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Das Chaos namens Leben

GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Dimitri Belikov Rosemarie "Rose" Hathaway
30.08.2019
02.09.2019
5
10.454
 
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noch keine Reviews
 
31.08.2019 2.479
 
Hay,

ein riesiges Dankeschön an alle die das erste Kapitel gelesen haben.
Da das letzte Kapitel noch nicht viel über die Story erzählt hat, kommt heute direkt das zweite 
Ich hoffe es gefällt euch.

Xo-RozaBelikova-ox
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Bisher bei Das Chaos namens Leben:

Das verspricht eine interessante Unterhaltung zu werden wenn ich nach Hause komme.


Auf dem kompletten Weg zur Arbeit geht mir der Zwischenfall mit diesem Abe einfach nicht aus dem Kopf. Vor allem, weil er mir irgendwie bekannt vorkommt, aber ich komme einfach nicht drauf wo ich ihn schon einmal gesehen habe. Kopfschüttelnd vertreibe ich diese Gedanken und als ich auf der Arbeit ankomme ist der Laden bereits brechend voll. Schnell beeile ich mich um meine Kollegen zu unterstützen.
Karolina begrüßt mich mit einem Lächeln, aber muss dann wieder schnell an die Kasse zurück.
Sie ist einer meiner Lieblingskolleginnen. Sie ist zwar erst seit kurzen hier, aber immer freundlich und sieht mit ihren braunen Haaren und der schlanken Figur sehr hübsch aus. Sie ist vor ein paar Monaten mit ihrer Familie aus Russland hierher gezogen und arbeitet seit drei Wochen in diesem Laden um ihre Familie finanziell zu unterstützen.
Sie hat einen 10 Jährigen Sohn, zwei Schwestern und einen Bruder. Zusammen lebt sie mit ihnen und ihrer Mutter und Großmutter zusammen in einem Haus am Rand der Stadt, gar nicht so weit entfernt von mir.
Aber bis jetzt habe ich noch niemanden aus ihrer Familie kennen gelernt. Nur ihre Schwester Sonja, welche sie ein paar Mal zur Arbeit gefahren hat und da habe ich sie im Auto gesehen. Die beiden und Tasha sind wohl alte Freunde aus der Zeit als Tasha in Russland gewohnt und studiert hat. Seitdem haben die drei immer Kontakt gehalten und als sie dann mit ihrer Familie hierher gezogen ist, hat Tasha Karolina geholfen hier diesen Job zu bekommen.
Kaum betrete ich die Küche durch die Tür für die Mitarbeiter, höre ich auch schon Stan, der wie immer alle anbrüllt.
Als er mich entdeckt, kommt er direkt auf mich zu.
„Hathaway, Beeilung wenn ich bitten darf. Wie du siehst ist hier heute der Teufel los.“ Schimpft mich Stan von der Seite an.
„Ganz ruhig Stannie boy, ich habe schließlich noch 15 Minuten bis ich anfangen muss.“ Erwidere ich nur frech und ohne auf seine Reaktion zu warten gehe ich die Treppe rauf in die Umkleide.
Natürlich beeile ich mich trotzdem und fange etwas früher an, damit die anderen etwas entspannter arbeiten können.
Die Arbeit ist heute wieder sehr anstrengend, aber das alles passt zu meinem heutigen Abend. Nach dem Fiasko mit meiner Mutter, kommt auch noch Mason in meiner Pause auf mich zu.
Er ist einer meiner Arbeitskollegen, aber ich kenne ihn schon von früher, als wir noch kleiner und in der Schule waren. Bis wir 8 Jahre alt waren haben wir in derselben Gegend gewohnt. Doch dann sind wir weg gezogen, sind mal wieder mit irgendeinem Freund meiner Mutter zusammen gezogen, nur um ein paar Monate später wieder in eine andere Wohnung ohne Freund zu ziehen.
Ich verstehe mich seit jeher sehr gut mit Mason. Mit seinen roten Haaren und den Sommersprossen im Gesicht sieht er inzwischen sogar ganz süß aus.
In letzter Zeit wird mir immer mehr bewusst, dass seine Gefühle für mich wahrscheinlich mehr bedeuten als reine Freundschaft.
Aber bis jetzt konnte ich das Thema immer umgehen. Bis jetzt scheinbar.
„Hay, Rose, entschuldige wenn ich dich in deiner Pause störe, aber ich wollte dich was fragen.“ Er guckt ziemlich nervös auf mein Tablett auf dem bis vor ein paar Minuten noch mein Essen lag.
„Alles gut, was ist los Mase?“ frage ich, obwohl ich schon eine Ahnung habe in welche Richtung die Frage gehen wird.
„Ich… also… ich wollte fragen ob du, ich weiß nicht… ob du vielleicht mal mit mir ausgehen möchtest? Wir könnten heute Abend ins Kino gehen oder auf die Party von Jesse.“ Er redete so schnell, als würde er die Antwort fürchten.
Schnell zermartere ich mein Hirn nach einer Antwort welche ihn nicht so sehr vor den Kopf stoßen und verletzen wird.
„Oder wenn du möchtest könne wir auch einfach nur-“
„Mason.“ Unterbreche ich ihn, nicht wirklich sicher wie ihm schonend einen Korb geben kann.
„Ich fühle mich wirklich geschmeichelt, jedoch glaube ich nicht, dass es Sinn machen würde jetzt noch mit dir auszugehen, da ich in einer Woche doch ins Ausland zum Studieren fliege.“
Er lässt den Kopf etwas hängen bei meiner Antwort.
„Ich weiß, ich hätte dich früher fragen sollen.“ Entgegnet er entmutigt. „Habe mich nur nie getraut. Jetzt dachte ich… ach ich weiß auch nicht… dass ich mich besser noch trauen sollte und wer weiß, nur weil du weg gehst, heißt das ja nicht, dass man sich nicht trotzdem noch weiter kennenlernen kann. Gerade heutzutage, es gibt Skype und andere Möglichkeiten über das Internet den Kontakt zu halten. Und wenn man Zeit hat, kann man sich ja auch besuchen.“
Scheinbar hat er sich viele Gedanken darüber gemacht. Er tut mir wirklich leid, aber er ist wirklich nur ein guter Freund mich.
„Das stimmt schon, aber Mase, wie soll das funktionieren. Gerade am Anfang. Du hast hier viel mit der Arbeit zu tun, ich werde alle Hand voll zu tun haben zu studieren und mich einzuleben. Das passt im Moment nicht. Außerdem will ich dir das auch nicht antun. Du verdienst jemanden der hier vor Ort ist und dir die komplette Aufmerksam widmen kann.“
Keiner von uns sagt etwas.
“Es tut mir leid Mase.“ Sage ich dann doch nach ein paar Momenten der Stille.
„Das muss es wirklich nicht, Rose. Ich hätte vielleicht schon in der Schule den Mut finden sollen dich zu fragen, dann hätte es sich vielleicht anders entwickelt.“
Das denke ich zwar nicht, sage jedoch nichts. Ich wusste nicht, dass er schon seit der Schule versucht hat den Mut zu finden mich nach einem Date zu fragen. Aber irgendwie bin ich auch froh, denn ich weiß nicht ob wir dann auch so gute Freunde geworden wären wie wir es jetzt sind.
Resigniert widmet er sich der Tür zu und lässt mich alleine zurück im Pausenraum.
Als er geht, atme ich aus, ohne bemerkt zu haben, dass ich scheinbar den Atem angehalten habe. Ich lehne mich im Stuhl zurück und versuche meine Gedanken wieder zu ordnen.
Aber ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass meine Pause vorbei ist.
Der Tag verspricht ein einziges Desaster zu werden, erst verheimlicht meine Mutter mir, dass sie scheinbar einen neuen Freund hat, dann fragt Mason nach einem Date und jetzt muss ich mich beeilen, damit ich pünktlich wieder anfangen kann zu arbeiten. Die Pause war alles andere als erholsam, aber ich habe keine Zeit mir Gedanken darüber zu machen, denn heute ist der Teufel los.
.
Wie vermutet war der Rest der heutigen Schicht alles andere als angenehm. Obwohl Mason wirklich versucht hat so zu tun als sei nichts passiert, war er doch nicht so unbeschwert wie üblich. Die Gäste waren auch nerviger als sonst, was allerdings auch an meiner Laune liegen kann.
Stan ist auch wieder sehr streng, vor allem zu mir.
Seit ich ihm vor ein paar Wochen mitgeteilt habe, dass ich meinen Job kündige, weil ich im Ausland studieren werde, ist er sehr feindselig mir gegenüber.
Nach gefühlten Jahren ist aber auch endlich diese Schicht vorbei und ich habe die nächsten drei Tage frei, bevor ich dann meine letzten drei Arbeitstage habe.
Als die Tür nach Feierabend endlich hinter mir ins Schloss fällt, bin ich an diesem Tag abermals überrascht als ich aufsehe und Ivan an seinem Auto lehnen sehe.
„Guckt nicht so als würdest du einen Geist sehen.“ Sagt er lachend als er sich von seinem Auto wegstößt und auf mich zukommt.
„Was machst du denn hier? Es ist Freitagmorgen, musst du nicht arbeiten?“ frage ich, als er mich mit einer Umarmung begrüßt.
„Darf man seiner kleinen Schwester keine Freude machen indem man sie nach einer langen Nachtschicht von der Arbeit abholt?“ Dabei muss selbst er lachen.
„Hahaha, danke. Natürlich darf man das. Aber jetzt mal ehrlich, warum bist du nicht arbeiten?“ Ich lege meine Tasche auf den Rücksitz und setze mich neben Ivan auf den Beifahrersitz.
„Ich, meine liebe kleine Schwester, bin nicht arbeiten, weil ich Urlaub habe. Was du wissen würdest wenn du auch mal was anderes machen würdest als zu Schlafen und zu arbeiten.“ Den letzten Teil sagt er nur halb ernst.
„Ja, ja, ich weiß, aber irgendwie musste ich ja an das Geld für die Auslandsemester kommen und ich denke nicht, dass du so viel Geld irgendwo herumliegen hast.“ Ich versuche eine Augenbraue hochzuziehen, schaffe es aber nicht, ziehe also beide hoch.
„Klar, deswegen wohne ich ja auch noch mit 22 bei meiner Mutter.“ Witzelt er.
Den Rest der Autofahrt unterhalten wir uns über dieses und jenes. Ich erzähle ihm von Mason und seiner Frage nach einem Date. Ivan lacht nur und sagt, dass das ja wohl vorhersehbar war, da Mason schon seit der Schule auf mich steht.
Das war scheinbar für jeden zu sehen, nur für mich nicht. Oder vielleicht wolltest du es auch nicht sehen, sagt eine kleine Stimme in meinem Hinterkopf, doch ich ignoriere sie und verdränge den Gedanken schnell.
Bevor wir nach Hause fahren, hält Ivan kurz beim Bäcker um Brötchen fürs Frühstück zu kaufen.
„Ach ja, wusstest du eigentlich, dass Mama scheinbar wieder einen Freund hat und uns nichts davon erzählt hat?“ frage ich ihn als er wieder einsteigt.
Während er den Motor wieder startet, warte ich auf seine Antwort. Doch er scheint die Frage ignorieren zu wollen.
„Ivan? Hallo? Ich habe dich was gefragt.“ Diesmal blickt er mich kurz an, bevor er den Blick wieder auf die Straße richtet.
„Sie hat nicht uns nichts erzählt, sondern dir.“ Bevor er weiter reden kann unterbreche ich ihn.
„Wie bitte? Was soll das denn heißen? Warum hat sie euch was erzählt, aber nicht mir?“
„Vielleicht solltest du sie das Fragen. Sie wartet Zuhause auf uns, damit sie in Ruhe mit dir reden kann.“
„Deswegen hast du mich also abgeholt. So viel zum Thema ein Bruder kann das ja mal einfach so für seine Schwester tun.“ Sage ich und verschränke trotzig die Arme vor der Brust.
„Diesmal vielleicht nicht. Aber das habe ich ja schon oft genug gemacht, ohne das was dahinter steckt. Reg dich also bitte nicht so auf, Rose.“ Damit beendet er die Unterhaltung und fährt weiter.
Ich kann es nicht fassen. Meine Mutter belügt mich, meine Brüder wussten die ganze Zeit davon und jetzt soll ich mich nicht aufregen. Der Tag kann ja nur noch schlimmer werden.
Zuhause angekommen schließe ich die Tür etwas fester als nötig und stapfe in die Küche.
Meine Mutter ist in ihrer Arbeitskleidung und packt eilig ihre Tasche.
„Was machst du da? Ich dachte du hast frei und wir wollten reden?“ sage ich bevor sie mich entdeckt.
Sie schrickt leicht zusammen, lässt sich aber nicht beirren und packt weiter ihre Sachen.
„Es tut mir wirklich leid, aber meine Arbeit hat angerufen. Es gibt irgendeinen Notfall und ich muss sofort los. Aber ich verspreche wir reden heute Nachmittag wenn ich wieder da bin.“ Sagt sie, während sie an mir vorbei durch den Flur zur Haustür läuft.
Ivan lässt sich nicht beirren und deckt den Tisch fürs Frühstück und noch bevor ich meiner Mutter etwas erwidern kann ist sie aus der Tür verschwunden.
Ich weiß nicht wieso mich das so aufregt. Ich hatte nie wirklich das beste Verhältnis zu meiner Mutter, aber die Tatsache, dass sie mich und zwar nur mich, die letzte Zeit angelogen hat und sie jetzt wieder geht ohne mit mir zu reden macht mich wirklich wütend.
„Kommst du frühstücken?“ ruft Ivan aus dem Wohnzimmer, gerade als Christian aus seinem Zimmer kommt und verschlafen umher guckt.
„Ich habe keine Hunger mehr, ich gehe schlafe.“ Gebe ich zickig zurück und knalle die Tür hinter mir zu, obwohl ich weiß, dass ich mich unfair gegenüber meinen Brüdern aufführe, denn sie haben ja nichts getan. Trotzdem kann ich mich nicht dazu durchringen mich mit ihnen an einen Tisch zu setzen. Sie wussten, von dem Freund meiner Mutter und haben es mir nicht erzählt. Auch wenn es eigentlich die Aufgabe meiner Mutter ist mir das zu erzählen, hätten sie als meine Brüder mir dann davon erzählen müssen, als sie herausgefunden haben, dass sie es mir verheimlicht. Außerdem wieso hat sie es mir überhaupt verheimlicht, das Ganze ergibt für mich einfach keinen Sinn.
Immer noch wütend lege ich mich auf mein Bett. Ich muss eingeschlafen sein, denn das nächste was ich höre sind die Stimmen von Christian, Ivan und meiner Mutter.
Vor meiner Tür halte ich inne, denn bevor ich die Tür öffnen kann, höre ich etwas was Christian sagt und obwohl es falsch ist zu lauschen kann ich nicht anders.
Was ich da höre, bringt mich schon wieder in Rage.
Doch bevor ich reagieren kann, klingelt mein Handy. Die Nummer sagt mir nichts. Trotzdem nehme ich das Gespräch an.
„Rose Hathaway.“ Sage ich etwas schärfer als beabsichtig.
„Frau Hathaway? Hier ist Galina von der Universität.“ Höre ich eine weibliche Stimme am anderen Ende.
„Guten Tag. Wie kann ich ihnen helfen?“ frage ich leicht irritiert wieso mich die Universität anrufen sollte. Es ist doch soweit alles geregelt. In einer Woche geht es los, alle Dokumente sind unterschrieben, die ersten Gebühren gezahlt, der Flug gebucht, mein Job gekündigt.
Ihre Stimme reißt mich aus meinen Gedanken.
„Ich muss ihnen leider mitteilen, dass wir ihren Aufenthalt hier nicht weiter gewähren können. Es gab einen Großbrand und die Universität ist auf unbestimmte Zeit geschlossen. Ihre gezahlten Gebühren bekommen sie natürlich erstattet.“
Mit einem Mal ist alles um mich herum still. Ich weiß nicht ob meine Familie sich noch weiter im Wohnzimmer streitet oder was mir diese Frau am Telefon noch alles erklärt, denn ich höre nichts mehr.
Mein Körper fühlt sich taub an.
Jahrelang habe ich davon geträumt im Ausland zu studieren und zu arbeiten. Ich habe Nachtschicht und Nachtschicht nur davon geträumt wie mein Leben weitergeht. Welche neuen Leute ich dort alles kennenlernen werde und wie glücklich ich weit weg von allen Problemen hier sein werde, was für ein tolles Leben ich mir dort aufbauen werde.
Ich habe gekündigt, meine komplette Zukunft nur auf diesen Augenblick hin ausgerichtet.
Galinas Stimme holt mich einen kurzen Moment lang wieder aus der Tiefe des Nichts welches ich in diesem Moment verspüre.
„Es tut mir wirklich leid. Haben sie noch weitere Fragen?“
Doch mein Gehirn kommt noch nicht ganz mit und so sage ich nur verwirrt „Nein.“
„Okay, sollten sie weitere Fragen haben melden sie sich nochmal bei mir. Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute.“ Und damit beendet sie das Gespräch und lässt mich mit einem Kopf voller Gedanken und vor einem Haufen neuer Probleme stehen.
Wie erstarrt stehe ich in meinem Zimmer und weiß nicht wie mein Leben jetzt weiter gehen soll. Alle meine Pläne sind mit einem Schwung zerstört worden.
In einem großen Feuer verbrannt.
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