London und zurück

von Flora 66
GeschichteAllgemein / P12 Slash
Christian Mann Oliver Sabel
27.08.2019
14.12.2019
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1.London wir kommen

"Hey Jessie, eigentlich müssten wir ja jetzt sauer sein, ganz ehrlich mach sowas nie wieder!!!!"
Olli setzt kurz ab.
"Aber trotzdem danke, das haben wir gebraucht", meint er lächelnd zu ihr. Dann dreht er sich zu Christian und wird kurz nochmal ernst,
"Als ersten Schritt."
"Ja Olli ich weiß, ich werde..."
"Ist schon gut, im Moment", Olli versucht ihn über Jessica, die immer noch zwischen ihnen liegt, zu küssen.
"Also irgendwas stört hier", sieht er sie tadelnd an.
Doch Jessica reagiert nicht, sie lacht fröhlich und ist einfach nur total stolz auf sich.
"Wisst ihr das war mir gleich klar, dass ihr..."
"Jessie könntest du..." versucht Olli es noch mal.
Sie hört ihn gar nicht.
"...ich wusste gleich..."
"Jessie raus!" kommt es jetzt  synchron von beiden und sie schieben sie regelrecht aus dem Bett. Was gar nicht so einfach ist, wenn man unter der Decke völlig nackt ist und sich nicht unbedingt vor seiner WG-Mitbewohnerin so zeigen will.
Sie mault zwar ein bisschen, drückt dann aber Olli seinen Zimmerschlüssel in die Hand und trippelt zufrieden lächelnd nach draußen.
'Das muss ich gleich Dana erzählen', denkt sie aufgekratzt und schnappt sich ihr Handy.
Olli hat in der Zwischenzeit schnell wieder hinter ihr abgeschlossen und läuft jetzt, so wie Gott ihn schuf, durchs Zimmer.
"Olli was tust du, komm zurück ins Bett", bettelt Christian begehrlich.
Mit seinem Handy und dem Laptop bewaffnet, tut er dies auch.
Als Christian ihn sofort wieder an sich ziehen will, haut Olli ihm mit leicht vorwurfsvollem Blick auf die Finger und sagt,
"Du wolltest doch deine Hormone unter Kontrolle bringen, also fang gleich damit an!
Wenn wir heute noch zusammen nach England wollen, haben wir einiges zu tun."
Er drückt ihm den Laptop in die Hand und erwidert Christians Hundeblick halb streng, halb lachend.
"OK, du bist der Boss und du hast ja auch recht. Klär du das mit deiner Arbeit und ich such die Flüge. Dann packen wir deine Sachen....Danke Olli, ich kann es nur noch mal sagen. Ich liebe dich."

Eine Stunde später stehen sie abmarschbereit im Wohnzimmer und verabschieden sich.
Tristan, Ollis Chef, war nicht wirklich glücklich, dass er so spontan weg will, aber Olli konnte glücklicherweise seine Vertretung  fürs No Limits schnell organisieren, also hat Tristan zähneknirschend  zugestimmt und bei LCL, seinem Modellnebenjob, steht auch nichts an, im Moment.
Gerade sagt seine Schwester Bella, während sie sich umarmen,
"Mensch Olli, vier Wochen, du wirst mir echt fehlen."
"Tja für irgendwas müssen die vielen Überstunden ja gut gewesen sein und wir brauchen das jetzt dringend. Das versteht ihr doch."
Allgemeines Nicken ist die Reaktion auf seinen Blick in die Runde seiner Freunde. Als letztes bleibt sein Blick noch mal auf Christian hängen und nach einem kurzen Durchatmen nimmt er ihn entschlossen an der Hand. Gemeinsam schnappen sie sich ihr Gepäck und gehen die Treppen runter zum wartenden Taxi.

Es ist jetzt 21:30 Uhr, draußen ist schon längst alles dunkel, während Olli aus dem kleinen Flugzeugfenster neben sich sieht. Unter ihm tauchen schon die ersten Lichter des Londoner Flughafens auf. Ein leichtes Kribbeln geht ihm durch den Körper. Es wird ihm gerade so richtig bewusst, dass er noch so gar nicht abschätzen kann, auf was er sich da eingelassen hat.
Er greift instinktiv nach Christians Hand und spürt sofort wie verkrampft der sie zusammenballt.
"Entspann doch mal, wir kriegen das schon hin, zusammen."
Plötzlich zögert er, sein Blick wird skeptisch und seine Stimme rau,
"Oder gibt es hier noch weitere böse Überraschungen?"
Er spürt wie Christian mit sich kämpft und nach einer kurzen Pause redet er dann selbst  weiter.
"Sorry, nein, ich habe mir vorgenommen dir zu vertrauen, ich weiß es ist alles OK."
Christian versucht sich zusammenzureißen und holt tief Luft.
"DU musst dich nicht entschuldigen, Olli, ich weiß, dass das nicht so schnell geht, mit dem völligen Vertrauen wieder.
Aber, nein, das ist es absolut nicht."
"Was ist dann?"
Etwas beschämt sieht Christian auf ihre Hände und spricht  leise weiter. Egal wie unangenehm ihm das ist, er hat Olli versprochen ehrlich zu sein.
"Erinnerst du dich an unseren Ballonflug nach der Hochzeit, als ich vor Angst dort fast gestorben bin...Ganz ehrlich, sehr viel wohler fühle ich mich immer noch nicht beim Fliegen."
"Oh Schatz, deine Flugangst, das habe ich ganz vergessen."
Olli legt ihm schnell den Arm beschützend um die Schulter.
Christian lächelt ihn dankbar an und spürt sofort wie diese einfache Geste ihn hilft mit dieser Situation umzugehen. Und ist unendlich glücklich, dass sein Mann so ist wie er ist. Nicht jeder hätte ihm noch einmal eine Chance gegeben. Mit diesem warmen Gefühl im Bauch weiß er ganz sicher, dass er alles dafür tun wird die nicht zu vermasseln. Denn an ein Leben ohne Olli...daran will er nicht mal denken.
Schnell drückt er ihm einen sanften, dankbaren Kuss auf die Wange. Das Flugzeug setzt nun auch schon zur Landung an.

Als sie eine gute Stunde später mit dem Taxi auf dem Weg zu Christians Wohnung sind, hält es plötzlich vor einem noblen Sporthotel.
"Das ist aber nicht deine Wohnung", meint Olli irritiert.
"Doch für die nächsten drei Tage schon.
Ich hatte mein Zimmer doch nur für das ursprünglich geplante Jahr gemietet und musste mir jetzt was neues suchen. Da kann ich aber erst in drei Tagen rein."
Während er erzählt, steigen sie auch schon aus und er folgt seinem Mann zum Empfangstresen, der nach dem kurzen Einchecken schon ihre Schlüsselkarte in der Hand hält.
"Und dann mietest du dich in ein so nobles Haus ein?", fragt Olli noch mal ungläubig nach als sie den Fahrstuhl nach oben betreten.
Christian grinst,
"Nö, ich hätte die Nächte zwischen meinen Möbeln in einer Abstellkammer des Gestüts verbracht, aber das kann ich doch dem tollsten Mann im Universum nicht anbieten."
"Spinner...."
Olli will noch was sagen, aber in der Zwischenzeit sind sie auf dem Zimmer angekommen und Olli bleibt einfach nur der Mund offen stehen. Es hat ihm tatsächlich die Sprache verschlagen.
Vor ihnen öffnet sich die Tür in die Penthouse-Suite. Überall sind Glasfenster und der Blick auf die Lichter Londons ist einfach nur genial. Sie schauen sich mit immer größeren Augen um. Das Bad ist eine Wellnessoase und neben dem riesigen Bett steht eine Flasche Champagner und eine Schale Erdbeeren.
"Du bist verrückt", stöst Olli aus und blickt ungläubig seinen Mann an.
Christian stellt die Taschen ab, nimmt Ollis Gesicht zwischen seine Hände,
"Mit den neuen Vertrag gab's auch eine Gehaltsaufbesserung ich habe sogar noch ein paar freie Tage heraus geschlagen.
Also falls du ein Sightseeing Programm geplant hast, vergiss es vorerst, ich lass dich erst in zwei Tagen hier wieder weg."
Dann erobern seine Lippen leidenschaftlich den Mund seines völlig überrumpelten Gegenübers.
Als Olli sich dann doch irgendwann löst, meint er nur atemlos,
"Wir können ja den Champagner und die Erdbeeren nicht warm werden lassen, komm!"
und schiebt Christian zielstrebig Richtung Bett.

Als Christian nach einigen erfüllenden Stunden  nachdenen sie erschöpft ins Reich der Träume abgedriftet waren, wieder aufwacht spürt er sofort , dass das Bett neben ihm leer ist.
"Olli, Schatz, wo bist du?"
Er sieht einen schwachen Schatten am Ende des Panoramafensters und steht auf. Olli steht wortlos da und starrt hinaus.
Als Christian ihn von hinten umarmt zuckt er leicht zusammen und bleibt steif aufgerichtet.
"Olli was ist los?
Hab ich dich überfahren, war das zu viel für den Anfang? Ich wollte dich nicht überfordern, wenn du erst noch langsamer machen willst. Wir machen alles so wie du es brauchst..."
Christian reagiert ängstlich.
"Nein Christian alles gut, es war wunderschön, es gibt für mich nichts schöneres, erfüllenderes als wenn wir uns lieben und dieses Hotelzimmer ist ein Traum, wirklich."
"Was ist es dann?...Olli sag es mir, wir wollten doch offen über alles reden."
"Dein Handy hat vorher gepiept."
Er hält es in der Hand,  
"War das sie?"
Christians Gesicht erstarrt, er wirft einen Blick darauf.
"Ja", presst er heraus.
Er öffnet die SMS, es ist die fünfte heute Abend.
"Willst du auch?"
Olli nickt. Sie lesen gemeinsam.
"Warum tut sie das, ich habe ihr klipp und klar gesagt, dass das ohne Alkohol und wenn ich noch bei klarem Verstand gewesen wäre, nie passiert wäre. Dass ich nur dich liebe und sich das nie wieder wiederholen wird.
UND dass sie mich nie wieder anrufen soll."
"Naja, deshalb schreibt sie jetzt ja", erweicht es Olli sarkastisch.
Plötzlich streckt er sich, atmet einmal tief durch und sagt,
"Ach komm das beste wird sein wir ignorieren sie, dann hört sie schon auf.
Hier ist es so schön, das lassen wir uns doch nicht verderben!
Sieh dir dieses Lichtermeer an, Christian, das ist unglaublich."
Er zieht ihn zum Sofa, das direkt vor dem Fenster steht und sie sehen aneinander gekuschelt in die traumhaft schöne Nacht hinaus.
Erst hängt noch jeder seinen Gedanken nach, aber irgendwann löst sich die gedrückte Stimmung auf und sie beginnen sich zu küssen und erneut zu lieben.
Olli fühlt ein Verlangen in sich, das schon fast weh tut, er braucht diese Bestätigung jetzt.
Christian spürt dass deutlich und nimmt sich total zurück. Er versucht Olli all das zu geben, was er jetzt braucht, nur eines ist ihm in diesem Moment wichtig... Olli!

Am nächsten Morgen beim Aufwachen ist es dieses Mal Olli der sofort spürt, dass er alleine ist. Er liegt immer noch auf dem Sofa, ist liebevoll zugedeckt, aber er ist allein.
Als er sich umschaut, sieht er einen Zettel am Fenster kleben.

-Hallo Schatz,
ich musste ganz kurz weg, mach dich bitte fertig,
Frühstück kommt gleich.-

"OK", denkt Olli und schält sich aus der um ihn geschlungen Decke. Er kommt gerade aus dem Bad zurück als es klopft.
"Roomservice!"
Olli öffnet neugierig die Tür und lacht, draußen steht Christian in einer Kellneruniform und schiebt einen Rollwagen mit Frühstück.
"Wo wünschen der Herr zu speisen?" fragt er elegant.
Olli lächelt in sich hinein und macht mit.
"Ach ich glaube im Wintergarten am großen Fenster wäre mir heute genehm."
Christian deckt den Beistelltisch am Sofa mit den ganzen Leckereien.
"Wäre es dem Herrn auch genehm, wenn ich mich dazusetze?
Denn ich hätte da noch eine Überraschung für sie."
"Es wäre mir eine große Freude, mein Lieber... Eine Überraschung?" fragt Olli neugierig nach.
"Langsam alles der Reihe nach, zuerst Frühstück", antwortet Christian und schiebt Olli eine Gabel Rührei in den Mund. Sie liegen aneinander gelehnt auf dem Sofa, füttern sich gegenseitig und genießen den Ausblick.
Bis es Olli nicht mehr aushält.
"Und wo ist nun meine Überraschung?"
Christian greift schnell am Rollwagen unter das Tischtuch und zieht eine rote Rose und eine Karte heraus.
Er kniet sich vor Olli und überreicht ihm beides.
Olli lächelt und öffnet die Karte.
"Ein Ausflug, ich dachte du lässt mich heute nicht mehr nach draußen?"
"Naja ich dachte ,ein bisschen frische Luft dürfte uns nach dieser Nacht gut tun. Aber ich verspreche dir, wenn wir zurückkommen probieren wir gemeinsam diese Erlebnisdusche oder den Whirlpool, vielleicht auch beides, im Bad aus."
Olli lächelt wieder,
"Bin ich dabei, aber Christian muss es ein Ausflug zu Pferde sein, du weißt Pferde und ich...."
"Vertrau mir, Schatz, ich bin mir sicher er wird dir gefallen."
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