Blutrache - Walthers Aufstieg

GeschichteDrama, Übernatürlich / P16
Elijah Mikaelson Niklaus Mikaelson OC (Own Character) Rebekah Mikaelson
31.08.2019
07.03.2020
18
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31.08.2019 709
 
19. Mai 1539 – Soltzhusen

»KNUT! KNUT! HERRGOTT nochmal, wo steckt der Junge wieder?«

Friedhelm, der Wirt eines kleinen Gutshofs in der norddeutschen Ortschaft Soltzhusen stand verärgert auf seinem Hof. Er hatte die Fäuste in seine breiten Hüften gestemmt und blickte sich suchend um. Jakob, der Schäfer aus dem Nachbarort hatte ihn darauf aufmerksam gemacht, dass eine Kutsche auf dem Weg zu ihm war. Ein paar noble Herrschaften aus einem fernen Land säßen darin und seien auf der Suche nach einer geeigneten Unterkunft für die nächsten ein bis zwei Nächte.

Der Schäfer selbst hatte den Edelleuten Friedhelms Gutshof empfohlen. Die beiden kannten sich bereits seit ihrer Jugend und empfahlen sich gegenseitig gern weiter, wenn sich die Gelegenheit dazu bot. Der Schäfer dankte es dem rundlichen Wirt mit einer jährlichen Lieferung Wolle und ab und an mit frischem Lammfleisch. Friedhelm lud Jakob dafür an Feiertagen oft zum Forellenessen ein.

Doch heute hatte Friedhelm nur einen Gedanken: Die besten Zimmer mussten vorbereitet werden, um den Gästen zur Verfügung gestellt werden zu können. Lise, die alte Magd war auf dem Wochenmark in Lüneburg gewesen, um Speisen einzukaufen und ein paar Hühnereier aus dem eigenen Stall zu verkaufen. Sie würde erst am nächsten Tag mit ihrem kleinen, wackligen Eselskarren zurück sein.

»Knut! Da brat mir doch einer einen Storch. Was treibt er so lange?«

Der Wirt wurde langsam ungeduldig. Sein Knecht, der junge Knut, war heute der einzige Mitarbeiter auf dem Hof und sollte die Vorbereitungen für die angekündigten Gäste treffen. Doch er war ein Träumer. Immer lustwandelte er lieber in der Natur oder spielt mit irgendwelchem Getier, anstatt sich auf seine Arbeit zu konzentrieren. Plötzlich, als er sich schon wieder umdrehen und zurück ins Haus gehen wollte, hörte Friedhelm das Knarren einer Tür.

»Sie haben nach mir gerufen, Herr?« Ein junger Mann kam eilig aus dem kleinen Stall gelaufen, in dem Reisende bei Bedarf ihr Vieh unterstellen konnten. Er wischte sich die schmutzigen Hände an einer versifften Schürze ab.

»Knut, wo hast du denn wieder gesteckt?«, fragte der Wirt und gab seinen Knecht einen kleinen Klaps auf den Hinterkopf.

»Ich habe die Katzen im Stall gefüttert. Sie haben Nachwuchs«, antwortete Knut und rieb sich verlegen die Stelle am Kopf, an der er eben den Klaps zu spüren bekam. »Drei kleine Maikätzchen.«

Friedhelm war ein strenger, aber dennoch gerechter und nachsichtiger Arbeitgeber und musste herzhaft lachen, als er die Geschichte des Burschen hörte.

»Mein Junge, die Katzen sind nicht ohne Grund bei uns im Stall«, sagte er und schüttelte amüsiert den Kopf. »Die sollen uns die Ratten und Mäuse vom Leib halten. Von denen sollen sie sich ernähren. Verschwende nicht unser eigenes kostbares Essen an diese Viecher! Sonst verwöhnst du sie zu sehr. Und jetzt geh rein und bereite unsere besten Zimmer vor. Wir erwarten edle Gäste. Ab!«

»Sehr wohl, Herr. Ich bitte vielmals um Verzeihung.« Knut verbeugte sich tief vor seinem Herrn und eilte unverzüglich ins Wirtshaus, um seiner eigentlichen Aufgabe nachzugehen.

»Und wasch dir gefälligst sie Hände und zieh diese furchtbare Schürze aus!«, rief der Wirt ihm nach. »Ich will nicht, dass unsere neuen Gäste ein Zimmer vorfinden, in dem es nach Katzen und anderem Viehzeug stinkt!«

»Wird sofort erledigt, Herr!«, antwortete Knut und eilte in eine kleine Kammer am hinteren Ende des Wirtshauses, wo sich eine gusseiserne Schüssel mit frischem Wasser befand.

Es war unter anderem Knuts Aufgabe, diese immer wieder aufzufüllen. Dazu musste er jeden Morgen und jeden Nachmittag zu dem einzigen Brunnen gehen, den Soltzhusen besaß. Außerdem kümmerte er sich darum, dass der Gutshof stets frische Forellen geliefert bekam. Der Fischer Markus steckte ihm manchmal sogar eine gebratene Forelle zu. Dafür allerdings versprach Knut ihm, wolle er ihn im Herbst immer mal ein Körbchen voll Pilze mitbringen. So hatte hier ein Jeder seine höchst eigenen Methoden, um sich das karge Leben so angenehm wie möglich zu machen.

Knut war damals 16 Jahre alt, als er bei Friedhelm um Arbeit und Unterkunft bat. Er kam aus einem armen Elternhaus. Zeitlebens hatte er jeden Bissen, der auf den Tisch kam, erbittert mit seinen Geschwistern teilen müssen. Seine beiden älteren Brüder wurden ebenfalls nach ihrem 13. Geburtstag vor die Tür gesetzt. Damals brach für den kleinen Knut eine Welt zusammen, denn die beiden beschützen ihn stets vor den Wutausbrüchen seines Vaters.