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Abgründe

von Mary194
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Tragödie / P16 / MaleSlash
Aberforth Dumbledore Albus Dumbledore Ariana Dumbledore Bathilda Bagshot Gellert Grindelwald
02.09.2019
08.11.2020
18
58.894
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02.09.2019 1.157
 
31. August 1898



Albus reckte sein Gesicht der heißen Sommersonne entgegen und versuchte die gesamte Wärme aufzusaugen. Immer wieder hatte er sich in den letzten Tagen gefragt wann er jemals wieder dieses Gefühl auf der Haut spüren würde. Seine neue Heimat würde um einiges düsterer und kälter werden.

Er stieß sich vom Boden ab und schaukelte ein paar Minuten gedankenverloren vor sich hin, doch viel zu schnell kam ihm sein gepackter Koffer wieder in den Sinn und er seufzte schwer.

Die letzten Sommerferien seines Lebens gingen gerade zu Ende und bisher hatte er sich immer auf das neue Jahr in Hogwarts gefreut. Doch dieses Mal war alles anders. Dieses Mal hasste er den morgigen Tag.

„Bist du nicht schon zu alt dafür?“, fragte sein Bruder mit schneidender Stimme hinter ihm.

„Verschwinde Aberforth“, wies er ihn an und blinzelte der Sonne entgegen „Ich will alleine sein.“

„Das bist du noch früh genug, oder?“

„Was willst du von mir?“

„Ich muss diesen Aufsatz über Drachenblut schreiben-“, begann sein kleiner Bruder und Albus lachte höhnisch auf.

„Du hattest Wochen dafür und kommst am letzten Abend zu mir?“

„Nun ja...“ setzte Aberforth fort und Albus könnte das gehässige Grinsen förmlich hören „... du hast dich vorher auch in deinem Zimmer verkrochen, nicht wahr? Es muss auch hart für Mister Perfekt sein... nun bist du das schwarze Schaf der Familie. Der Ausgestoßene. Du bist die Enttäuschung.“

„Ich habe nie gesagt dass du eine Enttäuschung wärst, Aberforth.“

„Nein. Aber gedacht hast du es oft, nicht wahr? Ariana und ich... die dummen Dumbledore Kinder.“

„Ariana ist in Ravenclaw, seit 3 Jahren Klassenbeste und du bist auch nicht dumm“, erklärte Albus und sprang leichtfüßig von der Schaukel.

„Wie nobel du wieder bist. Was ist nun mit dem Aufsatz?“, rief Aberforth ihm hinterher während er zurück ins Haus ging. Die Sonne versank langsam hinter dem Horizont und seine Mutter wartete sicherlich schon mit dem Abendbrot auf die beiden.

„Nein. Du hättest dich früher kümmern müssen.“

„Ich werde dich wirklich vermissen, Albus“, erklärte sein Bruder in einem sarkastischen Ton und folgte ihm mit stampfenden Schritten.





„Wie war euer Tag?“

Albus liebte seinen Vater von ganzem Herzen. Ebenso schwer wog das, was er ihm mit seiner Gedankenlosigkeit angetan hatte und so sank er bei der Frage beschämt den Kopf.

„Ich habe all meine Sachen für morgen gepackt und noch ein paar Mal überprüft ob alles vollständig ist“, plapperte Ariana los und schaufelte sich etwas Kartoffelpüree in den Mund.

„Hast du auch schon gepackt, Aberforth?“, fragte Percival Dumbledore und lächelte munter.

„Mach ich nachher“, erwiderte er grinsend und warf einen Blick zu Albus „Ich hab noch einen Wintermantel, den könntest du doch noch einpacken.“

„Oder ich ziehe Freddy, der Ziege das Fell ab... zum wärmen“, sagte Albus todernst und trank ein Schluck von seinem Kürbissaft.

„Es reicht junger Mann.“ Die Stimme seiner Mutter, Kendra, war eiskalt und messerscharf. „Ich denke nicht dass du in der Position bist Scherze zu machen.“

„Das war kein Scherz.“

„Albus“, flüsterte Percival sanft und schüttelte den Kopf.

Sie verfielen wieder in Schweigen und für ein paar Momente waren nur die Geräusche eines typischen Abendessens zu hören, dann räusperte sich seine Mutter.

„Albus, mir fällt gerade ein, dass du beim letzten Abendessen vor jedem neuen Schuljahr ein paar Worte gesagt hast. Das haben wir heute übergangen.“

„Übergehen wir es weiter.“ Albus lächelte doch es erreichte seine Augen nicht.

„Das war keine Bitte“, zischte Kendra hart und legte wartend das Besteck zur Seite.

„Wie du wünscht, Mutter.“ Grob griff er erneut nach dem Kelch und erhob ihn zu einem Tost.

„Ohne viele Worte... Auf die Dumbledore Kinder...“, kühl grinsend drehte er sich leicht zu seiner Mutter um und hob den Krug ein Stück weiter „... das Mauerblümchen, der Ziegenjunge und der Sohn des Wahnsinns.“

Die Ohrfeige traf ihn nicht unvorbereitet und doch brannte seine Wange während sich der Kürbissaft über den Holzboden ergoss.

„Auf dein Zimmer. SOFORT.“

„Kendra-“ begann sein Vater doch Albus ob gelangweilt die Hand; er wischte sich die Mundwinkel mit dem Tischtuch ab und verschwand wortlos vom Tisch.






Das leise Klopfen riss ihn aus seinen Gedanken und er legte seine alten Schulbücher traurig zur Seite.

„Darf ich reinkommen?“, fragte sein Vater nachdem er den Kopf durch die Tür gesteckt hatte.

„Es ist dein Haus. Es kommt mir komisch vor dir die Erlaubnis zu geben.“

„Aber es ist das Zimmer von deinem Bruder und dir.“

„Nur noch für den Moment“, seufzte Albus und winkte ihn herein.

„Albus, was ist los mit dir?“

„Alle stellen mir diese Frage.“ Der junge Dumbledore zuckte mit den Schultern und lächelte müde. „Es ist nichts mit mir.“

„Können wir dir irgendwie helfen?“

Als Albus mit dem Kopf schüttelte, fuhr sein Vater leise fort „Deine Mutter hätte dich nicht schlagen dürfen.“

„Und doch hat sie es getan. Und du hast zugesehen.“

„Sie ist verzweifelt, Albus. Sie macht sich große Sorgen um dich. Genauso wie ich.“ Percival setzte sich nehmen ihm aufs Bett und versuchte seinen Blick einzufangen.

„Ihr sorgt euch darum dass ich das Ansehen der Familie zerstören könnte, sobald es herauskommt“, erklärte Albus und wusste dass es stimmt.

„Deine Mutter sorgt sich darum vielleicht aber-“

„Merkwürdig das sie das tut... dabei ist sie die Muggelstämmige.“

„Vorsicht, mein Junge. Solche Äußerungen haben in meinem Haus nichts  verloren“, sagte Percival scharf und unerbittlich.

„So meinte ich es auch gar nicht.“

Wieder herrschte für einen Augenblick Stille zwischen Vater und Sohn und die Last dessen was geschehen war wog schwer.

„Wir machen uns nur Sorgen.“

„Das ist unnötig.“

„Albus, du warst der brillanteste Schüler den Hogwarts je gesehen hatte. Du hast Preise und Aufzeichnungen gewonnen... alle die es gab. Du hattest bereits mit den bedeutendsten Hexen und Zauberern unserer Zeit korrespondiert und dann... machst du diese Sache und wirst von der Schule geworfen.“

„Ich habe das nicht gewollt...“, flüsterte Albus mit erstickter Stimme.

„Aber warum hast du es getan?“, fragte sein Vater verzweifelt und Albus fühlte sich nur noch schlechter „Wir haben dich doch nicht so erzogen... wir haben doch alles für dich getan...“

„Vielleicht hätte Mutter mich doch einsperren sollen...“

„Das hätte ich nicht zugelassen. Keines meiner Kinder wird eingesperrt. Aber... bitte sag mir... warum hast du das getan? Ist es etwas... was... was...“ er brach ab und für einen Augenblick glaubte Albus die Abscheu in seinen Augen zu erkennen, doch vielleicht hatte er es sich auch nur eingebildet.

„Bitte lass mich allein“, wich er aus und blinzelte die Tränen fort.

„Morgen wird alles anders... Vielleicht gefällt es dir ja dort.“

„Ja...“ Albus nickte gespielt. „Danke, dass du deine Beziehungen hast wirken lassen... ich bin sicher das...“ er konnte den Satz nicht zu Ende sprechen, er konnte die Lüge nicht ertragen. „Ich weiß nicht ob ich dort hineinpasse...“, flüsterte er stattdessen.

„Es ist nur ein Jahr... ein Jahr in Durmstrang wird dich nicht in den Abgrund stürzen.“

„Ich befürchte... wenn ich lange genug in diesen Abgrund blicke... blickt der Abgrund auch in mich hinein.“




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