Die Schuld

GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P16
B'Elanna Torres Der Doktor Kathryn Janeway Naomi Wildman Seven of Nine Tuvok
23.08.2019
18.09.2019
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Nachdem Kathryn den Türsummer von B´Elannas Quartier betätigt hatte, erschien einen kurzen Moment später B´Elanna an der Tür.

„Hallo B´Elanna, könntest du später Seven zu den Wildmans begleiten?“ fragte Kathryn und B´Elanna nickte mit ihren Kopf.

„Gut, dann lass ich euch beiden mal allein.“ damit drehte sich Kathryn um und verließ die beiden Frauen, die sich still ansahen.

B´Elanna zog nach einen langen Moment, in dem es so aussah, als wenn Seven nie ihr Quartier betreten wollte, Seven herein und schob sie in den Raum.

„Wie geht es dir?“ fragte B´Elanna schüchtern und musterte Seven genau.

„Gut, danke.“ erwiderte sie leise und stand steif in der Mitte von B´Elannas Wohnzimmer und wusste nicht so recht wohin mit sich.

„Du hast mir einen ziemlichen Schrecken ein gejagt. Wieso hast du dich auf den Holodeck in deinen verdrehten Holoprogramm verprügeln lassen?“ fragte B´Elanna gleich aufgebracht.

Seven trat ein Schritt zurück und wollte B´Elannas Quartier verlassen, doch B`Elanna stellte sich ihr in den Weg.

„Weißt du, ich wollte dabei sein, wenn du aus deiner Regeneration erwachst, aber der Captain wollte das nicht. Also erklär es mir bitte. Wieso hast du dir das angetan?“ bat B´Elanna erneut.

Seven blinzelte verlegen und beschämt mit ihren Augen und senkte ihren Kopf.

„Hey, ich will es nur verstehen. Mehr nicht. Komm erzähl schon.“ fragte B´Elanna ein weiteres mal.

Seven seufzte tief bevor sie anfing zu sprechen.

„Ich wurde niemals dafür bestraft, was ich als Borgdrohne anderen Lebewesen angetan habe. Ich habe 7613 Individuen assimiliert und ihnen ihr Leben genommen. Ich habe schreckliches getan.  Der Captain sagt, das 18 Jahre als Borgdrohne genug Strafe für mich wären. Aber ich sehe das anders und es hilft mir auch nicht meine Schuldgefühle loszuwerden. Ich wollte mich selbst bestrafen und habe daher das Holoprogramm erschaffen, damit meine Holofiguren, die stellvertretend für meine Opfer stehen, mich bestrafen und mir genauso viel Schmerz zufügen, wie ich es bei ihnen getan habe. Es war ein Stück Befreiung für mich. Jedes mal löste ich mich auf und ein Stück Schuld in mir ebenfalls. Aber niemals war es genug, also ging ich wieder und wieder in das Holoprogramm und veränderte es Stück für Stück, um das gewünschte Ziel zu erreichen.“ antwortete Seven und B´Elanna sah die junge Exborg eine lange Zeit still an, während Seven ihren Kopf wieder gesenkt hatte und auf den Boden starrte.

B´Elanna seufzte schwer, sie wusste wie es war, wenn man eine Schuld mit sich herumtrug und sie nicht los wurde. Das war Scheiße und belastend. Für Seven musste das die Hölle sein.

B´Elanna trat zu Seven und zog sie in eine innige Umarmung. Zu ihrem Erstaunen wehrte Seven sich nicht dagegen, sondern lehnte sich in die Umarmung und ließ sich von B´Elanna festhalten und trösten.

Erst nach einen langen Moment trennte sich B´Elanna von Seven und nahm ihre Hand und zog sie zur Couch.

„Wieso bist du nicht zu mir gekommen? Ehrlich, es gab viele Momente in den letzten zwei Jahren, wo ich dich sehr gerne geschlagen hätte, um meinen Frust oder Ärger loszuwerden.“ erklärte B´Elanna und zwinkerte Seven aufmunternd zu.

Seven sah sie überrascht an.

„Vor allem wärst du eine würdige Gegnerin gewesen. Dein Holoprogramm ist dagegen ein Scheiß. Es ist sehr einseitig sich verprügeln zu lassen. Doch in einen Kampf „Frau gegen Frau“ hättest du viel besser deine Schuldgefühle abbauen und verarbeiten können. Wir sollte das mal ausprobieren.“ schlug B´Elanna vor und Seven sah sie skeptisch an. Zum einen weil sie nicht wusste ob B´Elanna das ernst meint und zum anderen weil sie sich nicht vorstellen könnte, das der Captain das gutheißen würde.

„Der Captain und Kommander Chakotay wären dagegen. Ich weiß...“

Bevor Seven weiter sprechen konnte, unterbrach B´Elanna sie.

„Ach komm, der alte Mann tritt selbst sehr gern in den Ring und boxt leidenschaftlich gern. Ich denke nicht das er was dagegen haben würde. Wir können ihn ja fragen gehen, was er davon hält. Und wenn er einverstanden wäre, dann wäre es der Captain auch. Also was sagst du, soll wir es ausprobieren?“ fragte B´Elanna und sah Seven gewinnend an.

„Hm...“ antwortete Seven nur und B´Elanna seufzte tief.

„Ich soll ein Anti-Aggressionstraining bei Kommander Chakotay absolvieren.“ gab Seven zu bedenken.

„Oh, wirklich? Ich hab es auch schon absolviert und es ist besser, als bei Tuvok Entspannungs- und Meditationsübungen machen zu müssen. Keine Sorge es hat mir geholfen, also wird es dir auch helfen.“ erwiderte B´Elanna.

„Okay, was anders, weißt du, das du ab morgen bei mir im Maschinenraum arbeiten sollst?“ fragte B´Elanna nach einen Moment.

„Ja, der Captain informierte mich darüber. Wer wird die Astrometrie übernehmen?“

„Vorik hat Interesse daran gezeigt mehr Verantwortung übernehmen zu wollen. Der Captain hat ihn daher probehalber dort eingesetzt. Aber zurück zu deiner Anwesenheit im Maschinenraum. Ich möchte nicht das du dort arbeitetest und mit deinen Bioanzug meine männlichen Crewmitglieder ablenkst. Daher war ich beim Doktor und habe ihn genau befragt, wie wichtig es noch für dich und deine Gesundheit ist, den Bioanzug zutragen. Nachdem wir uns heftig gestritten haben und ich ihm angedroht habe seine Matrix zu löschen, hat er zu gegeben, das du den Bioanzug eigentlich nicht mehr tragen musst.“ erklärte B´Elanna und Seven sah sie stirnrunzelnd an.

„Wieso hat er mir das nicht mitgeteilt?“ fragte Seven aufgebracht.

B´Elanna verdrehte ihre Augen. „Na weil er einen Crush auf dich hat und er deinen Anblickt toll findet in den Bioanzug.“ erklärte B´Elanna.

„Einen Crush? Was ist das?“ fragte Seven irritiert.

„Er ist in dich verliebt, seit er dir bei deinen ersten Date mit Lt. Chapman geholfen hat.“

„In mich verliebt?“ fragte Seven stirnrunzelnd und B´Elanna nickte ihr zu.

„Wie denkst du darüber?“ fragte B´Elanna.

„Über was?“ fragte Seven irritiert.

„Na, das der Doktor in dich verliebt ist.“erwiderte  B´Elanna und verdrehte erneut ihre Augen.

„Hm... ich weiß nicht. Ich habe nicht die selben Gefühle für den Doktor. Er ist ein Freund für mich.“ antwortete Seven.

„Na, wie auch immer, die gute Nachricht ist du musst den Bioanzug nicht mehr tragen. Ich habe beim Captain nachgefragt, ob du stattdessen eine Uniform tragen darfst und sie hat ihre Erlaubnis gegeben. Komm, ich replizier dir deine neue Uniform, mal schauen wie sie dir steht.“ B´Elanna stand von der Couch auf und wollte gerade zum Replikator hinüber gehen.

„Ich benötige keine Uniform, mein Bionanzug ist ak...“ B´Elanna trat zu Seven zurück und legte ihren Finger auf dessen Mund und sah sie missbilligend an.

„Ja, ja, ich weiß schon er ist akzeptabel. Aber meiner Meinung nach ist er es nicht und ich will nicht das du in meinen Maschinenraum damit rumläufst. In deiner Freizeit kannst du ihn gerne wieder anziehen, da kann ich kaum etwas dagegen unternehmen, aber während des Dienstes bin ich deine Vorgesetzte und ich möchte das du eine Uniform trägst. Ist das klar?“ fragte B´Elanna und ließ ihren Finger von Sevens Mund sinken.

Seven stand von der Couch auf, streckte ihr Kinn arrogant empor und setzte ihre Borgmaske auf.

„Ja, Lt.“ sagte sie eisig und legte ihre Hände auf ihren Rücken und stellte sich steif vor B´Elanna auf.

„Hey, komm mir nicht so. Du hast kein Recht sauer auf mich zu sein, ich will dir nur helfen. Also bleib locker und gib mir ein Lächeln. Ich weiß, das du das kannst.“ sagte B´Elanna und zwinkerte Seven zu. Diese sah sie irritiert an.

„Lt.?“ fragte sie daher.

„Was ich meine ist, das du ab und zu mal lächeln könntest. Ich weiß das du es kannst und es würde dir nicht weh tun, aber alle Anderen um dich herum ein gutes Gefühl geben. Nun komm, wir replizieren deine Uniform und schauen, wie sie dir passt und wie du damit aussiehst.“

B´Elanna ging zu ihrem Replikation und gab den nötigen Code ein, wenige Sekunden später materialisierte sich die Uniform und B´Elanna übergab sie Seven, die sie hilflos ansah.

„Komm geh und zieh sie an. Auf den Bett liegt übrigens schon ein Sternenflotten Unterwäscheset, das musst du unter der Uniform anziehen.“ erklärte B´Elanna, während sie Seven in ihr Schlafzimmer schob.

Während Seven in B´Elannas Schlafzimmer sich umzog, replizierte B´Elanna für Seven und sich selbst einen kleinen Snack und etwas zum trinken und deckte ihren Esstisch damit.

Ungefähr 10 min später trat Seven unsicher in ihrer neuen Uniform aus B´Elannas Schlafzimmer und sah B´Elanna schüchtern an.

Als B´Elanna aufsah, entwich ihr ein kleiner Pfiff. „Wow Seven, das sieht ziemlich gut aus. Wie fühlst du dich in der Uniform?“

Seven dachte eine Weile über B´Elannas Frage nach.

„Gut“ sagte sie anschließend mit einen kleinen Lächeln auf ihren Lippen und B´Elanna grinste sie an.

„Dachte ich mir. Ich hab für uns etwas zu essen repliziert, komm setzt dich, ich hab wahnsinnig Hunger.“

Seven setzte sich und bemerkte sofort, das die Uniform es ihr viel mehr erlaubte bequem auf den Stuhl zu sitzen, als es der Bioanzug je getan hätte. Wo der Bioanzug sie im sitzen nur noch mehr zwickte und drückte und sie steif sitzen ließ, konnte sie sich jetzt entspannt hinsetzen und nichts tat dabei weh.

„Besser oder?“ fragte B´Elanna und Seven nickte ihr zu, während sie von ihren Sandwich ein Bissen nahm.

„Wieso wolltest du eigentlich nicht, das wir deinen Bioanzug verändern?“ fragte B´Elanna mit vollem Mund neugierig nach.

„Es war eine Art Selbstbestrafung.“ erklärte Seven, nach dem sie zu Ende gekaut hatte, leise.

„Ah, ich verstehe.“ erwiderte B´Elanna und aß ihr Sandwich weiter.

„Ich soll bei den Wildmans wohnen. Der Captain will nicht das ich allein bin. Wissen die Wildmans, was ich getan habe?“ fragte Seven ängstlich.

B´Elanna sah von ihrem Essen auf.

„Nein, sie wissen nur das es dir schlecht ging und das der Captain denkt, das es gut für dich ist, eine Weile bei ihnen zu wohnen. Der Captain hatte zuerst mich gefragt, doch da ich oft bei Tom bin oder Tom hier bei mir ist, wäre das keine günstige Wohnsituation gewesen, weil du dich vielleicht unwohl gefühlt hättest. Außerdem ist mein Quartier zu klein für eine Wohngemeinschaft. Dann hat der Captain überlegt das sie dich bei sich im Quartier aufnimmt, aber da waren Kommander Chakotay und Tuvok sofort dagegen.“ erzählte B´Elanna.

„Wieso?“ fragte Seven neugierig.

„Nun zum einen, weil der Captain ihre Ruhe in ihrer Freizeit braucht, um voll einsetzbar im Dienst zu sein und zum anderen weil...“ B´Elanna stockte.

„Weil?“ hackte Seven nach.

„Nun ja, es würde den Rest der Crew merkwürdig vorkommen. Sie nimmt sich schon so genug  Zeit für dich. Der Rest der Crew und ich ebenfalls, sind daher nicht sehr gut auf dich zu sprechen.“ gab B´Elanna leise zu.

Seven runzelte ihre Stirn und sah B´Elanna irritiert an.

„Wieso?“ fragte sie daher.

„Weil du Privilegien hast, die wir anderen nicht haben. Das erzeugt Unmut, Frustration und Neid innerhalb der Crew.“ antwortete B´Elanna ehrlich.

„Privilegien? Erklär mir das!“ bat Seven.

„Nun, du kannst zum Beispiel jeder Zeit beim Captain in ihren Quartier auftauchen und hast ihre volle Aufmerksamkeit. Ihr verbringt Freizeit miteinander und ihr spielt zusammen Velocity. Du kommst mit Dingen ungestraft davon, wo wir anderen gleich einen Eintrag in die Dienstakte bekommen oder eine Strafpredigt. Du bist oft unhöflich, arrogant und abweisend. Doch der Captain tut es einfach ab, weil du eine Borgdrohne warst und erst verschieden Dinge, so wie soziales Verhalten, lernen musst.  Das sind alles Privilegien, die nur du hast und sonst niemand auf der Voyager. Und wusstest du, das der Captain niemanden aus ihrer Crew bevorzugen darf, sondern jeden gleich behandeln muss? Aber jeder aus der Crew weiß, das du ihr Liebling bist. Also wie würde es aussehen, wenn du jetzt auch noch bei ihr wohnen dürftest?“ fragte B´Elanna.

„Nicht gut.“ erwiderte Seven und verstand das Problem.

„Siehst du, daher hat der Captain die Wildmans gefragt.“  antwortete B´Elanna.
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