Arda Dream - Mitelerde - Die richtige Welt?

von Eiche
OneshotFantasy / P12
27.08.2019
27.08.2019
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Mein Beitrag zu dem Wettbewerb Arda Dream.
Den Schreibanfang darf ich aufgrund der Doppelpostregel hier nicht einfügen. Man kann ihn aber beim Projekt nachlesen.
Viel Spaß beim Lesen!





… Aragorn, Frodo, wie gerne würde ich euch besser kennen lernen. Die Informationen in den Büchern waren doch viel zu wenige. Ich will mit euch Abenteuer erleben, dabei sein.
Aber das wird wohl für immer ein Traum bleiben.

Ich muss daran denken, wie ich begonnen habe, den Hobbit zu lesen. Irgendwer hat ihn mir empfohlen und die Geschichte hat mich sofort gefesselt.
Ich habe das Buch nicht nur gelesen, nein ich war dabei, überall. Alles habe ich gesehen, an jedem Ort, der beschrieben wurde, war ich.

Ich bin mit Bilbo zu den Zwergen gerannt.
Ich war den ganzen, langen Weg lang an der Seite der Reisenden.
Ich habe zusammen mit Barth Smaug getroffen.
Ich habe das langen Krieg der fünf Heere erlebt.

Als ich dann die Filme gesehen habe, war ich total enttäuscht. Nichts war so, wie ich es erlebt habe. Sie haben alles falsch dargestellt. In Wirklichkeit war alles ganz anders.
Dann habe ich auch mit dem Herr der Ringe angefangen. Wieder bin ich in die Geschichte eingetaucht und habe die Zeit in Mittelerde verbracht. Es war so schön.

Ich war Mitglied in der Gemeinschaft des Ringes.
Ich bin bei allen gleichzeitig geblieben, als der Bund zerbrach.
Ich habe in all den Schlachten gekämpft.
Ich stand mit dem zögernden Frodo im Schicksalsberg.


Geweint habe ich, als das Buch zu Ende war. Diese Geschichte war zu meinem Leben geworden, aus dem ich herausgerissen wurde.
Ich habe versucht, die Bücher noch einmal zu lesen, aber die Magie und die Freude, die ich beim ersten Mal gefühlt habe, war verschwunden.
Es hat nichts genützt, alle möglichen Geschichten über Mittelerde zu lesen. FanFiktion war genauso sinnlos. Nie war ich wieder wirklich in Mittelerde.
Das zu verstehen tut weh, es ist so furchtbar schmerzhaft.
Ich will nach Hause, finde aber nicht dorthin.
Mein Leben hier auf dieser Erde, welches die meisten Realität nennen, hat für mich an Bedeutung verloren. Ich will hier weg, will nach Mittelerde. Ich will in der Welt leben, die ich so liebe.
Gerne würde ich sie selbst beschreiben, würde mir selbst Geschichten mit allen möglichen Wesen ausdenken, aber das traue ich mich nicht. Insgeheim habe ich Angst, die wundervolle Welt, die Tolkien geschaffen hat, damit zu zerstören.
Ich sollte aufhören, mich nach einer Welt zu sehnen, die nicht wirklich existiert. Ich sollte im Hier und jetzt leben, auf dieser Erde, aber das kann ich nicht.
Wie viel habe ich schon getan, um mich hier zu fühlen, wie dort.
Ich habe gelernt, in der Natur zu überleben, wie ein Waldläufer.
Ich habe mit sämtlichen Waffen trainiert, vom Schwert über den Bogen, bis zum Nahkampf beherrsche ich alles.

Aber nichts davon hat gereicht.
Mir fehlen all die Zauberhaften Wesen, die in Mittelerde beheimatet sind.
Mir fehlen die Orte, die beschrieben wurden und die man hier niemals finden kann.
Kein Mensch hier kann zaubern.
Mit keinem Baum kann ich mich unterhalten.
Keine Riesenspinne webt ihr Netzt um mich, um mich zu fangen.
Kein Riesenadler trägt mich auf seinen weiten Schwingen in die Freiheit.

Ich will hier nicht mehr leben, in diese langweiligen, magielosen Welt.
Ich muss noch stärker weinen. Warum kann ich nicht nach Mittelerde? Warum nur nicht.
Erschöpft liege ich auf meinem Bett. Immer noch laufen Tränen meine Wangen hinunter. Was soll ich nur tun? Wie soll ich nur weiterleben, mit dieser Sehnsucht in mir?

Wie gerne würde ich mit jemandem darüber reden, aber alle, die ich kenne würden mich als Nerd abstempeln. Es gibt niemanden, dem ich mich anvertrauen kann.
Ich muss mein Schicksal wohl alleine annehmen, auch wenn das unmöglich scheint. Was kann ich nur machen, um glücklich zu werden?

Auf diese Frage habe ich keine Antwort.
Müde schließe ich die Augen und bin bald darauf eingeschlafen.





Wo bin ich? Nein, dass ist die falsche Frage, denn ich weiß genau, wo ich bin. Interessanter wäre es zu wissen, wie ich hier hergekommen bin. Gerade lag ich doch noch in meinem Bett oder? Ich habe mich doch gerade noch nach Mittelerde gesehnt. Und jetzt stehe ich hier. Die Stelle habe ich sofort erkannt, ich bin an dem Ort, an dem die Gemeinschaft des Ringes zerbrochen ist. Oder zerbrechen wird. Ich habe keine Ahnung in welcher Zeit ich gelandet bin. Es ist auch niemand zu sehen, den ich fragen könnte.
Warum bin ich hier?
Sicher träume ich. Ich habe mir gewünscht, hier zu sein und deshalb träume ich davon, das muss es sein. Ich kneife mir in den Arm. Wenn das hier ein Traum ist, will ich sofort aufwachen. Ich glaube nicht, dass ich es ertragen kann, wenn ich hier weggerissen werde, weil ich aufwache. Das würde alles noch schlimmer machen.

Seltsamerweise wache ich nicht auf, sondern bleibe an Ort und Stelle.
Das heißt, alles hier ist wirklich.
Ich muss lachen. Tränen der Freude schießen mir in die Augen. Ich habe es geschafft, nach Mittelerde zu gelangen. Ich bin zu Hause.
Immer noch lachend sehe ich mich um. Es ist genauso, wie ich es mir vorgestellt habe. Nicht wie in den Filmen, nein. Diese Umgebung gleicht den Bildern, die ich beim Lesen gesehen habe.

Ich gehe ein paar Schritte und betrete eine Lichtung. Sofort wird mir klar, dass hier eine Schlacht stattgefunden hat. Der Boden ist voller Blut. Tote Orks liegen auf dem Boden und überall liegen Pfeile, Keulen und andere Waffen herum.
Ich weiß genau, was hier passiert ist.

Hier hat Boromir versucht, Frodo den Ring abzunehmen.
Hier hat er gegen zahlreiche Orks gekämpft und ist schlussendlich gestorben.
Hier, an diesem Ort ist die Gemeinschaft des Ringes zerbrochen und es ist noch nicht zu lange her.

Das Blut ist noch frisch.
Die anderen müssen erst vor kurzem aufgebrochen sein.

Frodo und Sam in Richtung des Schicksalbergs und Pippin und Merry, von den Orks entführt, nach Isengard während Aragorn Legolas und Gimli ihnen folgen.

Doch was mache ich jetzt? Ich kann Frodo folgen und ihn auf seiner Mission begleitet, oder ich kann Pippin und Merry und damit auch Aragorn, Legolas und Aragorn suchen.
Die zweite Möglichkeit reizt mich mehr, wird aber auch schwieriger werden. Die Orks haben eine gute Geschwindigkeit und die drei Verfolger sind noch schneller unterwegs. Sie zu erreichen könnte schwierig werden. Aber um ehrlich zu sein will ich nicht so gerne auf Frodo treffen. Er konnte mich nie richtig beeindrucken.

Bei Aragorn und Legolas sieht das ganz anders aus. Ich sollte also ihnen folgen. Zu schlimm kann es ja nicht werden. Ein bisschen Risiko muss man halt eingehen, wenn man seinen Traum erfüllen möchte.

Ich suche die herumliegenden Waffen ab, aber ich kann weder ein Schwert, noch einen Bogen, noch eine andere Waffe finden, mit der ich umgehen kann. Mit den klobigen Orkwaffen, die vereinzelt herumliegen, kann ich nichts anfangen. Dann muss ich wohl mit meiner Jeans und meinem T-Shirt klarkommen, etwas anderes habe ich nicht.

Es dauert nicht lange, da habe ich die Spur gefunden, der ich folgen muss.
Erst jetzt fällt mir auf, dass mein Unterfangen fast unmöglich ist. Ich habe weder etwas zu essen, noch zu trinken. Ich werde Tag und Nacht durchlaufen müssen. Ich muss Legolas, Aragorn und Gimli einholen. Wie kann ich das jemals schaffen? Aber egal. Ich muss optimistisch bleiben. Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert.





Ich sehe mich um. Hier muss die Stelle sein, an der Pippin und Merry vor den Orks geflohen sind.

Ich bin die letzten Tage die meiste Zeit gelaufen und habe kaum Pausen gemacht. Zum Glück habe ich einige essbare Pflanzen und Wasser gefunden.

Was mache ich nun? Aragorn, Legolas und Gimli werde ich vermutlich nicht einholen können, schließlich haben sie jetzt Pferde.

Ich könnte Richtung Isengard gehen. Dort kann ich Pippin und Merry und vor allem die Ents treffen. Diese sind schon immer meine Lieblingswesen gewesen. Die Baumwesen kennenzulernen wäre wundervoll.

Gerade habe ich den Beschluss gefasst, da höre ich ein rascheln im Gebüsch. Auf einmal steht Gandalf vor mir. Entgeistert starre ich ihn an.

Natürlich war mir klar, dass ich nicht immer alleine bleiben würde, aber den Zauberer jetzt zu sehen, überrascht mich trotzdem. Aber irgendwie bin ich auch froh, dass es er ist. Alle anderen wären vermutlich erschrocken und verwirrt, mich zu sehen. Der Zauberer aber bleibt ganz entspannt. Auch meine Kleidung scheint ihn gar nicht zu irritieren.

„Guten Tag, Luzia.“
Woher zum Teufel kennt er meinen Namen?
„Es ist schön, dass du gekommen bist.“
Jetzt bin ich die, die total verwirrt ist.
„Woher? wie? warum?“
Ich stottere. Was kann ich nur sagen?
„Du fragst dich, woher ich weiß, dass du hier bist?“
Ich nicke.
„Ich bin ein Zauberer, schon vergessen?“
Er lächelt mich an.
„Komm setz dich.“
Er zeigt auf einen Baumstamm.
„Wir haben viel zu besprechen.“

Leicht zögernd setze ich mich. Irgendwie ist mir das hier nicht geheuer. Auch wenn Gandalf sehr viel weiß, ich bin mir nicht sicher, ob er meinen Namen kennen sollte. Wir haben uns schließlich nie gesehen.
„So, Luzia. Nun bist du also hier her gekommen. Du fragst dich sicher warum.“
Ich nicke. Kann der Zauberer mir alle meine Fragen beantworten?
„Wir brauchen dich, Mittelerde braucht dich.“
„Warum?“
Jetzt bin ich komplett verwirrt.
„Ich weiß, dass dir sehr viel an dieser Welt liegt. Du würdest gerne für immer hier bleiben, oder?“
„Ja, mein Zuhause ist hier.“

Gandalf seufzt tief.
„Ich verstehe, dass dich unsere Welt verzaubert hat, aber du gehörst nicht hier her.“
Was? Wie kann er das sagen? Für diese Welt schlägt mein Herz.
„Aber ich liebe diese Welt.“
„Ich weiß, aber du musst dennoch in deine zurückreisen.“
„Warum?“

Ich bin den Tränen nahe. Endlich habe ich es geschafft, meinen Traum zu erfüllen und in Mittelerde zu sein und jetzt darf ich nicht bleiben? Kann das Gandalfs Ernst sein? Hass auf den Zauberer überkommt mich.
Er sieht mich an, als wäre ich dumm. Er denkt wohl, seine Worte wären mir klar und ich würde realisieren, dass ich zurückmuss. Aber er ist der, der nicht versteht.

„Aber ich will hierbleiben. Ich will alles sehen, will all die wundervollen Wesen kennenlernen.
Ich will hier Abenteuer erleben.“
Gandalf lächelt.
„Das wirst du auch, allerdings von der Erde aus...“
„Wie soll das denn gehen?“
Es ist mir egal, dass ich den Zauberer unterbreche.
„Du musst schreiben.“
Was? Ich soll schreiben?
„Was soll das denn bringen?“

„Unsere Geschichte muss weitergehen und du bist die, die sie schreiben soll.
Du kannst die eigene Wesen ausdenken, oder schon vorhandene Figuren Abenteuer erleben lassen.
Du kannst zu und allen die Vorgeschichte erfinden und uns eine Zukunft malen.
Wenn du das schreibst, erweckst du uns Wesen von Mittelerde wieder zum Leben und kannst selbst überall dabei sein.“

Das was er sagt klingt so wundervoll. Aber ich bin noch nicht überzeugt.
„Aber zerstöre ich damit dann nicht eure Welt?“
„Keine Sorge. Ich bin mir sicher, du wirst das alles richtig machen. Dennoch muss ich dich Fragen. Bist du für diese Aufgabe bereit?“
Ich zögere, doch dann lächle ich. Gerade ist mir etwas wundervolles eingefallen.
„Ja, ich bin bereit.“
Gandalf lacht.
„Das habe ich mir gedacht. Dann kannst du also jetzt nach Hause zurückkehren?“

„Ich habe noch eine Frage. Wenn ich eine Geschichte schreibe und mich selbst darin vorkommen lasse, reise ich dann nach Mittelerde? Kann ich so zurückkehren?“
Gandalf seufzt.
„Du bist wirklich ein harter Brocken.
Ja, so könntest du hier her reisen, aber ich würde dir davon abraten. Auch wenn du das jetzt nicht spürst und deine Sehnsucht dir etwas anderes sagt, du gehörst nicht in diese Welt. Mit der Zeit würdest du Heimweh bekommen. Deine Welt ist eine andere.“

Ich nicke, denn auf einmal verstehe ich genau, was er meint. Denn auch wenn ich glücklich bin, hier zu sein, mein Gefühl sagt mir, dass es nicht richtig ist.

„Wie komme ich zurück?“
Auf einmal will ich so schnell wie es geht nach Hause. Ich will mich an den Schreibtisch setzen und die Geschichte Mittelerdes weiterschreiben. Ich will in diese Welt eintauchen, ohne wirklich darin zu sein.

Ich sehe Erleichterung in Gandalfs Gesicht.
„Nimm diesen Füller. Mit ihm musst du unsere Geschichten schreiben. Sobald du ihm berührst, bist du wieder zuhause.“

Ich sehe ihn an. Meine Hand wandert zum Stift.
„Viel Glück, Luzia“
Kurz bevor ich den Stift berühre, halte ich inne.
„Auf wiedersehen, Gandalf.“
Dann nehme ich den Stift.

„Hoffentlich nicht“
Wie aus weiter Ferne höre ich Gandalfs Stimme, während ich selbst in Dunkelheit falle.

Endlich habe ich meinen Weg gefunden.
Ich bin bereit, das zu tun, was ich tun muss.
Ich werde die Geschichte Mittelerdes weiterschreiben.
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