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Podrick unterwegs nach  Essos

von Racussa
Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy, Freundschaft / P16 / Div
Doran Martell Melisandre Podrick Payne Quentyn Martell Selyse Baratheon Trystan Martell
26.08.2019
15.01.2022
84
133.647
4
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15.01.2022 1.346
 
Wonhulda Manderly wies mit ihrer Linken Hand auf eine mit dicken Filzvorhängen verhüllte Türe.

„Nachdem wir nun miteinander Seehundsuppe gegessen und herrlich gewürzten Glühwein getrunken haben, sind wir Freunde. Folgt mir in die Meermannhalle.“

Wynafred bot ihrer Großmutter den Arm und führte sie durch den Vorhang. Auran verneigte sich spöttisch vor Selyse und hielt den Vorhang für sie auf. „Nach der Dame.“

Als Melisandre gleich hinter Selyse eintreten wollte, nahm er ihr den Vortritt. „Ihr hingegen seid keine Dame. Viele gute Männer sind am Schwarzwasser gestorben euretwegen. Ihr habt König Stannis nicht beschützt und ihr habt das grüne Feuer nicht vorhergesagt. Feig wart ihr in Drachenstein versteckt, während ich und meine Brüder bei lebendigem Leib verbrannten und danach ertranken.“

Auran ließ den Vorhang vor ihr zufallen.

„Ich weiß nicht, welche Rolle Ihr wirklich spielt, aber wenn Ihr uns helft, meine Schwester zu befreien und Cersei zu stürzen, dann soll Euch mit dem gebührenden Respekt begegnet werden.“, meinte Loras, bevor er Melisandre den Vorhang öffnete.

Schweigend trat sie hindurch, wohin ihr Loras folgte. Durch einen nur von Fischtranfeuern erhellten Gang ging es schließlich in die hohe Halle, deren Wände mit Korallen- und Muschelmosaiken einen thronenden Meermann, Fische, Seesterne und allerlei Meerespflanzen zeigten. Mit diesen Wänden wirkt es für Loras, als stünde er am Grund des Meeres.  

Auf dem großen Thron unterhalb des Meermanns saß Leona, ängstlich an den Fingernägeln ihrer linken Hand kauend. Wynafred führte ihre Großmutter auf den Sitz zur rechten des Dreizackthrons. Sie selbst blieb hinter ihrer Großmutter stehen.

„Ihr seid Königin Selyse? Selyse Florent aus der Weite?“, fragte Leona langsam.

Selyse zögerte keinen Augenblick. „Ich bin die Königin! Und es ist wenig angemessen, dass ihr auf dem Thron des Hauses Eures Mannes sitzt, während ich hier vor der Empore stehen muss. Seht Eure Schwiegermutter an, sie kam mir entgegen, obwohl sie halb blind ist.“

„Wir haben weitere Gäste, tragische Gäste. Um die musste ich mich kümmern. In Wymans Abwesenheit regiere ich Weißwasserhafen, nicht meine verehrte Schwiegermutter.“

„Welche Gäste könnten noch wichtiger sein als die Königin oder der Admiral einer großen Flotte?“, fragte Melisandre und wies auf Selyse.

„Ich!“

Hinter dem Thronvorhang trat Davos Seewert hervor. Auf den Händen hielt er ein kleines Kästchen aus Latschenkieferholz.

Selyse wandte sich verwirrt zu Melisandre um: „Habt Ihr Ser Davos nicht im Feuer gesehen?“, dann wandte sie sich selbst an den Kapitän. „Ser Davos, Ihr seid aus Ib zurück? Habt Ihr denn Euren Auftrag nicht erfüllt? Wo ist Rickon Starck, der Wächter des Nordens, den mein Mann, der König, mit dieser Aufgabe betraut hat?“

Davos hielt das Kästchen nach vorne. „Euer Gnaden! Ich bringe Rickon Starck, den traurigsten Letzten eines großen Hauses. Nur seinen Schädel haben die Ibbenenser nicht gefressen.“

Selyse riss die Hände vor die Augen, auch Wynafred zitterte, doch ihre Großmutter fasste ihre Hand. Als Selyse sich gefasst hatte, sagte sie: „Das ist eine dunkle Stunde. Ich werde bei den Feuern zu Rhollor um den armen Jungen trauern. Wir müssen jetzt auf den König warten. Er wird wissen, was zu tun ist.“

„Wir brauchen jetzt keine Gebete, sondern Taten. Meine Schwester wird jeden Tag, den wir zögern, schwächer. Wer weiß, ob die falsche Schlange Cersei nicht eine Septa besticht, um Margaery zu vergiften? Gebt uns Männer, und wir belagern Königsmund. Den toten Jungen könnte ihr später beweinen.“

Leona erhob die Hand. „Das ist respektlos!“

„Ja, mag sein, aber diese Frauenversammlung ist lächerlich. Hier wird doch nichts entschieden. Ser Auran, was sollen wir hier?“ motzte Loras.

Ein Wächter trat durch eine Seitentüre und flüsterte etwas in Leonas Ohr. Sie nagte noch verbissener an ihren Nägeln. Als er schon gehen wollte, winkte Wonhulda in zu sich, sodass er auch ihr etwas ins Ohr flüstern konnte. Sie antworte ihm barsch und er lief fast aus dem Saal. Wonhulda erhob sich mithilfe ihrer Enkelin und wandte sich zur Türe.

Auran, Loras und Davos waren genauso verwirrt wie Selyse und Melisandre. Nur Leona blieb mit glasigen Augen sitzen, bis ihre Schwiegermutter sie am Ohr hochzog. In Begleitung von vier Dreizackwachen trat Stannis in den Raum. Wonhulda verneigte sich so tief es ihr möglich war, auch Wynafred, ihre Enkelin tat dasselbe. Ser Davos ließ beinahe das Kästchen fallen und Loras fasste nach dem Schwertgriff, wovon Auran ihn zurückhielt.

„Ich hatte geschworen, Renly zu rächen, wenn ich seinen Mörder treffe, den Brudermörder.“ flüsterte Loras, doch Auran ließ seine Hand nicht aus dem festen Griff.

Langsam erhob sich auch Leona. „Wo ist mein Mann, Wymann, der Lord von Weißwasserhafen?“

Stannis ging an der Empore vorbei und direkt auf Melisandre zu. „Ihr seht anders aus.“

Alle Versammelten blickten verwirrt auf den Mann ihm Kettenhemd. Doch dann wandte Stannis sich zum Dreizackthron und sagte: „Ich bin dem langsamen Zug vorausgeritten, um schneller in der Burg zu sein. Euer Mann und die übrigen folgen mir sicher noch heute abends nach. Doch ich habe wichtige Nachrichten.“

„Euer Gnaden!“, sagte Davos mit gepresster Stimme und hielt das Kästchen in seine Richtung. „Ich kam zu spät nach Ib, Rickon Starck ist tot.“

Stannis zuckte mit den Schultern: „Na und. Das ist doch nicht wichtig. Rhollor hat mir den Weg gewiesen, den ich gehen soll. Ich hatte eine Vision.“

Leona und Wonhulda schauten beidermaßen entsetzt von dem Kästchen zu Stannis.

„Jetzt ist er ganz verrückt geworden.“, knurrte Loras. „Ein Streich und er ist tot.“ Doch Auran hielt seine Hand.

„Der Norden ist in Frieden. Jetzt müssen wir den Süden als Verbündete gewinnen. Ich werde auf schnellstem Wege ach Dorne reisen, um Fürst Doran an seine Treue zum Haus Baratheon zu erinnern, und zum wahren König. Und ihr“ blitzschnell drehte er sich um und zeigte auf Melisandre „müsst mich begleiten als meine Ratgeberin.“

Melisandres Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. Sehr langsam ging sie auf Stannis zu. Der Rubin an ihrem Hals begann leicht zu glimmen. Die einzelnen Worte scharf trennend, begann sie. „Ihr, Euer Gnaden, habt mich zum Schutz Eurer hohen Gemahlin, der Königin, bestimmt. Und nun habt Ihr sie nicht einmal begrüßt?“

„Liebe muss warten, jetzt müssen wir nach Dorne, um den Süden zu gewinnen. Ihr dürft Euch meinem Befehl nicht widersetzen. Ihr seid mir treu, das weiß ich. Wir dürfen keine Zeit verlieren.“

„Auf welchem Schiff wollt Ihr segeln?“, fragt Ser Davos, den Melisandres Argwohn nun auch stutzig machte.

„Rhollor wird uns führen.“

„Hat Rhollor ein Schiff?“, fragte nun auch Auran Wasser.

Stannis zog sein Schwert, und Lichtbringer strahlte auf. „Was für einen Beweis braucht ihr noch, dass ich de Auserwählte bin. Melisandre, Ihr begleitet mich! Und Ihr anderen alle, wartet hier auf weiter Anweisungen.“ Stannis zögerte etwas und packte Melisandre am Handgelenk. „Und betet für Rickon, damit Euch die Zeit nicht lange wird!“

„Gemahl.“, fragte Selyse leise, doch Stannis drehte sich völlig überrascht in ihre Richtung um. Die Überraschung nutzte Melisandre, um sich dem Griff zu entwinden. Sie stolperte einige Schritte zurück.

„Das ist nicht der König! Wer bist du?“ Melisandres Rubin leuchtete nun blutrot auf.

„Wie schade. Ich wollte nicht so viel Verwirrung stiften.“ Stannis steckte sein Schwert ein. Doch kaum war das geschehen, verformte sich die Gestalt des Königs zu einer Frau, deren Helm mit sieben Zacken geschmückt war.

„Evil-Lynn? Schickt Dich die Herrin Thia, um mich nach Dorne zu holen? Ich habe ihr gesagt, dass ich jetzt nur dem König treu bin. Ich bleibe an der Seite von Königin Selyse!“

„Schwätzt nicht, Schattenweberin, du hast Ewigkeiten gebraucht, um mich zu erkennen. Es wird viel Zeit brauchen, dich zu deinen alten Kräften zurückzuführen. Der Fürst stirbt, wenn du uns nicht hilfst. Und jetzt los.“

Sie packte Melisandre am Arm und hüllte sie beide in eine schwarze Wolke, nach deren Auflösung beide Frauen verschwunden waren.

„Das ist dunkle Magie.“ schrie Leona und lief schreiend aus dem Raum.

„Schattenweberin?“ stammelte Selyse.

Davos stellte das Kästchen vor den Thron, wo Wonhulda es liebevoll berührte. „Solche Zauberei gehört nicht in den Norden!“

Auran flüsterte Loras ins Ohr: „Wenn wir das nächste Mal auf Stannis treffen, musst du dich selbst beherrschen. Wir haben einen Auftrag. Und nur so retten wir deine Schwester.“

„Hat Dorne sich nicht gerade selbst geholfen.“, antwortete der Blumenritter verwirrt und ließ seinen Schwertgriff los.
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