Reden ist Silber, Schweigen ist Gold

von Snowsong
OneshotFamilie / P16
OC (Own Character)
29.08.2019
29.08.2019
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Vielen Dank an Kolliy für das ausrotten der Rechtschreibfehler :)


So, hier haben wir also wieder einen Os von mir. Wie auch die anderen ist er ein kleiner Leckerbissen, der zum Menü „Blinde Augen sehen mehr“ gehört.
Der Os spielt jedoch Jahre vor der FF, es ist also nicht zwingen nötig, diese zu kennen. Wer will, darf selbstverständlich gerne hinein schauen.
https://www.fanfiktion.de/s/540af5d50001602937a15584/1/Blinde-Augen-sehen-mehr

Es gibt mehrere Zusatzwerke, die alle hier chronologisch geordnet und zusammengefasst sind; unter anderem zwei Os die diesem hier Vorher gehen. Aber es is nicht nötig diese gelesen zu haben:
https://docs.google.com/document/d/1vTOCpOXAj02MUk6EjF9G66cX26ZODLXiE1jvs6oCZVI/edit

Meine Werke spielen zwar in der Welt von Eragon, aber ich bediene mich einer eigenen Zeitrechnung, die hier zu finden ist:
https://docs.google.com/document/d/1J27vY5pP1Pt-c39O3zW5MhryFgKO708JgSwkNm9FlyA/edit



Hier habe ich also einen Os; wieder mit Larr. Und diese mal wirklich nur mit Larr. Über die Sozialstruktur der Drachen erfährt man in den Büchern ja leider recht wenig bis gar nichts.  
Ich habe mir also das alles hier selbst ausgedacht.
Wie immer freue mich mich natürlich über Reviews.

In diesem Sinne, viel Spaß beim lesen.
Eure Snowsong


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Reden ist Silber, Schweigen ist Gold



4 Jahre....

4 Lange Jahre bewahrte Novus nun schon drei Dracheneier in seinem Wäschekorb auf. Larr, der goldene Drache und erster Krieger des Schwarms schüttelte seinen mächtigen Kopf.

In einem Wäschekorb! Wer würde schon auf die Idee kommen, Dracheneier in einem Wäschekorb zu suchen?
Ganz einfach: Niemand!

Und das war gut so. Larr wollte sich nicht ausmalen, was man mit seinem Partner machen würde, würde das rauskommen. Auch wenn Novus ein geachtetes Mitglied des Ordens war; so war der Schrecken, den der Verschlinger vor vielen Jahren über sie alle gebracht hatte, doch schwerwiegender.
Doch die drei Ungeschlüpften konnten dafür reichlich wenig. Leider sah das manch einer nicht ein.

Novus hatte immer wieder überlegt, ob er Eragon alles erzählen sollte. Larr hatte ihm abgeraten.
Auch wenn der Elf bestimmt auf ihrer Seite war, so gab es bestimmt genügend Gegner des Verschlingers. Dabei sträubte sich alles in Larr dagegen, Eier mit gesunden Küken zu zerstören.
Nein, es musste einen anderen Weg geben.

Und dieser anderer Weg, dieser Plan B hatte Larr nun in Angriff genommen. Er hatte sich von dem Gebiet des Ordens entfernt und war auf den Weg in ein Revier, das von einem Weibchen gehalten wurde.
Nun, eigentlich nicht irgendeinem Weibchen. Er hatte sich ganz gezielt für Nova entschieden.

Es gab viele wilde Weibchen, die Anschluss an einen Schwarm suchten. Das war das natürliche Verhalten von Drachenweibchen. Die Wahl des Partners wurde meist getroffen, wenn das Revier genügend Nahrung bot und der Hort an einer geschützten Stelle lag.

Überwiegend Männchen kontrollierten die Reviere; denn tragenden Weibchen waren angreifbarer. Sobald sich die Eier im Körper bildeten, wurden die Weibchen träger, denn der Körper benötigte die Energie anderweitig.
In dieser Zeit konnten sie nur schwerlich ihr Revier verteidigen. Aus diesem Grund hatte es sich eingebürgert, das weibliche Drachen umherzogen und sich ein Männchen für die Paarung aussuchten.
Je älter ein Weibchen wurde und je mehr gesunde Jungen sie hatte, umso mehr veränderte sich dies aber. Dann kämpften die Männchen um sie. Gesunde Weibchen, die gesunde Jungen hatten, waren begehrt.

Ein Männchen konnte einen ganzen Harem an Weibchen haben; wenn er sie und die Küken ernähren und beschützen konnte.
Je größer der Schwarm an Weibchen war, umso einfacher war das Überleben. Dann zirkulierte das Eierlegen.
Es gab Weibchen, die tragend waren und so nicht jagen durften.
Es gab Weibchen, die Eier gelegt hatten und sich davon erholen mussten.
Und es gab eine Gruppe von Jägerinnen, die mit dem Männchen jagten und den Hort verteidigten.

Doch bis sich so ein Schwarm gebildet hatte, verging viel Zeit.

Es gab also wenige Weibchen, die ein festes Jagdrevier hatten. Nova war da die besagte Ausnahme, die die Regel bestätigte.

Nova war anderes. Sie war lange in einem Schwarm gewesen und hatte dort als weibliches Oberhaupt; als die Schwarmmutter über Küken gewacht und ihre Schwarmschwestern beschützt.
Dann war ihr Partner in einem Kampf unterlegen und von seinem Konkurrenten getötet worden.

Das war der Lauf der Natur. Die Schwachen starben, die Starken lebten.

Das dominierende Männchen jedoch war ein Ehrenloser gewesen. Larr hatte keinerlei Respekt von diesem Widerling gehabt; auch wenn es sein eigener Erzeuger gewesen war.
So wie er mit den Weibchen in seinem Schwarm umgesprungen war... dafür gab es keine Worte, keine Flüche... noch nicht einmal einen Laut.

Larrs Mutter Veve starb unter dessen Klauen, als sie ihre Küken beschützte, die er als zu schwach ansah.
Das hatte Larr in einen Rausch voller Wut und Hass gestürzt und er hatte diesem Feigling von einer geflügelten Eidechse die Kehle zerfetzt.

Offiziell war er nun das Dominante und führende Männchen des Schwarms.

Er hatte keines der Weibchen je angerührt, denn er wusste, wie sehr sie gelitten hatten. Er hatte aber das Revier behalten, einen sicheren Hafen für diese Weibchen geschaffen. Sie sollten sich die Zeit nehmen, die sie zum Heilen brauchten.

Als Drache eines Reiters gestaltete es sich aber schwer, immer präsent zu sein. Aber dafür hatte er ja Nova; das wohl vernarbteste, wildeste und stärkste Weibchen weit und breit.
Es war fast unmöglich, an ihr vorbei zu kommen. Man musste schon die Kniffe kennen.

Der Hort lag gut geschützt und verborgen hinter einem Wasserfall. Einige Flügelspannen weiter auf der Seite gab es ein riesiges Plateau, auf dem man sich aufwärmen konnte. Auch heute tummelten sich dort die Weibchen.

Nova hatte ihn schon entdeckt und sich aufgerichtet. Larr grollte leise.

Das bernsteinfarbene Weibchen hatte sich in die Luft erhoben und stürzte auf ihn zu. Sie war auf einem Auge blind; sein Erzeuger hatte es bei einem Paarungsversuch ausgekratzt.

Larr flog eine scharfe Kurve und wich ihr so aus.
Sie brüllte aggressiv und setzte zur Verfolgung an. Sie war größer als er, hatte eine weitere Flügelspannweite. Dafür war Larr wendiger.
Er flog ein paar Haken und lenkte Nova wieder zurück zu dem Plateau. Die anderen Weibchen beobachteten ihre kleine Hetzjagd.

Dann schoss Larr senkrecht in die Höhe, flog einen Salto; nutze den Blinden Winkel aus und landete auf Novas breitem Rücken.
Seine Hinterbeine schlugen hart gegen die Flügelgelenke.

Nova stieß einen Schrei aus und strauchelte. Der natürliche Reflex die Flügel zu schützen, setzte ein: Sie klappten sich von selbst zusammen und wurden eng an den Körper gedrückt.

Larr stieß sich wieder ab und erhob sich in die Luft, während Nova hart auf dem Plateau aufkam und über den rauen Stein rollte.
Larr setzte ihr nach. Sie stemmte sich gerade in die Höhe, als Larr erneut auf ihrem Rücken landete und mit einem Biss ihre Kehle fixierte.
Alle Muskeln waren in ihrem Körper zum Zerreißen gespannt. Keuchend holte sie Luft und Larr spürte das wilde Schlagen ihres Herzens.
Larr knurrte und drückte die Kiefer etwas fester zusammen, machte ihr klar, dass sie einzig und allein auf seine Gnade angewiesen war.

Sie verharrte kurz; dann legte sie sich langsam hin.

Larr ließ ihre Kehle los und packte sie nun im Nacken. Er drückte ihren Kopf auf den Boden, während er seinen Schwanz mit dem ihrigen verflocht.
Ergeben hob Nova ihr Hinterteil an. Larr drückte daraufhin seinen Unterleib feste gegen ihren.

Er hatte sich das Recht erkämpft, sich mit ihr zu paaren. Er könnte ihr hier und jetzt seinen Samen einspritzen und sie würde es akzeptieren.

Könnte; ja. Er könnte es tun.

Larr ließ ihren Nacken los und stieg von ihrem Rücken.

Wann immer er zurückkam, musste er seinen Weibchen zeigen, dass er immer noch stark war, dass er immer noch stärker war als die Schwarmmutter. Nur so schuf er ein Gefühl von Sicherheit und nur so konnte er sich dem Respekt der Weibchen sicher sein.

Sie zeigten im alle ihre Kehlen; zollten ihm Respekt.

Larr grollte und die Weibchen verteilten sich wieder auf dem Plateau. Sie genossen die Sonne auf den Schuppen und kümmerten sich nicht weiter um ihn.

Es war eine große Ansammlung von Weibchen; 17 mit Nova. Sie alle hatten unterschiedlichsten Schuppenkleider, die jedoch alle von Narben unterbrochen wurden.
Narben, die bei gewaltsamen Paarungen, dem Versuch die eigenen Küken zu verteidigen oder Züchtigungen entstanden waren.

Larr kannte sie alle beim Namen; drei davon waren seine Schwestern.
Die Elfen hielten nicht viel davon, sich mit Blutsverwandten fortzupflanzen; das war etwas, was Drachen nicht kannten.
Es zählte das Recht des Stärkeren und so konnte es durchaus sein, dass ein Bruder seine Schwester unterwarf, oder ein Vater seine Tochter.
Genau so konnte eine Mutter ihren Sohn erwählen oder eine Tochter ihren Onkel.

Nicht, dass Larr das vorhatte, aber es war natürlich.

Seine Augen huschten über die Weibchen; noch immer waren alle da. Keines hatte sich einen neuen Partner gesucht oder das Revier verlassen. Sie hielten immer noch zusammen.

Larr wollte sich gerade zu Nova umwenden, als seine Augen an einem kleinen Weibchen hängen blieben. Diese war tannengrün; fast schwarz und nicht vernarbt.
Larr knurrte.

Das Weibchen spürte seinen Blick wohl; zwei große, gelbe Augen sahen ihn schreckgeweitet an.

Larr hatte keine Probleme, wenn seine Weibchen sich hier sonnten oder das Wild in seinem Revier fraßen, aber er hatte wenig Toleranz fremden Drachen gegenüber. Auch wenn es sich dabei um ein noch nicht einmal ausgewachsenen Drachen handelte.

Mit gefletschten Zähnen ging er auf sie zu.

Die anderen wichen vor ihr zurück, machten im Platz. Er hatte Nova besiegt und unterworfen und damit war klar, wer der Anführer des Schwarms war. Keines der anderen Weibchen stellte seine Autorität infrage.

Das kleinere Weibchen sah sich ängstlich um, flehte mit Blicken um Hilfe. Aber wie zu erwarten war, sprang ihr keiner zur Seite.
Das Ding war sogar so verängstigt, dass es keinen Laut von sich gab. Wie eine Statue stand es einfach nur da und starrte Larr an.

Larr drückte das Kinn gegen den Hals, verbarg seine Kehle und knurrte. Dann schnappte er plötzlich nach dem Weibchen.

Diesem entwich ein erschrockenes Fiepen.

Zitternd und bebend rollte es sich auf den Rücken und präsentierte Larr den verwundbaren Bauch.
Es gab keine größere Unterwerfungsgeste. Kein Drache lag gerne auf dem Rücken, schon gar nicht, wenn ein anderer Drache in der Nähe war. Die Schuppen am Bau waren weicher als die am Rücken und an den Flanken, die Flügen waren auf den Boden gedrückt und konnten so nicht nur Flucht benutzt werden... nein, kein Drache lag gerne auf dem Rücken.

Larr betrachtete das kleine Ding. Halbwüchsige Drachen warfen sich eigentlich nicht auf den Boden. Sie machten sich klein und jammerten, riefen nach ihren Müttern und Vätern; Schwarmangehörige. Auf den Rücken liegen war etwas, was erwachsene Drachen taten; und dann auch nur, wenn es wirklich nicht mehr anders ging, der andere Drache aber besänftigt werden musste.

Der Unterleib des Weibchens war heller als die Rückenschuppen und ohne Narben. Aber das war auch nicht verwunderlich denn... Larr hielt inne.
An der Unterseite des Schwanzes; dort bei ihren Hinterbeinen kritzelte eine farblose Flüssigkeit.

Larr schnupperte. Es roch nicht nach Urin, sondern eher süß, lockend.

Larr riss den Kopf in die Höhe und blickte zu Nova, die alles mit Adleraugen beobachtete. Stumm forderte er sie auf, ihm das zu erklären.
Das kleine Ding konnte noch nicht erwachsen sein und doch sonderte es einen Lockduft ab, den Männchen zur Paarung animierte. Unter dem sauren Gestank der Angst hatte ihn Larr nur nicht sofort wahrgenommen.
Doch jetzt, da sie auf dem Rücken lag, bestand kein Zweifel: Das Weibchen war in ihrer fruchtbaren Phase.

Nova senkte leicht den Kopf; zeigte ihm ihre Kehle erneut. Sie hatte das Weibchen wohl hierher gebracht, signalisierte ihm aber, dass sie sich seiner Entscheidung unterwarf.

Larr blickte wieder auf das ängstliche Weibchen. Er senkte seinen Kopf und schnupperte an ihr herum.
Sie roch... gut. Aber das taten alle Weibchen, die in ihrer fruchtbaren Phase waren. Larr konnte auch die Düfte von Männchen wahrnehmen.
Wenn sie einen Partner hatte, der sich um sie kümmerte, warum war sie dann hier?

Das Weibchen wimmerte, drehte sich aber dann um und kroch auf ihn zu. Sie versuchte zu schnurren; was mit den kürzeren Stimmbändern und der Angst nicht ganz gelingen wollte.
Sie leckte ihm über die Schnauze. Dann kroch sie etwas weg, drehte sich um, hob ihren Unterleib an und schob den Schwanz zur Seite. Sie unterwarf sich nicht nur, sondern signalisierte ihm auch, dass sie sich von ihm besteigen lassen würde.

Verzweifelte Weibchen, die keinen Ort hatten, krochen manchmal zu Männchen und boten sich an.
Ohne Markierung aber konnten diese die Weibchen benutzen und dann davon jagen.

Auch Larr könnte die Kleine jetzt besteigen, sie so lange benutzen wie er wollte und sie dann aus seinem Revier jagen.
Zugegebener maßen, der Lockduft und die klare Flüssigkeit; die Willigkeit des Weibchens waren verlockend...

Larr schüttelte energisch den Kopf und fauchte. Er schnappte nach dem Weibchen, was diese verschreckt wegspringen ließ.

Und doch nahm sie zitternd die Paarungshaltung wieder ein. Die Verzweiflung des kleinen Wesens war schon fast körperlich zu spühren.

< „Ich habe sie am Rande unseres Reviers gefunden“>,  hörte er Nova sagen < „Sie war frühreif; weshalb sie von ihrem Vater davon gejagt wurde. Ein paar Halbstarke wollten sich die Zeit mit ihr vertreiben, da bin ich eingeschritten.“>

Frühreif also.

Es war selten ja, aber es kam vor, dass ein Weibchen schon Paarungsdüfte aussandte, auch wenn es noch ein halbes Küken war.
Meist waren das sehr bemitleidenswerte Dinger, denn ihre Körper waren noch gar nicht dafür ausgereift, Eier zu bekommen.
Frühreife Weibchen wurden in der Regel nicht alt. Die schützende Muskulatur und Schuppenstärke im Nacken bildete sich erst in den letzten Wochen des Kückenalters. Es war jene schützende Barriere, die das Weibchen vor dem Biss des Männchens schütze, wenn er diese bei der Paarung fixierte.

Auch dieses zitternde Ding hatte noch nicht die Schuppenstärke entwickelt, die verhindern würde, dass das Männchen ihr bei der Paarung den Nacken durchbissen.
Das war kein schöner Tod. Da der Biss aus Reflex des Männchens gemacht wurde, waren diese nicht immer gut gesetzt und so verbluteten die kleinen Weibchen meist jämmerlich.

Die, die die Paarung überlebten, hatten auch nicht viel Glück.
Das Bilden von Eier brauchte Kraft und Energie, die dann dem Körper fehlte, der immer noch im Wachstum war.
Entweder sie verloren die Eier schon früh, weil die Körper diese abstießen oder aber die Weibchen starben an Mangelerscheinungen.

Nur ein ganz kleiner Teil überlebte auch diese Phase. Und diese unglücklichen Weibchen starben meist während dem Legen der Eier. Der Geburtskanal war noch nicht weit genug gebildet, als das die Eier gefahrlos gelegt werden konnten.

Larr grollte erneut, doch nun nachdenklich.

< „Ich gehe mit deinem Urteil“>,  sprach Nova. Larr sah sie kurz an. Dann nickte er und schritt auf das Weibchen zu.
Die Kleine verkrampfte sich, als er sich über sie beugte und seine Zähne in ihrem Nacken versenkte. Es würde nicht viel brauchen, um ihr das Genick zu brechen.
Seine Zähne bohrten sich durch die Schuppen, bis er Blut schmeckte. Sie wimmerte, jammerte leise.

Larr ließ sie wieder los und betrachtete das Blut, welches nun über ihre Schuppen lief. Erneut senkte er den Kopf, blies Feuer auf die Verletzung.
Sie schrie auf; selbst mit der nötigen Schuppenstärke und der Muskulatur war das Einbrennen eine schmerzhafte Prozedur.

Die Blutung war gestoppt; Narben würden sich bald bilden und jedem Männchen sagen, dass dieses kleine Ding zu einem Schwarm gehörte. Ein Angriff auf das Weibchen konnte also einen wütenden Schwarm plus einem wütenden Männchen nach sich ziehen.

Es war der stärkste Schutz, den er zu geben vermochte.

Versöhnend grollte Larr, rieb seine Wange an das kleine Weibchen und markierte sie mit seinem Duft.
Noch immer schlug ihr Herz wild, doch nach und nach beruhigte sie sich.
Zaghaft erwiderte sie nun die Liebkosung. Vermutlich konnte sie ihr Glück noch gar nicht fassen.

Die anderen Weibchen näherten sich ihnen, schnurrten und fiepten.

Larr trat zurück. Die Weibchen nahmen ihre neue Schwester in ihrer Mitte auf. Sie rieben sich an ihr, leckten sie ab.
Niemand würde dieser Kleinen etwas antun können, ohne den Zorn der anderen zu riskieren. Sie war jetzt Teil dieses Schwarms und genoss damit auch dessen Schutz.

Nova grollte zufrieden. Dann legte sie ihren Kopf sanft auf seinen Rücken.
Larr drehte den Kopf.

< „Und wieder hast du so gehandelt, wie ich es geahnt habe“>, bemerkte sie. < „Und doch würde das manch einer als Schwäche ansehen“>
Larr bleckte die Zähne.
< „Sie wird nicht immer so klein bleiben“>,  erwiderte er. Nova knurrte zustimmend.

< „Ich muss dich um etwas bitten, Nova.“>  Sie hob den Kopf an und sah ihn aus ihrem einen Auge nachdenklich an. Dann blinzelte sie, öffnete die Flügel und stieß sich vom Boden ab.
Larr folgte ihr.

Nova hatte sich für das Ufer des Sees entschieden, in den der Wasserfall stürzte. In dem klaren See schwammen unzählige, schmackhafte und vor allem große Fische. Schon als Küken hatte er diesen Platz geliebt. Hier hatte er auch schwimmen und das Jagen auf Fische gelernt.

< „Um was möchtest du mich bitten?“>,  fragte Nova ihn.
Larr starrte auf das Wasser. Die Wellen des herabstürzenden Wassers verzehrten sein Spiegelbild.
< „Du musst für mich lügen“>,  antwortete er.
< „Was muss ich?“>
Larr fixierte sie mit seinen Augen.

< „Du musst für mich lügen Nova“>,  wiederholte er.

< „Erklär es mir Larr, warum muss ich lügen? Was ist passiert, dass du auf so etwas zurückgreifst?“>  Larr machte es sich am Ufer bequem und wies ihr mit einer Bewegung seines Kopfes an, das sie sich neben ihn legen sollte.
Er erzählte ihr von Alarus, von dem Beschluss des Ordens, ihn zu töten und von Novus, mit dem er diese Tat dann vollbracht hatte.
Dann erzählte er ihr von dem Fluch und von den drei Eiern mit den gesunden Küken. Er erzählte ihr von seinem und Novus Beschluss, eben jene Eier in den Orden zu schmuggeln, um den Kleinen eine gerechte Chance zu geben.

Nova hörte ihm stumm zu. Als er geendet hatte, schnaubte sie.

< „Und wie passe ich da hinein?“>
< „Ich brauche ein Weibchen, dass behauptet, sich mit mir gepaart zu haben und diese Eier als meine benennt“>,  antwortete er. Nova legte ihren Kopf auf ihre Vorderpranken.

< „Du weißt aber, du bräuchtest keine Lüge, oder? Du könntest jedes deiner Weibchen befruchten; mich mit eingeschlossen.“>
Jetzt war er es, der schnaubte.
< „Ich weiß wie sehr ihr gelitten habt. Ich werde keine von euch anrühren.“>

< „Es war eine schreckliche Zeit unter ihm, ja“>,
 sagte Nova langsam < „Und ich lüge nicht, wenn ich zugebe, dass ich noch immer seine Stimme in meinen Träumen höre. Doch was er mir antat, soll nicht bis zum Ende meines Lebens mein Dasein beherrschen. Würde ich mich vor ihm verstecken, so würde es bedeuten, das er mich gebrochen hat.“>
< „Und doch bist du noch hier“>,
warf Larr ein.
< „Ja, warum nicht? Es ist ein gutes Revier. Es gibt genügend zu fressen, der Hort ist geschützt, die Schwesterngemeinschaft stark und unser Männchen...“> Nova sah ihn sanft an.
< „Unser Männchen ist so, wie ein Brutgefährte sein sollte. Rücksichtsvoll und respektvoll, stark und unbeugsam. Was will ich mehr?“>

Larr hatte ihr aufmerksam zugehört.

< „Er hat uns nicht besiegt, Larr. Keine von uns ist gebrochen. Und wenn du je Nachwuchs haben möchtest, so werden wir dir alle zur Verfügung stehen.“>

Larr blickte nach oben, dort, gut verborgen war das Plateau, auf dem die anderen immer noch lagen und sich sonnten.

< „Ich komme langsam in das Alter, in dem man sich mit Nachwuchs beschäftigen würde“>,  räumte Larr ein <„Allerdings habe ich Sorge, dass ich euch verletze“> , gab er zu.
Nova gluckste amüsiert.
< „Es gibt unzählige Wege, wie auch ein Weibchen seinen Spaß bei der Paarung haben kann“>,  erklärte sie ihm mit einem Zwinkern.

Larr seufzte.
< „Das kann ich mir vorstellen. Leider beherrsche ich diese nicht.“>
Nova lachte daraufhin schallend los.
Larr sah sie nur verständnislos an.

< „Es gibt Momente, in denen bist du richtig süß, Larr; so wie ein frisch geschlüpftes Küken“>,  liebevoll leckte sie ihm über die Schnauze. < „Du weißt, wir beherrschen die gleiche Sprache, oder? Ich oder eine andere... jede von ihnen; ausgenommen die kleine Murrg, können dich in dieser Sache unterweisen.“ >
Larr vergrub seine Schnauze unter der Vorderpranken. Das war ihm dann doch peinlich.

< „Natürlich muss das nicht heute sein“>,  fügte Nova hinzu. Aber Larr hätte schwören können, dass sie enttäuscht klang.
<„Aber ich werde für dich lügen. Ich werde sagen, dass es meine Eier sind. Allerdings werde ich nicht sagen, dass du der Vater bist.“> Jetzt hob er den Kopf.
< „Warum?“>  fragte er nach.
< „Weil es nicht deine Kinder sind. Und sobald der Schwindel auffliegt, wirst du Probleme bekommen“>,  erklärte sie ihm. Nun, Nova hatte nicht ganz unrecht, ja. Aber Larr hatte keine Angst vor dem Orden. Er hatte den Himmel schon beherrscht, da waren die anderen alle noch nicht geschlüpft gewesen.
Vielleicht war es ignorant, sehr ignorant, anzunehmen der Orden könne ihm nicht schaden.
Und doch war das etwas in Larr, dass ihm zusicherte, dass er nicht durch den Orden sein Ende finden würde.
Er würde auf einem anderen Weg sterben.

Aber sein Tod stand noch in den Sternen, lag noch weit weg. Erst kamen die Kleinen von Alarus. Sobald sie gut verborgen im Orden waren, würde auch Novus wieder etwas ruhiger werden. Nicht, dass es der Elf aussprach, doch die Ungewissheit mit den Eiern nagte auch an ihm.
Deshalb hatte Larr die Initiative ergriffen.

Mit einem seufzen legte er seinen Kopf auf Novas Schulter. Sie schnurrte sanft und platzierte ihren Kopf auf seinem Rücken. Ihre Schwänze verflochten sich miteinander. Nicht, um sich zu paaren, sondern um einfach die Nähe des jeweils anderen zu genießen.

Die Paarung hatte noch Zeit... obwohl Nova ja schon ein wundervolles Weibchen war, dass sein Blut nicht selten in Wallung brachte.
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