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Branza 2062

von A1etheia
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
OC (Own Character)
23.08.2019
27.09.2019
3
11.464
 
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27.09.2019 2.343
 
01.06.2063

Mit einem Teil von dem neuen Geld habe ich mir ordentliche Ausrüstung zugelegt. Das ist aber blos Nebensache. Meiner Familie hab ich genug gegeben, damit sie die nächsten Wochen gut über die Runden kommt und noch was extra, für den Notfall. Mit dem Rest will ich uns einen Fastfoodwagen kaufen, so eine rollende Dönerbude, nur halt nicht für Döner. Ich hab mich umgehört, Willst du ein Teil, das nicht schon einem Dutzend Vorbesitzern unterm Arsch weggerostet ist und unter deinem ganz sicher zusammenkracht, musst du ganz schön blechen. Der eine oder andere Run muss noch laufen, bevor wir uns das leisten können.

Gegen Abend holt uns unser Kojote ab, ein Zwerg mit Riggereinbauten, wie ich sie schon von Razmi kenne. Die ist ziemlich begeistert von seinem Van, der dick mit versteckten Extras ausgestattet ist. Sein Hobby ist ziemlich offensichtlich. Im Van ist überall mittelalterlich aussehende Deko angebracht und er selber nennt sich Rhinegold. Snapshot ist auch Fan und die beiden unterhalten sich die halbe Fahrt über diesen Comic, von dem ich noch nie gehört habe und der unter Zwergen wohl voll der Renner ist. Ich lasse mich treiben, betrachte die leuchtende Welt draußen durch die Wände des Vans.

Mitten in der Nacht rasten wir in einem aufgegebenen Bauernhof kurz vor der Grenze Bayerns. Es geht weiter und Rhinegold schaltet um in den Tarn- und Schleichmodus. Es gibt viele Straßen nach Bayern hinein und noch mehr Feldwege. Die lassen sich nicht lückenlos überwachen. Auf einem der holprigen Schleichwege überqueren wir die Grenze, den Rest der Nacht bleiben wir auf dunklen Landstraßen. Kurz vor Augsburg wird Rhinegold nervös, als seine Sensoren eine sich nähernde Drohne erfassen. Wir alle atmen auf, als wir sie hinter uns lassen, ohne ihre Aufmerksamkeit erregt zu haben. Es geht weiter durch die schlafenden Wohnviertel Münchens, bis wir schließlich in Ismaning halten.

Die Gegend besteht aus mehrgeschossigen Mietblöcken mit viel Wiese dazwischen. Wir klingeln bei Hans Pfeffer. Uns öffnet ein schwarzer Ork mit zerzausten Rastas in Jeans und Unterhemd, der sich uns als Spicer vorstellt. Ich habe eine Maske aufgesetzt. Niemand wird sich an mich erinnern, selbst wenn, wer war ich schon, damals. Trotzdem fühle ich mich nicht wohl dabei, hier mein eigenes Gesicht zu zeigen und nenne mich Franzi. Wir klären die Formalitäten, drücken die Miete für die kommenden zwei Wochen ab und ein zweiter Typ, Franzl, ein Norm, bringt uns in unsere Wohnung im Steinbachweg. Ich frag mich, wie dick die zwei mit SK sind.

02.06.2063

Spicer meint, er hätte ein paar Jobs für uns, falls wir uns langweilen. Wir hören uns an, was er zu sagen hat. Die ersten zwei sind Diebstähle und erstmal nichts Besonderes, Industriespionage. Aus einem Labor sollen ein Prototyp und einem Designer seine Entwürfe gestohlen werden. Der letzte ist Wetwork. Der Weiße Ring zahlt, wenn wir einen Kinderschänder auf dem Weg zu seinem Prozess abknallen.

Auch, wenn wir heute nicht arbeiten wollen, lassen wir uns schon mal die Infos für den Job mit dem Prototyp, dem RX2000 geben. Für den wird eine gute Summe geboten und außerdem gibt es extra, wenn niemand stirbt. Ich finds ganz gut, wenn Trigger einen Anreiz hat, nicht scharf zu schießen.

Das Team will Urlaub machen, wenn wir schon mal hier sind und wir ziehen nachmittags durch die Innenstadt Münchens, besuchen die Touriläden. In einem davon lasse ich mir sau teure Edelweiß-Klamotten aufschwatzen. Dabei hätten wir auch einfach nach Grünwald fahren und einen Rot-Kreuz-Container knacken können.

Abends gehen wir dann ins Pascha, ein Laden, den es schon ewig gibt und in dem sich Schickeria und Touris vergnügen. Razmi und Trigger sind voll dabei, in Feierlaune und machen mit ein paar Mädels rum, die nach geldigen Studentinnen aussehen. Sie bieten ne ziemliche Show, ein Haufen Kerle drängen sich um sie und passen nicht auf, was sonst noch so passiert. Es ist ein Kinderspiel, ihre Taschen auszuräumen.

03.06.2063

Unser Schmidt weiß nicht, was genau der RX2000 ist oder gibt die Info nicht weiter. Wir wissen, dass das RX-Gen von einer bestimmten Frettchenart kommt und dafür sorgt, dass die Tiere Magie spüren können. Zum ersten Mal richtig erforscht hat das Dr. Schartner, die jetzt bei BioEngineering Inc., der Firma, in die wir einsteigen sollen, arbeitet und ganz in der Nähe in einem gesicherten A-Gebiet wohnt. Der Prototyp ist dann vielleicht eines dieser Frettchen oder etwas, was daraus gemacht wurde.  Von Spicer bekommen wir Außenaufnahmen des Geländes und einen groben Plan vom Erdgeschoss. Um den Rest müssen wir uns selbst kümmern.

Ich spähe die magischen Sicherungen aus und hab Rudi, der mir dabei hilft, in dem er mich in den Schachtblumenweg führt. Rudi ist ein menschlich aussehender Geist in Lederhosen, wie man sich als Auswärtiger einen Münchener eben vorstellt. Die magischen Sicherungen, drei schwächliche Watcher können wir wahrscheinlich gut umgehen. Auf den Rasenflächen um das Labor herum ist ein Wachcritter eingesperrt. Auch an dem werden wir vorbeikommen.

Als ich wieder zurück bin, ist es später Nachmittag und ich gehe zusammen mit Snapshot in der physischen Welt kundschaften. Wir besuchen eine Kneipe ganz in der Nähe des Labors. Mit dem Ende des Arbeitstages kommen ein paar Gäste rein, die Firmenausweise am Gürtel baumeln haben. Einen davon schnappen wir uns, er sieht müde aus und beschwert sich über Probleme mit dem Lieferdienst. Während er sich bei Snapshot ausheult, besorg ich mir seine ID-Karte, dann sind wir wieder weg.

Trigger hat sich von Spicer die Kontaktdaten von einem Schieber geben lassen. Ich brauch zwar nix, bin aber trotzdem bei der Einkaufstour dabei. Spicer warnt uns, dass Grendel ein seltsamer Anblick wär aber so wirklich rückt er nicht mit der Sprache raus.
Die Adresse, die Spicer uns genannt hat, liegt in einer SEZ, nicht gerade ein Vorzeigeviertel der Vorzeigestadt. Wir haben kein Auto und die Öffentlichen fahren hier nicht, wenns dunkel ist, also müssen wir das letzte Stück zu Fuß gehen. Man sieht uns wohl an, dass wir Touris sind. Auf jeder Straßenseite kommt eine Handvoll Ganger aus einem Hauseingang, die Waffen im Anschlag. Normalerweise kein Problem, wir sind ja Profis. Ich will in Abwehrhaltung gehen, bewege mich aber kein Stück. Auch Snapshot neben mir rührt sich nicht, bis wir zwei wie auf Kommando unsere Waffen fallen lassen. Ein paar von den Gangern laufen einfach an uns vorbei, nach hinten und beharken die anderen drei mit Sturmgewehren, während wir uns die Hände brav mit Kabelbindern fesseln lassen.

Aus dem Dunkel taucht eine weitere Gestalt, ein Mann auf. Er sieht weniger abgehalftert aus, als die Ganger mit ihren blutunterlaufenden Augen. Sein Gesicht ist mager, knochig und beim Lächeln zeigt er lange Fangzähne. Unsere Kameraden hinter uns haben endlich geschalten, schießen zurück und von hinten fliegen Kugeln nach vorne. Beinahe zeitgleich kommen Snapshot und ich wieder in Bewegung. Rudi schaltet meinen Aufpasser aus, der von Snapshot bekommt einen Schlag in die Eier. Der Geist verabschiedet sich, sein Dienst ist erfüllt. Eine Gangerin fällt unter Razmis Schüssen und im nächsten Augenblick richtet Razmi die Pistole auf David. Ich reiße eine Wand aus Kraft nach oben, sie schneidet den Zauber des Vampirs ab, bevor Razmi abdrückt. Die Ganger sind immer noch in der Überzahl, schießen wild auf uns. Snapshot und ich schaffen es gerade so in Deckung. Es ist so viel Blei in der Luft, dass wir kaum einen Moment zum Zurückschießen finden. Der Vampir scheint die wenigen Treffer, die Trigger landet, kaum zu spüren.

Ich rufe in die Geisterwelt, bitte das Tier, dass hier am stärksten ist, zu mir und hetze es gegen die Angreifer. Das bewirkt die Wende. Die Ganger müssen ihr Feuer aufteilen, können der riesigen Assel nichts anhaben. Die anderen tauchen aus ihrer Deckung auf. Ihre Feuerstöße decken die ganze Breite der Straße vor uns ab. Sie drängen die Angreifer, von denen einer nach dem anderen auf dem Asphalt zusammenbricht, zurück. Vampir und Assel liefern sich einen Zweikampf, der endet, als das Tier den Kopf seines Gegners abzwickt.

David, Razmi und ich sichern die Gegend, während Trigger und Snapshot die Toten durchsuchen und berauben. Unter den Beutestücken sind auch einige Ampullen mit einer dunklen Flüssigkeit, die mir Snapshot unter die Nase hält. Sie riecht nach Blut: Renfield. Ich zerstöre es. Die Straße ist wie ausgestorben. Aus den Fenstern blicken einige Gesichter verstohlen nach unten aber niemand rührt sich. Um uns herum liegen die Leichen des Vampirs und seiner Igors. Wir könnten die Polizei rufen, wir könnten sie zudecken, beiseite räumen, ihre Augen schließen aber wir drehen uns um und gehen weiter. Ich bin in den Schatten angekommen.

Grendels Waffenshop ist in einem ehemaligen Spielzeugladen. Als wir klingeln rechnen wir halb damit, dass wir gerade den Chef umgebracht haben. Aber eine Orkin in knappem Lederoutfit öffnet uns und winkt uns nach hinten durch, als wir Spicer erwähnen. Der Riese aus dem Schwarzwald ist nochmal ein Meter größer, als die Trolle um ihn herum und die sind schon riesig. Er hat sich einen Thron aus Matratzen gebaut, auf dem er liegen bleibt, als wir reinkommen. Dann noch ein weißer Iro und ein grün gefärbter Bart und Spicer hat Recht, Grendel ist ein ungewöhnlicher Anblick. Eine Trollin in grüner Spitzenunterwäsche liegt mit ihm auf dem Matratzenberg. Die anderen Leute im Raum sind auch entweder Trolle oder Orks und alle tragen grüne Duftbäumchen an ihren Klamotten, das Markenzeichen der Gang. Razmi und Trigger sind ganz hibbelig, als sie durch seinen Bestand gehen. Sie kaufen ein bisschen Technikkram ein und besorgen uns ein Auto für die nächsten Tage.

Der Run steigt direkt nach unserem Abstecher bei Grendel. Wir passen den richtigen Moment ab, um an den Watchern vorbei zu kommen und betreten das Gebäude. Wir gehen zu dritt rein, aber die Wachleute sehen nur David, dem ich das Aussehen von Hannes Braunstedt, dem Angestellten, mit dessen Karte wir reinkommen, verpasst habe. Trigger ist unsichtbar gleich hinter ihm, ich habe meinen Körper verlassen, um die beiden zu tarnen. Hannes hat was Wichtiges im Büro vergessen und muss nochmal nach oben, das ist unsere Story. Beinahe fliegen wir auf, als einer von seinen Kollegen mit ihm quatschen will.
Hannes hat ein Problem mit seiner Sicherheitskarte, unser Trick, um nah genug an den Sicherheitsmann dieses Stockwerks ranzukommen. Er merkt nichts, bis er betäubt in seiner Kammer liegt und auch das bekommt er ja nicht wirklich mit. David klemmt sich vor eine der Sicherheitskonsolen und ist im System. Der Decker checkt die Baupläne und Sicherheitseinrichtungen, auf die wir von außen keinen Zugriff hatten und gibt Hannes die nötigen Rechte für quasi alles. Die Systeme lassen uns von da an alle Sicherheitsschleusen passieren. Fünf Minuten später sind wir im Keller.

Dort steht ein großer Glaszylinder, mit einer blubbernden Flüssigkeit drin. Etwas abseits ist eine Zelle, in der ein Pferd mit menschlichem Oberkörper und Pferdekopf eingesperrt ist. Überall sind Warnschilder. David scheint zu wissen, was sie bedeuten und steigt in einen der gelben Anzüge, die am Eingang des Bereichs hängen. Die unsichtbare Trigger dagegen riskiert nicht, dass ihre Tarnung auffliegt. Hinter dem Glaszylinder ist der Bereich, der im Computer mit RX-Forschung markiert ist. Eine Frau arbeitet dort, sie trägt das Namensschild von Dr. Schartner und ist betäubt, bevor sie Schwierigkeiten machen kann. Im Zentrum des hinteren Raums, umgegeben von einem Haufen Anzeigetafeln, stehen kleinere Zylinder, mit je einem Klumpen drin, der RX-2000. Wir schnappen uns alle und sind schon auf dem Weg nach draußen, als uns das Pferd anspricht.

Es bittet uns, es zu befreien, zu retten. Es ist traurig, ängstlich hoffnungsvoll. Ich bin körperlos, verlange von den beiden anderen, die Tür zum Käfig zu öffnen. David und Trigger wollen aber nichts riskieren. Sie wollen den Pferdemenschen dalassen, streiten sich mit mir. Als sie einfach abhauen wollen, mach ich ihnen die Entscheidung ein bisschen leichter, lasse Triggers Unsichtbarkeit fallen. Ohne mich wird es schwer für die zwei, hier wieder raus zu kommen. Schon spielen sie mit und nach ein paar Worten haben wir uns geeinigt. Die Tür des Käfigs wird geöffnet, für später. Ich bringe David und Trigger sicher nach draußen. Razmis Wespe bleibt unten, unterhält sich mit der Zentaurin, ihr Name ist Ganea, bis ich soweit bin, sie rauszuholen. Trigger ruft bei Spicer an, um ihm zu sagen, dass wir den Prototyp abliefern können. Sie meint er klingt komisch glaubt, er könnte uns verraten haben. Trigger und Snapshot machen sich bereit für die Übergabe, während mein Körper im Auto und mein Geist in der Anlage zurückbleiben.

Ganea ist zu groß, um sie unter Hannes Braunstedt oder irgendeinen anderen Mitarbeiter von BioEngineering Inc. zu verstecken. Die Assel von vorhin wartet im Astralraum abseits des Konzerngeländes. Ich bitte sie, an seinen Grenzen Dreck aufzuwühlen. Ein paar Sekunden später richten sich die magische Sicherheit und die Augen der Wachmannschaft nach außen. Ganea folgt mir durch die Sicherheitsschleusen. Die Zugangscodes braucht man nur, um reinzukommen, easy. Ich lotse sie in Richtung der S-Bahngleise. Die Seiten der Bahntrasse sind baumbestanden, hier kann sie sich verstecken, bis ich sie endgültig in Sicherheit bringen kann. Ich bitte die Geister um sie herum, sie zu verbergen und kehre zurück in meinen Körper.

Die Übergabe der Prototypen ist glatt gelaufen. Trigger und Snapshot teilen die Bezahlung aus. Wir haben uns den Bonus fürs saubere Vorgehen verdient und die beiden haben nochmal was extra ausgehandelt, weil wir die komplette Serie abgeliefert haben und nicht nur ein Exemplar.

Es ist jetzt schon tief in der Nacht, aber Grendel ist immer noch am Start. Razmi organisiert uns von ihm ein größeres Auto, eines, in das Ganea reinpasst. Wir fahren damit zurück zu dem Gestrüpp, in dem sie sich versteckt hat und laden sie ein. Sie kennt niemanden in München, wurde in Griechenland entführt und dann in das Labor hier verschleppt. Wir kennen hier auch niemanden, bis auf Grendel, also fühlen wir vorsichtig nach, ob er denn ein Plätzchen für einen Flüchtling kennen würde. Es stellt sich heraus, dass der Riese ein Faible hat für Menschen, die anders sind, die rumgestoßen werden, weil sie nicht der Norm entsprechen. Grendel feierts ziemlich, dass wir Ganea rausgeholt haben und verspricht, ihr zu helfen. Auf einmal tut jeder so, als wärs seine Idee gewesen.
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