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Mad World

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Bryce Walker Clay Jensen Justin Foley Montgomery de la Cruz OC (Own Character) Tony Padilla
29.08.2019
21.05.2020
3
7.793
2
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Dieses Kapitel
1 Review
 
29.08.2019 2.360
 
Hello again!

Da ich ein wenig Zeit hatte, habe ich direkt mal ein zweites Kapitel verfasst.
Gefällt es euch bisher? Findet ihr die Kapitel zu lang oder passend? Ich bin mir noch etwas unsicher. :c

Aber ich wünsche euch jetzt erstmal viel Spaß beim Lesen.

Wellessandra :3


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Es kehrt Farbe hinein


Eine Woche ist seit dem Bolognese Vorfall vergangen. Clay hat öfter mal ein Wort mit mir gewechselt, jedoch verhalte ich mich ihm gegenüber ziemlich abweisend. Das ist mein Schutzmechanismus, ich will gar nicht so sein. Ich will ihm so gerne vertrauen und glauben, dass er sich womöglich gerne mit mir unterhalten möchte. Aber mein Kopf schafft es nicht, so zu denken. Wieso sollte er auch mit mir reden? Er hat genug Freunde. Freunde, welche sozialer sind als ich. Ob ich es jemals schaffe auch offener zu sein? Mich den Leuten zu öffnen, ihnen vielleicht sogar meine dunkelsten Geheimnisse zu erzählen..

Ich schüttle den Kopf. Als ob ich das schaffe, den Glauben daran habe ich doch schon lange aufgegeben.
Lügnerin. Ich bin eine Lügnerin und belüge mich selbst. Habe ich je erwähnt, dass es mir mit meinen Depressionen besser geht? Das wird niemand bestätigen, wenn man meinen Tumblr Blog sieht. So viele Zitate, Gifs, Bilder und Videos. Und doch der Großteil geprägt von Verzweiflung, Trauer und Selbsthass. Der Blog bedeutet mir viel, ich setze mit jedem Eintrag mein Herzblut hinein. Lade auch des Öfteren mal Bilder oder kleine Geschichten von mir dort hoch. Und ohne das es arrogant klingt, aber ich besitze verdammt viele Follower. Mit einigen schreibe ich sogar, das ist das Gute an der Anonymität im Netz. Wobei diese auch oft ein Nachteil bildet.
Von Anonym beleidigt zu werden, tut nämlich weh. Von Anonym beleidigt zu werden, schürt Misstrauen, denn jeder kann sich dahinter verbergen.

Meinen Laptop schnappend, öffne ich auch sogleich die Tumblr Plattform. Ich scrolle durch die Startseite. Stoppe manchmal und lese mir paar Zitate durch. Selbstverständlich ist alles ziemlich dunkel, aber ich brauche sowas. Ich kann nicht ohne, auch wenn ich weiß, dass es mir nicht gut tut.
An einem Zitat verweilen meine Augen lange.

„Ich werde entweder immer benutzt, ausgetauscht oder vergessen. Ich verstehe das. Was ich aber nicht verstehe, ist, wieso. Ich versuche immer mein bestes, um die Leute um mich herum glücklich zu machen. Um ihnen etwas zu bedeuten. Aber es funktioniert nie. Ich bedeute niemanden etwas.“

Und meine Augen wandern weiter.

„Irgendwann kann man die Last, die auf einem liegt, einfach nicht mehr tragen.“

Mein Herz wird schwer, doch meine Augen wollen mehr lesen.

„Wir befinden uns alle im selben Spiel, nur in verschiedenen Leveln.
Schlagen uns mit derselben Hölle rum, nur mit verschiedenen Teufeln.“

Gott, ich hasse es so sehr, dass ich mir immer wieder solche Sachen durchlese. Es bedrückt mich. Liegt schwer auf meiner Brust und lässt mich schwerer atmen.
Ich beiße mir auf die Lippe, klappe meinen Laptop zu und starre auf die kahle Wand vor mir. Ich besitze nur einen kleinen Teil an Deko in meinem Zimmer. Eigentlich besteht meine Deko fast nur aus Zeichenutensilien.
Und ungewollt wandern meine Gedanken wieder zu Clay Jensen.

Clay war in den letzten Monaten öfter mal in aller Munde, besonders weil er in sehr gutem Kontakt zu Hannah Baker stand. Er hatte so viel durchgemacht und ich habe mitbekommen, dass er sich mehr als einmal für die Leuten um ihn herum eingesetzt hat. Ich habe das Gefühl, er stellt sich selber immer an letzte Stelle. Ein wirklich bemerkenswerter Charakterzug von ihm. Obwohl ihm das auch nicht gut tun kann. Oder? Ob schon mal jemand etwas für ihn getan hat? Ob er auch für jemanden an erster Stelle steht?

Vielleicht sollte ich ihm ein kleines Präsent zukommen lassen. So als Dankeschön für seine Rettung.. und als Entschuldigung für mein - in meinen Augen - Arschlochverhalten.
Aber was könnte ich ihm schenken? Sollte ich mit einem seiner Freunde reden, sie ausfragen? Vielleicht. Aber würde ich mich das auch trauen? Eher nicht. Sollte ich mir vielleicht mal in den Arsch treten? Auf jeden Fall!
Also beschlossene Sache. Morgen werde ich in der Schule mit... Justin Foley sprechen. Wie mir zu Ohren kam, ist er sozusagen jetzt Clays Adoptivbruder. Und wenn er schon mit ihm zusammen auf engsten Raum wohnt, sollte er doch am besten wissen, was Clay mag.
Und mit dieser Einstellung lege ich mich am Abend ins Bett und versuche mir weiterhin Mut zu machen, bis ich schließlich einschlafe.


Wenn man nach jemandem sucht, findet man ihn selten. Wenn man jemanden nicht sucht, dann läuft diese Person einem fast den ganzen Tag über den Weg.
So auch heute mit Justin. Ich konnte ihn den ganzen Morgen über nicht finden. Und leider habe ich auch kaum Fächer mit ihm. Das ist doch einfach mega frustrierend! Da habe ich mich schon mal dazu entschlossen zu mutig zu sein und dann gerät mein Entschluss ins wanken, sobald es nicht sofort so klappt, wie ich es mir vorgestellt habe.
Wäre ich allein und niemand könnte es sehen, würde ich nun einmal kräftig mit dem Fuß auf den Boden aufstampfen. Da sich hier in den Fluren jedoch immer noch ein paar viele Schüler befinden, lasse ich es lieber.

Na gut, auf zur nächsten Unterrichtsstunde.
Ich will gerade um die Ecke biegen, als ich mit etwas zusammenstoße. Nicht etwas, einem Menschen, natürlich. Wieder so ein lachhaftes Klischee.
Und weil das noch nicht genug ist, fallen mir auch meine Bücher hinunter. Wenn schon Klischee, dann aber auch so richtig.
Meine Augen richten sich auf die Person vor mir und als ich realisiere, wer da vor mir steht, würde ich am liebsten laut und fröhlich aufschreien. Natürlich tat ich das nicht, aber ein fettes Grinsen kann ich mir nicht verkneifen.

Justin Foley setzt einen süßen Hundeblick auf und lächelt verwirrt. Immer wenn ich ihn gesehen habe, hatte er einen solchen Blick. Ob er mit Hunden verwandt ist? Kleiner Scherz am Rande, der nicht unbedingt witzig ist, aber in meinem Kopf kurzzeitig so klang.
„Oh wow, so sehr hat sich ja noch nie jemand gefreut, mich zu sehen“, merkt er an und bückt sich dann, um meine Bücher aufzusammeln.
Meine Bücher. Oh, total vergessen. Ich bücke mich ebenfalls und nehme die Bücher entgegen, welche er mir bereits hinhält.
„Sorry übrigens, dass ich in dich hineingelaufen bin, ich war mit meinen Gedanken ganz woanders“, entschuldigt er sich noch, doch ich winke ab. „Keine Entschuldigung von Nöten, ich war ja selber abgelenkt“ Keine Entschuldigung von Nöten? Ich sollte weniger lesen.
Wir stehen auf und er versenkt seine Hände in den Hosentaschen. Abwartend sieht er mich an.
„Ich habe dich schon die ganze Zeit gesucht und bin gerade froh, dich gefunden zu haben“
Seine Stirn legt sich in besorgte Falten. „Ist etwas passiert?“
Wieder winke ich ab. „Nein, nichts. Ich wollte dich nur etwas fragen“, ich sammle nur kurz meine Gedanken, bevor ich weiterspreche „Ich wollte mich bei Clay bedanken.. er hat mir letzte Woche echt den Arsch gerettet, wenn man das so sagen kann“
„Ja, das klingt voll nach Jensen“, unterbricht er mich leise.
„Ja, nun ja.. ich möchte ihm etwas schenken, aber habe keinerlei Ahnung, was er mögen könnte“, schließe ich zerknirscht.
Sein Lächeln sieht echt süß aus, das ist mir vorher gar nicht aufgefallen. Wobei ich auch nie auf sowas geachtet habe.
„Und ab da komme ich also ins Spiel, richtig?“, wieso auch immer, wegen dieser Worte steigt mir ein wenig die Röte in die Wangen. „Hm.. es gibt nicht vieles, was er mag. Er liest einen Comic, aber ich habe vergessen, wie der heißt..“, er scheint angestrengt darüber nachzudenken.
Doch dann schüttelt er den Kopf. „Der Name fällt mir nicht ein, aber glaube es ging um Aliens.. oder so. Tut mir leid, ich bin dir echt keine große Hilfe“
„Ach, alles gut! Du hast mir durchaus geholfen, denn mit Comics kann ich schon mal arbeiten. Vielleicht frage ich ihn inkognito aus“, überlege ich laut und er nickt. „Das klingt doch mal nach einem Plan!“


Und genau diesen Plan setze ich auch in der Mittagspause um.
Clay sitzt einsam an einem Tisch und scheint etwas zu lesen. Vielleicht sogar der Comic? Eine bessere Chance ihn zu fragen, werde ich nicht bekommen, also Go!
Ich überlege kurz, woher ich diesen ganzen Mut nehme, denn es kostet mich wirklich Mut. Allein schon das Gespräch mit Justin, obwohl im Nachhinein finde ich, habe ich mich gut geschlagen und es war auch gar nicht so schwer mich mit ihm zu unterhalten. In meinem Kopf war es viel schwieriger.
Einmal tief einatmend und meine Kleidung glatt streichend, gehe ich auf ihn zu. Er ist in was auch immer er liest genauso vertieft, wie ich wenn ich zeichne, denn er bemerkt mich nicht.
Unaufgefordert setze ich mich ihm gegenüber, beobachte ihn kurz und mache mich dann durch ein Räuspern bemerkbar. Er reagiert dennoch nicht.

„Clay?“, wieso auch immer, aber meine Stimme ist leise. Doch er hat sie gehört.
Sein Blick trifft auf meinen und ein Funkeln tritt in seine Augen. Das sieht hübsch aus. Wo kommen heute nur diese ganzen Gedanken her, die habe ich doch sonst nicht. Nehme ich Jungs plötzlich richtig wahr?
„Roxy, hey!“, er klingt aufrichtig fröhlich, dass ich hier bin. Wärme fließt durch meinen Körper und ohne das ich es gemerkt habe, hat sich auch auf meine Lippen ein Lächeln gesetzt.
Ich deute auf sein Buch - wie ich nun sehen kann, handelt es sich leider nicht um einen Comic. Irgendwie enttäuschend.
„Was liest du da?“
„Oh. Ähm. Nur irgendsoein Buch über.. Aliens?“, eine zarte Röte legt sich über seine Wangen. Süß. Diese Gedanken sind mir voll peinlich und ich bin froh, dass keiner Gedanken lesen kann.
„Ist dir das unangenehm?“, das interessiert mich jetzt wirklich.
„Nicht ganz, du hast mich nur kalt erwischt. Eigentlich recherchiere ich auch nur“
„Für was denn?“
Dieses mal lässt er sich eine gewisse Zeit mit dem Antworten.
Unsicherheit beschleicht mich und ich rudere zurück. „Tut mir leid, wenn ich zu neugierig war. Du musst es mir natürlich nicht erzählen“, mein Blick heftet sich an den Tisch.
„Nein, alles gut. Es ist nur.. ich schreibe.. FanFiktion und da möchte ich detailgetreu schreiben. Ich wusste eben nur nicht, wie ich dir das sagen soll, ohne wie ein kompletter Nerd zu wirken“
„Ich mag Nerds“ Boom! Erde tu dich auf. Schnell. Wieso habe ich das gesagt? Lässt mich das nicht verletzlich wirken? Verdammt, dann kann ich mich ihm auch gleich an den Hals werfen.
Lächerlich, ich bin so lächerlich.
„Süß“ Ein Wort. Ein einziges Wort von ihm, welches mich wieder in sein Gesicht schauen lässt.
Wir schauen uns lange an. Ich weiß nicht, worüber ich sprechen soll. Ich war schon immer schlecht im Smalltalk. Warum sagt er denn nichts? Er bewegt sich auch gar nicht, sitzt nur still da. Ich hingegen knete meine Finger durch. Nervosität durchfährt meinen Körper.
„Okay, eigentlich wollte ich wissen, was du so magst. Justin meinte, du liest gerne Comics?“
Belustigt und zum Teil verwirrt zieht er die Augenbrauen in die Höhe. „Du hast mit Justin über mich gesprochen?“, fragt er interessiert und nun erhitzen meine Wangen komplett. Bin ich schon immer so schnell errötet? Ich kann mich nicht erinnern, überhaupt einmal errötet zu sein.
„Ähm, ja..“, ich suche schnell nach den richtigen Worten „Ich möchte mich für letzte Woche bedanken. Es hat mir wirklich verdammt viel bedeutet, dass du dich um mich gekümmert hast. Also, ich möchte mich revanchieren. Was magst du also? Wie heißt der Comic, welchen Justin meinte?“ Ehrlich währt am längsten, so heißt es doch.
Clay überlegt wieder eine längere Zeit. Seine Miene ist neutral, ich kann nicht erkennen, was er denkt oder wie er fühlt.
„Verbringe einen Tag mit mir.“
Das kommt.. unerwartet. Ich dachte, er würde mir sagen, wie der Comic heißt, oder sonst etwas. Aber das? Träume ich?
„Einen..Tag mit dir?“, frage ich nur nochmal, um sicherzugehen, dass ich mich nicht verhört habe.
Er nickt. „Du wolltest dich doch revanchieren, oder?“ Dieses mal nicke ich.
„Gut, dann wünsche ich mir dies. In letzter Zeit ist so viel abgefuckte Scheiße passiert..“, er hält kurz inne und sieht mich entschuldigend an, „Sorry für die Wortwahl“
„Kein Problem“, meine ich nur.
„Und jedenfalls möchte ich einfach nur einen Tag haben, der von Normalität strotzt. Ich werde mir etwas überlegen, überlass ruhig alles mir“, er scheint wirklich schon darüber nachzudenken.
„Bist du dir sicher, dass ich dafür geeignet bin?“, Unsicherheit überkommt mich. Er möchte einen normalen Tag erleben, aber war ich denn normal? Das bezweifle ich doch sehr.
Und ich will ihm diesen Tag nicht vermiesen. Denn er hat recht, er hat viel durchmachen müssen, viel Scheiße erlebt, wie er es nannte. Ich kann mir nicht vorstellen, wie schlimm das alles für ihn gewesen sein muss. Will er vielleicht mich für diesen Tag, weil ich eine Unbeteiligte in dem ganzen Drama bin? Vielleicht bin ich ja doch dafür geeignet. Ein bisschen mehr Selbstvertrauen, Roxy.
„Ein bisschen mehr Selbstvertrauen, Roxy. Ich möchte mich gerne mehr mit dir unterhalten und einfach mal einen Tag abschalten. Und ich denke, dies täte dir vielleicht auch mal ganz gut“, ich habe ihm fast nicht mehr zugehört, weil seine ersten Worte genau dieselben wie meine Gedanken waren.
„Okay“, das Wort kommt mir so einfach über die Lippen.
Er strahlt mich an. Ist das wirklich der Clay Jensen, welchen ich die letzten Monate über beobachtet habe? Und das mit dem Beobachtet klingt auch nur dezent unheimlich, das kann ich auch niemandem erzählen, ohne als Freak abgestempelt zu werden. Obwohl, bin ich das nicht schon lange?
„Du stimmst also zu?“, will er nochmal sichergehen.
„Ja, ich stimme zu. Ich freue mich schon“, und das ist nicht einmal gelogen.

Ich lasse ihn dann weiterlesen, manchmal guckt er auf und erzählt mir etwas über was er gerade gelesen hat und fragt mich sogar, was ich darüber denke. Ich bezieht mich ein. Auch in seine Gedanken. Das ist so ein unheimlich schönes Gefühl. Wertgeschätzt zu werden.
Ich bin nicht allein. Das schießt mir durch den Kopf und ich fange an zu lächeln. Ich bin fröhlich.
Und an diesem Tag reblogge ich das erste Mal fröhliche Bilder, Gifs und Zitate in meinem Blog. Es kehrt Farbe hinein. Auch in mein Leben. Clay Jensen ist wahrhaft ein Engel.
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