Das Prinzip Warteschleife

von LadyMarJa
GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Blaise Zabini Charlie Weasley Draco Malfoy Harry Potter Hermine Granger Ronald "Ron" Weasley
31.08.2019
09.11.2019
7
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Das Prinzip Warteschleife


Hallo ihr Lieben,


die vergangenen zwei Wochen waren verflixt schnell um –  jedenfalls aus meiner Sicht – und so darf ich euch heute zum nächsten Streich und damit nach Mailand einladen. Begleitet Harry und das Team von BaD-L zur Modemesse und lasst euch überraschen. Wird es unserem Lieblingshelden dort gefallen? Wer weiß, wer weiß …

Mit einem herzlichen Dankeschön an die lieben Reviewer gebe ich den Startschuss für ein …:


7. Kapitel: Italienisches Fiasko
Herbst 2001

Mailand war die Hauptstadt der italienischen Mode schlechthin. Wer etwas auf sich hielt, traf sich hier in regelmäßigen Abständen, um entweder die eigenen Kreationen ins rechte Licht zu rücken oder bei der Konkurrenz mit Adleraugen danach zu suchen, was eventuell die kommenden Trends verraten würde. Gewiss, das Meiste von den gezeigten Kollektionen war nicht tragbar – gemessen an dem, was durchschnittliche Kunden erwarteten. Aber auch für die gut betuchten Besucher fanden sich nur vereinzelt Kleider oder Roben, die sie vom Fleck weg würden erwerben wollen. Doch darum ging es nur nebensächlich. Das Hauptaugenmerk lag vielmehr darauf, die Kreativität der Modeschöpfer auszuloten und ein wenig die Richtung zu weisen, wohin die Modereise der nächsten Saison gehen könnte. Die Anregungen, die die Besucher hier mitnahmen, setzten sie in ihren eigenen Kollektionen um; gemäßigt, alltagstauglich, akzeptabel.

Die große Messe edler Herrenmode, die Milano Moda Uomo, fand regelmäßig im Frühsommer statt. Doch auch jetzt, der Herbst hatte sich längst gegen den Sommer durchgesetzt und würde schon bald dem Winter weichen müssen, gab es eine kleine erlesene Präsentation, bei der sich auch die Modeschöpfer der magischen Welt präsentierten konnten.

In Mailand hatte sich die BaD-L-Mannschaft in einem hübschen Hotel eingemietet, welches über einen imposanten Konferenzbereich verfügte. Dieser wiederum war umfunktioniert worden und bot nun den Platz für die Eröffnungs- und die Schlussgala dieses Jahres. Für Dracos Team war das von entscheidendem Vorteil, denn sie mussten die katastrophalen Zustände des Mailänder Straßenverkehrs nicht einkalkulieren, um immer beizeiten vor Ort zu sein. Der Einsatz von Magie war leider nicht angeraten, denn der Modenschau wohnten auch viele Muggel bei, denen man schlecht erklären konnte, wie man binnen eines Wimpernschlages von A nach B kommen konnte, ohne im Stau zu stehen und hektische Schimpftiraden italienischer Autofahrer über sich ergehen lassen zu müssen. Außerdem schonte es ihre Kollektion gewaltig, wenn sie nicht ständig auf ein handliches Format verkleinert und danach wieder auf die ursprüngliche Größe zurückverwandelt werden musste. Lediglich an den zwei mittleren Tagen der Schau mussten sich die Londoner mit diesem Chaos arrangieren, ansonsten – wie gesagt – hatten sie Glück infolge der gelungenen Hotelauswahl.

Harry teilte sich ein Zimmer mit Wolodja. Miguel und Brian bewohnten ebenfalls ein Doppelzimmer. Yoshitaka hatte wunschgemäß ein Zimmer für sich bekommen, denn seine Frau würde der Mailänder Modewoche ebenfalls beiwohnen und da ihre beruflichen Arrangements sie recht oft in verschiedene Ecken der Welt führten, wollten sie gern die Gelegenheit nutzen, wenigstens für die paar Tage zusammen zu wohnen.

„Wahnsinn“, hatte Wolodja gestaunt, als er vom Fenster des Zimmers hinüber zum Dom sah. „Und gleich daneben …“

„… befindet sich die wahrscheinlich schönste Einkaufsgalerie der Welt, die Galleria Vittorio Emanuelle II.“, ergänzte Harry, der neben ihn getreten war und seinen Blick ebenfalls schweifen ließ. „Sie beginnt direkt an der Piazza del Duomo.“

„Warst du schon mal dort?“, erkundigte sich Wolodja interessiert.

„Nein“, gestand Harry mit einem Seufzer. „Aber ich habe Bilder von ihr gesehen und auch schon so manches darüber gelesen. Von der Architektur her scheint sie ein bisschen der Winkelgasse in London zu ähneln.“

„Echt? Das müssen wir überprüfen!“, entschied Wolodja euphorisch und Harry ließ sich von dieser Idee mitreißen.

„Und ob! Gleich morgen nach dem Frühstück …“, hob er an, doch Wolodja unterbrach ihn.

„… was wiederum davon abhängt, wie Draco den Vormittag verplant hat. Glaub nicht, dass er und Blaise uns von den Proben freistellen, bloß weil wir einkaufen gehen wollen.“

„Wer sagt denn, dass ich etwas kaufen will?“, konterte Harry, doch im Stillen musste er Wolodja Recht geben.

Nicht? Und was wollen wir dann dort, wenn wir nichts kaufen?“

„Schauen und staunen – das tut’s manchmal auch“, erklärte Harry und zuckte mit den Schultern. Dann kehrte er dem Fenster und damit der grandiosen Aussicht den Rücken zu und begann, einen Teil seiner Sachen im Schrank zu verstauen sowie die Kosmetikartikel im Bad zu deponieren.

„Willst du lieber das rechte oder das linke Waschbecken?“, rief er von dort aus Wolodja zu.

„Ist mir egal – Hauptsache, ich kann mich daran festhalten“, kam es von dem fröhlichen Russen zurück. „Bin nicht so der Frühaufsteher.“

„Okay“, lautete Harrys knapper Kommentar, bevor er seine Sachen ausbreitete. „Mein Zeug steht links!“

„Geht klar“, kam es von Wolodja. „Ach … Kann ich dafür das Bett aussuchen? Ich …“

„Mach das“, räumte Harry ihm ein, als er schon wieder auf dem Rückweg war – angesichts der Großzügigkeit der gebuchten Räume konnte man das durchaus so bezeichnen, denn die Zimmer waren nicht in drei oder vier zügigen Schritten durchquert.

Zeit für weitere Diskussionen hinsichtlich der Raumaufteilung blieb nicht, denn es klopfte. Nach einem zweistimmigen „Herein!“ steckte Brian seine rotblonde Mähne durch den Türspalt.

„Hey, ihr sollt euch beeilen – Draco und Blaise haben für heute die erste Probe angesetzt“, verriet er den beiden. „Abmarsch ist in fünf Minuten.“

„Das wird knapp“, ließ Wolodja den Iren wissen, der griente und wieder verschwand.

„Dann räumen wir den Rest später ein“, schlug Harry vor und schnappte sich seine Schuhe, welche er gleich hinter der Eingangstür abgestellt hatte, als sie das Zimmer betreten hatten. „Einen Malfoy lässt man besser nicht warten.“

„Du scheinst ihn nicht besonders zu mögen, hm?“

„Das kann man so nicht sagen. Es ist nur so, dass ich die alten Erfahrungen im Umgang mit ihm nicht ganz aus dem Kopf kriege“, gab der Schwarzhaarige zu.

„So schlimm?“

„Schlimmer!“, lachte Harry, denn er konnte verstehen, dass es für Außenstehende befremdlich sein musste, denn Draco hatte sich wirklich sehr zu seinem Vorteil verändert. Von dem arroganten, verzogenen Bengel aus Hogwarts-Zeiten war nicht mehr viel … Oh doch, es war schon noch einiges übrig geblieben: Arrogant konnte Draco auch heute noch sein, und er konnte sein Gegenüber noch immer spüren lassen, dass er sich haushoch überlegen fühlte. Dass er seine Ausbildung mit Bravour abgeschlossen und gemeinsam mit Blaise dieses erstaunliche Mode-Label hochgezogen hatte, das war allerdings etwas, was ihn hatte reifer werden lassen. Endlich konnte er etwas vorweisen, was nicht nur auf dem Vermögen seiner Eltern basierte und den vielfältigen Beziehungen seines Vaters zu verdanken war. So gesehen hatte es ihm sehr gut getan, dass er nach dem Schulabschluss auf eigenen Beinen stehen musste – es hatte ihn geerdet und seinen Stolz in die richtigen Bahnen gelenkt.

Die Zeit drängte und ließ keine Chance für weitere Erklärungen. Bisher hatten sich die anderen Models weitestgehend zurückgehalten, was ihr Interesse an der Vergangenheit von Harry und der merkwürdigen Spannung zwischen ihm und Draco anging. Vielleicht würde Wolodja die Gelegenheit nutzen und ein bisschen nachbohren? Immerhin würden sie die nächsten Tage zusammen wohnen, da bot es sich quasi an, dass man auch darüber plauderte. Nun, Harry würde ganz sicher nicht in die Details gehen. Aber er würde auch nicht übermäßig beschönigen, was ihm so manchen Schultag verhagelt hatte.

……….

Wahnsinn! Es war der reine Wahnsinn gewesen – entsprechend gut gelaunt hatte sich das Team von BaD-L nach der Eröffnungsgala noch in der Hotelbar eingefunden. Sie gingen als Top-Favoriten ins Rennen und hatten ein paar namenhafte Konkurrenten hinter sich gelassen. Ob sie am Abschlussabend siegen würden oder nicht – es war fast schon gleichgültig, denn als Newcomer waren sie bereits jetzt Spitzenklasse. Selbstverständlich ergingen sich einige von ihnen in Spekulationen, was wäre wenn … Aber so richtig ernst nahm das niemand, weshalb mächtig gescherzt und unernst fantasiert wurde.

Harry beteiligte sich nicht sonderlich intensiv an dem Geplänkel und es schien auch nicht großartig aufzufallen, dass er sich zurück hielt. Seine Gedanken kreisten um ein gänzlich anderes Problem: Draco.

Immer wieder hatte er resignieren müssen, weil dessen Nähe ihm zunehmend den Verstand raubte. Hitzewellen durchströmten in unregelmäßigen Abständen seinen Körper und er schwankte zwischen dem Wunsch, den Blonden auf Abstand zu halten, und der Fantasie, die bestehenden Grenzen zu überschreiten. Manchmal versuchte er, sich darauf zu besinnen, was ihn einst entsetzlich genervt hatte. Zum Beispiel wenn Draco spöttisch eine Augenbraue hochzog – Himmel, wie Harry diesen Anblick doch … hasste. Bei Merlin, er hasste ihn nicht! Es wusste es besser und war stattdessen soeben im Begriff, ins andere Extrem zu verfallen und sich Hals über Kopf in den eingebildeten Schnösel zu verlieben. Wenn das nicht gar längst schon geschehen war …

Ausgerechnet Draco Malfoy. Als gäbe es nicht genug Auswahl, die weniger spektakulär und anstrengend wäre.

Da Harry realistisch genug war zu erkennen, dass er dieses Problem an der Bar kaum würde lösen können – Draco war ihm viel zu nahe und Alkohol war kein guter Ratgeber –, beschloss er, die illustre Runde zu verlassen und sich schon ins Bett zu begeben. Jetzt wäre er ungestört, könnte das Bad okkupieren und musste keine Rücksicht auf Wolodja nehmen. Er meldete sich bei seinem Mitbewohner ab, verweigerte jedoch genauere Erklärungen. Wolodja zuckte mit den Schultern und akzeptierte Harrys Schweigen. Die anderen sahen ihn ebenfalls fragend an, doch er winkte knapp ab und wünschte ihnen noch einen schönen restlichen Abend.

……….

Die Ruhe im Zimmer war himmlisch. Er stand am Fenster und ließ seine Blicke schweifen. Unzählige Lichter tanzten im nächtlichen Schwarz der Nacht. Die Fenster waren gut isoliert, sodass kein Großstadtlärm das Innere erreichte. Lediglich die Fahrzeugkolonnen, die auch zu dieser späten Stunde nicht ganz abrissen, ließen Rückschlüsse darauf zu, dass das Leben in Mailand noch immer pulsierte.

Als es an der Tür klopfte, hätte Harry das fast nicht richtig wahrgenommen. Es war mehr ein Verdacht als wirkliches Wissen, dass er es gehört hatte.

„Herein?“, bat er daher fast schon fragend – er traute sich und seinen Ohren wohl selbst nicht ganz.

Die Tür wurde geöffnet und Harry wusste instinktiv, noch bevor er es in der Fensterspiegelung sehen konnte, dass das nur Draco sein konnte.

„Stör‘ ich?“, erkundigte sich der Blonde, während er eintrat und die Tür hinter sich schloss.

„Nein. Nicht wirklich“, antwortete Harry nach einem minimalen Zögern.

Ob Draco dieses Zaudern bemerkt hatte, konnte Harry nicht einschätzen. Die Miene des Blonden verriet nichts darüber. Er durchquerte den Raum und stellte sich neben Harry ans Fenster, als wollte er nichts anderes als die grandiose Aussicht bewundern – dabei dürfte unstrittig klar sein, dass sein Zimmer nicht minder exklusiv war.

„Ist irgendetwas nicht in Ordnung?“, wollte Draco wissen.

„Wieso?“

„Nun … Du bist den ganzen Abend sehr ruhig gewesen und nun auch noch als Erster abgehauen – da liegt es doch nahe, dass etwas nicht stimmt, hm?“, hakte Draco nach.

Harry seufzte. Die Wahrheit konnte er wohl unmöglich sagen. Also hielt er es für das Beste zu schweigen.

„Kann es sein, dass du aussteigen willst, Potter?“, riet Draco aufs Geradewohl.

„Nein! Natürlich nicht“, kam es prompt von Harry, denn obwohl diese Option ihm zeitweilig recht verlockend erschienen war, wollte er nicht aufhören. Er wusste, dass er Draco damit aus den Augen verlieren würde und die Vorstellung war auf makabre Weise schmerzhaft. Schmerzhafter als Liebeskummer jedenfalls.

„Liegt es an Wolodja und eurem Zusammenwohnen?“

„Nein, er ist wirklich okay. Wir werden gut miteinander auskommen“, beruhigte Harry den jungen Modeschöpfer zufrieden, dass dieser ein unverfängliches Thema angesprochen hatte.

„Dann …“

„Hör auf, dir darüber Gedanken zu machen, Malfoy“, bat Harry und merkte im selben Moment, dass seine Stimme alles andere als dazu geeignet war, den Blonden wieder auf Distanz zu bringen.

Draco tat das, was Harry am wenigsten erwartet hatte: Er legte ihm eine Hand auf die Schulter und erreichte damit, dass Harry ihm sein Gesicht zuwendete. Der ehemalige Gryffindor schluckte schwer; konnte man in silbergrauen Augen ertrinken? Einfach so?

„Was ist mit dir los?“, wiederholte Draco seine Frage, diesmal flüsternd und fast schon vertraut. Harry wusste: Er hatte verloren. Er war verloren.

„Auch wenn es wahrscheinlich vollkommen übertrieben, unpassend, sentimental und absolut unmännlich klingt, muss ich dir etwas sagen", kündigte Harry unsicher an, sein Blick war auf Dracos Gesicht fixiert. „Ich habe mich in dich verliebt, Draco."

„Ich weiß", wisperte der Blonde, trat direkt vor Harry und legte seine Arme locker um dessen Taille. „Du hast nur halbherzig versucht, das vor mir zu verbergen."

Harry konnte dem Blick nicht mehr standhalten. Er wollte den Kopf sinken lassen, doch Draco lehnte seine Stirn gegen ihn und verhinderte dies.

„Hey, schon vergessen?", redete Draco leise weiter. „Ich bin selbstsüchtig, überheblich, egoistisch, verlogen, arrogant."

Es sollte locker klingen, ablenken und die Situation entkrampfen. Doch Harry konnte den Worten nicht widerspruchslos zustimmen. Erneut hob er seinen Blick und verlor sich im Silbergrau von Dracos Augen.

„Du bist aber auch wahnsinnig charmant, wenn du es willst. Du siehst gut aus, bist anziehend..."

„Anziehend? Anziehen ist schließlich mein Beruf", warf Draco ein und hoffte, dass Harry darüber mit ihm lachen konnte.

„Und ich mag dein Lachen", setzte der frühere Gryffindor unbeirrt fort.

Sekunden später berührten Dracos Lippen Harrys Mund. Der Kuss begann sanft und vorsichtig, vertiefte sich jedoch schnell, ohne dass einer der beiden dies bewusst initiiert hatte. Sie ließen sich gleichermaßen von dieser betörenden Zärtlichkeit treiben und genossen jede einzelne Sekunde. Ihre Lippen teilten sich, damit ihre Zungen sich berühren und verführen konnten. Dracos Griff um Harrys Taille wurde fester, dessen Hände glitten auf seinen Oberarmen zu den Schultern hinauf.

Und doch: Harrys Sinne waren noch klar genug, um ihn erkennen zu lassen, dass Draco an einem bestimmten Punkt zögerte. Daher löste sich der Schwarzhaarige aus dem Kuss, sein Atem ging schwer und er setzte zum Reden an.

„Sag nichts", bat Draco ihn mit belegter Stimme, auch seine Gefühle standen Kopf. Doch Harry schien nicht schweigen zu wollen. Seufzend nahm Draco seine Hände ein Stückchen zurück, wodurch automatisch das innige Beieinander beendet wurde.

„Potter, versteh doch. Bitte", klang Dracos Stimme eindringlich. „Das ist nicht gut für dich."

„Und warum nicht?", wollte Harry wissen, er klang traurig und zugleich verwirrt. „Ist es wegen Zabini?"

„Auch, aber nicht nur", bestätigte der Blonde ihm. „Blaise ist mein Mann, das weißt du. Ich habe mich vor einem Jahr für ihn entschieden und daran werde ich nichts ändern."

„Aber geküsst hast du mich trotzdem", entgegnete Harry fast schon trotzig.

„Es geht um mehr als nur den Kuss. Und das weißt du auch.“ Irgendetwas in der Stimme des Blonden war verstörend, vielleicht auch eine Warnung. Harry glaubte, das herausgehört zu haben, doch er konnte sich keinen Reim darauf machen.

Die Stirn des Blonden berührte wieder seine eigene – sanft und unaufdringlich, aber auch sehr vertraut und fast schon tröstend.

„Potter, ich … Ich könnte dich jetzt weiter küssen, mit dir schmusen. Ich könnte mit dir schlafen – all das tun, wonach uns beiden gerade der Sinn steht … Es wäre ein Leichtes, die Zimmertür magisch zu verriegeln, damit Wolodja uns nicht stört“, flüsterte Draco beschwörend. „Aber … Ich kann dir nicht das geben, was du wirklich willst.“

Harry sagte nichts dazu. Er fühlte sich durch eigenes Verschulden durchschaut; er hatte nicht gewollt, dass Draco seine Gefühle erfuhr. Und doch war es passiert und nun durfte er wohl nur froh sein, wenn er dafür nicht ausgelacht wurde.

„Wenn es nur um Sex ginge, dann … Es wäre einfach.“

„Wäre es nicht“, widersprach der Schwarzhaarige und holte tief Luft, bevor er weitersprach. „Wäre es nicht wegen Zabini.“

„Doch. Es wäre einfach“, beharrte Draco und schloss seine Arme fester um Harry. „Ich könnte mit dir ins Bett gehen, wir könnten viel Spaß miteinander haben. Und es wäre dennoch kein Betrug Blaise gegenüber. Er … Wir haben das so vereinbart. Und … Es wäre auch nicht das erste Mal, dass ich mit einem anderen Kerl etwas anfange, obwohl ich mit Blaise zusammen bin, aber mit dir wäre es anders … Es geht nicht, es tut mir leid.“

Harrys Gedanken wirbelten unkontrollierbar durch seinen Kopf.

„Ich weiß, dass das schwer zu verstehen ist, aber Blaise und ich … Wir haben unsere eigenen Spielregeln. Schließlich ist er nicht irgendjemand für mich. Er ist mein bester Freund, er ist mein beruflicher Partner und er ist mein Mann.“ Draco hatte leise weitergesprochen, dabei immer hoffend, dass Harry ihn wenigstens ansatzweise verstehen könnte.

„Du liebst ihn.“

„Manchmal ist Liebe nicht genug, Potter. Es ist mehr als das“, deutete Draco an, ohne sich näher zu erklären. Und Harry spürte instinktiv, dass es viel Unausgesprochenes gab, was Draco hinter dieser rätselhaften Formulierung versteckte.

„Ich habe mich für Blaise entschieden, Potter“, betonte Draco noch immer leise, seine Hand wanderte beruhigend über Harrys Rücken. „Und dazu stehe ich.“

Harry hätte sich in diesen Momenten zwei Szenarien gleichzeitig gewünscht: Er würde sich liebend gern ans andere Ende der Welt hexen, Hauptsache fort von Draco. Und er würde sich genauso gern in dessen Arme sinken lassen, um von ihm getröstet zu werden. Beides war indiskutabel.

Draco schien die Nähe nicht zu stören, denn er zog Harry an sich heran, umarmte ihn und hauchte ihm einen flüchtigen Kuss auf die Lippen.

„Wirst du trotzdem schlafen können?“, erkundigte er sich bei Harry, ohne seine Hände zu lösen.

„In Wahrsagen war ich nie eine große Leuchte“, versuchte dieser es auf die scherzhafte Tour.

„Waren wir alle nicht“, pflichtete Draco ihm bei. „Danke für deine Offenheit.“

Damit zog Draco sich zurück und Harry hätte nicht gewusst, was er dem Gesagten noch hätte hinzufügen sollen. Es gab nichts mehr, im Gegenteil. Es war mehr gesagt worden, als er eigentlich gewollt hatte. Entsprechend blieb er stumm, als Draco zur Tür ging, diese öffnete und aus dem Zimmer verschwand.

Merkwürdigerweise wurde die Zimmertür jedoch nicht sofort geschlossen, fiel Harry auf. Sekunden später trat Wolodja hindurch und sah Harry mit prüfendem Blick an.

„War Draco gerade noch bei dir?“

„War er“, gab Harry zu – es zu leugnen wäre zwecklos, da Wolodja ganz bestimmt gesehen hatte, dass Draco gerade aus diesem Zimmer gekommen war.

Noch immer am Fenster stehend, diesmal jedoch mit dem Rücken der fantastischen Aussicht zugewendet, beobachtete er Wolodja. Der Russe fuhr sich mit der Linken durch die brünetten Locken, während er mit der rechten Hand die Tür leise ins Schloss schob. Ein dezentes Klicken verriet, dass er die Tür gegen unliebsame Besucher sicherte, allerdings auf die nichtmagische Art. Immerhin war dieses Hotel nicht allein den Zauberern und Hexen vorbehalten und man konnte schließlich nie wissen, wer sich gerade auf dem Flur aufhielt, wenn man die Schutzzauber später wieder löste. Unnötige Fragen, die man nicht beantworten konnte, wollte man lieber vermeiden.

Wolodja war ein aufmerksamer und sehr sensibler Mann. Ob er Dracos Miene etwas hatte ansehen können, war nicht sicher. Aber Harrys Gesicht sprach Bände. Entsprechend hatte Wolodja es auch eilig, sich dem Schwarzhaarigen zu nähern und dessen Befinden zu erfragen. Doch Harry war nicht gewillt, über die vergangenen Minuten mit Draco zu plaudern. Minuten, die möglicherweise seine ganze Welt auf den Kopf gestellt hatten und seiner Zukunft eine wie-auch-immer-geartete Wendung gegeben haben könnten. Könnten. Genau wusste Harry das nicht, aber es wäre naiv gewesen zu glauben, dass das Gespräch oder richtiger gesagt: die Offenbarung absolut ohne Konsequenzen wäre.

„Du wirkst so niedergeschlagen“, hatte Wolodja gesagt, doch Harry winkte nur stumm ab. Und Wolodja hatte verstanden.

„Gehst du zuerst ins Bad?“, fragte er Minuten später, während er in seiner Reisetasche nach seinem Schlafzeug kramte. Auspacken würde er sie heute Abend garantiert nicht mehr, das hatte bis morgen Zeit.

„Nein, nein. Du kannst ruhig als Erster rein“, erwiderte Harry halb aus seinen wirren Gedanken gerissen.

Auf Wolodjas Stirn zeigte sich eine deutliche Falte, dann schnappte er sich seine Sachen und verschwand. Wenig später war die Dusche zu hören, keine zehn Minuten später verstummte das Rauschen und stattdessen plätscherte der Wasserhahn. Als Wolodja wieder ins Zimmer trat, stand Harry noch immer an Ort und Stelle und hatte sich nicht einmal minimal gerührt.

„Du kannst“, verkündete Wolodja überflüssigerweise, denn eigentlich durfte klar sein, dass das Bad jetzt frei war.

Harry gab sich endlich einen Ruck und folgte dem Vorbild seines Mitbewohners. Auch er beanspruchte nicht sonderlich viel Zeit für die abendliche Dusche und das Zähneputzen. Als er die Badtür hinter sich schloss und ins Zimmer zurückkehrte, lag Wolodja schon im Bett. Das Licht hatte er gedimmt, sein Buch lag unangetastet auf dem Nachtschrank.

„Linke Seite für mich, rechte für dich – einverstanden?“, fragte Wolodja den ehemaligen Gryffindor nachträglich und sah ihn erwartungsvoll an.

„Ist kein Thema, mir ist es egal – passt“, wiegelte Harry ab und schlüpfte aus seinen leichten Schuhen. Halbwegs ordentlich stellte er sie neben das Bett, dann schlug er die Decke zur Seite und legte sich nieder. Obwohl es schon herbstlich kühl geworden war, rechnete er nicht damit, sonderlich zu frösteln; die Bettdecke erschien ihm auf den ersten Blick fast zu dick. Doch wenig später, er hatte sie gerade zu sich hinauf gezogen, spürte er die wunderbare Leichtigkeit des Materials. Voluminös war sie, aber von großartigem Gewicht konnte keine Rede sein. Er würde darunter wunderbar schlafen können, vorausgesetzt, die Gedanken hörten auf, um Draco und diesen einen verbotenen Kuss zu kreisen.

In Wolodjas Bett kam Bewegung, denn er drehte sich zur Seite, stützte seinen Arm auf dem Ellenbogen auf und legte seinen Kopf in seine rechte Hand. Sein Blick flog zu Harry hinüber, seine offensichtliche Sorge verdrängte das, was anfangs vielleicht nur ein bisschen Neugier gewesen war.

„Wenn du darüber reden willst, ich höre dir zu. Und ich bin verschwiegen, was unsere Clique angeht“, bot er leise an. „Wenn nicht, dann sorry … Ich will mich nicht aufdrängen.“

„Tust du nicht“, beruhigte Harry seinen Mitbewohner, dann seufzte er.

„Okay …“, begann Wolodja vorsichtig, sah noch einmal in Harrys Gesicht und holte dann tief Luft. „Es ist nicht zu übersehen, dass Draco für dich eine besondere Rolle spielt – wie auch immer die aussieht. Draco ist … Nun ja, er ist schon eine Besonderheit. Ich kann verstehen, wenn du verwirrt bist.“

„Sorry, aber das glaube ich nicht“, widersprach Harry zaghaft. Er wollte seinen Mitbewohner nicht verprellen, aber er wollte auch nicht lügen. „Malfoy und ich … Das ist schwer zu erklären. Jedenfalls so auf die Schnelle“, fügte er dann entschuldigend hinzu.

Wolodja schien sich für längere Ausführungen zu wappnen, denn er machte es sich noch ein wenig gemütlicher, indem er sein Kopfkissen so zerknautschte und zerknüllte, dass er sein Haupt bequem darauf legen konnte, ohne den Blick von Harry zu nehmen. Aufmunternd sah er ihn an, ein dezentes Nicken bestätigte sein Interesse.

„Wir gingen zusammen in die Schule – sieben lange Jahre waren wir im gleichen Jahrgang. Was für ein Horror“, fing Harry leise an. „Schon unsere erste Begegnung hätte mir eine Warnung sein müssen. Malfoy redete auf mich ein, während unsere ersten Schulumhänge abgesteckt wurden. Und ich verstand kein Wort davon, dafür kam er mir unglaublich nervig und überheblich vor.“

„Du hast ihm Kontra gegeben?“, hakte Wolodja nach.

„Ganz im Gegenteil. Ich war froh, als ich aus seiner Nähe abhauen konnte. Damals wusste ich noch nicht, dass er mir für die gesamte Schulzeit wie ein Pickel am Hintern sein würde. Immer darauf aus, mir oder meinen Freunden – bevorzugt uns allen – ein Bein zu stellen. Manchmal dachten die anderen, ich würde mir das alles nur einbilden, aber unterm Strich hat es sich immer bewahrheitet, dass er … ziemlich aggressiv gegen mich agierte.“

„Das klingt nicht sonderlich entspannend. Ehrlich gesagt, ich kann mir das bei Draco gar nicht vorstellen“, verriet Wolodja mit Erstaunen. „Sicher, er ist sehr anspruchsvoll, was uns Models und unsere Arbeit angeht. Aber er ist es sich selbst gegenüber auch, denke ich. Anders würde es nicht funktioniere und auch nicht so erfolgreich sein.“

„Er hat sich geändert, das sehe ich auch“, pflichtete Harry dem netten Russen bei. „Und genau das ist wohl der springende Punkt: Ich kenne die Vergangenheit, den früheren Malfoy. Und ich sehe, wie er heute ist und das ist irgendwie befremdlich. Aber es macht mich auch neugierig und …“

„… nun bist du in ihn verknallt. Hab ich recht?“, schlussfolgerte Wolodja punktgenau und ersparte es Harry, das Unmögliche selbst auszusprechen.

Statt einer verbalen Antwort beschränkte sich Harry aufs Schweigen, was in diesem Falle beredet genug war. Er selbst hatte es vor sich selbst bekannt, er hatte es in einer schwachen Minute Draco gegenüber offenbart – ein drittes Mal würde er keine Zustimmung zu diesem Verdacht äußern wollen.

Wolodja hatte ihn auch so verstanden. Er rückte näher zu Harry und legte seine freie linke Hand auf dessen Arm. Seine Finger drückten ihn tröstend, doch wirksam war das nicht.

Harry biss sich auf die Unterlippe, um die Worte der Verzweiflung zurückzuhalten. Am liebsten würde er … schreien. Schreien, bis alle Luft verbraucht war, bis seine Kräfte ihn verließen, bis dieser dumpfe Schmerz versiegen würde. Doch er blieb stumm. Hilflos und stumm.

Wolodja hingegen handelte. Er zog Harry in eine Umarmung, drapierte die Bettdecke richtig und hielt ihn fest. Irgendwann erstarb Harrys Anspannung, die sich unwillkürlich im ersten Moment der Annäherung aufgebaut hatte.

„Und was ist nun der Auslöser gewesen? Wieso siehst du ausgerechnet jetzt so deprimiert aus?“, wollte Wolodja leise wissen.

„Malfoy ist mir vorhin gefolgt …“

„War mir aufgefallen“, verriet Wolodja.

„Anderen auch? Ich meine, hat jemand etwas dazu gesagt? Und Zabini …?“

„Niemand hat etwas dazu gesagt, daher nehme ich an, dass sich niemand darum gekümmert hat. Und Blaise? Ich weiß es nicht …“, antwortete Wolodja, bevor er Harrys weitere Erzählung erwartete.

„Er stand neben mir, am Fenster. Fragte, was mit mir los sei … Er weiß, dass ich in ihn verknallt bin … Und er hat mich geküsst, mir aber keine Hoffnungen gemacht.“

„Scheiße …“, murmelte Wolodja. „Und nun? Was tun wir jetzt?“

„Wir?“, griff Harry erstaunt auf. „Du ganz sicher nichts, du hast damit nichts zu tun. Ich muss allein damit klarkommen.“

„Stimmt schon, aber … Denkst du daran, den Job an den Nagel zu hängen? Wäre dir nicht zu verdenken, aber ich fände es sehr schade. Und die anderen mögen dich auch“, ergänzte Wolodja.

„Ich weiß noch nicht, ob ich dabei bleibe. Das hängt davon ab, wie ich morgen und an den nächsten Tagen damit klarkomme, ihn zu sehen. Und wie er sich mir gegenüber verhält“, ließ Harry die Entscheidung offen.

„Gut, also keine übereilten Entschlüsse. Das gefällt mir“, lobte der Brünette. „Soll ich das Licht ausmachen?“

Harry war nicht böse, dass Wolodja das Thema zumindest vorerst beendete. Er bejahte dessen Frage und noch ehe er nach seinem Zauberstab angeln konnte, hatte Wolodja schon den seinen vom Nachttisch genommen und das Licht gelöscht. Im Dunkeln vernahm er das dezente Klacken, als der Zauberstab wieder abgelegt wurde. Dann schloss sich Wolodjas Arm erneut um ihn und er genoss die freundschaftliche Nähe.

„Kannst du schlafen?“, flüsterte Wolodja besorgt.

„Ich versuche es. – Danke, für alles“, murmelte Harry gedämpft.

„Nichts zu danken. Wenn etwas ist oder du nicht zur Ruhe kommst, dann gib mir Bescheid. Versprochen?“

„Mach ich“, versicherte Harry ihm. „Schlaf gut.“

Anders, als er es eben gesagt hatte, war Harry sich jedoch sicher, dass er Wolodja nicht wecken würde. Reichte es nicht, wenn er selbst schlaflos und mit wirren Gedanken die Stunden der Nacht totschlagen musste? Wenigstens sein Mitbewohner sollte seine wohlverdiente Ruhe genießen können.

Doch einige Zeit später fielen auch Harry die Augen zu. Träge hatte er es sich an Wolodjas Seite bequem gemacht, dessen Arme hielten ihn noch immer umschlungen, ganz so, als wollten sie ihn beschützen. Dieser Innigkeit war es bestimmt geschuldet, dass der Körper zu seinem Recht kam – und der Schlaf wurde unerwartet tief und erholsam.

……….

Es war bereits am frühen Morgen, als Harrys Unterbewusstsein ihm einen Streich spielte. Oder war Wolodjas Nähe der Auslöser? Mit Sicherheit ließ sich das weder bestätigen noch verneinen. Fakt war, dass die beiden die ganze Nacht über eng umschlungen geruht hatten und sich jetzt wie aus heiterem Himmel intensive Wünsche einstellten. Die körperliche Nähe ließ die Hormone stolpern und im Halbschlaf begannen sie eine zarte Knutscherei, die sie bald erwachen ließ. Doch statt auf Abstand zu gehen, genossen sie die Zärtlichkeit. Für den Bruchteil einer Sekunde hatte Harry zwar Hemmungen gehabt, Wolodjas Beistand in dieser Form auszunutzen, doch da seitens des Russen nichts darauf deutete, dass er die Situation als unangenehm empfand, erstarben Harrys Bedenken in Windeseile wieder.

Wolodjas Küsse waren gut. Seine Hände waren es ebenfalls. Und Harry genoss, was der Andere ihm so freigiebig angedeihen ließ. Er revanchierte sich, streichelte dessen Körper ebenfalls und schob seine Finger unter dessen Schafanzugjacke. Die Muskeln erbebten unter seinen Fingerspitzen, genauso wie auch sein eigener Körper zitterte, weil Wolodja ihn so himmlisch liebkoste.

Noch immer war kein Wort zwischen ihnen gefallen. Das, was an diesem Morgen passierte, geschah in stummem Einverständnis. Inzwischen waren sie beide vollends wach und in der Lage, mit klarem Kopf zu entscheiden, ob sie die Notbremse ziehen wollten. Doch das hatte keiner der beiden ernsthaft vor. So ließen sie es geschehen, dass ihre Nähe sie aufheizte, dass ihre Küsse ihre Lippen malträtierten und ihre Körper immer erregter wurden, obwohl sie ihre Intimbereiche nicht berührten. Es reichte dennoch, um zu genießen und keinem von ihnen war es peinlich, dass sie sich in ihre Schlafanzughosen ergossen. Die Nachwehen teilten sie Arm in Arm, bis sich Herzschlag und Kreislauf bei beiden wieder beruhigt hatten.

„Ein netteres ‚Guten Morgen‘ hätte ich mir nicht wünschen können“, meinte Wolodja schließlich zufrieden grienend.

„Seh‘ ich genauso“, pflichtete Harry ihm bei, er registrierte eine sehr willkommene Erleichterung in sich – und zwar nicht nur körperlich gesehen. Die Probleme rund um den blonden Designer schienen ganz weit weg zu sein. Die Sorgen, kaum ein paar Stunden alt, waren verblasst und Harry fühlte sich fast schon wieder großartig. Wolodjas Nähe wirkte Wunder.

So begann der Tag besser, als es noch am Vorabend den Anschein gehabt hatte. Optimistisch dachte Harry an den heutigen Tagesablauf und nicht einmal die Aussicht auf die Begegnung mit Draco schlug ihm auf den Magen. Er konnte es schaffen!

Frisch geduscht – sowohl Harry als auch Wolodja – und in ihre privaten Klamotten gekleidet waren sie bereit, sich den aktuellen Aufgaben zu stellen. An der Zimmertür hielt Wolodja den Schwarzhaarigen jedoch auf.

„Ich muss dich das jetzt fragen …“, begann er zögerlich. „Das vorhin … Hat das irgendetwas zwischen uns kaputt gemacht?“

Auf Harrys Lippen schlich sich ein Lächeln, dann legte er seine rechte Hand in Wolodjas Nacken und legte seine Lippen auf dessen Mund.

„Nicht im Geringsten“, wisperte er dagegen, bevor er Wolodja erneut küsste. Dieser ging sofort darauf ein und zwischen ihnen entbrannte ein regelrechtes Zungenduell.

„Wow“, schnurrte Harry, sobald Wolodja seine Lippen wieder freigegeben hatte.

„Kannst du öfter haben“, versprach Wolodja rau.

Harry stutzte.

„Das heißt jetzt aber nicht das, was ich befürchte … Oder?“, hakte er unsicher nach.

„Nein!“ Wolodja hatte drei Sekunden benötigt, um Harrys versteckte Frage zu kapieren. „Ich will nichts von dir im Sinne von Beziehung oder so. Ich finde dich heiß, warum auch nicht? Aber mit Gefühlen hat das nichts zu tun.“

„Sicher?“

„Absolut. Oder denkst du, ich würde mir das sonst antun?“, konterte Wolodja.

Harry wusste es nicht, denn obwohl es logisch klang, hatte er am Vorabend mit Draco genau das Gegenteil getan: Er hatte ihn geküsst bzw. sich von ihm küssen lassen, obwohl es schmerzte. Andererseits: Wolodja war nicht Harry, und wenn er sich sicher war, dass keine tieferen Emotionen im Spiel waren, war es doch okay, wenn sie knutschten. Oder mehr …

„Alles geklärt? Können wir gehen?“, riss Wolodja den ehemaligen Gryffindor aus seinen Überlegungen.

„Alles geklärt“, bekräftigte Harry erleichtert und öffnete die Hotelzimmertür. Der neue Tag konnte endlich beginnen, er würde ihn überstehen.

tbc

Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben, oder? In diesem Sinne: Die Modemesse hat noch mehr zu bieten, das Dranbleiben lohnt sich …  In zwei Wochen erfahrt ihr dann, wie es für Harry weitergeht.

Bis dahin seid alle von Herzen gegrüßt und bleibt oder werdet gesund,

Eure LadyMarJa