Juris Inside - Unser Neuanfang in Berlin

von Hedwich
GeschichteHumor, Romanze / P12
21.08.2019
28.10.2019
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Wir sitzen am Flughafen und warten auf unseren Aufruf.
Martha ist aufgeregt und quasselt ununterbrochen.
Nur wenn ich sie küsse, hört sie damit auf.
Deshalb küsse ich sie ziemlich oft.
Sie hat aber auch nichts dagegen, sondern erwidert meine Küsse sehr zärtlich und innig.
Als wir dann im Flieger sitzen, beruhigt sie sich und schläft schließlich an meine Schulter gelehnt ein.
Wenn der Tag schon für mich nervenaufreibend war, wie muß es dann für sie gewesen sein?
Ich schließe die Augen und denke nach.
Viel ist in den letzten Tagen passiert.
Eigentlich passiert ständig etwas, seit ich Martha kennengelernt habe.
Sie hat mein Leben total auf den Kopf gestellt.
Aber auf sehr positive Weise.
Ich bin verlobt!
Mancher, der mich aus der Zeit vor Martha kennt, würde das schlicht nicht glauben.
Aber es fühlt sich gut und absolut richtig an.
Und nun unser eigener Laden.
Ich hätte nicht gedacht, daß meine Zeit in Düsseldorf so kurz bemessen sein würde, aber es ist okay.
Wirklich wohlgefühlt habe ich mich bei LCL nicht.
Dieser ganze Intrigen-Scheiß hinter den Kulissen, die Machtspielchen, das Familiengezänk … die sind doch alle total bekloppt da.
Es ist gut, daß Martha und ich da weg sind.
Seit Alexa Berg da ist, ist alles noch schlimmer geworden. Ich hab das Gefühl, da braut sich richtig Unheil zusammen.

Dann sind wir gelandet und nehmen uns ein Taxi.
Ich bin sehr gespannt auf unsere kleine Wohnung, die direkt über dem Laden liegt.
Keine wirklich langen Arbeitswege.
Und um’s Schneechaos im Winter müssen wir uns keinen Kopf machen.
Wir werden immer warm und trocken zur Arbeit kommen.
Und immer pünktlich öffnen.
Außer wir vertrödeln uns unter der Dusche …
Und wir haben eine Küche.
Das eröffnet ganz neue Möglichkeiten.
Nicht nur für’s Kochen.
Während ich in Gedanken versunken bin, ruft Martha ihre Freundin an. Diese wird gleich kommen, um uns die Schlüssel zu geben und uns alles zu zeigen.

Wir stehen vor dem Laden.
Das Firmenschild fehlt noch.
Aber wir haben wohl beide kein Problem, es vor unserem geistigen Auge dort hängen zu sehen.
„Unser Laden, Juri!“, strahlt Martha mich an.
Und fällt mir um den Hals.
Ich drücke sie glücklich an mich.
Martha ist hibbelig und weiß nicht, ob sie zuerst den Laden oder die Wohnung sehen möchte.
Und da kommt ihre Freundin.
Die beäugt mich neugierig; ich habe keine Ahnung, was Martha ihr von mir erzählt hat.
„Denise hat das Schild morgen fertig.“, erzählt sie. „Sie hat auch zwei Jungs angeheuert, die es anbringen. Soll ja auch beleuchtet sein, nicht?“
Martha nickt.
Ich hätte natürlich an sowas wie eine Beleuchtung nicht gedacht.
Gut, daß ich Martha habe.
„Ja und so schaut es also aus.“
Ja, das gefällt mir.
Der Ladenraum ist zu zwei Drittel gut vom Tageslicht ausgeleuchtet.
Ich hab da schon ein paar Ideen, wie man das hintere Drittel gestalten könnte.
Martha sieht sich begeistert um.
Es ist offensichtlich, daß auch sie in Gedanken schon am Gestalten ist.
Sicher kann sie es kaum erwarten, loszuwuseln.
Aber nicht mehr heute!
Hinter dem eigentlichen Ladenraum gibt es eine Teeküche, die man aber auch als Büro nutzen könnte, wenn man sich mit seinem Kram nicht allzu sehr ausbreitet.
Doch, der Laden ist wirklich fein.

Dann geht es rauf in die Wohnung.
Fünfzig Quadratmeter auf zwei Zimmer, Küche und Bad verteilt ist nicht viel, aber ich denke, mehr brauchen wir beide nicht, um uns wohl zu fühlen.
Martha scheint jedenfalls sehr zufrieden zu sein – ihrem Gesichtsausdruck nach zu urteilen.
Mika, Marthas Freundin überläßt uns ihre Wohnungseinrichtung.
Das ist lieb, denn wir müssen ja vorrangig den Laden ans Laufen bringen.
Mika meint ganz richtig, daß wir uns nach und nach so einrichten können, wie wir es möchten.
Ich bin da eh anspruchslos.
Ein Bett und was, wo ich arbeiten kann.
Mir ist klar, daß einer Frau das auf Dauer nicht genügen würde.
Nicht mal Martha, die in meinem spärlich eingerichteten und chaotischen Loft trotzdem glücklich war.
„Schön, nicht?“, dreht sich meine Süße zu mir rum.
Ich nicke und ziehe sie zu einem zärtlichen Kuß an mich.

Dann verabschieden sich die beiden Freundinnen.
Und Martha und ich sind allein.
„Was machen wir zuerst? Ich denke, wir packen erstmal aus. Oder nein, wir gehen runter und machen schon mal eine grobe Skizze, wie wir was stellen wollen. Oder …“
Ich drücke meine Lippen auf ihre und bremse sie so aus.
„Meine Süße! Heute machen wir gar nichts mehr außer gemütlich essen gehen, ein bisschen was für’s Frühstück morgen einkaufen … und dann gehörst du mir.“
Ich ziehe die Augenbrauen hoch und sehe sie eindringlich an.
Doch sie lacht nur und küßt mich.
„Aber nachher ganz schnell auspacken darf ich? Wenigstens die Anziehsachen.“
Ich verdrehe die Augen. Aber es ist wie mit der blöden Schneider-Puppe … sie sieht mir in die Augen und ich kann ihr nicht widerstehen …

Sie beeilt sich mir zuliebe und dann gehen wir los, gucken, wo wir lecker essen können.
Ein paar Blocks weiter sehen wir ein mexikanisches Restaurant.
Wir blicken uns an und lachen beide los.
Keiner von uns muß 'Weißt du noch …?' fragen, das liegt quasi in der Luft.
Und es ist sowas von klar, daß das unser Stammlokal werden wird.

Satt und zufrieden und richtig gut gelaunt machen wir noch einen kleinen Verdauungsspaziergang.
Sascha ruft an, will wissen, ob wir gut angekommen sind.
Das ist lieb; er freut sich, daß wir mit Laden und Wohnung so zufrieden sind.
Und dann sind wir daheim …

Der Tag war aufregend, anstrengend und obwohl wir unsere Wohnung noch so richtig einweihen müßten, ist uns nur noch nach Kuscheln.
Martha läßt den Tag noch einmal Revue passieren, wird dann auf einmal ganz still.
Und ich begreife, daß ihr gerade bewußt wird, daß sie ihre Familie nicht mehr so oft sehen wird, wie sie möchte.
Aber hey, die fünfhundertfünfzig Kilometer, die ihr so weit, zu weit weg schienen, sind gar nicht sooo weit. Nicht zu weit, um ihre Familie regelmäßig zu besuchen.
Mir fällt die Trennung leichter, ich habe niemanden zurückgelassen, der mir wichtig wäre.
Doch, einen Menschen schon … Sascha.
Aber der Mensch, der mir am meisten bedeutet, der liegt neben mir.
Martha scheint einen ähnlichen Gedanken zu haben, denn sie lächelt mich an und mit einem zufriedenen Seufzer kuschelt sie sich enger an mich.
„Korolok.“, flüstert sie.
So fühle ich mich gerade auch … wie ein kleiner König.
Und so schlafen wir an unserem ersten Abend in Berlin ein ...
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