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Die rote Braut

von Ateki
GeschichteAllgemein / P16
Iroh OC (Own Character) Zuko
30.08.2019
28.11.2020
21
30.024
25
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30.08.2019 1.180
 
"Tsuyu, meine Liebe. Hier draußen ist es doch für Leute, die kein Feuer in den Adern haben, ein wenig kühl. Gestattest du, dass ich mich zu dir setze und einen schönen Jasmin-Tee für uns bereite?" Die warme, freundliche Stimme Onkel Irohs neben meinem Kopf weckt mich aus den schimmernden Träumereien, denen ich mich beim Anblick der frostblauen Wellen und schneebleichen Eisberge hingegeben habe. Als ich den Blick von der Weite des Ozeans löse, lächelte er mich breit an und hebt aufmunernd seine dampfende Teekanne. Ich lächle zurück und klopfe auf das freie buttergelbe Sitzkissen neben mir. Leise schnaufend lässt Onkel Iroh sich darauf nieder und beginnt, frische Teeblätter in das heiße Wasser zu geben. Als der Tee fertig ist, schenkt er mir eine Schale voll davon ein und drückt sie mir in die steif gefrorenen Hände. Angenehm fliesst die Hitze durch meine bleichen Finger, treibt ihnen wieder ein wenig Röte in die Spitzen und breitet sich langsam über die Handteller auf die Handgelenke und schließlich die Arme aus. Ich seufze wohlig und trinke einen Schluck. Sofort fließt die Wärme meinen Hals hinunter und verdrängt die Kälte auch aus dem Rest meines Körpers.
"Da ihr hier so oft mit mir Tee trinkt, Onkel, werde ich wohl kaum Gefahr laufen zu erfrieren." Onkel Iroh brummt zustimmend und meint in etwas bedauerndem Tonfall: "Ihr seid ja auch die einzige, die meinen Tee zu schätzen weis. Mein Neffe hat leider wenig dafür übrig, und der Rest der Crew lässt sich auch nicht dafür begeistern. Außerdem ist euer kleiner Garten der einzige Ort auf dem Schiff, in dem sich in einer angemessenen Atmosphäre Tee genießen lässt." Nun, da hat er allerdings Recht. Obwohl es streng genommen kein Garten war, sondern eher eine gemütlich eingerichtete Ecke am Ende des Schiffs, der ich einem echten Garten so gut es ging angemutet hatte. Auf dem Boden lag ein hübsch gemusterter, roter Teppig und noch ein paar von den gelben, flauschig weichen Sitzkissen. Kleine Kästen mit Erde, in denen bunte Tonblumen steckten, und farbige Glaslaternen hatte ich um die Sitzecke herum angeordnet. Echte Blumen überstanden die raue Kälte des Südpols  nicht, darum hatte Onkel mir geholfen, selbst welche aus Ton zu brennen. Auch Zuko hatte ich  überreden wollen, mit mir zusammen ein paar davon anzufertigen. Aber am Ende dieser Diskussion war ich schon froh gewesen, dass er wenigstens (wenn auch äußerst übellaunig) an der Wand lehnte und mir und Onkel dabei zusah. Eine mir besonders gut gelungene, grazilblättrige Blüte in Form einer roten Spinnenlilie hatte ich ihm geschenkt. Als ich sie ihm gab, hatte Zuko sie nur kurz irritiert und leicht skeptisch angesehen, ehe er fragte: "Was soll das sein?"  "Ein Geschenk" Antwortete ich und wagte ein leichtes Lächeln. "Ich hab mir damit besonders viel Mühe gegeben." "Ach so." Er wandte mit leicht zusammengezogenen Brauen den Blick ab und murmelte ein kleines, unwilliges und unbeholfenes "Danke." Was er schlussendlich mit der Blume getan hatte, wusste ich nicht. Aber es freute mich, dass er sie zumindest angenommen hatte...
Wiederum weckt mich Onkel Irohs Stimme aus meinen Gedanken. "Wollt ihr nicht Prinz Zuko auch hierher einladen, Tsuyu? Er steht gerade dort hinten und redet mit dem Steuermann, aber das sollte nicht besonders wichtig sein. Wir haben sowieso keinen Anhaltspunkt, wo genau der Avatar sich befindet. Außerdem sieht mein Neffe ohnehin gerade so aus, als bräuchte er dringend eine kleine Teepause." Mit freundlichem Zwinkern setzt er hinzu: "Und die Gesellschaft einer bezaubernden jungen Dame." Bei diesen Worten huscht mir ein leicht gequältes Lächeln über die Lippen. "Wahrscheinlich ist ihm das eine so unrecht wie das andere." Antworte ich mit einer leisen Spur Bitterkeit in der Stimme. "Ich mag ja eine angenehme Gesellschaft sein (zudem die einzige weibliche), aber bezaubernd bin ich deswegen noch lange nicht."  Bevor Onkel mir jedoch wieder einen Vortrag über Minderwertigkeitskomplexe und unterschätzte Fähigkeiten halten kann, winke ich Zuko zu und rufe laut seinen Namen. Zunächst beachtet er mich nicht, doch als er kurze Zeit später das Gespräch mit dem Steuermann beendet, stapft er zu uns hinüber. Leicht ungehalten verschränkt er die Arme und schaut auf mich herab. "Was ist, Tsuyu?" Zaghaft lächle ich ihn an. "Dein Onkel meint, du könntest eine kleine Teepause und unsere Gesellschaft vertragen." Zuko schnaubt leise und wirft Onkel Iroh einen verächtlichen Blick zu. "Ich habe keine Zeit für Teepausen. Ich muss den Avatar fangen." "Das mag schon sein." Onkel Iroh erhebt sich ächzend und klopft sich den Staub von den Knien. Dann drückt er Zuko an den Schultern in einer väterlichen Geste neben mich auf das Sitzkissen hinunter. "Aber Momentan haben wir keine Ahnung wo der Avatar überhaupt ist, und eurer Verlobten ist schrecklich kalt. Vernachlässigt eure Pflichten ihr gegenüber nicht und wärmt sie ein bisschen, während ich neuen Tee hole." Noch während ich ihn verwundert anstarre, zwinkert Onkel mir schelmisch zu und ist kurz darauf verschwunden. Schweigen breitet sich zwischen Zuko und mir aus , und er dreht unbehaglich den Kopf weg. "Dir ist kalt?" Fragt er nach einer Weile mit leiser Stimme. "Ja..." Murmel ich ebenso leise zurück. Mittlerweile stimmt es sogar. Ohne den Tee verflüchtigt sich die Hitze nach und nach. Die Kälte kriecht erneut unter meine Kleidung und bohrt sich langsam in meine Haut. Ich spüre, wie die kleinen Härrchen auf meinen Gliedmaßen sich aufstellen und ein leichtes Zittern meinen Körper erschüttert. Ich versuche gerade, mich enger in meinen Mantel zu kuscheln, als sich eine Hand um meine Taille schmiegt und mit einem leichten Ruck nah an Zuko heranzieht. Ich erstarre. Von seinem Körper geht Wärme aus, in dicken Wellen umbrandet sie meinen Leib und sickert mir tief in Kleidung, bis sie in sanften Kreisen meine Haut erreicht und ihre Oberfläche streichelt. Ein wohliger Schauer überläuft mich, und ein kleiner Seufzer löst sich aus meiner Kehle. "Das fühlt sich so schön an... so mollig und... warm.." Wieder schnaubt Zuko leise, aber diesmal klingt es weniger verächtlich. Beinahe schon freundlich. Ich spüre, wie er mich noch ein wenig fester an sich zieht...
Dann erschüttert ein erneutes Beben meinen Körper, aber es ist nicht das Zittern meiner Muskeln. Wellen schlagen laut an den Bug des Schiffs, der Himmel hellt sich urplötzlich auf. Ruckartig heben Zuko und ich den Kopf, fast sofort springt er auf und stößt mich dabei (ob absichtlich oder nicht) leicht von sich. Leider treffe ich neben dem Kissen auf den Boden auf. Ein breiter Strahl  blauen Lichts schießt in einiger Entfernung aus dem Meer.
"Der Avatar..." Murmelt Zuko. Gleich darauf ist er verschwunden und brüllt Befehle über das Deck.
Ich kann ihn ja verstehen. Trotzdem...
Enttäuscht und leicht verärgert reibe ich mir den Po und und rappel mich auf.
"Manchmal wünschte ich mir, Ich wäre der Avatar, nur damit ich halb soviel Aufmerksamkeit von ihm  bekomme..." Knurre ich noch leise, ehe mich zu den anderen begebe.
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