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Candy Crush

SammlungDrama, Liebesgeschichte / P12 / FemSlash
Marceline Prinzessin Bubblegum
30.08.2019
30.08.2019
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1.250
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Dein Blick
haut mich um.



Marceline hatte schon vieles gesehen. Mischwesen mit Löwenköpfen und Vogelkörpern, ein Pferd namens James Baxter, das auf einem Ball balancierend durch die Lande streifte, Fische mit Beinen, die Wanderschuhe trugen und in Schwärmen die Berge hinauf marschierten – aber noch niemals ein Pfefferminzdrops in einem Frack, das eine Séance abhielt.
Bis heute.
Andächtig kniete das Bonbon vor dem Kreide-Pentagramm, das es fein säuberlich auf den Boden gemalt hatte. Im Zentrum seiner Zeichnung hatte es einen überdimensionalen Kessel platziert, der süßlichen Geruch verströmte. An jeder der fünf Sternspitzen hatte es Kerzen aufgestellt, jedoch keine von ihnen angezündet. Nun, da seine Vorbereitungen abgeschlossen waren, las es mit bedeutungsschwangerer Stimme von einem vergilbten Blatt Papier ab, wobei es seine freie rechte Hand über dem Pentagramm schweben ließ. »At vero eos et accusam, no sea takimata sanctus est.«

Argwöhnisch beobachtete Marceline das Geschehen aus der Ferne. Ihre Sinne, von der Vampirjagd geschärft, meldeten höchsten Alarm und signalisierten, dass es Zeit zu handeln war.
Der wolkenverhangene Abendhimmel kam ihr gerade recht, denn er ließ nicht nur die Sonne verblassen, sondern verwischte auch Marcelines Silhouette, als sie geduckt durch die Ruinen der alten Zuckerstadt schlich, bis sie nur noch wenige Meter von ihrem Ziel entfernt war. Bereit zuzuschlagen, lehnte sie sich mit dem Rücken an einen zerklüfteten Mauerrest, zog einen Pflock aus ihrem Gürtel und lugte um die Ecke.
Erleichtert stellte sie fest, dass das Bonbon so sehr in seinen Singsang vertieft war, dass es ihre Anwesenheit nicht bemerkte. Langsam schien es sich dem Ende seines Rituals zu nähern, denn seine Stimme schwoll gebieterisch an: »Dolor sit amet!«

Wie auf Knopfdruck verpuffte das Pentagramm und entflammte die Kerzen. Der Kessel begann heftig zu brodeln, einem Vulkan gleich zischte und bebte er, kurz drohte er umzufallen, doch er stabilisierte sich wieder und spuckte schließlich eine hellbraune Wolke aus. Im selben Moment begann das Bonbon diabolisch zu lachen.

Marceline deutete dies als Zeichen, loszulegen. Nur einen Wimpernschlag später hatte sie das Bonbon zu Boden gerungen, Auge in Auge kniete sie über ihm, den Pflock drohend erhoben. Wie erwartet zappelte es verzweifelt und schrie um Hilfe, doch Marceline kannte kein Mitleid mit satanischen Wesen wie ihm. Wenn sie in den vergangenen Jahren Eines gelernt hatte, dann dass auf der Jagd jede Sekunde zählte. Normalerweise fackelte sie nicht lange, stach schnell und präzise zu, aber wo genau war bei einem Bonbon das Herz? Schlug es wie bei einem Vampir in seiner linken Brust? Hatte es überhaupt eines?

Orientierungslos suchte Marceline nach einem Ansatzpunkt, da vernahm sie plötzlich eine Stimme: »Hey! Was treibst du mit meinem Butler?«
»Deinem … Butler?« Überrascht sah Marceline auf. Eine junge Frau trat mit großen Schritten und wutverzerrtem Gesicht auf sie zu. In der Rechten schwang sie einen dicken Ast, den sie als behelfsmäßige Waffe im nahen Wald abgebrochen haben musste. Da sie eine Krone trug, identifizierte Marceline sie als Prinzessin, wenngleich die weißen Chucks, die rosa Jeans und der rote Hoodie nichts von ihrer edlen Abstammung erahnen ließen. »Die Frau hat Stil«, schoss es Marceline durch den Kopf, ehe sie unsanft vom Schoß des Pfefferminz-Butlers gestoßen wurde. Den Ast im Anschlag baute sich die Prinzessin bedrohlich vor ihr auf.
»Alles in Ordnung, Peps?«, fragte sie über ihre Schulter hinweg das Bonbon.
»Mit mir ja, Herrin«, antwortete dieses mit einem dankbaren Nicken. Nachdem es sich vom ersten Schock erholt hatte, sprang es auf. Im Laufschritt hastete es zum Rand des dampfenden Kessels und zog einen kleinen Löffel aus seiner Brusttasche. Mit besorgtem Blick rührte es ein paar Mal durch die braune Brühe, ehe es prüfend davon kostete. Als das Gemisch seine Zunge berührte, atmete es merklich auf. »Mit dem Karamell ist alles gut.«
Auch in den Gesichtszügen der Prinzessin machte sich nun Erleichterung breit. »Ein Glück. Mein Zuckervolk wäre sehr enttäuscht gewesen, wenn ich ihm keine neuen Gefährten machen könnte.«

Marceline horchte auf, nicht nur aufgrund des verwirrenden Gesprächsinhalts, sondern auch ein wenig gekränkt, dass man sie plötzlich ignorierte. »Karamell? Neue Gefährten? Was zur Nachtosphäre geht hier vor?«
»Das möchte ich auch gerne wissen.« Der Ärger der Prinzessin war unverkennbar, dennoch – oder vielleicht gerade deshalb – fand Marceline sie in diesem Moment furchtbar niedlich. Ihre puppenhafte Gestalt mit der pinken Wallemähne wollten so gar nicht zu ihrem gestrengen Auftreten passen. »Was fällt dir ein, meinen Butler anzugreifen?«
»Was fällt deinem Butler ein, mitten in einer toten Stadt ein satanisches Ritual abzuhalten?«
»Ach bitte, er hat Karamell gemacht, nichts weiter. Der Boden der ehemaligen Zuckerstadt ist dafür die beste Grundlage weit und breit.« Als wäre das völlig offensichtlich und jede Erklärung überflüssig, verdrehte die Prinzessin die Augen und trat neben ihren Butler an den Kessel. Wie er zückte sie einen Löffel. »Mal probieren?«
Angewidert verzog Marceline das Gesicht. »Danke, ich passe. Ich stehe nur auf Rotes.« Die Gunst des Augenblicks nutzend, richtete sie sich auf. Flugs schwebte sie an die Prinzessin heran und um sie herum, wobei diese sie argwöhnisch beobachtete.

Marceline liebte es, Grenzen auszureizen. Der Nervenkitzel, wenn sie austeste, wie weit sie gehen konnte, bevor es ihrem Gegenüber zu viel wurde, bescherte ihr jedes Mal ein unvergleichliches Hochgefühl. Keck schmiegte sie sich von hinten an die Prinzessin, strich ihr mit dem Zeigefinger über den Nacken und schnüffelte an ihrem Hals. Als Marceline spürte, wie ihrem Opfer eine Gänsehaut aufstieg, musste sie unweigerlich grinsen. Oooh, sie genoss es, die Kontrolle zu haben, und wie!
»Deinem süßen roten Hoodie zum Beispiel kann ich nur schwer widerstehen«, raunte sie der Prinzessin ins Ohr. Noch ehe diese reagieren konnte, hatte Marceline ihre Zähne auch schon in ihrer Kapuze vergraben und sämtlichen roten Farbstoff aus dem Pullover gesogen.

»Hey!« Erschrocken zuckte die Prinzessin zusammen und schüttelte Marceline von sich ab. Ungläubig breitete sie die Arme aus, während sie mit offenem Mund an ihrem Hoodie hinab sah, der nun formlos an ihrem Körper hinunter hing und ebenso weiß war wie ihre Chucks. »Das ... das war mein Lieblingspulli, verdammt!«
Als sie realisierte, was gerade passiert war, wurde ihre Miene schlagartig finster. Wutschnaubend versuchte sie, Marceline zu packen oder sie wenigstens mit dem Ast zu erwischen, doch diese hatte noch einen Trumpf im Ärmel: Mit einem ›Puff‹ verwandelte sie sich in eine Fledermaus und flatterte in schwindelerregende Höhen empor.
»Pass nur auf, Prinzessin! So weit weg vom Palast lauern ganz schön üble Gestalten«, spottete sie aus sicherer Entfernung, ehe sie kichernd am Horizont verschwand.

Kopfschüttelnd sah der Pfefferminz-Butler ihr hinterher. »Was für ein ungehobeltes Ding.«
»Ja«, stimmte die Prinzessin seufzend zu. »Hoffentlich sehen wir die so schnell nicht wieder.«


-o-



Hach, ich hätte nicht gedacht, dass mich das Adventure Time Fandom so sehr inspiriert, dass ich nach jahrelanger Pause wieder mit dem Schreiben anfange. Besonders das [Canon-]Pairing Bubbline hat es mir angetan und beflügelt meine Phantasie quasi nonstop. :3

Diese Sammlung wird keine lineare Geschichte erzählen, sondern verschiedene Episoden aus Bonnies und Marcelines Leben behandeln. Alle Episoden werden in sich abgeschlossen sein und können eigentlich auch als OS gelesen werden. Inhaltlich wird es um die Freundschaft der beiden gehen, ihre Liebe und auch um den Streit, der sie bis zum Auftauchen von Finn und Jake entzweit hat. In den knapp 280 Folgen von Adventure Time gibt es immer wieder Hinweise auf vergangene gemeinsame Erlebnisse – diese versuche ich so gut es geht, in meine Sammlung einzubeziehen.
Außerdem orientieren sich die Inhalte der einzelnen Kapitel am Projekt Dein Blick.

Die Beschwörungsformel, die der Pfefferminz-Butler benutzt, ist übrigens kein echtes Latein, sondern stammt aus dem Platzhaltertext »Lorem ipusm«. Versucht also gar nicht erst, damit Karamell zu zaubern. ;)
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