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Tintenrache

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Elinor Fenoglio Meggie Orpheus Violante die Hässliche
25.08.2019
22.10.2019
8
7.461
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25.08.2019 589
 
Der Käsekopf
Orpheus war zu warm. Die Sonne verbrannte ihm den Kopf und er steckte bis zum Knie in festem Dornengestrüpp. Fluchend zerrte er die Hosen hoch und stapfte weiter. Die verfluchten Hosen. Sie waren ihm zu weit geworden, seid er fort gegangen war. Fort. Er gehörte in ein Haus. Zwischen dicke Mauern, die ihn vor der brennenden Sonne und dem krabbelnden Ungeziefer schützten. Die Käfer zerfraßen ihm die Kleider und die Sonne zerfraß ihm die Haut und den Verstand. Doch wie hatte es so kommen können? Wie hatte er so tief sinken können, dass er hier im Wald durch vertrocknete Dornen kroch und nicht in seinem großen Haus saß, bei seinen Mägden und einem fetten Essen in seiner Schreibkammer? Orpheus hätte all dies vielleicht behalten können, wenn er sich nicht den falschen Herrn gesucht hätte. Der Natternkopf. Ein unsterblicher Fürst, der sich von einem Räuber das Leben hatte entreißen lassen hatte. Ja, nun bereute Orpheus es, dem falschen gefolgt zu sein, doch das war lange her. Damals war er in die Berge geflüchtet und hatte nach langem umherirren ein Dorf gefunden. Hier hatte er alles verkauft. Seinen Glasmann, seine Stiefel und alles was er dem Natternkopf gestohlen hatte (besonders viel war das nicht, denn das meiste hatte sich der Däumling genommen). Nur die Bücher hatte er behalten. Die Bücher von Violante und ihrem Sohn Jacopo. In dem Dorf hatte er den Winter verbracht. Bei einem alten Ehepaar auf dem Hof, in einer Kammer, voller Ungeziefer, Dreck und Spinnenweben. Es war eiskalt gewesen und er hatte sich bibbernd unter einem dünnen, mottenzerfressenen Laken zusammengerollt, auf einem stinkenden Strohsack der nach Kuh, oder sonst einem Mistvieh roch. Er war dünn geworden in diesem Winter. Vor lauter Kälte, war sein Verstand vernebelt gewesen und die Bücher hatten ihm weder saftige Hänchen keulen, noch heiße Kartoffeln offenbart. Ein paar Knochen hatte er zu Stande gebracht, nichts als ein paar Knochen. Im Frühling war er weiter gezogen. Durch die Wildnis. Von Ort zu Ort. Zwei Jahre lang. Er hatte viel geflucht in dieser Zeit. Auf die Feen die ihm in die Haare flogen, in der leisen Hoffnung auf eine blassblonde, dünne Sträne. Auf seine Brille hatte er geflucht, die von Tag zu Tag stumpfer wurde, weil er sie sich zerkratzte. Auf die Sonne, die ihn blendete, auf die Hitze, die Kälte, die Dunkelheit, die Dornen, die Bäume (edweder sie waren da und er stieß sich daran,  oder sie waren nicht da und er bekam einen Sonnenstich, weil ihm nichts und niemand Schatten bot), seinen Verstand der immer wahnsinniger zu werden schien, auf seine geschwollenen Füße, auf seine kurzen Beine, die zu weiten Hosen, auf seinen fehlenden Leibwächter, die zerrissene Tasche und seine plumpen, ungelenken Schritte, die viel zu langsam waren. Ja, es war ihm immer etwas eingefallen. Auch Gesichter waren durch seinen vernebelte Verstand gehuscht. Verschwommene Gesichter und Namen. Eicheläher. Staubfinger. Er erinnerte sich nicht. Nur an Rache konnte er denken. Ja! Er würde sich für all die quälenden Stunden im Wald rächen. So war er weiter geirrt. Durch Gestrüpp und armselige Dörfer. Er wusste nicht, wo er hin ging. Manchmal huschte ein Wort durch seinen Kopf. Ombra. Er kannte es nicht, doch er wusste, dass er dorthin wollte. Ombra klang nach Rache.

Hey. Ich hoffe, dieses erste Kapitel von Tintenrache hat euch gefallen und ihr seid nicht all zu sauer, dass Orpheus nicht (wie Elinor gehofft hatte) in den Bergen verhungert ist. Ich versuche die nächsten Kapitel so regelmäßig wie möglich hochzuladen und hoffe doch, dass ihr die auch lest.
 
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