Stardust Shimmering

von Votani
OneshotHumor, Romanze / P12
Aomine Daiki Kise Ryōta Momoi Satsuki
25.08.2019
25.08.2019
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Es ist bitterkalt. Kise zupft an seinem Schal, bis er sein Kinn bedeckt und hinauf an seine Lippen reicht, bevor er die Hand schnell wieder in seine Jackentasche schiebt. Natürlich hat er ausgerechnet heute seine Handschuhe vergessen. Zudem war das Training länger als erwartet gewesen, weshalb es draußen noch kälter als am Morgen und bereits finster ist.

Der Schnee knirscht unter Kises Schuhen, als er die Hauptstraße hinaufläuft. Nicht nur, dass er seine Handschuhe vergessen hat, er hat auch noch den Bus verpasst. Doch unter dem beißenden Wind ist es einfacher in Bewegung zu bleiben, anstatt an der Bushaltestelle auf den nächsten zu warten. Es ist ohnehin nur ein kleiner Fußmarsch von der Universität bis zu der kleinen Wohnung, die er sich mit Takao gemietet hat.

Obwohl Kise eigentlich nicht überrascht ist, hat sich Midorimas Sidekick schnell als der perfekte Mitbewohner entpuppt, denn sie beide sind soziale Persönlichkeiten, die Karaoke lieben. Selbst auf dem Spielfeld stellen sie nach den anfänglichen Schwierigkeiten ein gutes Team dar, was ganz besonders Midorima säuerlich aufstößt.

Kise grinst bei diesem Gedanken, ehe ihm bewusst wird, dass es erneut zu schneien begonnen hat. Er hebt den Kopf. Kleine Flocken segeln langsam von dem schattenbesetzten Himmel hinunter.

Zu spät bemerkt er die Person, die aus einer Seitenstraße marschiert kommt und in ihn hineinläuft. Kise stolpert einige Schritte rückwärts und seine Sporttasche rutscht ihm aus der Hand, während die junge Frau nach hinten in den Schnee plumpst.

„Entschuldige, ich hab dich nicht ge—“, beginnt Kise, doch die restlichen Silben schaffen es nicht über seine Lippen, als sein Blick auf die rosafarbenen Haarsträhnen fallen, die unter der Kapuze zum Vorschein kommen. „Momoicchi?“

Sie sieht auf. Trotz der Dunkelheit, die nur von dem Licht nahestehender Laternen erhellt wird, kann Kise die Tränen sehen, die in ihren geweiteten Augen schwimmen. Schnell wischt Momoi sie die anderen mit dem Ärmel ihrer Winterjacke fort, die ihren Wangen hinunterlaufen. „Ki-chan...“, entweicht es ihr erstickt. „Was machst du hier?“

„Dasselbe könnte ich dich fragen“, erwidert er und reicht ihr die Hand, um sie auf die Beine zu ziehen. „Hast du dich mit Aominecchi gestritten?“, erkundigt er sich, denn Aomine ist der Einzige, der Momoi zum Weinen bringen kann. Der Einzige, der wirklich ihr Herz brechen kann. Kise ist fast ein wenig neidisch, denn immerhin besteht diese Beziehung aus drei Personen. Er ist hier eindeutig im Nachteil.

Momoi lässt sich mit traurigem Gesicht beim Aufstehen helfen, weicht seinem Blick jedoch aus. „Dai-chan ist ein ungehobelter Klotz.“ Ein Seufzen folgt. Wahrscheinlich weiß sie selbst, dass sie Kise damit nichts Neues erzählt. Aomine ist eben Aomine, der manchmal versehentlich und gelegentlich auch absichtlich auf den Gefühlen anderer herumtrampelt.

„Ich habe Dai-chan gefragt, ob er mich zu der Schulveranstaltung begleitet, von der ich dir erzählt habe“, sagt sie schließlich, während ihre behandschuhte Hand noch immer in seiner ruht und diese etwas wärmt. „Obwohl er zugesagt hat, hat er es vergessen und ich hab ewig auf ihn gewartet! Alle haben mich dumm angeguckt, weil ich allein auf dem Schulball gewesen bin.“ Ihre Stimme wackelt und Kise ist nicht sicher, ob es aus Wut oder aus Traurigkeit geschieht. Vielleicht ist es eine Mischung aus beidem.

Kise schluckt den Gedanken hinunter, dass er sie an Aomines Stelle nicht versetzt hätte, denn sie hat nun mal mit Aomine hingehen wollen. Beide besuchen nun mal dieselbe Universität und man nur einen Gast hat mitbringen können. Da ihre Beziehung nicht der Norm entspricht, wissen Momois Klassenkameraden offiziell nur von Aomine und ihrer Beziehung, was Kise nicht stört. Er hat genug Selbstbewusstsein. Kise hat auch kein Problem damit gehabt, sie beide allein zum Ball gehen zu lassen, da Momoi und er schließlich schon das Fest an seiner Universität letzten Winter gemeinsam besucht haben. Es ist sowieso ein Wunder gewesen, dass sie Aomines Zustimmung erhalten hat.

Erst jetzt, als er an Momoi hinuntersieht, bemerkt er die feinen Winterschuhe, die einen leichten Absatz haben, ebenso wie ihre viel zu dünne Strumpfhose und der untere Rand ihres blauen Kleids, der unter ihrem Wintermantel herausguckt. Sie muss direkt vom Ball kommen, wird Kise klar und er drückt ihre Finger ein wenig.

„Du hättest mich anrufen können“, sagt Kise stattdessen. „Ich wäre sofort für dich zum Ball gekommen, Momoicchi.“

Ihr Mund, der von feinem Lippenstift bedeckt ist, formt ein schmales Lächeln. „Ich hätte dich gleich einladen sollen, anstatt Dai-chan zu etwas zu zwingen, das er nicht mag“, gesteht sie. „Aber ich wollte so gern auch mal mit ihm so etwas unternehmen.“

„Aominecchi ist eben ein ungehobelter Klotz“, wiederholt Kise ihre vorigen Worte.

„Ein Spielverderber“, setzt Momoi nach und ein Hauch ihrer bekannten Fröhlichkeit kehrt in ihren Ton zurück, die Kise an ihr schon immer bewundert hat. „Ein Basketballfanatiker, der keine anderen Hobbys hat.“

„Außer Pornmagazine…“, wirft Kise lachend ein. „Er ist und bleibt eben unser Aominecchi“, fasst er zusammen und Momoi kichert, den sie wissen ganz genau, dass man Aomine nicht ändern kann und sie diesen Aomine niemals gegen den alten aus der Oberschule eintauschen würden.

Er legt den Arm um Momois Schultern und zieht sie ein wenig zu sich heran, um sie wärmen zu können. Dabei kann er sich an eine Zeit erinnern, in der Momoi noch rot angelaufen ist, in der sie gezögert und sich ihren Gefühlen Kuroko gegenüber gerechtfertigt hat. Doch all das scheint schon eine Ewigkeit her zu sein, denn nun lehnt sie sich lächelnd an ihn.

Zumindest tut sie das, bis hinter ihnen ein tiefes Räuspern erklingt. Kise dreht den Kopf, um über seine Schulter zu sehen und Aomine an der Straßenecke auszumachen. Er trägt seine gefütterte Winterjacke und einen Schal, der locker um seinen Hals gebunden ist, die Hände tief in den Jackentaschen vergraben. Härte liegt in seinem Gesicht, doch Kise vermutet eine Unsicherheit unter seiner Oberfläche.

„Aominecchi“, entrinnt es Kise. Obwohl der schwachen Lichtverhältnisse kann er sehen, wie Momoi die Hitze in die Wangen steigt, als sie überrascht und eingefroren in seinem Arm zu Aomine hinüberschaut.

Währenddessen kommt dieser mit langsamen Schritten auf sie zu geschlendert. „Ich hab nach dir gesucht, Satsuki“, brummt er und der Schein der Laterne gibt die schwarze Hose preis, die ordentlich wirkt und kein Vergleich zu den Trainingshosen und den verschließenden Jeans darstellt, die Aomine sonst trägt. „Außerdem hab ich versucht dich anzurufen. Nächstes Mal geh gefälligst ans Telefon, hörst du?“ Sein maulender Unterton geht in dem überraschenden Geräusch unter, das Momois Lippen verlässt. Anschließend holt sie mit zittrigen Fingern ihr Mobiltelefon aus der Manteltasche und wirft einen Blick auf das Display.

Einige der herunterrieselnden Schneeflocken landen auf dem Display und schmelzen, um winzige Wasserflecke zu hinterlassen. Selbst verkehrt herum kann Kise sehen, dass sie mehrere verpasste Anrufe von Aomine hat.

Kises Arm rutscht von Momois Schultern, als Aomine sie erreicht und sich zwischen sie drängt. „Hast du überhaupt nichts zu sagen, Satsuki?“, blafft er sie an.

Sein Ton lässt ihre Augenbraue gefährlich zucken. „Zu sagen? Du hast mich sitzen gelassen, Dai-chan!“, platzt es aus ihr heraus.

„Was redest du da?“, mault Aomine zurück. „Ich bin doch hier, oder nicht?“ Er zieht den Reißverschluss seiner Winterjacke ein Stück nach unten, um das zerknitterte Jackett darunter zum Vorschein zu bringen. „Oder denkst du, dass ich mich gern in diese bescheuerten Klamotten schmeiße?“

Momoi schnappt nach Luft.

„Aber du rennst einfach weg, wenn man sich etwas verspätet“, meckert er weiter. „Und alles, was deine dummen Freundinnen mir sagen ist, dass du nach Hause gegangen bist, weil ich dich sich versetzt hab. An dein Handy gehst du auch nicht und ich darf erst einmal quer durch die halbe Stadt laufen, um dich zu finden.“

„Halbe Stadt…?“, wiederholt Kise amüsiert und erntet einen Ellenbogen in seine Rippen und einen finsteren Blick.

„Und dann hängst du ausgerechnet mit Kise ab?“, fügt Aomine hinzu. „Hast du ihn etwa angerufen?“

„Dai-chan, du bist so gemein“, stößt Momoi aus und hebt die Hand, als ob sie ihn von sich schieben will. Doch ihre Finger krallen sich stattdessen in seine Jacke. „Ich bin zufällig über Ki-chan gestolpert. Und ich bin froh darüber.“

Aomine seufzt und löst Momois Hand von seiner Jacke, um sie stattdessen in seiner zu halten. Sein Blick senkt sich und er weicht ihren Augen aus, während Momoi verwirrt blinzelt.

Kise unterdrückt ein Lachen und schaut stattdessen hoch zum Firmament, der von einer dichten Wolkendecke bedeckt ist. Der Schnee hat zugenommen und rieselt etwas schneller auf sie hinunter, doch im Licht der nahestehenden Laterne schimmert und glitzert er.

„Schaut“, ruft Kise und deutet grinsend hinauf. „Die Schneeflocken sehen interessant aus. Ein bisschen wie Sternenstaub. Findet ihr nicht?“

Momoi und Aomine heben die Blicke, woraufhin letzterer verächtlich schnauft. „Sternenstaub, Kise? Wirklich?“

Doch Momoi kichert. „Ki-chan, du hast recht. Es sieht aus wie Sternenstaub.“ Ein Beben geht durch ihren Körper und sie tritt einen Schritt nach vorn, um den Abstand zwischen Aomine und ihr endgültig zu überbrücken. Sie presst sich dicht an ihren Kindheitsfreund, der im letzten Jahr irgendwann zu ihrem Liebhaber und ihrem festen Freund geworden ist. Aomine ist wie ein Felsen in der Brandung, der sie vor dem Wind und der eisigen Winterkälte schützt, eine Hand ihre wärmend, die andere in seiner Jackentasche ruhend.

Kise schaut sie gern an, aber noch lieber hat er es, wenn Momoi ihn mit der freien Hand heranzieht und er ein Teil von ihnen sein kann. Momoi lächelt und auf ihrem Gesicht ist kein Funke der vorigen Traurigkeit mehr zu sehen, als sie hinauf zu dem feinen Schnee schaut, der funkelt wie herunterfallender Sternenstaub.

Aomines Schultern sind unter seiner Jacke nicht angespannt, bemerkt Kise, als er seine Arme um Momoi und ihn legt, während seine Stirn an Aomines Wange liegt und Momoi ihren Kopf gegen Aomines Oberkörper lehnt.

„Ihr seid beide so furchtbar kitschig, dass sich mir der Magen umdreht…“, brummt Aomine halbherzig.
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