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Die letzte Mission

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Suspense / P16 / Gen
OC (Own Character)
26.08.2019
26.08.2019
3
10.871
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26.08.2019 3.879
 
Diese Geschichte dreht sich um die Hilfsanimorphs, und stellt eine Nebenhandlung zu den Bänden 50 bis 53 dar. Da ich mich bei den Informationen aber im wesentlichen an dem offiziellen Online-Lexikon statt den Büchern orientiere, bitte ich, darüber hinwegzusehen, wenn in den Büchern einige Dinge anders beschrieben wurden, als in dieser Geschichte.

Das Mädchen sah die Käfige auf der Lichtung. Sie sah sie bloß von weitem, und sie wartete darauf, dass sie den Befehl zum Angriff bekam. Denn in diesen Käfigen befanden sich Gefangene. Und sie würden sie bald befreien.
Rebecca strich sich ihre roten Haare zurück. Diese bildeten einen guten Kontrast zu ihren braunen Augen und ihren Sommersprossen, und so mancher Junge würde sie bestimmt hübsch finden. Solange sie nicht, so wie jetzt im Moment, im Morgengrauen hinter einem Baum kauerte, während sie im Dreck saß und immer wieder eine etwas entfernte Lichtung verstohlen beobachtete.
„Sieh nicht so oft herüber.“ ermahnte ein Junge sie flüsternd, obwohl man ihn auf diese Entfernung wahrscheinlich ohnehin nicht hätte hören können.
„Du weißt doch, wie ungeduldig ich bin, Connor.“ erwiderte sie, „Meinst du, dass die anderen schon in Position sind?“
„Woher soll ich das denn wissen?“ gab der Junge zurück.
Connor war ungefähr in ihrem Alter, und ihr bester Freund. Sie hatten sich in dem Krankenhaus kennengelernt und angefreundet. Der Afroamerikaner sah ein wenig bullig und einschüchternd aus, doch das täuschte völlig über seine echte Persönlichkeit hinweg. Rebecca hatte selten einen Jungen getroffen, der netter und freundlicher als Connor war.
„Da kommt ein Vogel.“ bemerkte Phoenix, „Ich glaube, dass es James ist.“
Phoenix gehörte ebenfalls zu Rebeccas Freunden. Sie drei waren ein eingeschworenes Team. So wie die vier Musketiere, nur eben zu dritt, wie Phoenix stets zu sagen pflegte. Natürlichen hatten sie sich auch mit den anderen Teenagern in dem Krankenhaus angefreundet, und so waren sie drei unter denen, die James schließlich persönlich ausgesucht hatte… um seine kleine Armee zu gründen.
Ein Wanderfalke landete vor ihnen auf einem Baumast. Die drei Teenager waren nicht überrascht, denn sie kannten diesen Wanderfalken.
<Alle anderen sind in Position.> sagte er in Gedankensprache, <Wartet noch einige Minuten, und macht euch kampfbereit. Sobald ihr den Angriff hört, greift ihr von dieser Seite aus an.>
„Alles klar, James.“ sagte Rebecca, und der Vogel flog wieder los.
„Also warten wir noch etwas.“ meinte Connor, „Warum auch nicht? Wir können auch ein paar Minuten später um unser Leben kämpfen.“
„Du machst mir echt Mut.“ meinte Rebecca ironisch.
Phoenix strich sich ihre schwarzen Haare zurück, und sah die Freunde aus ihren blauen Augen an, während sie mutig lächelte.
„Das wird bestimmt wieder ein guter Kampf.“ sagte sie, „Nur wenige Hork-Bajirs, die meisten Controller dort sind Menschen und Taxxons. Wir werden über sie kommen wie eine Sturmflut, und ihnen in ihre Yirkärsche treten.“
„Irgendwie habe ich den Moment verpasst.“ meinte Rebecca schließlich.
„Welchen Moment denn?“ wollte Connor wissen.
„Der Moment, an welchem mir all das nicht mehr merkwürdig vorkommt, sondern ganz gewöhnlich.“ antwortete das Mädchen, „Ich nehme Befehle von einem sprechenden Raubvogel entgegen, welcher kein echter Raubvogel, sondern mein Freund und nun auch Anführer ist. Ich vorbereite mich darauf, mich gleich in ein gefährliches Tier zu verwandeln, und gegen Außerirdische zu kämpfen. Ich befreie gute Außerirdische aus Käfigen, die wie aufrecht gehende Echsen aussehen, welche überall am Körper Klingen haben. Und zugleich kämpfe ich gegen böse Außerirdische, welche die Körper von Menschen stehlen. Und es kommt mir völlig normal vor, wie ein ganz gewöhnlicher Tag. Dabei wusste ich von alledem bis noch vor ein paar Wochen überhaupt nichts.“
„Willkommen im Club.“ lachte Phoenix auf.
Und das war wirklich eine seltsame Geschichte. Vor einigen Wochen waren sechs Teenager in ihr Krankenhaus gekommen, und hatten erzählt, dass die Erde von einer Invasion Außerirdischer bedroht wird, und dass sie Leute brauchen, die ihnen im Kampf helfen. Der Empfang war sehr kühl gewesen. Fast alle von den Teenagern im Krankenhaus litten unter verschiedenen Krankheiten und Verletzungen, und man hielt diese sechs Teenager für Leute, die sie zu alledem noch verhöhnen wollten.
Bis dieser eine Junge sich verwandelte, oder vielmehr, zurückverwandelte, wie sie kurz darauf erfuhren. Von einem hübschen Jungen zu einem Außerirdischen mit blauem Fell, Zentaurenkörper, Skorpionschwanz, zusätzlichen Stielaugen und ohne einen Mund. Ein Andalit, wie seine Spezies sich wohl nannte.
Und sie erfuhren auch mehr über die anderen Außerirdischen. Eine Spezies namens Yirks wollte die Erde erobern. In ihren wahren Gestalten ähnelten sie riesigen Nacktschnecken, doch sie waren Parasiten, welche andere außerirdische Spezies versklavten, indem sie deren Körper stahlen. Jemand der auf diese Weise versklavt wurde, wurde als Controller bezeichnet. Zwei Spezies die sie schon vollkommen versklavt hatten, waren die Hork-Bajirs und die Taxxons.
Die Hork-Bajirs sahen so aus wie riesige Echsen, welche humanoid wirkten, jedoch überall am Körper Klingen hatten. Doch so gefährlich sie auch aussahen, waren sie doch ein friedliebendes Volk von Pflanzenfressern. Die Taxxons hingegen sahen so aus wie riesige Tausendfüßler. Und sie waren grausame Fleischfresser, die, so hatte man es ihnen erzählt, sogar ihre eigenen Verwundeten auffraßen.
In den Käfigen befanden sich mehrere befreite Hork-Bajirs, welche von den Yirks wieder eingefangen wurden, und neu versklavt werden sollten. Etwas, was die Animorphs unter James zu verhindern gedachten. Und nun, wo der Kampf kurz bevorstand, folgte das übliche Ritual der drei Freunde.
„Mein Morph ist der stärkste.“ sagte Phoenix, „Er kann achtzig Sachen auf der Piste haben, ist fast zweieinhalb Meter lang, kann Beutetiere töten, die viel größer sind als er, und zehn Meter weit sowie fünf Meter hoch springen, was der Weltrekord im Tierreich ist.“
„Das ist noch gar nichts.“ prahlte Connor, „Mein Morph wird zwar bloß fünfzig Sachen schnell, doch er ist kräftig und kompakt und, bei mehr als zweihundert Kilo Gewicht, wie eine kleine Dampframme. Mein Morph ist sogar mit den Bären verwandt. Ein echtes Kraftpaket.“
„Ich kann euch beide einpacken.“ meinte Rebecca, „Mein Morph wird fast zwei Meter groß und wiegt mehr als sechzig Kilo. Er kann auch fünfzig Sachen schnell laufen, und zwar mitten im Urwald, vielleicht ist er auf offener Strecke noch schneller. Außerdem kann er auch zwei Meter hoch springen. Er hat genug Kraft in den Beinen, um einem Menschen die Knochen zu brechen, und drei Krallen, von denen die mittlere sehr lang ist. Und das beste ist, dass er unterschätzt wird. Man hält ihn für harmlos, bis er im Kampf zeigt, was er auf dem Kasten hat.“
Die drei Teenager sahen sich einen Moment lang ernst an… dann prusteten sie los.
„Vielleicht sollten wir zum Aufwärmen gegeneinander antreten.“ schlug Connor lachend vor.
Diese gespielte Prahlerei vor jedem Kampf war nur dazu da, um ihre Angst zu überspielen. Jeder von ihnen war mehr als einmal von einem Draconstrahler getroffen worden, und spätestens seit Ray getötet wurde, war auch dem letzten von ihnen klargeworden, dass das ganze hier kein Spiel war, und jeder von ihnen jederzeit ums Leben kommen konnte. Ein bisschen Mut machten sie sich damit auch, denn jeder von ihnen hatte diesen Morph ausgewählt, und jeder von ihnen hatte sich im Kampf bereits bewiesen.
„Ich höre das Gebrüll eines Bären.“ sagte Connor, „Höchstwahrscheinlich ist es Julio. Die anderen greifen schon an, legen wir also von dieser Seite los.“
„Ich fange an.“ sagte Phoenix.
Sie fing meistens als erste an. Die drei Teenager morphten stets nacheinander. Während des Vorgangs war man nämlich völlig wehrlos und ungeschützt. Nicht dass zwei Teenager große Chancen gegen einen Hork-Baijr hatten, aber immerhin fühlten sie sich so ein wenig sicherer, wenn sie ihre Gestalt veränderten.
Das war eine Technologie der Andaliten, der Außerirdischen, zu der auch dieser seltsame Junge gehörte. Man nahm die DNS eines anderen Lebewesens in sich auf, und konnte für jeweils zwei Stunden zu genau diesem Lebewesen werden. Egal ob Maus, Grashüpfer, Esel, Kröte oder Tukan, jedes Tier, aber immer nur für zwei Stunden. Wer länger gemorpht blieb, konnte niemals mehr in seine natürliche Gestalt zurückkehren.
Phoenix morphte. Ihre Ohren schoben sich nach oben und nahmen eine katzenartige Form an, und einen Moment später schoss ein Schwanz aus ihrem unteren Rücken.
„Du siehst so aus wie ein Katzenmädchen aus diesen japanischen Comics.“ lachte Connor auf.
Phoenix sah an sich herab und lachte ebenfalls, bevor sie ihren Morph fortsetzte.
Sie fiel auf alle viere, weil ihre Wirbelsäule sich veränderte, und ihre Hände und Füße veränderten sich, sie wurden zu Tatzen. Ihre Kleidung wurde eingesogen, und stattdessen erschien überall Fell auf ihrem Körper, welches zwischen rötlich, rotbraun und sandfarben schwankte. Nun wurden auch die Arme und Beine immer katzenartiger.
Rebecca war froh, dass sie drei ihre Kleidung in den Morph mit integrieren konnten. Die Andaliten trugen nämlich keine Kleidung, oder künstliches Fell und künstliche Hufe, wie dieser Junge es bezeichnet hatte. Aus diesem Grund waren Menschen die morphten, bei ihren ersten Morphs oft nackig. Und bei einer Gruppe die gemischt aus Jungen und Mädchen bestand, war es daher eines der wichtigsten Dinge, dass man lernte, mit Kleidung zu morphen, um größere Peinlichkeiten zu vermeiden.
Mittlerweile hatte Phoenix den Morph beinahe abgeschlossen. Bis auf die Ohren, war ihr Kopf immer noch zu größten Teil menschlich, doch nun verwandelte er sich auch, wurde immer katzenartiger, und schließlich der eines Pumas. Zuletzt wuchs ihr Körper noch ein Stück an, bis er die volle Größe des Pumas erreicht hatte.
„Möchtest du jetzt?“ fragte Connor und sah Rebecca an, doch diese schüttelte den Kopf.
<Colette legt als Krokodil mal wieder richtig los.> bemerkte Phoenix mit den feinen Sinnen eines Pumas und fuhr prüfend ihre Krallen aus, <Wenn wir uns nicht beeilen, lassen sie uns keine Controller mehr übrig.>
„Ich bin schon dabei.“ sagte Connor und morphte nun ebenfalls.
Wenn jemand gemorpht war, konnte er sich mit den anderen per Gedankensprache verständigen. Das war wohl auch notwendig, denn in ihren tierischen Körpern konnten sie nicht sprechen. Nach allem was man Rebecca erzählt hatte, handelte es sich jedoch nicht um echte Telepathie. So unterhielt man sich bloß.
Connors Hände veränderten sich und wurden zu Hufen, während seine Gestalt etwas massiger und muskulöser wurde.
„Jetzt sehe ich so aus wie Kakistos.“ lachte er.
„Wie wer? Ach ja, jetzt fällt es mir ein. Der aus dieser Serie.“ redete Rebecca.
<Ich wusste es sofort. Schließlich ist es fast unmöglich ihn vom Fernseher im Gemeinschaftsraum loszueisen, wenn diese Serie läuft.> meinte Phoenix lachend.
Connor morphte weiter, und nun veränderte sich auch sein Gesicht, und wurde immer schweineartiger.
„Jetzt siehst du aus wie ein Ork.“ bemerkte Rebecca kichernd.
Sein Gesicht wurde immer schweineartiger, und nun schossen auch vier gefährliche Hauer, welche messerscharf geschliffen waren und einen Menschen übel aufschlitzen konnten, aus seinem Gesicht. Der Rest von Connors Körper sah hingegen noch beinahe menschlich aus.
Das war das richtig verrückte am Morphing, die Veränderungen waren fast immer sprunghaft und nicht abzuschätzen. Es war nicht so, als würde ein Mensch immer mehr zu einem Tier werden, verschiedene Körperteile verwandelten sich unterschiedlich schnell, und in den meisten Fällen sah man mitten im Morphing so aus, als wäre man aus einem Lovecraft-Roman entlaufen.
Nun fiel Connor auch auf alle viere, und dichtes, braunes Fell überzog seinen Körper. Seine Arme und Beine verkürzten sich, wurden aber auch kräftiger, während sein Rumpf sich verdickte und viel massiger wurde. Er wuchs noch ein Stück, und schließlich war die Verwandlung abgeschlossen.
„Jetzt bin ich an der Reihe.“ sagte Rebecca, „Und ich sollte mich beeilen. Wenn jemand vorbeikommt und sieht, wie ich mit einem Puma und einem Wildschwein rede, hält er mich noch für verrückt.“
<Bis der Puma oder das Wildschwein antworten.> erwiderte Connor, <Dann glaubt er selber, verrückt zu sein.>
Rebecca stellte sich das Bild ihres Kampfmorphs vor. Denn so funktionierte das Morphen. Man stellte sich einfach vor, sich in dieses Tier zu verwandeln, und der Körper veränderte sich. Glücklicherweise ging es völlig schmerzfrei ab. Rebecca erinnerte sich noch daran, wie sie bei ihrem ersten Morph den totalen Horror bekommen hatte, als sie spürte, wie ihre Organe und Knochen sich verschoben und teilweise veränderten. Sie wollte gar nicht daran denken wie es wäre, wenn sie zusätzlich die Schmerzen dieser Veränderungen spüren würde.
Ihre Beine verdickten sich und wurden massiger. Ihre fünf Zehen verschmolzen zu jeweils drei Zehen, welche lange Krallen ausbildeten. Ihr Körper wurde kleiner und kompakter, während ihr Hals immer länger wurde. Die Arme wurden in den Körper gezogen und verwandelten sich in Flügel, wenn auch in kleine, verkümmerte Flügel, die für den Flug nicht zu gebrauchen waren.
Schwarze Federn bedeckten ihren Körper, ihr Kopf und ihr Hals wurden leuchtend blau, und von ihrem Hals hingen zwei rosafarbene Fortsätze ab. Auf ihrem Kopf schichtete sich eine Art Helm auf, während ihre Haare eingesogen wurden, und ihr Mund wurde zum Schnabel. Schließlich wuchs sie noch ein wenig in die Höhe, und zugleich wurde ihr Gesicht vollständig das eines Vogels. Ihr Morphing war abgeschlossen.
Rebecca war nun vollständig ein Kasuar geworden. Sie wartete noch einige Sekunden, dann kam der Tierverstand hinzu. Auch das ging mit nahezu jedem Morph einher, der Verstand des jeweiligen Tieres kam hinzu, sobald der Morph abgeschlossen war. Es war nicht tatsächlich der Verstand von genau diesem Tier, denn im Morph hatte man keinen Zugriff auf die Erinnerungen oder Persönlichkeit des Tieres, in welches man sich gemorpht hatte, es waren bloß die grundlegenden Instinkte.
Die älteren Animorphs sagten, dass sie zu Anfang noch Probleme hatten, die Instinkte des jeweiligen Tieres zu beherrschen. Doch Rebecca, und auch sonst keiner der anderen Hilfsanimorphs, hatte diese Probleme. Offenbar unterschied es sich von Person zu Person, wie gut jemand den Tierverstand beherrschen konnte.
Und nun strömte der Verstand des Kasuars in ihren eigenen. Der Kasuar machte sich nicht viel aus der Umgebung. Er wollte bloß durch die Gegend streifen, und dabei ab und an ein wenig Fallobst essen. Er sah den Puma und das Wildschwein, stufte beide jedoch nicht als gefährlich ein. Wieso auch? Ein Kasuar war mehr als imstande, angreifende Tiere wie Pferde, Hunde und Dingos abzuwehren. Und er hatte einen sehr klugen Verstand. Er begriff Dinge, wägte ab, schmiedete Pläne. Kasuare waren dafür bekannt, dass sie in Häuer einbrachen, um dort an frisches Obst zu gelangen. Sie mussten wissen können, wie man Türen oder Fenster öffnete, oder eine gute Gelegenheit fand, um in ein Haus einzudringen.
<Was für eine seltsame Truppe wir doch sind.> sagte Rebecca in Gedankensprache, <Ein Puma, ein Wildschwein und ein Kasuar.>
<Zumindest zwei von uns sind hier heimisch und fallen nicht weiter auf.> meinte Phoenix.
<Weil Wildschweine und Pumas ja auch sonst gerne zu zweit herumhängen?> fragte Connor ironisch.
<Sind wir zum Reden oder zum Kämpfen hier?> fragte Rebecca und lief los.
Ihre beiden Freunde folgten ihr sogleich.
Obwohl es noch früher Morgen war, und der Himmel sich gerade erst aufzuhellen begann, sah Rebecca erstaunlich gut. Kasuare waren in der Dämmerung und in der Nacht aktiv, da war es anzunehmen, dass sie ein gutes Nachtsichtvermögen hatten. Gleiches schien auch für Pumas und Wildschweine zu gelten, denn Phoenix und Connor hatten auch keine Probleme, sich zurechtzufinden.
Sie liefen zu dritt durch den Wald, schneller als ein Mensch je sein könnte, und auch viel geschickter. Sie sprangen über umgestürzte Baumstämme und Büsche, und flitzen an anderen Bäumen vorbei.
Während sie sich dem Kampfgeschehen näherten, sah Rebecca auf die Morphs ihrer Freunde. Links von ihr rannte Phoenix. Als Puma war sie nahezu lautlos unterwegs, und hatte, im Vergleich zu ihrem Körper, massige Tatzen. Ihr Morph war auf Geschwindigkeit und Beweglichkeit ausgelegt. Rechts von ihr lief Connor. Und er war wirklich groß und massig. Rebecca hatte einmal davon gehört, dass viele Menschen sich Hausschweine kauften, weil sie aus irgendeinem Grund glaubten, dass diese nicht viel größer als Hunde werden würden, und dann überrascht waren, wie groß sie tatsächlich wurden. Und natürlich galt diese Größe auch für Wildschweine. Dazu kam, dass Wildschweine um einiges schneller sein konnten, als man es bei einem solchen Tier erwarten würde.
Und nicht zuletzt sie, der Kasuar. Kasuare wurden häufig unterschätzt, doch sie waren weitaus gefährlicher, als sie aussahen. Man hielt sie für eine Art Strauß oder Emu, und mehr noch, sie waren ungefähr so groß wie ein erwachsener Mann, und nicht einmal ansatzweise so schwer. Wie gefährlich konnten sie also schon sein? Das glaubten wahrscheinlich auch die Menschen, die von ihnen getötet worden waren.
Kasuare konnten nicht bloß sehr aggressiv sein, besonders die Weibchen, sie hatten auch keine Angst vor Menschen und suchen deren Wohngebiete auf, wenn sie Hunger hatten. Der bekannteste Fall, in welchem ein Kasuar einen Menschen getötet hatte, fand 1926 in Australien statt. Zwei Jungen sahen einen Kasuar, welcher das Grundstück ihrer Familie betrat, und wollten ihn ermorden. Doch der Kasuar drehte den Spieß um, und konnte einen der Jungen töten, bevor er floh. Allerdings gab es immer wieder solche Vorfälle in Neuguinea, und den Soldaten die während des zweiten Weltkriegs dort stationiert waren, wurde deutlich gemacht, dass sie sich diesen Tieren auf keinen Fall nähern dürfen.
Rebecca hatte sich als Morph eines der Weibchen ausgesucht. Nicht bloß deshalb, weil sie selber weiblich war, sondern auch, weil diese deutlich größer, kräftiger und vor allem aggressiver als die Männchen waren.
Die drei Freunde betraten die Waldlichtung, und der Kampf war schon in vollem Gange.

Ein menschlicher Controller ging zu Boden, während ein Wolf auf ihm saß und ihm in den Arm biss, in welchem er soeben noch einen Draconstrahler gehalten hatte. Ein weiterer Controller sank zu Boden, weil eine Klapperschlange ihn gebissen hatte. Ein Luchs sprang auf den Rücken eines Hork-Bajirs und brachte ihn so zu Fall. Es war Timmy. Doch ein menschlicher Controller der wie eine junge Frau aussah, richtete ihren Draconstrahler auf ihn. Sie hatte nicht mit Phoenix gerechnet, welche ein für Pumas typisches Fauchen ausstieß, ihr in den Rücken sprang, und mit einer krallenbewehrten Pranke zuschlug.
<Dankeschön.> sagte Timmy, bevor er sich wieder in den Kampf stürzte.
Julio war in einen Grizzlybären gemorpht und schlug mit seinen Pranken um sich, um Hork-Bajirs abzuwehren. Natürlich war jeder Hork-Bajir der ihn angriff, ebenfalls ein Controller. Ein menschlicher Controller nutzte die Gelegenheit, und schoss ihm mit seinem Draconstrahler in den Rücken. Der Bär brüllte voller Schmerzen auf, und Connor preschte vor und rammte den Controller zu Boden.
Ein Elefant und ein Nashorn zerstörten gerade die Käfige, in denen die freien Hork-Bajirs eingesperrt waren, welche wieder zu Controllern gemacht werden sollten, während ein Stier zwei Taxxons abwehrte.
<Judy, Tricia und Kelly brauchen unsere Hilfe.> sagte Rebecca und rannte los.
Connor folgte ihr. Er rammte ein Taxxon mit solcher Wucht, dass der Körper dieses Außerirdischen regelrecht zerteilt wurde. Ein Hork-Bajir schoss mit seinem Draconstrahler auf ihn, und Connor schrie vor Schmerzen auf. Doch in diesem Moment war Rebecca heran. Sie sprang los und rammte ihre krallenbewehrten Füße mehrmals nacheinander in den Körper des Hork-Bajirs. Die Haut eines Hork-Bajirs war dicker als die eines Menschen, aber nicht zu dick für einen Kasuar. Der Außerirdische brüllte vor Schmerzen auf, und ging mit mehreren blutenden Wunden zu Boden. Rebecca sah verwundert, dass das Blut des Hork-Baijrs tatsächlich eher blaugrün war, und nicht rot. Nun ja, er war ja schließlich auch ein Außerirdischer.
Ein menschlicher Controller, diesmal ein Mann, schoss auf sie. Der Laserstrahl verfehlte Rebecca nur knapp, und sie lief umgehend los und rammte den Controller mit ihrer Brust. Diese Attacke warf den Controller zu Boden. Und er zog sogleich einen gewöhnlichen Revolver hervor. Offenbar hatte er also zwei Waffen. Rebecca zögerte nur einen Moment, dann trat sie ihm wuchtig in die Seite, und stieß ihre Mittelkralle tief in seinen Körper.
Ein Hork-Bajir hatte soeben Connor zu Boden gestoßen, und Rebecca eilte ihrem Freund zur Hilfe. Sie rammte auch den Hork-Bajir mit ihrer Brust, doch im Gegensatz zu einem Menschen fiel er nicht um, sondern taumelte nur einige Schritte weit zurück. Rebecca setzte nach, sprang wieder in die Luft, und trat mit ihren Krallen mehrmals zu. Vor Schmerzen brüllend, ging der Hork-Bajir zu Boden.
Ein menschlicher Controller, diesmal ein junges Mädchen, zog eine Pistole hervor und schoss auf Rebecca, traf sie jedoch nicht. Conner stürmte heran, stieß seine Hauer in ihren Körper und schleuderte sie durch die Luft.
Die Käfige waren inzwischen alle aufgebrochen, und die Hork-Bajirs befreit worden. Sie liefen los, zurück in die Wälder, zu dem Tal, in welchem sie sich verborgen hatten. Die Schlacht lief sehr erfolgreich für die neuen Animorphs. Fast alle Controller waren besiegt worden, lediglich einige Taxxons standen ein wenig abseits, und mieden den Kampf. Offenbar wussten sie, dass sie gegen die meisten Kampfmorphs keine sehr großen Chancen haben würden.
Plötzlich näherten sich vier Kampfdrohnen und flogen zu dem Ort des Geschehens. Kampfdrohnen waren die kleinen Raumschiffe der Yirks, und sie transportierten häufig nur eine handvoll Controller. Schon im Landeanflug öffneten sie sich, und aus jeweils einer Kampfdrohne sprangen vier oder fünf menschliche Controller. Diese waren völlig unbewaffnet, doch wie es sich herausstellte, mussten sie es auch nicht sein… denn diese Controller morphten.
Mit jeder Sekunde die verstrich, wurden sie mächtiger. Sie morphten sich in Wölfe, Geparden, Eisbären, Löwen, Tiger und andere Tiere.
<Rückzug!> rief James laut in Gedankensprache, <Die Mission ist erfüllt, und die Gefangenen sind frei. Wir ziehen uns zurück!>
<Dabei hat es gerade einen solchen Spaß gemacht.> meinte Phoenix und klang fast schon ein wenig enttäuscht.
Sie stand recht nahe an den Taxxons, und das Mädchen, welches Connor im Kampf verletzt hatte, richtete sich auf, spuckte Blut, und schoss auf Phoenix. Zwei Kugeln gingen daneben, doch die dritte traf sie in die Schulter. Das Mädchen lächelte voller bösem Triumph, bevor sie leblos zusammensackte.
Denn diese Verletzung schien bei den Taxxons etwas auszulösen, denn wie auf ein Kommando hin, stürzten sie sich auf den verletzen Puma. Einen oder zwei angreifende Taxxons hätte Phoenix locker abwehren können, aber nicht nahezu zwanzig.
<Helft mir! Ich brauche Hilfe!> kreischte das Mädchen voller Angst.
Sie schlug wild um sich und verletzte einige der Taxxons, doch die anderen stürzten sich auf sie. Und auf ihre verletzten Kameraden. was waren das bloß für Bestien, die sich gegenseitig auffraßen? Rebecca und Connor liefen los, um ihrer Freundin zu helfen. Sie wollten sie von den Taxxons befreien.
<Ich sagte: Rückzug!> befahl James noch einmal, <Ihr könnt ihr nicht mehr helfen! Es tut mir so Leid. Wenn ihr jetzt geht, haben wir bloß zwei Opfer mehr zu beklagen.>
Worte, nichts als Worte. Dort war Phoenix, und sie brauchte ihre Hilfe. Sie würden sie nicht einfach im Stich lassen. Ein Grizzlybär stürzte sich auf Rebecca. Kasuare waren kräftige Vögel, aber bei weitem keine Gegner für einen echten Bären. Ein Gorilla hielt Connor fest, sodass er sich nicht befreien konnte.
<Julio, Olivia, lasst uns bitte los! Wir müssen Phoenix helfen!> schrie Rebecca vor Verzweiflung.
In diesem Moment sprang ein Tiger auf sie zu. Der erste Controller hatte sich bereits vollständig gemorpht.
<Wir müssen gehen.> sagte Connor traurig.
<Du kannst sie doch nicht im Stich lassen wollen!> schrie Rebecca ihn an.
<Möchte ich auch nicht, aber sieh doch selber hin. Wir können ihr nicht mehr helfen.> antwortete der Junge.
Phoenix kreischte immer noch, jetzt aber Schmerz statt vor Angst. Und Rebecca sah hin. Sie sah mit den scharfen Augen eines Kasuars, wie ihre Freundin bei lebendigem Leib in Stücke gerissen und aufgefressen wurde.
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