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Branza 2062

von A1etheia
GeschichteAllgemein / P16
OC (Own Character)
23.08.2019
27.09.2019
3
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23.08.2019 3.095
 
09.05.2063

Es ist Anfang Mai und die Hitze flirrt über den Asphalt. In den Autos, Wohnwägen, Bussen ist es unerträglich heiß und stickig, egal, wie viele der trüben Plastikfenster wir aufreißen. Meine Sippe lebt draußen, auf dem aufgeworfenen Pflaster des Parkplatzes und in dem nie abreißenden Lärm und Staub der Autobahn. Wir bleiben unter uns, so gut wie möglich vor den Gästen der Raststätte verborgen, immer bereit abzuhauen.

Boris Kletzki, der Besitzer der DO-SE 41 und unseres Fleckchen Parkplatzes, schlendert zu uns hinter. Er spricht mit Onkel und der führt ihn zu mir. Boris hat Arbeit für mich. Geld ist immer knapp und Boris lässt nicht mit sich verhandeln, wenn es um die Miete geht. Er kennt sich aus. Ne Menge Leute kommen an der Raststätte vorbei, essen, tanken, schlafen dort, jeden Tag. Die meisten von ihnen leben ein gewöhnliches Leben, sehen nur, was ihnen gezeigt wird. Einige wenige haben ein zweites, drittes, viertes Gesicht, leben in einer Welt hinter der ersten Welt, scheren sich nicht um deren Regeln.

Mein zweites Gesicht heißt Brânză. Ich verstecke mich lieber vor der gewöhnlichen Welt. Vor den Fremden, die uns vertrieben, eingesperrt und getötet haben. Aber ich brauche Arbeit und Geld und deswegen weiß Boris ein wenig von dem, was ich kann. Von den Dingen, die Waschbär dem Mädchen, das sich durchs Münchener Ghetto geschlichen hat, beigebracht hat. Damals habe ich für ein paar Nyuen zum Geigenspiel meiner Brüder auf der Straße getanzt und für kaum mehr Laufburschenarbeit rund um den Olympiapark erledigt. Heute verspricht mir Boris 2000¥, wenn ich helfe, den verschwundenen Sohn eines reichen Mannes zu finden.

Hermes, der Schieber, für den Boris sich als Talentscout betätigt, bestellt mich für heute Abend in die Grasbaumstraße in Bottrop. Meine Leute sind dabei, packen die Kleinen ein und wir ziehen los, um die Gegend zu beobachten, wo ich mich zwei Stunden später mit meinem zukünftigen Team treffen soll. Eine kleine Ladenpassage: genug los, dass ein paar Nuyen abfallen aber nicht gut genug betucht, um die Polizei zu rufen, nur weil ein paar Zigeunerkinder betteln. Alles bleibt ruhig.
Nach und nach treffen drei andere ein, die genau wie ich hier warten und sich nach allen Seiten umblicken. Zuerst taucht eine Orkin auf, rasierte Schläfen, bunter Iro. Ihre Frisur gewährt einen guten Blick auf die Buchsen in ihren Schläfen, Riggerhardware. Die nächste, die ankommt, verhält sich gelassen, selbstsicher, schaut aus, als wär das nichts neues für sie. Ihre Aura durchziehen leere Gräben, die die Maschinen in ihren Körper hinein geschnitten haben. Das Äußere der Norm gibt nichts davon Preis. Genauso wenig sehen die Gewöhnlichen, wie die Aura des zweiten Norm bis in die Fingerspitzen hinein vor Kraft glüht. Sein Äußeres zieht nicht nur meinen Blick auf sich. Er fühlt sich unwohl. Hinter ihm betrete ich Hermes Laden.

Der Schmidt ist nicht hier. Zusammen mit den Fremden steige ich in eine Limousine, die uns nach Essen bringt, zu einem Italiener. Einer, bei dem es echtes Essen gibt, nicht nur gepresstes und gefärbtes Soy-Zeug. Unser Tisch ist reserviert für 20:01, der Schmidt pünktlich. Er ist nervös mindestens so sehr, wie ich. Ich beteure, dass ich Profi bin, niemand muss wissen, dass ich das zum ersten Mal mache. Wir haben ziemlich schnell raus, dass es was Persönliches ist, vielleicht geht es um seinen Sohn. Die anderen können gut reden, stellen die richtigen Fragen. Nicht so wie ich. Mein Deutsch ist schlecht. Ich muss mich konzentrieren, wenn sie schnell oder durcheinander sprechen. Meistens machen sie beides.

Der Junge, den wir finden sollen, nennt sich Big J, heißt aber eigentlich Jannek Vordermeier. Er ist 18 und eigentlich ein braver, angepasster Konzernbürger. Aber er träumt davon, so zu sein, wie wir: Runner. Er kennt nur die geilen Bilder aus dem Trid, Karl Kombatmage und so. Jannek hat ein schönes Leben, weiß nicht, was wen wie mich dazu bringt, wem wie ihm den Arsch zu retten. Dabei ist der Job gar nicht mal schlecht. Eltern ihr verschwundenes Kind wiederbringen. Das sind nicht die Schatten, von denen man mir erzählt hat. Das ist nichts, womit ich meiner Familie Schande mache. Trigger, der vercyberten Sam, scheints egal zu sein, die beiden anderen wirken erleichtert. Der Schmidt gibt uns einen Haufen Infos: Fotos, Freunde, Orte, Gewohnheiten.

10.05.2063

Am Morgen treffen wir uns wieder. Ein Starbucks in den Ausläufern Bochums. Der ganz Laden duftet. Die Preise sind für Leute mit Arbeit, Geld. Leute mit einem Haus oder einer Wohnung mit Strom und fließend Wasser. Ich nehme nichts aber Trigger lässt raushängen, dass sie Kohle hat. Frühstück für alle. Onkel wäre sauer, wüsste er, dass ich mit Gadže esse, gut schmeckt es trotzdem.

Hermes ist Triggers Kumpel und besorgt ihr für was extra was extra. Über ihn hat sie nen Decker an der Hand, den wir einschalten können, wenns nicht reicht, die Knöpfe nur von außen zu drücken. Er heißt David und ist nicht da, ruft nur mal kurz übers Telefon durch. Er will extra Kohle, wenn er schnell arbeiten soll. Dringlichkeitszuschlag nennt er das und Trigger sagt, sie zahlts aus ihrer Tasche.

Wir stellen einen Plan für die Suche auf. Anfangen wollen wir im Neo-Fire, einem Club, zwei Preisklassen zu niedrig für ein Söhnchen der Managerebene aber genau das verspricht den Kick für ihn und seine beiden Freunde. Die beiden anderen Frauen im Team verarschen mich wegen meiner Kleidung, dem Kopftuch, dem bodenlangen Rock bedruckt mit Blumen, die nicht im Ghetto und nicht an der Autobahn wachsen. Damit pass ich nicht ins Neo-Fire. Mein Vorschuss geht drauf für ein nuttiges Outfit von H&M. Wenigstens ist es schusssicher, naja Level H&M.

Im Club dröhnt die Musik, lässt meine Kehle vibrieren und zwingt meinen Herzschlag in ihren Takt. Die Beleuchtung wechselt wild durch die ganze Farbpalette. Von den Gästen sind nur so die Hälfte Norms, der Rest Orks. Schon das ein Zeichen dafür, dass Alk und Drogen in dem Schuppen billig sind. In unserer Verkleidung passen wir hier rein. Schnell hängt eine Traube geiler Orks an Razmi, Trigger und mir dran. Am liebsten wär ich unsichtbar. BroZac, der durchtrainierte Typ mit der leuchtenden Aura, genießt es, die Tanzfläche gehört ihm. Im Starbucks hat er behauptet, er wär Katholik, Priester in einem Heim für Straßenkids. Dafür geht er ganz schön schnell ganz schön heiß ran. BroZac verschwindet mit der Tussi, die sich am aufdringlichsten an ihm gerieben hat in Richtung Hinterzimmer.

Was auch immer der Priester ihr auf dem schäbigen Bett ins Ohr flüstert, es dauert nicht lange und er hat sie geknackt. BroZac hat eine Nutte erwischt, ein Volltreffer, Ramona. Sie geht für die Vori anschaffen und hat ihnen den Jungen geliefert, ist jetzt Teil des Plans, ihn gefügig zu machen. Das ist keine Erpressungsgeschichte. Die Russen sind neu im Pott und müssen sich ihren Boden erst erkämpfen und dann müssen sie ihn behalten. Jannek, das Managerkind, das eine Managerschule besucht, wird einmal auf einem Managerstuhl sitzen. Manche Idioten hätten gerne ne Zecke im Pelz des großen Drachen. Gerade wird Jannek in einem Safehouse der Russen zu dieser Zecke gemacht, bekommt Chips in die Buchse reingeschoben, die sein Hirn durchrühren.

Ramona ist eine ziemliche Goldquelle für uns. Sie steckt BroZac auch, dass die Vori sich mit einer Go-Gang namens Dschihatz zusammengetan hat, die sie fürs Grobe bezahlen. Die haben aber schon ewig Beef mit Fussels Fuzzis, auch eine Go-Gang, nur, dass die fast nur aus Trollen besteht. Zufällig treibt sich Rok, der Quartiermeister der Gang auch im Club rum. Er lernt gern Leute kennen, die seinen Feinden eins auswischen wollen und bringt uns zu seinem Boss.

Die Gegend, in der das Hauptquartier der Gang liegt, ist runtergekommen. Der Sternschutz fährt hier nur mit hochgekurbelten Fenstern durch und die Miete wird auch schon lange nicht mehr von den Eigentümern der Wohnblocks eingezogen, schon eher von den Fuzzis. Die Gang hat sich in einem alten Kaufhaus eingenistet. Hohe Decken für große Trolle und viel Platz für große Bikes. Fussel tut, als wär er ein umgänglicher Typ aber das täuscht nicht darüber hinweg, dass er ganz schön unangenehm werden kann.

Wir verhandeln grad mit Fussel, da rasen die Bikes der Dschihatz in die Sackgasse, der Bandenkrieg geht in ne heiße Phase. Die Vori haben ihren Soldaten Schnellfeuerwaffen in die Hand gedrückt und uns fliegen die Kugeln um die Ohren. Fussels Fuzzis stürzen sich sofort in den Kampf, um ihre Basis zu verteidigen. Auch Trigger und BroZac sind vorne mit dabei. Sogar in ihrem knappen Outfit hat die Sam ne Menge Waffen untergebracht. BroZac braucht keine. Noch mehr Kugeln fliegen jetzt von der anderen Seite durch die Gasse. Ich hab eine Pistole einstecken aber mehr, weil das halt dazu gehört, nicht weil ich auf jemanden schießen würd. Ich komm nicht gut klar mit Gewalt aber ich lass auch nicht auf mir rumprügeln. Während ich die Angreifer mit astralen Schlägen bremse, springt BroZac einem der Dschihatz‘ an die Kehle. Der hält ihm ne Schrotflinte an die Brust und drückt ab. BroZac liegt in einer riesen Blutlache und ich versuche durch den Kugelhagel zu ihm durchzukommen. Sein Herz schlägt noch und ich mache es wieder ganz. Kaum ist er wieder auf den Füßen, sagt er irgendwas in einer anderen Sprache und die blutige Schramme, die mir ein Streifschuss verpasst hat, schließt sich.

Einer von Fussels Leuten ist nicht so glimpflich davon gekommen, wie wir zwei. Seine Kameraden bahren ihn im hinteren Teil der Halle auf. Noch aufgestachelt von der Schießerei brüllen sie nach Rache. Die Dschihatz sind abgehauen aber einer hats nicht mehr auf sein Bike geschafft, war zu schwer verletzt, um davon zu kommen. Trigger knüpft ihn sich vor und ein paar Minuten später lädt er den Rest seiner Gang, die, die bei dem Überfall nicht mit dabei waren, zu einer Siegesfeier weit weg vom Quartier der Vori ein, dann bekommen ihn die Fuzzis.

Das Feld ist frei für uns. Wir schnappen uns die ganze Ausrüstung, die wir nicht mit in den Club nehmen konnten und ich stecke wieder in meinen normalen Sachen. Darunter trage ich Schutzkleidung. Das Standardmodell vom Sternschutz, man sieht noch, wo die Logos mal waren. In der Zwischenzeit bekommt Trigger neue Infos von ihrem Decker: Pläne vom Hauptquartier der Vori und den Sicherheitseinrichtungen da.

Der Einstieg bei den Vori läuft zuerst ganz gut. BroZac schaltet die Scharfschützen auf dem Dach gegenüber aus und wir trauen uns ans Haus ran. Ich knacke das Schloss zum Hintereingang. Auf den ersten Metern im Gebäude entdeckt uns noch niemand und umgekehrt. Dann kommen wir in ein Zimmer mit ein paar fleckigen Matratzen auf dem Boden. Ein paar Orkkids liegen drauf, manche von ihnen haben dicke Verbände umgewickelt. Drei junge Frauen sitzen bei ihnen rum, in knappen Fummel, so wie Ramona. Als sie uns sehen, greifen die Kids, von denen bestimmt keines älter als 16 ist, zu den Waffen neben ihnen und alles passiert in Zeitlupe, nur ich bewege mich gar nicht. Trigger zieht eine Granate aus ihrem Gürtel und im nächsten Moment sind alle tot. Baro Develo! Der Raum ist in Blut in Ruß gebadet. BroZac schreit sie an, was für ein Monster sie ist aber Trigger ist egal, was er sagt. Sie rennt weiter nach oben, wir rennen hinterher. Auch oben läuft nicht alles glatt. Die Vori haben da richtige Wachmänner und Drohnen aber wir finden Jannek und bringen ihn raus.
Wir laufen durch das Haus und ich spüre, wie die astrale Ebene zittert. Etwas von den Toten wird hier bleiben. Keiner wird eine Kerze für sie anzünden oder für ihre Seelen beten. Auch ich kann jetzt nichts tun, wir müssen schnell weg. Die Verstärkung der Vori ist bestimmt schon auf dem Weg.

Wir brauchen einen Platz, wo wir Jannek hinschaffen, verstecken und versorgen können. Blos kennt keiner von uns nen guten. Der Junge wehrt sich, will zu Ramona. BroZac schlägt schließlich vor, ihn zu ihm nach Hause zu bringen. Er ist wirklich Priester in ner Jugendeinrichtung und heißt eigentlich Bruder Zacharias. Die andern ziehn ab, ihr Job beschränkt sich aufs Ballern aber ich komme mit. Jannek erinnert sich an Sachen, die nie passiert sind. Ich kann ihm die Drogen aus dem Körper ziehen aber sein Hirn kann ich nicht richten und BroZac auch nicht. Wir geben ihm was zu schlafen und sperren seine Tür ab. Ich bekomme ein kleines Zimmer gleich daneben für mich allein. BroZac kann wohl auch nicht schlafen und geht nachts durch die Gänge. Er findet mich, wie ich das Blut aus meinen Kleidern wasche. Gleich kommt der Anschiss. An der Tanke müssen wir für jedes Mal Hahn aufdrehen löhnen. Er aber sagt nichts.

11.05.2063

Morgens laufen wir einem anderen Priester über den Weg. BroZac stellt mich als Schwester Magdalena vor und behauptet, ich wär von einer anderen Einrichtung zur Besichtigung da. Gleich darauf kommen Razmi und Trigger vorbei. Razmi hat ein Bild von einem Elfen gemacht, der uns im Quartier der Vori über den Weg gelaufen ist. Er ist grad abgehauen, als wir kamen. Der Elf hat uns nicht angegriffen und wir ihn auch nicht. Wir glauben nicht, dass er zu den Russen gehört. BroZac kennt nen Polizisten, mit dem er öfter mal wegen den Kids im Heim zu tun hat und wir schicken ihm das Bild als Gefallen. Das geht mal nach hinten los. Es dauert nicht lange, da fängt Razmis Comm an zu rauchen. BroZac ruft bei seinem Kontakt an, Kommissar Schrotner, aber jemand anderes geht ran, sagt, der Kollege ist nicht mehr da, wurde gerade nach Helgoland versetzt, ohne Vorwarnung oder Grund.

BroZac schnappt sich also Razmi und ihr Auto und die zwei fahren zur Polizei, um zu sehen, was da los ist. Erstmal kommt nur Razmi wieder. Schrotners Computer ist auch abgeraucht, mehr haben sie nicht herausgefunden. Die zwei haben sich gestritten und die Orkin hat den Priester sitzen lassen. Es dauert fast den ganzen Nachmittag, bis er wieder da ist.

Das Übergabetreffen ist noch so ein Problem. Es ist im selben Restaurant, wie letztes Mal. Dieses Mal sitzen wir aber nicht in der Limousine vom Schmidt und müssen selber schaun, wie wir durch die Kontrollen des AA-Gebiets kommen. Mit meiner gestohlenen SIN, bei der besser niemand zu genau auf das Foto kuckt und dem entführten und gehirngewaschenen Jannek ist das nicht so einfach. Wir zwängen uns alle in Triggers Auto und ich mache Jannek und mich unsichtbar. Die Wachleute winken uns durch. Das Restaurant ist leer, auch der Schmidt ist nicht da. Stattdessen wartet ein weißhaariger Norm auf uns. Er stellt sich als Brackhaus vor. Saeder Krupp übernimmt ab hier.

Brackhaus tut ziemlich freundlich, also riskier ichs und werfe Schrotners Namen in den Raum. Den kenn ich zwar nicht, BroZac aber schon und den Strafdienst in der Giftsee hat er wahrscheinlich nicht verdient. Brackhaus meint, er könnte da was drehen. Wir bekommen mehr Creds, als verabredet und unsere Wege trennen sich erstmal wieder.

Bevor ich in den Bus steige, bietet BroZac mir eine Stelle in seinem Heim an. Als Haushälterin oder Betreuerin für die Mädchen, kein Scheiß. Normalerweise will uns niemand in seiner Nähe haben aber er lädt mich ein, bietet mir nen Job an, einfach so. Ich sag ihm, dass ich SIN-los bin, nie eine hatte. Das wars dann wohl.

Meine Familie ist aus dem Häuschen. Auf dem kleinen CredStick liegt ne Menge Kohle. Heute Abend gibt’s auf dem Parkplatz hinter DO-SE 41 ein Fest. Wir machen Musik, tanzen und lachen, es ist eine schöne Nacht. Wie immer bleibt ein Teller leer, ein Stuhl unbesetzt, für die Toten.

13.05.2063

Zwei Tage später rufe ich nochmal bei den anderen durch. Am liebsten wäre mir, wenn die Granate gar nicht erst hochgegangen wäre. Ist sie aber. Also will ich zumindest dafür sorgen, dass die Toten Ruhe haben, die Mulé vertreiben und die bösen Schwingungen im Astralraum beruhigen. Wir treffen uns zwei Straßen weiter und laufen dann vorsichtig hin. Irgendwer hat aufgeräumt. Die Blutflecke sind noch da und wir sehen ziemlich große Tierspuren aber die Leichen sind alle weg. Ich blicke in den Astralraum, der ist voll von Schmerz und Blut, irgendetwas greift mich an und ich schlage es zurück. Für einen Moment bin ich wann anders und sehe wie ein Kerl die Leichen in nen Van packt. Razmi hat schnell rausgefunden, dass es hier in der Nähe einen Organ Grinder gibt.

Seine Werkstatt ist ganz ok gesichert mit Watchern und einer Barriere. Roter Nebel zieht sich um sie zusammen und wird gerade so noch zurückgehalten. Die Bude gehört einem Elfen namens Spazz. Wir warnen ihn noch vor dem, was er sich ins Haus geholt hat, als von hinten Schreie kommen. In einem Raum mit mehreren OP-Tischen mit Leichen drauf wird ein Mann in Metzgerschürze gerade von einer davon angefallen, während sich die anderen auch schon bewegen. Ich denk gar nicht drüber nach, wie abartig das ist oder wieviel davon an mir hängen bleiben wird, nur, dass es aufhören muss.

Irgendwas bläst den Zombies Kraft ein, zwingt die Geister aus ihrer Ebene in die toten Körper. Trigger und Razmi schießen auf alles, was sich bewegt, ich suche den Meister. Es dauert nicht lange bis sich der Shedim zeigt. Ich forme die Magie, um ihn zu verbannen. Er wehrt sich. Gegen die Entschwörung und gegen die Runner, die seine Diener niedermähen. Dann ist auf einmal BroZac da, verschränkt seine Magie mit meiner. Zusammen sind wir stark, stärker als der Beng.

Der Shedim ist weg aber vorbei ist es nicht. So stark, wie er war, findet er den Weg zurück in unsere Welt von allein. Das erste Mal aber ist er bestimmt nicht von allein gekommen. Irgendwer oder irgendwas hat ihn dort inmitten des Gemetzels beschworen. Spazz muss die Augen offenhalten. Der Shedim ist irgendwie auch unser Verbrechen. Also werde ich helfen, wenn er wieder auftaucht, auch wenn ich mit Leuten wie Spazz nichts zu tun haben will.

Wir haben einen entführten Jungen befreit und einen bösen Geist gebannt. Beides ist gut. Aber ich hab Blut an mir kleben, also echtes Blut. Und ich war an schlechten Orten, schmutzig, zu nah am Tod, mahrime. Tagelang reinige ich mich mit Wasser und Feuer.

In der Zeit danach leben wir gut, meine Familie und ich. Wie sonst auch durchstreife ich das Brachland an der Autobahn. Die Leute werfen ein Haufen Zeug weg oder vergessen es an Raststätten, wie die, an der wir leben. Dinge, die ihnen einmal etwas bedeutet haben und jetzt nur noch etwas bedeuten. Ich sammle sie ein und das meiste verkaufe ich an Olaf, den Taliskrämer. Manches hebe ich auch auf. Mein kleiner Wohnwagen ist voll mit besonderen Sachen, unter denen ich mich wohlfühle.
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