Kinder der Finsternis

von Baerin21
GeschichteDrama, Romanze / P18
Alecto Carrow Amycus Carrow Fenrir Greyback Neville Longbottom OC (Own Character) Scabior
02.09.2019
18.10.2019
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Nachdem Greyback Scabior am Samstagnachmittag für eine Jagd auf einen Unerwünschten mit besonders hohem Kopfgeld geholt hatte, kehrte der unfreiwillige Lehrer Sonntagabend wieder nach Hogwarts zurück. Zwar hatte es nicht so lange gedauert, bis sie Caspar Norris, den besagten Unerwünschten, gefunden hatten, doch es hatte ihm gut getan, in seinem gewohnten Umfeld zu sein. So hatte er sich dazu entschieden, eine Nacht im Greiferlager zu verbringen. Nun, wo er sich wieder in den kühlen Gemäuern des Schlosses befand, packte ihn der altbekannte Groll. Er war auf dem Weg in sein Schlafzimmer, als ein Kind an ihm vorbeirannte. Scabior zauberte kurzerhand eine Lache aus Öl auf den Boden, sodass der kleine Scheißer ausrutschte und elendig zu Boden fiel.

„Hier wird nicht gerannt“, knurrte der Greifer ihm zu und ging ungerührt an ihm vorbei. Sein Schlafzimmer befand sich, wie auch das der anderen Lehrer, im sechsten Stockwerk. Aufgrund der umschwenkenden Treppen dauerte es ein wenig, bis er es erreicht hatte. Vor sich hin brummelnd erklomm er auch noch die letzten Stufen und marschierte den Gang entlang.

„Guten Abend“, begrüßte ihn Professor Binns mit finsterer Miene, als er ihm entgegen kam. Scabior warf ihm bloß einen beiläufigen Blick zu. Er konnte diese wandelnde Schlaftablette schon nicht leiden, als er selbst noch Schüler an dieser Schule war. Nachdem er sein Schlafzimmer endlich erreicht und betreten hatte, ließ er sich mit einem genervten Seufzer auf sein Bett fallen und blickte sich unschlüssig um. Er fragte sich, wie er seinen Abend ausklingen lassen sollte, bevor er morgen wieder einer Horde Schüler gegenüber treten musste. Ihm kam ein spontaner Gedanken und er kramte in seiner Hosentasche herum, bis er sein Päckchen Tabak in der Hand hielt, in dem sich neben dem vorgesehenen Inhalt auch ein Joint befand. Diesen steckte er sich zwischen die Lippen und entzündete ihn mit einem Alltagszauber. Er zog ein paar Mal und lehnte sich dann entspannt zurück, schickte seine Gedanken auf eine unbeschwerte Reise. Sie flogen zu dem Greiferlager, zu den beiden, fetten Carrows – wobei Scabior leise und gehässig lachte –, zu einer besonders unterhaltsamen Kopfgeldjagd und schließlich zu Emeralda Graham. Bei ihr verweilten sie und klar und deutlich sah er ihre tiefblauen, schönen Katzenaugen vor sich. Er war high, aber nicht so high, dass er nicht immer noch Wut verspüren konnte. Mit grimmiger Miene fasste er sich an seine Wange, dorthin, wo ihn ihr Speichel getroffen hatte. Beiher hatte er das Bild vor Augen, wie sie gestern hasserfüllt und zutiefst erschöpft zu ihm aufgeschaut hatte.  

„Schlampe“, knurrte er und zog an seiner Tüte. Allmählich legte sich sein Ärger und er dachte weniger an Emeraldas verächtlichen Blicke und ihre ganzen Frechheiten, als an ihren schönen Körper. Sie war etwas größer als das durchschnittliche Mädchen und hatte eine schlanke Figur, allerdings mit den richtigen Kurzen an den richtigen Stellen. Ihr hoheitsvolles Gesicht mit den hohen Wangenknochen und den angenehm geschwungenen, stets dunkelrot geschminkten Lippen wurde von brustlangen, aschbraunen Wellen umrahmt. Ja, Emeralda Graham war schön und wäre sie nicht so jung, so würde sie perfekt in sein Beuteschema passen. Als Siebtklässlerin war man in der Regel zwar volljährig, aber es mangelte einem noch an Erfahrungen und damit konnte Scabior nicht viel anfangen. Dennoch spann er weiter, sah sich mit ihr in seinem Unterrichtsraum. Sie nackt auf seinem Lehrerpult, stöhnend und räkelnd vor Wollust unter seinen Berührungen und ihr unbeschreiblicher Geruch hing in der Luft. Der Duft nach frischen Äpfeln und Zimt. Samstag war er ihm in die Nase gestiegen, als er sich tief zu ihr vorgebeugt hatte, um ihr unmissverständliche Drohungen ins Ohr zu flüstern. Ob sie noch Jungfrau war? Er war es nicht mehr, als er von der Schule abging. Er war alles andere als das, denn er war schon immer ganz gut darin gewesen, Frauen zu umgarnen, bis sie ihm hörig waren. Doch sich selbst nahm er nicht als Maßstab, denn Emeraldas Verhalten machte den Anschein, als wollte sie präventiv ihre Mitschüler von sich fernhalten. So schön sie auch war, sicherlich traute sich kaum ein Junge an sie heran, aus Angst vor einer unterkühlten, schmerzlichen Abfuhr. Scabior hätte sich damals an sie herangetraut, doch ob sie mit ihm anders verfahren wäre als mit den anderen Schülern, bezweifelte er. Bei diesem Gedanken legte sich, warum auch immer, ein belustigtes Grinsen auf seine Lippen und er vertiefte sich weiter in seine Fantasien über Emeralda Graham.  


***



„Sieht man noch was?“, fragte Emeralda, während sie die warmen Hände ihrer Freundin auf ihrem Rücken spürte. Gerade rieb diese sie mit der Salbe ein, die Madame Pomfrey ihr nach der Untersuchung ihrer Verletzungen mitgegeben hatte. Obwohl es Emeralda sehr widerstrebt hatte, hatte sie direkt nach dem Gespräch mit dem Gemälde den Krankenflügel aufgesucht. Sie hatte keinen Schritt gehen können, ohne dass ihr Rücken sie vor Schmerzen fast umbrachte und wenn sie herumhinkte wie ein Kriegssoldat, würde sie diese mitleidigen Blicke der anderen Schüler überhaupt nicht mehr loswerden. Die Krankenschwester hätte sie zwar gerne noch für eine Nacht bei sich behalten, doch Emeralda hatte sich geweigert und stattdessen nach Arzneien gefragt, mit der sie sich selbst behandeln konnte. Mit einer dicken, grünlichen Salbe war sie schließlich in den Gemeinschaftsraum zurückgekehrt und wurde begafft, als wäre sie von den Toten wieder auferstanden. Die Leuten, die sie nach dem Nachsitzen und seinem Inhalt gefragt hatten, hatte sie mit Antworten abgespeist, die weniger als knapp und kühler als kühl waren. Es musste niemand erfahren, wie sehr der verhasste Greifer sie gedemütigt hatte. Nur Samantha hatte sie die Wahrheit gesagt und war erleichtert, dabei nicht wieder in Tränen ausgebrochen zu sein.

„Ja, ein paar blaue Flecke hast du noch. Die sind allerdings schon gelb. Das Zeug von Madame Pomfrey ist echt gut“, bemerkte Samantha beinahe schon überrascht. Ihre Freundin schloss den kleinen Tiegel und Emeralda zog sich die Bluse über, band sich ihre grün-silberne Krawatte und schlüpfte in ihren Pullunder. Sie stellte sich noch einmal vor den Spiegel des Mädchenschlafsaals und stellte fest, dass man auch in ihrem Gesicht kaum noch Spuren des grauenhaften Samstagnachmittags erkennen konnte. Ihre aufgeplatzte Lippe war beinahe verheilt und die einst blau schimmernde, geschwollene Beule auf ihrer Wange war so gut wie weg. Mit ein bisschen Make-Up würde man gar nichts mehr sehen und das war Emeralda insbesondere wichtig, weil sie heute wieder Unterricht bei Professor Scabior hatte und vor diesem wollte sie nicht als Opfer seiner Gewalt dastehen. Ihre Angst vor ihm war zwar noch vorhanden, doch sie hatte den restlichen Samstag und den Sonntag damit verbracht, sich in Beherrschung zu üben. Ob sie diese Disziplin allerdings auch noch in der dritten Stunde, wenn sie ihm wieder gegenüberstand, haben würde, blieb abzuwarten. Sie rieb sich ihr Gesicht mit einer hauchdünnen Schicht Make-Up ein, betrachtete sich ein letztes Mal prüfend und nickte letztendlich zufrieden. Samantha beobachtete sie etwas besorgt. Sie kannte Emeralda gut genug, um zu wissen, was in ihr vorging. Oft bewunderte sie sie für ihren Stolz, doch in manchen Situationen hielt sie sie auch für eine störrische Idiotin. An diesem Montagmorgen wusste sie nicht, was sie von ihrem Benehmen halten sollte. Dass sie ihre Verletzungen so krampfhaft vor Scabior und ihren Mitschülern verstecken wollte, zeigte eigentlich nur, dass sie nicht klein beigeben wollte. Doch bei einem Charakter wie Scabior war es für ihr persönliches Wohlergehen vielleicht besser, ihren Stolz einmal beiseite zu schieben. Die Blonde überlegte, ob sie Emeralda das sagen sollte, schwieg letztendlich jedoch nach einem leisen, betrübten Seufzer. Emeralda Graham zu sagen, dass sie nicht so stolz sein sollte, war vergebliche Mühe.

„Auf zu Muggelkunde“, brummte die Brünette verstimmt und Samantha stieß einen ironischen Jubellaut aus. Die beiden Schülerinnen verließen den Mädchenschlafsaal und letztendlich auch den Gemeinschaftsraum der Slytherins. Die nächsten beiden Stunden lauschten sie den verblödeten Hasstiraden über die minderwertigen Muggel, die die Carrow voller Inbrunst von sich gab. Wie in Geschichte der Zauberei oder Zaubertränke schaltete Emeralda schon nach den ersten fünf Minuten ab und tauchte in ihre eigene Gedankenwelt ein. Sie nahm sich vor, heute noch mit Neville zu sprechen und ihn zu fragen, ob er Hilfskräfte für ihre Suche nach Professor Flitwick auftreiben konnte. Danach versuchte sie sich an den Plan zu erinnern, den sie sich gemacht hatten. Es war gut, dass sie ihn festgehalten hatten, denn detailgetreu nahm er in ihrem Kopf keine Gestalt an. Die letzte halbe Stunde vor Unterrichtsschluss packte sie dann die Nervosität. Nicht mehr lange und sie würde Scabior wiedersehen und wie wütend sie ihn gemacht hatte, hatte sie nicht vergessen. Sie betete, dass er sie nicht vor ihren Mitschülern demütigen würde. Auch wenn sie Samstag nicht um Gnade gebettelt hatte, hatte sie dennoch die Beherrschung verloren und vor ihren Mitschülern wollte sie das auf keinen Fall.

„Hausaufgabe für morgen ist ein Aufsatz über die drastische Vermehrung der Muggel und ihre Konsequenz für die magische Welt. Ich erwarte mindestens eine halbe Pergamentrolle“, beendete die Carrow ihren Unterricht und Samantha stöhnte leise auf.

„Da krieg ich keine vier Sätze zusammen“, raunte sie Emeralda zu, welche gleichgültig mit den Schultern zuckte.

„Mach es wie ich und schreib ein bisschen größer.“

„Witzbold. Was haben wir jetzt?“

„Zauberkunst“, antwortet die Brünette betont gelassen und ignorierte den besorgten Blick ihrer besten Freundin. Gemeinsam gingen sie in den dritten Stock, wobei Emeraldas Innerstes vor Anspannung geradezu vibrierte. Ihr kam in den Sinn, wegen Übelkeit in den Krankenflügel zu gehen. Es wäre nicht einmal gelogen, denn die Tatsache, Scabior jeden Augenblick in seine verschlagenen, dunkelblauen Augen zu sehen, brachte ihr wirklich Übelkeit. Allerdings würde in dem Fall jeder Schüler und auch ihr unliebsamer Lehrer wissen, dass sie den Schwanz eingezogen hatte und das wollte sie auf keinen Fall. So kratzte sie all ihren Mut zusammen und schritt mit Samantha voran.

„Emmy, du musst nicht…“, begann ihre Freundin und Emeralda schüttelte unwirsch ihren Kopf.

„Doch, ich muss. Wegrennen bringt gar nichts.“

Dann schwiegen sie, bis sie den Unterrichtsraum für Zauberkunst erreicht und sich auf ihren Platz gesetzt hatten. Unaufgefordert holten sie Schreibzeug und Zauberstab hervor. Emeralda konnte nichts dagegen tun, dass ihre Handgriffe hektisch und fahrig waren. Ihre Freundin bemerkte es, tat ihr jedoch den Gefallen, sie nicht mitfühlend anzusehen, ihr nicht gut zuzureden und auch keine anderen Versuche, sie zu beruhigen, zu unternehmen. Scabior hing lustlos auf seinem Lehrerstuhl, die Füße achtlos auf Flitwicks Pult platziert. Mit gelangweilter Miene blätterte er in einem Magazin herum und schenkte den Schülern keine Beachtung. In Emeralda wuchs der Hass. Er war wie ein rotes Tuch, auf das sie wie ein Stier reagierte.

„Hat euch Flicktwick schon gezeigt, wie man ein Trugbild erschafft?“, fragte Scabior irgendwann, ohne seinen Blick von seinem Magazin zu nehmen. Erst, als sich niemand traute, unaufgefordert zu sprechen, wendete er sich mit genervter Miene den Siebtklässlern zu, die heute aus Slytherins und Ravenclaws bestanden. Sein Blick richtete sich auf Micheal Conor, einem Ravenclaw und er zog fragend die Brauen hoch.

„Nein, Sir“, erhielt er als Antwort und verdrehte die Augen.

„Wäre ja auch ein Wunder, wenn der kleine Kobold mal was anständiges mit euch Nieten gemacht hätte“, knurrte er und stand auf. „Stellt euch der Reihe nach auf. Na, los! Wo kein Schnee liegt, kann gerannt werden.“

Die Schüler erhoben sich und leisteten rasch seiner Anweisung Folge. Er betrachtete sie nacheinander grimmig und zog dann seinen Zauberstab. Einige gingen instinktiv etwas in Deckung. Auch Emeralda verspürte den starken Drang, sich in die nächste Zimmerecke zu verflüchtigen, doch sie blieb mit eiserner Miene stehen und beschimpfte sich innerlich selbst als eine feige Sau.

„Ihr braucht dabei eure Vorstellungskraft, auch wenn ich glaube, dass es daran bei einigen von euch schon scheitern wird“, sagte er und betrachtete mit unübersehbarer Verächtlichkeit Goyle. Dieser senkte demütig seinen Kopf.

„So und nun malt ihr eine schnelle, kleine Acht mit eurem Zauberstab und sagt den Zauberspruch Imago compares. Ach, was rede ich da. Ihr sagt gar nichts. Ihr zaubert nonverbal, wie anständige Magier“, fügte er hinzu und führte den Zauber vor. Pechschwarzer Rauch strömte aus seiner Zauberstabspitze. Als er sich lichtete, gab er einen kniehohen Raben mit bösartigen, glühend roten Augen frei. Er fixierte die Schüler gefährlich, während diese das bedrohliche Trugbild ängstlich anstarrten.

„Und jetzt könnt ihr ihm Befehle geben. Ihr braucht sie nicht auszusprechen. Es ist euer Zauber, eure Magie, deshalb wird er auch auf eure Gedanken hören. Sofern ihr Schwachköpfe solche produzieren könnte. Ich demonstriere“, fuhr er fort, warf dem Trugbild einen Blick zu, woraufhin dieses sich mit schwingenden Flügeln in die Luft erhob. Er drehte eine Runde durch das Unterrichtszimmer und setzte dann blitzschnell zum Sturzflug an. Schockiert registrierte Emeralda, dass der Rabe direkt auf sie zuschoss. Sie wusste nicht, ob das Trugbild in der Lage war, sie zu verletzen. Wenn dem so wäre, würde sie gleich mit einem verdammt großen Schnabel und verdammt kräftigen Klauen Bekanntschaft machen. Dennoch zwang sie sich dazu, stehen zu bleiben. Mit der Vermutung, Scabior würde beginnen, sie vor ihren Mitschülern vorzuführen, hatte sie scheinbar Recht und dem wollte sie gleich einen Riegel vorschieben. Als der Vogel nur noch wenige Zentimeter von ihr entfernt war, verpuffte er plötzlich und hinterließ nur noch ein paar dünne Rauchschwaden. Scabior hatte den Zauber beendet. Auch wenn Emeralda wieder von Wut und Hass gepackt wurde, tat sie dem Greifer nicht den Gefallen, ihn auch nur eines Blickes zu würdigen. Sie setzte eine betont gelassene Miene auf und schwieg. Dagegen, dass ihre Mitschüler nun wussten, dass sie wie Goyle von Scabior aufs Korn genommen wurde, konnte sie allerdings nichts tun. Doch sie würde die Opferrolle nicht so demütig und bereitwillig einnehmen wie der Sohn des abscheulichen Todessers.

„Fangt an. Und ich will keinen Mucks von euch hören, sonst knallt’s“, wies sie Scabior an und schlurfte wieder zu seinem Lehrerpult. Angespannt machten sich die Schüler ans Werk.


***



Während sich die Witzfiguren von Schülern abmühten, drehte sich Scabior miesgelaunt eine Zigarette. Er hatte ihnen einen äußerst komplizierten Zauber aufgetragen, den er sich selbst erst lange nach der Schule angeeignet hatte. Somit sollte er für diese Doppelstunde seine Ruhe haben und musste sich nicht ständig ihrer Unerfahrenheit und Naivität aussetzen, die ihn noch in den Wahnsinn treiben würden. Ganz schlimm war es mit den Erstklässlern. Natürlich war Scabior bewusst, dass sie blutjunge Anfänger waren und daher noch nicht gut zaubern konnten. Doch den kleinen Scheißern das Einmaleins der Zauberkunst beizubringen, war für den ungeduldigen, unsensiblen Greifer die Hölle. Und wenn er sie für ihre minderwertigen Leistungen bestrafte, waren sie meistens so eingeschüchtert, dass sie gar nichts mehr zustande brachten. Scabior konnte nicht in Worte fassen, wie sehr ihn das ankotzte. Grimmig fragte er sich, wie lange er noch in diesem gottverdammten Hogwarts verweilen musste. Er hatte sich überlegt, ganz einfach einen so beschissenen Unterricht zu machen, dass Voldemort ihn von dem Posten abzieht, doch er mochte bezweifeln, dass er dabei mit einem blauen Auge davon kommen würde. So fügte er sich mit dem größten Widerwillen und  setzte sich Tag für Tag den so verhassten Kinderfratzen aus. Mit seinem Zauberstab zündete er sich seine Zigarette an und inhalierte tief. Sein gelangweilter Blick wanderte zu dem Magazin, welches vollgestopft war mit allerlei schwarzmagischer Propaganda, doch einen weiteren Artikel über die bösen Muggel konnte er sich nicht reinziehen. So schweiften seine Augen weiter, durch den Raum und über die Köpfe der Schüler. Bei der kleinen Graham verweilte er. Wie auch ihre Mitschüler übte sie sich mit konzentrierter Miene in der Erschaffung von Trugbildern, doch bisher hatte sie wie auch die anderen keine Erfolge vorzuweisen. Ihm ging ihre gleichgültige Miene durch den Kopf, die ihre einzige Reaktion auf den Angriff seines magisch erzeugten Raben war. Er hatte gehofft, dass sie mit einem verängstigten Laut in Deckung ging, doch sie hatte nicht einmal mit der Wimper gezuckt. Es hatte ihn geärgert, allerdings nur ein bisschen. Seinen Fähigkeiten, in anderen ein gewaltiges Unbehagen auszulösen, vertraute er voll und ganz und auch wenn die kleine Schnepfe tat, als könnte sie nichts erschüttern, wusste er doch, dass es in ihrem Inneren ganz anders aussah. Er musterte sie von Kopf bis Fuß und dachte dabei an seine Fantasien von gestern Abend. Das reizte ihn schließlich so sehr, dass er sich erhob und langsam an der Reihe von Schülern vorbei schritt. Auf sie musste es den Anschein machen, als überprüfte er ihre Leistungen, doch was sie hinbekamen und was nicht, interessierte ihn vorerst nicht. Erst in ein paar Tagen würde er schauen, wie sie sich anstellten und gegebenenfalls ihre Motivation ankurbeln. Direkt hinter Emeralda blieb Scabior stehen. Er trat ganz nahe an sie heran, beugte sich zu ihr vor und flüsterte, dass nur sie ihn verstehen konnte:

„Na? Hast du mich vermisst?“

Vor Schreck fuhr sie zusammen, was ihm eine gewisse Genugtuung bereitete. Ihr Körper versteifte sich kaum merklich und sie ließ kurz ihren Zauberstab sinken. Ohne sich zu ihm umzudrehen, knurrte sie leise:

„Wenn ich eins nicht vermisst habe, dann Sie.“

Ein grimmiges Grinsen huschte über seine Lippen und er machte einen Schritt zurück. Dann verkündete er laut:

„So, ich will mal schauen, wie es bei euch vorangeht. Ms Graham, tritt vor und zeig uns, was du bis jetzt so bewerkstelligst.“

Langsam drehte die Schülerin sich zu dem Greifer um. In ihren Augen blitzte es hasserfüllt auf, doch letztendlich trat sie fügsam in die Mitte des Raumes. Ihre Mitschüler verfolgten das Szenario voller böser Vorahnungen. Manche schauten auch etwas erleichtert drein, weil sie nicht das auserkorene Opfer von Scabior waren. Insbesondere dem erbärmlichen Balg der Goyles schien ein Stein von seinem Fettherz zu fallen.

„Worauf wartest du? Fang an“, zischte Scabior, als die Graham immer noch nicht ihren Zauberstab ausgestreckt hatte und ihn bloß kühl beäugte. Mit einer provokanten Gemächlichkeit wagte sie schließlich ihren ersten Versuch und brachte, wie es Scabior erwartet hatte, nichts zustande.

„Beeindruckend“, bemerkte Scabior abfällig. „Mach es nochmal.“

Sie tat, wie ihr gesagt, doch auch diesmal erzeugte sie weder die charismatischen Rauchschwaden des Zaubers, noch das Trugbild an sich. Ihre Miene wurde zusehends düsterer.

„Ich hab euch angewiesen, mit dem Zauberstab eine Acht nachzuzeichnen und das, was du da machst, ist keine Acht“, lautete seine ungerechtfertigte, bissige Aussage. An ihrer Handbewegung gab es nichts auszusetzen und dennoch fügte Scabior mit einem finsteren Vergnügen hinzu:

„Traurig, dass man Menschen in deinem Alter noch mit dem Zahlensystem vertraut machen muss. Aber Schminken hast du immerhin schon drauf.“

„Sie haben uns gerade mal zehn Minuten Zeit gelassen, diesen Zauber zu üben“, antwortete sie mit schneidender Stimme. Bei ihrem Stolz war es nicht verwunderlich, dass sie ihm Widerworte leistete. Scabior hatte damit gerechnet und rieb sich innerlich die Hände. Jetzt brauchte er nur noch darauf zu warten, dass sie ihm einen Grund gab, sie vor versammelter Mannschaft in die Mangel zu nehmen.

„Wenn ich zehn Minuten für ausreichend halte, dann sind zehn Minuten auch ausreichend. Jammer mich gefälligst nicht voll und zauber!“, befahl er ihr scharf und sie probierte es erneut. Wieder ohne Erfolg. Ein abfälliges Grinsen legte sich auf die Lippen des Greifers.

„Deine Familie muss sehr stolz auf dich sein, Emeralda Graham.“

„Sie bl…“, schnauzte sie, doch konnte sich bremsen, ehe ihr eine Beleidigung herausrutschte.

Schade, fast hätte ich sie soweit gehabt, ging es Scabior durch den Kopf. Er verengte seine Augen und starrte sie bedrohlich an.

„Was wolltest du sagen? Sprich dich ruhig aus“, forderte er sie auf und wartete darauf, dass sie letztendlich doch noch die Beherrschung verlor. Leider kam es nicht soweit. Sie presste ihre Lippen aufeinander und sah an ihm vorbei.

„Lächerlich“, spie er noch aus, drehte sich dann herum und wies die Siebtklässler barsch an: „Weitermachen!“
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