Dazai, Chuuya, Verheiratet

KurzgeschichteHumor, Romanze / P18 Slash
Atsushi Nakajima Chuya Nakahara Dazai Osamu Ryunosuke Akutagawa
01.09.2019
01.09.2019
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Das Rating als P18 ist hauptsächlich für den allerletzten Abschnitt "BONUS", da dieser Dazai's Psyche ein wenig erkundet.

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Das erste Mal dass Atsushi *etwas* bemerkte, war, als Dazai mit einem theatralischen Seufzen sein Handy von sich schob. Gesicht in einer Armbeuge auf dem Tisch vergraben stupste er das Gerät mit einem einzelnen Finger immer weiter zur Tischkante über dem Papierkorb.
Es war … keine Neuerung in den doch zahlreichen merkwürdigen Eigenheiten Dazai’s, aber in letzter Zeit war sein Hang zur Theatralik oft mit seinem Handy verbunden. Oder eher und viel mehr mit einem Gesprächsverlauf darauf.
Just bevor das Gerät von der Tischkante kippte, erkannte Atsushi einen Verlauf voller roter Herz-Emoji - in voller Größe.
Die Akte, die er soeben hatte ablegen wollen, fiel ihm aus der Hand und natürlich direkt neben den Tisch. Bevor Atsushi sich Kunikida‘s Vortrag über Achtsamkeit anhören konnte, spürte er Dazai’s Blick auf sich. Der Brünette hatte den Kopf leicht schief gelegt, das Gesicht betont - und unbehaglich - ausdruckslos. Atsushi’s Augen weiteten sich für einen Moment, bevor er das Starren zwischen ihnen brach und hastig die Unterlagen aufhob.

* * *

Durch Umstände waren die Bewaffneten Detektive und die Port Mafia hinter der selben kleinen Gang her, einer Schmugglerbande deren zweite Führungsperson eine Fähigkeit besaß. Die Informationen die sie im Vorfeld hatten - Ranpo zur Zeit wegen eines Falls in Kyoto - waren gelinde gesagt spärlich.
Tatsächlich hatte es nichtmal gereicht um sicher zu sein, dass die Port Mafia ebenfalls involviert sein würde. Zumindest… für den Großteil der Detektei.
Atsushi war jedoch ziemlich sicher, dass Dazai nicht den Hauch echter Überraschung verspürte, als er mit überzogenem Schnappen nach Luft Chuuya und Akutagawa bemerkte. Wie um Atsushi’s Verwirrung nur noch weiter zu festigen, versteiften sich beide Mafiosi bei ihrem Anblick. Atsushi’s Blick hing dabei jedoch besonders an Akutagawa.
Seinem Teampartner und Dazai‘s ehemaligem Mentee - der Begriff Protegé fühlte sich falsch an im Kontext. Ehrlich gesagt muss man eingestehen, dass Akutagawa auch Dazai‘s Opfer war… es war noch immer deutlich darin wie er geschockt einfror sobald er den Bandagierten unerwartet antraf. Es war deutlich darin wie er regelrecht zusammenbrach wenn Dazai ihn endlich lobte. Mittlerweile tat er das oft. Nach guter Zurede von den anderen Mitgliedern der Agency - und vermutlich auch der ein oder anderen Drohung von Chuuya - weichte Dazai langsam auf. Es gab nicht wirklich eine Chance dass er und Akutagawa jemals Freunde wurden, nicht mehr, aber sie waren über die Zeit des Waffenstillstands zwischen Agentur und Mafia zumindest… freundschaftlich miteinander geworden.
Das machte auch Atsushi’s Leben einfacher, da Akutagawas anfänglicher neidgetriebener Hass gegen ihn endlich verebbte.

Trotzdem erklärte das nicht, warum auch Chuuya Dazai nun anstarrte und sich mit einem resignierten Seufzen aus seiner Starre zu reißen schien.
„Was tust du hier, beschissene Makrele?“ Dazai sog erneut hörbar Luft ein und griff sich ans Herz,
„Begrüßt man so seinen langjährigen Partner? Und vor den Kindern!“, er gestikulierte zu Atsushi und Akutagawa,
„Also wirklich, Chuuya!“ Chuuya’s genervter Blick bevor er den Mund öffnete sprach Bände.
„VERPISS DICH, DU VERSCHISSENER-!“, Atsushi’s deutliches Zusammenzucken ließ ihn abbrechen. Grummelnd sah er zur Seite weg,
„Tut mir leid, Atsushi-kun.“ Auch nach all dieser Zeit bei der Agency und in Kontakt mit der Port Mafia hatte Atsushi noch immer ein immenses Problem wenn jemand die Stimme erhob. Besonders jemand wie Chuuya, dem er noch immer nicht vollständig vertraute.
Sofort blinzelte Atsushi und verbeugte sich,
„Danke, Nakahara-san, ich versuche mich zu bessern.“ Halb seufzend, halb wütend - auf Dazai, versteht sich - schnaubend richtete der Rothaarige seinen Hut.
„Mich Chuuya zu nennen reicht völlig… Du kannst nichts dafür, diesen beschissenen Haufen Bandagen an dir kleben zu haben“, er sah Dazai finster an,
„Was tut ihr überhaupt hier?“ Wobei sein Ton eher danach klang ‚Warum weiß ich nichts davon?‘. Mit gradezu schreitenden und definitiv federnden Schritten näherte Dazai sich seinem ehemaligen Arbeitskollegen, so weit, bis dieser sich im Stehen zurücklehnte um ihm auszuweichen.
Erfolglos, denn Dazai hatte bereits einen Arm um seine Schultern gelegt und zog ihn nun an seine Seite.
Sich um Atsushi‘s Willen zusammenreißend schnalzte Chuuya mit der Zunge, er spürte förmlich, dass Dazai auf ihn hinab grinste. Die beiden Jüngeren wechselten unterdessen einen Blick miteinander, bevor sie beide ein Augenrollen andeuteten.
„Also, dann will ich dich mal aufklären, mein unwissender kleiner Chibi“, wäre es nicht wegen Dazai‘s Berührung, wäre Chuuya wohl ein Stück weit in den Asphalt eingebrochen,
„Wie der Zufall es so will ist Atsushi hinter dem gleichen Schmuggler her wie du.“

„Gut“, es war so geknurrt, dass es definitiv nicht gut klang,
„Aber was tust DU hier?!“ Daraufhin fing Dazai an zu lachen, bevor er zurück trat und eine Hand ans Kinn hob,
„Na beweisen dass ich Fälle genauso gut lösen kann wie Ranpo!“, er zuckte mit den Schultern, eine ausladende Geste,
„Wir müssten auf ihn warten wegen der Beweise und dann müssten wir uns seine Sticheleien anhören und… ich warte nicht gerne, wenn es mir nichts bringt.“ Chuuya blinzelte für einen Moment überrascht, bevor er selbst anfing zu lachen,
„Ihr zwei solltet das endlich klären. Am besten in einem Buch von diesem Poe, wenn das schief geht bin ich dich danach wenigstens los, du bandagierte Platzverschwendung.“ Bevor Dazai antworten konnte, hustete Akutagawa in sein Taschentuch.

Atsushi‘s Blick flackerte zwischen den Drei hin und her, so wie selbst Dazai auf das Husten reagiert hatte, *musste* er etwas verpasst haben.
„Das meinst du doch nicht ernst, Chibi“, säuselte Dazai, bevor er seine Hände wieder in die Taschen seines Trenchcoat steckte,
„Außerdem wissen wir alle, dass Poe die Sache zu Ranpo‘s Vorteil auslegen würde. Oder zumindest eher gegen mich.“ Wenigstens konnte Atsushi jetzt wieder mitreden, nach der Sache mit der Gilde damals war jedem in der Agentur aufgefallen, dass Ranpo überraschend oft amerikanische Süßigkeiten aß.
„Wäre schon beschissen, jemanden den man liebt für immer in nem verkackten Buch zu verlieren“, murmelte Chuuya dann. Kaum hörbar und sicher nicht für seine Ohren bestimmt, aber mit den Kräften des Tigers hörte Atsushi es dennoch. Bevor Dazai und Chuuya sich weiter angiften und richtig in Fahrt kommen konnten, machte Akutagawa sie auf eine Bewegung aufmerksam,
„Die Zielperson scheint angekommen zu sein.“ Während Atsushi sich bereit machte und mit Akutagawa gemeinsam um die Ecke lugte, wechselten Dazai und Chuuya einen Blick - stumme Kommunikation zwischen ihnen - bevor Dazai eine Augenbraue hob.
Chuuya’s Blick wurde für einen Moment finster, und wie er das ernst meinte!
„Los, Atsushi, wir gehen. Akutagawa, du bleibst bei der Makrele“, damit wandte er sich abrupt von Dazai ab und packte im Vorbeigehen Atsushi.
Sein Grinsen unterdrückend beobachtete Dazai das Gezappel seines neuen Mentee als sein Partner ihn ohne Probleme hinter sich her zog.

* * *

Das nächste Mal, das Atsushi dem rothaarigen Mafioso begegnete, war auf dem Rückweg eines Kampfes. Er war erschöpft und ausgelaugt und wollte nur noch ins Wohnheim zurück. Aber er war ein Mitglied der Detektei und konnte deswegen nicht ignorieren zwei verdächtige Gestalten in einer Gasse zu sehen.
Bevor Atsushi sich näher als ein paar Meter anschleichen konnte, verschwand eine der Personen. Blinzelnd suchte er die Gasse ab und zuckte heftig zusammen, als er ein Messer an seinem Hals spürte. Gin stand hinter ihm.
Sobald ihre Augen sich trafen entspannte Chuuya sich, komischerweise.
„Du nur“, er bedeutete Gin das Messer sinken zu lassen,
„Und so langsam wie du reagiert hast sowieso keine Gefahr.“ Atsushi’s Blick verfinsterte sich etwas wegen dem kleinen Seitenhieb.
„Was macht ihr hier?“, er sah sich unauffällig um.
„Der Bandagenhaufen hat uns einen Tipp gegeben“, Chuuya verzog das Gesicht,
„Eigentlich Zuständigkeit der Schwarzen Echse, aber da der Tipp an mich ging…“ Das erklärte die merkwürdige Team-Zusammenstellung, verwirrte Atsushi jedoch erneut,
„Dazai-san gibt Informationen an die Mafia?!“
Gin hob eine Augenbraue. Die Kooperation und Zusammenarbeit zwischen Port Mafia und Bewaffneten Detektiven war mittlerweile eine solide Sache. Wenn es Informationen waren die die Mafia zum handeln innerhalb des Rahmens der Kooperation - also Verteidigen ihres Schmuggler-Monopols und ohne sinnlose Gewalt - animierten… es war doch klar, dass grade Dazai solche Informationen streuen würde.
„Nein. Er gibt Informationen an mich“, korrigierte Chuuya trocken und richtete seinen Hut,
„Weil er weiß ich hasse unnötige Gewalt und ich werde dafür sorgen, dass Probleme im Rahmen der Allianz geregelt werden.“ Atsushi nickte langsam, das machte Sinn.
Stille zog sich.

„Ich bin ehrlich gesagt stolz auf Dazai“, murmelte Chuuya dann,
„die Bewaffneten Detektive tun ihm wirklich gut“, er seufzte,
„und die Mafia zu verlassen war wichtig und das richtige für ihn.“ Atsushi starrte den Mafioso an, als dieser mit den Schultern zuckte und fortfuhr,
„Wir haben uns damals aussprechen können, als er untergetaucht war damit dieser Kerl von der Regierung seine Akte löscht. Er ist damals das Risiko eingegangen mit mir Kontakt aufzunehmen. Zu der Zeit sagte er sogar, er war nicht sicher es schaffen zu können… aber er wollte mir alles erklären, obwohl er das nicht hätte tun müssen. Vorher niemals getan hätte, wirklich“, als er bemerkte nicht wirklich irgendwas zu sagen und dennoch zu viel gesagt zu haben, sah er Atsushi an,
„Was ich sagen will ist, die Agentur und auch du tut ihm gut. Er ist glücklicher als damals.“

Gin hob eine Augenbraue, bevor sie eine Hand an Chuuya’s Schulter legte und leicht drückte. Atsushi‘s blanker, verwirrter Gesichtsausdruck wich einem kleinen Lächeln. Er hatte nicht viel mit den Akutagawa-Geschwistern zu tun, wenn es nicht Arbeit war, aber das bisschen was er zu Gin und ihrer Verbindung zu Dazai wusste…
Für Atsushi - und wohl auch Gin - war es ein Stück weit Beweis genug, dass Dazai selbst in der Mafia nicht vollkommen herzlos gewesen war. Er hatte zwei Waisen aus den Slums für eine mörderische Organisation rekrutiert, hatte Ryuunosuke misshandelt und psychisch beinahe gebrochen, aber er hatte auch dafür Sorge getragen Gin unter Hirotsu bei der Einheit der Schwarzen Echse unterzubringen.
Gin insofern zu verstecken, da in der Führungsriege durchaus bekannt war, dass Mori eine Vorliebe für kleine Mädchen hatte. Vermutlich würde Dazai selbst es nie erklären, sofern sogar er selbst das überhaupt konnte, aber er hatte ein Kind beschützt und das andere leiden lassen. Auf der anderen Seite hatte er nie behauptet ein guter Mensch zu sein, obwohl er sich scheinbar sehr geändert hatte seit er dem Detektivbüro beigetreten war.
„Mein Bruder versteht ihn mittlerweile, zumindest den Verrat und was danach passiert ist“, Gin‘s Stimme war leise und zart wie immer, ein krasser Gegensatz zu ihrem Mafia-Persona,
„Seit er wegen seinem Versprechen die Mafia verlassen hat versucht er zu leben.“
Stille breitete sich in der Gasse aus, zwischen den beiden Mafiosi und Atsushi.

Er verstand, mit diesem Kontext machte es Sinn, dass Dazai verspätet Kontakt zu Chuuya aufgenommen hatte. Die Mafia zu verlassen hatte ihm neue Perspektiven und damit Hoffnung gegeben.
Auch heute schienen die meisten von Dazai’s Beziehungen tendenziell eher oberflächlich, zumindest soweit Atsushi das beurteilen konnte. Chuuya - von allen Menschen - schien die Person zu sein, der gegenüber Dazai sich am wohlsten fühlte, auch wenn das Duo eine merkwürdige Art hatte diese Tatsache zu verdrängen.
Es machte nur Sinn, dass Dazai sich ihm gegenüber hatte erklären wollen, wobei niemand recht zu wissen schien wann diese Verschiebung in ihrer Dynamik passiert war. Atsushi musste lächeln, es war gut zu wissen, dass Dazai Menschen hatte denen er ehrlich nah stand.
Und dass Chuuya meinte Atsushi gehöre wohl dazu. Nach einigen weiteren Minuten der Stille sah Chuuya auf sein Handy,
„Gin, wir gehen.“ Die Hand mit dem Handy zum Gruß hebend wandte er sich von Atsushi ab. Auf dem Handydisplay erkannten die scharfen Augen des Menschentigers einen Chatverlauf, gespickt mit wütenden aber auch Herz-Emoji in voller Größe.

* * *

Es war Ranpo, der die Stille im Büro brach. Relative Stille. Kunikida war eifrig am tippen, Kenji sprach mit seiner Topfpflanze und Ranpo selbst raschelte mit der Chipstüte neben seinem Buch. Ein Buch. Durchaus eine nennenswerte Einzelheit, wenn man denn bedachte, dass Ranpo oft zu schnell gelangweilt war um sich mit Büchern zu befassen.
Die Tüte von sich schiebend, wischte er seine Finger an einem Lappen ab, den Kunikida ihm extra dafür an seinen Tisch gelegt hatte.
„Atsushi, komm mal her.“ Aus seiner Arbeit gerissen sah der Angesprochene sich fragend um, bevor er aufstand und zu Ranpo’s Tisch kam.
„Sei ehrlich, waren Ed- Poe-kun und ich so…“, er gestikulierte zu Dazai, der mit seinem Handy in beiden Händen auf dem Sofa hin und her rollte. Atsushi blinzelte, bevor seine Augen sich weiteten und er Ranpo anstarrte.
„Du und Poe-san?!“ Es war wirklich ein offenes Geheimnis, aber niemand hatte wirklich damit gerechnet dass Ranpo es je ansprechen würde. Zur Antwort hob der Detektiv das Buch,
„Würde ich sonst einen Kriminal-Mystery-Roman lese? Niemandes Geschichten sind annähernd interessant genug!“ Atsushi nickte langsam, bevor er sich wieder Dazai zuwandte,
„Ich weiß aber nicht was du meinst, Ranpo-san.“ Aquamarine Augen öffneten sich ein wenig weiter und mustertet Dazai, der sein Handy nun anlächelte, während er mit beiden Daumen tippte.
„Sie sind gradezu schrecklich offensichtlich darin, ich meine“, Ranpo schüttelte den Kopf,
„Aber anderer Leute Geheimnisse lüften ohne darum gebeten worden zu sein ist unhöflich. Nicht, dass mich das interessiert, aber ich will mich nicht mit Dazai anlegen.“ Er winkte Atsushi näher zu sich,
„Du willst doch aber wissen was es mit ihnen auf sich hat, hm? Ich kann dir einen Hinweis geben: frag Mister Fancy Hat nach Dazai‘s Halskette.“ Atsushi starrte erst Ranpo, dann Dazai an. Als würde er die erwähnte Halskette - die er noch nie zu Gesicht bekommen hatte - quer durch den Raum ausmachen können.
„Warum Chuuya-san?“ Dazai selbst zu fragen würde lediglich zu albernen Ausflüchten, zusammengesponnenen Geschichten oder sogar Psychospielchen führen, aber warum sollte Chuuya etwas dazu wissen?
Ranpo fuchtelte mit einem Lolli durch die Luft, bevor dieser wieder den Weg in seinen Mund fand. Um die Süßigkeit antwortete er,
„Dazai beharrt doch drauf, sie sein Partner.“ Damit wandte Ranpo sich demonstrativ wieder dem Buch von Poe zu. Als Atsushi sich langsam von Ranpo entfernte, noch immer höchst verwirrt wegen dem Gespräch, legte sich der Blick aquamariner Augen auf ihn,
„Und erwähn mich bitte nicht, Mister Fancy Hat scheint weder mich noch Edgar wirklich ins Herz geschlossen zu haben.“

* * *

Einige Wochen später kam Dazai ausnahmsweise pünktlich um sieben Uhr zur Arbeit. Während fast jeder im Büro den Kopf deswegen hob, machte nur Kunikida einen Kommentar ob Dazai endlich gelernt hatte Pünktlichkeit und Disziplin zu schätzen.
Er bereute es prompt, denn Dazai hatte seine Arbeit links liegen lassen und war lieber ihm auf die Nerven gegangen. Durch die Gewohnheit dieser Situation war es relativ einfach für Kunikida Dazai einfach auszublenden.
Um so mehr verwirrte es ihn, als der bandagierte Detektiv plötzlich verstummte, auf sein Handy sah und daraufhin zur Bürotür schlenderte. Ohne ein Wort des Abschieds verschwand Dazai, mitten während der Arbeitszeit.
Nachdem der Schock von ihm abgefallen war, war Kunikida wieder am schreien und schimpfen über seinen Kollegen.

Atsushi ging die - erstaunlicherweise noch immer - zunehmende Lautstärke an die Substanz. Sich nervös im Büro umsehend bemerkte er, dass auch Kyoka nicht grade gelassen schien.
„Wir gehen Kaffee holen!“, damit packte er sie und zog sie aus dem Büro. Nachdem Atsushi und Kyoka das Gebäude verlassen hatten, hörte Atsushi Dazai’s Klingelton ein Stück weiter die Straße runter.
„Kyoka, ich“, als er sich zu ihr umwandte, nickte sie bereits.
„Lucy kann mir helfen den Kaffee für alle zu tragen“, sie lächelte schwach,
„Du willst Dazai-san hinterher, richtig? Geh. Ich sage einfach Akutagawa-senpai oder Chuuya-nii-san ist aufgetaucht, irgendwas davon glaubt Kunikida-san schon.“ Atsushi starrte sie an. Es hatte einige Zeit der Distanz und Zeit in der Detektei gebraucht, bis Kyoka überhaupt darüber nachgedacht hatte eher zu sprechen als einfach ihr Schweigen Aussage genug sein zu lassen. Nach der Sache mit Dostoyevski hatte man ihr angemerkt entspannter zu sein, Akutagawa’s Segen für ihre Entscheidung wohl eine Last von ihrer Seele. Später erst hatte Atsushi dann gelernt, dass sie auch Chuuya eher gut kannte. Beide hatten Kouyou als ihre Ausbilderin und Aufpasserin innerhalb der Mafia gehabt, daher auch die eher familiären Honorifika.
„Danke“, Atsushi verbeugte sich kurz vor ihr und sah über seine Schulter Dazai nach, sobald er wieder stand. Grade noch sehend wie der beige Trenchcoat in der Menge verschwand ließ er Kyoka stehen und lief los.
Bevor Kyoka Café Uzumaki betrat, schrieb sie selbst eine kurze Nachricht,
„Er hat sich auf den Weg in deine Richtung gemacht, Nii-san.“
Die Antwort war eine Reihe Emojis. Trenchcoat. Fragezeichen. Daumen hoch.

Atsushi hatte um einige Meter zu Dazai aufgeschlossen. Sein Talent Menschen zu beschatten war über die Jahre besser geworden, ob es für Dazai reichen würde… galt es jedoch heraus zu finden. Der Brünette bahnte sich seinen Weg durch den Menschenstrom der Großstadt, eine Leichtigkeit dabei welche einmal mehr den Eindruck vermittelte Dazai stehe irgendwie … neben der Menschheit. Sich in ihr bewegend aber nicht recht Teil davon, dazwischen eine hauchzarte Barriere, so unsichtbar wie das Hitzeflirren der Luft über Asphalt im Hochsommer.
Atsushi musste sich das ein oder andere Mal in eine Seitenstraße flüchten, Dazai hatte ein unheimliches Gespür und eine berufsbedingte Paranoia, beides Dinge denen Atsushi nur knapp entging.
Sie erreichten schlussendlich eine der populären Einkaufsstraßen, welche regelrecht mit Cafés gesäumt schien. Atsushi war grade dabei aus zu spähen welches Café genau Dazai ansteuerte, als der Mann plötzlich verschwand. Wortwörtlich.
Im einen Moment war der Trenchcoat mit den bandagierten Armen noch deutlich in der Menge zu sehen, im nächsten Augenblick verdeckte ihn eine Horde Schülerinnen und danach war er weg.

Absolut überzeugt dass er erwischt worden war sah Atsushi sich beinahe panisch um. Er wusste logisch gesehen, dass Dazai ihm nichts tun und auch seine Neugierde nicht gegen ihn verwendeten würde… trotzdem machte sich ein Unbehagen in ihm breit. Es war nie gut ein Mitglied der Port Mafia von einer Sekunde auf die andere aus den Augen zu verlieren… ehemaliges Mitglied oder nicht, Dazai war an einigen Punkten zu sehr alten Gewohnheiten verfallen als dass die Mitglieder der Detektei es ohne Unbehagen bemerkten.
Als er sich einmal mehr umsah, blieb sein Blick an etwas vollkommen anderem hängen.
Rote Haare. Orangerote Haare in einem betont unordentlichen Haarknoten, definitiv gestylt um nicht so zu wirken.

Er hatte diese Haarfarbe nur ein paar Male gesehen und jedes Mal war ein gewisser Hut darauf platziert, von dem nun jedoch jede Spur fehlte.
Atsushi starrte, als er Chuuya Nakahara scheinbar in Zivil sah.
Der Mann trug dennoch ein Hemd - waldgrün -, die Ärmel bis kurz unter den Ellbogen hochgekrempelt. Dazu trug er eine staubgraue Skinnyjeans und weiße Converse High-Tops. Wäre es nicht wegen der markanten Haarfarbe hätte Atsushi daran gezweifelt dass sogar Kyoka ihn hätte wieder erkennen können. Er war grade dabei sich abzuwenden und dezent die Flucht zu ergreifen, als blaue Augen zu ihm hinüber flackerten und sich weiteten.
Chuuya sah für einen Moment tatsächlich unschlüssig aus, bevor er zur Seite, in Richtung eines der Cafés, sah und sich dann Atsushi zuwandte. Dass Chuuya privat unterwegs zu sein schien und den kompletten Tag scheinbar auch nicht vor hatte für die Mafia zu arbeiten, beruhigte Atsushi immens. Da er Dazai ohnehin aus den Augen verloren hatte und dieser bestimmt erst wieder aufzufinden war wenn er selbst das so entschied, zuckte Atsushi - wie zu sich selbst - mit den Schultern.

„Jinko… eh, Atsushi“, begrüßte Chuuya ihn als er nah genug war, sodass er nicht mehr schreien brauchte um verstanden zu werden.
„Chuuya-san“, Atsushi lächelte ein wenig gepresst,
„Eh… ein freier Tag, wie ich sehe.“ Chuuya hob eine Augenbraue, zusammen mit seiner Hand - trotz allem behandschuht, wie Atsushi bemerkte - brach die Bewegung aber ab, bevor er seine Frisur ruinieren konnte.
„Ja, seit der Zusammenarbeit ist es ein wenig ruhiger geworden und sogar ich bekomme mal den ein oder anderen Urlaubstag“, er schien dabei an etwas zu denken und musste einen Moment später lächeln,
„Was treibst du hier?“
„Ich…“, Atsushi überlegte fieberhaft. Er war kein guter Lügner, musste sich aber etwas einfallen lassen, am besten eine…
„Ich bin Dazai-san gefolgt“, platzte es aus ihm heraus. Chuuya‘s höfliches Lächeln wich unverhohlener Überraschung, noch bevor Atsushi fortfuhr,
„Das… Kunikida wollte wissen wofür er die Arbeit sausen lässt“, keine komplette Lüge, in dem Geschrei des Brillenträgers war die Frage definitiv enthalten gewesen.
Chuuya nickte langsam, misstrauischer als zu Beginn ihres Gesprächs. Innerlich zuckte Atsushi zusammen, das hatte er toll hinbekommen, vor allem da er Chuuya noch wegen etwas hatte… ah, ja, es fiel ihm wieder ein.

„Ich habe Dazai eben aus den Augen verloren“, gab er ehrlich zu, auch um Chuuya zu beschwichtigen,
„Aber ich vermute es kann mit seiner Halskette zu tun haben…?“ Eine vorsichtige Nachfrage, die er sich kaum traute auszusprechen.
„Halskette“, wiederholte Chuuya schließlich. Der Tonfall lief Atsushi eiskalt über den Rücken, er könnte es nicht klar einordnen, zu viel Emotion, und gleichzeitig der Versuch sie aus der Stimme raus zu halten, schwang in dem Wort mit.
„Ja, ich habe neulich bemerkt dass er diese Kette trägt, einer der anderen Detektive meinte, das muss wohl aus Dazai‘s Vergangenheit vor der Agentur sein. Und da Sie der einzige sind, den ich dazu fragen kann, Chuuya-san…“, er brach ab.
„Du weißt schon, dass Akutagawa dir an den Lippen hängen würde, mittlerweile?“, Chuuya hob eine Augenbraue und musterte Atsushi von Kopf bis Fuß.
Es war… ungewohnt, um das Mindeste zu sagen, den rothaarigen Anführer der Mafia so ruhig zu sehen. Chuuya wirkte durchaus wie ein gesitteter Mensch, besonders seit dem Atsushi gelernt hatte, dass er von Kouyou erzogen worden war, konnte er diesen Aspekt garnicht mehr von Chuuya trennen. Dennoch… wann immer sie sich begegneten dauerte es nicht lange und Chuuya platzte die Hutschnur. Der einzige Unterschied diesmal - und wo Atsushi darüber nachdachte auch bei ihrem Treffen in der Gasse - war die Abwesenheit einer gewissen Person.

Als Atsushi nicht antwortete, sowohl mit seiner Erkenntnis als auch dem Kommentar über Akutagawa überfordert, seufzte Chuuya.
„Ich kann nicht fassen, dass er nichts gesagt hat, schließlich“, er brach ab, als sich ein Arm um seine Schultern legte. Ohne mit der Wimper zu zucken sah er zu Dazai auf. Bevor der Brünette etwas sagen konnte, wurde Chuuya‘s Tonfall vorwurfsvoll,
„Wie ich grade sagte, ich FASSE ES NICHT, dass du NICHTS gesagt hast!“ Obwohl Chuuya ihm praktisch ins Ohr schrie, grinste Dazai nur noch etwas breiter und zog ihn an seine Seite.
„Chuuya, Chuuya, Chuuya… natürlich habe ich es meinem Arbeitgeber gemeldet, was denkst du von mir?“, Chuuya‘s folgender Blick machte deutlich dass Dazai - und auch Atsushi - die Antwort nicht hören wollten.
„Es steht in meiner Akte, Hutständer, genau wie mein Geburtstag“, Dazai zuckte mit den Schultern, ließ seinen Arm abrutschen und zog Chuuya dabei wie zufällig in eine halbe Umarmung.

Chuuya‘s Ausdruck wurde kalt, gradezu platt und definitiv nicht amüsiert,
„Du hasst deinen Geburtstag.“ Dazai grinste nur umso mehr,
„Exakt“, damit hob er seine Hand und tätschelte Chuuya‘s Kopf, nur Zentimeter vor dem kunstvollen Haarknoten.
„DU!“, Chuuya sprang regelrecht von ihm weg, sein Blick finster genug als wolle er Dazai allein dadurch die Finger brechen, die seine Frisur gefährdet hatten,
„Ich weiß, dass du lügendes Arschloch das nicht ernst meinst, aber kannst du dämlicher Haufen Bandagen wenigstens versuchen mir nicht weh zu tun, du manipulativer…!“ Atsushi starrte, die Augen geweitet und Chuuya‘s Schimpftirade ein Rauschen in seinen Ohren. Langsam, ganz langsam, als entferne er sich von einem Raubtier, ging er rückwärts.

Bevor er sich umdrehen und die tatsächliche Flucht ergreifen konnte, räusperte Dazai sich. Das genügte. Der unscheinbare Ton in einer ohrenbetäubenden Stille, die eingetreten war sobald Chuuya aufgehört hatte zu schreien. Scheinbar auch Dazai‘s Verdienst, wobei Atsushi nicht sicher war was genau im Blick seines Mentors Chuuya beruhigt hatte.
„Chuuya“, wie ehrlich Dazai‘s Stimme klang als er den Namen aussprach schockierte Atsushi beinahe mehr als der Austausch davor,
„Wenn du willst, wirklich willst, können wir es gerne sagen“, Dazai war wieder an den Mafioso heran getreten, die vor Atsushi verborgenen Hände bewegten sich. Chuuya sah weh, er zu Boden, zwischen ihm und Dazai, dann zur Seite, weg von Atsushi.
„Ranpo weiß es ohnehin und scheinbar reißt ihm der, zugegeben kurze, Geduldsfaden, wenn er sogar schon Atsushi auf uns ansetzt.“
Der Rothaarige seufzte,
„Du hast deine Gründe… die hast du doch immer.“

Dazai lächelte als er sich halb von Atsushi abwandte und mehr zu Chuuya umdrehte,
„Tatsächlich nein. In der Mafia hat Vertrauen den Unterschied zwischen Leben und Tod gemacht und persönliche Bindungen waren eine Schwäche“, er warf Chuuya einen undefinierbaren Blick zu, bevor er in die Hände klatschte und strahlte,
„Ich bin aber nicht mehr in der Mafia, also kann‘s mir egal sein.“ Scheinbar war auch Chuuya selbst von dem plötzlichen Umschwung zwischen todernst und unbeschwert überrascht, er starrte Dazai an. Genervt stöhnend, ein halbes Grummeln und nur vage Dazai‘s Name, schüttelte er den Kopf,
„Dazai, du bist ein Idiot. Ich richte mich nach dir.“ Dazai hob eine Augenbraue, sein Ausdruck ansonsten aber ruhig, was verriet dass er mit der Antwort gerechnet hatte.

Langsam beugte er sich zu Chuuya, legte eine Hand an dessen Schulter und zupfte an dem Kragen seines waldgrünen Hemds. Atsushi sah, dass Dazai etwas flüsterte, aber mit der Geräuschkulisse der belebten Einkaufsstraße und dem Abstand zwischen ihm war es nichtmal ihm möglich zu hören weswegen Chuuya plötzlich rot anlief.
„Also dann“, Dazai richtete sich wieder auf und warf Atsushi über die Schulter einen Blick zu, der dem menschlichen Tiger das Blut in den Adern gefror,
„Sag Kunikida einfach, ich unterhalte die Kommunikation mit unseren wertvollen Verbündeten von der Port Mafia“, sein Lächeln wurde eine Idee ehrlicher,
„Er braucht heute nicht mehr mit mir zu rechnen.“
Atsushi blieb stehen, als Dazai Chuuya mit einer sanft aussehenden Bewegung umdrehte. Mit einer Hand am Kreuz des Mafioso, die Dazai nichtmal versuchte zu verbergen, führte er ihn von Atsushi weg.

* * *

Das nächste Mal dass Atsushi mit der Port Mafia zu tun hatte, war eine gemeinsame Mission. Natürlich von Dazai eingefädelt und dabei instrumentalisierte er sowohl die ihm intimst vertrauten Vorgänge der Mafia als auch seine eigenen Kollegen. Als Folge dessen war der Gegner trotz absoluter Übermacht innerhalb von drei Tagen in die Knie gezwungen. So zumindest der Plan.
„Dazai!“, Chuuya riss den Brünetten grade noch aus dem Wirkkreis einer Explosion, sodass sie beide lediglich von der Druckwelle gegen die nächste Wand geschleudert wurden. Noch bevor sie sich aufgerappelt hatten, krachte Atsushi *in* die Wand und blieb in dem entstandenen Loch hängen. Zwischen den Geräuschen des andauernden Kampfes und Akutagawas Geschrei an seinen Teampartner, er solle gefälligst aufstehen, zog Dazai Chuuya auf die Beine. Ihre Hände blieben beieinander, sie wechselten einen Blick.
„Sie können es schaffen“, sagte Chuuya mit Bestimmtheit, obwohl Atsushi grade erst dabei war sich aus dem Krater in der Wand zu befreien. Dazai nickte,
„Können sie. Aber nur weil man etwas schaffen kann, heißt das nicht dass man es auch schaffen muss“, er legte den Kopf schief,
„stimmt’s, Partner? Sie haben genug geleistet, meinst du nicht?“ Chuuya seufzte, sah sich nach Atsushi um und drückte Dazai’s Hand in seiner.

„Oi! Akutagawa, Rückzug!“, sein Ruf laut genug um den Kampf zu übertönen. Der schwarzhaarige Mafioso schien protestieren zu wollen, war herumgewirbelt. Dann jedoch fiel sein Blick auf Atsushi, der auf dem Boden kniete und sich die Seite hielt. Sie - das neue Team - hatten den Großteil der feindlichen Organisation ausgelöscht. Sie hatten die letzten drei Tage beinahe konstant in Kämpfen oder der Vorbereitung auf diese gesteckt, es war beinahe geschafft, deswegen auch,
„Rückzug?! Wir können jetzt nicht aufgeben!“ Chuuya schüttelte langsam den Kopf, während Dazai zu Atsushi hinüber ging und diesem auf die Füße half.
„Guck dir deinen Partner an, Akutagawa, RÜCKZUG“, er nahm seinen Hut ab. Den Kopf von einer Seite zur anderen rollend um seinen Nacken ein wenig zu entspannen, wartete er bis sowohl Dazai - der Atsushi nun stützte - als auch Akutagawa bei ihm waren. Die Feinde rückten natürlich nach.
Akutagawa seinen Hut in die Hand drückend, bedeutet er diesem Atsushi von Dazai zu übernehmen,
„Rückzug für euch“, damit zog er seine Handschuhe aus und gab sie Atsushi.
Dazai’s Augen funkelten, er grinste als halte er allein die Macht einer Naturgewalt in bloßen Händen,
„Wir“, er beugte sich schwungvoll vor, die Hände an die Hüften gestützt,
„fangen grade erst an!“ Das Leuchten in seinen Augen hatte etwas von seinem in der Agentur gefundenen Lebenswillen aber auch einen guten Anteil der gefährlichen Aura eines Mafia-Anführers.

Der fliegende Wechsel zwischen den Teams hatte bereits vor einigen Minuten stattgefunden, es war ein Wunder dass der Kampf so lange andauerte wie er es tat, als Atsushi den Kopf hob. Seine Augen weiteten sich, als er sah wie Chuuya kämpfte.
Haltlos, rohe Gewalt. Die entfesselte Macht einer Gottheit der Katastrophe.
Es war beängstigend und fesselnd zu beobachten. Als Akutagawa bemerkte, dass Atsushi wieder mehr seines eigenen Gewichts trug, wechselte er seinen Griff um ihn ein wenig. Sie lehnten nun praktisch aneinander, da auch Akutagawa sich erlaubte gegen Atsushi zu sacken, und stützten sich gegenseitig.
Das jüngere Duo hatte gute Arbeit geleistet, nach einigen weiteren Augenblicken war der Kampf vorbei und Chuuya stand in Mitten von Zerstörung, Verwüstung.
Atsushi konnte kaum blinzeln, da war Dazai bei dem Rothaarigen und fing ihn. Während er beobachtete wie Chuuya in Dazai’s Arme kippte, festigte sein Griff sich um Chuuya‘s Lederhandschuhe. Die Macht seiner Fähigkeit verließ ihn und damit scheinbar auch die Energie, so wie er Dazai in die Arme fiel.

„Huh“, der Weißhaarige drückte sich etwas von Akutagawa weg, wobei er unwillkürlich seinen Griff um Chuuya’s Lederhandschuhe festigte. Etwas hartes presste durch das stabile Leder gegen seine Handfläche.
„Was, Jinko?“, der Biss fehlte, die Anrede als menschlicher Tiger klang mehr wie ein Spitzname, als Akutagawa ihn ansah.
„Nichts“, Atsushi löste sich ein wenig mehr von seiner Seite, als er beobachtete wie Dazai Chuuya nun hochhob. Er starrte, als der Brünette seinen Partner mit einem Arm um seine Mitte und einem Arm unter Chuuya’s Knien hochhob und an sich drückte. Es hätte beinahe liebevoll gewirkt, wie Dazai Chuuya nun hoch hob und zu ihnen hinüber trug.
Die Verwunderung Atsushi’s war nun so offensichtlich, dass Akutagawa ihn anblaffte,
„WAS, Jinko?“
„Naja“, Atsushi sah für einen Moment weg, als Dazai Chuuya drückte,
„ich dachte irgendwie… hassen die beiden sich nicht?“
Akutagawa starrte ihn an,
„Was?“
„Ich dachte sie hassen sich“, murmelte Atsushi erneut und bemerkte endlich etwas Hartes in dem Handschuh. Während Dazai stetig auf sei zukam, lockerte Atsushi seinen Griff um die zusammengeknüllten Handschuhe. Daran herum tastend stellte er fest, dass es nicht nur Einbildung oder eine Falte des stabilen Materials war. Tatsächlich befand sich etwas in den Handschuhen.
Sein Blick schnappte regelrecht zu Akutagawa hoch, als dieser erneut sprach. Akutagawa starrte ihn ungläubig an, „Jinko… sie sind verheiratet.“ Die Emotion schwang in seiner Stimme ebenso mit, als er Atsushi ansah als könne er nicht einschätzen ob er bei Sinnen war. Diese fragende Besorgnis, wenn man nicht wusste ob jemand bei klarem Verstand war und ernst machte oder nicht doch einfach verwirrt war. Während Akutagawa ihn so anstarrte, hatte Atsushi weiter an dem Handschuh herumgefingert und etwas bis zum Saum geschoben.
Neugierig und ein wenig misstrauisch sah er auf seine Hände hinab. Tatsächlich, was aus dem linken Handschuh fiel war ein Ring.

Seine Augen weiteten sich, als er das Schmuckstück hoch hob um es zu begutachten. Bevor er jedoch mehr als die Zahl des Feingehalts und eine weitere Gravur erkennen konnte, schloss sich eine Hand um seine und nahm ihm den Ring weg.
Aus schierer Überraschung stolperte Atsushi einen Schritt zurück und verlor prompt die Balance, sobald er nicht länger an Akutagawa lehnte.
„Den hätten wir gern zurück“, lächelte Dazai, als er den Ring an Chuuya gab und seinen Arm wieder unter ihm platzierte, sodass der Rothaarige aufhören konnte sich an Dazai’s Nacken selbst in der Schwebe zu halten. Während Chuuya sich den Ring wieder ansteckte, ließ er seufzend den Kopf nach hinten kippen und atmete tief durch.
„Was für eine Woche“, er schloss die Augen und hob den Kopf wieder,
„was für eine beschissene, dämliche Kack-Drecks-Woche.“

Dazai musste grinsen, ehrlich grinsen, nicht die allzu bekannte Maske die Atsushi und Akutagawa gewohnt waren.
„Es lief alles nach meinem Plan und denen hast du noch immer vertraut, Chibi.“ Chuuya murmelte etwas, dass verdächtig nach „warum nur habe ich dich geheiratet?“ klang, beließ es aber dabei und lehnte sich ein wenig mehr gegen Dazai’s Schulter.
„Oh, ja stimmt“, die überspitzte Überraschung in Dazai’s Tonfall ließ Akutagawa die Nase rümpfen,
„Die Katze ist jetzt wohl auch aus dem Sack.“ Chuuya warf ihm einen finsteren Blick zu,
„Wenn du mich fallen lässt um die Hände vor den Mund zu schlagen, schläfst du auf dem Fußboden. Und hör auf die Kinder zu verstören, Osamu“, damit boxte er dem Bandagierten sanft gegen die Brust. Statt einer Erwiderung gab Dazai einen kaum hörbaren Laut von sich, als haben man einer Mittelschülerin ein Katzenbaby präsentiert.
„Ist ja gut, Chibi. Schlaf, ich kriege dich schon nach Hause.“
Als er weg ging hörte er noch ein leises aber verächtliches Schnauben von Akutagawa,
„Kinder… die zwei Jahre. Arsch.“ Mit einem Schmunzeln schloss Chuuya schließlich die Augen.

* * *

BONUS

Sie lagen zusammen im Bett, Chuuya hatte eine Hand in Dazai’s Haare gegraben und sein Gesicht an dessen Hals gekuschelt. Seinen freien Hals. Obwohl es noch immer selten war trug Dazai nichtmal seine Bandagen. Ohne seine Bandagen trug Dazai auch seinen Ring nicht an einer Kette, weswegen Chuuya sich bequem an ihn drücken konnte. Bis auf ihre Unterhosen waren beide Männer nackt. Sie beide hatten die Augen geschlossen und genossen den großflächigen Körperkontakt.
Dazai’s Fähigkeit hatte den Nebeneffekt der betroffenen Person ein Gefühl von Kälte zu geben. Etwas, was Chuuya anfangs gehasst hatte. Mittlerweile jedoch entspannte es ihn, weil mit der Temperatur auch seine Notwendigkeit zur Selbstkontrolle sank.
Außerdem vertraute er Dazai, hatte das widerwillig schon seit ihrer Jugend getan - tun müssen -, etwas weiteres Angenehmes was er mit der Kühle assoziierte.
Dazai’s Arm um seine Schultern, die Hand an Chuuya’s Nacken, versteifte sich ein wenig. Mit einem sanften Tritt gegen seine Wade bedeutete der Rothaarige, sein Partner solle ausspucken was los war.
„Ich versuche mich zu bessern, wirklich.“

Chuuya hob widerwillig den Kopf um ihn anzusehen. Seine Lippen hatten an einer Narbe gelegen, die sich rund um Dazai’s Hals zog. Von einem Seil. Als er sich aufsetzte und über Dazai aufrichtete, strichen seine Hände über die mit Narben gemaserten Flächen bleicher Haut. Schusswunden, natürlich. Kampfverletzungen, duzende. Aber der erdrückende Großteil war fein säuberlich, beinahe chirurgisch präzise platziert worden. Einige der Schnitte stammten tatsächlich von einem Chuuya nur allzu bekannten Skalpell.
Er fuhr mit seinen Fingerkuppen hauchzart über die Linien an Dazai’s Unterarmen,
„Ich liebe dich“, er hatte den Kopf schief gelegt, als er Dazai in die Augen sah,
„und ich bin stolz auf dich. Wirklich ehrlich stolz, Osamu. Du hast dich sehr verändert, seit du die Mafia verlassen hast. Du bist besser geworden.“ Er sah an Dazai’s Blick, dass dieser protestieren wollte und legte einen Finger auf seine leicht geöffneten Lippen,
„Du… früher war dein Blick immer… tot“, das Wort klang flach, zu emotionslos aus Chuuya’s Mund.
„Egal was du gemacht hast, egal wie sadistisch oder hedonistisch du dich benommen hast. Du bist nichtmal so lange bei den Bewaffneten Detektiven wie du in der Mafia warst, und trotzdem… du hast dieses Licht von Leben in deinen Augen. Früher hat mich die Farbe immer an getrocknetes Blut erinnert, etwas totes und trostloses, jetzt…“, er beugte sich vor, bis seine Lippen an seinem Finger auf Dazai’s Mund lagen. Dazai’s Augen weiteten sich kaum merklich.

Bevor jedoch mehr als diese Reaktion geschah, richtete sich Chuuya wieder auf,
„Was ich sagen will… du bist gewachsen und deswegen weiß ich, dass du mich nie wieder so…“, er schluckte und brach ab. Er dachte trotz allem nicht gern daran wie sie damals auseinander gegangen waren, nachdem sie sich die Jahre über das Schlechteste an den Hals gewünscht hatten. Dazai drückte einen sanften Kuss gegen den Finger auf seinen Lippen, bevor er die Hand in seine nahm und Chuuya anlächelte,
„Ein manipulativer Soziopath bin ich trotzdem.“ Chuuya seufzte, drückte mit einer Hand Dazai’s Finger und zwickte ihn mit der Anderen in die Seite,
„Tendenzen, nicht Soziopath. Du bist ein Idiot, aber mein Idiot und solange du mein bist, Makrele, ist die Welt schonmal ein Stückchen besser. Verstanden?“ Er zwickte ihn erneut. Beim zweiten Mal zuckte Dazai tatsächlich weg, seufzte theatralisch und zog Chuuya schließlich wieder auf sich,
„Du wirst mich nicht nochmal verlieren. Seit ich dich habe… *du* machst *mich* besser, Chuuya.“ Chuuya lächelte, als er sein Gesicht wieder in Dazai’s Halsbeuge grub,
„Ich weiß. Und jetzt schlaf, du denkst zu viel.“ Er verschränkte ihre Finger miteinander. Ihre Eheringe lagen aneinander.
„Chibi denkt einfach zu wenig“, lächelte Dazai in Chuuya’s unordentliche Haare, bevor er seinen freien Arm wieder um ihn legte. Das abrupt hoch gezogene Knie war leicht schmerzhaft, was Dazai aber mit einem überzogenen Stöhnen kaschierte während er Chuuya einseitig knuddelte.

Chuuya grinste zufrieden, ihm konnte Dazai nur noch sehr selten etwas vor machen. Schon garnicht wenn sie wie jetzt miteinander entspannten und niemand von ihnen Energie darauf verwenden wollte eine Fassade oder Mauer aufrecht zu halten - wobei diese Gewohnheit noch immer nicht vollständig hinter ihnen lag. Nach einigen Momenten schob er sich weiter auf Dazai.
Fast sein ganzes Gewicht auf ihm drückte er Dazai tiefer ins Bett und schirmte ihn symbolisch von der Außenwelt ab, als er mit seiner freien Hand auch noch die Bettdecke wieder über sie zog.
Dazai’s Umarmung wurde fester, während er die Augen schloss und gegen Chuuya entspannte. Chuuya streckte sich auf ihm, ließ den Arm der die Decke hoch gezogen hatte ausgestreckt auf das Kopfkissen neben ihnen fallen, und gähnte. Dazai’s Hand war dadurch auf seinem Rücken verrutscht, lag nun an seinem Kreuz statt unter seinen Schulterblättern und schob sich langsam weiter nach unten.
„Schlaf!“, murrte Chuuya noch einmal, drückte aber auch Dazai’s Finger zwischen seinen.
„Ich liebe dich auch, Chibi.“
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