Longing

von Liany
GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Kim Seokjin Suga
23.08.2019
14.02.2020
26
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9
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Kapitel 26
Plaything


Seokjin

Lustlos stocherte ich in meinem Essen herum, seufzte schwer und musterte die Schlüsselkarte, die zu Yoongis Wohnung gehörte. Immer wieder berührte ich sie mit den Fingerspitzen, so als müsste ich mich vergewissern, dass sie echt war.
Nachdem mich Yoongi bei unserem letzten Treffen einfach weggeschickt hatte, kam mir alles was ich mit ihm erlebt hatte unwirklich vor. Er hatte es nicht leicht, dafür würde ich ihn auch niemals verurteilen, aber mich nach dem Sex einfach wegzuschicken verletzte mich.
Ich hatte kein Problem damit zu warten, ich wusste zwar nur zum Teil was seine Eltern damals getan und gesagt hatten, aber niemals würde ich ihn zu irgendetwas drängen.
Es reichte mir in seiner Nähe zu sein, ihn zu berühren oder sein seltenes Lächeln zu sehen.
Aber sobald er anfing an damals zu denken, hielt er mich auf Abstand und rutschte wieder in sein altes Verhalten. Kühl, reserviert und völlig emotionslos.

Fünf Tage war es nun schon her. Ich hatte jeden einzelnen gezählt und mich in meiner Wohnung verkrochen. Vor fünf Tagen hatte er mich weggeschickt, als wäre ich eines seiner Spielzeuge und genau das störte mich an der ganzen Sachen.
Wenn es ihm damit besser ging, würde ich sogar auf die drei kleinen Worte und eine Beziehung verzichten, aber ich wollte keiner von vielen sein.
Seufzend nahm ich die Schlüsselkarte in die Hand, drehte sie gedankenverloren hin und her und ließ sie mit einem dumpfen Geräusch auf den Tisch zurückfallen.
Unzufrieden stand ich auf, nahm meinem Teller, auf dem das Essen nicht mehr als solches zu erkennen war und schmiss die Reste in den Müll.
Gut möglich, dass ich ein wenig überreagierte, aber so wirklich konnte ich mich gegen meine Gedanken nicht wehren.

Mit einem genervten Brummen vernahm ich das Geräusch meines vibrierenden Smartphones, welches im Wohnzimmer über den Tisch rutschte. Wirklich Lust auf ein Gespräch hatte ich nicht, als ich jedoch Taehyungs Namen auf dem Display erkennen konnte, wusste ich, dass ich ihn nicht ignorieren konnte.
„Hey Jinnie“, flötete mir seine tiefe Stimme entgegen und unwillkürlich zogen sich meine Mundwinkel nach oben. Er war gut drauf und obwohl wir nur telefonierten, steckte er mich mit seiner guten Laune an. „Ist mein liebster und bester Freund zuhause?“, ließ er mich nicht zu Wort kommen und kicherte dabei.
Ich spielte mit dem Gedanken mir eine Ausrede einfallen zu lassen, entschied mich dann aber dagegen. Taehyung hatte mir schon so oft geholfen, da konnte ich mich wohl mit ihm treffen und meine Probleme erst mal hinten anstellen.
„Ja, bin ich. Warum?“, fragte ich ihn und lief langsam durch mein Wohnzimmer.
„Weil ich gleich vor deiner Tür stehe“, teilte er mir mit und legte direkt danach einfach auf.
Irritiert ließ ich mein Handy sinken und schüttelte den Kopf. Taehyung war immer für eine Überraschung gut und so wie angekündigt, klingelte es im nächsten Moment.
Auf dem Weg in den Flur schob ich mein Smartphone in meine Hosentasche und öffnete die Wohnungstür, woraufhin mir Taehyung direkt um den Hals fiel.
„Wow, so stürmisch heute“, lachte ich und hielt ihn an seinen Hüften fest, damit wir nicht zusammen hinfielen.

Kichernd löste Taehyung sich von mir, schob mich zurück in meine Wohnung und kickte die Tür mit dem Fuß ins Schloss. „Ich habe super Nachrichten“, freute er sich und legte einen Arm um meine Schulter. Freudestrahlend sah er mir ins Gesicht und auch wenn mir nicht danach war, rang ich mir ein kleines Lächeln ab.
„Ich wurde-“, setzte Taehyung und verstummte abrupt. Mit zusammengezogenen Augenbrauen musterte er mich, bis sein Lächeln langsam aber sicher verschwand.
„Was hat er gemacht?“
Erstaunt entgleisten mir jegliche Gesichtszüge und ich räusperte mich verlegen. „Nichts“, antwortete ich viel zu schnell und wich zurück, als Taehyung sich mir bedrohlich näherte.
„Lüg. Mich. Nicht. An“, zischte er und betonte jedes Wort einzeln. Ich konnte nichts vor ihm geheim halten, denn dafür kannten wir uns schon viel zu lange. Resignierend ließ ich die Schultern hängen und ergab mich damit meinem Schicksal.
„Wir haben uns gestritten“, murmelte ich. „Aber ich reagiere nur ein wenig voreilig. Also ist es nicht so wichtig“, versuchte ich das Thema herunter zu spielen und lächelte leicht. Taehyung war nicht überzeugt, denn er verschränkte seine Arme vor der Brust und sah mich abwartend an.
„Tae, wirklich. Es ist nicht der Rede wert.“ Beschwichtigend legte ich eine Hand auf seine Schulter und sah ihn eindringlich an. „Glaub mir.“
Schnaubend schüttelte er lediglich den Kopf, packte meine Hand und zerrte mich unsanft hinter sich her.
„Hinsetzen“, befahl er mir und schubste mich bestimmend in Richtung meiner Couch. Ein wenig eingeschüchtert ließ ich mich in die weichen Polster sinken und schrumpfte unter Taehyungs wütendem Blick in mich zusammen.

„So und jetzt von Anfang an. Was hat er gemacht?“, wiederholte er seine Frage. Sein durchdringender Blick ließ mich schwer schlucken und ich griff nach einem der Kissen neben mir, um es mir gegen den Bauch zu drücken. Ablenkend malte ich kleine Kreise auf den Stoff und richtete meine Aufmerksamkeit dann auf Taehyung.
„Wie du weißt hat Yoongi große Probleme damit Gefühle zu zeigen. Egal in welcher Form“, begann ich zu erzählen. „Eigentlich ist es lächerlich, dass ich mich so darüber aufrege. Aber er hat mich, als wir uns das letzte Mal gesehen haben, einfach rausgeschmissen.“
Verwirrt lockerte Taehyung seine Haltung und sah mich verständnislos an. „Ähm, was ist das genaue Problem?“
„Es war nicht das erste Mal. Nur habe ich mir damals noch keine Gedanken darüber gemacht“, antwortete ich und drückte das Kissen näher an mich.
„Ich kann dir irgendwie nicht folgen“, murmelte mein bester Freund und setzte sich neben mich.

„Beinah jedes Mal, wenn Yoongi und ich Sex hatten oder anderweitig intim geworden sind, hat er mich danach weggeschickt. Anfangs habe ich es einfach so hingenommen, aber nach dem letzten Mal, hat es mich stutzig gemacht“, versuchte ich ihm mein Problem zu erklären. „Ich muss dabei an deine Worte denken“, fügte ich noch hinzu, bevor ich verstummte und vorsichtig einen Blick in Taehyungs Richtung wagte.
„Meine Worte?“, fragte er und wirkte dabei ein wenig geschockt. „Du meinst, als wir bei Yoongi zum Essen eingeladen waren? Als ich gesagt habe, dass er dich nur hinhält?“
Unsicher nickte ich und erschrak, als er sich plötzlich zu mir drehte und nach meiner Hand griff. „Es tut mir so Leid, Jin. Ich wollte nicht, dass du deswegen so niedergeschlagen bist. Ich war einfach nur sauer und dann rede ich meist schneller, als ich denke. Hätte ich gewusst, dass es dich so beschäftigt, hätte ich meine Klappe gehalten“, sprudelte es aus Taehyung hervor, während er meine Hand drückte. „Wenn ich ehrlich bin, hab ich selber gesehen, wie er sich verändert hat. Ich habe einfach nur Angst um dich. Dabei sehe ich ganz genau, wie wichtig er dir ist und wie gut er dir tut. Du bist in den letzten Wochen aufgeblüht und hast so viel gelacht.“ Mittlerweile glitzerten Tränen in seinen Augen und ich entzog ihm meine Hand, um ihn an meine Brust zu ziehen.

Sein Ausbruch schockte mich und gleichzeitig durchströmte mich ein warmes Gefühl. Solch einen guten und fürsorglichen besten Freund zu haben, war keine Selbstverständlichkeit.
„Tae“, flüsterte ich und fuhr mit meinen Fingern durch seine weichen Haare. „Ich habe mir nicht nur wegen deinen Worte Gedanken gemacht. Ich bin schon die ganze Zeit unsicher. Wir wissen beide, wie Yoongi damals war und davor habe ich tierische Angst.“
Ich spürte wie Taehyung sich mit seinen Fingern in meinem Oberteil festkrallte und sich mit seinem vollen Gewicht gegen mich lehnte.
Niemand sagte er mehr ein Wort, schweigend saßen wir auf meiner Couch und hielten uns gegenseitig fest. Vieles wurde gesagt, über das wir erst nachdenken mussten und danach konnten wir immer noch über eine Lösung nachdenken.


„Gibt es denn Anzeichen dafür, dass Yoongi nur mit dir spielt?“, fragte Taehyung mich leise und kuschelte sich etwas mehr in die Decke, in die ich ihn eingewickelt hatte.
„Nein, überhaupt nicht“, antwortete ich und nippte an meinem Tee, der schon längst kalt war. Träge glitt mein Blick durch das große Wohnzimmerfenster nach draußen, wo die Sonne bereits langsam unterging. Taehyung war zur späten Mittagszeit gekommen und es überraschte mich, wie lange er schon hier war.
„Ich rede mir ein, dass es in Ordnung ist, wenn er nicht mit mir in einer Beziehung sein will“, nuschelte ich und seufzte schwer. „Oder wenn er die drei kleinen Worte nicht erwidern kann.“
„Du hast es ihm schon gesagt?“, fragte Taehyung überrascht und sog zischend die Luft zwischen den Zähnen ein, als ich zaghaft nickte.
„Ich weiß was du sagen willst. Aber er meinte, dass er Zeit braucht“, unterbrach ich ihn sofort, als er den Mund öffnete um etwas zu sagen. „Dabei will ich ihm nichts unterstellen. Aber seit letzten Mal komme ich mir vor wie ein Spielzeug“, brummte ich unzufrieden und stellte meine Tasse zur Seite.

„Jin?“ Der unsichere Klang in seiner Stimme, ließ mich meinen Kopf in seine Richtung drehen und fragend eine Augenbraue hochziehen.
„Ich glaube nicht, dass er dich als Spielzeug ansieht.“ Überrascht weiteten sich meine Augen und ich sah meinen besten Freund an, als würde ich ihn zum ersten Mal sehen.
„Was? Bist du krank?“, fragte ich, woraufhin Taehyung leise lachte.
„Spinner. Natürlich bin ich nicht krank. So wie er dich ansieht, wenn du es nicht bemerkst, kann er es nur ernst meinen“, sagte er und schüttelte dann den Kopf. „Auch wenn ich es nicht wahrhaben will, er mag dich wirklich.“
„Wie schwer ist es dir gefallen, dass zuzugeben?“, lachte ich und wich zurück, als mir gegen die Stirn schnipsen wollte.

„Was wirst du jetzt machen?“
Sofort erstarb mein Lächeln auf meinen Lippen und ich dachte noch mal über alles nach. Doch so wirklich klar beantworten konnte ich mir seine Frage nicht. „Um ehrlich zu sein, weiß ich es nicht.“
„Hat er dir seit dem letzten Mal geschrieben?“, hakte Taehyung nach und streckte sich ausgiebig, bevor er seine Beine auf meinen Schoß legte.
„Ja, aber ich habe nicht darauf reagiert“, gab ich zu und schämte mich dafür. Ich hatte seine Nachrichten nicht mal gelesen und auch seine Anrufe hatte ich einfach ignoriert.
„Wenigstens etwas. Ich dachte schon, dass er dich einfach ignoriert und darauf wartet, dass du dich bei ihm meldest“, erwiderte Taehyung und schnalzte mit der Zunge.
„Ich hab darüber nachgedacht zu ihm zu gehen“, nuschelte ich und verzog das Gesicht, als Taehyung mir mit der flachen Hand auf die Brust schlug.
„Gut, dass du es nicht gemacht hast. Er soll gefälligst zu dir kommen, immerhin hat er den Fehler gemacht“, regte sich Taehyung auf und ungewollt musste ich darüber lachen.
„Du bist süß wenn du dich aufregst“, kicherte ich und erntete dafür einen warnenden Blick von ihm.

„Zeig ihm die kalte Schulter“, wechselte er das Thema und zuckte mit den Schultern. „Mach ihm begreiflich was er an dir hat.“
„Ich glaube nicht, dass ich das kann.“
„Mach das, womit du dich am wohlsten fühlst. Aber du weißt, dass ich recht habe“, erwiderte er und verdrehte die Augen, als er meinen unsicheren Blick bemerkte. „Du bist zu gut für diese Welt“, seufzte er.
„Ich werde nochmal darüber nachdenken was ich mache“, versprach ich ihm und hoffte, dass er mir meine innere Unruhe nicht ansehen konnte. Denn eigentlich war ich mir sicher, würde er vor mir stehen und sich entschuldigen, hätte ich ihm sofort verziehen. Was eine große Charakterschwäche von mir war, aber ich war Yoongi nun mal völlig verfallen. Im Grunde hatte ich seit Tagen ein schlechtes Gewissen.

„Was wolltest du mir vorhin eigentlich erzählen?“, lenkte ich unsere Gespräch in eine andere Richtung und sofort erhellte sich Taehyungs Miene.
„Ich wurde befördert.“
„Das freut mich für dich. Du hast solange darauf gewartet“, beglückwünschte ich ihn und lachte, als Taehyung aufsprang und freudestrahlend durch die Gegend hüpfte. Für den Moment vergaß ich Yoongi und ich stieß mit Taehyung auf seine Beförderung an. Es tat unglaublich gut, mich mit ihm zu unterhalten und Zeit zu verbringen. Wir vergaßen dabei völlig die Zeit und erst gegen Mitternacht verabschiedete er sich von mir.

Sobald ich die Tür hinter ihm geschlossen hatte, waren die Gedanken an Yoongi wieder da und ich zog mein Smartphone aus der Hosentasche. Mit einem unguten Gefühl im Bauch ignorierte ich seine Nachrichten und wählte seine Nummer.
„Seokjin“, hauchte er, als er meinen Anruf beinah sofort entgegen genommen hatte. „Bitte lass es mich dir erklären.“
„Ich warte auf dich in meiner Wohnung“, sagte ich lediglich und legte direkt wieder auf.
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