Frustrierter Kauz, naive Eule

von Amery
OneshotHumor, Freundschaft / P6
Akaashi Keiji Bokuto Koutarou
01.09.2019
01.09.2019
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"Nun, Bokuto-san, ich denke, wir haben da etwas Grundsätzliches zu klären," knurrte der Erstklässler, als er in die goldenen Augen seines Gegenübers blickte.

Sein Kontrahent erzitterte ein paar Mal, als eine frustrierte Faust in den Torso krachte und der Kopf wackelte traurig, als der Hals von zwei großen Händen gewürgt wurde.

Doch bereits nach wenigen Minuten wanderte die Hände des Zuspielers nur noch ziemlich unmotiviert über die Eule.

Er war kein aggresiver Mensch und so sehr er es auch versuchte, verschafften ihm die Schläge bestenfalls temporär Befriedigung.

Ein Seufzen erklang.

"Was mach ich nur mit dir?"




Frustriert beobachtete Akaashi das Ass seines neuen Teams.

Seit drei Wochen ging er nun schon auf die Fukurōdani Gakuen und, egal ob schulisch oder sportlich, es lief bisher ganz gut.

Wenn da nicht dieser Zweitklässler wäre, der ihm noch den letzten Nerv rauben würde.

Mangels Alternativen, würde er beim Interhigh bereits als Ersatz-Zuspieler auf dem Feld stehen müssen.

Eigentlich hätte er sich über diese Chance gefreut, ergab sich für die Ersatz-Spieler der Schlüsselpositionen doch fast immer die Möglichkeit, zumindest eine Zeitlang auf dem Feld zu stehen.

Doch, dank Bokuto, hatte er eher Angst davor.

Der Angreifer war launisch, gab sich jeder Emotion ohne die geringste Selbstdisziplin sofort hin. Bei ihrem Stammzuspieler aus der Dritten war das Ass schon schwierig, aber wenn er mit Akaashi spielen musste, stieg der Zweitklässler häufig komplett aus und versank für den Rest des Trainings in seinem Jammertal.

Sein Senpai hatte versucht, dem jüngeren Zuspieler ein paar Tipps zu geben, doch das Verhältnis zwischen Zuspieler und Angreifer wurde eher noch schlechter.

"Hey," riss ihn eine Stimme plötzlich aus seinen Gedanken.

"Shirofuku-san?", fragte er verwirrt. Was wollte die Managerin von ihm?

"Mit Bokuto läuft es immer noch nicht so richtig, oder?"

"Nein, überhaupt nicht," brummte Akaashi.

"Versuch doch mal was anderes," schlug sie vor. Der Erstklässler sah sie nur an.

"Unterhalte dich doch mal mit ihm oder so," meinte sie etwas hilflos.

"Unterhalten? Über was denn? Ich bezweifle, dass wir gemeinsame Interessen haben."

"Keine Ahnung, denk dir was aus. Tatsache ist jedenfalls, dass ihr so nicht aufs Feld könnt," erwiderte sie fest. Die anderen Erstklässler schwärmten immer davon, was für ein kluger Kopf ihr zweiter Zuspieler war. Jetzt hatte er die Gelegenheit zu beweisen, dass der sich nicht nur für die Schule einsetzen ließ.




Akaashi hatte das ganze restliche Training darüber nachgedacht, was Shirofuku gesagt hatte und war zu dem Schluss gekommen, dass sie recht hatte. So konnte es wirklich nicht weitergehen.

Und da von dem Zweitklässler kein seinem Alter angemessenes Verhalten zu erwarten war, würde es wohl an ihm hängenbleiben, der Erwachsene zu sein.

Als Akaashi sich dem Ass näherte, unterhielt dieser sich gerade mit Komi, dem Libero des Teams, und Sarukui, einem der anderen Außenangreifer. Unauffällig stellte er sich in ihre Nähe.

"Und diese Englisch-Vokabeln sind voll schwer und brauchen tut die doch sowieso keiner," maulte das Ass gerade.

"Trotzdem wirst du um den Vokabel-Test nächste Woche nicht drumherum kommen. Sei lieber froh, dass euer Lehrer den so früh angekündigt hat. Das müsste dir doch noch genug Zeit zum lernen verschaffen," versuchte Sarukui ihn aufzumuntern.

"Ach, ist doch alles Zeitverschwendung. Bis nächste Woche habe ich doch sowieso wieder alles vergessen," jammerte Bokuto.

"Wenn du willst, helfe ich dir," hörte Akaashi eine neue Stimme sagen. Er brauchte einen Moment um zu verstehen, warum die drei Zweitklässler ihn so überrascht ansahen. Verdammt, er hatte das gerade wirklich laut gesagt!

Bokuto hatte, wenn ihn etwas nicht interessierte, die Aufmerksamkeitsspanne einer Fliege! Mit ihm zu lernen, würde ein Albtraum werden.

"Ja, warum nicht," meinte der Zweitklässler zögernd, als die anderen beiden ihn in die Seite stupsten. "Kannst du die denn schon? Du bist doch erst in der Ersten?"

"Nein, aber wir können sie zusammen lernen. Es sind doch nur Vokabeln."

"Na, dann. Danke."




Jeden Tag hatten sie sich nach dem Training noch in der Schul-Bibliothek getroffen und gelernt. Akaashi hatte jeden Trick anwenden müssen, um seinen Schüler bei der Stange zu halten.

Als er sich vor lauter Verzweiflung nicht mehr zu helfen wusste, versuchte er, mit Bokuto ein Gespräch über Volleyball zu führen. Auf Englisch natürlich.

Und langsam, oh, so furchtbar langsam, stellten sich die ersten Effekte ein.

Bokuto begann, sich die ersten Vokabeln zu merken und auch im Training waren winzige Fortschritte zu erkennen.

Langsam schien das Ass bereit zu sein, sich auf seinen neuen Zuspieler einzulassen.




Akaashi saß gerade in seinem Zimmer und lernte, als er seine Mutter rufen hörte.

Genervt seufzte er auf. Sah so aus, als würde er doch noch erfahren, wer eben an die Haustür geklopft hatte. Egal, ob er es überhaupt wissen wollte oder nicht.

Als er an die Tür kam, strahlte ihm auch schon ein goldenes Augenpaar entgegen.

"Sieh mal," jubelte Bokuto und schwenkte einen Zettel vor der Nase des Jüngeren. Dieser griff danach und begann, sich den Test durchzulesen.

"Ernsthaft?", fragte er und deutete auf eine rote Markierung. "Das sind wir doch so oft-", er stockte, als er die enttäuschte Miene des Älteren sah.

"Schon gut," murmelte Bokuto und wollte ihm den Zettel schon wieder abnehmen. Doch in diesem Moment sah der Zuspieler die Punktzahl.

"Vierundneunzig Prozent?! Wow, damit hätte ich nicht gerechnet," murmelte der Erstklässler beeindruckt. Er selbst, hätte zwar hundert Prozent erreicht, der Test war nicht wirklich schwer gewesen, dass sah er auf einen Blick. Aber er hatte sich eine Woche damit abgemüht, die Vokabeln in einen scheinbar völlig lernresistenten Schädel zu prügeln und hätte nicht erwartet, dass Bokuto auch nur neunzig Prozent erreichen würde.

Die Eule strahlte.

"Nicht wahr? Ich bin schon Klasse," blubberte er bescheiden.

Akaashi nickte abwesend, während er weiter den Test musterte. Er konnte es immer noch nicht glauben.

"Willst du mich nicht reinbitten?," fragte Bokuto ihn. "Wo ist dein Zimmer?"

"Da hinten," murmelte Akaashi abgelenkt.

Als sich der Angreifer an ihn vorbeischob und frohgemut den Flur entlangstiefelte, fiel dem Zuspieler etwas ein. Eiskalt lief es ihm den Rücken hinunter und er sprintete dem Älteren hinterher.

"Bokuto-san, warte!"

Doch es war bereits zu spät. Bokuto riss die Tür auf und betrat das Zimmer.

Was er dort sah, ließ ihn einen Moment erstarren. Dann warf er sich herum und sah Akaashi mit großen Krokodils-Tränen in den Augen an.

"Ich kann das erklären. Es ist nicht so, wie es aussieht," murmelte er, verlegen errötend.

"Oh, Akaashi-chan, dass ist so süß von dir!"

Perplex richtete der Zuspieler seinen Blick auf den Zweitklässler. Süß?

"Du kannst anscheinend nicht eine Minute ohne mich sein!", heulte er auf und warf sich in die Arme des Kleineren. Dieser tätschelte ihm etwas hilflos den Rücken, völlig überfordert mit der Situation.

"Warum hast du denn nichts gesagt? Statt zu lernen, hätten wir doch auch was machen können, was wirklich Spaß macht, wenn du mehr Zeit mit mir verbringen willst! Oh, wir werden die besten Freunde werden!", legte er noch eine Schippe drauf.

"Bokuto-san, ich … also … ,"stammelte Akaashi hilflos.

"Keine Angst, du wirst nie wieder ohne mich auskommen müssen! Aber sag mal, wo hast du überhaupt die Stoff-Eule her?" Neugierige Goldaugen versanken in Graublauen, nachdem sich die Umarmung der beiden etwas gelockert hatte.

"Meine Tante hat sie mir geschenkt," murmelte der Erstklässler.

"Oh, die ist so cool! Kannst du sie mal fragen, wo sie die herhat? So eine hätte ich auch gerne!"

Der Angreifer ging an den Schreibtisch und nahm die gut 80 cm große Stoff-Eule in den Arm.

"Weißt du was?", seufzte Akaashi. "Du kannst sie haben. Ich glaube, ich brauche sie jetzt nicht mehr."

"Echt? Oh, danke! Das ist so nett von dir! Aber das Foto nehmen wir ab, ja? Es wäre etwas komisch, wenn ich eine Eule mit meinem Gesicht drauf, in mein Zimmer stellen würde."

Akaashi nickte erschöpft. Vermutlich war es wirklich besser, wenn sie das Foto abnahmen.

Sollte Bokuto irgendwann einmal erzählen, wie er an eine Stoff-Eule gekommen war, die von seinem eigenen Konterfei geziert wurde, könnte diese Person dahinter kommen, für welchen Zweck Akaashi das Kuscheltier ursprünglich benutzt hatte.




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Ihr habt doch nicht wirklich geglaubt, ich würde zulassen, dass Akaashi Bokuto verprügelt, oder?

Schämt euch! ^^

Es ist ihm doch schon schwer genug gefallen, dass einem Kuscheltier anzutun!
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