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Anna

von Die Hand
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Anna Hríd
24.08.2019
26.08.2019
3
1.834
 
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24.08.2019 684
 
„Bevor das Land Dagaz von Embla erobert wurde, war es dort Tradition, Sklaven zu besitzen. Besonders die Kinder von Kriminellen mussten so ein Leben führen…“
„Alles in Ordnung, Kommandantin Anna?“, fragte Dimitri, den Annas plötzlicher Redeschwall aus dem Reinigen seiner Lanze gerissen hatte. Die rothaarige Frau zuckte schuldbewusst zusammen.
„Nein, äh… Ja, Prinz Dimitri, alles in Ordnung. Ich plane nur gerade ein Buch und habe mir nur passende erste Sätze überlegt…“, murmelte Anna peinlich berührt und verließ mit gesunkenen Kopf die Lichtung. Dabei wäre sie fast in Hríd gerannt.

„Dagaz existierte wirklich“, erklärte Hríd Dimitri, während die beiden am nächsten Tag ihr Zelt abbauten. Überrascht sah Dimitri auf.
„Naja, ich glaube nicht, dass dieses Land nach Lifs fehlgeschlagenem Experiment noch existiert, aber… In unserer, nein, in meiner Welt gab es mal ein Dagaz, das von Embla erobert wurde. Soweit ich weiß, hat Anna da mal gelebt, aber genaueres weiß ich nicht.“
„Danke, Hríd“, seufzte Dimitri. Mit jeder Sekunde, die er in dieser Welt verbrachte, wurde es für ihn immer verwirrender. Schon am Tag seiner Beschwörung wurde er mit irgendwelchen Helden- und Ländernamen überschwemmt und er hatte gerade keine große Lust, Dagaz in dieses Wirrwarr einzuordnen. Deshalb verschwendete er keinen Gedanken an das Ganze, bis sich das Thema Stunden später wieder in sein Leben zwang.

„Dimitri, merk dir eins: Du gewöhnst dich nie dran, verschiedene Versionen einer Person zu sehen.“
Hríd und Dimitri hatten sich nach der Schlacht dazu entschieden, einen Spaziergang durch den Wald zu machen. „Es war schon gruselig, mir gegenüber zu stehen, aber das dieses andere Ich nicht mit dem Versuch, mich kaltblütig umzubringen, gezögert hat…“ Er hielt inne. „Hörst du das auch?“
Hríd zögerte, dann nickte er. „Wenn du den Gesang meinst… Dann ja.“

Nur zögerlich schlichen sie in die Richtung der Lichtung. Sie konnten zwar die Stimme sehr schnell als die von Anna identifizieren, allerdings waren sie trotzdem vorsichtig- keiner hatte sie schließlich singen hören, weshalb es für sie unklar war, ob es überhaupt ihre Anna war oder die Anna aus Lifs Askr.

Vorsichtig traten die beiden aus den Bäumen hervor und näherten sich Anna. Das besagte Frau die gleiche Rüstung trug und auch ihre Waffe Nóatún neben ihr lag, hielten die beiden es für sicher, ihr Versteck zu verlassen und auf die Lichtung zu treten.

„Kommandantin Anna! Alles in Ordnung?“, schrie Dimitri.
Erschrocken drehte sich die Rothaarige um, entspannte sich aber sofort.„Prinz Dimitri, Hríd… Ihr seid es. Puh, habe ich mich erschreckt. Habt ihr mich gesucht?“
„Nein, wir haben dich nur zufällig singen hören und waren nur überrascht…“„Wollt ihr etwa auch unter die Sänger gehen? Ich bin mir sicher, mit so einem Liedtext und so einer Stimme könnt ihr sicher viel Geld verdienen.“

Anna warf ihn einen Blick zu, der andeutete, dass Dimitri nicht wusste, mit welchen Liedern man viel Geld verdienen kann und dass sie deshalb sehr, sehr enttäuscht war.
„Nein… Nein!“ Als sie dies jedoch sagte, wirkte sie so, als ob sie gleich in Tränen ausbrechen würde. „Ich… Meine Schwester Anna Fitoria hat mir das Lied immer vorgesungen, als ich kleiner war und ich habe mich erst jetzt dran erinnert, dass es existiert… Wisst ihr…“
„Kommandantin Anna, ihr müsst nicht weiterreden, wenn ihr nicht wollt…“ Dimitri ging einige Schritte vor, während er das sagte.
„Ach, ihr werdet es eh erfahren, wenn ich meine Biografie veröffentliche… Mein Name ist Anna Raphtalia und zusammen mit meiner Schwester Anna Fitoria war ich eine Sklavin.“
„…Sklavin?“ Auch, wenn sie es im Grunde schon geahnt hatten, waren die beiden überrascht.
„Ja, Sklavin. Ihr wisst, dass Sklaven Menschen sind, die von einem anderen Mensch als Besitz angesehen werden?“, antwortete Anna sarkastisch.
„Ja, Kommandantin Anna, das wussten wir. Wir waren…“
„…Wir waren nur überrascht, dass du auch eine Sklavin warst“, beendete Hríd nach kurzem Zögern, als er sich sicher war, dass Dimitri nicht weiterreden wollte.

„Kein Wunder“, schniefte Anna. „Ich habe es auch nur Henriette und… Gustav erzählt.“

Dimitri fragte sich, ob Gustav nicht der Vater von Alfonse war, der sich für seinen Sohn geopfert war, aber er war sich nicht sicher, ob die Frage an dieser Stelle angemessen war.
 
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