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Leben und Lieben am Limit

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Boris Saalfeld OC (Own Character) Tobias Ehrlinger / Saalfeld
01.09.2019
30.12.2020
50
76.388
25
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
9 Reviews
 
06.09.2019 1.177
 
Jonas und Kai sind grad eben, nach einem wirklich gemütlichen und unerwartet entspannten Abend, nach Hause gefahren. Die Stimmung war locker und sie unterhielten sich über Job, Familie, Freizeit...was es halt so für Themen gibt! Kurz sprachen sie auch darüber, dass sie Uschi wohl das letzte Mal sehen würden, die Kleine ist den Beiden sehr ans Herz gewachsen und auch schon durfte sie zu ihnen, wenn ein Lukas-Velo-Tour-Wochenende bevor stand! Dennoch hat Tobias aus unerfindlichen Gründen ein komisches Bauchgefühl... Boris und er beseitigen noch die letzten Spuren des Abends und er scheint tief in Gedanken versunken... „Tobi...hei...in welchem Teil des Universum fliegst denn du grad rum?“ In der Annahme, Tobi denke über ihr leidenschaftliches „Stell dich ein“ nach, geht Boris grinsend auf ihn zu... „War schön nicht?“ Sichtlich irritiert zieht Tobi die Brauen hoch, kann er Boris schlicht nicht folgen... „Was ist los hm...Uschi?“ „Nee grad nicht, frag mich bloss, was heute mit Jonas und Kai war...findest du nicht, die wirkten irgendwie so...weiss auch nicht...ich fand sie so gezwungen im Miteinander...keine Ahnung, wahrscheinlich hab ich in der Beratung zu viel mit kaputten Beziehungen zu tun...“ „War Denken nicht immer mein Part..?! Aber jetzt wo dus sagst...hast schon recht...und Fragen darüber, ob sie nicht endlich zusammen ziehen möchten, sind sie gekonnt ausgewichen...“ „Ach komm zerbrechen wir uns nicht deren Kopf, lass uns kurz mit der Maus an die frische Luft und dann ab ins Bett, ich freu mich, endlich wieder mal neben dir ausschlafen zu können“



Die nächsten zwei Tage vergehen flugs, Tobi hat seinen freien Tag geschoben, damit er zu Hause bleiben kann.
Es ist Montag auf Dienstagnacht, wo klar wird, dass der unausweichliche Moment gekommen ist. Uschi scheint unwohl, unruhig und das Fressen hat sie am Abend nicht wirklich angeschaut. Tobi legt sich nicht wie gewohnt in seine Bettseite, er schmiegt sich eng an Boris Rücken, hält ihn fest und mit einer Hand streichelt er zart über Uschis Fell... „Es ist soweit oder??“ Boris Stimme ist kaum vernehmbar und wird fast erschlagen von der Schwere, die sie trägt… Er spürt Tobis Nicken, dreht seinen Kopf zu ihm…stillschweigend und sich nur anblickend wissen Beide, dass dies die letzte Nacht ist, die sie mit der Maus teilen… Uschi fällt irgendwann in einen einigermassen ruhigen Schlaf…was weder Boris noch Tobi wirklich gelingen mag…obwohl Beiden bewusst, dass es die richtige Entscheidung ist, schmerzt es furchtbar, Tränen fliessen und sie wissen, dass das Einzige was bleibt, die Erinnerungen an unvergessliche vier Jahre zusammen mit Schnuffel sein werden.

Die Kirchenuhr schlägt gerade sieben Mal und der Tag, an dem Uschis Leiden nicht erneut heftiger werden soll, steht bevor… Tobi ist dankerfüllt, ist für Boris klar, dass er heute hier gebraucht wird, auch wenn er zugegebenermassen Respekt davor hatte, Boris würde erneut die Arbeit vorziehen. Er will und kann das nicht alleine durchstehen. Schon beizeiten telefoniert Tobi  mit Dr. van Velden, teilt ihm mit, dass der Zustand von Uschi sich wieder am verschlechtern ist…Am frühen Nachmittag wird der Tierarzt herkommen…um Uschi zu erlösen, hier wo sie es schön hatte und wo sie geliebt wird. Der Gedanke daran ist unwirklich, schrecklich und Fluchtgedanken machen sich breit, denen sie keinen Raum geben können…geben dürfen. Sie sind es Uschi schuldig, auch diesen letzten Weg mit ihr zu gehen. Ein letztes Mal gehen sie mit der Maus zusammen an die frische Luft, noch einmal in den so sehr geliebten Park…deutlich gezeichnet von ihrem Zustand, trägt Boris sie wieder heim…erneut legen sie sich ins Bett, kuscheln endlos mit ihr, vergiessen weiter stille Tränen. Immer wieder halten sie sich fest, versuchen sich Halt zu geben und obwohl es unfassbar fest schmerzt, ist es für sie Beide klar, dass sie da gemeinsam mit Uschi durchgehen werden…

„Tobi...kannst du mir sagen…kannst du mir erklären, wie das geht, was da passieren wird, wird sie Schmerzen haben oder wird sie einfach einschlafen?“ „Hei Boris…komm her!“ Ihn in den Armen halten erklärt er… „Sie wird erst eine Spritze bekommen, nach der sie einschlafen wird, das ist auch das Einzige was sie spüren muss…das kennt sie ja vom Impfen…und erst wenn sie tief und fest schläft, wird sie die zweite Spritze bekommen, die ihr Herz zum Stillstand bringen wird..“ mit zittriger Stimme fährt er fort „dann wird sie bestimmt auch schon von Ehrlingers Hofhunden in Empfang genommen…und es wird ihr wieder gut gehen…“ Unerträgliche Stille breitet sich erneut im Schlafzimmer aus…aber keiner wüsste, was es jetzt zu sagen gäbe…Minuten, vielleicht auch Stunden vergehen, nur das leise und gleichmässige Atmen von Uschi ist zu hören…sie ist friedlich, ruhig…als wüsste sie, dass sie heute ihr zu Hause für immer verlassen würde…und sie es ihren Lieben nicht noch schwerer machen möchte…


„Tobi…es tut mir leid, ich kann das nicht, ich kann da nicht dabei sein…bitte…ich werde das nicht ertragen…!“ platzt es plötzlich tränenerstickt aus Boris raus. Er wendet sich ab, erträgt den Anblick von dem Fellknäuel nicht mehr, steht auf, verlässt mit unsicheren Schritten und von heftigem Weinen durchschüttelt das Zimmer. Zurück bleibt Tobi…alleine mit der Kleinen, die hoffentlich nichts von alledem mitbekommt…genau vor diesem Moment hat er sich, seit er da alleine im Auto sass und die Diagnose verdauen musste, gefürchtet… War er jahrelang doch immer der gewesen, der schwierigen Umständen davon zu laufen versuchte, weiss er es heute besser, es bringt nichts, es gelingt nicht und erst recht macht es nichts besser…im Gegenteil. Er findet Boris im Bad, die Beine angezogen, den Kopf in die Hände aufgestützt, sitzt er an die Badewanne angelehnt auf dem matt-schwarzen Fliesenboden... Und so sehr Tobi sich wünschte, sich einen Moment lang seiner eigenen Trauer hingeben zu können, so gut weiss er auch, dass er nun der sein muss, der stark ist, immer war es in der Vergangenheit Boris gewesen…jetzt war es an ihm! Fürsorglich zieht er Boris an sich, streichelt ihm beruhigend über den Rücken…flüstert ihm leise Worte zu…und bestärkt Boris darin, dies mit ihm zusammen durchzustehen, um gemeinsam Abschied nehmen zu können und den Verlust zu verarbeiten. Er hat in seinem Studium gelernt in schweren Situationen die passenden Worte zu finden und seine Empathie und die Gabe sich in Andere reinzuversetzen verfehlen ihre Wirkung nicht. Boris beruhigt sich fühl- und sichtbar.



Er legt das Stethoskop zurück in seinen Koffer und das stille Nicken von Dr. van Velden besiegelt das Unwiderrufliche, Uschis Herz schlägt nicht mehr…sie liegt auf Tobis Schoss, Boris sitzt daneben, den einen Arm um Tobi gelegt, eine Hand auf der Kleinen…noch fühlt sich ihr Körper warm an…noch können und wollen sie sich nicht trennen, brauchen etwas Zeit zusammen, um zu realisieren was ist… Ohne gross Worte zu verlieren verabschiedet sich der Tierarzt und lässt sie alleine…alleine, damit sie die Kleine verabschieden können, ihrer Trauer Raum geben dürfen und den Emotionen und Empfindungen, die der Tod eines geliebten Familienmitglieds mit sich bringt, freien Lauf lassen können…
RIP süsse kleine Maus!
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