Noiona  - Unter dem Schutz der Göttin

GeschichteFantasy, Freundschaft / P12
Elben & Elfen Ritter & Krieger
31.08.2019
09.11.2019
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Am nächsten Morgen erwachte ich immer noch auf dem Boden sitzend. Ich streckte mich und meine Knochen knackten. Ich rieb meinen steifen Nacken. In dieser Position zu schlafen war keine gute Idee gewesen.
Ich schaute zu der Frau. Noch immer waren ihre Augen geschlossen. Sie sollte sich ausschlafen. Unterdessen würde ich ein paar Besorgungen machen.
Ich drückte mich an der Wand hoch und schüttelte leicht meine tauben Beine. In einer Ecke auf einem Schemel standen eine große Schüssel und daneben ein Tonkrug mit Wasser. Ich füllte die Schüssel und benetzte meine Hände. Ich wusch mein Gesicht und trocknete es mit einem sauberen, alten Tuch ab, an dessen Kanten schon lange Fäden gezogen waren.
Leise verließ ich das Zimmer und trat die Treppe hinunter. Bei jeder knarrenden Stufe zuckte ich leicht zusammen und hoffte, dass die Frau von dem Krach nicht aufwachte.
Der Wirt war gerade dabei die mit Kerben versehene Holzdecke zu scheuern. Er schaute fragend auf, als ich an ihm vorbeiging. Ich erklärte ihm, dass ich kurz weg sei und er sich, falls sie aufwachte, um meine Begleiterin kümmern solle.
Als ich aus dem Gasthaus trat, stapfte ich direkt in eine große, schlammige Pfütze. Anscheinend hatte ich so fest geschlafen, sodass ich von dem Regen nichts mitbekommen hatte, denn ich erinnerte mich, dass diese Pfütze am Abend noch nicht dagewesen war.
Ich schaute mich um und erblickte das Schild einer Schneiderei. Hoffentlich hatten sie dort Kleider, die der Auftraggeber doch nicht mehr haben wollte. Ich wusste auch nicht, wo ich sonst Kleider kaufen konnte, schließlich hatte ich das selber nie gemusst. Für mich war immer ein Unterelf aus Creastao in den Palast gekommen, der dieses Handwerk ausübte.
Ich öffnete die Tür der Schneiderei und fand mich in einem düsteren Raum wieder. Es drang kaum Tageslicht durch die Fenster und nur ein paar Kerzen beleuchteten den Raum spärlich.
In diesem Moment trat ein Mann aus einem Hinterzimmer, welches von einem Vorhang verborgen war. Der Mann war hochgewachsen und schlank. Er war einfach gekleidet mit einem weißen Hemd und einer dunklen Hose. Um seinen Nacken hing eine lange Schnur, in der in gleichmäßigen Abständen Knoten waren.
Als er mich sah, weiteten sich seine Augen. „W-Was k-k-k-kann ich für Sie tun?“, stotterte er leicht verwirrt. Seine Stimme war hoch und stach etwas in den Ohren.
„Ich suche nach einem Kleid, das ich sofort mitnehmen kann!“
„Aber ich habe nichts aus dem feinen Geschmeide der Elfen. Meine Gewandungen sind einfach.“
„Das ist kein Problem. Ich suche etwas für eine junge Menschenfrau.“
Der Mann dachte kurz nach und bat mich dann hier zu warten. Er verschwand wieder in das Hinterzimmer.
Während er fort war, schaute ich mir die schlichten Stoffe an, die hier überall verteilt lagen. Meine Finger strichen über einen dunklen, rauen Stoff.
In diesem Moment kam der Mann wieder. In den Händen hielt er ein einfaches weißes Kleid, was in meinen Augen eher als Unterkleid zu erkennen war. Zusätzlich legte er mir eine Weste und einen Riemen auf den Tisch. „Mehr habe ich nicht“, gab er an, ohne mir in die Augen zu schauen.
Stumm legte ich ihm zwei Silber- und noch ein paar Kupferstücke hin, für seine Mühe. Dann nahm ich die Kleidung und verließ die Schneiderei.
Mein Weg führte mich direkt zurück zum Pub. Der Gastraum war kaum besucht. Nur ein alter Mann mit nur einem Bein saß an einem Tisch und hob einen Krug nach dem anderen an seine Lippen.
Ich eilte die Treppe hinauf und betrat das gemietete Zimmer.
Die Frau saß aufrecht im Bett und schaute aus dem Fenster. Ihr Blick wanderte zu mir als ich eintrat. Ein warmes Lächeln umspielte ihre Lippen.
„Wie ich sehe, geht es Euch besser!“, sagte ich, während ich die Tür schloss. Dann ging ich zum Bett und legte die Kleidung ans Fußende.
„Ja. Es war wohl alles etwas zu viel für mich.“
„Wir sollten bald weiter!“
„Sollten wir das?“
Ich schnaubte. „Natürlich. Der Wald ist ganz in der Nähe. Der Jäger wird bald hier sein!“
„Ja, das mag wohl sein.“ Die Frau verstummte und wirkte mit einem Mal so nachdenklich. Sie schaute erneut aus dem Fenster, hinauf zu der Anhöhe, wo der Waldrand leicht zu sehen war. „Ich weiß noch gar nicht, wer Ihr seid!“, stellte sie fest.
Leicht lehnte ich mich gegen die Wand. „Mein Name ist Liasanya. Mehr braucht Ihr im Augenblick nicht zu wissen.“
„Freut mich Liasanya. Ich bin…“ Sie verstummte. Ihre Hände fingen an leicht zu zittern, also ballte sie diese schnell zu Fäusten.
„Ihr habt immer noch keine Erinnerungen“, stellte ich betrübt fest. „Aber, wie soll ich Euch dann nennen?“
Plötzlich veränderte sich die gesamte Ausstrahlung der Frau. Ihre Haltung wurde gerader und sie somit größer. Dadurch wirkte sie irgendwie erhabener. Ihre klaren blauen Augen starrten mich direkt an. „Aber Ihr habt mir doch bereits einen Namen gegeben!“
„Hab ich das?“ Für einen kurzen Moment war ich verwirrt. Doch dann funkelten die Augen der jungen Frau hell im Sonnenlicht auf, welches leicht durch die Fenster drang.
Ihre Worte waren klar und voller Stärke, sodass alle meine Zweifel ausgeräumt wurden. „Ja, das habt ihr! Noiona!“
Es war so, als ob ich von der Dunkelheit ins Licht treten würde. Nun war ich mir bewusst, wer die Frau war. Sie war Noiona. Meine Göttin, die mir in Gestalt dieser Menschenfrau erschienen war. Meine Rettung. Doch warum ich ihr so begegnet war, war mir noch immer ein Rätsel. Vielleicht eine Prüfung?
Unwillkürlich musste ich lächeln. „Ja. Ihr seid Noiona!“
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