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Der gemeinsame Weg

von Dmagnus87
GeschichteLiebesgeschichte / P12
22.08.2019
22.09.2020
22
32.669
7
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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26.11.2019 985
 
Nachdem sie sich beide wieder etwas gefasst hatten, setzten sie sich an den Küchentisch und jeder schrieb einen Brief an das Baby. Sabine überlegte was sie schreiben sollte, doch erst fiel ihr nichts ein. Nachdem sie aber eine weile überlegt hatte, entschied sie einfach das zu schreiben, was sie fühlte.
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Hallo Baby,
Ich weiß gar nicht so wirklich, was ich schreiben soll. Also schreibe ich einfach was ich fühle.

Ich habe mir nie ernsthaft Gedanken über Kinder gemacht, ich meine, mein Beruf ist nicht gerade Kinderfreundlich. Als Notärztin ist es nicht einfach, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, aber ich hätte es versucht. Ich hätte es sicher auch geschafft, mit Jens an meiner Seite und meinen Freunden, hätte ich es sicher geschafft. Wenn ich nur die Chance dazu bekommen hätte. Die Chance dich hier bei mir zu Lieben, dich zu streicheln, zu füttern, mit dir zu kuscheln und dich im Arm zu wiegen, dich zu trösten wenn du weinst, für dich da zu sein, wenn du mich brauchst. Dich einfach nur zu halten und deine Wärme zu spüren.
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Sabine stoppte, hielt sich eine Hand an die Stirn, senkte den Kopf und weinte. Mal wieder. So viele Tränen hatte sie schon vergossen. Aber dieser Schmerz war einfach so unendlich groß. Es tat weh, es fühlt sich an, als ob sie immer weiter fallen würde, in ein dunkles Loch, aus dem es kein Entkommen gab. Als ob ihr jemand die Luft zum atmen nehmen und den Hals zuschnüren würde, wie eine unendliche Ohnmacht.

Jens reichte ihr ein Taschentuch, welches sie dankend annahm. Sabine wischte sich die Tränen weg und schneuzte sich die Nase. Dann schrieb sie weiter.
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Doch leider werde ich all das niemals können. Du bist nicht mehr da. Und ich gebe mir die Schuld. Hätte ich doch die Anzeichen nur ernst genommen, ich wäre niemals in die brennende Scheune gerannt. Ich hätte niemals bewusst, dein Leben riskiert. Es tut mir so leid. So unendlich Leid. Es ist komisch, aber auch wenn ich dich nie gespürt habe, dich nie gesehen habe, vorher nicht mal wusste, das es dich gibt, vermisse ich dich so sehr. Ich hoffe es geht dir gut. Wo auch immer du bist. Ich Liebe dich und ich werde dich immer Lieben, du wirst immer in meinem Herzen bleiben, ich werde dich niemals vergessen.

In Liebe,
deine Mutter...
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Als sie fertig war, holte sie tief Luft. Dieser Brief hatte sie viel Kraft gekostet. Aber irgendwie tat es ihr verdammt gut, sich das alles mal von der Seele zu schreiben. Es erleichterte sie etwas.

Sorgsam faltete sie den Brief zusammen und legte ihn in die Schachtel.

Jens sah sie besorgt an, er war auch gerade dabei, einen Brief zu schreiben. Aber er unterbrach und ging zu Sabine, zog sie in seine Arme. Drückte sie sachte an sich und kurz darauf wurde sie ganz Ruhig. Sabine genoss diese Umarmung. Nach ein paar Minuten löste sie sich wieder von ihm.

"Ich gehe mal duschen. Danach können wir ja dann los."

"Ist gut. Ich muss ohnehin noch fertig schreiben." er gab ihr einen kurzen, zarten Kuss und dann ging Sabine ins Bad, während Jens sich wieder an seinen Brief setzte. Viel hatte er noch nicht.

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Hallo kein kleines,
Ich überlege schon die ganze Zeit, was ich dir schreiben könnte, aber all das Denken bringt nichts, also schreibe ich einfach drauf los. Weist du, ich hätte nie damit gerechnet, überhaupt mal Vater zu werden. Nie wirklich darüber nachgedacht. Warum weiß ich gar nicht so genau. Vielleicht hatte ich bisher einfach nicht die richtige Frau an meiner Seite, mit Sabine, also mit deiner Mama, hat sich mein denken geändert, ich habe zum ersten mal darüber nachgedacht. Vater zu werden. Und als ich dann hörte, das sie schwanger WAR, wurde ich wirklich traurig. Ich weiß, es macht nicht immer den Anschein, als ob es mich belasten würde, aber das tut es. Sehr sogar. Aber weist du, ich muss für deine Mutter stark sein, es geht ihr so schlecht, sie macht sich riesen Vorwürfe, dabei kann sie gar nichts dafür. Und da bleibt einfach keine Zeit, groß zu trauern. Aber glaube mir, ich vermisse und Liebe dich auch, mir kommen so oft Tränen, allerdings ich versuche ich diese immer zu verstecken. Ich wäre gerne dein Vater gewesen und hätte dir zu gerne die Welt gezeigt und natürlich 'Anneliese', du hättest sie sicher auch geliebt. Und du hättest deine Mutter geliebt, sie wäre die beste Mama der Welt gewesen. Und ich hätte mir mühe gegeben, ein ebenso guter Vater für dich zu sein. Leider war uns das alles nicht vergönnt. Leider hatten wir nie eine Chance, deine Eltern zu sein und dir beim Groß werden zu zu sehen. Dein Lachen zu hören, dein glucksen. Lustige Momente mit dir zu teilen oder auch mal traurige. Es ist so viel was uns mit dir verwährt bleibt und sei dir sicher, wenn wir tatsächlich ein Baby bekommen, das wir Lieben dürfen, dann wird es niemals ein Ersatz für dich sein, denn dich kann man nicht ersetzen. Du wirst für immer in meinem Herzen wohnen. Ich werde die niemals vergessen. Rock den Himmel da oben.

In Liebe,
dein Papa.
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Auch Jens kamen bei dem Brief Tränen, die er zuließ. Auch für ihn war das ganze alles andere als einfach, aber er musste stark sein. Für Sabine. Und er würde Stark sein. Das war er doch immer. Jens wischte sich die Tränen weg und legte den sorgsam zusammen gefalteten Brief in die Schachtel, verschloss sie und packte diese, mit dem Engel und der Kerze in einen Beutel.



Huhu,
Hier ist nun das nächste Kapitel.
Eigentlich wollte ich die Briefe gar nicht ausschreiben,  aber ich fand es dann so doch besser. Auch um die Gefühle der beiden zu verstehen. Das nächste folgt in ein paar Tagen.
Lasst mir gerne Reviews da  :)
Lg
Dmagnus87
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