Is it Magic or just Love??

GeschichteDrama / P12
J. Daniel Atlas OC (Own Character)
27.08.2019
27.08.2019
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Was zum Teufel mache ich hier?
Dieser eine Satz geisterte schon seit einer gefühlten Ewigkeit in meinen Gedanken herum und ließ mich nicht zu Ruhe kommen. Ignorieren funktionierte schon lange nicht mehr, und meine innere Stimme konnte sehr hartnäckig sein, wodurch sie sich auch nicht einfach abstellen ließ, wenn sie erst einmal die Kontrolle über meinen Kopf übernommen hatte. Also versuchte ich sie zu übertönen, mit einem Song oder Ähnlichem, doch schön langsam klappte nicht einmal mehr das. Vielleicht lag es an dem kahlen Raum, der sehr an eine Gummizelle erinnerte, oder es war das ewige Warten, das meiner Fassade Risse verlieh. So oder so, musste ich noch länger hier sitzen und mich immer wieder fragen, was aus mir geworden war, dann würde meine Kraft zerbröckeln wie der Putz auf unserer Hausmauer, und dann würde es soweit sein. Dann stecken sie mich wirklich in eine Gummizelle, nicht bloß ins Gefängnis, dachte ich frustriert. Doch das durfte nicht passieren, nicht solange ich noch bei klarem Verstand war. Naja, so klar mein Verstand eben sein konnte. Mir entkam ein Grinsen, ein kurzes Auflachen, doch das genügte schon.
>> Was finden Sie denn so amüsant? << Der ältere Herr auf dem Plastikstuhl vor mir schaute mich halb vergnügt, halb interessiert an. Er hatte sich einen 3-Tage-Bart wachsen lassen, und unter seinen Augen prangten richtige Monster von Augenringen, die von seiner Übermüdung zeugten. Alles in allem sah er recht ungepflegt aus, und meine Analyse bezog sich dabei nicht bloß auf seine langen schwarzen Haare, die vor Fett nur so trieften. Auch seine Fingernägel könnten eine Maniküre vertragen, wie es mit seinen Zehen stand, wollte ich mir lieber nicht vorstellen. Warum ich gelacht hatte? Weil meine innere Stimme mich langsam in den Wahnsinn treibt. Laut sagte ich allerdings: >> Ich hatte Sie mir nur mit Mascara und Liedschatten vorgestellt, das ist alles. << Sein Gesicht zeigte keine Regung, die darauf schließen hätte lassen, ob ich ihn erfolgreich getäuscht hatte, oder ob er mein wahres Problem längst ausfindig gemacht hatte. >> Sehr witzig <<, entgegnete er ohne einer Spur von Belustigung in seiner Stimme. Dann richtete er seinen Blick wieder auf sein Klemmbrett und dem darauf liegenden Zettel. Lesen konnte ich nur den Namen „Daniel Atlas“, doch der sagte mir überhaupt nichts. Seufzend rieb ich meine schmerzenden Handgelenke, die Handschellen, die sie jedoch fesselten, erleichterten mir die Arbeit nicht gerade. >> Hören Sie <<, fing ich an, doch nicht einmal jetzt schenkte mir der Polizist ein wenig Aufmerksamkeit. Ich hatte das Gefühl, als könnte ich direkt vor ihm nackt auf dem Tisch tanzen, und er würde es nicht merken, so vertieft war er in seine Akte über diesen Atlas. Das versetzte mich dann doch in Rage, denn immerhin sollte man sich auf seine Gefangene konzentrieren, wenn man schon das Glück hatte, eine räuberische und – ohne jetzt überheblich zu klingen – äußerst geschickte Frau erwischen zu können. Und so wurde ich überheblich, sodass mir in meinem Zorn die Worte nur so aus dem Mund sprudelten, bevor ich noch darüber nachgedacht hatte.
>> Hören Sie zu, Rhodes, wenn Sie auf Brautschau gehen wollen, dann tun Sie das zuhause und lassen mich hier raus, ich hab´ nämlich keine Lust darauf zu warten, bis Ihr Geliebter aus seinem Fahndungsfoto steigt und Sie zu Tode knutscht! <<
So, das war´s, dachte ich verbittert, jetzt steckt er dich ganz sicher in den Knast. Warum hatte ich auch so etwas sagen müssen? Der Angesprochene sah nun doch zu mir auf und bedachte mich mit einem erschrockenen, zugleich aber auch überraschten Blick. Doch anstatt auf die Beleidigung einzugehen oder wütend zu werden, fragte er bloß: >> Woher kennen Sie meinen Namen? <<
Ja, woher kannte ich den? Wenn ich ehrlich sein soll, war es nicht einmal schwierig gewesen, herauszufinden, wer mir aller auf die Schliche kommen könnte. Die meisten der hier Arbeitenden waren grottenschlecht in ihrem Job als Polizist, oder aber sie waren ein wenig überheblich und dachten, sie wären zu gut, um sich mit einer kleinen Kriminellen abzugeben. Der Einzige, der mir wirklich gefährlich werden könnte, war ein Polizist, der schon seit Jahren dabei war; jemand, der nicht einfach wegschaute, wenn er einen Diebstahl bemerkte, selbst wenn es sich bei dem gestohlenen Gut bloß um eine Schachtel Pralinen handelte. Er könnte zu einem echten Problem werden, überlegte ich mir damals, denn er war schlau. Also musste ich schlauer sein, und deswegen studierte ich ihn. Ich kannte seine von mir angelegte Akte in- und auswendig, wusste alles über ihn, was es zu wissen gab. Sein Vater war in jungen Jahren gestorben, seine Mutter hatte er nie kennengelernt. Zu Faschingsumzügen war er stets als Polizist gegangen, was seine heutige Berufung erklärte. Zunächst hatte er als einfacher Streifenpolizist begonnen, doch das hatte ihm nie gereicht. Also besuchte er alle erforderlichen Kurse, verpasste nie eine Stunde, und wurde richtig gut. Anschließend ging er zum FBI, und seitdem plagte er sich mit allem möglichen Abschaum wie mir herum.
Anstatt seine Frage zu beantworten, schnitt ich ihm eine Grimasse und feixte stattdessen:
>> Sei immer der schlauste Mensch im Raum. <<
Das war ein Fehler. Sein Gesicht lief dunkelrot an, und ich konnte sehen, dass er sich bemühte, nicht die Beherrschung zu verlieren. Ich konnte mir seine Reaktion beim besten Willen nicht erklären, doch wie sich herausstellte, musste ich das auch gar nicht. Das übernahm jemand anders.
>> Lustig, genau das Gleiche hatte ich ihm vor circa einer Stunde auch schon gesagt. <<
Vor der offenen Zellentür stand ein junger Mann, den ich von seinem Fahndungsfoto her kannte. Es dürfte erst am heutigen Tag gemacht worden sein, denn der reale Daniel Atlas trug dasselbe karierte Hemd wie auf dem Foto auch. Oder er hatte nur das Eine, doch das erschien mir eher unwahrscheinlich, auf mich machte er nämlich einen sehr gepflegten Eindruck, im Gegensatz zu Rhodes. Ich schätzte ihn auf Mitte Zwanzig. Sein etwas längeres kastanienbraunes Haar bestätigte meine Vermutung nur, und außerdem hatte ich sein Alter in der Akte, die nun auf dem hölzernen Tisch lag, erkennen können.
>> Was tun Sie denn hier?! <<, bellte Rhodes, als der Neuankömmling lässig auf uns zu schlenderte. >> Warum sind Sie nicht in Ketten? <<
>> Sie haben nichts, mit dem Sie uns festhalten könnten, Mister Rhodes. Deshalb sind wir wieder auf freiem Fuß, und ich konnte nicht umhin, ihren kleinen Streit mitzubekommen, also dachte ich, was soll´s? Schauen wir doch mal, ob wir nicht helfen können, vielleicht mit ein bisschen Magie? <<, grinste Atlas höhnisch. Inzwischen war der FBI- Agent aufgesprungen, und sein Gesicht wurde noch eine Spur röter, auch wenn ich das nicht mehr für möglich gehalten hatte. Verzweifelt suchte er nach Worten, um sie dem jungen Mann an den Kopf zu schmeißen, doch fand er sie nicht, und durch das ständige Auf- und Zuklappen seines Mundes sah er aus, als würde er einen Herzinfarkt erleiden, was mich wiederum zum Lachen brachte. Während Atlas mich anstarrte, als sähe er mich zum ersten Mal, hätten die Blicke, die mir Rhodes schenkte, töten können, doch schnell hatte ich mich wieder gefasst. Immerhin war ich doch keine Verrückte, die sich einen Spaß erlaubte, nur um dann wie hysterisch darüber lachen zu können, oder etwa doch?
Rhodes kam auf mich zu, seine Pistole scheuerte dabei an seinem Hosenbein. Auch die Schlüssel für meine Handschellen konnte ich erkennen, doch tat ich nichts Riskantes. Jedenfalls noch nicht.
Der Agent stützte sich mit einer Hand an meinem Stuhl ab und lehnte sich so weit zu mir, dass ich seinen Atem auf meinem Gesicht spüren konnte. So nah wie er war mir bisher kein Mann gewesen, und ich fühlte mich etwas unbehaglich, jedoch ließ ich mir davon nichts anmerken. Meine innere Stimme war in dem Moment verstummt, in dem ich Atlas bemerkt hatte, und so konnte ich ohne gröbere Probleme eine selbstgefällige Miene aufsetzen, während mich Rhodes streng musterte. >> Mädchen <<, sagte er leise, >> treib es nicht zu weit. << Wenn das eine Drohung gewesen sein sollte, dann hatte sie anscheinend nicht die gewünschte Wirkung auf mich, denn er wirkte nicht besonders zufrieden. Im Hintergrund meldete sich Atlas wieder zu Wort.
>> Belästigt er dich etwa? <<
Ich grinste und nickte mit dem Kopf. Dann wandte ich meinen Blick von Rhodes ab und schenkte Atlas meine volle Aufmerksamkeit.
>> Ja, so bitte, ihr edler Ritter, helft mir doch! Gefesselt hat er mich schon, oh, ich fürchte, er wird mich töten! ZU HILFE!! <<, schauspielerte ich. Na gut, vielleicht übertrieb ich ein wenig, als ich mich in meinen Sessel sinken ließ und wie eine Jungfrau in Nöten die Hand gegen meine Stirn legte. Atlas fand es anscheinend ziemlich amüsant, also fing ich wieder an zu lachen. Rhodes starrte mich immer noch finster an, doch als ich ihm an den Kopf warf, dass Polizisten eigentlich wissen sollten, dass sexuelle Belästigung strafbar war, ließ er umgehend von mir ab. >> Ich werde dich einsitzen lassen, und zwar, bis du es dir doppelt und dreifach überlegst, ob du noch einmal etwas stehlen willst, und dann wird dir auch keine noch so gute schauspielerische Leistung helfen können. << Dann stürmte er ohne ein weiteres Wort aus der Tür, Atlas hatte er anscheinend vollkommen vergessen. Der grinste dümmlich, und als er sich wieder zu mir wandte, hielt ich den Schlüsselbund, den ich unbemerkt von Rhodes´ Hose gelöst hatte, hoch und befreite meine inzwischen stark schmerzenden Handgelenke. >> Na, da kann er lange warten, bis ich meine Lektion gelernt habe <<, sagte ich mehr zu mir als zu sonst jemandem, doch Atlas musste trotzdem lachen. >> Nicht so spektakulär wie meine Befreiung, aber es hat auch was <<, schmunzelte er dann, während er seine rechte Hand auf den Tisch legte und den Schlüsselbund untersuchte. Dann schaute er mich an und sagte: >> Na dann, bis bald. <<
Das verwirrte mich dann doch etwas, aber bevor ich noch etwas erwidern konnte, war er schon aus dem Raum verschwunden, und ich stand alleine da und schüttelte verwundert den Kopf. Was hatte er damit gemeint? Warum sollten wir uns bald wiedersehen? Vielleicht glaubte er ja, dass ich seinem Charme erlegen war. Zugegeben, er sah nicht schlecht aus, aber normalerweise war er nicht mein Typ. Ich kam nicht dahinter, und so blieb mir nichts anderes übrig, als Rhodes´ Pistole, die ich ebenfalls heimlich entwendet hatte, einzustecken und schleunigst aus dem Raum zu verschwinden, bevor der Polizist die Waffe vermisste und eins mit dem anderen zusammenzählte, denn dann wäre sie wirklich geliefert.
Ich weiß bis heute nicht, warum, aber kurz bevor ich aus der Tür trat, warf ich einen Blick auf den Tisch – und entdeckte eine Karte, die sich nach genauerem Betrachten als Eintrittskarte für eine Zaubershow in New Orleans herausstellte. >> Die Vier Reiter <<, las ich laut. Warum sollte Atlas mir eine Eintrittskarte für die „Vier Reiter“ dalassen, wenn ich die Darsteller nicht einmal kannte? Rätsel über Rätsel. Aber eines stand fest: Lösen konnte ich diese Rätsel nur, wenn ich mich auf das Spiel einließ, und dazu gehörte auch das Besuchen dieser Show. Und jeder, der mich wirklich kannte, wusste, dass ich ungelöste Rätsel überhaupt nicht leiden konnte. Entschlossen schnappte ich die Karte, steckte sie zu der Pistole und verließ das Gebäude.