Soul cut

von ao-chan21
GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Albus Dumbledore Draco Malfoy Harry Potter Hermine Granger Ronald "Ron" Weasley Severus Snape
25.08.2019
15.09.2019
4
18587
26
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Dieses Kapitel
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Hallo.

Dies ist ein Wunsch-OS, da Drachen-Fan die 400 bei UW vollgemacht hat.

Heutiger Auftraggeber: Drachen-Fan

Pairing: Draco x Harry

Genre: Romanze mit Happy End, P 18-Slash (kann, muss nicht)

Gewünschte Handlung: Sie sollen aneinandergebunden sein und ihr weiteres Leben miteinander verbringen müssen und es gibt keinen Ausweg. Beschrieben werden soll die Anfangszeit, wie sie es schaffen müssen zusammen klarzukommen.

Beta: Drachen-Fan

Kleine Anmerkung: Ich halte mich in dieser FF an die Geschehnisse aus dem Buch und nicht aus dem Film.


Ich bin schon wieder da! :) In den letzten Tagen hat mich die Schreibwut gepackt und ich habe diese "kurze" FF mit 22 Kapitel fertig geschrieben. Macht euch gefasst auf viel Blut, Angst und Drama.
Upload jeden Sonntag.



Eigentlich sollte Harry gelangweilter von einem Buch über Zaubertränke sein. Eigentlich. Doch Harry konnte die Finger nicht von dem zerfledderten Buch des Halbblutprinzen lassen, das er inzwischen wie seinen Augapfel hütete. Gut, der Vergleich hinkte, weil sein Auge fest mit seinem Körper verwachsen und das Buch eben nur ein mit Notizen vollgeschmiertes Schulbuch unter vielen war. Trotzdem achtete Harry darauf, dass er es nicht verlor, so wie er gerne mal Socken verschlampte und deswegen immer mal wieder farblich unterschiedliche anziehen musste.

Das Buch hatte ihm den Hals gerettet. Auch wenn er immer der Überzeugung gewesen war, dass er nur so schlecht in Zaubertränke war, weil Snape ihm zu gerne schlechte Noten reindrückte, so hatte er es auch bei Slughorn nicht einfacher. Es war ein wahrer Kampf gewesen auch nur im Ansatz mit den anderen Schülern mitzuhalten, bis er sich ganz auf das abgenutzte uralte und vollgekritzelte Schulbuch verlassen hatte. Seitdem strich er eine gute Note nach der anderen ein.
Es machte Spaß in dem Buch zu schmökern und die, zum Teil, sehr bissigen und ironischen Kommentare zu lesen. Egal wem das Buch mal gehört hatte, er hatte seinen Zaubertranklehrer auch nicht ausstehen können, was in Harry sofort Sympathie wachkitzelte.

„Harry?“, fragte Ron und steckte den Kopf zwischen den Vorhängen hindurch.
„Hast du die Hausaufgaben in Verwandlung gemacht?“

Bestätigend nickte Harry und legte einen Pergamentfetzen zwischen die Buchseiten, welchen er als Lesezeichen benutzte, und klappte es zu. Inzwischen notierte er sich die kleinen Zauber, die hier und da mal standen. Sectumsempra hörte sich nach etwas an, das er sich, besonders in diesen Zeiten, merken sollte. Auch an Levicorpus war nichts Falsches, auch wenn er sich nicht sicher war, wie er einen Feind wirklich unschädlich machen sollte, wenn er kopfüber von der Decke baumelte. Wenigstens hatte es Ron aus den Federn gebracht, als Harry ihn auf ihn angewendet hatte. Etwas zu haben, das Ron aufweckte, war nie falsch, da er selbst dann friedlich schlief, wenn man neben ihm ein Feuerwerk anzündete – Fred und Georges Worte, die es sicherlich auch mal ausprobiert hatten.
„Kannst sie gerne abschreiben“, sagte Harry, kramte in seiner Schultasche rum und gab Ron die angeknickte Pergamentrolle.
„Je mehr du es abänderst, desto richtiger wird es wahrscheinlich werden.“
Und das war wahr. Harry hatte sich so einigen Blödsinn über die Knochendichte in menschlicher und tierischer Form aus den Fingern gesaugt.

„Danke“, brummte Ron erleichtert, setzte sich an den Schreibtisch und begann Harrys Aufsatz großzügig zu kopieren.

Harry hingegen zog sich wieder hinter seinen Vorhang zurück, schlug die Seite mit seinem Merkzettel wieder auf und notierte einen weiteren Zauber, der neben einem Trankrezept gegen Schlangenhaut stand. Ein wenig angewidert betrachtete Harry die ziemlich bildliche Zeichnung gegen was der Trank eingenommen werden musste. Der Halbblutprinz konnte nicht nur mit hilfreichen Tipps aufwarten, sondern auch erstaunlich gut zeichnen. Der Respekt für den Schüler vertiefte sich.

‚Conscidisti Anima‘, krakelte Harry unter Levicorpus. Hörte sich sehr nach einem Verwandlungszauber an und Harry betrachtete nochmals die Tintenzeichnung des Gesichts, dessen Hälfte das einer Schlange war. Oder eher die Schuppung einer Schlangenhaut aufwies. Vielleicht bezog sich die Zeichnung doch nicht auf den Trank, sondern auf den Zauber und Harry schrieb hinter den Zauberspruch: ‚Schlangenzauber‘, um sich daran zu erinnern, was er mit ihm bewirken konnte.

Mit der Feder zwischen den Zähnen blätterte Harry weiter und strich mit den Fingern andächtig über weitere notierte Zauber auf den Seitenrändern, die nur darauf warteten benutzt zu werden, ehe er sie notierte.



Mehr aus Gewohnheit, als aus einem inneren Impuls, hatte Harry die Karte des Rumtreibers auf dem Weg zum Abendessen kontrolliert. Und es überraschte ihn ungemein, dass Malfoy erstens, nicht mit Goyle und Crabbe rumhing und zweitens, dass er sich nicht wieder hinter der Tür im siebten Stock verschanzt hatte. Malfoys Name war ein Stockwerk unter dem seinigen und verharrte im Mädchenklo der Maulenden Myrte. Kurz schüttelte Harry das Blatt, um eine Fehlfunktion auszuschließen, doch der Name und der Punkt verharrten stoisch an derselben Stelle.

Noch immer wusste Harry nicht, was Malfoy in dem Raum der Wünsche trieb. Er hatte nicht mal einen blassen Dunst, ob er dort Rosen zog oder ein wirklich krummes Ding ausheckte. Das einzige, was er mit Sicherheit wusste war, dass Malfoy das Dunkle Mal hatte, auch wenn er es nie mit eigenen Augen gesehen hatte und dass er einfach ein gemeiner Kerl war, dem man so einiges zutrauen konnte. Soweit war Harrys Wissenstand.

So schnell Harry konnte folgte er Malfoys Namen ein Stockwerk tiefer. Malfoys Punkt hatte sich noch immer nicht wegbewegt, als Harry den Gang entlangeilte. Unsicher starrte Harry den Fleck mit Malfoys Namen an, doch es konnte kein Zweifel geben. Er war definitiv das Mädchenklo, auf welches kein Mädchen mehr einen Fuß setzte, und schon zweimal kein Junge, denn wer wollte sich schon Myrtes Jammern anhören oder mit dreckigem Klowasser bespritzt werden? Doch entweder mochte Malfoy es, Myrtes Klagen zu hören, er stand auf Klowasser (was Harry beides wirklich bezweifelte) oder aber es befand sich etwas anderes auf dieser Toilette. Siedend heiß fiel Harry ein, dass es dort noch immer den Eingang zur Kammer des Schreckens gab und irgendwie keimte in ihm der zwingenden Verdacht auf, dass Malfoy einen weiteren Basilisken züchtete, weswegen er losrannte, um Malfoy mit dem Monster auf frischer Tat zu ertappen. So weit hergeholt war das schließlich auch nicht. Wenn Voldemort einmal einen Basilisken benutzt hatte, warum sollte er die Idee dann kein weiteres Mal aufwärmen und Malfoy dafür nutzen?

Behutsam drückte Harry, den Zauberstab fest in der Hand, die Klotür auf und hörte Malfoy. Er weinte. Er jammerte und Myrte versuchte ihn zu trösten. Scheinbar mit wenig Erfolg, denn Malfoy weinte nur noch heftiger. Leise schlich Harry sich näher, sah Malfoy an einem der Waschbecken, wie er die Hände auf dem Rand abstützte, ein weiterer Schluchzer schüttelte seine Schultern, ehe er den Kopf hob, vielleicht hatte Malfoy ihn gehört, und ihre Blicke kreuzten sich. Kurz wirkte Malfoy, als ob er einfach wieder den Blick senken würde, doch dann wirbelte er herum, den Zauberstab in der Hand und der nonverbale Fluch verfehlte Harry nur knapp. Reflexartig ließ Harry sich fallen, die Zaubersprüche des Halbblutprinzen kamen ihm in den Sinn und er versuchte es mit einem Levicorpus, um Malfoy handlungsunfähig zu machen, doch Malfoy parierte mit beneidenswerter Leichtigkeit, ehe er einen weiteren Zauber nach Harry warf. Etwas zerplatzte ohrenbetäubend hinter ihm und Myrte kreischte. Sie kreischte wie am Spieß. Harry versuchte es verzweifelt mit einem Beinklammerfluch und bemerkte beklommen, dass Malfoy ihm mindestens ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen war. Inzwischen schwamm der Boden vor Wasser, Harry drückte sich hoch, rutschte aus und strauchelte und hörte Malfoy schreien: „Cruci…“

Das konnte nicht Malfoys Ernst sein! Ein Unverzeihlicher Fluch. Selbst wenn er Harry damit nicht umbrachte, wusste Harry sehr wohl, welche Schmerzen es bedeutete. Als ob man in ein Meer aus brennenden Schlangen geworfen wurde, die ihre glühenden Zähne in einem versenkten.
„Conscidisti Anima“, brüllte Harry den Zauberspruch, den er in seinem Zaubertrankbuch gefunden hatte und hatte keine Ahnung, warum er seinen Zauberspruch schneller hatte aussprechen können, als Malfoy seinen kurzen Folterfluch, aber der Zauber traf Malfoy. Es geschah nichts. Irgendwie hatte Harry mit etwas Blutigerem gerechnet und er spannte sich an, um einen Sectumsempra hinterherzuwerfen, als Malfoy der Zauberstab zwischen den Fingern hindurchrutschte und leise ins Wasser platschte. Malfoys Ausdruck schien wie versteinert. Die Augenbrauen waren zusammengepresst, der Mund offen und die Augen loderten vor Zorn, aber sein Körper erschlaffte zusehends. Seine leere Zauberstabhand senkte sich, die Hand vom Waschbeckenrand löste sich und Malfoy sackte zusammen. Es floss kein Blut. Da war einfach nichts und langsam entspannte sich auch Malfoys Gesicht, während sein Körper zur Seite sackte und ins Wasser fiel.

„Mord!“, kreischte Myrte. Harry rappelte sich schwer atmend auf und trat zu Malfoy, der bewegungslos dalag, die weißblonden Haare trieben im Wasser und er atmete ruhig. Seine Brust hob und senkte sich, während seine Augen halb geschlossen waren.

„Malfoy?“, fragte Harry und begriff bestürzt, dass er etwas Furchtbares getan haben musste. Malfoy hatte sich nicht in eine halbe Schlange verwandelt, wie er gehofft hatte. Er hatte nicht mal sichtliche Verletzungen und Harry ging bei ihm in die Knie, berührte die knochige Schulter.

„Mord! Mord! Mord!“, kreischte Myrte so schrill, dass das Wasser um sie herum Wellen schlug.

Es war Snape, der sie gehört zu haben schien. Die Tür wurde aufgestoßen, Snape rannte herein, kniete sich neben Malfoy und drehte ihn herum. Seine dünnen weißen Finger jagten über Malfoys Körper ohne ihn anzufassen, ehe er hasserfüllt den Blick hob.
„Was haben Sie getan, Potter?“, herrschte Snape ihn an und Harry war versucht zu leugnen, da Malfoy sichtlich nichts fehlte.
„Conscidisti Anima?“, brüllte Snape ihn an und Harry nickte mechanisch, bevor er sich davon abhalten konnte. Snape brüllte nie. Er wurde nur unangenehm leise, wenn er wütend war. Ein brüllender Snape war da ein ganz anderes Kaliber und ihm wurde kalt.
Bevor er sich verteidigen konnte, packte Snape ihn an den Haaren, riss seinen Kopf nach vorne und Harry schrie vor Schmerz auf. Seine Stirn schwebte knapp über Malfoys Oberschenkel und er spürte Snapes Zauberstabspitze tief in seinem Nacken. Panik ergriff ihn. Würde Snape ihn umbringen?

„Mord!“, kreischte Myrte wieder.

„Professor“, murmelte Harry und stürzte sich mit einer Hand in dem kalten Wasser ab und mit der anderen auf Malfoys Oberschenkel. Er wehrte sich gegen die Hand, doch Snape drückte ihn unbarmherzig weiter runter.

„Ruhe!“, donnerte Snape, Myrte verstummte und Harry grub seine Finger in Malfoys Oberschenkel. Sicherlich musste es wehtun, doch Malfoy wehrte sich nicht dagegen.
„Anmia“, murmelte Snape, wiederholte das Wort wieder und wieder, während seine Stimme ein leiser Singsang wurde, er die Stabspitze sehr langsam aus Harrys Nacken zog, sie langsam über Malfoys Oberkörper führte und die Hand aus Harrys Haar nahm. Es schmerzte, aber als Harry reflexartig hin fasste, war da kein Blut. Dafür glaubte er eine blutrote hauchdünne Schnur an Snapes Stabspitze schimmern zu sehen. Noch immer sang Snape, flocht andere Worte ein, die Harry noch nie gehört hatte, wälzte Malfoy auf die Seite und legte die Stabspitze, wie eben bei Harry, in Malfoys Nacken. Es geschah nichts, außer dass Snapes Gesang lauter wurde, gespenstisch von den Kacheln des Bads zurückgeworfen wurde, ehe er verstummte und man nur noch das Tropfen und Rauschen des austretenden Wassers hören konnte.

„Was war das?“, fragte Harry und starrte zu Malfoy runter, der mit geschlossenen Augen und scheinbar bewusstlos im Wasser lag.

Snapes durchdringender Blick bohrte sich unnachgiebig in seine Augen. Wenn Harry eine Antwort erwartet hatte, so hatte er sich getäuscht.
„Aufstehen!“, herrschte Snape ihn an und Harry rappelte sich hoch. Seine vollgesogene Kleidung triefte und er roch streng. Das war nicht nur Frischwasser, in welchem sie gerade standen.
„Mitkommen!“, ordnete Snape an und hob Malfoy ohne erkennbare Mühe hoch.

„Sir, Malfoy hat angefangen!“, verteidigte Harry sich, während Snape die Toilette verließ und mit großen Schritten durch die Gänge schritt. Alle Schüler waren beim Abendessen in der Großen Halle und es kam ihnen niemand entgegen.

„Ruhe!“, bellte Snape und Harry umfasste seinen Zauberstab fester, während er versuchte mit Snape schrittzuhalten. Harry war davon ausgegangen, dass sie in den Krankenflügel gingen oder in Snapes Büro, aber er irrte sich. Snape wusste scheinbar genau wo er hinwollte, denn er führte sie zügig durch die Gänge, bis Harry begriff wohin sie gingen. Direkt zu Dumbledors Büro. Ganz sicher war Harry sich nicht, ob das gut oder schlecht für ihn war, aber Professor Dumbledore würde sich auch seinen Teil der Geschichte anhören, im Gegensatz zu Snape. Für Snape war er jetzt schon schuldig, obwohl er sich nur verteidigt hatte.

„Severus. Harry“, begrüßte Dumbledore sie, als sie reinkamen. Er schien kein Stückchen überrascht, dass sie hier waren. Auch nicht, dass Snape den immer noch bewusstlosen nassen Malfoy auf das Sofa legte. Ob Dumbledore jemals etwas aus dieser Gleichmut bringen würde?

„Hinsetzen“, befahl Snape Harry und dieser steuerte den Stuhl am Schreibtisch an, auf dem er immer saß.
„Nicht da hin!“, fuhr Snape ihn an und deutete auf den Sessel, der der nächste zu Malfoys Körper war. Mürrisch, da er so herumgeschuppst wurde, gehorchte Harry und ließ sich auf die Sitzfläche fallen. Noch immer tropften sie, als wären sie gerade bekleidet schwimmen gegangen und Harry war sich sicher, dass er die Garnitur zerstörte.

„Was ist geschehen?“, wollte Dumbledore wissen und trat zu Malfoy. Interessiert betrachtete er sein Gesicht, schob seine Hand in Malfoys Nacken, ehe sein wissender Blick sich auf Harry richtete. Irgendwie war Harry klar, dass Dumbledore nun alles wusste, was er wissen musste. Er brauchte keine weiteren Erklärungen mehr.

„Ich habe Mister Malfoy so gefunden“, erklärte Snape und verschränkte die Arme vor der Brust, während er Harry sichtlich versuchte, nur mit Blicken zu töten.

„Malfoy wollte mich verfluchen!“, rief Harry.
„Er hat einen Cruciatus anwenden wollen.“
Mit Genugtuung sah Harry, wie Snapes Gesicht kurz erschlaffte. Das hatte er nicht gewusst. Sein kleiner Liebling Malfoy hatte sich strafbar gemacht. Immerhin war dieser Fluch verboten und das was Harry gemacht hatte, hatte Malfoy nicht mal körperlich geschadet. Ihn nur zusammenbrechen lassen.

„So“, machte Dumbledore und setzte sich hinter seinen Schreibtisch. Sinnierend legte er die Fingerspitzen zusammen und blickte abwechselnd auf Harry und auf Malfoy.

„Er hat mich angegriffen!“, rief Harry, der irgendwie den Eindruck gewann, dass er etwas Wichtiges übersah. Wollten sie ihn etwa rauswerfen? Aber wenn er rausflog, dann wohl auch Malfoy, oder? Aufgebracht stand er auf und wollte zu Dumbledores Tisch treten.

„Hinsetzen!“, fuhr Snape ihn an, kaum dass er auf den Beinen war.

„Aber ich …“

„Hinsetzen!“, wiederholte Snape drohend und da Dumbledore ihm nicht helfend zur Seite sprang, ließ Harry sich zurück auf seinen Platz fallen und umklammerte seinen Zauberstab.

„Welchen Zauber hast du benutzt?“, wollte Dumbledore wissen und Harry musste kurz überlegen. Er war sich gar nicht mehr so sicher.

„Conscidisti Animgi?“

„Conscidisti Anima“, korrigierte Snape ihn zischend und Dumbledore seufzte leise. Auf einmal wirkte er alt und angeschlagen und er fuhr sich über die schwarze Hand.

„Danke, Severus. Informiere doch bitte die Eltern von dem jungen Draco Malfoy. Sie sollten wissen, was passiert ist.“

Kurz wirkte es so, als ob Snape widersprechen wollte, doch dann drehte er ab und verschwand dramatisch und mit rauschendem Umhang durch die Tür. Es wäre bühnenreif gewesen, wenn seine Schuhe dabei nicht schmatzende nasse Geräusche gemacht hätten.

„Ich habe mich nur verteidigt, Sir“, wiederholte Harry, wollte aufstehen und sich zu Dumbledore setzten, doch dieser deutete ihm mit seiner gesunden Hand an sitzenzubleiben, erhob sich selber und nahm auf dem Sessel neben Harry Platz.

„Ich bin mir sicher, dass du ehrenhaft gehandelt hast.“
Das erleichterte Harry. Er würde also nicht der Schule verwiesen werden.
„Ist dir klar, was das für ein Zauber war, den du angewendet hast?“

„Nein“, gestand Harry ein und kam sich dumm vor, einfach so einen Zauberspruch aus einem Buch benutzt zu haben, ohne zu wissen, was er auslöste. Aber immerhin hatte er keinen Sectumsempra benutzt, denn der war ja augenscheinlich und explicit für Feinde gewesen. Wer wusste schon, was der angerichtet hätte?

„Woher hast du den Zauberspruch?“

Kurz war Harry versucht zu lügen. Die geheime Wissensquelle aus seinem Buch zu schützen, um weiterhin so spielerisch gute Noten in Zaubertränke zu bekommen, aber das hier war Dumbledore. Er konnte und wollte nicht lügen.
„Aus einem alten Schulbuch, Sir. Ich habe eines von Professor Slughorn bekommen und der Schüler vor mir hat helfende Tipps und eben auch einige Zaubersprüche notiert.“

„Verstehe.“
Bedächtig nickte Dumbledore und Harry hatte keine Ahnung, was man daran verstehen konnte, aber er fragte lieber nicht nach.
„Du musst es mir bei Gelegenheit zeigen.“

Obwohl Harry nicht wollte, stimmte er zu und blickte wartend in das faltige gütige Gesicht.
„Kann ich gehen, Professor?“

„Nun, Harry“, sinnierte Dumbledore und sein Blick wanderte zu Malfoy, der noch immer keinen Mucks von sich gegeben hatte, außer dem leisen beständigen Tropfen auf den Teppich unter ihm, „so leicht ist das leider nicht.“

Wurde er doch raugeworfen? Bekam er Ärger?
„Sir?“

„Den Zauberspruch, den du auf Mister Malfoy angewendet hast, ist ein sehr schwerwiegender Zauber.“
Erschrocken blickte Harry zu Malfoy. Hatte er ihn etwa in ein unumkehrbares Koma gehext? Das war fast sowas wie Mord. Myrte schien recht gehabt zu haben.
„Er hat ihm körperlich nicht geschadet“, beruhigte Dumbledore ihn. „Nur … Wir Zauberer unterscheiden uns körperlich nicht von Muggeln. Das einzige, das uns unterscheidet, ist die Magie, die wir wirken können. Einige Heiler vertreten die Auffassung, dass sich unsere Magie im Gehirn bündelt und wir einfach eine Anomalie in der Evolution sind. Andere sehen es als die Seele eines Zauberers an. Aber wie man es auch nennt – es gibt es und es verleiht uns unsere Magie.“

„Sir?“, fragte Harry, der nicht verstand, warum Dumbledore ihm diesen Vortrag hielt. Es gab so viel Wichtigeres. Die Horkruxe zum Beispiel. Oder hatte das etwas mit den Horkurxen zu tun und Dumbledore würde gleich einen Bogen schlagen?

„Conscidisti Anima“, fuhr Dumbledore fort und lehnte sich ein wenig nach vorne, „ist ein schwieriger Zauber, der sich auf die Seele, diesen Magiekern, des Zauberers bezieht. Du hast Mister Malfoy nicht körperlich verletzt, aber du hast durch deinen Zauberspruch seine Seele angeritzt. Du hast nicht gut gezielt, sonst hättest du sie zerfetzen können. Es war nur ein kleiner Schnitt.“

„Heißt das, dass Malfoy nie wieder zaubern kann?“, fuhr Harry alarmiert dazwischen. Das war schlimmer, als wenn Malfoy ihm einen Cruciatus auf den Hals gehetzt hätte.

„Nein“, beruhigte Dumbledore ihn sofort.
„Professor Snape war zur Stelle und hat diesen Riss schließen können, allerdings …“
Mit der gesunden Hand fuhr Dumbledore durch die Luft und um seine Finger zeigte sich ein hauchdünner roter Faden, der in der Luft schwebte, sich sanft und träge bewegte und verschwand, sobald er die Hand wegzog. Harry blinzelte, bewegte den Kopf, aber der Faden blieb verschwunden.
„Ein Schnitt in die Seele kann nicht mit einem Pflaster geheilt werden, Harry. Man kann es auch nicht wieder verschließen. Die Zauberkraft sickert heraus und verschwindet, bis der Zauberer tot ist.“

Unwissend starrte Harry ihn an. Er wusste, dass gleich etwas kommen würde, das ihm nicht gefallen würde und er schluckte trocken.
„Professor, wenn man diesen Schnitt in der … in der Seele“, fuhr er stockend fort, „nicht heilen kann, wieso ist Malfoy dann noch nicht tot?“
Die viel bessere Frage war, wie Snape das angestellt hatte.

„Hm“, machte Dumbledore geduldig.
„Stell dir vor, du hast ein Fass, aus dem es tropft. Wenn du das Fass mit dem Finger zuhältst kann nichts passieren, aber wenn du von dem Fass weggehst, wird es wieder anfangen zu tropfen. Professor Snape hat Dracos Seele“, sehr wohl bemerkte Harry, dass Dumbledore auf die vertraulichere Anrede gewechselt war, „mit deiner Magie verschlossen. Er hat eine Verbindung zwischen euch hergestellt.“

„Der rote Faden“, schlussfolgerte Harry und griff sich in seinen Nacken.

„Genau.“

„Und wenn Malfoy das Fass ist und ich den Daumen habe, dann …“
Den Rest musste er nicht aussprechen, als ihm aufging was dies bedeutete. Wenn Malfoy das leckende Fass war und Harry den Daumen draufdrückte, dann durfte er von dem Fass, also Malfoy, nicht weggehen, oder Malfoy würde wieder Wasser oder eher Magie verlieren.
„Aber das kann doch sicherlich geflickt werden.“

„Es kann nicht geheilt werden“, wiederholte Dumbledore geduldig und sah Harry über seine Halbmondbrille freundlich an.

„Aber jemand anderes kann doch sicherlich der Finger sein, der das Leck zuhält“, haspelte Harry und flehte stumm, dass Dumbeldore einfach nicken, lächeln und ihm Bonbons anbieten würde.

„Man kann den Verband nicht einfach wieder entfernen. Es grenzt an ein Wunder, dass der Riss so klein ist, dass Professor Snape ihn verschließen konnte. Aber wenn man eure Verbindung kappt, du zu weit weggehst und dein Daumen das Leck nicht mehr abdeckt, dann kann es sein, dass Dracos Seele solchen Schaden nimmt, dass sie auslaufen wird.“

„Wie weit?“, fragte Harry nach.

„Ein paar Meter, nehme ich an.“

Das Bild eines Wasserballons schob sich vor Harrys inneres Auge. Einmal hatte Dudley einen über die Nachbarskatze gehalten und mit einer Nadel hineingestochen. Das Wasser hatte sich schwallartig über das Tier ergossen und dass dasselbe mit Malfoys Seele passieren sollte, ließ ihn erschaudern.
„Aber …“, stammelte Harry und brach ab, als Malfoy sich ein wenig regte.
„Aber es muss doch eine Möglichkeit geben!“, flehte er verzweifelt.
„Man kann das doch sicherlich erweitern. Dass er gehen kann wohin er will und ich auch!“
Wieder fiel Harry ein, dass Malfoy geweint hatte und dass er irgendwas ausheckte. Vielleicht war es gar nicht so schlecht, wenn man Malfoy so die Hände band. Aber dann fiel ihm siedend heiß ein, dass man auch ihm so jeglichen Spielraum nahm. Harry würde nicht mehr mit Dumbledore zusammen durch Erinnerungen streifen können oder mit Ron und Hermine zusammen über Voldemort spekulieren können. Malfoy wäre ja immer da. Aber auf der anderen Seite, würde Malfoy wohl kaum nach Hause fahren können und alles brühwarm erzählen, denn immerhin würde ihn das umbringen. So ganz ohne den helfenden Daumen.

„Das ist vielleicht möglich. Aber nicht in der nächsten Zeit. Du wirst das üben müssen.“
Auch wenn Dumbledore ruhig wirkte, so musste er doch etwas machen können oder sich wenigstens aufregen, denn immerhin waren sie aneinandergekettet, auch wenn man das Band nicht sehen konnte. Warum war Dumbledore nicht wütend auf Snape, dass er das getan hatte?

„Wie weit kann ich von ihm maximal weg?“, fragte Harry gezielt nach. Er dachte daran, dass er womöglich mit Malfoy duschen musste und von den Toilettengängen ganz zu schweigen und ihm wurde kurz übel.

„Ich schätze, dass es gerade drei Meter sein dürften.“

Harry wurde speiübel. Sein Magen rebellierte und wenn etwas drin gewesen wäre, dann hätte er das jetzt auf den Boden gebrochen.
„Drei Meter? Was ist mit den Horkruxen? Was ist mit Voldemort?“
Dass er auch kurz an Ginny dachte, an die er in letzter Zeit sehr oft denken musste, verschwieg er.

„Das wird warten müssen.“
Noch immer wirkte Dumbledore ruhig und gefasst. Vielleicht war es Taktik, dass Harry nicht noch mehr ausflippte.

„Aber Voldemort wird stärker!“, widersprach Harry heftig und war versucht aufzuspringen und auf und abzulaufen. Aber dann fiel ihm wieder ein, dass er es nicht konnte, solange er Malfoy nicht an den Haaren hinter sich herschleifte.

„Ich weiß, dass dir diese Situation nicht zusagt, Harry. Nur gibt es gerade keine andere Möglichkeit mit diesem Zauber umzugehen. Es durchkreuzt unsere Treffen und ich werde mit einigen Leuten sprechen, ob sie eine Möglichkeit sehen, diese Zauber umzukehren oder Dracos Wunde zu verschließen. Aber bis dahin muss ich dich bitten, geduldig zu sein.“

Das war nicht Harrys stärkste Eigenschaft und er starrte Dumbledore hilflos an. Zu gerne würde er einfach weglaufen, aber das würde Malfoy töten. Und auch wenn sie sich nicht mochten, sich nicht riechen konnten und am liebsten aufeinander losgingen, so brachten sie sich nicht um. Malfoy hatte ihn verfluchen, aber nicht töten wollen.
„Ja, Sir“, antwortete Harry geknickt.
„Denken Sie, dass es eine Lösung geben kann?“

Nachdenklich musterte Dumbledore erst Harry, dann Malfoy, ehe sein Blick in der Luft zwischen ihnen hängen blieb.
„Magie ist sehr fragil. Man kann Steine zerstören, Menschen durch einen Gedanken töten und quälen, aber trotzdem reicht eine falsch betonte Silbe, eine falsche Bewegung des Zauberstabs und der Zauber schlägt fehl.“
Mit der gesunden Hand fuhr er sich durch den Bart und seine Augen folgten etwas in der Luft. Harry sah nichts, aber er war sich sicher, dass es dieser rote Faden war, welchen Dumbledore gerade fixierte.
„Ich weiß, dass du Draco nie schaden wolltest. Du warst in Panik und hattest Angst, aber trotzdem musst du die Konsequenzen tragen“, fügte er streng hinzu und sein Blick heftete sich auf Harry, welcher lieber auf seine nasse Hose blickte, die eng an seinen Beinen klebte.

„Ja, Sir“, stimmte er zu.

„Ich werde ehrlich zu dir sein“, fuhr Dumbledore fort und hörte sich wieder freundlich und fast schon väterlich an.
„Ich werde versuchen etwas gegen eure Verbindung zu unternehmen, aber mach dir keine zu großen Hoffnungen. Jedes Experiment an euch, kann Draco töten oder dir schaden. Professor Snape hat das einzige getan was Draco am Leben hatte halten können und das war, dass du als Pflaster auf der blutenden Wunde fungierst.“

„Warum ich?“, begehrte Harry verzweifelt auf. Reichte es nicht, dass seine Eltern tot waren und er gegen einen dunklen und mächtigen Zauberer kämpfen musste? Dass Sirius gestorben war und alles was gut und schön war ihm früher oder später weggenommen wurde? Warum musste er nun auch noch Malfoy bei sich haben?
„Warum hat Snape nicht sich als Pflaster genommen?“

Dumbledore überging, dass Harry Snape nicht mit seinem richtigen Titel angesprochen hatte.
„Einen Zauber auf sich selber anzuwenden ist immer schwieriger, als es an jemand anderem auszuprobieren. Magie aus dem eigenen Körper zu leiten ist schon kompliziert, aber ihn gleichzeitig wieder zurückzuführen, benötigt viel Übung. Und der Zauberspruch, welcher Draco das Leben gerettet hat, ist hochkompliziert. Ein Fehler und Draco wäre verstorben.“

Schweigend und unglücklich nickte Harry. Auf einmal erschienen ihm alle anderen Probleme, die es sonst noch so gab, sei es das Quidditch-Training, Voldemort, die Horkruxe und selbst seine Liebe zu Ginny, unwichtig. Malfoy hing an seinem Bein. Wie ein Stein und Harry hatte den Eindruck bewegungslos zu sein.

„Oh“, machte Dumbledore und erhob sich.
„Ich denke, dass ich Ihnen beiden einen Tee kochen werde. Das werden Sie beide brauchen.“

„Danke, Sir“, antwortete Harry mechanisch und beobachtete Malfoy dabei, wie er langsam wacher wurde. Er regte sich immer mehr, fiel wieder in einen bewegungslosen Schlaf und wurde wieder munterer, ehe er die Augen aufschlug, sich desorientiert umsah und sich ruckartig aufsetzte, als er Harry erkannte. Erschrocken streckte Harry die Hand aus, um Malfoy zu sich zu ziehen, doch es war Dumbledore, der ihn am Aufstehen hinderte und ihm eine Tasse Tee in die Hand drückte.

„Mister Malfoy“, sagte er freundlich und reichte Harry seine dampfende Tasse.

„Professor“, murmelte Malfoy und sah von einem zum anderen. Er war käsig gelb im Gesicht und umklammerte die Unterasse so heftig, dass die Tasse darauf leise klirrte.

Leise ausatmend setzte Dumbledore sich, nahm sich einen Keks von dem Teller von dem Tischchen zwischen ihnen und bot ihnen beiden mit einer Handbewegung welche an. Unisono schüttelten sie den Kopf.
„Ich muss Ihnen erklären, was geschehen ist, Mister Malfoy“, begann Dumbledore gemächlich und knabberte an seinem Keks.

„Ich habe mich nur verteidigt!“, stieß Malfoy aus und Harry verdrehte die Augen. Das konnte ja unglaublich toll werden!
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