Geschichte: Fanfiction / Bücher / ES / Angstlos?!

Angstlos?!

von Nickychen
GeschichteHorror, Übernatürlich / P16
ES / Pennywise
21.08.2019
26.09.2019
4
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Kapitel 2



Reader, 23 Uhr Derry Town House


Langsam kamst du auf die Beine, eine Hand fand halt an der Wand, sodass du dich hinaufziehen konntest, dein Blick fixierte weiterhin die Dunkelheit und ergründeten ihre Geheimnisse. Schritt für Schritt verwehte der Schmerz, ließ wieder Sauerstoff in deine verkrampften Lungen und es fühlte sich unsagbar gut an. Wind wehte durch deine Haare, verursachte ein kontinuierliches Durcheinander. Aber das war dir im Moment einerlei, denn ein überraschter Schauer breitete sich in deinem Körper aus. Angefangen von deinem Nacken, zu den Schulter bis in jede einzelne Fingerkuppe, zurück zu deinem Rücken, über deine Beine und in jeden Zeh. Aufregung. So etwas fühltest du sonst nur bei sehr gutem Sex oder Eiscreme. Etwas zog dich zu diesem Wesen oder was Es auch immer war. Vielleicht auch nur die Neugier, welche stetig in dir Wuchs und dich nicht mehr in Ruhe ließ. Vorsichtig tauchtest du in den Schleier der Dunkelheit ein und versuchtest zu deinem Bett zu gelangen, um die Lampe einzuschalten. Nun berührten beide Hände die Wand, um Sicherheit zu verspüren und den richtigen Weg zu finden. „ Auua“, zischtest du, als deine Füße einem harten Gegenstand zum opfer fielen. Den Schrank hattest du komplett vergessen, sodass sich dein kleiner Zeh für die Schmerzen bedankte. Was du ihm nicht verübeln konntest. Endlich nahmst du die kalte Decke unter deinen Fingerspitzen wahr, fuhrst hinauf zu deinem Kissen und fandest den Anfang des Nachttischen, der dir wohlwollend die Tischlampe darbot. Ein leises Klicken ertönte und das Zimmer wurde in ein angenehmes Licht getaucht. Befreiend setztest du dich auf dein Bett, als dir auffiel, dass deine Wange feucht war. Mit der linken Hand fuhrst du darüber. „ Mhmmm...Lecker“, ging es dir durch den Kopf. „ Speichel oder….“ Etwas angewidert verzogst du das Gesicht, denn das Etwas zog eine Schleimspur.

Schnell sprangst du auf, stießt dich erneut an diesem schrecklich massiven Schrank, nur um dann humpelnd im Bad zu landen. Warmes, angenehmes Wasser floss durch deine Hände, reinigte sie und dein Gesicht.

„ So wie ich es in den Tagebüchern von Opa gelesen hatte!“, kichertest du.

Ein Wesen, welches nicht von der Erde stammt. Es verfolgte mich. Mich und meine Freunde. Leider überlebte nur ich.

Eine angenehme Gänsehaut breitete sich aus, während du das Handtuch nahmst, um dir das Gesicht abzutrocknen.

Ach ja..wie hatte er dir immer Gruselgeschichten aus seiner Heimatstadt Derry erzählt und deine Augen damit zum Funkeln gebracht. Du liebtest deinen Opa über alles, leider starb er vor fünf Wochen an einem Herzinfarkt. Ruhig atmetest du aus, versucht deinen Tränen Einhalt zu gebieten. Du schautest in den Spiegel, drücktest deine Hand gegen deine Brust und ein kleines Lächeln umspielte deine Lippen, denn du würdest jede Erinnerung an ihn in deinem Herzen aufbewahren bis zum letzten Atemzug. „ Nur keine Trauer! Immerhin habe ich Urlaub!“

Ein Blick auf die Uhr verriet dir, dass es bald 0 Uhr sein wird. Sprich deine Tabletten waren überfällig. Du verließt das Badezimmer, suchtest deinen roten Koffer, der sich am Bettende befand und öffnetest ihn. Da du den Nachmittag verschlafen hattest, war dein Koffer noch entsprechend gepackt, also nahmst du zuerst deine Tabletten um deine Gedächtnisprobleme mit einem Schluck Wasser verschwinden zu lassen und sortiertest deine Sache in den verletzenden Schrank ein.

„ Fertig.“, freudig ließ du dich auf das Bett fallen und blicktest das Telefon verlockend an. „ Da war doch etwas…..Ach genau. Ich wollte meinen Spaß mit der Rezeption haben“

Tick. Tack.

Wanduhren fandest du schon immer entspannend, wenn nicht sogar hypnotisierend. Das Ticken musizierte in deinen Gedanken und verhalf dir Ideen zu finden oder Pläne zu schmieden. So half es auch dieses Mal, denn ein Funke feinster Belustigung tauchte vor deinem inneren Augen auf, eines, dass die kindliche Seite in Aufregung versetzte. Bevor du deine Aktion durchführen konntest fehlte dir noch die Nummer eines Pizza Restaurants, die dir dein Handy mit Freuden preisgab. Da du dich ab und zu in deiner Freizeit in Schauspielerei versuchtest, warst du gut darin deine Stimme zu verstellen. Vergnüglich tippten deine Finger die Nummer des Restaurants in dein Handy ein und du drücktest auf den grünen Hörer. Tuten. Stille. Danach folgte eine weibliche Stimme.
„Willkommen bei Crazy&Hungry. Wir liefern überallhin. Wie kann ich Ihnen helfen?“
„ Guten Tag. Ich möchte eine Pizza in das Town House Derry bestellen für den Rezeptionisten. Es soll eine Margarita Pizza sein, aber bitte mit scharfer Soße.“, antwortest du mit einer rauen Stimme.
„ Okay. Und ihren Namen Miss?“
„Mein Name ist nicht wichtig! Sagen Sie ihm einfach es sei ein Geschenk.“
„ Nun gut. Wie Sie wünschen.“
Dabei legtet ihr auf und du überwiest das Geld per Paypal. Danach zogst du dir eine blaue Jeans an und ein weißes Top, du überlegtest, dich im Empfangsbereich niederzulassen in der Hoffnung es wäre nicht zu auffällig, besonders um die Uhrzeit.

Dein Glück. Als die Fahrstuhltür sich öffnete, saßen noch drei weitere Personen in verschiedenen Sesseln und unterhielten sich. Fetzen des Gesprächs drangen in dein Ohr, als du an ihnen vorbei schlendertest.
„ Barrens??“
„ Rohre“
„ Viel zu gefährlich!“
Dein Interesse war geweckt, denn mit einem gewissen Fünkchen Glück würdest du das Wesen dort treffen. Du beschließt dich auf einem Stuhl in der Nähe hinzusetzen, um das Gespräch weiter verfolgen zu können, aber auch das Geschehen, dass du eingefädelt hattest, zu beobachten. Grinsend nahmst du eine Zeitschrift in die Hand mit dem Titel ´Kröne dich mit Blut´.

Minuten vergingen, deine Gedanken schweiften durch den endlosen Raum deiner schieren Neugier, suchten nach Antworten um das Rätsel zu lösen, welches sich in der seichten Abenddämmerung in dein Zimmer verirrt hatte. Geistesabwesend blättertest du eine Seite des Magazins um, unbemerkt und doch nach Aufmerksamkeit schreiend, veränderten sich die Buchstaben, bildeten neue Wörter, sowie surreale Sätze. Sätze, die dich schwanken lassen, dich in die Tiefe deiner Vergangenheit reißen und das Vergessene zu Tage bringen würden. Ein Blick und deine Welt, dein Glaube, deine Faszination, alles davon könnte dein Verderben hervor locken. Und dafür bist du noch nicht bereit.

Ein Luftzug wehte kalt an dir vorbei, sodass du die Zeitschrift wieder auf den Tisch legtest und deine Arme an dich schmiegtest. Ein Lächeln huschte, für einen Moment, über deine Lippen, als du den Pizzaboten zu Gesicht bekamst. Gleich würde es soweit sein. In angespannter Vorfreude beobachtest du das Schauspiel, wobei dir die Schuhe des Lieferanten seltsam vorkamen, sie halten viel zu laut durch den Raum und du....warst dir sicher, dass leise Glöckchen mitschwangen. Seinen Schritten die nötige Bedrohlichkeit schenkten. Nie kam dir in den Sinn, dass ein so lieblicher Klang – den du oft in deiner Kindheit hörtest -, so schaurig und unheilvoll erscheinen konnte. Dein Herz machte mehrere Sprünge, jedoch war es unklar, ob es wegen der Situation, die gleich passieren würde war oder wegen etwas anderes. Etwas, dass dir durch den Kopf ging und sich in ein einziges Wort zusammenfassen ließ. Unbehagen.

Aufmerksam sahst du wie der Rezeptionist die Pizza entgegen nahm und es machte den Anschein, als sei er Überrascht, aber auch skeptisch. Er schien wohl nicht oft essen zu bekommen. Mr. Rown erkundigte sich, wen er diese Überraschung zu verdanken hatte, doch bekam er nur ein Schulterzucken, sodass die Glöckchen erneut durch den Raum schallten. Dein Interesse weckten. Wie von Zauberhand bewegten sich deine Beine und ehe du dich versahst, bist du neben dem Pizzaboten zum stehen gekommen. Beide blickten dich von oben heran an. Einer freundlich und zuvorkommend, der andere, verschmitzt und wartend.

„ Miss (Name) kann ich Ihnen behilflich sein?“

Worte durchdringen dich, doch konntest du den Blick nicht abwenden. Fasziniert musterst du den Lieferanten wie er da stand, kokett, dennoch war da dieser kindliche Touch in seinen Gesichtszügen. Leicht neigtest du den Kopf nach links, um die volle Pracht der Person zu bewundern. Und da war sie wieder diese gewisse Anspannung, die dich aufseufzen ließ, sodass dich jeder im Raum interessiert beäugte. Reflexartig hobst du die Hand und legtest sie auf deinem Mund. Lachen, pure Belustigung ertönte durch den Eingangsbereich, als die Uhr um eins schlug. Jeder, außer dein Gegenüber amüsierte sich dank dir.

Du wolltest zum Gehen ansetzen, doch deine Beine bewegten sich nicht, ließen deine Flucht nicht zu, stattdessen packte dich ein Arm am Handgelenk. Verwirrt wanderten deine Augen zu deinem Arm, hinauf zum Fremden, der dich zuckersüß anlächelte. „ Möchten Sie nicht auch ein Stück.“, und zeigte dabei auf die Pizzaverpackung. Spott schwang in seiner Stimme mit, aussagekräftig und menschlich. Augenblicklich schütteltest du den Kopf, nicht, weil du kein Pizzastück wolltest – du hattest nichts gegen scharfes Essen -, sondern um deine Gedanken zu ordnen. „ Danke. Bin satt.“, gabst du knapp von dir. Mister Rown, der sich sein erstes Stück in den Mund schob, hustete kurze Zeit später, kleine Schweißperlen tänzelten belustigt über seine Stirn. „ Wa-Wasser!“, nuschelte er vor sich her, während seine Zunge außerhalb des Mundes nach Abkühlung suchte. „ I-Ich ….brauche..“, seine Stimme brach ab, als er in die Toilette rannte. Du versuchtest dein Lächeln zu unterdrücken, während du gen Boden blicktest.

Fünf Minuten verstrichen, als du diese Stille bemerktest. Das Wasser, welches noch vor kurzem aus dem Bad kam, lief nicht mehr. Die Männer, die über dich lachten, waren ruhig. Nur diese Glöckchen umspielten deine Ohren. Ließen dich hinaufschauen. Der Saal war menschenleer. Doch den Druck um dein Handgelenk spürtest du weiterhin, er kroch deinem Oberarm hinauf, breitete sich entlang deines Halses aus - schnürte dir beinahe die Luft ab - und endete schließlich an deiner Stirn. Immer und Immer wieder summten diese unangenehmen Glöckchen eine Melodie, die wie der Tod persönlich klang. Erinnerungen drängten sich in deinen Kopf. Ein Junge, der dir ein Geschenk machte. Ein Jugendlicher, der dir seine Liebe gestand auf einer Brücke. Ein Kuss, welcher Süß und Bitter zugleich schmeckte. Danach folgten leere Augen. Leere, tote Augen regungslos und stumm. Sein Körper durchtränkt von Angst und Furcht, in einer schier nicht menschlichen Position verkrümmt, blickte er dich an. Nur dich.

„ Du hast ihn getötet.“, wisperte eine Stimme in dein Ohr. „ Und dir hat es gefallen.“
Ungläubig drehtest du dich um. Nichts. Keine Person. Nur ein Wesen. So unscheinbar und doch da. In einem Bild versteckt und Freude tanzend. „ Habe ich nicht.“, gabst du erbost von dir. Nun kam die amüsierte Stimme aus der entgegengesetzten Richtung.
„ Ich habe dich nicht gleich erkannt....“, setzte Es an, beendete seinen Satz jedoch nicht.
„ Ich weiß nicht wer du bist. Lass mich in Ruhe.“
„ Du wirst dich noch erinnern.“, ein gieriges Lachen dröhnte durch den Saal.

Plötzlich legte sich eine Hand auf deine linke Schulter, dein Blick wanderte von den alten, verschrumpelten Fingern, hinauf zu ein dir bekanntes Gesicht. „ Opa.“, hauchtest du leise. Bevor du noch etwas sagen konntest, holte dein Familienmitglied aus und rammte dir mit Wucht ein Messer, welches er hinter seinem Rücken versteckt hatte, in deinen Bauchraum. Nichts als Verwirrung, die du versuchtest hinunter zu schlucken. Als du erneut deinen Blick hobst, warst du alleine. Deine Gedanken schienen merkwürdig ruhig und auch deine Atmung schien konstant. Denn du wusstest dein Opa war nicht mehr am Leben und würde auch nicht wiederauferstehen. Du atmetest ein und aus. Langsam und entspannend. „ Ein Traum.“, flüstertest du. „ Es ist nur ein Traum. Es kann nur einer sein.“ Denn sonst wärst du zusammengebrochen, so würden es normale Menschen tun, die ein Messer im Bauch zustecken haben.

Dir viel das Gespräch ein, dass du mit einer Freundin geführt hattest, sie litt unter Alpträumen. Jedenfalls erzählte sie dir, dass sie in ihren Träumen durch Wände gehen konnte und so den Monstern entkam. „ Wer nicht wagt der nicht gewinnt.“, lächeltest du. Du wandest dich nach links in Richtung einer schlichten, weißen Wand. „ Nervös musste Harry Potter gewesen sein, als er das erste Mal ein Mauerwerk durchdringen wollte.“, witzeltest du mit deinen Filmfantasien herum. Adrenalin quoll in dir auf, rauschte durch deine Adern, sorgte für Aufregung und vorpreschendes Vergnügen. Wie im Rausch ranntest du auf die Wand zu, rechnetest mit einem harten Aufprall, doch war da nur Luft und ein Hauch von Dunkelheit, die dich in den Arm nahm, bevor du zu fallen begannst.

Es, 7. 35 Uhr im Wald


Um 7. 35 Uhr morgens glich der Derry Wald einem Labyrinth, auf der suche nach Spielgefährten, die ihn bändigen wollten, dichter Bodennebel sorgte für eine schaurige, abenteuerliche Stimmung und eine marschierende Pfadfindergruppe schritt auf den tödlichen Spaß zu.



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