein Unglück, wenn er da ist. Meine Mutter wird dieses Haus nicht betreten, wenn er da ist.“
„Dann soll sie weg bleiben! Niemand zwingt sie zu kommen.“
„Weihnachten ist ein Familienfest!“
„Und Sethos ist mein Sohn!“
„Dir ist Weihnachten eh nicht wichtig!“
„Das ist was anderes!“
Er hatte daraufhin beschlossen sich den ganzen Mist nicht anzutun. Es war ja auch nur -2°C und damit kaum kälter als in den Kühlkammern, wo sein Vater ihn damals für Tage manchmal eingesperrt hatte. Kälte machte ihm nichts aus.

Er sah wie der Ball hoch in den Himmel flog und fing ihn wieder auf, sah in den kalten dunklen Himmel und fragte sich in der Stille der Nacht, ob das nicht sein friedlichster Tag seit Jahren war. Die Ruhe war himmlisch, die Kälte vertraut und der Wind säuselte leise an seinen Ohren. Er hörte kaum Geräusche von Tieren, die wohl alle in ihrem Bau waren und der Kälte trotzten.

Die Tränen brannten auf der kalten Haut während der Ball mehr und mehr verschwamm, wenn er ihn hochwarf, ehe er ihn nicht mehr fangen konnte und er wegrollte.

Er setzte sich auf der mit Reif verzierten Wiese im Nirgendwo auf, starrte zum rollenden Ball und streckte die kalte Hand danach aus. Gut, er hatte nicht die Macht, wie bei Star Wars, aber er lächelte als Wind aufkam und der Ball wieder in seine Richtung rollte, direkt in seine Hand, hob diesen hoch und betrachtete ihn.


Er stand irgendwann auf, um sich auf den Heimweg zu machen. Es war nach Mitternacht, sehr spät danach. Die Lichter im Haus waren aus, es schien alles leer als er hereinkam und tatsächlich fehlten die Schuhe und Kleidung, irritiert sah er im Schlafzimmer nach, das leer war und dann in der Küche, wo die vorbereiteten Speisen für das Abendessen standen und niemand etwas gegessen hatte.

Ihm wurde unwohl als er dann wieder aus dem Haus eilte und die Garage öffnete. Das Auto fehlte. Waren sie verunglückt? Auf dem Weg zur Kirche? Oder zurück?

Entsetzen packte ihn als er wieder herein rannte und mit den steifen Fingern in der Hitze de Hauses die Schmerzen spürte, die die Wärme verursachte, und dann doch die Notrufnummer wählen konnte „Die Notrufnummer, wie kann ich ihnen weiterhelfen?“, hörte er eine Männerstimme auf der anderen Seite der Leitung.

„Ich wollte fragen, ob es einen Unfall gab, meine Eltern sind nicht zu Hause und…“
„Einen Moment, kannst du mir das Nummernschild nennen?“
„Natürlich“, nannte er es und hörte bald „Nein, kein Unfall. Wie lautet denn der Name? Dunninger oder Wager, haben Sie da was?“, fragte er kleinlaut.
„Ja, warte, einen Moment. Wager, Magdalena, ein Kollaps während der Weihnachtsmesse in der Kirche. Vielleicht sind sie im Krankenhaus. Deine Großmutter?“
„Ja.“, fühlte er unglaubliche Erleichterung. Seine Großmutter bloß, „Danke.“
„Möchtest du wissen welches Krankenhaus? Wie alt bist du? Sollen wir jemanden vorbeischicken?“
„Nein, nein, bin schon 16.“, log er ohne rot zu werden „Sie ist nur meine Stiefoma, sie hasst mich eh. Hauptsache meinem Vater ist nichts passiert.“
„Oh.“, der Polizist klang etwas betroffen am Telefon „Dem geht es bestimmt gut. Es gibt eine Hotline, wenn du Probleme hast in der Familie, dort kannst du dich anvertrauen.“, hörte er.
„Danke, ich komme schon klar. Vielen Dank. Schöne Feiertage noch.“
„Ja, dir auch.“
Das Leben endete sehr schnell, wie er feststellte. Sein Vater kam morgens früh allein nach Hause, weckte ihn auf und schloss die Fenster, die er über Nacht offen gelassen hatte „Es ist eisig hier. Morgen, wo warst du?“
Seth wollte gerade was sagen „Bist du verrückt? Bei der Kälte? Willst du erfrieren? Das ist kein Argument, dass ich dich auch in Kühlschränke gesteckt habe. Das ist was anderes!“
Seth schloss den Mund fest. Er hatte doch gar nichts gesagt?! Woher wusste sein Vater das. Allerdings stand er längst wieder. „Deine Großmutter ist gestern während eines Gesprächs in der Kirche kollabiert, mitten bei 2 alten Freundinnen. Sie sagen, dass sie wohl von Gott bestraft wurde, sie hat wohl gelästert über 2 andere Freunde, mit denen sie vorher über … na ja, du weißt ja wie die Leute sind.“
Seth nickte und fing die Sachen auf, die sein Vater ihm hinwarf „Zieh dich an.“
„Stirbt sie?“
Sein Vater hielt kurz inne „Es scheint so, man hat einen Luftröhrenschnitt gemacht, aber irgendwie sind ihre Lungen kollabiert. Sie wird noch beatmet, sie ist wach. Man weiß nicht wie man weiter vorgehen soll. Als würde sie etwas ersticken. Sie kann nicht mehr sprechen richtig. Ihre Lungen verwerten kaum mehr den Sauerstoff, vielleicht willst du dich noch von ihr verabschieden?“
„Will ich das?“, fragte er ernsthaft und saß 10 Minuten später ungewaschen im Auto. Sein Arm schmerzte noch davon, dass sein Vater ihn grob ins Auto gezerrt hatte und ihn angeschrien hatte, dass er lernen sollte was der Tod ist, um etwas zu lernen.
Immerhin ging es ihm nicht darum, dass er Trauer heucheln sollte.


Das Krankenzimmer war etwas karg eingerichtet. Er hatte so etwas nie von innen gesehen. Eine große Maschine schien rhythmisch Luft in die Lungen zu blasen. Ein Tropf hing in ihrem Arm. Seth sah seine Stiefmutter Maria, die mit tränenverschmierten Gesicht zu ihnen sah „Was bringst du ihn her?“
„Es ist auch seine Verwandte.“
„Er bringt den Tod.“, erklärte sie bloß kraftlos und hielt die Hand ihrer Mutter.
Seth wurde von seinem Vater weiter ans Bett gedrückt und starrte auf die blasse Frau, die schwach dalag und versuchte nach Luft zu ringen. Ersticken war kein schöner Tod. Er sah ihre Verzweiflung, sah wie sie Leben wollte und einfach alles blockiert war, ihr Körper verweigerte den Dienst.
Er traute sich nicht sie zu berühren, fragte sich, ob es ansteckend war. „Zeig etwas Mitgefühl“, hörte er seinen Vater kalt sagen, der ihn nach vorne drückte zu ihr. „Sie atmet nicht. Ihr Körper kollabiert! Weißt du warum?“, schien er nun kalt zu fragen.
Seth sah fragend zu ihm „Das kann passieren, wenn man alt wird.“
„Nicht so!“, schrie sein Vater ihn nun fast an und Stille breitete sich im Raum aus. Sein Vater starrte mit seinen eisblauen Augen zu ihm „Weißt du was du ihr gesagt hast damals? Erstick an deiner Heuchelei!“
Seth sah ungläubig zu seinen Vater „Flüche? Seit wann glaubst du an Flüche?“, fragte er.
„Heb den Fluch auf. Hier und jetzt. Sofort!“, sagte sein Vater nur, der ihn scharf beobachtete. Zuvor war sein Vater noch freundlich gewesen, aber irgendwas… schien ihn zu überzeugen, dass er es war.
„Was soll ich sagen? Fluch aufheben? Was soll ich denn tun? Du spinnst doch total!“, presste er hervor. Sein Vater war gegen ihn, und das in so einer Sache, wie Flüche! Was war mit seinem Vater los!?
„Mein es ernst, sag, dass sie wieder atmen soll!“
Seth sah wie sein Vater auf ihn zustürmte und den Kopf fast auf ihren Körper dann drückte „Sieh sie dir an! Lass sie atmen!“
Seth wimmerte, sie sah verzweifelnd zu ihm, er wollte ihr nicht helfen, sie war immer gemein zu ihm gewesen. Von Anfang an. „Du gibst zu, dass dein Sohn das war?“, hörte Seth Maria.
„Ja. Er war es. Und er macht es auch wieder weg.“
Seth presste seine Lippen aufeinander. Alle hatten sich gegen ihn verschworen. Nicht mal sein Vater war auf seiner Seite. Er spürte heiße Tränen auf seinen Wangen, nicht des Mitgefühls mit seiner Stiefmutter, sondern einzig und allein nur für sich. Wie konnte sein Vater das behaupten! Wie konnte er das von ihm verlangen!

„Heb den Fluch auf!“, donnerte die Stimme seines Vaters in seinem Hirn. „Nein! Ich heb nichts auf, weil ich nichts getan habe! Es gibt keine Flüche!“, schrie er seinen Vater an, versuchte sich loszureißen und spürte dann die Faust seines Vaters fest in seiner Wange. Blut spritzte in seinem Mund auf seine Zunge, er hatte seine Wange aufgebissen und starrte entsetzt zu seinem Vater, dessen Augen nun fast eisig blauweiß erschienen „Sag ihr, dass sie wieder atmen kann.“
Seth drehte sich um fast wie fremdgesteuert und hörte sich sagen „Atme“ um dann entsetzt zuzusehen, wie sie tatsächlich wieder scheinbar Sauerstoff aufnahm, die Augen von ihr rissen sich groß auf. „Mama!“, hörte er seine Stiefmutter schreien, die jene umarmte und spürte dann wie sein Vater ihn wegriss und ihn nun würgend am Kragen hochzog auf Augenhöhe „Sieh es dir an. Sei mit deinen Verwünschungen vorsichtig, wenn du wütend bist. Und jetzt verschwinde.“


Er eilte aus dem Krankenhaus und rannte konfus durch alle Straßen durch den Schnee, der um ihn herum wehte. um irgendwann nach Hause zu kommen und auf die Schneebedeckte Einfahrt zu sehen, wo das Auto stand. Er traute sich kaum herein und fühlte sich nicht mehr wohl dort. Wie konnte sein Vater das mit ihm machen, ihn schlagen, ihn so behandeln – wie früher? Seine Tränen waren längst eiskalt geworden, fast erfroren auf der Wange, als er dann das Haus betrat, seinen Vater an der Eingangstür sah, dessen Hand vorschnellte und ihn an der Stirn traf, so dass er ohnmächtig zusammenbrach.


Es war das erste Mal seit langer Zeit, dass er in einem Kühlraum aufwachte. Er starrte auf die Tür die aus einer Kupferlegierung bestand. Der Raum war klein, überall mit Kupferplatten belegt und er selbst spürte auch die Hände in der bekannten Kupferfarbe gefesselt, er bewegte sich kurz in der liegenden Position und spürte dann auch das Kupfer an seinem Hals. Er schien sich nicht mal aufsetzen zu können. Die Füße bewegte er etwas, um dann Ketten klirren zu hören.
Er weinte erst leise, ehe er dann schrie und versuchte die Fesseln zu lösen, Blut tropfte irgendwann aus den Fesseln, aber selbst das hielt ihn nicht auf, als er die Haut versuchte abzuschaben, um aus den Fesseln zu kommen. Er wollte heraus, schrie immer wieder, schrie nach seinen Vater, dass er das nicht tun könnte, dass das nicht richtig war.

Sein Vater kam als er nicht mehr schrie herein. Seine Augen glänzten eiskalt, nichts war von der Wärme der letzten Jahre übriggeblieben. „Du solltest dich beherrschen lernen und nicht dich so aufspielen.“
„Lass mich raus! Ich verklag dich! Du bist doch nicht ganz dicht! Wie kannst du mich schlagen!“, schrie er seinen Vater an.
„Deine Stiefgroßmutter lebt, und ist auf dem Weg der Besserung.“
„Mir doch egal! Wenn sie sich so autosuggestiv verhält, sag ihr, dass ich sie verflucht habe, dass sie Selbstmord machen soll, dass sie…“
Sein Vater kam heran, schüttelte ihn „Du solltest es lernen! Du sollst dich beherrschen!“ Seth schlug mit den gefesselten Kupferfesseln nach dem Gesicht seines Vaters, den er traf und jener überrascht zurückwich, sich das Blut im Gesicht abwischte, ihn anstarrte und Seth ihn anschrie „Was hab ich getan? Du kannst mich nicht einfach hier einsperren!“
Sein Vater schlug die Tür zu und Seth schrie gellend so laut er konnte, riss an den Fesseln wieder. Er war hier das Opfer, ihm ging es schlecht. Er hatte nun niemanden mehr! Alle hatten sich gegen ihn verschworen – alle.


Er bekam wenig Essen die nächsten Tage und konnte sich kaum bewegen. Einmal kam auch als er schlief Maria herein, er merkte es erst als sie ihm mit einer Alkoholflasche fast den Schädel aufschlug und er den dumpfen Gegenstand kaum abwehren konnte, bis sein Vater eingriff und sie rauswarf, sie anschrie und Seth sich weinend den stark blutenden Kopf hielt. Sein Vater versuchte die Blutung zu stillen, musste noch 2 mal Maria raustragen, die mit einem Hammer auf Seths Beine schlug, um dann anschließend den Krankenwagen zu rufen.

Die Sanitäter waren entsetzt als sie ihn in der Eingangshalle aufnahmen „Was ist passiert?“, fragte ein Sanitäter ihn im Wagen, der mit Blaulicht fuhr und Seth den Verband dick um den Kopf spürte und eine Atemmaske auf dem Gesicht hatte „Meine Stiefmutter hat mich totprügeln wollen“, brachte er hervor.
„Er ist total unterkühlt, Untertemperatur, sein Blutzuckerspiegel ist sehr niedrig. Er hat Spuren von Fesseln an Beinen und Armen und auch am Hals“, bemerkte ein Anderer. „Schick die Polizei dahin, das ist nicht normal. Keine Sorge, du bist in Sicherheit.“

Es erinnerte ihn ein wenig an die Situation in den USA wo das Jugendamt ihm die schönsten Sachen versprach. Er wurde geröntgt, ein massiver Schädelbruch wurde festgestellt an mehreren Stellen, schwere Prellungen und Schnittverletzungen, ein dreifach gebrochenes Bein war dann wohl der krönende Abschluss. Als er aufwachte und seinen Vater neben seinem Bett sitzen sah, wusste er aber auch, dass er ihm nicht entkommen konnte.


Sein Vater schlief auf einem Stuhl neben ihm, während er sich umsah in dem sterilen Zimmer, das etwas moderner aussah als das damals bei seiner Stiefgroßmutter, die er besucht hatte. Er sah viele Maschinen, ein EKG, sogar ein EEG, welches permanent irgendwas aufzeichnete. Es war die Intensivstation wie er dann nach einem Blick auf einen Zettel auf dem Tisch feststellte. Hob seine Hand um diesen näher zu ziehen und sah die 2 Schläuche in seinen Venen, bevor er diese wieder senkte und die Augen schloss.
Einige Minuten später hörte er die Tür „Guten Morgen Mr. Dunninger, sie sollten doch nicht hier schlafen. Da ist das Bett.“
„Er hatte wieder Albträume und …“
„Wir haben das schon im Griff. Keine Sorge, legen Sie sich hin.“
„Ja, natürlich.“
„Ihre Frau fragt nach Ihnen, rufen Sie sie an.“
„Erst wenn er wieder laufen kann.“
„Das dauert noch etwas.“


Seth wachte nochmal später auf, diesmal im Beisein von Ärzten, die sofort seine Reaktionen testeten und ihm erklärten, dass er wach bleiben sollte. Er fühlte sich hilflos den Händen ausgeliefert und lag dann etwas aufrecht einige Zeit später im Zimmer, als sein Vater hereingelassen wurde.

Seth sah selbst auf seinem Monitor, dass sein Herz schneller schlug. Er spürte etwas Angst und Panik davor, was nun passieren würde, sah wie jener dann sich zu ihm setzte und seine Hand nahm und spürte dann wie durch das Streicheln sein Herzschlag sich wieder beruhigte.
Irgendwann begann auch sein Vater zu sprechen „Ich hätte das nicht tun dürfen. Du verstehst das nicht. Es tut mir Leid, wenn du wieder zu Hause bist, dann müssen wir uns was anderes überlegen. Ich habe das alles bei dir zu lange unterdrückt, was man nicht unterdrücken kann. Es kanalisiert sich dann auf falschem Weg. Es war mein Fehler.“
Seth sagte nichts dazu, was gab es dazu zu sagen. Er wusste nicht mal wovon sein Vater sprach „Ich zeig dich an.“, bemerkte er dann nur mit rauer Stimme und nippte dann widerwillig an dem Getränk, welches sein Vater ihm hinhielt „Mach das ruhig, du weißt, dass das nichts bringt.“
„Dann eben das Monster was du geheiratet hast. Du sagst mir, dass ich schuld bin, dass ihre Mutter stirbt? Was ist sie dann?“, fragte er seinen Vater, der nickte „Ich hätte ihr Gedächtnis löschen sollen, es war mein Fehler. Ich habe den Fehler behoben, sie weiß nichts mehr.“
Seth runzelte die Stirn und sah dann an die weiße Decke „Du hast mir Sorgen gemacht. Du warst 3 Wochen im Koma, vor 1 Woche hat man es schon versucht dich zu wecken, aber es hat nicht funktioniert. Du hattest Hirnblutungen, man hatte Angst, dass du dauerhaft behindert wirst. Auch geistig, ich hätte mir das nie, nie verziehen.“
„Davon kann ich mir nichts kaufen, lass mich einfach in Ruhe. Ich will dich nicht mehr sehen.“
Sein Vater nickte bloß „Ich kann das verstehen, was hab ich getan? Du verstehst es doch gar nicht…“, küsste jener seine Hand, die Seth danach sofort wegzog und unter die Decke versteckte, wegsah und dann laut schrie, als sein Vater ihm eine Strähne aus dem Gesicht nehmen wollte „Verschwinde! Verschwinde! Verschwinde!“, schrie er gellend und sah dann wie sein Vater fast mechanisch aufstand, zur Tür ging und dann plötzlich innehielt, zu ihm sah „Du musst sehr wütend auf mich sein.“
„Mehr als du dir vorstellen kannst!“, zischte er und zog die Decke hoch, sah weg und hörte, wie sein Vater dann ging.


Die nächsten Tage waren der Horror. Er musste ein Sportprogramm durchziehen, welches ihm jeden Tag Muskelkater bescherte. Sein Bein welches mehrfach gebrochen war brauchte besonderes Training und sein Vater kam immer nur nachts, wenn er dachte, dass er schlief. Er ließ ihm jeden Tag ein kleines Geschenk da und dass es ihm Leid täte.

Seth selbst kümmerte sich nur darum, dass er wieder seine Muskeln so bewegen konnte, dass er auch zu Recht seinen 5. Dan tragen durfte. Seine Schulkameraden kamen öfter zu Besuch und wenigstens die glaubten ihm, dass seine Stiefmutter ausgeflippt war.
„Die ist total irre. Letztens hat meine Mutter erzählt, dass sie auf einem Elternabend die ganze Zeit erzählt hat, dass die Lehrer mehr auf die Kinder eingehen sollten, meine Mutter meinte wohl daraufhin, dass sie sicher nicht den Besen benutzen würde wie sie und die hat dann total den Aufstand gemacht.“, bestätigte Thorsten, der ihm die Schulaufgaben mit vorbei gebracht hatte „Du hast es deiner Mutter erzählt?“
„Na klar, die konnte sie eh nie ab. Keiner mag sie. Aber dein Vater ist doch eigentlich immer sympathisch. Hat er dich wirklich gefesselt?“
„Ich hatte sogar Spuren an den Handgelenken, die stehen in der Krankenakte vorne drin, doch jedesmal wenn ich die Pfleger darauf anspreche oder die Ärzte, dann lachen sie nur und ignorieren das.“, erklärte Seth und sah wie Thorsten alles durchblätterte.
„Warum lachen die?“
„Frag mich nicht.“
„Was macht dein Vater eigentlich von Beruf?“
Seth stockte kurz „Er ist selbstständig, verkauft irgendwas und ist viel unterwegs.“ Sein Vater redete nie über die Arbeit und ignorierte auch alle Fragen dazu.
„Vielleicht ist er ja Geheimagent und hat alle bestochen.“
„Wäre eine interessante Erklärung“, bemerkte Seth und seufzte dann „Wohl eher aber nicht. Er macht das einfach so, als ob er sie hypnotisiert.“
Thorsten kicherte „Na ja, aber sei froh, die Mutter deiner Stiefmutter hat wohl vor 2 Wochen Selbstmord gemacht, in der Kirche, hat sich selbst ans Kreuz genagelt und dabei geschrien, dass sie Jesus wäre und mit ihm ihn den Himmel kommen will und er sie von dem Teufel befreien sollte.“
Seth dachte an seine Stiefgroßmutter „In der Kirchengemeinschaft war man geschockt, deine Stiefmutter wird jetzt immer schräg angesehen, vielleicht wird sie auch mal so verrückt – sagt meine Großmutter. Weißt du wann du wieder rauskommst?“, fragte Thorsten dann weiter.
Seth sah kurz zu ihm „Wenn alles gut klappt, dann Anfang März.“
„Das ist lange.“
„Ich versuche das meiste rauszuschlagen, zu den Irren nach Hause will ich nicht, und irgendwie kann ich mich ja auch nicht selbst ins Kinderheim einweisen lassen, wenn es keinen Grund gibt wie jeder hier sagt.“
Thorsten winkte ab und sah dann auf die Uhr „Lina kommt gleich, ich soll ja eigentlich nichts sagen, aber sie geht momentan mit Linus. Sie sagt, dass es nichts ernstes wäre, aber Linus meinte, dass er vor 3 Tagen nach der Sport-AG er sie auf einem Bock entjungfert hat. Fred und ich haben nachgesehen, da ist tatsächlich was dunkles Blut im Leder… Echt eklig.“
Seth sah überrascht zu ihm „Ich dachte, sie wollte mit mir gehen.“
„Sie lässt sich schnell trösten.“, tätschelte jener ihm das Haupt „Liegt wohl auch daran, dass Linus 15 Zentimeter größer ist als du und sie auch einen Kopf größer ist als du.“
Seth ballte seine Hände zu Fäusten. Er war enttäuscht, er dachte, dass er irgendwann so einfach mit jemanden zusammenkam und dann kam alles von selbst, stattdessen lag er im Bett, hörte Lina zu, die sogar mit Linus gekommen war und er die verliebten Blicke sogar spüren konnte so innig waren diese.


Seine Freunde hatten alle Freundinnen als er wieder aus dem Krankenhaus kam. Es schien eine Krankheit ausgebrochen zu sein. Niemand war Single, alle waren auch schon 15 und redeten nur über die Oberstufe. Leider war er der jüngste in der Klasse und musste bis in den Oktober warten um mitreden zu können.
Keiner hatte mehr Zeit in der Frühlingszeit mit ihm abzuhängen, irgendwo hinzugehen oder einfach nur Computer zu spielen. Einige Mädchen aus der Oberstufe fanden es höchstens witzig, dass er von einer Frau zusammengeschlagen worden war, woher sie es auch immer hatten, und triezten ihn, wenn er in ihre Nähe kam „Vorsichtig, wir sind bissig!“, lachten sie. Nichts war mehr von seinem ruf als Partykönig übrig. Er war der kleine Zwerg, der Junge, der nett aussah aber ein Weichei war.
Seth saß oft abseits auf dem Schulhof alleine, und nahm die Möglichkeit war jeden Nachmittag im Dojo zu trainieren ohne mit irgendjemanden zu reden. Abends kam er sehr spät nach Hause, meinte nur, dass er eine Freundin hätte und war froh, dass im Dojo er jeden Tag an seine Grenzen gehen konnte, ehe er abends dann lange Spaziergänge machte, bevor er nach Hause kam. Sein Vater versuchte ab und zu noch mit ihm irgendwie zu reden, aber Seth würgte jedes Gespräch im Keim ab und ging nach oben in sein Zimmer.

Es war April als seine Stiefmutter scheinbar ihre Trauer überwunden hatte über den Tod ihrer Mutter und nun genauso mies war wie vorher. Sein Zimmer war einmal verwüstet als er nach Hause kam, seine Sachen durchsucht worden, was ihn wütend dazu veranlasste doch wieder runter zu gehen, wo seine Eltern aßen und sein Vater völlig überrascht war von seinem Auftreten „Du hast mein Zimmer durchwühlt!“, griff er sie sofort an als er in das Esszimmer stürmte, sah bereits in ihrem Blick, dass er recht hatte „Warum tust du das?“, schrie er weiter und sah wie sie sich aufbaute.
„Was fällt dir ein mich so zu beschuldigen? Dein Zimmer ist unaufgeräumt und schmutzig, ich setze da sicher keinen Fuß rein!“, griente sie.
„Beruhigt euch sofort!“, mischte sich sein Vater ein „Nimm sie nicht in Schutz!“, schrie Seth, was durch einen Donner draußen untermalt wurde. Scheinbar zog ein Gewitter auf, sein Vater sah kurz aus dem Fenster „Entschuldige, Maria, entschuldige dich bei meinem Sohn.“
„Es gibt nichts zu entschuldigen. Ich habe nichts getan.“
„Entschuldige dich!“, befahl sein Vater schneidend und Seth sah fasziniert zu, wie ihre Augen glasig wurden, und sie sich entschuldigte „Es tut mir Leid, ich hasse dich so sehr, ich will, dass du wieder Streit hast mit deinem Vater und er dich hasst. Ich wünschte du würdest sterben.“, erklang ihre Stimme fast blechern.
Seth stand entsetzt der Mund offen, ehe er zu seinem Vater sah „Hast du das gehört? Hast du das gehört?“
„Ja, habe ich, beruhige dich bitte.“
„Sie will mich umbringen! Hörst du das? Sie verflucht mich, mir wirfst du das vor und sie darf das einfach?“, schrie er seinen Vater an, der nun aufstand, während seine Stiefmutter sich nicht rührte und weggetreten schien.
„Seth, wenn sie es dir wünscht ist es was anderes, als wenn du es einem wünschst.“
„Was bitte ist daran anders?“, schrie Seth.
„Bei dir besteht die Möglichkeit, dass es eintrifft.“
„Seit wann glaubst du an Voodoo?“
„Das ist kein Voodoo, keine Zauberei, keine Hexerei, weißt du manche Menschen können Dinge formen, durch Wörter, durch Gedanken und Vorstellungen.“
Seth ging einen Schritt zurück von seinem Vater, der auf ihn zukam „Du bist doch verrückt. Zauberei? Seit wann glaubst du so einen Mist?“
„Das hat nichts mit Magie oder so zu tun, es ist Physik, weißt du wir bestehen aus Atomen, Gedanken bestehen aus Atomen und Strom, alles in uns sind chemische Prozesse und um uns herum sind auch nur chemische Prozesse, es ist schwierig dir zu zeigen, ohne dass es auffällt…“
Seth schüttelte den Kopf „Alle verrückt, alle sind verrückt geworden! Lass mich einfach in Ruhe! Und wenn du mich wieder einsperrst, dann werde ich dich höchst persönlich umbringen, das ist ein Fluch wenn du meinst, aber für mich ist es ein Versprechen, also lass deine Finger von mir.“, stürmte er nach oben.

Er brauchte Stunden um wieder Ordnung in sein Zimmer zu bringen. Die Rose war zertrampelt worden und lag zerstreut überall auf dem Boden verteilt. Er hob den Stil am Ende auf und starrte ihn lange an, ehe er ihn aufs Bett legte, welches er frisch beziehen musste und einschlief. Die Zimmertür war fest abgeschlossen.

Als er aufwachte morgens sah er irritiert auf die Rose die wieder heil auf seinem Nachttisch lag und einen kleinen Zettel mit der Schrift seines Vaters „Wir müssen reden. In aller Ruhe.“ Seth starrte es lange an, ehe er aufstand, seine Sachen nahm, die Tür öffnen wollte, um festzustellen, dass sie noch verschlossen war. Irritiert sah er auf den Zettel, dann wieder auf die Rose, den Schlüssel, den er nun drehte und herauskam.

Sein Vater war wieder unterwegs, seine Stiefmutter war auch nicht im Haus, so dass er sich ein paar Brote machte für die Schule und dann wie so oft den Weg zur Schule nahm, den er immer ging.

Nach den ersten Stunden Mathe hatten sie wieder Kunst. Es ging auf die Sommerferien zu und damit auch der Wechsel in die 10.Stufe, so dass der Lehrer alle Projekte nochmal durchging jedem erzählte was er noch machen musste und dann bei ihm ankam „Ah, Seth, du hattest doch deinen schweren Unfall, wir haben noch eine Vase von dir hinten im Lager, du musst sie noch glasieren für eine Endnote, willst du das die nächsten Stunden tun? Du weißt wo alles steht? Und wen haben wir hier noch auf der Liste, Kevin? Willst du eine 3 noch haben? Wie wärs, wenn du dich mal bemühst ein Stillleben zu zeichnen? Sieh einfach mal wie weit du kommst die nächsten Stunden…“

Seth starrte die lange schmale Vase an, die er im letzten Jahr gemacht hatte, er hatte längst vergessen, dass er sie gemacht hatte. Er brauchte nicht lange überlegen was er darauf malte. Einige japanisch-geartete Muster, dazu fein geschwungene Kanji, die „Familie“ und „Liebe“ bedeuteten. Sein Kunstlehrer lobte ihn wie so oft für seine Kalligraphie und den filigran gemalten Kirschbaum, den er ebenfalls verewigte. Seiner guten Noten stand wie immer nichts entgegen. Bald sollte alles gebrannt werden und dann konnte er wie die anderen in der Klasse auch nur noch Unsinn machen bis zum Ende des Schuljahrs.

„Die ist wirklich schön geworden“, hörte er plötzlich Lina, als er alles abstellte und sah zu ihr, die etwas größer war als er „Ich hab fast vergessen wie gut du in solchen Dingen bist. Sehr zärtlich.“ Seth fragte sich kurz selbst was sie wollte, ehe er sagte „Ich geh jetzt in die Pause.“
„Ich komm mit.“ Es war wohl ein offenes Geheimnis, dass sie wieder getrennt war mit ihrem Freund, der eine Schülerin einer anderen Schule nun als Freundin bezeichnete und Lina nun lieber doch wieder sich an ihre alten Freunde schmiss. Seht gefiel es nicht als zweite Wahl betrachtet zu werden und hörte nur mit halbem Ohr hin, während er sein Brot auspackte und reinbiss. Sie erzählte gerade von ihren Problemen in Mathe, und ob sie wieder zusammen lernen könnten, als sein Magen krampfte und er nur einen Weg wusste, und sich übergab. Er würgte lange Minuten mit Schweißperlen im Gesicht alles heraus was es gab, bis Blut sich dazu mischte und er das zweite Mal in seinem Leben im Krankenwagen fuhr.

Man erzählte ihm etwas davon, dass er wohl Rattengift gegessen hatte. Als sein Vater am Abend zu ihm kam, war wohl die Polizei schon in der Wohnung gewesen und hatte Seths Stiefmutter verhaftet – wegen versuchtem Mord. Seth sah wie sein Vater nachdenklich an seinem  Bett hockte und ihm immer wieder durch das Haar strich. Erst als der Pfleger ihn bat, dass die Nachtruhe doch eingehalten werden sollte, stand er auf, küsste ihn auf die Stirn und ging dann wortlos. Seth fragte sich wie es nun weitergehen sollte.

Zumindest erfuhr er, dass seine Stiefmutter am nächsten Tag wieder auf freiem Fuß war und ihn erwartete 3 Tage später als er aus dem Krankenhaus zurückkam. Sein Vater hatte wohl mit ihr ein ernstes Wort geredet, was Seth aber nicht dran hinderte, dass er sie mied.


In der Schule war es wieder das Thema, dass er vor seiner Freundin gekotzt hatte, die wohl vor Ekel sich auch übergeben hatte, wie 3 andere Mädchen. Man begleitete ihn mit würg Geräuschen durch das ganze Schulgebäude. Seine Freunde meinten, dass er alles nicht so ernst nehmen sollte, aber er fühlte sich ausgeschlossen,  ausgeschlossen aus der Welt, die normal war.

Lina umarmte ihn wenigstens in der Pause und küsste ihn das erste Mal richtig, so dass sein Tag irgendwie doch besser zu werden schien. Der Kunstlehrer präsentierte die Vase der Klasse, fotografierte diese, lobte ihn überschwänglich und versprach ihm eine sehr gute Note auf dem Zeugnis. Seth packte die Vase sorgfältig ein und freute sich schon die Rose in seinem Zimmer dort hineinzustecken. Eine Erinnerung an seine Mutter, dazu eine Vase, die er in der Hoffnung gemacht hatte, dass sie irgendwie wieder eine Familie werden würden.

Er fragte sich, ob seinem Vater die Vase gefallen würde, was er dazu sagen würde, vielleicht würde sein Vater heute ihn aufklären was denn so wichtig war, dass er es ihm erzählen müsste.

Er kam gut gelaunt nach Hause, draußen war es warm, sonnig und der Sommer zeigte langsam was er alles zeigen würde die nächsten Monate, als Seth ins Haus kam und gleich über einen Stock stolperte, der fast unsichtbar mit dem Holzboden verschlungen war. Er fing sich gerade noch ab, um seine Stiefmutter zu hören „Machst du wieder den ganzen Boden dreckig?“, stand sie genau vor ihm und war wie erwartet bewaffnet mit einem Wischmopp, den sie ihm fest gegen den Körper drückte „Mach sauber!“
Seth sah auf den Boden voller Dreck von ihren Schuhen, sie hatte wohl im Garten gearbeitet – oder war durch Hundescheiße gelaufen. Extra.
„Mach es selbst sauber.“, reichte er ihr diesen zurück „Ich habe keine Lust auf deine Schikane heute.“

Vielleicht hätte er ihr nicht den Stock geben dürfen. Aber er hatte nicht damit gerechnet, dass sie so grundlos einfach schreiend diesen auf seinen Kopf schlagen würde. Es ging so schnell, dass er nur seinen Arm heben konnte zum parieren, bevor sie ihre Größe nutzte und weiter auf ihn schlug. Die Schmerzen in den Armen explodierten förmlich, er schrie „Hör auf!“, beinahe ehe der Stab seinen Kopf traf und er Sekunden später in das Putzwasser getränkt wurde „Stirb, stirb doch endlich!“, riss sie ihn immer wieder hoch, während er nach Atem rang, entsetzt versuchte den Eimer umzukippen, was ihm gelang und er sich losriss von ihr, an die Wand flüchtete hockend und entsetzt sah wie sie wieder den Besen nahm „Lass es bitte!“, schrie er, flüchtete sich indem er sich einmal herumdrehte und hörte dann ein leises Klirren als der Besen die Vase in seinem Rucksack zerstörte.

Danach war für ihn alles wie im Rausch. Er spürte gar nicht mehr die Schläge, als er sich umdrehte und den Rucksack öffnete, er wischte fast mühelos ihre Hände zur Seite als er die Vase herausholte und die Scherben in der Hand hielt. Er schrie vor Wut, vor Verzweiflung, Zorn wallte in ihm auf, drohte ihn zu übermannen, was er zuließ. Er war wütend. Sie hatte das zerstört, was er liebte, was er seinem Vater schenken wollte, etwas was ihn an seine Mutter erinnerte. Es war sein Traum von Familie, den sie zertrümmert hatte.

„Warum hast du das getan?“, schrie er und spürte wie die Eingangstür ganz aufriss, Wind hereinstürmte und kühl an seinem Körper zog, Druck baute sich auf als er schreiend auf sie zustürmte und sie nur wieder gellend schrie „Stirb du Bastard!“, ihm den Stock gegen den Körper schlug, er diesen nun auffing und ihn vor ihren Augen zerbrach. Sie stand mit aufgerissen Augen dann da, kalter Wind zerrte an ihrer beider Kleidung, in der Nähe donnerte es gewaltig „Du Teufel! Du bist doch… nicht normal! Deine Augen! Deine Augen! Du hast böse Augen!“, schrie sie und warf panisch alles was nicht fest war auf ihn.
„Es reicht mir endgültig mit dir! Deine Eltern waren noch harmlos, du hättest sterben sollen, du solltest sterben.“
„Deine Mutter hasste dich bestimmt bei der Geburt, deshalb hat sie euch verlassen, und deshalb hat dein Vater versucht dich zu töten. Er hasst dich auch, er hasst alles an dir! Alles!“, schrie sie noch ein letztes Mal.
Seth sagte nichts mehr, er wollte einfach nur noch, dass sie starb, dass sie vor seinen Augen starb! Ein Blitz erfüllte seinen Wunsch fast augenblicklich. Er blendete ihn grell, es roch verbrannt überall. Als er wieder blinzelte, tobte draußen heulend ein Sturm und Donner und Blitz züngelten wie verrückt vor Fenstern und Türen herum, seine Stiefmutter lag vor ihm, die Haut war voller Brandblasen, die Haare schwarz verkohlt. Die Haltung war verkrampft wie sie da auf dem Boden lag.

Seth war erstaunt nicht darüber dass es passiert war, sondern wie es passiert war. Hatte er wirklich die Macht jemanden zu töten? Was war er? Gab es doch einen Gott, der auf ihn hörte? Eine Art moderner Jesus? Nur dass er es nicht wusste?

Seth kicherte leise und konnte es kaum fassen, starrte auf seine Hände, die blutverschmiert waren und mit tiefen Splittern in diesen. Er ignorierte, dass die Gardinen Feuer gefangen hatten nach dem Blitzeinschlag und alles sich schnell weiter verbreitete. Er lachte nur ungläubig, was sollte er sich sonst noch wünschen? Vielleicht ein Eis? Oder seine Mutter hier? Lebendig?

Er starrte zur Tür, wo sein Vater mit nasser Kleidung hereinkam sich umsah und ihn mit entsetzen musterte „Du hattest Recht Vater, ich habe es mir gewünscht und der Himmel gehorchte mir.“
Sein Vater starrte auf ihn ohne Regung, ehe er näher kam und ihm über die zerrissenen Ärmel strich, da wo sein Arm etwas gebrochen merkwürdig verrenkt aussah „Es brennt, wir sollten gehen.“

Seth ließ sich zum Auto führen und blickte dann dorthin, wo das Haus unter tiefen, dunklen Gewitterwolken abbrannte und sein Vater auf dem Fahrersitz saß, ihm versuchte den Arm zu schienen und sonst nichts dazu sagte.
Der Regen prasselte auch noch eine halbe Stunde später leise nieder als die Wolken sich langsam auflösten und Seth schmerzhaft zischend die Desinfektionsmittel spürte jedesmal, wenn sein Vater einen Splitter aus seiner Hand zog, die blutete.


Er blickte zu seinem Vater als dieser plötzlich ihm die Hände fest hielt und wartete, als aus dem Nichts scheinbar 5 dunkle Limousinen herbeikamen, die Schaulustigen und die Feuerwehr wegschickten und alle wortlos gingen. „Das sind die, die uns jagen Seth, sieh sie dir genau an. Man nennt sie Inquisitoren. Eine schwarze Uniform, die weiße Maske, damit niemand sie erkennt von außen.“, flüsterte sein Vater und Seth blinzelte angestrengt durch die Autotür, sie sahen ein wenig aus mit ihren langen dunklen Mänteln wie Aaskrähen, die irgendwas in den Trümmern aufhoben und betrachteten. Einer, der über allem aufragte war genauso gekleidet, er betrachtete das ganze Gebiet. Seth schloss immer die Augen, wenn jener zu ihnen sah, es war als würde dieser alles in ihm sehen. Dieser eine trug allerdings noch einige Waffen mehr als die anderen, schien eine Maske beinahe wie eine Pestmaske zu tragen und schien der Leiter des Einsatzes sein. Irgendjemand brachte ihm gerade etwas „Der, der über allem aufragt, dass ist der Großvater deiner Mutter.“

Seth sah überrascht zu seinem Vater, dann wieder zu dem Mann der ein paar Schulbücher von ihm wohl nahm und ansah.
Er blätterte darin und schien dann 2 dieser Inquisitoren wegzuschicken. „Sie werden jetzt deine Schulkameraden befragen.“, hörte er seinen Vater flüstern, ehe der scheinbar alte Mann wieder in ihre Richtung sah und Seth sich duckte, sein Vater atmete kaum „Warum sucht er uns?“
„Er möchte mich töten und dich einfangen.“
„Fangen?“, fragte Seth und sah zu seinem unbekannten Familienmitglied, der weiterhin Indizien annahm und entweder irgendwo einsteckte oder wegwarf.
„Wie haben sie uns gefunden?“, fragte er weiter.
„Nun, ein Gewitter mit Blitzeinschlag und Hausbrand aus heiterem Himmel ohne Anzeichen eines Regengusses ruft die Sucher auf den Plan. Sie informieren falls sie eine gewisse Formerkraft entdecken die Inquisitoren. Meist sammeln sie Kinder ein, die das erste Mal diese Kräfte entdecken, hier suchen sie mich und dich. Mich, damit sie mich töten können und dich, weil die Familie dich für sich haben will.“
„Ich habe noch Familie mehr?“, fragte er während er beobachtete, wie einige Schulfreunde von ihm fast wie Marionetten zu dem Trümmerhaufen geführt wurden.
„Ja, mütterlicherseits, einen Großvater, einen Großonkel und das übliche…“
Seth sah wie die große Gestalt seine Schulkameraden befragte. Sie wirkte bedrohlich wie ein dunkler Rabe „Papa?“
„Ja?“
„Denkst du nicht, dass meine Klassenkameraden dein Auto erkennen?“, fragte er dann seinen Vater, der aschfahl wurde und er dann den Motor startete, gerade dann als Lina auf das Auto zeigte und Seth fühlte wie die Augen des Raben ihn durchbohrten.

Er fühlte die Beschleunigung seines Vaters in seinen Knochen. Das Auto schien übernatürliche Geschwindigkeit aufzunehmen, so dass er trotz Gurt sich am Griff des Autos festhalten musste. Die Häuser flogen nur an ihnen vorbei, ehe Seth dann einen Ruck spürte, sofort an einen Unfall glaubte, sah wie das Auto auch tatsächlich sich überschlug und schaffte es dennoch als das Auto still stand auf allen 4 Rädern auszusteigen, so wie sein Vater, der seine Hand nahm und ihn über die feuchte Wiese zerrte. Seth sah nur einmal nach hinten, sah 2 Limousinen, die Männer in schwarzen Uniformen und die Blicke, die er fühlte und die durch seine Haut drangen.
Sein Vater schien panisch, den Gesichtsausdruck hatte er noch nie bei ihm erlebt „Komm, Seth, wir müssen weiter, weiter…“
Wohin? Wollte Seth fragen, ließ es aber, weil er den Atem brauchte um durch die feuchten Wälder zu laufen. Wo waren sie? Er kannte das hier nicht, sie schienen meilenweit entfernt von zu Hause zu sein.
Ein dumpfes Geräusch hielt sie aus, Seth hielt sich entsetzt die Ohren zu mit einer Hand, sah wie sein Vater scheinbar gegen eine Wand lief und dagegen schlug panisch, die allerdings merkwürdig glänzte. Er riss während der tiefe Ton seinen Körper durchschüttelte nun seinen Vater durch die glänzenden Wand, die eher unsichtbar war, wie eine Fata Morgana und sah den überraschten Gesichtsausdruck seines Vaters, als er ihn mit durchzerrte.

„Papa, komm schon, komm…“, flehte er „Warum bleibst du stehen?“, sah er mittlerweile, dass die Gestalten näher gekommen waren und nun plötzlich Befehle gebellt wurden und sie losrannten.
Sie rannten so weit sie kamen. Am Ende riss irgendwas seinen Vater herum, der würgend sich den Hals hielt und hinter ihm keine 5 Meter nun ein Schwarzvermummter stand. Der Rabenmann, der Anführer der Gemeinschaft, welcher ein bläulich glänzendes Schwert hielt und dieses nun seinen Vater in den Rücken stechen wollte „Papa! Nein!“, hörte er sich schreien, riss an der Hand seines Vaters, der sich von der unsichtbaren Macht kurzzeitig befreien konnte, das Schwert ihn verfehlte und Seth seinen Vater nun hinter seinen Rücken versteckte. Tränen verschleierten sein Sichtfeld. Wo waren die anderen Gestalten?
„Lasst ihn, lasst ihn in Ruhe. Nicht töten.“
„Geh aus dem Weg, Sethos“, erklang die Stimme die seinen Namen kannte. Sie wusste wer er war. Wie hatte sein Vater gleich gesagt? Der Großvater seiner Mutter? Seth zitterte als das Schwert auf seine Brust gehalten wurde „Toshihito, ich ergebe mich, lasst ihn, bitte, nicht einen Kratzer, füg ihm keinen Kratzer zu, bitte.“, hörte er seinen Vater, der einen Arm Seths beiseite schob und sich vordrängte, auch wenn Seth ihn nie hätte schützen können. Das Schwert glitt von Seth Brust zu seinem Vater „Ergeben? Du wirst auf dem Schafott landen, da wo du hingehörst.“ Seth sah entsetzt zu jenen als aus dem Nichts scheinbar noch eine Art Pfeil herangeflogen kam, seinen Vater treffen wollte und Seth ihn wegriss „Weg Papa!“, schrie er, Blitze schlugen plötzlich aus dem Nichts um ihn herum ein. Der Pfeil traf ihn leicht am Arm und sein Vater verschwand in seinen Armen als sie zu Boden glitten.


Entsetzt sah Seth sich um, hielt sich dann den blutenden Arm und begann zu zittern. Sein Vater war weg, verschwunden, vor ihm standen 3 dunkle Gestalten, die gerade schrien, dass man seinen Vater suchen sollte – sofort – und er auf das Schwert starrte, welches nun unter seinem Kinn lag.
„Aufstehen.“, hörte er die dunkle Stimme wieder die aus den Masken kam.
Seth stand langsam auf und sah sich um. Der Wald war dichter als er wahrgenommen hatte, mittlerweile sahen sich 3 Schwarzgekleidete um, ein vierter kam angerannt.
„Was gibt es?“, hörte er den Anführer unter der Maske sagen.
„Ein Blitz hat Nummer 7 schwer verletzt.“
„Versorgen und wegbringen.“
„Es war während er den Pfeil schoss.“
„Er ist selbst schuld, ich sagte, dass wir ihn lebend wollen. Er hat ihm sogar ermöglicht zu verschwinden.“, erklang die Stimme des Anführers.
Seth hob die Arme als ihn einer durchsuchen wollte und jemand nahm ihm den Schulrucksack vom Rücken ab.
„Wie konnte er verschwinden?“, hörte er einen.
„Wie konnte er die Barriere durchdringen?“, fragte ein anderer „Er scheint während seiner Abwesenheit viel Stärke dazugewonnen zu haben.“
Seth wischte sich mit den Ärmeln die Wangen trocken von den Tränen, die er kaum aufhalten konnte. Er fühlte sich hilflos all dem ausgeliefert.
„Er trägt keine Waffen bei sich.“, erklärte dann jener der ihn durchsucht hatte und der Anführer senkte das erste Mal das Schwert angespannt.
„Er hat nicht mal irgendeine Schwingung.“, bemerkte dann jener der ihn durchsucht hat weiter.
„Das habe ich auch bemerkt. Glaub mir als er geboren wurde, war es ganz anders.“, erklärte jener General, den sein Vater Toshihito genannt hatte. Den er kannte… der höchstwahrscheinlich Seths Groß… nein Urgroßvater war. Seth runzelte nur die Stirn kurz als jener vortrat und mit der Behandschuhten Hand vor seinem Gesicht rumfuchtelte „Das müssen sich die Heiler ansehen, ich spüre unterschwellig etwas.“
„Tatsächlich?“, fuchtelte nun ein anderer vor seinen Augen hin und her.
Seth riss wütend die Hand beiseite „Was soll das. Ich bin 14, ich habe nichts getan und wenn mein Vater irgendwas illegales getan hat, dann könnt ihr tun was ihr wollt, ich bin frei und sicher nicht verpflichtet euch irgendwas zu sagen oder irgendwas zu machen.“, funkelte er jenen an, der auf seiner Brust eine Nummer „4“ schwarz genäht hatte und riss seinen Rucksack dann von der Nummer „2“ hinter ihm weg, der irritiert war nichts mehr in den Händen zu halten.
„Aber…“

Seth schlug auch mit der flachen Hand das Schwert zur Seite, das sein potentieller Verwandter wieder hob „Wenn ihr meinen Vater schon lebend wolltet, dann ist das ja wohl eine leere Drohung.“, ging er dann durch das trockene Laub einige Schritte, spürte Tränen auf den Wangen, die er wieder wegwischte und seine zitternden Hände betrachtete, während er wieder zum Auto ging, das irgendwo in der Richtung liegen musste. Er hörte in der Ferne Donnergrollen und spürte dann auch die leichten Regentropfen durch die dichten Blätter fallen „Scheißtag“, flüsterte er leise und trat gegen ein Stock vor sich, sah dann kurz hinter sich, wo die schwarzen Gestalten sich scheinbar berieten und ging dann schneller weiter, bis er rannte „So ein verdammter Scheißtag!“, schrie er dann gegen den Wind und die nassen Tropfen, was begleitet wurde von einem lauteren Donner und er noch schneller rannte, um dann entsetzt plötzlich gegen einen weitern schwarzen Mann zu prallen, der stehen blieb, während Seth rückwärts auf den Boden aufschlug und kurz benommen ins Blätterwerk sah, um dann wieder aufzustehen langsam und zu sehen, dass nun 6 schwarze Gestalten um ihn herum standen. Davon war einer der General „Ich denke, dass wir dich mitnehmen werden. Du bist jetzt Quasi-Waise.“

Seth sah auf die ausgestreckte Hand und spürte Wut in sich aufsteigen „Quasi-Waise?!“, schrie er gellend und Blitze erleuchteten den Wald, Bäume wurden getroffen und Seth ballte die Hände zu Fäusten „Was habt ihr mit meinem Vater gemacht? Ihr habt mich dazu gemacht! Ihr hättet uns in Ruhe lassen sollen! Wir haben nichts getan!“, schrie er und fühlte wie kalter Wind seine Tränen wegriss von den Wangen. Er fühlte sich klein und hilflos zwischen all den Menschen, denen er nicht ins Gesicht sehen konnte „Komm“, blieb der General stehen, während einige andere sich umsahen und die Umgebung angespannt betrachteten.
Seth zitterte vor Wut „Nein.“
„Du bist trotzig wie ein Kind!“
„Ich bin ein Kind!“, schrie Seth und hörte wieder Blitze einschlagen um sie herum.
„General?“, bemerkte einer dann leise.
„Ich weiß, ich weiß, still“, murmelte nur der General und ließ die Hand ausgestreckt in seine Richtung.
„Du hast Familie, die auf dich wartet.“
„Meine Eltern sind tot oder verschwunden.“, wimmerte Seth, der nun das laute Prasseln des Regens über ihnen aufs Blätterdach hörte.
„Dein Vater ist ein Verbrecher.“
„Er hat mir erzählt, dass ihr den Lügen glaubt. Ist viel einfacher einen zu verurteilen, als den Kopf zu benutzen“, zischte Seth und fühlte den Wind wieder kalt auffrischen.
Der General sah sich nun auch kurz um und schien dann wortlos seine Männer zu beruhigen „Es gibt viele Indizien, ich weiß nicht was dein Vater dir erzählt hat alles, aber alles weist auf ihn hin. Natürlich will kein Vater vor seinem Kind als Mörder dastehen.“
Seth knickte innerlich etwas ein. Er wusste gar nichts, er hatte nur das Wort seines Vaters. Seine Lippen bebten.
„Ich bin dein Urgroßvater. Ich werde dir nichts tun.“
Seth spürte Trotz aufwallen „Wie alt bist du?“, zischte er dann und sah wie jener die Maske abzog. Ein Japaner stand vor ihm, viel größer als er, kräftig, ohne Bart, schwarze Haare, er sah keinen Tag älter als 45 aus.
„Ich bin 78. Wir leben alle etwas länger als normale Menschen, du weißt, dass du nicht normal bist?“, fragte jener ihn und Seth zögerte. Normal war seine Familie nie gewesen. Sein Vater hatte ihn geschlagen, eingesperrt und er schien irgendwie, wenn er wütend war, Flüche aussprechen, die sich erfüllten.
„Worüber denkst du nach?“, fragte jener weiter und wirkte ohne Maske nun etwas menschlicher „Du weißt doch, dass du ein Former bist?“
Seth leckte sich nervös über die Lippen, sein Vater hatte mal den Begriff erwähnt „Diese Zauberersache?“, fragte er vorsichtig und sah Unglauben im Gesicht seines Gegenübers „Man nennt es Formen, man zaubert nicht. Es ist wissenschaftlich erklärbar, wir sind keine Spinner, wir… dein Vater hat dir nichts erzählt.“, stellte er dann fest als Seth nur einen Augenbrauen skeptisch anhob. Das waren erwachsene Männer und man erzählte ihm etwas über Zauberei? Wäre die Situation nicht so tragisch, hätte er lachen wollen.
Dass seine Stiefmutter vom Blitz getroffen wurde war wohl eher, wenn er darüber nachdachte, mehr Zufall gewesen. Solche punktartige Gewitter gab es sicher, und es gab auch sicher Erklärungen dafür.

„Sethos? Was hat dein Vater dir überhaupt erzählt? Machst du Formübungen? Machst du irgendwelche Übungen?“ Seth musste nun doch kurz grinsen „Diesen Mist glaubt ihr tatsächlich, ich mach mich ja nicht über eure Religion lustig, aber es gibt für alles wissenschaftliche Erklärungen, was ist das hier für eine Sekte?“, fragte er spöttisch.
Man sah sich gegenseitig an und sein Urgroßvater streckte die Hand nun gegen ihn aus „Spring“, hörte er dann von jenem und Seth starrte wütend zu ihm als er das hörte. Er würde nicht springen, nur weil er das sagte und er anfangs es sogar wollte.
„Autosuggestion?“, fragte er dann seinen Urgroßvater skeptisch „Darauf fallen nur Kleingeister rein.“
„Spring!“, donnerte es nun laut in seinem Kopf hallte es ständig wieder, alles in ihm drängte danach zu springen, aber die Blöße wollte er sich nicht geben. Wütend biss er sich die Lippen blutig und funkelte dann seinen Urgroßvater an „Los spring doch selbst!“, wünschte er sich, dass hier sich jemand die Blöße gab und sah wie Nummer 4 nun sprang. Seth lachte laut „Das soll ein Beweis sein?“

Stille war im Wald, während sein Lachen laut widerhallte und Seth sich den Rucksack nun fester hielt „Ich geh jetzt nach Hause und suche erstmal meine Sachen zusammen, dann melde ich mich bei der Polizei, dann werde ich vom Jugendamt betreut und werde mit euch merkwürdigen Gestalten hoffentlich nie wieder etwas zu tun haben.“

Seth versuchte sich nun durch jene zu drängen und prallte gegen irgendeine Wand, die er nicht wirklich sah, aber ertasten konnte. Irritiert befühlte er diese und sah dann das Glänzen dieser, strich mit einem Finger da entlang und öffnete diese dann dort entlang wie einen Vorhang „Nette Tricks“, erklärte er dann als er sich umsah „Aber es gibt bei jedem Trick irgendwas was man durchschauen kann.“

Sein Urgroßvater setzte die Maske nun wieder auf und folgte ihm langsam in gleichen Abständen, bis er zum Auto kam, wo Seth das Handschuhfach durchforstete und sich auf den Beifahrersitz setzte, das Handy herausnahm und erstmal herausfinden wollte, wo er war, um dann irritiert auszusteigen und sich umzusehen „Norwegen“, hörte er dann den General der neben dem Auto stand „Aus Deutschland nach Norwegen in 3 Minuten? Wie erklärst du das?“
„Habt ihr mein Handy manipuliert?“, fragte Seth nervös.
„Ich bringe dich zu deinem alten Zuhause, unversehrt, versprochen, du kannst dann dort nach Sachen suchen die du willst. Versprochen“, beschwor er ihn und Seth nickte dann nach langem zögern „Wenn ihr mich entführt, dann melde ich das sofort der Polizei“, wies er auf sein Handy.
Sein Urgroßvater hob nur beschwichtigend die Hände.

Die Fahrt dauerte tatsächlich nur 3 Minuten. Um ihn herum flogen bunte Bilder in den Fenstern vorbei, sein Handy hatte kein Empfang und um ihn herum saßen alle weiterhin maskiert.


„Habt ihr ihn?“, wurde sein Urgroßvater begrüßt, als sie dort ankamen und Seth sah als er ausstieg noch immer seine Freunde da stehen, sie wirkten hypnotisiert als er näher ging. Sie erkannten ihn nicht, grüßten ihn nicht.
„Ist das sein Sohn? Wir haben noch einige Unterlagen gefunden und im Keller das hier.“
„Kupferfesseln? Sogar für den Hals? Wie in den anderen Häusern…“, hörte er leise die Stimme des Generals, schnippte dann vor den Augen seiner Freunde und ging dann kopfschüttelnd ins Haus. Hypnose sollte man nicht unterschätzen. Es war vieles abgebrannt, nichts wirklich stand noch aufrecht.
„Was hat er damit gemacht?“
„Wahrscheinlich Gefangene gehalten, gefoltert…“, hörte er weiterhin zu, während er die Trümmer wegriss im Wohnzimmer.
„Ist das sein Sohn? Er sieht ihm sehr ähnlich. Hat er keine Formkräfte?“
„Sie werden stark unterdrückt, habt ihr schon DNA-Proben genommen von den Fesseln?“
„Ja, unbekannte DNA, zumindest keine von irgendeinem von uns.“
„Probiert es hier mit.“
„Was ist das?“
„Die DNA seines Sohnes.“
„Er wird doch nicht seinen Sohn.“
„Überprüfen.“

Seth sah zurück zu den Männern, die dort 20 Meter weit weg standen und trat dann die Asche weg bei einem Schrank, öffnete dieses und nahm einen Whisky heraus, den sein Vater selten getrunken hatte. Lange sah er ihn an, ehe er diesen in den Rucksack packte. Niemandem sollte er vertrauen, hatte sein Vater gesagt. Wenn er nicht mehr da wäre. Seth durchsuchte weiter die persönlichen Sachen seines Vaters und hörte dann.
„Die Blutspuren sind mit der DNA kompatibel.“
„Hat er seinen eigenen Sohn damit gefoltert?“, hörte Seth leise.
„Wohl die einzige Möglichkeit für ihn, dass sie nie gefunden werden.“
„Aber Kupfer, das ist…“
„Er belauscht uns.“
„Er ist viel zu weit weg.“, hörte er dann und sah sich um zu jenen, deren Masken alle in seine Richtung sahen.
„Man muss sehen, was sein Vater mit ihm gemacht hat. Er braucht vielleicht psychologische Unterstützung. Es läuft bei ihm fast ab wie normales Atmen. So etwas habe ich nie gesehen. Er lauscht, und weiß nicht mal, dass er den Wind formt.“, sein Urgroßvater winkte zu ihm und Seth drehte sich wütend um „Ich weiß nicht was ihr mir einreden wollt, und es ist mir egal.“, flüsterte er dann und machte sich die Holztreppen hoch hinauf in sein Zimmer. Er hoffte, dass unter ihm nicht alles zusammenbrach.
„Er hört uns tatsächlich, richtig?“
„Jedes Wort.“
„In seinem Alter, ohne Training.“
„Wir werden herausfinden wie.“
„Er hat auch Gene aus den stärksten Familien.“
„Ja, aber das ist selbst für mich nicht zu fassen.“
„Wie gehen wir jetzt weiter vor?“
„Wir sollten das in Gedanken besprechen.“

Seth hörte danach nichts mehr und brach fast durch den Boden an einer Stelle, um sich schnell wieder aufzurichten und in sein Zimmer zu gelangen. Die Rose lag fast unversehrt unter dem Kissen, welches verbrannt und durchnässt war. Sanft strich Seth über diese und trug sie dann wieder nach unten. Die Bruchstücke der Vase nahm er wieder auf und sah dann zur verkohlten Leiche seiner Stiefmutter, die er nicht beachtet hatte. Lange starrte er sie an und erschrak als sein Urgroßvater ihm eine Hand auf die Schulter legte „Hast du alles? Ist das deine Stiefmutter gewesen? Wie starb sie?“
„Sie starb durch einen Blitz, wenn du wirklich zaubern kannst, kannst du die Vase wieder reparieren?“, fragte er jenen mit der weißen Maske, der die Scherben in seine Hände nahm kurz wiegte und Seth die Augen aufriss als vor seinen Augen diese in die Luft flogen, sich neu einordneten und sogar noch Scherben vom Boden dazu kamen, die alle die Vase neu bildeten. Sie hatte nicht einen Kratzer als diese in den Händen seines Urgroßvaters lag. Seth zitterte als er diese leicht berührte und zog dann die Hand wieder zurück.
„Eine schöne Vase, wo habt ihr sie her? Japan?“
„Ich hab sie selbst gemacht, sie steht für meine Mutter und meinen Vater. Für uns als Familie.“
„Du hast die Kanji geschrieben? Eine sehr schöne Schrift.“
„Du schleimst dich nur ein.“, zögerte Seth die Vase wieder zu berühren. „Natürlich, wie ist sie kaputt gegangen.“
Seth sah zur Toten und dann wieder auf seine Hände, die noch voller Splitter waren vom Kampf.
„Sie hat dich angegriffen?“, hörte er dann und sah erstaunt hoch in die weiße Maske.
„Woher ich das weiß? Ab und zu kann man wenigstens deine Gedanken lesen, ganz flüchtig.“
Seth versuchte das mit Konzentration zu verhindern „Scheinbar bist du in manchen Dingen doch geübt. Ich würde dir gerne deinen Großvater vorstellen, danach kannst du wieder entscheiden, ob du lieber hier weiter leben willst oder bei uns. Wir werden uns auch um die Beerdigung deiner Stiefmutter kümmern, wenn…“
Seth trat gegen die Ascheknochen, die nun zerfielen „Sie wollte schon immer in den Himmel, so hat sie wenigstens etwas die Chance dazu wegzuschweben dahin.“

Sein Urgroßvater starrte ihm irritiert nach und folgte ihm dann „Ihr hattet kein gutes Verhältnis?“
„Lies doch meine Gedanken?!“, forderte Seth ihn auf, während er aus dem Haus spazierte.
„Du bist da leider zu gut drin diese zu schützen.“


Seth ging zu seinen Freunden, die dort standen und betrachtete sie etwas nachdenklich, ehe er Lina vorsichtig streichelte und keine Regung bemerkte. Es war eh alles nicht mehr so schön gewesen. Zweite Wahl zu sein fühlte sich mies an.
„Wir haben aus dem Krankenhaus und vom Polizeirevier alle Akten erhalten zu der Familie“, kam plötzlich eine Nummer 9 heran und reichte diese seinem Urgroßvater. Seth drehte sich entsetzt um und wollte danach greifen, sein Urgroßvater steckte diese aber sofort weg und musterte ihn dann.
„Was möchtest du verstecken?“
„Er wurde einmal schwer misshandelt vor wenigen Monaten. Schwere Verbrennungen an Hand- und Fußgelenken, sowie am Hals, sowie Fesselspuren an den selben Stellen. Ein schweres Schädeltrauma, gebrochenes Bein, mehrfach. Man sagte nicht mehr dazu. Er lag 3 Wochen im Koma.“, berichtete Nummer 8 und Seth starrte jenen an.
„Hat dir dein Vater das angetan?“
Seth schluckte grob. Es war wohl eher seine Stiefmutter gewesen.
„Und das ist die Schulakte“, reichte Nummer 8 noch seinem Urgroßvater, der diese durchblätterte „Du weißt, dass es nicht normal ist was dein Vater dir angetan hat? Du willst es nur nicht wahrhaben, dass dein Vater schlimmes getan hat. Du hattest nur ihn, natürlich willst du ihn schützen. Wie war es in Fesseln zu liegen?“
Seth spürte wie sich Tränen in seine Augen drängten, die er wegdrückte und wegsah „Das ist nicht normal, richtig.“, hörte er seinen Urgroßvater.
„Er hat es nur getan, wenn ich die Beherrschung verloren habe.“
„Findest du das eine angemessene Bestrafung?“
Seth schwieg lieber „Deine Noten sind herausragend, in jedem Fach. Wie zu erwarten war. Du hast Kendo Dans erreicht? Was machst du sonst noch im Kampfsport?“
Seth ballte die Fäuste wieder und spürte die Schmerzen nun deutlich, als Blut aus den Wunden in der Hand sickerte. „Wir sollten das verarzten, kommst du mit?“
Er ging ohne Widerstand zum Auto, ignorierte, dass sie scheinbar nicht zur nächsten Polizeiwache fuhren und ließ sich von einer Nummer 3 die Hand verarzten, die unter dessen Berührung scheinbar sogar abheilte.
Sein Urgroßvater studierte die Akten alle sorgfältig und sah erst wieder auf als sie anhielten.
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