Die Rückkehr der Drachen

GeschichteFamilie, Fantasy / P12
OC (Own Character)
21.08.2019
16.09.2019
9
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Es hat ein bisschen gedauert, aber hier ist das nächste Kapitel. Ich hoffe, du hast weiterhin deinen Spaß!
Liebe Grüße Luana Westhide

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7. Kapitel: Ein Drache ist kein Spielzeug

Am nächsten Tag fuhren Graham und ich wieder in die geheime Welt. Mein Großvater nahm wiedermal allerhand Schnickschnack mit, um Proben zu sammeln. Diese würde er anschließend in seinem Labor untersuchen. Ehrlich gesagt interessierten mich seine Forschungen nicht wirklich.
Während wir über Landstraßen fuhren, die von Schlaglöchern übersät waren, hörten wir die neusten Nachrichten im Radio.
„Das Monster Nessi aus den Tiefen des Loch Ness wurde gestern Nachmittag gesichtet…“, tönte es aus dem Radio. „Man dieses verrückte Vieh liebt wohl die Aufmerksamkeit. Sie muss ja immer wieder auftauchen“, meinte Graham genervt und machte das Radio leiser. Ich sah Graham verblüfft an: „Warte mal was? Willst du mir jetzt erklären, dass Nessi existiert und ein Wasserdrache ist? Das ist doch nicht dein Ernst!“ Graham sah mich ernst an, doch dann schlich sich ein breites Grinsen auf sein Gesicht. Die Erkenntnis traf mich wie der Blitz: „Ahh das ist nicht dein Ernst. Du hast mich nur verarscht!“ Sein Grinsen wurde noch breiter. Ich schüttelte nur schmunzelnd den Kopf, dann fragte ich: „Jetzt mal Spaß bei Seite. Wie schaffst du es das alles für dich zu behalten? Ich würde das Ganze am liebsten in die Welt hinausposaunen.“ „Das solltest du lieber lassen. Es ist meine Pflicht, die geheime Welt geheim zu halten und jetzt ist es auch deine Pflicht. Als kleiner Junge wollte ich meinen Freunden gern erzählen, was ich wusste. Aber mein Vater erzählte mir immer wieder, dass es verantwortungslos wäre. Als ich später deine Großmutter traf, wollte ich vor dieser Verantwortung fliehen. Doch als sie starb, wurde mir klar, was mein Vater damals gemeint hatte. Ich konnte nicht vor der Verantwortung weglaufen, weil es meine Bestimmung war, der nächste Hüter nach meinem Vater zu werden. Sieh dir doch nur die Menschen an. Sie bauen immer neue Waffen, die größer und effektiver werden. Was denkst du würden sie anstellen, wenn sie von den Drachen wüssten?“, erklärte mein Großvater. Das brachte mich zum Nachdenken: „Sie würden wahrscheinlich noch schrecklichere Dinge mit ihnen tun.“ Graham nickte. „Deshalb ist es von größter Bedeutung, dass niemand davon erfährt“, meinte Graham eindringlich.
Ich grübelte noch eine Weile über die Worte nach, da waren wir auch schon am Ziel. Ich half Graham seinen Kram von der Ladefläche abzuladen und dann schleppten wir das Zeug den Hügel hinauf. „Warum kannst du nicht Wolkenjäger rufen, damit er uns die ganzen Sachen hier abnimmt?“, fragte ich keuchend. Graham verdrehte die Augen: „Man kapierst du es immer noch nicht? Niemand darf jemals einen Drachen zu Gesicht bekommen!“ „Aber hier ist doch keine Menschenseele!“, maulte ich. „Trotzdem ist das Risiko zu groß, denn wenn hier doch mal jemand wandern geht, haben wir den Salat“, meinte Graham genervt, dann fügte er noch hinzu, „Außerdem musst du was für deiner Kondition tun.“
Damit war die Diskussion beendet und wir trafen Wolkenjäger am Eingang des Tunnels.
Graham hatte hier unten ein Gestell platziert, auf das er seine Utensilien binden konnte. Mit diesem Gestell war es für Wolkenjäger einfacher, die Sachen zu transportieren. Wir stiegen auf Wolkenjägers Rücken und er erhob sich in die Luft. Dann packte er das Gestell mit seinen Pranken, an einem dafür vorgesehenen Griff und der Flug begann.
Wie immer war der Eintritt in die geheime Welt der Drachen wie ein Traum. Die Atmosphäre war einfach magisch und ich brauchte einen Moment, um dort wirklich anzukommen.
Sogar Graham lies all das einen Moment auf sich einwirken, dann sagte er: „Heute haben wir einen etwas längeren Weg vor uns. Ich möchte das Gel vom Riesenhaften Alptraum untersuchen und brauche einige Proben. Hinter den Wasserfällen haben wir die besten Chancen gleich mehrere zu finden.“ „Und wie sieht es mit einem Phantomgleiter aus? Hast du den vielleicht auch schon mal gesehen?“, fragte ich neugierig. Großvater runzelte die Stirn: „Hm der Drache hat es dir wohl echt angetan. Aber um ehrlich zu sein, habe ich seid Ewigkeiten keinen mehr gesichtet. Da muss man echt verdammtes Glück haben?“ Ich lächelte. „Ein Glück, dass ich ein verdammter Glückspilz bin!“, scherzte ich. Wir lachten.
Es dauere seine Zeit, aber schließlich kamen wir bei den Wasserfällen an. „Entferne dich nicht zu weit. Ich habe keine Lust, dich lange zu suchen. Aber vergiss nicht, ich könnte immer Hilfe gebrauchen. Also wenn dir zufällig langweilig wird, weißt du ja wo du mich findest.“ Ich grinste: „Danke für das Angebot, aber keine Sorge das wird nicht passieren.“ „Naja einen Versuch war es Wert.“, sagte Graham und bedeutete mir, dass ich abhauen sollte.
Also lief ich auf den klitschigen Steinen kreuz und Quer durch die Gegend. Ich kraulte jeden Drachen, der mir über den Weg lief, bis er sich genießerisch auf dem Boden rekelte, dann ging ich zum nächsten Drachen. Und so weiter und so weiter. Wenn Graham mich finden wollte, musste er nur der Spur der grunzenden und sabbernden Drachen folgen, die ich hinterließ.
Ich genoss es die Kontrolle über diese riesigen Kreaturen zu haben. Ich konnte sie mit wenigen Handgriffen zu Boden bringen. Ich liebte das Gefühl der Macht, die ich über die Drachen hatte. Sie waren wie Spielzeuge für mich.
So lief ich noch eine Weile umher, bis ich mich mit einem kleinen Schrecklichen Schrecken auf einen Stein setzte. Während ich ihn auf meinem Schoß streichelte, beobachtete ich das rege Treiben in der Luft. Es waren so viele Drachen hier und ein ständiger Luftverkehr herrschte. Es war hier wohl wie in einer Großstadt. Die geheime Welt würde nie zur Ruhe kommen. Es gab sicherlich einige versteckte Orte, an denen die Drachen zur Ruhe kommen konnten, aber hier war ständig Getümmel.
Plötzlich schoss ein Drache schneller als alle anderen durch mein Blickfeld. Er war so schnell weg, wie er gekommen war, aber eines hatte ich gesehen: Die blendend helle Reflexion des Lichtes an den Flügelinnenseiten. Überrascht sprang ich auf und der Schreckliche Schrecken landete unsanft auf dem Boden. Er verkroch sich schnell zwischen den Steinen, aber ich hatte keine Augen für ihn.
War das wirklich einer gewesen? Hatte ich gerade tatsächlich einen Phantomgleiter gesehen? Oder hatte ich ihn vielleicht mit einer anderen Spezies verwechselt? Vielleicht hatte ich mir das auch nur eingebildet. Wie auch immer ich wollte Graham unbedingt davon berichten.
Ich rannte also zurück und rutschte dabei ein paar mal fast aus, doch ich konnte mich zum Glück immer wieder gut abfangen.
Als ich bei Graham ankam, füllte er gerade das Gel eines schwarzen Alptraums mit roter Musterung in ein Reagenzglas und beschriftete es. Ich blieb keuchend neben ihm stehen und stützte mich mit den Händen auf den Knien ab. Während ich nach Atem rang, machte sich der Alptraum aus dem Staub. Meine aufgewühlte Erscheinung war ihm wohl nicht geheuer.
Graham schien sich ebenfalls über meinen Auftritt zu wundern und sah mich fragend an. Als ich wieder zu Atem kam, antwortete ich: „Ich glaube ich habe einen gesehen. Einen Phantomgleiter meine ich. Ich konnte es nicht genau erkennen, aber seine Flügel haben reflektiert. Könnte ich ihn mit einem anderen Drachen verwechselt haben?“ „Das ist eher unwahrscheinlich. Die goldenen Flügelinnenseiten sind einzigartig im Reich der Drachen, zumindest so weit ich mich auskenne“, erklärte Graham. Mein Herz schlug schneller: „Dann müssen wir ihn unbedingt finden!“ Graham lachte amüsiert: „Diesen Drachen findest du nicht einfach. Er findet dich. Außerdem ist es schon spät. Ich habe alle Proben und wir müssen zurück, sonst ärgert Kieth sich wieder. Morgen kommen wir wieder, versprochen.“ Wenn auch widerwillig half ich Graham, alles zusammenzupacken. Ich wäre viel lieber noch hier geblieben, aber das war leider unmöglich.
Als wir alles auf dem Gestell verstaut hatten, pfiff Graham kurz und Wolkenjäger kam herbeigeflogen. Er hatte schon mal den Fisch für unser Alibi gefangen. Wir stiegen auf seinen Rücken und er trug wieder unser Gepäck.
Auf dem Flug schwiegen wir. Es lag etwas seltsames in der Luft. Ich spürte, dass Graham etwas auf dem Herzen hatte, doch er schwieg. Schließlich sagte er doch etwas: „Billy, ich finde es nicht richtig, wie du mit den Drachen umgehst. Ich kann gut verstehen, dass es dir gefällt, wenn sie sich vor dir auf dem Boden rekeln. Das gibt dir das Gefühl Macht über sie zu haben. Ich kann das wirklich verstehen, angesichts dessen, was vor neun Jahren passiert ist. Aber die Wahrheit ist: Du hast keine Macht über die Drachen. Wenn sie wollten, könnten sie dich in Nullkommanichts in Stücke reißen, du hättest keine Chance gegen sie. Sei dir dessen immer bewusst. Drachen sind vielleicht gutmütige Wesen, aber wenn du sie leichtsinnig wie Spielzeuge behandelst und zu sehr reizt, könntest du auch zu ihrem Spielzeug werden. Für dich sind Drachen nicht mehr als ein Zeitvertreib, aber deshalb bist du für sie auch nicht mehr als das. Du bist für sie eine kleine Unterhaltung für unterwegs. Ein winziger Glücksmoment. Keiner dieser Drachen würde so sein Leben für dich opfern. Du bist nichts besonderes für sie, wenn sie es nicht für dich sind. Und ganz nebenbei wirst du so den Phantomgleiter niemals zähmen. Der ist viel zu scheu. Er muss schon etwas in dir sehen, wofür es sich lohnt Vertrauen zu fassen, damit er zu dir kommt.“
Das waren harte Worte und ich musste sie erst mal verdauen. Graham verlangte von mir, mich völlig zu ändern, was mein Verhalten gegenüber Drachen anging. War es die Anstrengung wirklich wert?

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Das war es wieder Mal.
Auf Wiederlesen! o.O
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