Mikael (Vampir OS)

von Mary-Law
KurzgeschichteDrama, Übernatürlich / P16
26.08.2019
26.08.2019
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Hallöchen zusammen, heute ausnahmsweise keine Fanfiktion sondern etwas selbst ausgedachtes. Bzw dieser OS basiert auf einem Traum welchen ich hatte. Ich hoffe er gefällt euch~


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TRIGGERWARNUNG
(Wenn euch Themen wie Entführung und/oder Gedanken über den Tod unwohl fühlen lassen, solltet ihr das hier besser nicht lesen)






Daran, wie genau ich herkam, konnte ich mich nicht mehr erinnern. Es ging alles so schnell...
Meine Nachbarin, eine ältere Dame, hatte mich darum gebeten ein Paket für sie zur Poststelle zu bringen. Ein paar Wochen zuvor war sie gestürzt und hatte seitdem Probleme mit dem laufen. Mit diesem Wissen und auch weil ich gerne half, stimmte ich zu das ich dies übernehmen würde. Dummerweise hatte ich an dem Tag noch einige andere Dinge zu erledigen, weshalb ich beschloss das Paket erstmal in meiner Wohnung zu lagern und es gegen Mittag wegzubringen. Immerhin sagte sie auch, dass es keine große Eile hätte. Doch so wie es kommen musste, vergaß ich es am Ende komplett, weshalb ich abends, kurz vor achtzehn Uhr mich los machte und zur Poststelle rannte, bevor diese schließen würde. Gerade so hatte ich es geschafft und war erleichtert.

Den Rückweg beschloss ich nach diesem kleinen Sprint gemütlicher angehen zu lassen und schlenderte mit den Kopfhörern in den Ohren und meinem Lieblingslied aus diesen direkt in mein Ohr dudelnd, durch die Straßen. Tja und dann passierte es. Eine Gruppe von Männern, ich glaube vier oder fünf waren es, ich konnte mich nicht mehr genau erinnern, umzingelten mich und grinsten mich dreckig an. Ängstlich presste ich meine Arme an meinen Oberkörper und zog zuvor noch schnell die Ohrstecker aus den Ohren. ''Was wollt ihr von mir?'' fragte ich hörbar verängstigt, was den Mann direkt vor mir lachen ließ. Ein anderer packte mich von hinten und danach wusste ich nichts mehr. Nur das ich jetzt in einem Bett lag, in einem kahlen Raum und keine Ahnung hatte wo ich war. Zwar befand sich neben dem Bett ein Fenster, doch mehr als Burgmauern und großgewachsenen Hecken konnte ich nicht erkennen. Wohin hatten sie mich nur verschleppt? Und noch viel wichtiger, was hatten sie mit mir vor? Wollten sie sich an mir vergehen? Mich umbringen? Oder gar beides? Ich wollte gar nicht daran denken.

Kurz darauf vernahm ich Schritte und legte mich sofort wieder hin. Vielleicht würde derjenige wieder gehen wenn er sieht, dass ich noch schlafe und ich hätte dann mehr Zeit mich im Zimmer umzusehen und nach einer Fluchtmöglichkeit zu suchen. Oder derjenige wollte erst gar nicht zu mir und lief an dem Zimmer vorbei. Doch wie viel Glück müsste ich haben? Und das hatte ich definitiv nicht wie ich feststellen musste als sich kurz drauf die Tür öffnete. Schnell schloss ich die Augen und gab mein bestes mein Gesicht zu entspannen, damit es so aussah als würde ich schlafen. Die Schritte kamen immer näher und verstummten schließlich direkt vor meinem Bett. Panik machte sich in mir breit als ich einen Blick auf mir spürte und wollte am liebsten schreien und weinen, aber dann würde ich auffliegen. Ich gab also mein bestes so ruhig und entspannt wie möglich zu bleiben, auch wenn es in meinem Inneren das genaue Gegenteil war.

Etwas Zeit, die mir jedoch wie eine ganze Ewigkeit vorkam, verging und etwas legte sich meine Panik. Ich wurde ein kleines bisschen ruhiger, doch lange konnte ich mich darüber nicht freuen, da die Person neben meinem Bett mich auf die Probe stellte. Ich spürte wie zwei eiskalte Finger federleicht über meine Wange strichen und es kostete mich so viel Kraft und Mühe nicht los zu schreien. Es war mir unangenehm, es widerte mich an, es bereitete mir große Angst. Weshalb tat die Person das nur? Wollte sie mich necken? Mir eine Reaktion entlocken? Mir absichtlich Angst einflößen?

''Mikael! Wo steckst du?'' rief eine tiefe, männliche Stimme und die Hand von meiner Wange verschwand plötzlich. ''Ich komme sofort,'' ertönte eine andere Stimme ganz nah und es dauerte ein paar Sekunden bis ich realisierte das es die Stimme der Person vor mir war. Ohne groß nachzudenken öffnete ich meine Augen und sah zu ihm. In der Dunkelheit konnte ich nicht viel erkennen, nur einen groben umriss einer großen Person. Scheinbar stand er auch mit dem Rücken zu mir, denn als dieser Umriss sich bewegte, leuchtete mich ein gelbes Augenpaar an und mir stockte der Atem. Kurz hielten wir Blickkontakt, ehe er sich wieder abwandte und zur Tür lief. Er öffnete diese und dahinter konnte ich noch eine Gestalt erkennen. ''Ah hier bist du. Ist die Kleine wach?'' fragte der andere Mann. ''Nein sie ist noch bewusstlos. Ihr wolltet dieses Mal wohl mehr als sichergehen, was?'' fragte der andere Mann, der eben noch vor meinem Bett stand und lief dann aus dem Zimmer und schloss die Tür wieder.

Fragend wandte ich meinen Blick von der Tür ab und starrte ins dunkle. Weshalb hatte er das eben gesagt? Hat er etwa nicht bemerkt, dass ich meine Augen auf und direkt in seine gestarrt habe? Wäre das möglich? Oder hat er es bemerkt und aus welchen Gründen auch immer für mich gelogen? Welchen Grund es auch hatte, es war wirklich mehr als seltsam.

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Die darauffolgenden Tage waren wirklich alles andere als schön. Natürlich kauften sie mir nicht Tagelang ab das ich schlafen würde, weshalb ich wohl oder übel mit meinen Entführern Bekanntschaft machen musste. Es waren schreckliche Männer. Sie alle trugen schwarze Kleidung, hatten eine bleiche Haut, leuchtende, rote Augen und spitze Fangzähne. Aufgrund ihres Aussehens würde ich sie als Vampire abstempeln, aber diese konnte es doch unmöglich geben, oder etwa doch? Auch ihr ganzes Verhalten war seltsam. Vielleicht lag es daran das sie mich ans Bett gefesselt haben, nachdem ich versucht habe zu fliehen, doch immer wenn einer von ihnen im Raum war, kam ich mir so vor als wäre ich die Beute um die das Raubtier kreist. Ihre Augen wirkten, abgesehen von der unnatürlichen Augenfarbe, auch sonst nicht menschlich. Sie wirkten wie das eines wilden Tieres und ich konnte wirklich nicht in Worte fassen wie viel mehr Panik das in mir auslöste.

''Guten Morgen Sternchen,'' kam eine blonde, hübsche junge Frau in einem leuchtenden blauen Kleid herein. Gestern lernte ich sie zum ersten Mal kennen. Zuerst freue ich mich, die Tatsache, dass es hier neben den vielen Männern auch eine Frau gab, machte mir Hoffnung. Ich hatte mir ausgemalt, dass sie mir vielleicht helfen könnte hier rauszukommen, doch schneller als ich blinzeln konnte, wurden mir diese Gedanken ausgetrieben. Sie war gemein, hochnäsig und eine riesengroße Zicke. Schlimmer noch als die Mädchen aus meiner Schulzeit und von denen hatte ich damals schon angenommen das es schlimmer nicht gehen könnte, doch da hatte ich mich nun offenbar geirrt. ''Ich sagte guten Morgen. Hast du dein Gehör verloren oder was?'' blaffte sie mich an und blieb direkt vor meinem Bett stehen. Ängstlich blickte ich zu ihr hoch und starrte in ihre aggressiv, rot glühenden Augen. ''Glotz nicht so frech. Du sollst antworten, nicht mich ansehen,'' sagte sie und drehte ruckartig meinen Kopf an meinem Kinn zu Seite, das ich für einen Moment ernsthaft Angst hatte das ich es knacksen hören konnte. Sie hatte dies scheinbar auch erwartet, da ich aus dem Augenwinkel vernahm wie sie noch wütender aussah und sie sich im nächsten Moment auf mich stürzte.

''Keine Ahnung was die anderen an dir haben, aber du gehst mir gehörig auf die Nerven! Umbringen sollen sie dich endlich! Was anderes als ein Blutspender bist du mickriger kleiner Wurm sowieso nicht!'' schrie sie, öffnete ihren Mund, wodurch ihre spitzen Fangzähne zum Vorschein kamen und beugte sich zu meinem Hals. Ich kniff meine Augen zusammen und bekam Herzrasen als ich ihren Atem auf meiner Haut spürte. ''Penelope!'' ertönte eine Stimme an der Tür bevor sie zubeißen konnte und sie entfernte sich von meinem Hals. ''Mikael... ich...'' Er hob die Hand und sie war sofort still. ''Runter von ihr. Ich will dich in der Nähe dieses Zimmers nicht mehr sehen, hast du mich verstanden?'' Sie nickte, sah ein letztes Mal wütend zu mir, ehe sie von mir runter ging und das Zimmer verließ.

Da es nun etwas heller im Zimmer war, konnte ich auch endlich diesen Mikael sehen. Er hatte langes, blondes Haar, welches sich in leichten Wellen über seine Schultern hinweg auf seine Brust legten. Auf der einen Seite hatte er die Haare hinter das Ohr gelegt, was zeigte das diese am Ende Spitz zugingen und ich meinte sogar zu sehen das er Ohrringe trug, da etwas mich von dort leicht anblitzte. Die andere Hälfte lag in einem seitlichen Pony über seinem Auge, weshalb ich heute nur eines zu sehen bekam, aber es war eindeutig der Mann von der ersten Nacht der mir über die Wange gestrichen hat. Wir sahen uns eine Weile einfach nur an, bis er sich wieder umdrehte um den Raum zu verlassen. ''Warte...'' flüsterte ich leise. Ich wollte nicht, dass er geht. Es schien mir als sei er der einzige hier der mir nichts Böses wollte. ''Hilf mir... bitte...'' fügte ich noch hinzu und er blieb stehen. Er schielte für einen Moment über seine Schulter, eher er seine Hand nach dem Türknauf ausstreckte. ''Bald,'' erwiderte er ebenfalls im Flüsterton und damit war ich wieder alleine in dem Zimmer.

Heiße Tränen liefen über meine Wangen und völlig kraftlos zog ich mit meinen Armen an den Seilen mit welchen ich am Bett gefesselt war. Sie waren schon ganz taub durch die Haltung, waren einige Male eingeschlafen und meine Handgelenke fühlten sich ebenso Wund an. Doch das war nicht das einzige Leiden. Seit ich hier war hatte ich nichts zum Essen bekommen. Ab und zu bekam ich ein kleines Glas Wasser, aber um meinen Durst zu stillen und meine trockene Kehle wieder zu befeuchten reichte es nicht aus. Es war die reinste Folter. Womit hatte ich das nur verdient? Erschöpft schloss ich meine Augen und ehe ich mich versah, war ich auch schon eingeschlafen.

Wie lange ich schlief konnte ich nicht sagen, aber wirklich ausgeruht fühlte ich mich nicht, als ich hochschreckte, da ich ein brennen in meinem ganzen Körper spürte. Ich öffnete die Augen und bekam Panik. Alles war schwarz. Nicht mal das bisschen Mondlicht vom Fenster schien herein, besser gesagt ein Fenster konnte ich gar nicht sehen. Haben sie mich während ich schlief woanders hingebracht? Aber wieso? Und weshalb fühlte ich mich, als würde ich unter Feuer stehen? Leise wimmerte ich vor mich hin, bis ich spürte wie etwas auf mein Gesicht tropfte. Ich konnte schlecht ausmachen was es war. Wasser vielleicht? Oder etwas anderes? Es tropfte immer weiter, bis schließlich ein Tropfen auf meiner Lippe landete. Ich streckte die Zunge raus um den Tropfen aufzulecken und damit auszumachen was es war, doch zu meinem Erschrecken musste ich feststellen, dass es stark nach Eisen schmeckte. Es handelte sich also um... Blut?

Ich versuchte zu schreien, doch meine Kehle verließ nichts weiter als ein stumpfer Ton. Verzweiflung machte sich in mir breit und ich hatte mittlerweile jeden kleinen Funken an Hoffnung verloren. Ich würde hier sterben, darauf sollte ich mich wohl so langsam einstellen... Auch wenn es sowieso dunkel war, schloss ich meine Augen und versuchte mich zu beruhigen. Ich rief mir Erinnerungen von meiner Kindheit in den Kopf, wie ich mit meinen Eltern zusammen im Garten fangen spielte, oder das erste Mal eine Katze streichelte. Nur schöne Dinge versuchte ich mir vorzustellen. Noch mehr Panik würde mir nun sowieso nichts mehr bringen. Ich musste dem Schicksal in die Augen blicken, auch wenn ich mich nun wirklich nicht damit abfinden wollte.

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Wie lange ich mich nun dieses Mal hier befand konnte ich nun wirklich nicht mehr sagen. Es konnten Tage oder Wochen sein, vielleicht auch nur ein paar Stunden. Mein Körper wurde immer schwächer und mein Wille zu überleben schwand ebenso. Ich hatte keine Chance zu fliehen und scheinbar auch keine noch weiter zu überleben. Alles was mir jetzt noch blieb war abzuwarten. Entweder darauf das ich langsam von selbst starb oder das einer der anderen kommt und dies erledigt. Mehr Optionen gab es für mich nicht mehr.

Hin und wieder spürte ich immer noch dieses brennen, jedoch war es nicht mehr ganz so stark wie beim ersten Mal, es wurde schwächer, wie mein Körper. Fühlte sich so vielleicht sterben an? Wieder schloss ich meine Augen und atmete flach. Gerade war es noch schlimmer als davor, was vielleicht auch daran lag das mir Flüssigkeit fehlte. Mein Kopf stach, mein Hals fühlte sich wie zusammengezogen an. Es sollte endlich was passieren. Darauf zu warten, dass mein Herz aufhört zu schlagen, dauerte mir zu lange. Entweder sollte ich endlich Hilfe bekommen, auch wenn das unwahrscheinlich war, oder... Was war das? Wieso stach mein Hals plötzlich? Es fühlte sich an, als würde sich etwas Spitzes hineinbohren. Blut floss und die Schmerzen... es war kaum auszuhalten. Ich versuchte zu schreien, was nicht funktionierte. Immer und immer wieder probierte ich es bis ich plötzlich meine Augen öffnete und mich schweißüberströmt aufsetzte.

Keuchend versuchte ich meinen Atem zu beruhigen und sah mich etwas um. Das war der Raum vom Anfang... Wieso war ich wieder hier? Ich sah nach unten und stellte fest, dass ich ebenso nicht mehr gefesselt war. Lediglich dunkle abdrücke waren an meinen Handgelenken noch zu sehen. Mir hatte also jemand geholfen... aber was war das nur für ein brennen und das an meinem Hals? Vorsichtig fuhr ich mit meinen Fingerspitzen über diesen und zuckte zusammen als ich über zwei kleine Wunden strich. Wurde ich... ausgesaugt? Waren das wirklich Vampire? Aber weshalb war ich noch am Leben? Bis ich wieder neues Blut generiert habe damit sie weiter machen konnten? Aber weshalb sollten sie mich dann los machen? Es sei denn... hatte mir dieser Mikael wirklich geholfen? War er so stark das er es mit so vielen aufnehmen konnte? Oder hatte er mich nur losgemacht und es lag nun an mir selbst abzuhauen? Konnte ich ihm trauen?

Scheinbar musste ich das wenn ich nicht wollte das sie mich wirklich noch töten. Vorsichtig setzte ich meine nackten Füße auf den dunklen Dielenboden, atmete ein paar Mal tief durch, ehe ich mich erhob und langsam zur Tür schlich. Meine Kleidung hatten sie mir am ersten Tag schon weggenommen und gegen ein altes, weißes Nachthemd getauscht. Mich schüttelte es bei dem Gedanken, das mich einer von diesen Typen angefasst und lediglich in Unterwäsche gesehen hat. Langsam drehte ich den Türknauf um und öffnete die Tür. Ich streckte meinen Kopf durch den kleinen Spalt, spähte links und rechts den Flur aus ob niemand zu sehen oder zu hören war, ehe ich durch die Tür hindurch trat. Auf leisen Sohlen beschloss ich nach links zu laufen und stand relativ schnell vor einer Treppe. Da alles dunkel war und ich nicht stürzen und mich verletzten wollte oder noch Lärm machen, klammerte ich mich an dem alten Holzgeländer fest und nahm jede Stufe einzeln. Sie knarzten dabei und jedes Mal verzog ich mein Gesicht vor Anspannung das ich damit jemanden anlockte, doch ich hatte Glück.

Ich kam unten an und stellte fest, dass ich in einer großen Halle war. Sofort lief ich zu der großen Tür, aber wie sollte es anders sein? Sie war verschlossen. Seufzend lehnte ich mich dagegen und dachte nach. Vielleicht gab es noch andere Türen oder Fenster durch die ich fliehen konnte, aber je länger ich hier herum irre, desto höher ist die Gefahr entdeckt zu werden. Geräusche auf dem Fußboden hinter mir ließen mich herumwirbeln und ich dachte mir bleibt das Herz stehen. Ich wollte schon schreien, dass sie mich doch gehen lassen sollen, aber wie sich herausstellte war kein Mensch hinter mir, sondern ein Tier. Ein Hund um genau zu sein. Ich atmete erleichtert aus und kniete mich hin. ''Hallo...'' flüsterte ich und streckte meine Hand aus. Der Hund kam zu mir und von nahen erkannte ich nun auch die Rasse. Es war eine englische Bulldogge. Diese ließ sich streicheln, aber rannte kurz darauf wieder davon. ''Warte,'' flüsterte ich und beschloss dem Hund zu folgen. Vielleicht konnte er mich zu einem Ausgang führen, immerhin musste er ja auch hier rein gekommen sein.

Ich folgte ihm durch einen dunklen Gang bis er schließlich abbog, in einen Raum hinein. Ich blieb stehen als ich das sah, jedoch stoppte ich viel zu spät. Ich stand schon direkt davor und sah, dass sich dort drin jemand befinden musste. Im Kamin brannte Feuer und eine Lampe leuchtete von der Seite. Schritte ertönten und ich wollte schon wegrennen, als ich erkannte, dass es Mikael war. Er hatte die Bulldogge auf dem Arm und streichelte diese sanft. ''Du bist erwacht... das ist gut. Komm rein, du frierst sicherlich oder nicht?'' fragte er und so ganz wusste ich nun doch nicht ob ich ihm trauen konnte und auch sollte. Was wenn dies eine Falle war und er mich nur locken sollte? ''Nun komm, die anderen sind tot. Ich habe mir bestimmt nicht die Mühe gemacht sie zu töten nur um dich dann auch zu töten. Das hätte ich auch so gekonnt,'' sagte er und etwas erstaunt sah ich ihn an, dafür das er wusste was ich dachte, aber vermutlich war das in der Situation auch einfach zu offensichtlich.

Langsam betrat ich den Raum und sah mich um. Es war ein altmodisch eingerichtetes Zimmer, aber sehr gemütlich wie ich fand. ''Setzt dich, du hast bestimmt einige Fragen,'' deutete er auf einen dunkelroten Ohrensessel welcher vor dem Kamin stand und setzte sich selbst auf den anderen welche gegenüber war. Ich kam seiner Aufforderung nach und sah eingeschüchtert zu ihm. Jetzt bemerkte ich auch, dass er verwundet war. Sein Hals war offen und voller Blut. ''Was...'' begann ich, doch er unterbrach mich. ''Mach dir darum keine Gedanken, das verheilt wieder. Wichtiger ist, das wir über dich sprechen,'' begann er, aber stoppte um mich anzusehen, fast so als wartet er auf ein Zeichen das ich einverstanden war und ihm zuhörte. Ich nickte deshalb leicht und er fuhr fort. ''Wie du sicherlich bemerkt hast... sind wir keine Menschen. Ja wir sind Vampire. Bestimmt hast du davon schon gehört, es gibt in der Literatur einiges über uns, doch kein Mensch glaubt an unsere Existenz, was auch gut ist. Würden alle Bescheid wissen, dass es uns tatsächlich gibt, kannst du dir wohl ausmalen was gerade Forscher mit uns anstellen würden. Jedenfalls, gibt es zwei Seiten bei uns Vampiren. Es gibt welche wie die anderen, die dich entführt haben, die sich voll und ganz der Vampirseite hingeben. Sie töten aus Spaß, nicht aus Hunger und sind durch und durch böse. Sie erkennt man an ihren roten Augen. Die andere Seite, zu der ich ebenso gehöre, haben sich einen Funken Menschlichkeit bewahrt. Sie töten nur wenn es sein muss, weil sie starken Hunger haben und würden niemals sonst einem Menschen freiwillig schaden wollen. Wir haben, wie du an mir siehst, gelbe Augen. Sicherlich fragst du dich nun weshalb ich dann überhaupt hier, mit den anderen zusammen war.''

Ich nickte leicht und zog meine Beine an mich heran. ''Nun das ist ganz leicht zu beantworten. Sie dachten sie könnten mich umpolen, zu einem von ihnen machen, aber da haben sie sich geirrt. Ich habe auf einen Moment wie diesen gewartet um ihnen in den Rücken zu fallen und umzubringen. Irgendwo muss ich dir deshalb auch danken, auch wenn ich weiß das du in dem vergangenem Monat einiges durchgemacht hast.'' Mit geweiteten Augen starrte ich ihn an. ''M-Monat?'' fragte ich leise und er nickte. ''Ja einen ganzen Monat. Du wirst dich nicht erinnern weil du, nun man könnte sagen, die meiste Zeit geschlafen hast. Sie haben dich in diesen Zustand versetzt damit du nicht fliehen kannst. Du hast dich sicherlich gefühlt als würdest du sterben, nicht? Das kam davon weil alle Organe runtergefahren sind. Sie haben nur noch ganz schwach gearbeitet. Gerade so um dich am Leben zu lassen. Eine schreckliche Foltermethode wenn du mich fragst. Das machen Vampire dieser Art gerne mit Menschen. Sie lieben es sie zu quälen und leiden zu sehen.''

Ich nickte erneut  und sah zu Boden. ''Und nun? Was passiert jetzt?'' fragte ich leise. ''Wir sollten bald aufbrechen. Ihr tot wird nicht unbemerkt bleiben und ihre Freunde werden uns sicherlich versuchen zu töten. Mich weil ich alle getötet habe und dich weil du ein Mensch bist. Du musst dir keine Sorgen machen, du stehst ab sofort unter meinem Schutz. Ich werde aufpassen, dass dir nichts passiert. Du hast auch sonst niemanden der dich vermissen könnte wenn du plötzlich weg bist, oder? Deine Eltern sind tot und Freunde hast du keine,'' sagte er und ich hob sofort meinen Kopf um ihn anzusehen. ''Woher weißt du das?'' fragte ich entsetzt. Seine Lippen zogen sich zu einem leichten Lächeln nach oben. ''Ich beobachte dich schon eine ganze Weile... seit du klein bist. Du hast etwas an dir... diese Reinheit... es zieht mich wahrlich an. Ich weiß das klingt alles seltsam für dich, aber ich habe keine bösen Absichten. Ich habe Sorge, dass ich meine menschliche Seite verliere, weil ich so lange mit den anderen verbracht habe. Meine Hoffnung ist, dass sie wieder stärker wird wenn ich einige Zeit mit einem Menschen verbringe. Hilft du mir dabei es herauszufinden? Natürlich kannst du auch nein sagen, aber die anderen werden dich finden und wieder entführen. Es wäre also nur zu deinem eigenen Schutz bei mir zu bleiben.''

Nachdenklich sah ich von ihm zu der Bulldogge die mittlerweile in seinen Armen schlief und seufzte. Was blieb mir für eine Wahl? Ich wollte das alles nicht nochmal durchmachen... Diese Panik, diese Todesangst, das Gefühl zu sterben... Daher nickte ich schließlich zustimmend und machte mich kurz darauf mit ihm, mit einem Vampir, auf den Weg in ein neues Leben.


~Ende
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