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Alphaliebe

von Phienchen
GeschichteÜbernatürlich, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Chuck Hansen Hercules "Herc" Hansen Raleigh Becket Yancy Becket
26.08.2019
26.08.2019
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26.08.2019 8.268
 
Ein kleiner Prozentsatz der Weltbevölkerung gehört zu den sogenannten Changern, im normalen Sprachgebrauch auch Gestaltwandler genannt. Es gibt sie schon seit Jahrtausenden, doch erst mit dem Auftauchen der Kaijus, haben sie sich zu erkennen gegeben, denn jetzt gab es etwas, wovor sich die Menschheit mehr fürchten könnte, als vor ihnen.
Die Gestaltwandler an sich lassen sich grob in zwei Typen einteilen. In jene, welche in Gruppen, sogenannten Rudeln, unter einem Leittier bzw. Alpha zusammenleben, weil es ihre Natur so vorgibt. Sie folgen ihrem Instinkt, der nach Gemeinschaft strebt. Die sogenannten Solobis, auch Albinos genannt, wegen ihrem immer schneeweißen Fell, können wie ein Alpha über sich selbst bestimmen und sind mitunter stärker als die Rudel-Alphas. Allerdings können sie sich einem Rudel Alpha unterordnen, wenn sie es denn wollen. Für gewöhnlich leben die Solobis in kleinen Familien unter sich. Da die Gestaltwandler den Menschen in körperlicher Hinsicht überlegen sind, hat das Militär beschlossen, sie als Jägerpiloten einzusetzen. Trotz ihrer Erfolge stehen die Menschen ihnen ablehnend gegenüber. Die meisten leben zurückgezogen in ihren Rudeln. Beim Militär ist die Akzeptanz deutlich besser.

Kaiju-Krieg Jahr 7

Bei dem Einsatz in Alaska wird Yancy so schwer verletzt, dass er trotz der enormen Heilkräfte der Gestaltwandler, an den Rollstuhl gefesselt ist. Auch Raleigh erleidet schwere Verletzungen, sodass er 3 Monate brauchte, bis er wieder fit war. Allerdings braucht es wesentlich länger, bis Raleigh wieder an einem Einsatz teilnehmen wird. In dieser Zeit arbeiten Yancy und er in der Jäger Pilotenausbildung. Yancy in der Theorie und Raleigh übernahm das Nahkampftraining, sowohl auf der Matte als auch im Simulator. Für ihre herausragenden Dienste wurden beide zum Captain befördert.

Kaiju-Krieg Jahr 9 / Konferenz im Shatterdome Hongkong

Raleigh war schnellen Schrittes auf dem Weg zum Konferenzraum. Ihm war die Aufgabe zugeteilt worden, die Konferenz als Moderator zu leiten und deshalb wollte er sich noch einmal sammeln, bevor die ersten Teilnehmer eintreffen würden. Doch dann hörte er aus der Geräuschkulisse um ihn herum, wie sich kleine Füße schnell in seine Richtung bewegen. Innerlich rollte er genervt mit den Augen. Warum konnte sie sein 'Nein' nicht akzeptieren? Er beschleunigte seinen Schritt soweit es ging, ohne dass es so aussah als würde er rennen. Er warf einen kurzen Blick über seine Schulter und stellte zu seiner Erleichterung fest, dass seine Verfolgerin zurück viel. Zufrieden drehte er seinen Kopf wieder nach vorn, nur um noch kurz eine muskulöse Brust vor sich zu sehen, bevor er Bekanntschaft mit dem Boden machte. Die Unterlagen, die er unter dem Arm trug, verteilten sich um ihn herum. Er schüttelte den Kopf, um die Benommenheit loszuwerden. Bei dem Sturz hat er es sich den Kopf angeschlagen. Als sich der Schleier wieder lichtete wurde ihm bewusst, dass er sich gerade vor allen Anwesenden lächerlich gemacht und dass er den anderen ebenfalls zu Boden geschickt hatte. Er hob den Kopf und setzte schon zu einer Entschuldigung an, als ihm buchstäblich die Spucke wegblieb. Blaue Augen blickten ihn fasziniert, neugierig, aber auch leicht verärgert an. Leicht zerzaustes, dunkelblondes Haar und ein leichter Dreitagebart umrahmten ein markantes Gesicht mit hohen Wangenknochen. Der muskulöse Körper steckt in einer perfekt sitzenden Uniform. Die Dienstabzeichen wiesen ihn als einen First Lieutenant aus. Doch das alles nahm er nur am Rande war. Noch immer er starrte er wie gebannt in die blauen Augen seines Gegenübers.

Ein Räuspern riss beide aus ihren Gedanken. Gleichzeitig blickten der Captain und der Lieutenant nach oben. Raleigh erkannte sofort, wen er da vor sich hatte. Augenblicklich sprang er auf und nahm Haltung an. „Marshall Henson. Sir, willkommen in Hongkong. Bitte verzeihen Sie mein Auftreten.“ Der Marshall nahm eine entspannte Haltung an. „Rühren Captain. Bei mir müssen Sie sich nicht entschuldigen.“ Er nickte in Richtung seines Begleiters, der sich in der Zwischenzeit ebenfalls wieder erhoben hatte. „Natürlich Sir.“ Er wandte sich zu dem Lieutenant. Er schluckte, als er wieder in die blauen Augen blickte. Einen Moment lang war er erneut sprachlos, bevor er sich zusammenriss. „Lieutenant, bitte verzeihen Sie meine Unachtsamkeit. Ich hoffe es ist nichts passiert.“ Ein Grinsen schlich sich auf das Gesicht des Leutnants. „Nichts passiert, Captain …“ Er ließ den Satz offen. „Becket. Raleigh Becket. Sehr erfreut.“ Er steckte dem Lieutenant die Hand entgegen. „Chuck Henson. Gleichfalls.“ Sie schüttelten ihr Hände etwas länger als nötig. „Captain.“ Der Marshall forderte erneut seine Aufmerksamkeit. „Ich hoffe Sie haben nichts dagegen, wenn mein Sohn sie schon einmal zum Konferenzraum begleitet.“ Er schüttelte den Kopf. „Natürlich nicht Sir.“ „Sehr gut. Ich werde noch Marshall Pentecost aufsuchen. Captain. Chuck. Bis nachher.“ Beide salutieren gleichzeitig. Raleigh wandte sich wieder zu dem Leutnant. „Ich bitte Sie noch um einen Moment Geduld. Ich sammle noch schnell meinen Unterlagen auf.“ Sein Gegenüber nickte und der Captain machte sich so gleich daran, die Papiere auf zu lesen. Unerwartet kam ihm ein paar Hände zu Hilfe. Erstaunt ob er den Kopf. „Sie brauchen mir nicht zu helfen.“ Der Blauäugige lächelte ihn an. „Ich möchte aber.“ Erklärte er und reichte ihm die restlichen Papiere. Als Raleigh die Blätter entgegennahm, berührten sich ihre Finger kurz, wobei ihn kleine Blitze durchzuckten. Chuck erhob sich und hielt dem Captain seine Hand hin. Einen Augenblick zögerte Raleigh, bis er die Hand ergriff und sich aufhelfen ließ. „Danke.“ Er lächelte dem Lieutenant dezent zu. „Gern geschehen. Wollen wir dann?“ „Ja.“

Sie waren gerade ein paar Schritte unterwegs, als Raleigh am Arm festgehalten wurde. Er drehte sich um und sah Marko Mori, die sofort anfing auf ihn einzureden. „Captain, geht es ihnen gut? Der Sturz sah sehr schmerzhaft aus. Sie sollten sich auf der Krankenstation durchchecken lassen. Hat sich…“ Weiter kam sie nicht, denn sie wurde rüde unterbrochen. „Private!“ Autoritäre durchschnitt die Stimme des Lieutenants den Gang. Mori zuckte merklich zusammen. Auch den Captain durch lief ein Schauer, allerdings ein heißer, erregender Schauer. Er stand auf Durchsetzungsvermögen. „Wissen Sie eigentlich, wen sie vor sich haben?“ Moris Schultern sackten nach unten. „Zwei Offiziere, die im Rang deutlich über ihnen stehen und sie wagen es, uns in unserem Gespräch so respektlos zu unterbrechen? Wer glauben sie, wer sie sind, sich so verhalten zu können? Und denken Sie nicht, dass es mich schert, dass sie die Adoptivtochter des Marshalls sind.“ Als der Leutnant fertig war, war der Private zu einem kleinen Häufchen zusammengesunken. „Verzeihen Sie Sir. Ich wollte nur sichergehen, dass dem Captain nichts passiert ist.“ Der Leutnant schnaubte. „Ich bin mir sicher, dass es dem Captain gut geht.“ Er beugte sich zudem Private vor. „Und sollte dem wiedererwarten nicht so sein, werde ich mich persönlich um ihn kümmern.“ Dabei zwinkerte er Raleigh zu, der leicht rot wurde, während Moris Kopf nach oben schnellte und sie nach Luft schnappte. „Was?“ fragte sie entsetzt, doch Chuck ignorierte sie bereits wieder. „Captain, ich denke wir sollten unseren Weg fortsetzen. Sie wollen bestimmt noch ein paar Sachen vorbereiten. Vielleicht kann ich Ihnen dabei behilflich sein?“ Raleigh nickte. „Sie haben recht. Lassen Sie uns gehen.“ Damit gingen die beiden Offiziere und ließen den Private zurück. Sie blieb noch einen Moment eingeschüchtert stehen, bevor sie sich zusammenreißen konnte und, mit aufkommender Scham über diese Demütigung und Wut auf diesen Leutnant, vorerst den Rückzug antrat.

Im Konferenzraum legte Raleigh seine Unterlagen auf einen der Beistelltische und besah sich das Chaos erst einmal. Chuck stellte sich neben ihn, um auch einen Blick auf die Papiere werfen zu können. Dabei trat er so dicht an den Captain heran, dass dieser die Hitze, die vom Körper des Lieutenants ausging, selbst durch ihre Uniformen wahrnahm. Und das machte ihn nervös. Fahrig blätterte er durch die Unterlagen und versuchte sie wieder zu ordnen, doch die unmittelbare Nähe des Lieutenants, macht das zu einem fast unmöglichen Unterfangen.
Mit wachsendem Interesse und Amüsement beobachtete Chuck die Reaktion des Captains auf seine unmittelbare Nähe. Schon auf dem Gang war ihm der Blonde aufgefallen, weshalb er nichts unternommen hatte, um den Zusammenstoß zu verhindern. Sein Vater hatte das natürlich mitbekommen und ihn entgegen seiner normalen Reaktion jedoch warnend angesehen. Er wollte ihm etwas damit sagen, doch was, das wusste er nicht genau. Aber er würde ihn später danach fragen. „Kann ich Ihnen vielleicht irgendwie helfen Captain?“ Raleigh drehte sich leicht zu dem Lieutenant und reichte ihm etwas zögerlich die Unterlagen, so als würde er nicht genau wissen, ob die Frage ernst gemeint war oder nur der Höflichkeit halber ausgesprochen wurde. Doch Chuck wollte ihm wirklich helfen. Also nahm er dem Captain die Papiere ab, besah sie sich kurz und ordnete sie dann entsprechend ihrer Reihenfolge. Anschließend reichte er sie wieder zurück. Erstaunt blickte Raleigh von seinen Unterlagen zu Chuck und wieder auf seine Unterlagen, bis er mit einem Lächeln wieder zum Lieutenant sah. „Vielen Dank Lieutenant.“ „Gern geschehen Captain.“ Chuck schenkte dem Captain ein Grinsen und trat einen weiteren Schritt auf ihn zu.
„So, da wir noch etwas Zeit haben… Die Kleine von vorhin steht voll auf sie, nicht wahr? Ist sie ihr Typ?“ Raleigh schüttelt nur mit dem Kopf. „Wieso nicht? Rein optisch betrachtet sieht sie nicht so schlecht aus.“ „Das ist es nicht. Ich stehe mehr so auf dunkelblond mit blauen Augen.“ Erschrocken schlug Raleigh die Hand vor den Mund. Das hatte er jetzt nicht wirklich gesagt. Chuck trat noch näher an ihn heran. Ein Grinsen zierte sein Gesicht. „Oh, jetzt enttäuschen sie mich aber mit diesem nullachtfünfzehn Beuteschema. Jetzt sagen sie nicht auch noch 90-60-90.“ Raleigh wurde rot, schüttelte aber heftig den Kopf. „So war das nicht gemeint.“ Versuchte er zurück zu rudern, doch Chuck ließ nicht so schnell locker. „Wie meinen sie es dann Captain?“ Hakte Chuck nach. „Also… das… nun ja, ich… wie soll ich sagen...“ Stotterte Raleigh überfordert. Chuck amüsierte sich prächtig dem Captain dabei zuzusehen, wie er versuchte, um den heißen Brei herum zu reden.
Er trat noch weiter auf den Captain zu, bis dieser wortwörtlich mit dem Rücken zur Wand stand. „Gehe ich recht in der Annahme, dass Frauen im Allgemeinen nicht so ihr Ding sind?“ Zuerst klappte Raleigh der Kiefer nach unten, bevor er noch röter wurde und zur Seite blickte. Chuck hat sich also nicht getäuscht. Er griff nach dem Kinn des Captains und drehte sein Gesicht wieder zu ihm. „Da bin ich genau ihrer Meinung. Würden sie heute mit mir zu Abend essen?“ Chuck grinste den Captain übermütig an. Raleigh bekam große Augen. „Meinen… meinen sie das ernst?“ Fragte er ungläubig nach. Chuck nickte. „So war, wie ich hier vor ihnen stehe. Also sagen wir so gegen 20 Uhr in meinem Quartier.“ Abwartend sah er den Captain an. Dieser brauchte einen Moment, bis er endlich nickte und ein Lächeln zeigte. „Sehr gern Lieutenant.“ „Schön und bitte nennen Sie mich doch Chuck, wenn wir unter uns sind.“ „Okay Chuck. Aber nur, wenn sie mich Raleigh nennen.“ Er lächelte ihn leicht verlegen an. Chuck grinste zurück.

Plötzlich sahen beide gleichzeitig zur Tür. Sie hatten wahrgenommen, dass sich das Stimmengewirr vor der Tür verändert hatte. Chuck trat zwei Schritte zurück und gab damit auch Raleigh die Möglichkeit, sich gerade hinzustellen. Er wunderte sich jedoch kurz, wieso auch Raleigh zur Tür geblickt hatte, aber wahrscheinlich war er einfach nur seiner Bewegung gefolgt. „Wir bekommen gleich Besuch.“ Fragend zog Raleigh eine Augenbraue nach oben. „Woher weißt du das?“ „Ich höre es.“ Dabei deutet der auf sein Ohr. „Aber wie…?“ Ungläubig startet Raleigh ihn an, dann fiel der Groschen. „Sie sind…, du bist ein Wandler.“ Chuck nickte. „Ein Wolfswandler, um genau zu sein. Ändert das etwas?“ Der Captain schüttelte den Kopf. „Nicht im Geringsten.“ Chuck grinste weiterhin, doch innerlich fiel ihm ein Stein vom Herzen, auch wenn er das niemals zugeben würde. Seinem Wolf war es wichtig, dass Raleigh ihn akzeptiert. Allerdings hatte er keine Ahnung warum. Er wurde von seinen Gedanken, durch das Eintreten Marshall Pentecost und seinem Vater, abgelenkt.
Beide wandten sich den ranghöheren Offizieren zu und salutieren. „Sir!“ Die beiden nickten und Marshall Pentecost sagte: „Rühren!“ Woraufhin Raleigh und Chuck ihre Haltung entspannten. Der Marschall wandte sich an Raleigh. „Captain, ist alles für die Konferenz vorbereitet?“ Der angesprochene nickte. „Natürlich Sir.“ „Sehr gut Captain. Allerdings gibt es eine kleine Änderung. Mr. Choi wird die Konferenz leiten. Sie können zu ihren Klassen zurückkehren.“ Verdutzt sah Raleigh den Marschall an. „Aber Sir, das Training wurde extra abgesagt heute.“ Ein kleines Lächeln huschte über das Gesicht des Marschalls. „Dann würde ich sagen, freuen Sie sich über ihren freien Tag. Lieutenant, sie auch. Beide abtreten.“ Sie salutieren noch einmal kurz, bevor sie den Konferenzraum verließen.
Draußen blieb Raleigh erstmal stehen. Er verstand nicht im Geringsten warum der Marschall so plötzlich Tendo die Leitung übergab, obwohl er seit Wochen darauf bestand das er die Leitung übernahm. Chuck sah ihm an, dass ihn etwas stutzig machte. „Was ist los Raleigh?“ Angesprochener wandte sich zu ihm. „Na ja, eigentlich dachte ich, dass ich den Marshall mittlerweile ganz gut einschätzen kann, aber das gerade eben passt nicht zu seinem sonstigen Verhalten. Seit Wochen besteht er darauf, dass ich diese Konferenz leiten soll. Und jetzt, kurz vor knapp gibt er Tendo die Leitung und ich habe plötzlich einen freien Tag, weil ich den Kadetten natürlich auch freigegeben habe. Das ist doch seltsam.“ Er schüttelte den Kopf. Chuck legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Keine Sorge, auch ich bin irritiert über diesen plötzlichen freien Tag, aber ich denke wir sollten die Gelegenheit nutzen. Oder kannst du dich an deinen letzten freien Tag erinnern?“
Raleigh setzte zu einer Antwort an, doch Chuck stoppte ihn. „Das war eine rein rhetorische Frage. Also komm, wir schmeißen uns in Zivil und du zeigst mir ein wenig von Hongkong. Einverstanden?“ Erwartungsvoll sah er den Captain an. Überrascht blickte Raleigh zu ihm. Es kam nicht oft vor, dass jemand seine Freizeit mit ihm verbringen wollte, außer Yancy und Tendo. „Was hast du Raleigh?“ Fragt Chuck nach, der bemerkte, wie überrascht Raleigh war. „Es ist nichts. Treffen wir uns in einer halben Stunde an der Anlegestelle?“ Er zeigte ein ehrliches Lächeln, welches Check beruhigte. Warum wusste er selbst nicht. „Wenn ich den Weg dahin finde, dann ja.“ Etwas verlegen kratzt sich Chuck am Kopf. Er hatte wirklich keine Ahnung, wie er zu der Anlegestelle kommen sollte. Im ersten Moment geschah nichts, dann fing Raleigh an zu lachen. Irritiert zog Chuck die Augenbrauen nach oben und verschränkte die Arme vor der Brust. „Was bitte ist daran so witzig?“ Frag Chuck verstimmt. Er konnte es auf den Tod nicht ausstehen, wenn man über ihn lachte. Sofort verstummte Raleigh und sah ihn betreten an. „Chuck ich… sorry, ich wollte dich nicht auslachen. Ich weiß auch nicht, warum ich gelacht habe. Es überkam mich einfach. Das letzte Mal ist schon eine ganze Weile her. Es tut mir wirklich leid.“
Entschuldigend legte er eine Hand auf Chucks Schulter. Seufzend löste dieser seine verschrecken Arme. Er konnte ihm nicht böse sein. „Schon gut.“ Er legte eine Hand auf die von Raleigh. „Danke. Ich hole dich in einer halben Stunde ab und wir gehen zusammen zur Anlegestelle. Okay?“ Chuck nickte. „Abgemacht. Bis gleich.“ Er drückte Raleighs Hand noch kurz, bevor er sich umdrehte und zu seinem Quartier gehen. Der Captain sah ihm noch kurz nach, bevor auch er sich zu seinem Quartier aufmachte, um sich umzuziehen. Pünktlich eine halbe Stunde später klopfte es an Chucks Tür. Neugierig warf er einen Blick durch den Türspion und bekam große Augen. Sah der Captain schon in seine Uniform extrem heiß aus, so war er jetzt die Versuchung in Person. Chuck juckt es in den Fingern Raleigh in sein Quartier zu zerren und ihn als ‚Sein‘ zu markieren. Ein leises Grollen entkam seiner Kehle. Erschrocken über sich selbst und seine Gedanken wich er von der Tür zurück. Was war nur mit ihm los? Sonst reagierte er nie so auf andere Männer. Was also war so anders an dem Captain? Vielleicht wusste sein Vater heute Abend Rat. Es klopfte erneut.
Er schüttelte kurz den Kopf, um diese seltsamen Gedanken abzuschütteln. Dann atmete er noch einmal tief durch und öffnete, mit einem Grinsen auf den Lippen, die Tür. Er musste erneut schlucken. Ohne die Verzerrung sah das Ganze noch einmal besser aus. „Hi!“ Brachte er heiser hervor und hielt sich am Türrahmen fest. Wie konnte dieser Kerl nur so stark wirken und gleichzeitig seinen Beschützerinstinkt so dermaßen ansprechen. Raleigh spürte, dass Chuck noch nicht ganz bei ihm war. „Hey Chuck, alles in Ordnung?“ Er blickte in die blauen Augen des Lieutenants. „Du bist irgendwie so komisch gerade.“ Chuck sah ihm ebenfalls tief in die Augen und dann sprudelte es aus ihm heraus. „Ich bin verdammt scharf auf dich und würde dich am liebsten jetzt gleich reinzerren und flachlegen. Mehrmals! Und dich dann als den ‚Meinen‘ markieren. Du solltest nur mir gehören.“ Völlig verdattert starrte Raleigh den im Türrahmen lehnenden Mann an und wurde puterrot. Chuck, dem gerade bewusstwurde, was er da von sich gegeben hatte, lief ebenfalls rot an, hielt dem Blick des Captains jedoch Stand. Zurücknehmen konnte er seine Worte ja eh nicht. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll, Chuck.“ Der Lieutenant trat einen Schritt vor. „Dann sag einfach nichts.“
Damit packte er ihn am Kragen seines Shirts und zog ihn in sein Quartier. Die Tür krachte laut ins Schloss. Raleigh spürte den kalten Stahl in seinem Rücken, als Chuck ihn dagegen drückte. Seine Arme wurden über seinem Kopf an die Tür gepinnt. Der heiße Körper, der sich an ihn drückte, stand im krassen Gegensatz zu der Kälte in seinem Rücken und ließ Schauer durch seinen Körper rieseln. Dann legten sich heiße Lippen fordernd auf seine und der Tanz begann. Chuck war dominant, forderte ihn jedoch zum mitzumachen auf und Raleigh tat es. Immer wieder kracht in ihre Münder aufeinander. Ihre Körper waren dicht aneinandergepresst, sodass kein Blatt mehr zwischen sie passte. Er konnte einfach nicht genug von diesem Mann bekommen. Mit der Zunge fuhr er über Raleighs Lippen, bat um Einlass in seinem Mund, der ihm ohne Zögern gewährt wurde. Raleighs Geschmack war atemberaubend. Eine Mischung aus Meer, dunkler feuchter Erde, Kiefernwäldern und seinem ureigenen Geschmack. Sie berauschte Chuck. Steigerte sein Verlangen nach diesem Mann nur noch mehr.
Er nahm seine Emotionen waren. Verwirrung, Unsicherheit aber auch Sehnsucht. Die vorherrschenden Gefühle allerdings waren Verlangen und Lust. Und doch spürte er, dass Raleigh noch etwas vor ihm zu verstecken versuchte. Atemlos löste er sich von dem Captain und sah ihm tief in die Augen. „Was versteckst du?“ Raleighs Augen weiteten sich unmerklich. Woher wusste Chuck das? „Nichts!“ Brachte stockend hervor. Doch Chuck grinste nur. „Das glaube ich dir nicht und ich werde es aus dir heraus kitzeln.“ Damit nahm er die Lippen des Captains abermals in Beschlag. Löste sich aber schnell wieder und begann sich an der Kinnlinie entlang zum Ort zu küssen. Sacht knabberte er an Raleighs Ohrläppchen, entlockte ihm damit ein leises Stöhnen. Das motivierte den Lieutenant dazu, seine Liebkosungen zu intensivieren. Langsam wanderte er vom Ohr hinunter zum Hals des Captains. Instinktiv drehte Raleigh seinen Kopf zur Seite, um ihm mehr Fläche zu bieten. Dabei legte er unwillkürlich seine Kehle frei. Das holte Chucks Wolf soweit an die Oberfläche, dass dieser, ohne groß nachzudenken seine Zähne an die freigelegte Kehle drückte. Da riss sich auch Raleighs Wolf endgültig los, denn so einfach wollte er es ihm nicht machen. Ein Ruck ging durch den Körper des Captains und ehe Chuck vollkommen begriffen hatte, was gerade geschah, krachte er auch schon auf den Boden, Raleigh über ihm, der ihn nun seinerseits unter sich festpinnte. Schwer atmeten beide ein und aus. Sogen den Duft des jeweils anderen in sich auf und Chuck wusste sofort, was Raleigh zurückgehalten hatte. Seine Augen wurden groß. Der Captain war ein Albino-Wolf! Deshalb hatte seinen Wolf so besitzergreifend auf ihn reagiert. Er hatte es nur nicht verstanden, weil er den Wolf nicht bemerkt hatte.
„Du bist ein Albino.“ Flüsterte er heiser. Raleigh nickte. „Wieso sollte ich das nicht wissen?“ Fragte er sanft nach. Einige Zeit blieb es still. Chuck sah und spürte, wie der Mann über ihn nach Fassung rang. „Raleigh. Du musst nicht immer stark sein. Ich bin für dich da. Du kannst mir vertrauen. Ich werde dir niemals weh tun. Bitte.“ Er spürte wie die Anspannung langsam von Raleigh abfiel und dessen Körper auf seinen sank. Der Captain verbarg sein Gesicht an Chucks Hals. Er spürte, wie die ersten Tränen in seine Augen tragen. Chuck roch die Enttäuschung und die Verletztheit, die der Albino erlebt hatte und er wurde wütend auf denjenigen, der ihm das angetan hatte. Doch er drängte sie zurück. Jetzt musste er ihn erst einmal beruhigen. Er löste seine Handgelenke aus Raleighs Griff. Zärtlich fuhr er die Arme entlang, hinunter zu seinen Schultern. Eine Hand begann beruhigende Kreisen auf dem Rücken zu malen. Die andere kraulte sanft den Nacken des Captains. Nach einiger Zeit waren die tonlosen Schluchzer abgeklungen und Raleigh hatte sich so weit beruhigt, dass Chuck sich traut ihn anzusprechen. „Was ist passiert, Honey? Wer hat dir das angetan?“ Flüsternd fragte er nach, dabei hielt er Raleigh weiterhin fest an sich gedrückt. Einen Moment lang zögerte der obenliegende Mann, dann begann er mit belegter Stimme zu erzählen.
„Es ist schon lange her. Ich war damals noch im aktiven Pilotendienst. Er war einer von Pentecosts Attachés. Das erste Mal sah ich ihn auf einer Einsatzauswertung. Damals versteckte ich meinen Wolf noch nicht, also wusste er gleich, dass ich ein Albino war. Im Verlauf der nächsten Wochen wurden wir Freunde, später dann ein Paar. Anderthalb Jahre lang dachte ich, wir seien glücklich. Ich war es. Zumindest bis zu dem Tag, an dem ich herausfand, dass ich nicht genug für ihn war und er mich die ganze Zeit über immer wieder betrogen hat.“ Raleigh unterbrach seinen Redefluss, um die aufkommenden Tränen zu unterdrücken. Chuck verstärkte seinen Griff um Raleigh, um ihm noch mehr Halt zu geben. Flüsterte ihm beruhigend zu. Stockend fuhr Raleigh schließlich fort. „Als ich ihn dann wütend zur Rede gestellt hatte, hat er mich nur ausgelacht. Sagte, dass er nur an der Prestige interessiert war, die mein Wolf im verschafft hat und dass ich doch sonst zu nichts… .“ Doch Chuck ließ ihn nicht ausreden, konnte er sich doch denken, was der Captain da an den Kopf geworfen bekommen hatte. „Hey, Stopp! Lass dir so etwas gar nicht erst einreden, denn das stimmt nicht.“ Er strich ihm durch die Haare und zog sein Gesicht zu sich, damit er ihn ansehen konnte. „Du bist besonders, einzigartig und wunderbar. Hörst du?“ Raleigh nickte und der Ansatz eines Lächelns zeigte sich auf seinem Gesicht.
„Darf ich dich küssen?“ Wollte der Lieutenant wissen. Wieder nickte der Captain und Chuck war erleichtert. Zärtlich tupfte er immer wieder kleine Küsse auf die Lippen des Captains. Zupfte sanft an dessen Mundwinkeln, bist Raleigh den Kuss schließlich zaghaft zu erwidern begann. Langsam bewegte sich ihre Lippen im Einklang miteinander, erkundeten sich. Kosteten den Geschmack des jeweils anderen. Zungen, die das andere Lippenpaar erkundeten und schließlich Einlass in die Mundhöhle des jeweils anderen fanden, begannen miteinander zu tanzen. Hände fuhren streichelnd die Körper entlang, tasten, suchten die empfindlichen Stellen des anderen. Zogen einander noch enger. Der Atem der beiden wurde schwerer. Ihre Pheromone schwängerten die Luft, bis sie voll Lust und Verlangen vibrierte. Hände schoben sich unter den Stoff der Shirts, über die warme Haut. Untersuchten deren Beschaffenheit und fuhren die Muskeln entlang. Sie streichelten sich sanft und fordernd gleichermaßen. Reizen sich immer weiter, bis sich ihre Welt plötzlich um 180 Grad gedreht hatte. Raleigh schnappte überrascht nach Luft, während Chuck leicht grinste und auch schon wieder die Lippen seines Captains in beschlagnahmen. Allerdings blockte er Raleighs versuche, den Kuss zu intensivieren, ab. Denn wenn sie jetzt weitermachen würden, könnte er sich nicht mehr zurückhalten. Denn Raleigh war nicht eine seiner üblichen One-Night-Stands. Er war das, was jeder Alpha im Grunde seines Wesens suchte, sein Gefährte. Aber nur die wenigsten fanden sich in ihrem Leben. Sie beide hatten dieses Glück und Chuck wollte, dass ihr erstes Mal etwas Besonderes war. Und das würde es definitiv nicht auf dem harten Fußboden seines Gäste Quartier sein.
Langsam zog sich Chuck zurück, stützte sich auf seine Unterarme und sah Raleigh intensiv an. Dieser erwiderte den forschenden Blick. Vorsichtig nahm Chuck das Gesicht des Captains in die Hände und streichelte sanft mit den Daumen über dessen Wangen. „Raleigh. Ray.“ Chuck lächelte während der untenliegende fragend eine Augenbraue hoch. „Ray?“ „Hmmm… so werde ich dich ab jetzt nennen. Mein Kosename für dich.“ Raleigh begann ebenfalls zu lächeln. „Ich dachte das wäre bereits Honey.“ Chuck stupste ihn mit der Nasenspitze an. „Auch. Und Schatz.“ Er küsste ihn auf die Stirn, „Liebling“, auf die Wange, „Geliebter“, auf die andere Wange. „Und ich hoffe, wenn du willst, irgendwann auch mein Mann.“ Raleigh wurde rot und fragte: „War das gerade ein Antrag?“ Chuck schüttelte sacht den Kopf. „Nein, den werde ich dir nicht machen, während wir hier auf dem harten Boden liegen. Der wird etwas Besonderes werden.“ Mit einem zärtlichen Kuss besiegelte er sein Versprechen. Schließlich erhob er sich und zog Ray einfach mit sich. Die Arme um Chucks Nacken geschlungen, sah dieser ihn glücklich an. „Was meinst du, wollen wir unsere Besichtigungstour starten oder bleiben wir hier?“ Wollte Ray wissen. „Ich denke Sightseeing wäre okay. Ein Tag an Land wird uns beiden guttun. Wie wäre es, wenn wir gleich dort zu Abend essen? Die Auswahl dürfte üppiger sein als hier.“ Ray nickte. „Gern. Ich kenne dort ein kleines Fischlokal, das richtig gut ist. Es liegt in einer Bucht direkt am Meer und von der Terrasse aus hat man einen wunderschönen Blick über die gesamte Bucht.“ Chuck strich ihm durch die Haare und meinte: „Dann steht unserem freien Tag ja nichts mehr im Weg.“ „Nein.“ Ray schüttelte den Kopf, griff nach Chucks Hand und zusammen machten sie sich auf dem Weg zur Anlegestelle.

In der Zwischenzeit saßen sowohl Yancy als auch Tendo in der Konferenz und fragten sich, wo Raleigh abgeblieben war. Sie hatten noch kurz ein paar Worte wechseln können, bevor Marshall Pentekoste die Konferenz eröffnet hatte und somit Ihre Aufmerksamkeit forderte. In der ersten Pause waren die beiden sofort beim Marshall und fragten ihn nach Raleigh. „Marschall.“ Yancy sah zu seinem Vorgesetzten und Freund empor. „Wieso leitet Tendo auf einmal die Konferenz und wo ist mein Bruder?“ Seit der Sache mit James wachte er mit Adlersaugen über seinen kleinen Bruder. Pentecost setzte zu einer Antwort an, doch Hercules Henson übernahm für ihn. „Ich fürchte daran bin ich schuld.“ sagte Herc und legte Stackert eine Hand auf die Schulter. „Marshall Hanson.“ Yancy und Tendo salutieren. Als sich die Blicke Yancys und des Marschalls kreuzten, fuhr ein Kribbeln durch den Captain. Die Welt stand für einen Moment still und drehte sich dann doppelt so schnell wieder weiter. Verwirrt schüttelte Yancy den Kopf. Ein wissendes Lächeln huschte über das Gesicht des Marshalls. Er hatte es schon bei Yancys Bruder gerochen. Die beiden Brüder waren ihre Gefährten. Auch wenn sie ihren Geruch gut getarnt hatten, er hatte es trotzdem wahrgenommen und auch sein Sohn sollte bald dahinterkommen. Er atmete noch einmal tief ein, um so viel wie möglich von Yancy Geruch aufzunehmen. Zufrieden stellte er fest, dass der Captain schon auf ihn reagierte.
Yancy fühlte sich auf einmal anders. Nicht schlecht, aber er wusste nicht, was es zu bedeuten hatte. Doch es hatte etwas mit dem Marshall zu tun. Sein Wolf heulte und zerrte unablässig an seinen Ketten. Doch er zwang sich dazu, zum eigentlichen Thema zurückzukommen. Er sah Henson herausfordernd an. „Wie meinen sie das?“ „Ich bat den Marschall ihren Bruder und auch meinen Sohn von der Konferenz freizustellen. Sie brauchen etwas Zeit für sich.“ Das brachte Yancy auch nicht weiter, weshalb er fragend die Augenbrauen hob. Herc lächelte leicht und wandte sich an Stackert. „Darf ich?“ fragte er leise. Pentecoste verdrehte nur die Augen. „Als könnte ich dich aufhalten, wenn du es darauf anlegst. Los verschwinde. Du bekommst von mir persönlich 20 Seiten Protokoll zum Lesen.“ „Von mir aus.“ Er wandte sich wieder zu Yancy. „Kommen Sie Captain, ich werde Ihnen alles in Ruhe erklären.“ Nicht auf eine Antwort warten, griff er nach Yancys Rollstuhl und schob ihn hinaus. Dieser protestierte zwar schwach, ließ es aber geschehen. Die Nähe des Marschalls fühlte sich viel zu gut an. Er achtete auch nicht darauf, wo der Marschall ihn hinbrachte. Er hatte die Augen geschlossen und genoss einfach.
Ein frischer Wind ließ ihn letztendlich doch die Augen öffnen. Sie waren auf der höchsten Aussichtsplattform. „Wie kommen wir hierher Sir? Diese Plattform ist eigentlich gesperrt.“ Fragend sah er Herc an. „Ich weiß. Aber die Aussicht ist atemberaubend. Außerdem schuldet mir Stackert jetzt nur noch drei Gefallen. Gefällt es dir?“ Yancy nickte nur und versuchte sich unauffällig nach oben zu stemmen, um über die Brüstung schauen zu können. „Warte.“ Eine warme Hand legte sich auf seine Schulter und plötzlich stand Herc neben ihm. Die Arme des Marshalls schoben sich unter seinem Körper. Es gelang Yancy noch schnell seine Arme um dessen Hals zu schlingen, bevor er auch schon hochgehoben wurde. Nach Luft schnappen, klammerte er sich an Herc. „Marschall! Was tun Sie da? Sie… ich…“ „Sieh mich an Yancy.“ Er sprach sanft und ein weiches Lächeln erhellte sein Gesicht. „Du spürst es, nicht wahr? Die Anziehungskraft zwischen uns. Auf dich habe ich mein ganzes Leben gewartet, genau wie mein Sohn auf deinen Bruder. Er wird ihm nichts tun.“ Verwirrt schüttelte Yancy den Kopf. „Ich verstehe nicht ganz. Ich bin…“ „Ein Albino.“ Unterbrach Herc ihn sanft. Die Kinnlade des Leutnants klappte nach unten. „Wie?“ stammelte er. Herc lachte leise. „Ach Yanc, ich bin schon etwas älter als ihr, habe mehr Erfahrung. Ihr habt euren Geruch gut versteckt, aber ihr seid noch jung. Bei Chuck hat es funktioniert, aber es wird nicht lange dauern, bis er es herausfindet. Er ist ein cleverer Junge und er weiß wie er sich zu verhalten hat. Du hättest die Funken zwischen den beiden sehen sollen. Das Neujahrsfeuerwerk ist nichts dagegen.“ Er machte eine kurze Pause.
„Was denkst du gerade Liebling?“ Yancy atmete ein paar Mal tief durch, dann sah er Herc an. „Um ehrlich zu sein, weiß ich gerade nicht, was ich denken soll.“ Herc nickte. „Ganz schön viel auf einmal nicht war. Ich hatte auch nicht erwartet, dich hier zu finden. Allerdings bin ich sehr froh darüber.“ Einige Zeit lang war es still. Jeder hin seinen Gedanken nach. Dann durchfuhr Yancy ein leichter Schauer und eine Gänsehaut bildete sich auf seinen Armen. Er selbst schien das Zittern gar nicht wahrzunehmen, dafür tat es Herc. „Lass uns in mein Quartier gehen. Du fängst an zu frieren.“ Yancy nickte nur. Vorsichtig setzte Herc ihn wieder in den Rollstuhl zurück und schob ihn in Richtung des Aufzuges. In seinem Quartier hob er Yancy wieder hoch und setzte ihn auf der Couch ab. Herc schnappte sich eine Decke und legte sie um den Captain. Er selbst setzte sich hinter ihnen und zog ihn an sich. Ihre Finger verschränkte er miteinander. Yancy ließ alles schweigend mit sich geschehen. Er war immer noch zu keiner vernünftigen Reaktion fähig. Was sollte er ihm auch groß sagen? Herc musste doch sehen, dass er nicht gut genug für ihn war. Der Marshall brauchte jemanden, der ihm alles geben konnte und nicht so jemanden wie ihn, der im Rollstuhl saß und auf fremde Hilfe angewiesen war.
Herc schmiegte sein Gesicht an Yancys Hals und atmete tief ein. Verwirrung, Wut und Selbstzweifel schlugen ihm entgegen, aber auch Angst. Doch für einige diese Gefühle sah Herc keinen Grund. Verwirrung und Angst ergaben einen Sinn. Die Selbstzweifel hoffte er Yancy nehmen zu können, hatte er schon eine Ahnung, in welche Richtung diese möglicherweise gingen. Allerdings konnte er mit der Wut des Captains nichts anfangen. Er konnte sich nicht vorstellen, worüber oder auf wen er wütend sein konnte. „Yancy.“ Er versuchte die Aufmerksamkeit des jungen Captains zu bekommen, doch noch immer bekam er keine Reaktion. Er versuchte es noch einmal. „Yancy, bitte sprich mit mir. Ich möchte dich verstehen und dir helfen. Ich bin für dich da. Bitte Yancy, sprich mit mir.“ Herc zog in noch etwas näher zu sich und schließlich brach Yancy das schweigen. „Wieso?“ Leise sprach er diese Frage aus. Es hörte sich zerbrechlich an, so sehr zitterte die Stimme des Captains. „Wieso?“ Wiederholte Herc die Frage, von der er nicht wusste, was Yancy überhaupt meinte, geschweige denn wie er sie beantworten sollte. „Ja, wieso?“ Erneut stellte Yancy die gleiche Frage. Diesmal schwang Wut in seiner Stimme mit. Jetzt war Herc wirklich verwirrt. Instinktiv aber zog Yancy enger an sich, um ihm Halt zu geben. „So leid es mir auch tut Yancy, ich kann dir nicht folgen. Was genau meinst du mit wieso?“ Er sprach ruhig und sanft. Nichts als ehrliches Interesse und Sorge konnte Yancy in der Stimme des Marschalls wahrnehmen und das verstand er nicht. Wie konnte sich jemand für einen Krüppel wie ihn interessieren? Sein restliches Leben würde er auf fremde Hilfe angewiesen sein. Und wenn Raleigh jetzt auch noch seinen Partner gefunden hatte, war er ganz allein. Natürlich würde er seinen Bruder nicht im Weg stehen. Er spürte, wie der Klos in seinem Hals immer größer wurde, bis sich der erste Schluchzer unaufhaltsam einen Weg nach außen bahnte.
Sofort zog Herc den jungen Mann auf seinem Schoß und wiegte ihn sanft hin und her. Was war nur mit Yancy los? „Shh… Liebling. Alles wird gut.“ Wie ein kleines Kind hielt er Yancy fest an sich gedrückt. So lange, bis er sich wieder beruhigt hatte. Dann hob er Yancy Kopf zu sich empor und sah ihn liebevoll, aber auch besorgt an. „Was ist mit dir Liebling, dass dich so aus der Bahn wirft? Hat dir irgendjemand wehgetan?“ Der Captain schluckte hart und erneut stiegen Tränen in ihm auf. Dabei dachte er selbst dieses Trauma überwunden zu haben. Wieso hatte es nach über zwei Jahren noch solch eine Macht über ihn? Haltsuchend klammerte er sich an Herc, der ihn noch fester an sich zog. Langsam, aber sicher breitete sich Hilflosigkeit und leichte Panik in dem Marschall aus, weil er nicht wusste, was genau mit seinem Gefährten los war und wie er ihm helfen konnte. Doch er wollte ihn zu nichts drängen und so wartete er weiterhin geduldig bis Yancy von sich aus zu erzählen beginnen würde. Er hielt ihn weiterhin fest in seinen Armen, liebkoste beruhigend seinen Nacken und flüsterte ihm Nichtigkeiten ins Ohr. Es dauerte eine ganze Weile, bis der Captain sich soweit beruhigt hatte, um wieder halbwegs sprechen zu können. Doch dann sprudelte es aus ihm heraus. „Er…, er hat gesagt, dass ich wert...los bin… und zu nichts mehr nutze… Das er einen Pflegefall wie mich… nicht gebrauchen kann… Ich habe Angst Herc. Wieso solltest du mich haben wollen? Jemanden, den du gar nicht kennst, wenn selbst meinen Ex mich nach 2 Jahren Beziehung SO nicht mehr haben wollte. Das ist doch vollkommen abwegig. Ich bin doch….“
„Yancy!“ Seine Stimme war ruhig, aber durchdringend. Vorsichtig zog er das Gesicht des Captains zu sich nach oben und sah ihm fest in die Augen. Yancy versank sofort in den beruhigenden, braunen Iriden, die so viel Stärke, Geborgenheit, Sicherheit und Wärme ausstrahlen. Er fühlte, wie er augenblicklich ruhiger wurde. Es war unbeschreiblich welche Wirkung der Marshall auf ihn hatte und der konnte nicht mehr leugnen, dass er sich zu ihm hingezogen fühlt. Sehr hingezogen. War das dieses Gefährtending? Wenn Herc das gleiche spürte wie er, war es klar, dass der Marshall sich um ihn sorgte. Dass er ihn beschützen und zu ihm stehen würde. Er konnte die Zuneigung spüren, die ihm von dem Älteren entgegengebracht wurde und er erwiderte sie. Es war Instinkt und doch so viel mehr als das. Als hätte er sein ganzes Leben nur auf den Marshall gewartet. Eine Hand legte sich federleicht auf seiner Wange. „Du spürst es, nicht wahr? Die Anziehungskraft.“ Yancy konnte nur nicken. „Ich könnte dir niemals weh tun, Yancy. Du bist perfekt, so wie du bist und ich werde an deiner Seite stehen, solange du mich haben willst.“ „Für immer.“ Erwiderte Yancy ohne Zweifel in seiner Stimme. Ein Strahlen schlich sich auf Hercs Gesicht. „Wenn du mich so lange ertragen kannst.“ Yancy nickte. „Ich glaube fest daran.“ Sanft nahm Herc das Gesicht seines Captains in die Hände. „Gut. Darf ich dich küssen?“ Wieder nickte Yancy und senkte seinen Blick auf Hercs Lippen. Dieser schaute Yancy noch ein letztes Mal prüfen an, bevor er den Abstand überwand und vorsichtig dessen Lippen berührte. Langsam bewegten sich ihre Lippen gegeneinander. Tastend erkundeten sie einander. Nahmen den berauschenden Geschmack des jeweils anderen in sich auf. Verlangen wallte in ihnen auf. Yancy schlang die Arme um den Hals des Marschalls, um sich näher zu ihm zu ziehen. Hercs Hände wanderten seinen Körper entlang und hoben ihn rittlings auf seinen Schoß. Ein Arm stützte seinen Rücken. Mit der anderen Hand wühlte er immer wieder durch die Haare des Captains.
Herc ließ sich an die Rückenlehne sinken, so dass Yancy sich an ihn schmiegen konnte. Was dieser nur zu gerne tat. Die Stärke des Körpers unter ihm versprachen Schutz und Halt, die Wärme Sicherheit und Geborgenheit. Auf all das hatte er jahrelang gewartet. Doch seit den Ereignissen von vor zwei Jahren, hatte er die Hoffnung fast aufgegeben. Jetzt war sie mit aller Macht zurück und verankerte sich fest in seinem Herzen. Wie hätte er auch seinem Gefährten widerstehen können. Dabei dachte er nicht nur an das Gefährtending, sondern auch an Herc selbst. Sein Körper war durch das harte Training geformt. Das markante Gesicht wirkte zwar streng, doch sah er die Zärtlichkeit in den Augen des Marschalls und wenn er ihn anlächelte, entspannten sich seine Gesichtszüge vollkommen. All das hatte er natürlich wahrgenommen, als Herc heute den Konferenzsaal betreten hatte. Er war ja weder blind noch taub und trotzdem hatte er sich dagegen gewehrt, aus Angst. War doch alles so unfassbar schnell gegangen. Binnen Stunden wurde sein Leben komplett auf den Kopf gestellt. Er hatte erfahren, dass sein Bruder seinen Gefährten gefunden hatte. Oder besser gesagt, der Gefährte seines Bruders hatte Raleigh gefunden. Dann wurde seine Gefühlswelt durch Herc auf den Kopf gestellt, wodurch die Ereignisse von vor zwei Jahren wieder hochkamen und ihm überrollten. Alles lief wie im Film noch einmal an ihm vorbei und überflutete ihn mit seinen damaligen Gefühlen. Durch die sich schnell aufbauende Verbindung zu seinem Gefährten hatte Herc seine Gefühle gespürt und durch die Pheromone, die er selbst abgesondert hatte, auch riechen können. Doch natürlich wusste Herc nicht um das ‚Warum?‘ und das musste ihm Angst gemacht haben. Kein Wunder bei all den negativen Emotionen. Erst nachdem er Herc im Groben erzählt hatte, was passiert war, konnte der Marshall ihm begreiflich machen, dass er trotz allem was ihm geschehen war, ein Recht darauf hat er geschätzt zu werden, geliebt zu werden. Dass er trotz allem begehrenswert war. Dass er geliebt wurde, von ihm. Das war im Moment das Wichtigste.
Herc genoss es, seinen Gefährten so nah bei sich zu haben. Seit er ihn gefunden hatte, brauchte er ihn wie die Luft zum Atmen. Wenn Yancy ihn abgelehnt hätte, hätte er nicht gewusst, was er machen sollte. Ein leichter Biss an seine Unterlippe lies Ihnen aufmerken. „Wo bist du mit deinen Gedanken, Herc?” fragte Yancy leise und hauchte noch einen Kuss auf die Lippen des Marschalls. Herc legte eine Hand an Yancy Wange und streichelte sanft mit dem Daumen darüber. „Ich habe darüber nachgedacht, dass ich nicht gewusst hätte, was ich gemacht hätte, wenn du mich nicht gewollt hättest.” antwortete Herc ehrlich. Yancys Augen weiteten sich unmerklich, bevor er beschämt sein Gesicht an Hercs Brust drückte. „Es tut mir leid.” hörte der Marschall die genuschelten Worte seines Geliebten. Er zog dessen Kopf wieder nach oben, damit er ihm in die Augen sehen konnte. „Yancy, es ist alles gut. Du brauchst dir keine Gedanken machen, um Dinge, die nicht geschehen sind. Du und ich, hier. Das ist das einzige was zählt. Verzeih mir meine düsteren Gedanken.” Damit zog Herc seinen jungen Gefährten erneut in einen Kuss und verhinderte damit effektiv jegliche Gegenworte. Wegen Luftmangels mussten sich die zwei letztlich doch voneinander lösen. Yancy konnte sein Grinsen nicht unterdrücken. Er war so glücklich und fühlte sich seit unendlich langer Zeit mal wieder vollkommen unbeschwert.
Ein plötzliches Grummeln riss beide aus ihren Gedanken. Für einige Augenblicke starten Sie sich nur gegenseitig an, bevor Herc lauthals anfing zu lachen. Yancy dagegen wäre am liebsten im Boden versunken. Sein Bauch war der Übeltäter und hatte laut geknurrt. Peinlich berührt wollte sich Yancy von Herc wegschieben, doch diese ließ ihn nicht los. Dem Captain, der mittlerweile einer Tomate Konkurrenz machte, bleibt nichts anderes übrig, als sich an Hercs Brust zu verstecken und ein bisschen zu schmollen. Herc, der sich wieder etwas beruhigt hatte, wuselte ihm durch die Haare und zog ihn wieder zu sich hoch. „Nicht schmollen Liebling. Lass uns lieber was essen gehen. Ich kriege auch allmählich Hunger. Kennst du einen guten Laden in Hongkong?” Yancy unterbrach sein Schmollen für einen Moment und hob seinen Kopf, um Herc anzusehen. „Du willst auswärts essen gehen?” Fragte Yancy etwas unsicher nach. Ihm spukte immer noch die Begegnung, die sein Bruder und er kurz nach ihrer Ankunft in Hongkong hatten, in seinem Kopf herum. „Natürlich will ich mit dir essen gehen. Außer du sagst mir jetzt, dass es nicht ein vernünftiges Restaurant in Hongkong gibt.“ Sagte Herc scherzhaft, behielt aber Yancy im Auge. Etwas an der Frage kam ihn nämlich komisch vor. Zögerlich setzte Yancy zu einer Antwort an. „Doch, es gibt schon gute Restaurants dort.” „Aber…” hackte Herc nach. Yancy zögerte, doch schließlich überwand er sich und erzählte seinem Marshall, warum er weniger begeistert war, auswärts zu essen. Nachdem er ihm erzählt hatte was passiert war, ließ er Herc Zeit das sacken zu lassen. Dieser konnte nicht nachvollziehen, dass die Menschen sie immer noch so sehr vor ihnen fürchteten, nach allem was sie für die Erde getan hatten. Er schüttelte nur mit dem Kopf. „Das ist unfassbar. Ich hoffe man hat diese Kerle weggesperrt!?“ Er zog Yancy wieder zu sich. Dieser nickte. Herc spürte die Bewegung an seiner Brust. „Dann ist ja gut.“ Der Marschall griff nach Yancys Kinn, um seinen Kopf sanft zu sich zu ziehen. „Würdest du trotzdem allem mit mir essen gehen? Ich werde dich vor allen beschützen. Das verspreche ich dir.“
Nach einigem Zögern stimmte Yancy schließen zu. „Wunderbar. Ich werde mich kurz umziehen, dann gehen wir zu dir und dann machen wir die Stadt unsicher. Vielleicht treffen wir auch deinen Bruder und Chuck. Er hat mir geschrieben, dass sie auch nach Hongkong wollten. Erst ein bisschen Sightsing und dann essen, in einem Fischrestaurant am Meer.“ Yancy horchte auf. „Dann weiß ich wo sie sind. Das ist... war mein Lieblingsrestaurant, vor dem Vorfall. Es ist wirklich sehr schön dort und schmeckt echt lecker.“ Herc legte eine Hand an die Wange seines Geliebten und zog dessen Gesicht erneut zu sich. „Wir werden es wieder zu deinem Lieblingsrestaurant machen. Einverstanden?“ Yancy war einen Moment lang verdutzt, bevor er zustimmend nickte. „Sehr gern.“ Herc stahl sich noch einen Kuss. „Gib mir fünf Minuten, dann können wir zu dir.“ Yancy stimmte lächelnd zu. Daraufhin löste sich der Marschall etwas widerwillig von ihm und ging in das angrenzende Schlafzimmer. Kurz darauf kam er in Jeans und Hemd zurück. Yancy pfiff ihm anzüglich hinter her, als er an ihm vorbei zu einer Kommode ging, um Portmonee und Telefon zu holen. Grinsend kam der Marschall wieder ihm. Er stützte sich auf die Armlehnen von Yancys Rollstuhl und beugte sich zu ihm hinab. „Gefällt dir was du siehst?“ Wollte der Ältere wissen. „Sehr!“ Flüsterte der Captain und zog ihn am Hemdkragen zu einem Kuss hinunter. Dieser wurde nur zu gern erwidert. Letztlich löste sich Yancy von seinem Geliebten, damit sie zu seinem Apartment gehen konnten. „Lass uns gehen. Sonst fallen wir noch vom Fleisch.“ Gab er schmunzelnd zu bedenken. Der Marschall nickte, konnte sich aber das Grinsen nicht verkneifen. Gemeinsam machten sie sich auf den Weg zu dem Appartement der Brüder und von dort aus zu Anlegestelle. Während der Überfahrt rief Herc seinen Sohn an und erklärte ihm, dass sie sich gegen 19 Uhr in besagtem Restaurant treffen würden. Allerdings erwähnte er Yancy mit keinem Wort. Sie wollten die beiden überraschen. Doch bis dahin hatten sie noch etwas Zeit und so schlenderten sie durch einen der großzügig angelegten Gärten Hong Kong's. Sie kamen als erstes im Restaurant an und ließen sich zu ihrem Tisch bringen. Etwas später führte der Kellner Chuck und Raleigh an den Tisch.

„Yancy,...“ „Dad,...“ Begannen beide gleichzeitig, was die beiden anderen schmunzeln ließ. Chuck und Raleigh sahen sich kurz an, bevor Raleigh Chuck anstupste, damit er wusste, dass er weiterreden sollte. „Also Dad, was ist hier los?“ An Raleigh gerichtet fragte er weiter, auch wenn er eine Ahnung hatte. „Wer ist das, Schatz?“ Raleigh strich ihm beruhigend über den Arm. „Keine Sorge, das ist mein älterer Bruder Yancy.“ Das Schmunzeln in seiner Stimme war nicht zu überhören. „Hmpf... Das wusste ich. Wollte nur wissen ob du es auch weißt.“ Stellte Chuck entschlossen fest. „Und habe ich den Test bestanden?“ Grinsend trieb Raleigh das Spiel weiter. Chuck riskierte einen kurzen Seitenblick auf seinen Captain bevor er antwortete. „Ja hast du.“ „Und was bekomme ich als Belohnung?“ Bei der Frage schmiegte sich Raleigh an seinen Geliebten und sah ihn erwartungsvoll an. Dieser brummelte kurz etwas Unverständliches, bevor er nachfragte: „Was willst du denn?“ Raleigh griff sich nachdenklich ans Kinn. „Hmm... ich glaube ein Kuss wäre angebracht. Meinst du nicht auch?“ Zuerst noch etwas zögerlich drehte sich Chuck zu Raleigh. Sein Grinsen konnte er jedoch nicht verbergen. „Bist du dir da ganz sicher?“ Zuversichtlich nickte Raleigh. „Dann sollst du deine Belohnung haben.“ Meinte Chuck. Dann legte sich ein Arm um Raleighs Hüfte, zog ihn an den starken Körper des Lieutnant. Die andere Hand verschwand im Haaransatz und hielt ihn sanft fest. Fordernt legten sich Chucks Lippen auf seine, verlangten sofortigen Einlass in dessen Mundhöhle. Raleigh zögerte nicht. Er öffnete seinen Mund, hieß die vorwitzige Zunge, die ihn neckte und zum Mitmachen aufforderte, willkommen. Und schon kurze Zeit später war Raleigh wie Wachs in den Armen des Lieutnants.
Herc grinste zufrieden und Yancy konnte die beiden einfach nur anstarren. Amüsiert beobachtete Herc das Schauspiel kurz, bevor er nach Yancys Hand griff und somit dessen Aufmerksamkeit bekam. „Na, was sagst du zu deinem zukünftigen Schwager? Sie passen doch sehr gut zusammen, oder?“ Yancy warf noch einmal einen kurzen Blick auf die beiden, bevor er sich wieder Herc zuwandte. Er grinste. „Ja, ich denke er ist ganz passabel. Aber den Vater des Schwagers finde ich noch viel besser. Außerdem finde ich es ungerecht, dass nur mein Bruder einen Kuss bekommt.“ Leicht lehnte er sich dem Marschall entgegen, doch dieser wollte ihn etwas necken. „Nun, wenn das so ist, werde ich Chuck bei Gelegenheit fragen, ob du auch einen bekommen kannst.“ Yancys Augen wurden groß, dann begannen sie zu funkelten. Blitzschnell griff er nach Hercs Hemd und zog ihn zu sich. „Untersteh dich!“ Sagte er und gab dem Marschall keine Chance zum Antworten, stattdessen verschloss er dessen Lippen mit seinen. Für einen Wimpernschlag war Herc überrascht, dann erwiderte er den Kuss. Fließend übernahm er die Führung, forderte Einlass in Yancys Mundhöhle, der ihm auch gewährt wurde. Eine Hand wanderte in den Nacken des Captains, kraulte liebevoll dessen Haaransatz. Die andere löste vorsichtig die Hand von seinem Hemd und verschränkte ihre Finger miteinander. Yancy ließ sich vollkommen fallen. Erst ein überraschtes Aufkeuchen ließ die beiden Aufsehen. Die Blicke der zwei anderen Männer war zum Schießen komisch. Völlig verdattert und mit offenen Mündern starrten sie sie an. Chuck war der erste, der sich wieder fing.
„Dad..., was?“ Er wusste nicht genau, wie er die Frage formulieren sollte. Herc fing an zu Grinsen. „Du willst wissen warum ich den Bruder deines Gefährten küsse, oder?“ Chuck konnte nur nicken. „Nun, weil er mein Gefährte ist, ganz einfach.“ „Er ist...“ Chuck war seit längerem mal wieder sprachlos. Er sah ein bisschen aus wie ein Fisch auf dem Trockenen. Herc und Yancy könnten sich ein Grinsen nicht verkneifen und auch Ray, der sich mittlerweile wieder gefasst hatte und seinem Bruder wohlwollend zunickte, konnte sich ein Schmunzeln nicht unterdrücken. Er griff nach Chucks Kinn und drehte sein Gesicht so, dass er ihn ansahen musste. „Hey, was schaust du so verwirrt? Das ist wunderbar. Wir alle haben an einem Tag unseren Gefährten gefunden.“ Er drückte ihm noch einen Kuss auf die Lippen, bevor er sich endlich setzte und Chuck mitzog. Dieser ließ sich einfach auf seinen Stuhl fallen. Er konnte das ganze immer noch nicht wirklich fassen. „Du hast das von Anfang an gewusst, nicht wahr? Deshalb hast du mich auf dem Gang so warnend angeschaut.“ Herc nickte leicht. „Bei euch habe ich es sofort gewusst.“ Er wandte sich an Raleigh. „Und das mit deinem Bruder habe ich geahnt. Sicher war ich aber erst, als ich ihn auf der Konferenz gerochen habe.“ Sanft strich er mit dem Daumen über Yancys Handrücken und sah ihn liebevoll an.
Sie wurden durch den Kellner unterbrochen, der ihre Bestellung aufnehmen wollte. „Einen doppelten Scotch ohne Eis.“ Sagte Chuck, ohne den Kellner auch nur anzusehen. Mit hochgezogenen Augenbrauen sah Raleigh seinen Partner an. „Ich muss das Ganze erstmal verdauen.“ Antwortete Chuck auf die unausgesprochene Frage. „Schon gut. Es war wirklich alles ein bisschen viel für einen Tag.“ Stimmte Raleigh zu und lehnte sich leicht an Chuck. Herc sah zufrieden von den beiden wieder Yancy. Dieser hatte sich so gut es ging an ihn geschmiegt. Also widmete er sich kurz dem Kellner. „Wir würden gerne noch eine Flasche Wasser und eine Flasche trockenen Rotwein bestellen. Einen aus Chile, wenn sie haben.“ „Sehr gern die Herren.“ Erwiderte der Kellner und machte sich auf den Weg, das Gewünschte zu bringen. In der Zwischenzeit waren alle vier dazu übergegangen die herbei gebrachten Speisekarten zu studieren.
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