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Charaktere unter sich

von Hedwich
Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Parodie / P12 / Gen
Draco Malfoy Harry Potter Hermine Granger Ronald "Ron" Weasley Severus Snape
21.08.2019
22.12.2019
15
31.170
28
Alle Kapitel
33 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
21.08.2019 1.311
 
Disclaimer:
Die meisten Figuren, Handlungsorte und magischen Begriffe gehören nicht mir, sondern J.K. Rowling und ich leihe sie mir nur aus, um ein wenig mit ihnen zu spielen.


Aufenthaltsraum für Charaktere, oberstes Stübchen.
Zweimal ein Plopp, kurz hintereinander.

"Professor Snape!"
"Miss Granger."
"Ich hatte gedacht, ich würde um diese Uhrzeit hier allein sein."
"Sie wissen doch, daß wir nichts aus freien Stücken tun. Irgendjemand schreibt uns immer vor, was wir tun sollen. Im wahrsten Sinne des Wortes. In unserem Fall befürchte ich das Schlimmste."
"Wieso?"
"Nun, wir beide sind allein."
"Ja, und?"
"Haben Sie wirklich noch nichts davon gehört oder vielmehr gelesen? Das hätte ich nicht gedacht. Sie verschlingen doch alles Lesbare." Er konnte sich ein leichtes Grinsen nicht verkneifen.
"Nun sagen Sie doch, was Sie meinen statt nur solche Anspielungen loszulassen!"
"Kennen Sie Fanfictions?"
"Ich hab schon mal davon gehört, ja."
"Wissen Sie, daß viele dieser selbsternannten Autoren aus uns beiden ein Liebespaar machen?"
"Das ist doch absurd."
"In manchen Geschichten sind Sie meine Lustsklavin."
"Und das ist krank!"
"Bin ganz Ihrer Meinung."
"Wie kommen die Leute auf solchen Müll? Haben die die Bücher nicht gelesen? Sie sind doch viel zu alt für mich!"
"Das scheint niemanden zu stören."
"Und Lustsklavin? Jetzt sagen Sie bloß noch, da wird detailliert beschrieben …"
"Exakt. Jedes Detail. Inclusive ausführlicher Beschreibung gewisser körperlicher Merkmale."
Unwillkürlich sah Hermine an Severus hinunter.
"Da gibt es nichts zu sehen. Noch nicht. Aber noch wissen wir auch nicht, was da wieder für ein krankes Hirn am Werk ist."
"Ich verstehe es immer noch nicht. Ich bin doch mit Ron zusammen. Und Sie …"
"Habe überhaupt kein Liebesleben. – Ja, ich falle von einem Extrem ins andere. Erst macht man aus mir eine häßliche Fledermaus mit Riesenzinken und fettigen Haaren, die sich aus einer ersten enttäuschten Liebe heraus lebenslang in Verbitterung flüchtet und dann werde ich zum Sexgott, zum einfühlsamen Liebhaber, dessen seidig-weicher Kopfbewuchs romantisch im Wind flattert."
Hermine kicherte.
"Und mache mich an eine Frau ran, die grade mal halb so alt ist wie ich. Midlife-Crisis oder Torschlußpanik, wenn man's nett ausdrücken will. Notgeil als weniger rücksichtsvolle Formulierung."
"Tut mir leid."
"Schon gut. Sie können nichts dafür. Und mit Ihnen springt man ja auch nicht besser um."
"Inwiefern?"
"Na ja, haben Sie es etwa nötig, sich mit so einem alten Sack wie mir einzulassen?"
"Nun, ältere Männer können durchaus ihren … Reiz haben."
"Oh, danke. Trotzdem hätten Sie sich ganz bestimmt nicht mir zugewandt."
"Stimmt schon. Allein schon deshalb, weil Sie immer so gemein zu mir und meinen Freunden waren."
"Eben. Das allein macht es schon sehr unglaubwürdig. Wer verliebt sich denn in eine Person, die einen jahrelang permanent fertiggemacht hat?"
"Genau. Aber Sie hätten auch nie freiwillig was mit mir angefangen."
"Sind Sie da so sicher? Sie würden vielleicht keinen Schönheitswettbewerb gewinnen, aber eine hübsche junge Frau sind Sie ja doch."
Hermine wurde rot.
"Das ist nett, daß Sie das sagen. Aber ich hatte eigentlich gemeint … wegen Lily."
"Ach so. Weil ich nur sie geliebt habe. Ja, da ist natürlich was dran. Ah, kommen Sie – trinken Sie was mit mir! Wie ich gerade sehe, gehört unser Autor zur netteren Sorte und läßt uns hier nicht verdursten."
Sie gingen zu einem Tisch hinüber, Severus goß ein und sie machten es sich in den bequemen Sesseln gemütlich.
"Oder Autorin.", nahm Hermine das Gespräch wieder auf. "Könnte ja auch eine Sie sein."
"Ich bin mir noch nicht im Klaren über das Geschlecht des Verfassers. Wenn Sie plötzlich weg sind und ich stattdessen mit dem Werwolf oder einer anderen männlichen Figur rumknutsche, dann handelt es sich um eine Autorin."
"Ach?"
"Ja, der sogenannte Slash wird überwiegend von Frauen geschrieben."
"Na ja, das kann ich schon nachvollziehen."
"Sie erstaunen mich. Bitte erklären Sie."
"Nun, wenn eine Frau auf Männer steht, dann ist es doch nicht so abwegig, wenn sie sich gerne … unbekleidete Männer beim … na ja … Sex vorstellt. Einfach gutgebaute Kerle in Aktion."
"Miss Granger!"
"Entschuldigung."
"Nein, ist schon okay. Ich bin Sie nur einfach … so … nicht gewohnt. Vielleicht sollten wir zum 'du' wechseln …"
"Hab ich nichts dagegen."
"Gut. Also denn, Hermine – trinken wir darauf, daß wir uns auch weiterhin einfach so gepflegt unterhalten können und uns nicht plötzlich die Kleider vom Leib reißen."
"Ja, gerne."
Sie prosteten sich zu.
"Sollte ich sowas eigentlich mal gelesen haben? Also, Geschichten, wo wir …"
"Falls du nicht doch eine geheime Schwäche für mich haben solltest, würde ich sagen, die meisten sind reine Zeitverschwendung. In einigen wird noch einigermaßen nachvollziehbar erklärt, wieso sich zwei nicht nur altersmäßig so völlig unterschiedliche Figuren ineinander verlieben. Dem Ganzen wird etwas Zeit gelassen. Ich finde es immer noch weit hergeholt, aber manche Autoren geben sich immerhin Mühe, uns nicht völlig rumzudrehen. Charakterlich, meine ich. Als Parodie kann es dagegen komisch sein. Wenn man Sinn für Humor hat."
"Als Parodie? Sowas gibt's auch?"
"Ja. Da würdest du jetzt aufstehen, an mir rumschnüffeln und irgendwas sagen wie 'Ach, Sevi-Schatzi, du riechst so gut.' Und ich würde antworten 'Ich hab mein Haar mit Apfel-Honig-Shampoo gewaschen, liebstes Minchen.'"
"Gute Güte, echt?"
"Ja, wie gesagt, als Parodie ist das ganz witzig. In echt nur zum Kotzen."
"Sevi-Schatzi?"
"Freut mich, daß du genauso fassungslos bist, wie ich es war, als ich sowas zum ersten Mal gelesen habe."
Eine Weile saßen sie beide so da, nippten am Met. Severus leicht lächelnd.
Dann meinte Hermine: "Ich kann es irgendwie nachvollziehen."
"Was, bitte?"
"Aus meiner, Hermines Sicht, zumindest."
"Ich bin gespannt."
"Nun, überleg' mal. Es gab anscheinend nur eine Frau in deinem Leben. Und niemand weiß, ob ihr je …"
"Sex hattet?"
"Genau. Die Vorstellung, das Herz eines verbitterten, vereinsamten Mannes zu berühren …"
"Eine grauenhaft romantische Vorstellung, ekelhaft kitschig … aber ich weiß, was du meinst."
"Ja und dann noch, daß er möglicherweise noch Jungfrau ist …"
"Das macht es schon interessanter. Soll ja auch Leute geben, die gerne mal eine Nonne oder einen Priester verführen würden."
"Genau. Also von daher kann ich die Motivation solcher Autoren schon verstehen. Es ist dann halt die Frage, wie man den Stoff anpackt."
"Es gibt gewaltige Unterschiede im stilistischen und inhaltlichen Niveau, das sage ich dir. Darüberhinaus kommen manche Stories eher als Buchstabensuppe daher, so grauenhaft ist die Rechtschreibung."
"Die Leute sollten mehr lesen."

Stimme aus dem Off: Okay, ihr seid fertig! Dankeschön!

"Och, das war's schon?" Hermine wirkte enttäuscht. "Nun waren wir so schön ins Plaudern geraten."
"Na, vielleicht gibt's ja 'ne Fortsetzung. Unser geistiges Herrchen ... oder Frauchen … scheint einer, beziehungsweise eine, der vernünftigen, anständigen Sorte zu sein."
"Ja, denn: Auf bald!"
Severus nahm Hermine in den Arm und drückte sie kurz. "Puh, das ist gutgegangen. Ich hatte die Befürchtung, daß im letzten Augenblick noch was passiert, ich dir meine Zunge in den Hals stecke oder so. Aber vielleicht dürfen wir wirklich einfach gute Freunde bleiben, so hinter den Kulissen der Fanfiction-Schreiberei."
"Wäre schön … Sevi-Schatzi!"
"Aaaargh!"
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