Kinder der Finsternis

von Baerin21
GeschichteDrama, Romanze / P18
Alecto Carrow Amycus Carrow Fenrir Greyback Neville Longbottom OC (Own Character) Scabior
02.09.2019
15.10.2019
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Scabior und Emeralda sahen sich sekundenlang tief in die Augen. Der Schülerin stand ein unsagbarer Hass in den Augen, dem Lehrer eine eisige Kälte. Ausgenommen von dem blonden Gör, dass eben noch gegen ein rasendes Buch anzukämpfen hatte und nun leise Schluchzer von sich gab, waren alle still und warteten mit einer Mischung aus Anspannung, bösen Vorahnungen und unterschwelliger Neugierde ab, was geschehen würde. Würde die kleine Graham ihn so verächtlich angucken, wie sie es ansonsten tat, wäre Scabior schon der Kragen geplatzt. Doch ihre Augen drückten nichts als blanken Hass aus und mit dem kam er besser klar als mit ihrer Arroganz.

„Du willst mich also angreifen“, lauteten Scabiors erste Worte, während er sie mit einem kühlen Blick durchbohrte.

„Ich wollte meine Mitschülerin verteidigen“, entgegnete sie. Ihre Stimme zitterte vor Wut, sie hatte ihre Fäuste geballt.  

„Aha. Also bist du mit meiner erzieherischen Maßnahme nicht einverstanden.“

„Nein, das bin ich nicht. Und das, was Sie den Schülern antun, hat nichts mit Erziehung zu tun“, erwiderte sie laut und deutlich, woraufhin ihre Mitschüler den Atem anhielten. Auch Scabior war über ihre offenkundige Kritik überrascht. Auch wenn er dem dicken Carrow nicht abkaufte, dass sie sich über ihn und seinen Unterricht lustig gemacht hatte, wusste er instinktiv, dass sie ein freches Stück war. Amycus hatte lediglich nicht die Eier, das Küken der Adelsfamilie zu bestrafen und hoffte darauf, dass es Scabior für ihn tat. Für Scabior war es nicht schwer gewesen, die eigentlichen Absichten dieses Volltrottels zu durchschauen. Dass er die Graham nun wie ein aggressives Raubtier fixierte, hatte jedoch nichts damit zu tun, dass er dem geistlosen, feigen Todesser einen Gefallen tun wollte.

„Ach ja? Wie würdest du das denn bezeichnen?“, fragte Scabior mit schneidender Stimme.

„Es ist einfach nur grausam“, sagte sie und allmählich gesellte sich zu dem Hass auf ihrem Gesicht ihre gewohnte Verächtlichkeit. Der Greifer richtete seinen Zauberstab auf sie und erzeugte eine magische Druckwelle, die sie haltlos einige Meter zurück, gegen die harte Mauerwand warf. Bei dem Aufprall gab sie ein schmerzerfülltes Stöhnen von sich und sackte dann auf den Fußboden.

„Es geht mir am Arsch vorbei, ob ihr meine Art zu unterrichten grausam, super, zauberhaft oder sonst irgendwas findet. Ich empfinde sie als effektiv und notwendig und dass ist in diesem Raum das einzige, was zählt. Gewöhnt euch dran. Und Ms Graham“, zischte er, wartete, bis diese mit sichtlichen Schmerzen ihren finsteren Blick angehoben hatte und sprach dann weiter:

„Morgen haben Sie Nachsitzen. Spätestens dann werden Sie erfahren, was Grausamkeit ist.“

Ihm fiel erst nach seiner Aussage auf, dass er sie respektvoll gesiezt hatte und ein wenig ärgerte er sich darüber. Doch der Gedanke, dass er sie bereits morgen spüren lassen würde, wie wenig Respekt er vor der hochnäsigen Schnepfe hatte, stimmte ihn wieder milde. Mühsam rappelte sich das Mädchen auf und taumelte zu ihrer Sitzbank. Seinen Blick erwiderte sie nicht mehr, sie hielt ihren Kopf gesenkt. Vielleicht heulte sie ja und wollte nicht, dass ihr boshafter Lehrer es sah? Es war Scabior egal. Er wendete sich dem nächsten Schüler zu und setzte seine Überprüfung fort.

***


„Hey Emmy“, begrüßte Neville die Slytherin nach dem Abendessen, als diese wie verabredet auf ihn zukam. Seine Miene war mitleidig verzogen und sie verdrehte sichtlich gereizt ihre Augen. Solche Blicke begleiteten sie schon den gesamten Tag. Selbst ihren verhassten Mitschülern schien sie Leid zu tun, was vielleicht auch daran lag, dass sie Scabior stellvertretend für die Schüler die Stirn geboten hatte. Und Samantha brach jedes Mal vor Schuldbewusstsein fast in Tränen aus, wenn ihre Freundin wegen ihres lädierten Rückens schmerzerfüllt aufstöhnte. Doch Emeralda hasste Mitleid. Es machte nichts besser und nebenbei kränkte es auch noch ihren Stolz.

„Wehe, du fragst mich, ob bei mir alles okay ist“, sagte sie also präventiv und der Gryffindor schüttelte rasch seinen Kopf.

„Nein, würde ich nie tun.“

Ihr grimmiger Blick wurde zu einem freundschaftlichen Grinsen, welches Neville etwas unsicher erwiderte.

„Wo können wir ungestört reden?“, fragte er und sie tippte sich grüblerisch an ihre Unterlippe.

„Die Bibliothek?“

„Nein, da schieben manchmal die Carrows Wache. Bei der buckligen Hexe?“

„Filch“, schüttelte Emeralda ihren Kopf. Nach kurzem Grübeln ging ihr ein Licht auf.

„Ich weiß, wo. Komm mit“, sagte sie und setzte sich in Bewegung, ohne Nevilles Antwort abzuwarten. Ohne irgendwelche Proteste fallen zu lassen, folgte er ihr und gemeinsam betraten sie das Treppenhaus und stiegen in den zweiten Stock. Während sie zügig den mit Fackeln erhellten Gang entlang gingen und dabei den Unterrichtsraum für Geschichte der Zauberei passierten, sahen sie sich immer wieder hektisch um. Doch sie waren allein. Ein Großteil der Schüler befand sich in der Halle, der Rest in ihren Gemeinschaftsräumen und die Carrows und der Hausmeister Filch patrouillierten wohl in einem anderen Teil des Schlosses. Emeralda gelangte beim Pokalzimmer an, stieß jedoch die unscheinbare, alte Tür direkt daneben auf. Wie immer war sie unverschlossen und zusammen betraten sie die kleine Gerümpelkammer, in der allerlei altes, verstaubtes Mobiliar gelagert wurde.

„Incendio“, murmelte Emeralda, um ein kleines Feuer in einer herumstehenden Feuerschale zu errichten. Mittlerweile war der Spätsommer in den Herbst übergegangen, was sich nicht nur an den dem bunten Laub und den immer kahler werdenden Baumkronen bemerkbar machte, sondern auch an den Temperaturen innerhalb der zugigen Schlossgänge. In Räumen ohne Kamin fror man sich geradezu den Hintern ab. Emeralda nahm auf einem staubigen, alten Sofa Platz und kramte sich eine Schachtel Zigaretten vor.

„Ich dachte, du hättest aufgehört“, meinte Neville und setzte sich neben sie. Tatsächlich hatte sie am Ende des letzten Schuljahres einen Schlussstrich mit dieser lästigen Angewohnheit ziehen wollen, der sie nun schon seit dem vierten Jahrgang nachging. Doch je länger sie sich mit beängstigenden Kreaturen wie den Carrows und Scabior umgeben musste, desto stärker wurde ihr Verlangen nach Zigaretten. So hatte sie beschlossen, sich wenigstens hin und wieder eine zu gönnen und das tat sie entweder hier oder nach Schulschluss hinter dem Gewächshaus.

„Wenn ich nicht wenigstens ein Laster habe, fallen mir hier noch alle Haare aus“, erwiderte Emeralda und inhalierte genießerisch den Rauch, der eine beruhigende Wirkung auf sie hatte.

„Vielleicht sollte ich auch anfangen?“, meinte Neville und die Slytherin hielt ihm auffordernd die Zigarettenschachtel unter die Nase.

„Nur zu.“

Tatsächlich überlegte er, schüttelte letztendlich jedoch den Kopf.

„Nein. Ich bleibe besser doch bei meinem Schnuckelkram.“

„Ist auch gesünder. Zwar nicht wesentlich und erst recht nicht für die Zähne, aber zumindest ein bisschen“, erwiderte Emeralda und die beiden grinsten sich kurz an. Danach wurden ihre Mienen ernst, denn ihr Treffen hatte immerhin einen ernsthaften Hintergrund.

„Was machen wir wegen Flitwick? Wenn der nicht bald wieder kommt, werden sich die ersten Schüler vom Eulenturm schmeißen“, meinte Neville.

Emeraldas Gedanken wanderten kurz zu Scabior und ihre Miene verfinsterte sich zusehends. Doch bevor sie die Angst vor dem morgigen Tag packen konnte, richtete sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf das Wesentliche.

„Wir müssen ihn suchen. Entweder wir finden ihn hier oder wir können zumindest ausschließen, dass er sich noch in Hogwarts befindet.“

„Aber wo? Hogwarts ist riesig.“

„Naja, wir klappern nach und nach alles ab. Die Kerker, die Stockwerke, den großen See, den verbotenen Wald und so weiter.“

„Mal abgesehen davon, dass das ewig dauern wird, bringen uns die Carrows um, wenn sie uns dabei erwischen. Es bleibt auch die Frage, wann wir suchen wollen. Wann haben wir schon Zeit für sowas, wenn wir drei Stunden nach Unterrichtsschluss schon in den Gemeinschaftsräumen sein müssen?“

„Natürlich wird das alles schwierig, aber es muss eben gemacht werden. Von Jammern ist nämlich noch nie etwas passiert“, erwiderte Emeralda energisch und kniff etwas die Augen zusammen, als sie an ihrer Zigarette zog. Neville schien nicht gerade glücklich, stimmte ihr aber zu. Er seufzte leise und sagte:

„Auf alle Fälle brauchen wir jede Menge Helfer. Mit genug Helfern sind wir vielleicht doch in zehn Jahren mit dem Schlossgebäude durch und können uns den Ländereien zuwenden.“

„Sei doch nicht so pessimistisch.“

„Ja, schon gut. Kennst du Leute, die da mitmachen würden?“, fragte Neville und Emeralda grinste etwas belustigt.

„Ich glaube, so ziemlich jeder will, dass Professor Flitwick wieder auftaucht. Aber kaum einer hat die Eier, die Carrows und ihre ganzen Schulregeln zu hintergehen und nach ihm zu suchen. Samantha ist allerdings auf jeden Fall dabei. Kannst du ein paar Gryffindors mobilisieren?“

Neville zögerte etwas, bevor er nickte.

„Ja, ein paar wird es schon geben. Mir fallen spontan auch noch ein paar andere ein, die bei der Suche helfen würden.“

„Dumbledores Armee?“, hakte Emeralda nach, die immer noch einen Stich im Herzen verspürte, wenn sie an die Gruppe aus Schülern dachte, die Harry Potter einst ins Leben gerufen hatte. Gemeinsam und ohne das Mitwissen der Lehrer hatten sie sich beigebracht, wie man sich gegen schwarze Magie zur Wehr setzte. Harry Potter hatte sie auf den Aufstieg von Voldemort und seinen Gefolgsleuten vorbereitet. Emeralda wurde von Neville und Ginny gefragt, ob sie bei Dumbledores Armee mitmachen wollte, doch nach reiflichen Überlegungen hatte sie schließlich abgelehnt. Das war wohl der feigste Moment in ihrem bisherigen Leben gewesen, denn der Grund für ihre Absage war die Angst davor, erwischt zu werden und sich vor ihren Großeltern erklären zu müssen. Außerdem wäre sie die einzige Slytherin und noch dazu die Nachkommin einer schwarzmagischen, angesehenen Familie. Niemand hätte Verständnis dafür, dass gerade sie teilnehmen durfte. Keiner hätte ihr so richtig vertraut und vermutlich wäre sie der Grund gewesen, dass einige Schüler doch absprangen. Dennoch bereute sie ihre damalige Entscheidung sehr und hatte sich geschworen, nie wieder ihre Großeltern bei so etwas zu berücksichtigen.

„Ja. Ein paar von denen machen bestimmt mit“, antwortete Neville, während er grüblerisch in die zuckenden Flammen der Feuerschale sah.

„Dann lass uns jetzt einen Schlachtplan machen. Wer wo sucht und zu welchen Uhrzeiten die Suche stattfindet“, schlug Emeralda vor und drückte ihre Zigarette achtlos auf dem Boden aus. Sie blickte sich in dem chaotischen, kleinen Raum um und suchte sich letztendlich einen alten Fetzen Pergament und eine Schreibfeder, die sie vorm Benutzen mit einem Zauber richten musste, zusammen. Gemeinsam erstellten sie so etwas wie einen Stundenplan, was einige Zeit in Anspruch nahm. Immerhin mussten sie insbesondere die Carrows und ihre verfrühte Sperrstunden berücksichtigen. Schließlich hielt Emeralda ein vollgekritzeltes Pergamentblatt in der Hand und richtete ihren Zauberstab darauf.

„Geminio“, sagte sie und zauberte damit ein Duplikat, das sie Neville aushändigte. Die beiden tauschten einen entschlossenen Blick, dann zündete sich Emeralda eine letzte Zigarette an, bevor sie den stickigen Abstellraum wieder verließen.

„Was ist eigentlich mit Harry Potter?“, fragte Emeralda leise und der Gryffindor zuckte mit den Schultern.

„Er sucht mit Ron und Hermine nach einem Weg, Voldemort zu besiegen, schätze ich.“

„Sicher? Vielleicht rennen sie auch nur vor ihm davon“, entgegnete Emeralda, die wenig Sympathie für die drei Gryffindors empfand. So mutig, schlau und begabt sie auch sein mochten – auch sie waren Menschen, die sie, ohne jemals mit ihr ein Wort gewechselt zu haben, verurteilt hatten. Mit Sicherheit waren sie auch ein Grund dafür, dass sich Emeralda gegen Dumbledores Armee entschieden hatte. Neville und Ginny hätten Harry Potter erst überreden müssen, bevor sie der Gruppe beitreten durfte und für so etwas war Emeralda zu stolz.

„Nein, sie rennen nicht weg. Würdest du sie kennen, dann würdest du sowas gar nicht in Betracht ziehen“, erwiderte Neville etwas schroff und Emeralda schnaubte belustigt.

„Harry Potter hängt doch nicht mit einer Slytherin ab. Wie hätte ich ihn da kennenlernen sollen?“

„Emmy, du denkst immer, dass alle Gryffindors dich meiden, weil du im Haus Slytherin bist und deine Familie… nun ja, du weißt schon. Aber die meisten wollen bloß nichts mit dir zu tun haben, weil du auf den ersten Blick, verzeih mir bitte die Direktheit, ein echt arrogantes Miststück bist.“

Emeralda fiel vor Schreck fast die Zigarette aus der Hand. Mit gerunzelter Stirn betrachtete sie den sonst so freundlichen Neville. Dieser grinste sie entschuldigend an. Tatsächlich hatte sie weniger daran geglaubt, dass die Gryffindors sie nicht mochten, weil sie schlicht und ergreifend scheiße zu ihnen war. Sie hatte geglaubt, dass sie damals die ersten gewesen wären, die eine Bekanntschaft oder Freundschaft von vornherein abgelehnt hatten. Scheinbar war es doch Emeraldas Verschulden.

„Kaum zu glauben, dass ich solche Komplexe habe“, murmelte sie und brachte Neville damit zum Lachen. Sie schnipste ihre Zigarette in die Feuerschale und erlosch diese im Anschluss. Dann machte sie sich mit Neville zusammen auf den Rückweg.


***



„Und? Was hast du mit Neville abgesprochen?“, raunte Samantha ihr zu, sobald sie sich zu ihr an den Tisch gesetzt hatte. Der Gemeinschaftsraum der Slytherin war fast leer, nur noch wenige hielten sich auf den Sofas vor dem Kamin auf. Emeralda fiel erst jetzt auf, dass sie sich zum zweiten Mal nach der offiziellen Nachtruhe in den Gängen herumgeschlichen hatte. Sie hoffte, dass Neville auf dem Weg in den Gemeinschaftsraum der Gryffindors nicht von den Carrows erwischt wurde.

„Naja, wir tun’s. Wir werden nach Flitwick suchen“, erwiderte Emeralda leise, nachdem sie sich nach potentiellen Zuhörern umgesehen und keine gefunden hatte.

„Wir drei alleine?“, fragte ihre Freundin skeptisch.

„Hoffentlich nicht. Er wird noch ein paar Leute fragen, die eventuell mitmachen werden“, sagte die Brünette und legte Samantha das Pergamentblatt vor die Nase, auf dem sich im Laufe der beiden Stunden, die sie mit Neville in der Abstellkammer verbracht hatten, einige Notizen angesammelt hatten. Die Blonde schob ihre Hausaufgaben beiseite und las es sich konzentriert durch.

„Schichtarbeit nach Schulschluss“, lautete ihr Urteil und Emeralda nickte zustimmend.

„Wenn wir genug Leute zusammen haben, werden wir hoffentlich nicht allzu lange damit beschäftigt sein.“

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“, erwiderte Samantha trocken und Emeralda verdrehte die Augen über den Pessimismus ihrer Freundin, sagte jedoch nichts. Stattdessen erhob sie sich, um ihre Schulsachen aus dem Schlafsaal der Mädchen zu holen. Sie hatte noch ein gutes Stück an Hausaufgaben vor sich und wollte das nicht vor sich herschieben, auch wenn das Wochenende gerade erst angebrochen war. Die Gespräche ihrer Mitschülerinnen verstummten, als sie den Schlafsaal betrat. Argwöhnische, finstere Blicke begleiteten sie auf dem Weg zu ihrer Schultasche, die sie nach Unterrichtsschluss achtlos unter ihr Bett geschoben hatte.

„Na? Freust du dich schon aufs Nachsitzen?“, fragte Parkinson mit unüberhörbarer Gehässigkeit. Emeralda warf ihr bloß einen beiläufigen Blick zu.

„Tja, ich würde dir ja davon erzählen, aber für gewöhnlich rede ich nicht mit unterbelichteten Hackfressen.“

„Hoffentlich verpasst dir dieser Scabior eine ordentliche Abreibung!“, zischte die Schwarzhaarige sogleich, doch wurde zu Emeraldas Überraschung von einer Schülerin namens Nancy zurechtgewiesen.

„Halt die Klappe, Pansy! Darüber macht man keine Witze!“

Man konnte nicht sagen, ob Parkinson oder Emeralda die rotblonde Slytherin entgeisterter ansah. Noch nie hatte jemand für Emeralda Partei ergriffen und warum sich das in diesem Augenblick geändert hatte, konnte sie nur erahnen. Emeralda sah verwirrt in die Gesichter ihrer Mitschülerinnen, fand dort zwar kein Mitleid, aber so etwas wie Häme oder Feindseligkeit auch nicht. Alle bis auf Parkinson blickten sie bedrückt an, so als rechneten sie damit, dass Emeralda morgen sterben würde. Die Brünette war mit dieser nie dagewesenen Situation etwas überfordert. Sie schnappte sich ihr Schulzeug und verließ wortlos den Mädchenschlafsaal. Auf dem Weg zu ihrer Freundin schüttelte sie verdattert ihren Kopf.

„Die Mädchen benehmen sich eigenartig“, war das erste, was sie zu Samantha sagte, als sie sich zu ihr gesetzt hatte.

„Normalzustand?“, murmelte sie, vertieft in ihr Buch über Zaubertränke.

„Eigenartiger als sonst.“

„Was machen sie denn? Versuchen sie, mit ihrem Hintern Fliegen zu fangen?“

Bei der bildhaften Vorstellung huschte Emeralda ein belustigtes Grinsen über die Lippen.

„Nancy hat mich vor Parkinson verteidigt, als die darum gestänkert hat.“

„Achso, das meinst du. Obwohl du eine hochnäsige Schlampe bist, tust du ihnen leid. So ihre Worte“, sagte Samantha und Emeraldas kurze Überraschung ging in Wut über. Mitleid! Sie brauchte kein Mitleid und erst recht nicht von diesen hirnverbrannten Rindviechern!

„Toll, davon kann ich mir auch nichts kaufen. Am liebsten würde ich diesem Scabior seinen Scheißkopf abreißen. Dann hat er das Mitleid auf seiner Seite“, zischte sie gereizt, worauf Samantha nicht reagierte. Sie wusste nicht, wie sie mit ihrer Freundin umgehen sollte, denn das Mitleid, was diese so hasste, verspürte auch Samantha. Innerlich gab sie sich die Schuld dafür, dass Emeralda bei diesem Monster nachsitzen musste. Sie wollte sich nicht vorstellen, was Scabior ihr antun würde.

„Wann musst du morgen zu ihm?“, fragte sie leise.

„Um 15 Uhr“, sagte Emeralda betont gleichgültig. Sie schlug ihr Schulbuch für Verwandlung auf und sah ihre Freundin nicht an.

„Also kommst du nicht mit nach Hogsmeade?“

„Nein, wie es aussieht wohl nicht. Mein Samstag ist gelaufen.“

„Das tut mir…“

„Lass das doch bitte endlich!“, unterbrach Emeralda die Entschuldigung ihrer Freundin so scharf, dass sich ein paar Köpfe ihrer Mitschüler neugierig zu ihr umdrehten. Samantha starrte die Brünette erschrocken an, sah neben ihrer Wut allerdings auch so etwas wie Hilflosigkeit in ihren blauen Augen. Und erst jetzt registrierte Samantha, wie groß die Angst von der sonst so unerschrockenen Emeralda Graham war. Egal, wie furchtlos und gelassen sie sich den ganzen Tag schon gegeben hatte, vor dem morgigen Nachmittag bei Scabior empfand sie eine Heidenangst.
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