Auf gute Nachbarschaft

von Eponine
GeschichteHumor, Romanze / P12
Minerva McGonagall Severus Snape
23.08.2019
18.09.2019
5
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Dieses Kapitel
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Danke für eure Rückmeldungen und Klicks, ihr seid super :)
Hier das neue Kapitel für euch … und nachdem diese FF recht kurz ist, haben wir bereits Halbzeit! Ich wünsche ein gutes Lesevergnügen!


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4. Annäherungen

In den kommenden Tagen etabliert sich eine angenehme Routine zwischen den beiden neugebackenen Nachbarn. Sie gehen viel spazieren, um die frische Luft zu genießen und auch, damit Minervas verletzter Fuß sich ganz allmählich wieder an die Belastung gewöhnen kann. Vor allem die vielen Trampelpfade entlang des Meeres haben es ihnen beiden angetan. Sie unterhalten sich dabei oft angeregt, wobei sie ebenso gerne schweigend nebeneinander herlaufen und die Anwesenheit des jeweils anderen genießen. Abends sitzen sie meistens zusammen in einem der beiden Wohnzimmer, trinken Tee und sinnieren über Gott und die Welt. Kurz, sie tun alles, um ihre einstige Sympathie füreinander zu erneuern und in echte Freundschaft umzuwandeln.

Nur ein Thema meiden sie dabei immer tunlichst, und das sind ihre Gefühle zueinander, denn keiner von ihnen wagt es, sich dem anderen zu offenbaren.

Etwa zwei Wochen nach ihrer unerwarteten Begegnung wandern Severus und Minerva gemeinsam den Pfad entlang, welcher sich oberhalb der Küste entlangschlängelt. Hinter ihnen liegt das Örtchen Durness, weit vor ihnen ragt ein Leuchtturm auf, doch die beiden haben kein fixes Ziel, sie gehen um des Spazierens Willen.

„Wie gut die Luft heute riecht!“ Genießerisch atmet Minerva den Geruch nach salzigem Meerwasser und Tang ein. In der Nacht hat es geregnet und das Gras ist noch nass.

Severus sieht sie von der Seite an. Er fühlt sich immer noch ein wenig unsicher, wenn er da so neben seiner Angebeteten dahinmarschiert, und fragt sich stets, wie er dieses Glück nur verdient hat, dass sie ihn an ihrer Seite akzeptiert. Wenn auch nur als Freund, nur als Freund!

„Ja, der Regen hinterlässt immer ein Gefühl von völliger Reinheit“, erwidert er. Ich liebe dich, Minerva!, will er eigentlich sagen, aber er traut sich nicht. Und fragt sich gleichzeitig, wie er so tief sinken konnte, dass er so schüchtern ist, wie er das einst als Jugendlicher war. Schüchtern und unsicher, wie damals, als Lily ihn fallengelassen hat. Er, der einst so taffe Todesser und Spion, den nie jemand zu durchschauen vermochte!

Lily … zum ersten Mal seit Jahren erlaubt er seinen Gedanken, in die Richtung seiner ersten großen Liebe zu huschen. Und er muss sich eingestehen, dass er Lily wohl auf einen Podest gestellt hat. Völlig blind vor lauter Anbetung hat er gar nicht gesehen, dass Lily auch Fehler gehabt hat, so wie jeder Mensch. Einer davon war, dass sie nicht für ihre Freundschaft gekämpft hat. Oh, er weiß, dass er ziemlichen Mist gebaut hat, von Anfang an, weil er sich mit den falschen Leuten abgegeben hat. Und dennoch … Als Severus ganz tief in sich hineinfühlt, bemerkt er, dass seine Gefühle für Lily ziemlich erkaltet sind. Er mag sie immer noch, vor allem seine Erinnerungen an ihre gemeinsame Kindheit und anfängliche Jugend, aber er liebt sie nicht mehr. Denn nun ist eine andere Frau in sein Leben getreten, ist wiederaufgetaucht, die dieses Gefühl voll und ganz für sich gepachtet hat.

Minervas Hand, die ihn ganz plötzlich am Arm packt, reißt ihn aus seinen Gedanken.

„Schau, ein Augurey!“ Sie zeigt auf eine Gruppe zerrupft aussehender Bäume. Auf einem niedrigen Ast hockt ein grün-schwarzer Vogel und blickt traurig zu ihnen beiden hinüber. Dann stößt er den charakteristisch wummernden Schrei dieser Vogelrasse aus, der einem durch Mark und Bein geht.

Minerva lacht leise: „Wenn ich daran denke, dass meine Urgroßmutter noch glaubte, dass der Schrei eines Augurey einen nahenden Tod ankündigt … Wir sollten wohl umkehren, es wird bald zu regnen beginnen!“

„Eigenartig, dass der Augurey sich uns gezeigt hat, findest du nicht? Normalerweise sind diese Vögel ja ziemlich scheu und fliegen nur bei starkem Regen! Wenn ich es recht bedenke, dann ist es das erste Mal, dass ich einen Augurey in freier Wildbahn sehe! Und du?“

„In der Gegend, wo ich aufgewachsen bin, lebten einige Augureys“, sagt Minerva. „Als Kinder sind wir manchmal bei strömendem Regen aus dem Haus geschlichen, um sie zu suchen. Meine Mutter fand das gar nicht gut, unter anderem deshalb, weil wir jedes Mal pitschnass nach Hause kamen.“

Severus sieht Minerva erneut von der Seite an. Er kann sich diese Frau überhaupt nicht als Kind vorstellen. Als sie ihn überrascht anschaut, fällt ihm auf, dass er diese Worte laut ausgesprochen hat.

„Jeder war mal jung, Severus, sogar Albus!“ Erneut lacht Minerva, was Severus‘ Herz erwärmt. „Er hat mir mal ein Foto von sich als kleiner Junge gezeigt, herzallerliebst! Ich habe ihn wochenlang damit aufgezogen!“ Minerva gluckst bei dieser Erinnerung vor sich hin. „Irgendwo habe ich ein altes Fotoalbum … Wenn du möchtest, kann ich es dir zeigen!“

Severus schluckt und nickt mit zugeschnürter Kehle. Solch einen Vertrauensbeweis hätte er nicht erwartet!

„Gibt es … ich meine, hast du auch Fotos von dir als Kind?“, fragt Minerva zögerlich. „Entschuldigung, falls ich damit unangenehme Erinnerungen auslöse.“

Severus schüttelt den Kopf. „Keine Sorge, es gab auch schöne Momente in meiner Kindheit. Ich weiß nicht, ob ich Fotos besitze. Vielleicht irgendwo tief unten in der Kiste, die ich vom Dachboden von Spinner’s End mitgenommen habe.“ Er sagt nichts weiter und Minerva drängt ihn nicht. Noch etwas, das er an ihr mag, dass sie nie nachbohrt, so wie Albus das stets getan hat.

Sie werfen einen letzten Blick auf den Augurey und drehen dann um. Hoch oben am Himmel türmen sich die Wolken, jagen im immer stärker werdenden Wind dahin. Oh ja, heute wird es sicherlich noch regnen!

Während sie zurückschlendern, greift Severus aus irgendeinem wagemutigen Impuls heraus nach Minervas Hand.

***


Minerva bewundert gerade die hohen Wellen, die sich weit draußen auf dem Meer brechen, welches inzwischen eine sturmgraue Farbe angenommen hat. Da schiebt sich eine warme Hand in die ihre. Erstaunt blickt sie zu Severus hinüber, dann lächelt sie in sich hinein. Ohne etwas zu sagen, erwidert sie den Händedruck und schließt ihre Finger fest um die seinen.

Bedeutet dies etwa, dass Severus ihre Gefühle doch erwidert? Sie ist sich nie ganz sicher, hat er doch während seiner langen Jahre als Doppelspion seinen undurchdringlichen Gesichtsausdruck bar jeglicher Regung perfektioniert.

Eine Weile wandern sie einträchtig nebeneinander die Küste zurück, während der Wind an Stärke zunimmt, bis er laut heulend um ihre Ohren braust und an ihren Haaren zerrt. Als die ersten Regentropfen fallen, lässt Minerva ihren Zauberstab aus dem Ärmel gleiten und spricht einen Regenschirmzauber.

Kurz bevor sie ihre beiden Cottages erreicht haben beschließt sie, das Wagnis einzugehen. Sie muss es einfach wissen! Und so bleibt sie stehen und wendet sich Severus zu, der fragend eine Augenbraue hebt. Wortlos tritt sie so nahe, dass ihre Nasenspitzen sich fast berühren und sie ihr eigenes Spiegelbild in seinen dunklen Augen sehen kann. Sie sind beinahe gleich groß, wobei Severus sie um einige wenige Zentimeter überragt. Als er die Lippen öffnet, schlingt sie ihm kurzerhand beide Arme um den Hals – und küsst ihn mitten auf den Mund.

Zunächst versteift Severus sich in ihrer Umarmung, sodass Minerva schon befürchtet, zu weit gegangen zu sein. Doch als sie sich zurückziehen will, lässt er das nicht zu, sondern greift nach ihr und zerrt sie näher heran. Gräbt seine Finger in ihren Dutt und erwidert den Kuss so stürmisch, dass er Minerva fast umreißt. Ein zufriedener Seufzer entschlüpft Minerva und sie hört, wie Severus aufstöhnt. Sie vertieft den Kuss, fährt mit ihrer Zunge über seine Lippen, ganz leicht, wie um Einlass zu erbeten. Er gewährt ihn ihr und als ihre Zungen sich treffen, ist Minerva, als würde ein elektrischer Schlag durch ihren Körper fahren, der sie um Jahre jünger macht.

Ewig dauert ihr Kuss, während der Regen immer stärker wird und heftig auf den magischen Regenschirm prasselt.

Irgendwann lösen sie sich voneinander. Etwas verlegen heben sie beide den Blick, bis ihre Augen sich treffen.

„Minerva …“, sagt Severus heiser. Seine Wangen sind leicht gerötet und seine Augen glänzen, wie Minerva es noch nie zuvor gesehen hat.

„Ja, Severus, ich dich auch“, wispert sie. „Sollen wir …“

„… reingehen? Gute Idee. Komm, ich habe einen wunderbaren Old Odgens, den wir gemeinsam anbrechen könnten!“ Und er greift erneut nach ihrer Hand und zieht sie die letzten Meter zu seinem Cottage.

~~~~~~~~~~


Die Beklommenheit zwischen ihnen beiden scheint gebrochen. Nun suchen sie noch mehr die Nähe des anderen, sie küssen sich viel, schmiegen sich eng aneinander, bisweilen schlafen sie sogar nebeneinander im selben Bett. Ihre Annäherungen sind vorsichtig, behutsam. Sie haben alle Zeit der Welt, wozu also irgendetwas überstürzen. Zudem sie beide immer noch angeschlagen sind vom Krieg.

Unbemerkt ist der Oktober in den November übergegangen, der noch kälteres und nässeres Wetter mit sich bringt und das Nahen des Winters ankündigt.

Als es nach tagelangen Regenfällen endlich wieder sonnig und halbwegs windstill ist, ergreift Severus die Gelegenheit (und das trockene Wetter) beim Schopf und geht Zaubertrankzutaten sammeln. Er hat erst kürzlich eine wunderbare Stelle gefunden. So ist er am frühen Morgen bereits aufgebrochen.

Minerva indes nutzt die regenfreien Stunden und steht mit einer Muggelhose und ihrer Windjacke bekleidet hinter ihrem Cottage. Sie ist gerade dabei, ihr Kräuterbeet einzuwintern, auf Muggelart. Schließlich hat Poppy zu ihr gesagt, sie solle ein wenig körperliche Ertüchtigung betreiben, das tue ihrem Genesungsprozess ganz gut. Dabei immer wieder vorsichtig den linken Fuß belasten. Ihren Gehstock hat Minerva an die Hausmauer gelehnt und erfreut sich an der Tatsache, dass sie ohne fremde Hilfe stehen und sich sogar bücken kann.

Gerade als sie die trockenen Zweige zum Rest des Gartenabfalls werfen möchte, hört sie ein eigenartiges Knacken. Sie runzelt die Stirn, blickt sich um, kann aber nichts Verdächtiges erkennen. Ob Severus unerwartet früher zurückgekommen ist? Doch niemand ist zu sehen. Achselzuckend beugt sie sich wieder über ihr Kräuterbeet, als knirschende Schritte ihren Kiesweg entlangkommen. Wer kann das sein? Severus hätte sie angesprochen und sonst sollte eigentlich niemand durch ihre Schutzzauber gelangen. Ein kribbelndes Gefühl von dräuender Gefahr kriecht ihren Nacken hoch.

Langsam richtet Minerva sich auf und dreht sich um.


~ tbc ~


A/N: Cliffhanger?!? Schreib ich niemals nie nicht ;D aber wer mich kennt, hat sicherlich bemerkt, dass dieser hier vergleichsweise harmlos ist … oder?! *grinst breit*
Und, ist es euch schon zu fluffig? Zu sehr OOC oder sowas? Ich bin sehr gespannt auf eure Rückmeldungen/Kritik!
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