Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Podrick in Essos

von Racussa
GeschichteFantasy, Freundschaft / P16 Slash
Doran Martell Melisandre Podrick Payne Quentyn Martell Selyse Baratheon Trystan Martell
26.08.2019
17.01.2021
18
29.054
2
Alle Kapitel
12 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
13.01.2021 2.241
 
Podrick folgte Prinzessin Arianne und den Herrinnen Thia und Alenari, nachdem er sich nochmals die viel zu heiße Lennister Kleidung zurechtgerückt hatte.
Der erste Hof war mit üppigen Pflanzen und einem sonnenförmigen Springbrunnen geschmückt, in dessen Mitte ein wasserspeiende Speer zwei Stockwerke nach oben wies.
An den oberen Arkaden standen überall Diener und Dienerinnen, die orangefarbene Tücher schwangen, niederknieten und sangen: „Singt der großen Prinzessin Lieder, töne, feuriger Gesang; und vom Ufer halle wider, unsrer Lieder Jubelklang!“

Dann standen die Dienerinnen auf, drehten sich mit den orangenen Tüchern im Kreis und sangen: „Weht ihr entgegen, kühlende Winde, ebne dich tausend Schiffen sanfter, wallende Flut!“ Und während die Dienerinnen erneut niederknieten, standen die Diener auf, drehten sich im Kreis und setzten den Gesang fort: „Singt ihr entgegen, fliegende Chöre, singt ihr der Liebe Freuden ins Herz!“

Zuletzt knieten auch die Diener nieder und Frauen wie Männer wiederholten im Garten, unter den Arkaden und im vorausliegenden prunkvollen Stiegenhaus: „Singt der großen Prinzessin Lieder, töne, feuriger Gesang; und vom Ufer halle wider, unsrer Lieder Jubelklang!“

Podrick war erstaunt über dieses bewegte Begrüßungsspektakel, doch Arianne eilte fast zur Treppe. Obwohl Podrick die Proportionen der Stützen zu dem üppigen Stechapfelholzgeländer seltsam vorkamen, so war doch die Schnitzarbeit der dornischen Speerträger beindruckend. Die Spitzen der Speere waren mit echtem Kupfer überzogen.

„Mein Vater bewohnt das Erdgeschoß, so bleiben ihm die Treppen erspart und kann schnell in den Orangenhain vor dem Palast geführt werden, um die Kinder im Tränenbecken zu beobachten. Meine Brüder und ich wohnen im ersten Stock. Dort lebt jetzt auch die Prinzessin Myrcella. Im dritten Stock schlafen Diener und mindere Gäste.“

Während Podrick noch nachgrübelte, ob er sich an der Außenfassade mit den Stockwerken geirrt hatte, waren Arianne und die beiden Herrin auch schon über die steinerne Stiege in das obere Geschoß hinaufgestiegen. Podrick folgte ihnen mit respektvollem Abstand. Über zwei Arkadengänge, die den Blick auf zwei weitere Innenhöfe mit Pflanzen und Springbrunnen freigaben, kam der Zug zu einer Türe, vor der zwei Wachen in orangenen Uniformen standen. Der linke von ihnen stampfte mit dem Speer auf.

„Das ist die sonnengleiche Kronprinzessin Arianne! Öffne das Tor!“ Podrick runzelte etwas die Stirn, denn er hatte bei Arianne Wachen in der gelben Tracht der Baratheons erwartet, oder zumindest im Lennisterrot. Der zweite Wächter holte aus seiner Tasche einen Schlüssel, sperrte die Türe auf und stieß dann beide Türflügel auf.

Während Podrick sich noch wunderte, warum Myrcella eingesperrt war, lief die blondgelockte Prinzessin auch schon Arianne entgegen und fiel der älteren Dunkelhaarigen um den Hals.

„Rianna, Rianna! So gut, dass du zurückgekommen bist. Niemand spricht mit mir. Wo ist Trystan? Ist er nicht mit dir gekommen?“

Podrick war noch nicht damit fertig, die in goldhinterlegten Mosaike von Nymerias Schifffahrt an den Wänden des geräumigen Empfangssaals zu betrachten, als seine Augen sich auf die deutlich gewachsene Myrcella richteten. Sie trug – anders als im Westen oder in Königsmund – ein weit ausgeschnittenes Kleid aus leichtem Stoff, einfache Ledersandalen und glänzenden Schmuck aus Korallenhirschen an einem seidenen Faden. Doch beim zweiten Blick erstarrte Podrick. Ihre lockigen Haare hatten es zuerst verborgen, doch als sie sich jetzt so energisch an Arianne schmiegte, wogte die Welle ihrer Haare zurück und gaben den Blick auf ein von dunklem Blut verkrustetes, gänzlich gespaltenes Ohr wieder. Auch entlang des Unterkiefers verlief eine kaum verheilte Narbe.

Als Myrcella von Arianne ließ und zu Podrick blickte, beugte er das Knie. Sie kam zu ihm und richtete sein Gesicht zu ihr: „Podrick? Bist Du Podrick Payn, der Knappe von Onkel Tyrion? Ist er hier? Besucht mich Onkel Tyrion, die Hand des Königs persönlich?“

Ariannes Blick, der von hinter Myrcellas Schulter wie ein gleißender Sonnenstrahl in Podricks Augen fiel, war zugleich einschüchternd und selbst eingeschüchtert.

„Prinzessin, Euer Onkel entbietet euch durch meine Unwürdigkeit die besten Glückwünsche zur Verlobung mit Prinz Trystan. Lord Tyrion hofft, dass Ihr hier in Dorne alles habt, wonach es Euer Herz gelüstet. Leider…“ Podrick zögerte, doch der Blick in Myrcellas erwartungsvolles Gesicht war drängender als Ariannes Sorge: „Leider lassen seine vielfältigen Verpflichtung noch nicht zu, dass er Euch an diesem wunderbaren Ort persönlich besuchen kann. Zugleich bestellt er Euch sein tiefes Mitgefühl zum Tod Eures Bruders, König Geoffreys.“

Myrcella zuckte mit den Schultern. „Geoffrey. Ich hörte, er starb bei seiner Hochzeit. Selbst so ein Scheusal wie er hätte einen heldenhafteren Tod verdient. Ich weine für seine arme Witwe, die wunderschöne Margaery. Fand man den Schuldigen bereits?“

Arianne schob sich zwischen Podrick und Myrcella und drehte sie sanft zu den beiden Herrinnen: „Myci, das sind Prinzessin Alenari rey Vallion aus einem Land ferner als Essos. Und an ihrer Seite Thia al’Lankarra aus einem Land südlicher als Sothyros. Sie sind berühmte Heilerin und werden dir helfen.“

Myrcella nickte Alenari hinter ihrer silbernen Halbmaske schüchtern zu, bevor sie Thia freundlich anlächelte.

„Prinzessin, wer ist…“ Myrcellas Zofe Rosamunde Lennister lief in den Raum, Abdrücke von Polstern in ihrem Gesicht zeigten, dass sie eben noch geschlafen hatte. Als sie Arianne erblickte, machte sie einen tiefen Knicks nach westlicher Art. Hinter ihr kamen Maester Caleotte mit seiner mausgrauen Kutte und eine Frau in bodenlanger, algengeschmückter Robe in einem Schnitt, der Podrick völlig unbekannt war, kamen näher. Beide verneigten sich vor Arianne, die Frau in dem seltsamen Kostüm goss aus einer Schale Arianne Wasser über den Kopf. „Der Segen der Mutter denen, die kommen, und denen, die gehen, der Mut Nymerias der Kronprinzessin von Dorne!“

Das Wasser tropfte auf Ariannes leichtes Reisekleid, doch sie schien diese seltsame Begrüßung zu verstehen.

„Das sind Maester Caleotte von der Zitadelle, er dient dem Haus Nymeros-Martell als Maester des Wassergärtenpalastes. Und das ist die Nasse Tante Yadira Ogowiker, die Hüterin des Mutterschoßes. Sie…“

Thia war schon zu ihr gegangen und besah sich das Gefäß, in dem zuvor das Wasser gewesen war. „Sie hat versucht, Myrcella mit Wassermagie zu heilen. Es war der richtige Weg, aber ihre Kraft war zu schwach.“

Yadira verzog das Gesicht. „Der Grünblut ist nicht die Mutter! Ich tat, was ich konnte.“

Podrick verstand nicht, warum die Mutter etwas mit dem Fluss zu tun haben sollte, schließlich war der Fremde jener der Sieben, dessen Element das Wasser war, die Mutter hingegen hatte die Erde als ihr heiliges Element.

Thia erwiderte spöttisch: „Das Wasser der Rhoyne ist auch nicht anders als das Wasser des Grünblut. Wasser ist immer nur eine Linse, durch die der Funke dessen gebündelt wird, der es nützt.“

Bevor Yadira etwas darauf sagen konnte, nahm Arianne das Wort: „Wir möchten doch die Prinzessin Myrcella nicht mit metaphysischen Diskussionen über Wasser langweilen. Warum gehen wir nicht in einen der Höfe und lassen uns erfrischende Orangeaden zubereiten?“

Podricks Gedanken rasten. ‚War Hüterin des Mutterschoßes‘ vielleicht kein dornischer Ausdruck für eine Hebamme, sondern ein Kultbegriff der Religion der Rhoynar, von der immer wieder gehört hatte. War diese Frau in dem seltsamen, mit Algen geschmückten Kleid eine Frau, die nicht an die Sieben glaubte?‘ Podrick dachte nach, ob er schon jemals jemandem so nahe gewesen war, der eine andere Religion praktizierte.

Zugleich bemerkte er, wie unbemerkt von Thia, Arianne, dem Maester und der Nassen Tante Alenari zu Myrcella und Rosamunde gegangen war, sie bückte sich zu Myrcella und schob das wallende blonde Haar zur Seite, um die Verwundung genauer zu sehen. Myrcella zuckte zurück. Podrick erhob sich von seinem Knie und trat neben Myrcella.

„Bitte, Herrin, die Prinzessin möchte das nicht.“

Alenaris Augen trafen ihn mit einem so einschüchternden Blick, das Podrick trotz der Hitze ein Frösteln über den Rücken lief.

„Die Prinzessin braucht niemanden, der für sie spricht!“ Während Myrcella in dem harten Griff Alenaris schweigend verharrt, begann Rosamunde zu weinen und von Myrcella zurückzutreten.

„Trystan wird sie hassen, weil sie jetzt hässlich ist. er wird sie nicht heiraten und dann wird sie eine alte Jungfer werden. Das ist so furchtbar!“

Podrick wusste nicht, was er tun sollte, doch Alenari hat blitzschnell Myrcellas Haare losgelassen und der heulenden Rosamund so hart gegen den Mund geschlagen, dass ihre Lippe aufsprang. Die anderen drei drehten sich zur Gruppe um.

Podrick fiel Thias besorgter Blick auf, sie kam vorsichtig näher zu der mit der silbernen Halbmaske verhüllten Alenari.

„Nennen Myrcella nie wieder hässlich, sonst werden es deine letzten Worte sein, bevor ich dich in eine stumme Spinne verwandle.“

Rosamunde kauerte sich weinend zu Boden und fuchtelte mit den Armen: „Nein, keine Spinne! Keine Spinne! Keine Spinne!“

Myrcella streichelte über ihr Haar, um sie zu beruhigen. „Sei ein heulendes Hyänchen, Rosamunde. Geh doch in mein Zimmer und hol mir ein paar Orangenhippen. Ich möchte etwas naschen.“

Doch Rosamunda heulte weiter „Keine Spinne! Keine Spinne!“

Myrcella beugte sich zu ihr und hielt ihre Hände fest. „Nein, Orangenhippen von dem Kästchen neben meinem Bett! Los, lauf!“

Rosamund zog sich an Myrcella hoch und liefe heulend davon, weiter schreiend „Keine spinne, keine Spinne!“

„Verzeiht, Prinzessin Alenari! Rosamunde ist etwas aufgeregt. Ich bitte, Euch durch meine Entstellung nicht zu verschrecken.“

Alenaris Augen, die eben noch von Zorn gefunkelt hatten, der Podrick vorkam, als würde er seit Jahrtausenden brodeln, wandelte sich zu einem mitleidsvollen, warmen Blick auf Myrcella. „Kind, deine Narbe erschreckt mich nicht. Und da sie nicht durch Zauber verursacht wurde, wirst du nie wie ich eine Maske tragen müssen. Wir werden dich heilen.“

„Und mein Bruder liebt dich über alle Maßen. Nichts steht eurer Verlobung im Weg, meine kleine Freundin.“, sagte Arianne.

Maester Caleotte räusperte sich: „Magische Praktiken haben keine bewiesene Wirkung. Man sollte die Prinzessin nicht mit falschen Hoffnungen verunsichern. Die Zitadelle…“

Thia wandte sich an den Maester: „Die Zitadelle wird eines Tages das Buch beherbergen, dass ihr über Prinzessin Myrcella und Prinz Trystan und ihre Kinder geschrieben haben werdet!“

„Mit Verlaub.“, bat Myrcella in Richtung Arianne. „Darf ich ein leises Wort mit Podrick wechseln, das nur meinen Onkel und mich betrifft.“

Arianne nickte: „Selbstverständlich. Wir werden uns in das Zimmer mit den Lauten gehen und ein wenig der Musik lauschen. Komm doch gleich nach!“

Myrcella nickte naiv. Arianne lächelte erleichtert. Thia zog Alenari mit sich, beide folgten Arianne. Auch der Maester und die Nasse Tante folgten ihr.

Podrick blickte auf die zehn Jahre jüngere hübsche Prinzessin vor sich. Er hatte sie immer als Lieblingsnichte Lord Tyrions wahrgenommen und hörte die Worte seines Herrn ‚Sie hat all die Schönheit ihrer Mutter, aber keinen ihrer Makel.‘

„Podrick!“ rief Myrcella ihn zur Aufmerksamkeit. „Ser Arys ist tot! Unsere Wachen, die Hirschen und die Löwen habe ich seit dem Ritt in die Wüste nicht mehr gesehen. Rosamunde wird langsam verrückt vor Angst. Aber ich habe keine Angst.“

Podrick staunte über die Worte der Prinzessin, die gerade zehn Namenstage zählte. Sie klang viel reifer als viele ältere Mädchen, die er getroffen hatte, inklusive Teora Toland.

„Ihr müsst Euch keine Sorgen machen. Prinz Trystan liebt Euch wirklich. Ich konnte in Sonnspeer mit ihm sprechen. Fürst Doran möchte nur, dass Ihr zuerst ganz geheilt seid, bevor er Euch Euren Verlobten nachschickt.“

Myrcella seufzte: „Ich liebe Trystan auch.“

Podrick fragte sich, ob er in diesem Alter schon gewusst hatte, was diese Worte bedeuten. Er wusste es ja jetzt noch nicht einmal.

„Ich habe einen Auftrag für dich, den musst du als Lennistervasall erfüllen, auch wenn es vielleicht gefährlich ist.“

Podrick verdrehte für einen Augenblick die Augen. Noch ein Auftrag? Er wusste ja jetzt schon kaum mehr, welche Geheimnisse er wem nicht verraten durfte.

Myrcella lächelte ihn strahlend an: „Wenn du Onkel Tyrion triffst, gib ihm einen Kuss von mir und kräusle seine Haare und sag ihm, dass ich ihn ganz lieb habe und nicht böse bin, dass er mich nach Dorne geschickt hat. Und wenn du Tommen triffst, sag ihm, dass ich ihm nicht böse bin, dass er mir den Thron wegnimmt. Und wenn du meine Mutter, die Königinmutter, triffst, dann sag ihr, dass ich täglich mein Haar bürste, wie sie es mir aufgetragen hat und dass ich ein starkes Löwenjunges bin, wie sie es auch war, als sie nach Königsmund kam.“

Podrick verstand nicht, warum Myrcella Tommen und den Thron erwähnte. Es war doch wohl klar, dass männliche Erben weiblichen immer vorgezogen werden? Nur in…Podrick begriff…nur in Dorne waren Frauen vor Männern Erbin. Podrick nickte pflichtschuldig, auch wenn es noch unwahrscheinlicher war, dass er Lord Tyrion fand, wo auch immer der gerade warm, als dass er lebend nach Königsmund zurückkehren und dann noch mit dem König sprechen könnte.

„Myrcella, zögere nicht!“, hörte man Ariannes Stimme aus der Zimmerflucht, aus der auch schon die kleine dreier dornischen Lauten erklangen.

„Eines noch!“, flüsterte Myrcella.

Podrick spitzte aufmerksam die Ohren.

„Meine Mutter hat mir eine goldene Kugel zum Spielen mitgegeben. Ich bin kein kleines Kind mehr, aber die Kugel erinnert mich so an sie, dass es mir leid tut, sie verloren zu haben. Könntest du sie mir wiederbringen. Ich habe mit Rosamunde bei den Becken oben Werfen gespielt, und sie warf die Kugel so hoch, dass sie auf dem Dach dieses Palastes gelandet ist. Ich komme aber an den Wachen nicht vorbei und jeder sagt mir hier, dass es keinen Weg auf das Dach gibt. Bitte, Podrick, mir und meiner Mutter zuliebe: Könntest du einen Weg auf das Dach finden und mir die goldene Kugel zurückbringen?“

Sie wartete Podricks verdutztes Nicken ab, bevor sie in die Richtung der Lautenklänge davonhüpfte.

‚Eine Kugel vom Dach holen? Das kann ja wirklich nicht so schwer sein. Wenn die Prinzessin dadurch glücklicher wird.“

In der Türe blieb die kleine Prinzessin nochmals stehen, drehte sich um und lachte: „Du solltest in Dorne nicht so dickes Gewand tragen. Du schwitzt wie ein Pferd beim Galopp und das riecht man bis hier herüber!“
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast