Kinder der Finsternis

von Baerin21
GeschichteDrama, Romanze / P18
Alecto Carrow Amycus Carrow Neville Longbottom OC (Own Character) Scabior Seamus Finnigan
02.09.2019
06.12.2019
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Während Emeralda am darauffolgenden Nachmittag ihren Weg zu Scabiors Büro antrat, waren ihre Füße bleischwer. Es hatte sich rasch rumgesprochen, was zwischen dem Greifer und der Slytherin passiert war und die Schüler sahen ihr nach, als wäre sie eine fälschlicherweise zu Tode Verurteilte auf dem Weg zum Galgen. Emeralda achtete nicht auf sie, denn ihre Blicke schürten ihre Angst nur noch. Sie zwang sich zu einer harten Miene und gestrafften Schultern. Dennoch schnürte ihr die Furcht beinahe die Kehle zu. Natürlich zog sie nicht in Erwägung, von Scabior umgebracht zu werden, doch dass es ein sehr schmerzhaftes Nachsitzen werden würde, bezweifelte sie nicht. Es blieb nur abzuwarten, wie groß die Schmerzen sein würden. Als sie Flitwicks Büro erreichte, was sich im siebten Stockwerk befand, war es eine Minuten vor 15 Uhr. Normal brauchte sie von den Kerkern bis in den siebten Stock allerhöchstens fünfzehn Minuten, diesmal war es eine halbe Stunde gewesen. Sie atmete tief durch, brachte ihr Mienenspiel unter Kontrolle und klopfte kräftiger als nötig an die Tür. Der widerwertige Greifer sollte wissen, dass sie nicht zu Kreuze kroch, auch wenn sie das Nachsitzen wahrnahm.

„Ja“, drang es gedämmt zu ihr vor und sie öffnete die Tür. Scabiors hatte ein ziemliches Chaos in Flitwicks Büro gebracht. Neben dem üblichen Bürobedarf wie hohe Regale vollgestopft mit Fachlektüre und anderem Krimskrams und einem breiten, unordentlichen Schreibtisch gab es auch Gerätschaften, die Emeralda noch nie zuvor gesehen hatte und deren Zweck auch nicht ersichtlich war. Ihr Lehrer saß an seinem Schreibtisch und rauchte eine Zigarette. Bei dem Anblick der angespannten Schülerin legte sich ein charmantes Lächeln auf seine Lippen, von dem seine Augen jedoch vollkommen unberührt blieben.

„Emeralda Graham. Schön, dass du’s einrichten konntest“, feixte er und Emeralda musste sich zusammenreißen, nicht ein wütendes Schnauben von sich zu geben. Sie blieb wie angewurzelt stehen und zögerte jede Sekunde, sich dem Scheusal zu nähern, heraus. Erst, als er sie aufforderte, auf dem Stuhl gegenüber seines Schreibtischs Platz zu nehmen, setzte sie sich in Bewegung.

„Du weißt, weshalb du hier bist?“, fragte er und sah sie mit hochgezogenen Brauen an.

„Weil ich Nachsitzen habe.“

„Und warum?“

Obwohl ihr Herz immer noch vor Angst hämmerte, zuckte sie mit den Schultern und blickte Scabior weiterhin finster an. Sie wollte nicht klein beigeben. Wie schon bei den Carrows hatte sie sich auch bei ihm geschworen, keine Demutshaltung einzunehmen, nicht um Vergebung zu bitten oder aus Feigheit von ihrem Standpunkt abzuweichen.

„Okay, dann will ich es dir mal erklären, Prinzessin. Mag schon sein, dass du eine ganz taugliche Hexe bist, aber du bist auch frech. Und auf freche, kleine Personen wie dich reagiere ich äußerst allergisch. Soweit kapiert?“, fragte er und Emeralda dachte, unter seinem Blick erfrieren zu müssen. Bemüht darum, keine Miene zu verziehen, erwiderte sie:

„Ich habe das getan, was Sie wollten. Ich habe den Zauber ausgeführt, den Sie sehen wollten.“

Scabior schlug so plötzlich und donnernd mit der Faust auf seinen Tisch, dass Emeralda zusammen zuckte.

„Du versuchst, mich schon zum zweiten Mal zu verarschen! Erst hilfst du deiner inkompetenten Freundin und denkst, ich raff es nicht und jetzt besitzt du die Dreistigkeit, mir weißmachen zu wollen, dass du nur meine Anweisungen befolgt hast?“

Emeralda presste ihre Zähne aufeinander, um ihn nicht ebenfalls anzuschreien. Er hatte sie fast zu Tode erschreckt und das machte sie wütend. Doch sie konnte den Impuls, ihn haltlos zu beleidigen, widerstehen. Für einen Moment starrten sie sich bloß an, führten ihren Kampf mit Blicken fort, bis Scabior seine Zigarette in den schädelförmigen Aschenbecher ausdrückte und aufstand. Kaum merklich wich Emeralda vor ihm zurück, als er um seinen Schreibtisch ging und auf den Kamin zuhielt. An einem Schrankkoffer, neben dem Kamin blieb er stehen und zog seinen Zauberstab hervor. Das Mädchen schluckte krampfhaft und bereitete sich auf das schlimmste vor, doch Scabior tippte lediglich mit der Zauberstabspitze auf den Koffer, welcher aufsprang und sich als Hausbar entpuppte. Gemächlich schenkte er sich einen Whiskey ein und wendete sich dann wieder zu Emeralda um. Seine dunkelblauen, undurchdringlichen Augen ruhten auf ihr, während er seinen ersten Schluck trank. Emeralda hätte ihn am liebsten angeschrien, dass er ihr doch endlich sagen sollte, was er von ihr wollte. Dass er das tun sollte, was er mit ihr vorhatte. Alles war besser, als dieses unerträgliche Warten unter seinem kühlen Blick.

„Tja, ich hab den ganzen Nachmittag Zeit. Mir werden schon Maßnahmen einfallen, dir ein paar Lektionen zum Thema Benehmen zu erteilen“, sagte er letztendlich und richtete seinen Zauberstab auf sie. Ein erschrockener Laut entwich ihr, als sie plötzlich zu schweben begann. Sie versuchte, nach irgendetwas zu greifen, dass sie am Boden halten würde, doch der Zauber war zu stark. Ihre Beine und Arme wurden von unsichtbaren Fesseln mühelos auseinander gezogen, bis einige Gelenke vernehmlich knackten. Er hatte sie mit dem Streckfluch belegt und sah genüsslich dabei zu, wie der Zauber an ihren Gliedern zerrte und sie letztendlich vor Schmerz und Angst aufschrie.

Dein Beschluss, keine Angst zu zeigen, hat ja wirklich super funktioniert, dachte sich Emeralda irrsinnigerweise in diesem Moment, doch konnte nichts dagegen tun. Die Schreie kamen einfach und mit jedem Knacken ihrer Gelenke wurden sie lauter. Gerade, als sie dachte, in der Mitte auseinander zu reißen, sackte sie haltlos zu Boden. Scabior hatten den Fluch unterbrochen und die Erleichterung, die Emeralda empfand, konnte man nicht in Worte fassen. Keuchend vor Schmerz, Angst und Erschöpfung krümmte sie sich für einen Augenblick bloß auf dem Boden. Es verging etwas Zeit, ehe sie Kraft und Mut geschöpft hatte und versuchte, sich mit zusammen gebissenen Zähnen aufzurappeln. Da ihr immer noch das Blut in den Ohren rauschte und ihr Herz so laut wummerte, dass sie beinahe nichts anderes wahrnahm, bemerkte sie nicht, dass Scabior auf sie zugegangen war. Er packte sie beim Oberarm und zog sie hoch. Sie war so erschrocken und ermattet, dass sie das Gleichgewicht verlor und gegen seine Brust fiel. Mühevoll und mit hasserfüllter Miene drückte sie sich vor ihm weg, doch er ließ nicht locker und umfasste zusätzlich ihren Unterkiefer. Grob drehte er ihren Kopf zu sich, sodass sie ihm geradewegs in sein erbarmungsloses, eiskaltes Gesicht sehen musste.

„Sie sind ein Schwein“, zischte sie und bohrte ihre Augen unnachgiebig und zornig in seine. Hätte sie mehr Kraft und mehr Luft, so hätte sie ihn angeschrien.

„Wenn du wüsstest, wie egal mir das ist.“

„Damit werden Sie nicht durchkommen!“

„Ach ja? Wer soll mich denn aufhalten? Omi und Opi? Professor Flitwick? Dumbledore?“, spottete er bissig und zog sie plötzlich so dicht zu sich heran, dass ihre Gesichter nur noch wenige Zentimeter trennten.

„Wenn du wüsstest, was ich alles ungestraft mit dir anstellen kann -“, begann er, musterte ihr Gesicht mit einer verstörenden Lüsternheit und legte seine Lippen dann an ihr linkes Ohr. „- dann hättest du nicht mehr so eine große Fresse.“

Sein Atem strich über ihren Hals und auf ihren gesamten Körper legte sich eine Gänsehaut. Sie wurde stocksteif und wartete verängstigt darauf, dass er endlich von ihr abließ. Doch er tat es nicht sofort und sein Eigengeruch nach aromatischem Rasierwasser, Zigarettenrauch und etwas unbekannten, doch überraschend frischen stieg ihr in die Nase. Als er sie plötzlich losließ, gaben ihre Beine nach und sie fiel auf den orientalischen Teppich. Er drehte sich herum und schlenderte gemächlich zum Kamin, auf dessen Sims er sein Whiskeyglas abgestellt hatte. Emeraldas Schock währte nur kurz und sie überkam ein feuriger Hass auf den Greifer. Sie hatte panische Angst, erst recht vor dem, was er ihr unterschwellig angedroht hatte, doch verflucht – sie wollte nicht klein beigeben! Wenn sie ihn jetzt damit davonkommen ließ, hatte er gesiegt und sie könnte nie wieder in seinen Unterricht gehen, ohne an ihrer Scham und Schande zu ersticken. Also nutzte sie ihre neugewonnene Freiheit und seine Unachtsamkeit und zog mit zitternden Händen ihren Zauberstab hervor. Leider erforderte es zu viel Zeit und Kraft, ihn auf Scabior zu richten und ehe sie einen Zauber ausführen konnte, hatte er sich schon zu ihr herumgedreht, die Situation mit sichtlichem Verblüffen erfasst und sie entwaffnet.

„Expelliarmus!“


***


Wie kann man nur so stur sein?, ging es Scabior durch den Kopf, als er in Emeraldas feindseligen Augen blickte. Eben war sie noch so versteinert, wie ein Kaninchen, das sich in Lebensgefahr wusste und nun kämpfte sie sich schon wieder auf die Beine, straffte die Schultern und sah ihn unnachgiebig an. Normal war Emeralda Graham nicht, denn sonst hätte sie sich schon heulend in einer Ecke verkrochen und keinen Mucks mehr von sich gegeben. Entweder war es ihr verdammt ernst, ihm zu demonstrieren, dass er sie nicht klein kriegen würde oder sie war masochistisch veranlagt.

Wie kann man nur so stur und dumm sein?, fragte er sich erneut.

„Du stehst wohl auf Schmerzen?“, sagte er und musterte sie von Kopf bis Fuß kühl.

„Nein, ich lasse mich lediglich nicht von jemanden grob anpacken und wehre mich nicht dagegen“, lautete ihre Antwort.

„Wehren nennst du das? Ich nenne das einen feigen Angriff. Du wartest, bis ich dir den Rücken kehre und richtest dann deinen Zauberstab auf mich. Welchen Fluch wolltest du mir denn aufhalsen? Den Cruciatus? Einen Lähmzauber? Oder vielleicht gleich den Todesfluch?“

„Alle schmerzhaften, die ich kenne“, antwortete sie nach kurzem Zögern und da war er wieder, ihr verächtlicher, entwürdigender Gesichtsausdruck. Scabior war es eigentlich scheißegal, wie man ihn ansah oder was man von ihm hielt. Ihn hatten schon viele verächtliche oder hasserfüllte Blicke gestreift, doch die waren stets gepaart mit Angst, Respekt oder Achtsamkeit. In ihren auffallend blauen Augen fand man jedoch weder Angst, noch Respekt oder Achtsamkeit. Da war bloß ungestreckte Verachtung, beinahe schon Ekel.

„Zu dumm nur, dass ich schneller und besser bin als du. Und dass ich die schmerzhafteren Flüche kenne“, knurrte er wütend, richtete seinen Zauberstab auf Emeralda und belegte sie mit einem schwarzmagischen Zauber, der dem Folterfluch um nichts nachstand. Scabiors Miene glättete sich, als sie schreiend auf die Knie ging und sich krümmte.

So gefällst du mir schon besser, du arrogante Schlampe, dachte er sich, während er sie dabei beobachtete, wie sie sich qualvoll wand. Ihre Schreie waren so laut, dass er das Klopfen an seiner Tür beinahe nicht bemerkte. Irritiert und unwillentlich blickte er von ihr auf. Abermals klopfte es und er unterbrach den Zauber. Emeralda schnappte nach Luft wie eine Ertrinkende und hatte ihre Augen vor Schreck und Angst weit aufgerissen. Scabior hätte sich liebend gerne an diesem Gesichtsausdruck sattgesehen, doch schritt wütend um sie herum. Gnade dem Schwachkopf, wenn er ihm wegen irgendeinem belanglosen Scheißdreck auf den Sack ging. Ruppig zog Scabior seine Bürotür auf und sah den Hausmeister vor sich stehen. Er war bleich und hatte die Beklemmung auf seinem alten, faltigen Gesicht, die Scabior bei Emeralda so vermisste.

„Was ist?“, fragte er barsch und Filch sagte:

„Unten wartet jemand auf Sie, Professor.“

„Nennst du mich noch einmal Professor, dann zerre ich dich mit in diesen Raum und setze bei dir fort, was ich bei Ms Graham angefangen habe“, zischte Scabior prompt und Filch machte instinktiv einen ängstlichen Schritt zurück und nickte inbrünstig.

„Verstanden, Sir.“

„Wer wartet denn?“

„Mr Greyback, Sir“, antwortete der alte Mann und nun verstand Scabior die Anspannung auf seinem Gesicht. Viele schauten so drein, wenn sie Bekanntschaft mit dem derben, blutrünstigen Werwolf machten. Der Greifer rieb sich entnervt über sein Gesicht und wägte seine Entscheidungen ab. Zwar würde er sich gerne noch ein wenig mit der kleinen Graham vergnügen und ihr auch noch den letzten Rest ihrer Großspurigkeit aus dem hübschen Gesichtchen fluchen, doch wenn Greyback schon an der Pforte von Hogwarts klopfte, war es bestimmt etwas wichtiges.

„Verdammter Mist“, knurrte er. Er wendete sich wieder Filch zu, der ihm über seine Schulter sah und die am Boden liegende Emeralda anstarrte. Der Greifer machte eine fortscheuchende, ungeduldige Handbewegung und sagte:

„In fünf Minuten bin ich unten.“

Danach schlug er die Tür vor Filchs Nase zu und drehte sich zu seiner bockigen Schülerin um. Diese lag immer noch auf dem Boden, war jedoch dabei, mühsam und stöhnend ihren Oberkörper aufzurichten.

„Glück gehabt, du Flittchen. Nachsitzen ist hiermit…“, begann er grimmig, während er sich über sie beugte, um sie hoch zu zerren, doch stockte, als sie ihm ins Gesicht spuckte. Völlig fassungslos und ungläubig starrte er in ihre vor Hass und Wut blitzenden Augen. Es dauerte tatsächlich ein paar Sekunden, ehe er zu einer Reaktion fähig war und diese bestand aus einer kräftigen Ohrfeige. Niemand, absolut niemand hatte es jemals gewagt, ihn anzuspucken. Ihr Kopf flog zur Seite und sie hielt sich stöhnend ihre Wange.

„Danke Gott, dass ich keine Zeit dafür habe, dir deinen gepuderten Arsch aufzureißen!“, zischte er eiskalt, während er sich ihren Speichel von der Wange wischte. Dann richtete er sich auf, marschierte wütend zur Tür und öffnete sie. Mit einem Schwebezauber beförderte er Emeralda auf den Gang und versäumte es dabei nicht, ihren Körper hart gegen die gegenüberliegende Wand prallen zu lassen. Wieder entsendete sie ein schmerzerfülltes Stöhnen, diesmal um einiges lauter und qualvoller. Scabior ging auf ihren gekrümmten Körper zu und starrte auf sie herab. Ihre Miene war ein Abbild des Schmerzes, doch sie weinte nicht. Der Greifer wusste allerdings, dass dazu nicht mehr viel fehlen würde und das musste ihm in diesem Augenblick reichen. Er ließ es sich jedoch nicht nehmen, seine Nase kräftig hochzuziehen und einen langen, zähflüssigen Speichelfaden in ihr Gesicht tropfen zu lassen. Ein angewiderter, entsetzter Laut entwich ihr, doch für weiteres war sie scheinbar zu geschwächt. So lag sie da, mit Scabiors Rotze in ihrem sonst so hoheitsvollen Gesicht und dem Greifer stahl sich ein grimmiges Grinsen auf die Lippen.

„Freu dich auf mehr davon. Meine Lektion ist noch lange nicht zu Ende“, sagte er scharf, wendete sich von ihr ab und entfernte sich zügig von ihr.


***


Trotz ihrer Schmerzen hievte sich Emeralda hoch. Sie würde sterben vor Scham, wenn irgendein vorbeieilender Schüler, Lehrer oder Geist sie so sehen würde. Halb hinkend, halb taumelnd bewegte sie sich voran und wischte sich beiher Scabiors Spucke aus dem Gesicht. Es war schier unmöglich, die Schmerzen in ihrem Rücken auszublenden, doch sie versuchte es trotzdem, nur um etwas schneller voranzukommen und von niemandem gesehen zu werden. Hinter der Statue der buckeligen Hexe verkroch sie sich schließlich und fing fast augenblicklich an, zu weinen. All die Tränen und Gefühle, die sie vor ihrem bösartigen Lehrer so zwanghaft zurückgehalten hatte, ließ sie in ihrem Versteck freien Lauf. Hier sah sie niemand und damit sie auch niemand beim Weinen hörte, presste sie ihre Hände auf den Mund.

„Oh, nicht doch, meine Liebe“, hörte sie plötzlich jemanden neben sich und schnappte erschrocken nach Luft. Hektisch blickte sie sich um und war schon im Begriff, aufzustehen und davon zu rennen, als ihr das Gemälde auffiel, was etwas oberhalb von ihr, an der Wand hing. Es zeigte eine alte, rundliche Frau, die mit hochgekrempelten Armen neben einem brodelnden Zauberkessel stand. Doch anstatt in ihm zu rühren, blickt sie besorgt auf Emeralda herab.

„Lass mich in Ruhe“, sagte Emeralda prompt und wendete ihr Gesicht ab. Sie wollte aufstehen und sich einen anderen Platz  zum Kräfte Sammeln suchen, doch ihr Körper kapitulierte. So sehr sich Emeralda auch anstrengte, sie konnte nicht aufstehen und blieb weiterhin an der Rückseite der kühlen, großen Statue gelehnt.  

„Waren es die Carrows?“, fragte die Hexe des Gemäldes mitfühlend, doch Emeralda ignorierte sie. Ihre Tränen waren aufgebraucht und sie wischte sich auch noch die letzten von ihren Wangen. Wenigstens war sie jetzt etwas ruhiger, nun musste sie nur noch warten, bis ihre verheulten Augen etwas abgeschwollen waren. Eine Emeralda Graham kannte weder Angst, noch Schmerz. Dass sie heute beides kennengelernt hatte, brauchte niemand zu wissen.

„Oder dieser Scabior?“, fuhr das Gemälde fort und erntete einen bitterbösen Blick.

„Siehst du nicht, dass ich alleine sein will?“

„Soll ich jemanden rufen? Vielleicht Madame Pomfrey?“

„Nein, so schlimm ist das nicht.“

„Es sieht aber so aus“, hielt das lästige Gemälde dagegen und Emeralda presste ihre Lippen aufeinander, um es nicht anzuschreien.

„Es ist ein Jammer, was aus dieser Schule geworden ist. Schüler werden verprügelt, schwarze Magier werden zu Lehrkräften ernannt und der arme Professor Flitwick!“, maulte die vor Jahren portraitierte Hexe und schwang mit einer theatralischen Geste ihre Schöpfkelle. Die harte Abfuhr, die Emeralda auf der Zunge lag, würgte sie wieder herunter und ihr Schock milderte sich etwas ab, machte schlagartig Platz für Neugierde. Sie starrte die Frau, die in ihrem Kessel zu rühren begonnen hatte, mit großen Augen an.

„Was ist mit Professor Flitwick?“, fragte sie sie leise.

„Gesehen habe ich sie“, antwortete die Frau, ohne von ihrem Gebräu aufzuschauen.

„Sie?“

„Ja. Diese grauenhafte Mrs Carrow.“

„Hier?“

„Vor Flitwicks Büro.“ Die Hexe warf der Schülerin von ihrem Gemälde aus einen beiläufigen, düsteren Blick zu.

„Was hat sie gemacht?“

„Sie hat mit ihm gestritten. Danach hat sie ihn verhext.“

Emeralda runzelte die Stirn. Verwundert über diese Information war sie zwar nicht, denn die Erzählungen der Schüler hatten darauf hingedeutet, dass so etwas zwischen Flitwick und Carrow passiert sein könnte, doch nun erfuhr sie es von einer Zeugin. Auch wenn diese nur Teil eines Gemäldes war.

„Was ist dann passiert?“, fragte Emeralda gespannt.

„Sie hat ihn fortgetragen.“

„Fortgetragen.“

„Ja, fortgetragen.“

„Wohin?“

Die Hexe schien genug in ihrem Kessel herumgerührt zu haben. Sie lehnte die Schöpfkelle an den Kesselrand und wendete sich Emeralda wieder direkt zu.

„Wenn ich das wüsste, dann hätte ich schon einem Lehrer Bescheid gesagt, Kindchen. Sie ist mit ihm den Gang entlang und dann ins Treppenhaus.“
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