Geschichte: Fanfiction / Bücher / ES / Angstlos?!

Angstlos?!

von Nickychen
GeschichteHorror, Übernatürlich / P16
ES / Pennywise
21.08.2019
11.09.2019
3
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Kapitel 3



Reader, 8 Uhr Derry Town House

Nasser Schweiß rann an dir hinab, als du kerzengerade in deinem Bett saßt und das Bettlaken zwischen deinen Händen zerdrücktest. Ein warmer Atmen entwich deiner Kehle, kühlte sich im Schein der Sonne ab und verschwand als Dunst in der Umgebung. Verwirrt blinzeltest du, wandest dich nach links und rechts, alles sah friedlich und unberührt aus. Erleichterung. Entspannt lockertest du deine Finger, entzogst ihnen das Bettlaken und hobst die Bettdecke zur Seite, während deine Füße sich ein zu Hause auf dem festen Holzboden suchten. Deine Zehen streichelten behutsam über ihn, fanden halt an der rauen Oberfläche und signalisierten das alles in bester Ordnung sei. Mit einem Ruck rafftest du dich auf, dein Herz hämmerte wie Wild in deiner Brust, deine Atmung stockte für einen Moment, als du einen befreienden Seufzer von dir gabst und deine Glieder von dir strecktest.

So etwas fühltest du seit deiner Kindheit nicht mehr, diese anhaltende Schwere, welche sich in deinem Körper ausbreitete, dir die Kontrolle raubte und wer weiß, wann zurückgeben würde. Müde und erschöpfst riebst du dir die Augen und gingst in Richtung des Badezimmers, darauf bedacht dich nicht am Schrank zustoßen. Deshalb machtest du einen großen Bogen um das Holzgetüm, welches verächtlich zu knarren begann, als es deine Vorsicht mitbekam. Im Badezimmer wolltest du deine Routine nach gehen, sprich Zähne putzen, Duschen und…… Ja, was war das letzte eigentlich? Du betrachtetest dich im Spiegel, etwas war anders, waren es die Haare, welche in deinem Gesicht klebten? Das T-shirt, das als zweite Haut durchgehen konnte? Oder waren es doch die Träume, die dich Stück für Stück ins Chaos stürzen würden?

Träume, grausam und doch so real wie das Blut in deinen Adern, welches sich Schritt für Schritt ausbreitete und deinen Körper durchflutete. Dein Blick fuhr deinen rechten Arm entlang, über die blauen Flecken - die du zum ersten Mal wahrnahmst - zu den Bisswunden, die ein heißen Schmerz verursachten, wenn du sie berührtest. Dennoch drängte dich irgendetwas diese Wunde mit deinen Fingern zu liebkosen, sodass deine linke Hand hypnotisierend darüber strich.

Ein Schauer tänzelte angenehm durch deinen Körper, sorgte für Gänsehaut. Ein Lächeln. Ein erneuter Blick in den Spiegel und du trautest deinen Augen nicht. Du warst da! Jedoch nicht als Erwachsener, sondern als Kind. Neben dir stand Jemand. Doch verschwand diese Illusion mit dem nächsten Augenschlag und brachte dich zurück in die Gegenwart. Deine Streicheleinheiten verstummten, ließen von der Wunde ab und Melancholie bildete sich in deinen Augen, verließen diese als salzige Flüssigkeit und landeten stumm auf dem Waschbecken. Ungläubig wischtest du die Nässe von deinen Wangen, da du den Ursprung des Gefühlschaos nicht verstandest.

Du wolltest deine Zähne putzen, als du bemerktest, dass deine Zahnbürste nicht auf dem Waschbecken stand, Verwirrung huschte über dein Gesicht. Immerhin warst du dir doch sicher, dass du deinen Koffer ausgepackt hattest. Du gingst aus dem Badezimmer und suchtest deinen Koffer. Einige Sekunden verstrichen, als du ihn in der Nähe deines Bettes fandest. Ungeöffnet. Leichter Staub bildete sich darauf. „ Seltsam..“, hauchtest du. „ Wirklich seltsam.“ Mit festen Schritten liefst du auf ihn zu, öffnetest ihn und erstarrtest in deiner Bewegung. Er war nicht angerührt worden, alle Kleidungsstücke lagen akkurat gefaltet aufeinander. Du kramtest in ihm herum, es dauerte vier Minuten bis du die Zahnbürste tatsächlich in deinen Händen hieltest. Außerdem nahmst du noch deine Duschsachen an dich, schobst den Koffer zur Seite und gingst deiner Morgenpflege nach. Ohne zu bemerkten, dass auf der Rückseite deines Koffers ein blutüberströmter Smiley lächelte.


Es, 8. 15 Uhr im Wald

Wer spielt nicht gerne verstecken? Und wer würde nicht gerne von einem Monster gefunden werden? Ein freudiges Kichern durchflutete den Wald, ließ ihn lebendig, wenn nicht sogar gespenstig wirken. Als Es - in der Form eines Schlammmonsters - durch den Wald streifte, Leichenteile verzierten den Körper, durchzogen es mit der Angst, welche Es so sehr liebte. Hier und da verschlang Es ein Auge oder ein Stück eines Armes, Blut tropfte mit jedem Biss auf den Boden und formte einen Weg. Äste brachen, Büsche raschelten und das Brechen von Knochen schallte wie ein Echo von Baum zu Baum. Viel zu Natürlich klangen die Geräusche, sodass vorbeikommende Spaziergänger nicht ahnten, welches Grauen sich vor wenigen Minuten in ihrer Nähe zugespielt hatte. Nur die Hunde bellten, rannten entlang des Holzzaunes, versuchten sich dadurch zu zwängen, scheiterten jedoch. Sie jaulten, quiekten und zum Schluss verstummten sie allesamt. Nur ein Schrei durchschnitt die Luft, als ein 9 jähriges Kind zeuge von etwas schrecklichem wurde, das ihr viele schlaflose Nächte bescheren würde. Alle Hunde hingen verkümmert am Zaun. Blutstropfen rannen am Holz entlang, bildeten eine Art Familienstammbaum und verschwanden im Boden.

Ein Polizist würde später behaupten, dass sie versuchten hinüberzuspringen, es aber nicht schafften und sich stattdessen pfählten. Natürlich hatten sie das Mädchen befragt, die ihnen versicherte, dass es ein Schlammberg gewesen war, der genervt von den Hunden gewesen sei und sie zum Schweben brachte. Aber die Erwachsenen schenkten den Worten keine Wichtigkeit, immerhin hatte sie ein traumatisches Erlebnis hinter sich und da kann es schon einmal dazu kommen, dass man sich Geschichten ausdachte. Ganz Normal...

Es beobachtete die Show. Belustigend und zufrieden. Nahm die angsterfüllte Atmosphäre in sich auf und wusste, dass das Mädchen vorzüglich schmecken würde, sowie ihre Furcht. Dabei lief zäher Speichel aus seinem Mund, tropfte auf den Boden und hinterließ einen modrigen Geruch.


Reader, 10 Uhr Town House Derry

Nachdem du dein Frühstück im Essbereich des Hotels eingenommen hattest, leuchtete eine Nachricht auf deinem Handybildschirm auf. Neugierig entsperrtest du es und die Derry News schoben sich in den Vordergrund. Du scrolltest zunächst gelangweilt durch die Nachrichten bist du über das Wort „ Schlammberg.“ stolpertest. Du fingst erneut an den Artikel zu lesen und dieses Mal mit mehr Aufmerksamkeit. Zuerst trauertest du um die Hunde, immerhin waren es liebliche Geschöpfe und sicherlich zuckersüß gewesen, danach bedauertest du das kleine Mädchen, welches das Horrorereignis miterleben musste. Besonders, da diese Tat wohl weniger für Kinderaugen bestimmt gewesen sei. Augenblicklich nahmst du einen großen Schluck von deinem Kakao, um diese frustrierenden Gedanken herunter zu spülen. Sie zu ertränken. Am Ende des Textest berichtete ein Polizist, dass das 9 jährige Mädchen eine Art „ Schlammberg“ gesehen hätte, der die Hunde zum Fliegen brachte. Ärzte hingegen gingen davon aus, dass sie sich den Täter ausgedacht habe, um das Trauma zu verarbeiten. „ Wir bitten um Ihre Unterstützung. Falls Sie etwas gesehen haben, melden Sie sich im Polizeigebäude Derry.“, flüstertest du den letzten Satz, als du dich aus deinem Stuhl hoch rafftest und auf dein Zimmer gingst.

Aufgeregt und hochmotiviert packtest du ein paar Snacks in die Tasche und nahmst den Stadtplan in die linke Hand. Zur Not stecktest du noch eine Taschenlampe ein, falls dein Handyakku den Geist aufgeben würde und marschiertest Richtung des Fahrstuhls. Freudig wipptest du mit den Füßen, sodass sich dein Körper vor und zurück bewegte bis das erwartete „ Ding“ zuhören war und sich die Fahrstuhltüren öffneten. Strahlend betratst du ihn, in der Hoffnung etwas auf deiner Reise zu finden, das dich erschaudern ließ. Vergnügt schautest du auf den Stadtplan und fuhrst mit dem rechten Zeigefinger den Weg entlang, welcher dich zur Neibolt Street führte. Dein erstes Ziel. Du wusstest, dass dort ein verlassenes Haus stand mit der Nummer 29. „ Und vielleicht..“,dachtest du dir. „ Ist 29 meine Glückszahl.“ Der Fahrstuhl kam zum Stehen, ließ dich aus seinem schützendem Metallmantel entkommen, damit du deiner persönlichen Horrorgeschichte hinterherjagen konntest.

Die ersten Schritte aus dem Hotel fühlten sich befreiend an, so als hätte jemand etwas Schweres von deinen Schultern genommen. Genussvoll atmetest du den Geruch der Stadt ein, während weitere Schritte deine Seele förmlich zum Beben brachten. Frei und unbeschwert schlendertest du durch die Straßen Derrys, bewundertest die zahlreichen Läden, die bunten Blumen und die geschmückten Laternen. Welche nach und nach in Vergessenheit gerieten, als du in eine Gasse abbogst und sich eine angenehme Stille ausbreitete. Links, sowie rechts ragten steile Wände von Häusern empor. Die Mauern verfielen allmählich, hatten Risse und manche Steine fehlten komplett. Kleine dunkle Löcher entstanden, wirkten wie eigenständige Wesen, die nach Gesellschaft suchten und die Mauer weiter befielen. Also der perfekte Ort für dich! Lächelnd strecktest du deine rechte Hand aus und streicheltest über das orange – braune Mauerwerk, fühltest die raue Beschaffenheit, die fehlenden Teile und die Aufregung in deinem Körper aufsteigen. Deine Finger hielten inne, als sich ein Gemälde aus Graffiti in dein Blickfeld schob. Das Bild zeigte spielende Kinder auf eine sehr abstrakte Art und Weise. Denn zum einen saßen ihre Gliedmaßen an unterschiedlichen Orten, zum Beispiel hing ein Bein am Bauch und ein Arm, wo das Bein sein sollte. Und zum anderen amüsierte sich eine, dir, suspekte Gestalt im Hintergrund über die Kinder. „ Ein Clown?“, fragtest du dich verwundert. Ein warmer, pulsierender Schmerz zog sich von deinem Arm durch deinen gesamten Körper. Ruckartig nahmst du die Hand von dem Straßengemälde und der Schmerz verschwand so schnell wie er gekommen war. Du kanntest ihn. Er war dir nicht neu. Und doch fehlte dazu etwas. Oder irgendjemand. Ein Geräusch ließ dich zusammenzucken, holte dich aus den verstreuten Gedanken in die Gegenwart zurück. Langsam drehtest du dich um. Deine Halsschlagader pulsierte aufgeregt und du konntest spüren wie die Temperatur Grad für Grad abnahm. Ein letzter Wimpernschlag trennte dich von der Wahrheit.

Du blicktest in kleine, braune Augen. Süß und unschuldig. Ein Hund stand vor dir. Du wolltest ihn berühren, ihn beruhigen. Jedoch stopptest du in deiner Bewegung, denn eine Blutlache kam unter ihm hervor. „ Oh Nein! Du blutest.“, gabst du besorgt von dir. Jedoch knurrte dich der Vierbeiner nur boshaft an, dabei tropfte Speichel aus seinem Maul. „ Alles ist in Ordnung. Du brauchst keine Angst zu haben.“, redetest du freundlich auf ihn ein. Das Knurren verschwand nicht, sondern wurde noch bedrohlicher, glich beinahe einem Lachen, sodass dich eine leichte Gänsehaut übermannte. Dennoch wolltest du ihm irgendwie helfen, also hocktest du dich hin, sodass ihr auf Augenhöhe wart, dabei suchtest du – ohne ihn zu berühren –, nach weiteren Wunden. Wenige Sekunden später wurdest du fündig, denn am Bauch klaffte eine Wunde hervor, so gewaltig und erschreckend. Ein Loch. Das Blut floss in Strömen und liebkosten eine Hand, die sich in seinen Bauchraum bohrte. Sie vibrierte, ließ den Hund beben und auflachen. Seine Pfoten verkrümmten sich, rollten sich ein, wurden rot und zum Schluss platzten sie auf. Ein roter Ballon kam zu tage und an ihm hing ein Clown.

„ Hallo.“, hörtest du es kichern. „ So sieht man sich wieder. Möchtest du nicht einen Ballon?“
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