Kleines Küken

von Ilea
GeschichteAllgemein / P12
21.08.2019
01.10.2020
10
19.214
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21.08.2019 1.114
 
✩   K L E I N E S   K Ü K E N  ✩

✺ ✩ ⋆ ✩ ✺

Vorwort

Vorwort Deswegen hier meine kleine Fanfiktion zu der Bande, die mich in meiner Kindheit begleitet hat – dabei muss ich sagen, dass meine Erinnerungen an die Bücher sehr schwammig sind. Es kann also vorkommen, dass mein Wissen mehr auf den Filmen beruht!
Das ist so eine zehn-Jahre-später-Geschichte; voller Erwachsenwerden und der Frage, die mich immer beschäftigt hat, wie es wohl nach den ersten Jahren ohne einander und auf getrennten Wegen ist, wenn alle Hühner und Pygmäen wieder zueinander finden.
Ohne weitere Vorwort (die ich selbst so sehr hasse) – hier ist der Prolog!
Viel Spaß beim Lesen,
~ Ilea


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(0.) Prolog
S O   E I N   G E F Ü H L


Es war so ein Gefühl. Ein schrecklich leeres Gefühl zu wissen, dass alles, woran sie gearbeitet hatte an dem zerbrach, für das sie sich selbst aufgegeben hatte. Die Rolle hatte Frieda überfordert, doch sie gab es ungerne zu. Eine Mutter zu sein war schwer, eine junge Mutter zu sein noch mehr und zu wissen, dass der Vater weit weg von ihren erträumten Perspektiven schwebte, machte es ihr noch schwerer. Es war wie ein ordentlich aufgebautes Fundament, das anfing leicht zu bröckeln und zu zerfallen. Sie wollte auf diese Weise nicht schwach sein, aber ihr Leben erstreckte sich vor ihr wie eine Wüste. Mit dem Kopf gegen die Scheibe sah sie den ersten Sonnenstrahlen des Morgens entgegen, die Sonne tauchte Berlin in ein wundersames Licht und vergaß dabei, dass es eigentlich eine Stadt voller Menschen war. Sie wirkte so einsam wie Frieda sich fühlte, der Arm tat ihr weh und ein Kichern riss sie aus dem schrecklich leeren Gefühl.
„Mama“, rief ihre Tochter. „Mama, machst du Bibi Blocksberg an?“
Frieda lächelte kurz, dann stöhnte sie innerlich – sie kannte jedes Lied der Schulserie auswendig, doch ihre Tochter strahlte sie immer an und zeigte ihr, warum sie weiter machen sollte.
„Gerne“, murmelte Frieda und suchte auf ihrem Handy nach der Playlist.
„Ich freue mich schon auf die Schule“, rief das kleine Mädchen. Frieda sah kurz zu ihrer Tochter, dann leuchtete ihr Handy auf und sie sah, dass sie eine Nachricht von Trude bekommen hatte. Mit den Worten ihrer Freundin wuchs die Freude in ihrem Herzen und die Tränen in ihren Augen.


Es war so ein Gefühl. Ein unheimlich erschreckendes Gefühl. Nervenflattern und Schmetterlinge in ihrem Bauch, eine ganze Bühne, die nur auf Wilmas Auftritt wartete. Das Make-Up verklebte langsam und bildete Risse auf ihrer Haut während sich die junge Frau im Spiegel betrachtete und lächelte – auch wenn es gruselig wirkte, denn sie trug ein Katzenkostüm. Es war noch nicht das, was sie sich erträumte, aber es war ein richtiger Punkt, um weiter an ihren Träumen in einem Film mitzuspielen zu arbeiten. Sie war trotzdem nervös und dachte an all das, was scheitern konnte. Sie dachte daran, dass ihre Mutter nicht gekommen war und daran, dass irgendwo im Publikum Sprotte sitzen würde, weil sie zu Besuch in Potsdam war.
„Wilma?“, fragte der Hund. Er sah nicht besser aus als Wilma – doch es war schließlich eine Kinderproduktion und diese konnten darüber lächeln.
„Ich komme“, sagte Wilma. Das Lampenfieber blieb, ein letzter Blick auf ihr Handy und sie wollte es ausmachen, doch da kam ihr eine Nachricht von Trude zuvor.


Es war so ein Gefühl. Ein altbekanntes und unwohles Gefühl, als Sprotte ihre Schwester erneut ermahnte nicht die alten Herrschaften vor ihnen zu treten. Greta konnte nicht stillsitzen, viel mehr war es, dass sie es nicht wollte und jedes Mal Sprotte die plagenden Blicke dafür einkassieren durfte. Sie sah auf die Bühne und verfolgte die Handlung nur mit einem halben Augen, mit den anderen warf sie ein Blick auf Greta, die der Frau vor ihr die Zunge herausstreckte und Sprotte ihr die Hand vor den Mund legte. Zum Dank sabberte Greta sie an, dabei erwartete Sprotte von einer Neunjährigen ein besseres Benehmen.
„Greta“, zischte sie und sah sie böse an. In diesem Moment blinkte etwas aus und Sprotte schoss das Blut ins Gesicht. Es war ihr Handy, dass sie in dem Wahn, Greta versuchen zu erziehen, vergessen hatte auszustellen.
„Charlotteeeee“, äffte Greta sie nach, doch Sprotte hielt weiter ihre Hand vor ihren Mund. Mit einem Lächeln steckte sie das Handy weg, es war eine Nachricht von Trude.

Es war so ein Gefühl. Ein erzwungenes Lächeln war nicht das, was Melanie ausmachte. Der Kunde vor ihr jedoch kaufte ihr jede Bewegung ab und vor allem die reizende Stimme, die sie aufsetzte, um die älteren Damen von einer Anti-Falten-Creme zu überzeugen. Es war nur ein Teil ihres Traumes, sie wollte sich noch weiter in der Firma hinaufarbeiten. Bis dahin, wo sie ihre eigenen Produkte auf den Markt bringen konnte – ein wenig natürlicher und ohne die leeren Versprechen, die sie ihren Kunden geben musste. Das Poloshirt von dem Kosmetikladen war ihr viel zu eng und es kratzte, doch sie ließ sich nicht beirren und lächelte weiter, während die Frau vor ihr einen skeptischen Blick auf die Produkte auf den Glastisch warf.
„Ich bin wenig überzeugt.“ Sie rümpfte die Nase und Melanie hätte am liebsten die Augen verdrehte, doch sie behielt sich, denn ein älterer Kollege schaute warnend und doch gleichzeitig wehmütig in ihre Richtung.
„Dann lassen sie mich sie überzeugen“, sagte Melanie und sie bekam die Frauen so weit, dass sie ins Lager kehrte um dort ein ganzes Set zusammenzustellen. Sie erlaubte sich einen kleinen Blick auf ihr Handy und lächelte, eine Nachricht von Trude war angekommen.


Es war so ein Gefühl. Ein starkes Gefühl, als Trude auf den Ring an ihrem Ringfinger schaute und sich vor den Spiegel stellte. Sie stach mit den Fingern in ihren Bauch und versuchte sich ein paar Gramm wegzudenken, doch sie wusste auch genau, dass Steve sie trotzdem heiraten würde. Tränen lagen in ihren Augen, sie wischte sich darüber und klammerte sich an ihr Handy. Am liebsten hätte sie geschrien, doch dann hatte sie nur gequietscht. Am liebsten wäre sie auch durch die Wohnung getanzt, doch der Umzug stand bevor. Alles war voller Kartons und sie hörte die Jungs, Freunde von Steve und ihr, die Kartons aus der alten Wohnung tragen.
Es klopfte und Steve steckte den Kopf herein. „Sie kommen“, rief er und seine Augen glänzten.
„Alles?“, fragte Trude und sah ihn mit großen Augen an.
„Alles ehemaligen Pygmäen, Liebling“, sagte Steve. „Wie sieht es mit den Hühnern aus?“
Trude sah auf ihr Handy. Sie hatte eine Nachricht von Frieda, Wilma, Sprotte und Melanie erhalten. Sie sah Steve an, dann grinste sie und sprang ihn um den Hals.
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