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Das Leben des Albus Dumbledore

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Albus Dumbledore Gellert Grindelwald
21.08.2019
20.04.2020
15
55.764
21
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31 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
12.10.2019 5.203
 
Sorry, dass es so lange gedauert hat, hatte viel um die Ohren.

Danke an Lilo für die Beta :)

Viel Spaß beim Lesen!

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In dem hell erleuchteten Vollstreckungsraum brach innerhalb von Sekundenbruchteilen die Panik aus. Mehrere Minister schrien und stürmten zur Tür, die Präsidentin riss ihren Zauberstab hervor und richtete ihn nach unten, doch ihr Gegner war schneller. Gellert Grindelwald griff in den Ärmel seines Umhangs und Albus war tatsächlich nicht im Geringsten überrascht, als er nun ebenfalls einen Zauberstab hervorzog. Er musste ihn die ganze Zeit über bei sich getragen haben. Entweder sie hatten ihm die Waffe nie abgenommen, oder jemand hatte sie ihm wieder zukommen lassen. Letztendlich war es egal, die Konsequenzen waren dieselben.

Einen Moment lang fragte Albus sich, wie er auch nur eine einzige Sekunde lang hatte denken können, dass Gellert sich hinrichten lassen würde. Dann erwachte er aus seiner Starre, streckte seine Hände aus und jagte alle Magie, die in ihm war in seine Fingerspitzen. Er reagierte schneller als die Präsidentin, schneller als jeder anwesende Minister, schneller als jeder der gut zehn Auroren, die in diesem Moment in den Raum stürmten. Aber er reagierte nicht schnell genug für Gellert Grindelwald.

Ein Sprengfluch, stark genug, um die Wände zum Erbeben zu bringen, schlug in die Empore ein und riss Albus und alle anderen von den Füßen. Er krachte gegen die stählerne Stufe in seinem Rücken, versuchte sich abzufangen und schürfte sich an einer metallenen Kante des Gitterrosts die Hand auf. Neben ihm lag der völlig entsetzte Leonard, der für einen Moment zu paralysiert schien, um zu reagieren. Albus wurde mit einem Anflug von Genugtuung bewusst, dass sein zauberstabloser Schutzzauber tatsächlich noch funktioniert hatte, sonst wäre vermutlich die gesamte Empore zu Boden gekracht.

„Kommen Sie! Wir müssen hier raus!“, zischte er, packte den völlig versteinerten Leonard unterm Arm und versuchte ihn auf die Füße zu zerren. Er fluchte im Stillen, denn er wusste, dass jede Sekunde, die er nun untätig verlor, sich in wenigen Augenblicken bereits tausendfach rächen würde. Gellert war wütend und Albus kannte ihn gut genug um zu wissen, dass er, sollte man ihm die Chance dazu bieten, jeden Einzelnen von ihnen ohne zu Zögern vernichten würde. Allem voraus Albus selbst. Er hatte Gellerts Blick gesehen, der Ausdruck in seinen Augen, als ihre Blicke sich noch einmal getroffen hatten, kurz bevor er sich der Exekutoren entledigt hatte. Und er ahnte, Gellert hatte ihm dabei die Hölle selbst versprochen. Wenn er am Leben bleiben wollte, musste er handeln und zwar schnell.

Madam Picquery lag auf dem kalten Stahl der Empore, sie schien sich den Kopf gestoßen zu haben, blutete und stöhnte vor Schmerz, bewegte sich aber. Erik, der Norweger von der Internationalen Vereinigung versuchte gerade, ihr aufzuhelfen. Sie schien immerhin nicht ernsthaft verletzt zu sein. Albus blickte gehetzt nach unten. Wie er durch den Gitterrost hindurch beobachten konnte, entledigte Gellert sich gerade einer ganzen Armee von Auroren, und das mit nur einem einzigen Wisch seines Zauberstabs. Verblüfft und entsetzt fragte Albus sich, wie stark sein einstiger Freund in den letzten Jahren noch geworden war.

Den völlig unter Schock stehenden Leonard im Schlepptau stürmte Albus auf den Ausgang zu, rannte durch die offenstehende Tür in die Dunkelheit des Flurs hinein und sprang die Treppe hinunter. Gehetzt sah er sich um, aber natürlich fand er den Auror, der seinen Zauberstab hatte, nicht mehr. Leonard kam keuchend neben ihm zum Stehen.

„Albus, was machen wir jetzt?“, fragte er mit fast überschlagender Stimme, während ein gutes Dutzend weiterer Auroren gerade in den Hinrichtungsraum hineinstürmten. Sie mussten alle im Flur postiert gewesen sein, um im Notfall schnell zur Verfügung zu stehen. Albus sah ihnen nach und spürte das starke Bedürfnis, sie aufzuhalten. Nicht weil er Gellert verteidigen wollte, sondern weil er ahnte, dass sie den Raum nicht mehr lebend verlassen würden.

„Wir brauchen unsere Zauberstäbe“, erinnerte Leonard ihn panisch und Albus nickte bitter. „Kommen Sie, wir müssen weg hier!“, zischte er, warf sich herum und rannte los, völlig ungeachtet, ob Leonard ihm folgte, oder nicht. Unbewaffnet hatten sie keinerlei Chance, sollte Gellert sie angreifen. Der Gedanke, womöglich erneut die Waffe gegen ihn richten zu müssen, bohrte sich wie ein Pfeil in Albus‘ Brust und lähmte seine aufbrausenden Gedanken. Sein Verstand und seine Gefühle gingen gerade mit Fäusten aufeinander los. Ein Teil von ihm hoffte so sehr, dass Gellert es schaffen würde zu entkommen, den Menschen zu entfliehen, die ihn umbringen wollten. Der andere Teil erinnerte ihn gerade schreiend daran, dass es seine Pflicht sein sollte, Gellerts Flucht zu verhindern! Dass es hier nicht um ihn ging, um seine Gefühle oder ihre gemeinsame Vergangenheit. Sondern um den Frieden einer ganzen Welt!

Ein halbes Dutzend weiterer Auroren stürmte in diesem Moment den Zellengang entlang und kam Albus entgegen. Er hörte den Vordersten von ihnen irgendetwas brüllen von wegen, sie bräuchten Verstärkung in der Haupthalle. Albus stutzte. Verstärkung in der Haupthalle? Warum plötzlich in der Haupthalle? Als die Auroren nahe genug waren, um das Chaos vor ihnen sehen zu können, verlangsamten sie mit entsetztem Blick ihr Tempo. Scheinbar waren die Männer oben postiert gewesen und hatten von den Geschehnissen im Keller bisher nichts mitbekommen. Albus rannte direkt auf sie zu und packte den äußersten von Ihnen, einen blutjungen Mann mit rotbraunen Locken, am Arm.

„Hey, was fällt Ihnen…!“, begann der Auror, doch Albus unterbrach ihn: „Wo sind die Zauberstäbe, die man uns abgenommen hat? Und was ist in der Haupthalle los?

Der junge Mann antwortete nicht, aber der hochgewachsene, spindeldürre Auror in seinem Rücken ergriff für ihn das Wort.

„Der Obscurus“, hauchte er mit schreckgeweiteten Augen, als hätte er gerade eine Armee von Inferi gesehen. „Er ist wieder da. Ich weiß nicht wie das möglich ist, ich war selbst dabei, als er vernichtet wurde, aber er ist wieder da, er hat überlebt, er…“

Albus spürte, wie ihm der Magen in die Knie sank und sein Herz mitriss. Leonard kam keuchend neben ihnen zum Stehen. Er war bleich wie Marmor. „Was soll das heißen, der Obscurus ist wieder da?“ Noch ehe irgendjemand zu einer Antwort ansetzen konnte, ertönte plötzlich ein Knall, der die Wände erzittern ließ. Albus spürte die Ausläufer einer Druckwelle, wirbelte herum und sah Gellert in der Tür zum Vollstreckungsraum stehen. Oder vielmehr in dem, was davon noch übrig war. Er hatte mit einem weiteren, geradezu übermächtigen Sprengfluch fast die ganze Wand zertrümmert. Steine, Staub und Metallsplitter sprangen über den Boden und verteilten sich im ganzen Flur. Zwischen dem Geröll lagen zahlreiche, regungslose Körper, von denen niemand sagen konnte, ob sie noch am Leben waren. Gellert Grindelwald stand dazwischen, noch ins helle, eisig kalte Licht des Todesraums getaucht. Für einen Moment erinnerte er Albus an einen gefallenen Engel, dunkel, böse und wunderschön. Nur noch eine bescheidene Anzahl mutiger Kämpfer stand ihm gegenüber, doch ihre Versuche, ihn anzugreifen schienen ihn nicht einmal zu fordern.

Der junge Auror neben Albus sog scharf die Luft ein. „Ist das Grindelwald?“, hauchte er mit blankem Entsetzen in der Stimme. Ohne eine Antwort abzuwarten, stürmten die Auroren los, hinein in einen aussichtslosen Kampf gegen einen übermächtigen Gegner.

Allein der Mann, der von dem Obscurus berichtet hatte, zögerte noch einen winzigen Moment. Er richtete den Blick noch einmal auf die zwei Briten, Albus konnte seine Anspannung beinahe körperlich fühlen. „Die Zauberstäbe sind beim Leiter für magische Strafverfolgung, vermutlich in seinem Büro. Nur er hat Zugang dazu. Als ich ihn das letzte Mal sah, hat er in der Haupthalle gegen den Obscurus gekämpft. Er hat uns zum Verstärkung holen hier hinunter geschickt. Er konnte ja nicht wissen, dass…“ Der Auror brach ab und blickte mit bleichem Gesicht und einem verstörten Ausdruck in den Augen Richtung Kampf. „Seien Sie klug, und halten Sie sich nicht auf“, wisperte er mit beschwörender Stimme. „Fliehen Sie, solange Sie es noch können!“

Mit diesen Worten wandte er sich ab und folgte seinen Kollegen in den Kampf.  

Albus spürte Leonards Hand an seinem Arm, wie sie an ihm zog. „Kommen Sie, Albus, lassen Sie uns verschwinden und die Auroren ihre Arbeit machen.“ Albus warf noch einen letzten Blick zurück, dorthin wo eine Handvoll Männer auf verlorenem Posten gegen einen einzigen, übermächtigen Zauberer kämpften.

Dann gab er nach und folgte Leonard den dunklen Gang entlang, Richtung Aufzüge. Er brauchte seinen Zauberstab. Und dann… ja, was wollte er dann tun? Sich Gellert in den Weg stellen? Nein, das konnte er nicht… Nicht noch einmal.

Doch die Tatsache, die er nicht einfach von sich wegschieben konnte war, dass der Junge mit dem Obscurus wohl überlebt hatte und ins MACUSA gekommen war. Genau zu dem Zeitpunkt der Hinrichtung. Dass das kein Zufall sein konnte, lag auf der Hand! Das Obscurial war wegen Gellert hier, wollte vermutlich versuchen, ihn zu befreien. Hatte er ihn also auf seine Seite gezogen? War es Gellert von Anfang an nur um diesen Jungen gegangen? Hatte dieser zutiefst manipulative Mann es nun also doch geschafft, sich die Macht eines solchen Wesens zu eigen zu machen? Der Gedanke drehte Albus das Herz um. Sollte das wahr sein… dann würde alles, was er schon seit Jahren tief in seinem Inneren befürchtete, letztendlich seine Bestätigung finden. Er war einen Augenblick lang selbst erschrocken davon, wie sehr dieser Gedanke ihn verletzte.

Als Leonard in den Aufzug hineinsprang, packte Albus ihm am Arm und riss ihn zurück. „Zu gefährlich. Wenn Grindelwald den Aufzugmechanismus sprengt, dann sind wir geliefert“, zischte er und zerrte seinen Begleiter Richtung Treppen. Er war fünfundvierzig Jahre alt, aber als er die Stufen hinaufstürzte, hätte er jedem Achtzehnjährigen Konkurrenz gemacht. Er musste nach oben, er musste handeln, er musste Gellert aufhalten, ehe er den Obscurus in die Finger bekam.

„Albus! Nicht jeder hat so lange Beine wie Sie, vergessen Sie das nicht!“, hörte er Leonard, der keuchend hinter ihm her hechtete, aber Albus konnte in diesem Moment keine Rücksicht auf ihn nehmen.

Besinnungslos rannte er weiter nach oben, Stufe um Stufe, Stockwerk um Stockwerk, obwohl seine Seite brannte, als hätte er Feuer geschluckt und sein Herz sich anfühlte, als würde es im nächsten Moment in tausend Teile zerspringen. Vor Anstrengung und vor Schmerz. Bitterer, wühlender, verzehrender Schmerz, der sich in seiner Brust ausbreitete, wie ausgelaufene, schwarze Tinte. Nun hatte Gellert also bekommen, was er all die Jahre über gewollt hatte. Die Macht eines Obscurus, eine lebendige, atmende Waffe, eine Abkürzung auf seinem Weg an die Spitze dieser Welt. Und schon damals musste das der einzige Antrieb seines Handelns gewesen sein. Albus hatte es die ganze Zeit geahnt, und doch traf ihn die endgültige Gewissheit, dass der Mann, den er noch immer liebte, tatsächlich immer nur mit ihm gespielt hatte, wie ein Faustschlag ins Gesicht. Er hatte damals nicht ihn gewollt, sondern den Obscurus in seiner Familie. Er war nichts weiter gewesen, als ein Mittel zum Zweck, ein williges Spielzeug, das es zu manipulieren und zu benutzen galt… Vor ihm tat sich ein Krater von der Tiefe einer Gletscherspalte auf, doch jetzt im Moment durfte er sich nicht dort hineinfallen lassen. Sollte er diesen Abend überleben hätte er noch mehr als genug Zeit dazu. Sein gebrochenes Herz ließ ihn plötzlich extrem kämpferisch werden, als wäre Widerstand seine einzige Möglichkeit, Gellert für seinen Verrat vor so vielen Jahren zu betrafen. Und in seinem Kopf regte sich eine weitere Erinnerung, dunkel und bedrohlich. Die Worte eines alten Freundes, die Drohung eines neuen Feindes. Ich habe gesehen, dass irgendwann in ferner Zukunft ein Obscurus den Mann töten wird, den ich am meisten fürchten werde.

Irgendwann hatte er es geschafft. Er sprang über die letzte Stufe, hechtete durch den Flur und stürzte in die gigantische Eingangshalle hinein. Dass er tatsächlich allein über die Treppen in einem derartigen Tempo hier oben angekommen war, ohne dass sein Herz unterwegs vor lauter Anstrengung den Dienst quittiert hatte, war im Nachhinein betrachtet ein kleines Wunder. Gehetzt sah er sich um, und versuchte die völlig chaotische Lage zu erfassen. Ein schriller, wiederkehrender Alarmton erfüllte die Luft und die Menschen in der Halle rannten panisch in alle Richtungen. Einfache Büromitarbeiter und Empfangsleute versuchten über die Treppe zum Ausgang zu gelangen, mit Hauselfen und Kobolden auf den FersenHauH. Der ganze hintere Teil der Halle lag in Trümmern, von dem großen marmornen Bogen mit dem Bronzedenkmal standen nur noch vereinzelte Säulen, die wie abgebrochene Zähne in die Luft ragten. Trümmer goldener Figuren, metallener Geländer oder hölzerner Bänke lagen auf dem ganzen Boden verteilt, durchmischt mit den glänzenden Scherben zerbrochenen Glases. Dutzende Auroren, erkennbar an ihren schwarzen Umhängen hetzten hinter dem her, was rauschend durch die Luft der Halle jagte und dabei alles zerstörte, was ihm in den Weg kam. Entsetzt starrte Albus nach oben.

Über den Köpfen der Menschen flog eine riesengroße, formlose Wolke aus dunkler Energie, eine pechschwarze Masse, durchsetzt von vereinzelten rötlichen Schlieren. Sie war rasend schnell, zuckte, pulsierte und zerschlug selbst massiven Stein und dickes Metall ohne die geringste Mühe. Jeder Fluch, den die Auroren auf die dunkle Wolke wirkten, wurde von dieser absorbiert und schien sie nicht im Geringsten zu irritieren. Albus war für einen Moment wie gelähmt. Von einem derart mächtigen Obscurus hatte er in seinem ganzen Leben noch nicht gehört. Leonard kam keuchend neben ihm zum Stehen, stützte sich auf seine Knie und schnaufte, wie eine alte Lokomotive. Sein Kopf war hochrot, als er den Blick hob und fassungslos auf den rasenden Obscurus starrte. „Bei Merlins Bart“, zischte er entsetzt. „Ist er das?“

Albus nickte bitter und blickte sich hektisch um, suchte nach dem einen Mann, der seinen Zauberstab hatte. Es war völlig aussichtslos. In diesem Chaos fand er ihn niemals rechtzeitig.

„Wir sind geliefert, Albus“, hörte der Leonard noch sagen, dann ertönte ein weiterer, ohrenzerfetzender Schlag links von den beiden Männern. Gellert war da. Er war mit dem Aufzug gekommen und hatte nach seiner Ankunft in der Haupthalle die metallene Tür aus ihrer Verankerung gesprengt. Nicht weil das aus irgendeinem Grund nötig gewesen wäre, sondern einfach, um auf sich aufmerksam zu machen. „Grindelwald!“, hörte Albus einige Leute schreien. Panisch blickten die Auroren zwischen ihm und dem Obscurus hin und her, wohl unschlüssig, um wen sie sich zuerst kümmern sollten. Albus dachte nicht mehr darüber nach, ob es klug war, was er tat. Er rannte los und stürzte sich kopfüber in das heillose Chaos der Haupthalle hinein. Leonards entsetzten Schrei nahm er kaum noch wahr.

Im Augenwinkel sah er, wie Gellert jeden Menschen in seiner Nähe mit einem mächtigen Magiestoß von sich schleuderte und dann mit einem geradezu manischen Gesichtsausdruck die Arme ausbreitete. „Credence!“, hörte Albus ihn quer durch die Halle brüllen. Die dunkle Wolke zuckte, zauderte einen Moment und schoss dann auf Gellert zu, wie ein pechschwarzer Blitz. Mehrere Menschen sprangen schreiend zur Seite, doch Gellert blieb wo er war und für einen kurzen Moment dachte Albus tatsächlich, dass die schwarze Masse ihn nun angriff. Dann jedoch schoss der Obscurus über seinen Kopf hinweg, blähte sich auf und breitete sich im Rücken des Schwarzmagiers aus, wie ein riesengroßer, grotesker Umhang. Albus stöhnte innerlich. Genau das hatte er verhindern wollen.

Schreie erfüllten die Luft, Rufe und Flüche peitschten durch den riesigen Saal. Gellert schmetterte jeden einzelnen davon mühelos ab. Der Obscurus in seinem Rücken quoll zu einer gigantischen schwarzen Wand heran und seine tentakelartigen Auswüchse begannen um sich zu schlagen, wie Teufelsschlingen, sie griffen jeden an, der Gellert zu nahe kam.

Gut dreißig Auroren stürmten mit erhobenen Zauberstäben auf das gefährliche Gespann zu, um es irgendwie aufzuhalten, und Albus dachte nicht mehr lange nach. Er rannte auf den Vordersten von ihnen zu, schrie ihm im Vorbeirennen ein hastiges „Tut mir Leid“ zu und riss ihm den Zauberstab aus der Hand.

Er hörte einen empörten Schrei in seinem Rücken und spürte, wie ihm ein Fluch nachgejagt wurde, der ihn jedoch verfehlte. Er hatte eine Idee, auch wenn er ahnte, wie gefährlich sein Vorhaben war. Er stürmte durch die Halle, umrundete das Rondell, das den Abgrund umspannte und bremste an der Stelle, unter der die Treppe zur Tür des Haupteingangs führte. Vor seinen Augen hing die gewaltige Uhr die die Magieenthüllung anzeigte, und dahinter bot sich ihm der Anblick einer Zerstörung, die ihresgleichen suchte.

Der Obscurus war ein Stück von Gellert gewichen und griff die Auroren an, die ihn inzwischen zu Dutzenden mit Flüchen bombardierten. Er war unheimlich schnell, kaum einer der Flüche traf ihn und die, die es doch taten, wurden von der dunklen Masse absorbiert und es machte nicht den Eindruck, als könnten sie ihr schaden. Die Auroren waren merklich verunsichert. Schließlich waren sie bei dem Versuch, den Obscurus zu zerstören, schon einmal gescheitert. Die meisten versuchten nun wohl, irgendwie an ihm vorbeizukommen, um seinen neu auserkorenen Meister angreifen zu können. Und waren völlig erfolglos damit.

Gellert ging inmitten des Chaos durch den Raum, als wäre er das Auge des Sturms, der Pol der Ruhe, um den herum die Welt unterging. Albus sah ihn auf den Ausgang zugehen, wie einen gefallenen Engel, schön wie Luzifer selbst und der flackernde Obscurus in seinem Rücken waren seine schwarzen Flügel. Ein Engel der sich entschieden hatte in der Hölle zu regieren, anstatt im Himmel zu dienen.

Er betrat die Treppe, die zur Tür führte, während der Obscurus ihm in einigem Abstand den Rücken freihielt. Die Auroren kämpften auf verlorenem Posten, und sobald Gellert die Tür erreicht hatte, würde er disapperieren und verschwinden können. Zusammen mit der wohl gefährlichsten Waffe auf dieser Welt. Albus handelte schnell und ohne lange darüber nachzudenken. Er schwang sich über das hüfthohe Geländer und ließ sich hinabfallen auf den Fuß der Treppe, um Gellert den Weg abzuschneiden.

Er verlangsamte in der Luft seinen Sturz, um sich beim Aufschlag nach gut vier Metern Fall nicht alle Gelenke zu zerschmettern, und landete weich am Fuß der Treppe. Gerade in dem Moment, in dem Gellert am oberen Ende der Stufen an die Kante trat.

Doch als Albus ihm in den Weg sprang, blieb er stehen. Dunkel musterten seine blauen Augen den Mann, den er einmal als Freund, als Verbündeten bezeichnet hatte. Ein eiskaltes Lächeln trat auf seine Lippen.

„Albus Dumbledore... Ich wusste, dass wir uns noch einmal wiedersehen.“

Gellert Grindelwald sprach ruhig und ohne seiner Stimme auch nur eine winzige Spur emotionaler Färbung zuzugestehen, die es Albus vielleicht ermöglicht hätte, zu erkennen, was er dachte. Es war ein merkwürdiger Moment der Stille, inmitten eines verheerenden Kampfes, der das Herzstück der amerikanischen Zaubererwelt gerade in Schutt und Asche legte. Ein Moment, in dem Albus sich entscheiden musste, zwischen dem richtigen Weg und dem leichten. Zwischen seinem Kopf und seinem Herzen.

Und dann hob er den gestohlenen Zauberstab und richtete ihn auf den Mann, den er liebte. „Ich werde dich nicht aufhalten, Gellert. Ich will deinen Tod nicht. Aber ich werde nicht zulassen, dass du den Obscurus mitnimmst. Wenn du ihn willst, musst du erst an mir vorbei.“ Mühsam versuchte er alle Bitterkeit und allen Schmerz aus seiner Stimme zu verbannen. Denn während er ein weiteres Mal die Waffe gegen den einen Menschen erhob, der sein Herz noch immer gefangen hielt, schrie ihm ebenjenes Herz zu, was er hier tat? Warum er Gellert nicht einfach ziehen ließ, fort von den Menschen, die sein Blut wollten, um damit das Leid, das er verursacht hatte, von ihren Ländern, die Schuld des Versagens von ihren Fingern zu waschen.

Aber Albus wusste, er konnte ihn nicht gehen lassen mit dem Obscurus an seiner Seite. Mit dieser Macht in seinen Händen würde Gellert die Welt, in der sie seit so langer Zeit in Frieden lebten, zu blutgetränkter Asche zerfallen lassen. Doch das war in diesem Moment nicht einmal der Hauptantrieb seines Handelns. Seine Beweggründe waren viel persönlicher und deutlich schmerzhafter. Schon einmal war ein Obscurial gestorben, weil er diesen Mann nicht rechtzeitig aufgehalten hatte. Das würde er kein zweites Mal zulassen.

Der blonde Mann lachte kühl, als sähe er seinem Gegenüber den inneren Kampf regelrecht an.

„Geh zur Seite, mein Phönix!“, forderte er mit scharfer Stimme. „Ich will nicht noch einmal gegen dich kämpfen müssen.“

Mein Phönix… So hatte er ihn früher gelegentlich genannt…

Die Worte trafen Albus wie ein Schlag in die Magengrube, doch er kämpfte die schmerzhaften Emotionen in seiner Brust entschlossen nieder. Sie waren kein Paar mehr, sie waren Gegner. Jegliche Form von Gefühl war in dieser Situation fehlplatziert und gefährlich. Seine Stimme war drohend und kalt, als er sich mit seinen nächsten Worten endgültig auf die Seite von Gellerts Gegnern stellte:

„Ich hätte so viel früher versuchen müssen, dich aufzuhalten.“

Der Blick aus Gellerts blauen Augen verhärtete sich sichtbar, sein schönes Gesicht wurde zu einer Maske aus Kälte und Unmenschlichkeit.

„Wie du meinst, Albus.“

Der grelle, blendend weiße Blitz kam innerhalb von Sekundenbruchteilen, peitschte durch die Luft und schoss wie eine leuchtende Pistolenkugel auf Albus zu. In einem hektischen Gedankenfetzen wurde ihm bewusst, dass sein Gegner tatsächlich noch schneller geworden war. Doch auch seine eigenen Fähigkeiten waren innerhalb der letzten Jahre noch deutlich gewachsen und seine überragend schnelle Reaktionsfähigkeit ließ ihn auch dieses Mal nicht im Stich. Ein hastiger Wisch mit dem fremden Stab und der Fluch wurde gen Decke geschleudert. Noch im selben Atemzug schickte er seinen eigenen Angriff auf den Weg, viel zu schnell und viel zu stark, um von einem normalen Gegner noch aufgehalten werden zu können. Aber Gellert war kein normaler Gegner.  

Und in diesem Moment entbrannte zwischen den beiden Männern ein Kampf, wie man ihn in dieser Welt noch nicht gesehen hatte. Flüche peitschten durch den riesigen Saal, so schnell, dass sie im Auge eines menschlichen Betrachters zu einem konturlosen Strudel aus buntem Licht verschwammen.

Grelle Blitze erhellten die flimmernde Luft, wurden abgeschmettert, reflektiert, verstärkt und in alle Richtungen abgelenkt. Steinboden zersprang wie Glas, Metall zerbarst zu scharfkantigen Splittern und von der magischen Uhr über ihren Köpfen regneten messerscharfe Scherben auf das Symbol des MACUSA herab.

Gellert kam näher, stieg langsam die erste Stufe der Treppe hinab, während Albus ihm von unten her entgegenkam. Er dachte nicht mehr darüber nach, was er tat, oder was er als nächstes tun sollte. Denken kostete in einem Kampf dieser Art zu viel Zeit. Sein Instinkt und seine Fähigkeit, Menschen nur durch Blickkontakt zu lesen, wie offene Bücher, waren seine stärksten Waffen. Er zerlegte seinen Gegner in einzelne, unbewusst ausgesendete Signale, häufig so subtil, dass sie für die meisten Menschen kaum wahrnehmbar gewesen wären. Sein Feind wurde vor seinen Augen zu einem Kaleidoskop aus stummen Botschaften, die ihm eine geradezu unerschöpfliche Angriffsfläche eröffneten. Jede noch so winzige Bewegung von Gellerts Körpers, jeder Blick seiner Augen, jedes Flüstern seiner Lippen, war eine Waffe die Albus gegen ihn richtete, noch bevor sein Gegenüber diese Reaktion überhaupt bewusst wahrnehmen konnte. Normale Kontrahenten besiegte er auf diese Weise innerhalb von ein paar wenigen Sekunden. Nicht so Gellert. Er war der einzige Gegner, der jemals mit ihm auf Augenhöhe gewesen war.

Albus trat eine weitere Stufe nach oben, schmetterte einen strahlend roten Fluch so von sich weg, dass er zwei Schritte neben ihm in den Marmor krachte und einen Krater in die Treppenstufen sprengte. Sekundenbruchteile gefroren zu Ewigkeiten, als er Gellerts Angriffe abwehrte und in derselben unerbittlichen Intensität erwiderte, seinem Gegner keine Sekunde der Ruhe gönnte, so wie auch er kaum Zeit fand, um überhaupt zu atmen. Sie tanzten miteinander, wie sie es immer getan hatten. Ihre Bewegungen waren so perfekt aufeinander abgestimmt, als wären sie einstudiert worden.

Sie bekämpften sich und doch funktionierten sie miteinander wie ein Uhrwerk, in dem alle Zahnräder und Kolben perfekt ineinander griffen. Denn sie waren sich auch nach fast dreißig Jahren der Trennung noch zu ähnlich, kämpften zu ähnlich und dachten zu ähnlich. Gellerts Bewegungen, seine Art auszuweichen, zu reflektieren und anzugreifen, das alles hatte sich in den vielen vergangenen Jahren fast nicht verändert. Und Albus kannte seine Taktik, weil sie gleich seiner eigenen war. Sie hatten sie sich gemeinsam angeeignet.

Am Rand seiner Wahrnehmung bemerkte er die Aufregung, jenseits des unsichtbaren Kokons, den die beiden Kontrahenten mit ihrem Kampf um sich gesponnen hatten. Er nahm überraschte Rufe und anfeuernde Schreie wahr, aber er blendete alles aus, was ihn ablenken könnte, wenn auch nur für Sekundenbruchteile. Unter normalen Umständen wären ihm sicherlich ein paar Auroren zu Hilfe geeilt, doch niemand von ihnen war lebensmüde genug, sich den erbittert kämpfenden Männern zu nähern. Auf der Treppe über dem Abgrund war eine Todeszone entstanden.

Albus hatte die Plattform in der Mitte der Treppe erreicht. Bald war er Gellert so nah, dass er ihm an die Kehle springen könnte, sollte er das wollen. Was ihren Kampf noch heftiger machte, ihren Reaktionen noch mehr Präzision abverlangte. Albus sah direkt in Gellerts Augen, sah das dunkle Funkeln darin und fragte sich unwillkürlich, ob er es womöglich sogar genoss, endlich wieder einen Gegner vor Augen zu haben, der ihm das Wasser reichen konnte.

Und plötzlich erhob sich hinter Gellerts Rücken eine schwarze Masse, wie eine Wand aus Dunkelheit und schoss mit einem schrillen Kreischen über ihn hinweg. Auf Albus zu. Der Obscurus wollte seinen in die Enge getriebenen Meister verteidigen. Albus handelte instinktiv, denn er wusste, dass auch er nicht in der Lage wäre einen Obscurus zu stoppen. Niemand stoppte einen Obscurus. Er warf sich herum, trat zurück und hatte vergessen, dass hinter ihm die Stufen begannen. Er stolperte, fing sich, ging trotzdem zu Boden und rutschte nur halb so kontrolliert wie gewünscht mehrere Stufen der Treppe hinab. Seine Rippen schlugen gegen die scharfe Marmorkante einer zertrümmerten Stufe und ihm wurde schlecht, als er spürte, wie er sich mindestens einen der Knochen prellte. Der Obscurus verfehlte ihn nur um Haaresbreite, doch einer der tentakelartigen, schwarzen Auswüchse erwischte seine Zauberstabhand. Ein reißender Schmerz fuhr durch seine Finger, schoss bis zu seiner Schulter hinauf und seine hölzerne Waffe wurde ihm aus der Hand gerissen. Keuchend blieb er quer über der Treppe liegen, kämpfte jedoch sofort wieder um die Fassung. Ein einziger Moment des Kontrollverlusts konnte in einem Kampf gegen Gellert das Ende bedeuten. Ein gehetzter Blick auf seine Hand zeigte ihm, dass die Haut an manchen Stellen merkwürdig verbrannt wirkte, aber ansonsten intakt schien. Er hatte verdammtes Glück gehabt.

Hektisch hob er den Blick, der Obscurus flackerte nur einen knappen Meter über seinen Kopf in der Luft, wie eine Wolke aus beseelter, pechschwarzer Asche. In diesem Moment wurde Albus bewusst, dass es vorbei war. Hier auf der zerstörten Treppe, am Rand des Abgrunds, ohne Zauberstab und ohne die Möglichkeit zu disapperieren, hatte er keine Chance, sollte die entfesselte Schwarzmagie ihn noch einmal angreifen.

„Nein Credence!“

Gellerts Stimme zerschnitt die Luft wie ein Peitschenknall.

„Tu ihm nichts. Dieser Mann gehört mir!“

Der Obscurus flackerte, pulsierte bedrohlich. Und gehorchte. Albus lag für einen Moment merkwürdig versteinert auf den Treppenstufen. Gellert hatte ihn vor der Wut des Obscurus gerettet, aber mit welcher Begründung? Dieser Mann gehört mir...

Hinter Gellert erklangen plötzlich haufenweise durcheinandergeschriene Befehle und das Poltern von zahlreichen paar Stiefeln auf dem steinernen Boden. Der Obscurus, der den entflohenen Gefangenen von den Häschern des MACUSA abgeschirmt hatte, war von seinem Platz im Rücken seines Meisters gewichen, die Auroren witterten ihre Chance. Gellert wandte sich um und Spott zuckte um seine Mundwinkel, als er die Armee von Auroren mit erhobenen Zauberstäben auf sich zustürmen sah.

„Diese Idioten...“, zischte er gehässig und wandte sich an den Obscurus: „Tu mir einen Gefallen, Credence, und halte sie uns kurz vom Leib! Ich habe hier noch etwas zu klären.“

Die schwarze Masse zögerte einen winzigen Moment, entschloss sich dann aber zu gehorchen. Der Obscurus schoss über Albus’ Kopf hinweg die Treppe hinauf, blähte sich auf, zog sich massiv in die Breite und schloss plötzlich einen pulsierenden, pechschwarzen Ring um die Treppe und beiden Männer darauf. Albus rappelte sich auf die Knie und sah sich gehetzt um. Er saß in der Falle. Der Obscurus hatte eine unüberwindbare Mauer um ihn geschaffen, er kam hier nicht mehr heraus und niemand von außen konnte ihm hier drinnen zu Hilfe zu eilen.

Jetzt musste er schnell sein! Hektisch sah er sich um und fand den gestohlenen Zauberstab, der an der Kante der Plattform mit dem MACUSA Symbol zwischen tausenden Glasscherben lag. Er zog sich die Stufen hinauf, ignorierte den Schmerz in seinen Rippen so gut wie möglich, streckte die Hand aus und griff mit fahrigen Fingern nach der magischen Waffe. Er wollte sich gerade auf die Füße kämpfen, als plötzlich ein vernichtender Schmerz in seinem Handgelenk explodierte. Er spürte, wie seine Knochen nachgaben und der Zauberstab sofort wieder aus seinen Fingern glitt. Ein erstickter Schrei kam ihm über die Lippen. Gellert stand über ihm, war mit der ganzen Wucht seines Körpergewichts auf sein Handgelenk gestiegen und hatte es zwischen seinen Stiefeln und der Treppenkante regelrecht zertrümmert. Für einen Moment glaubte Albus, der Schmerz brachte ihn um, schwarze Schatten überschwemmten das Bild vor seinen Augen.  

Mit dem freien Fuß kickte Gellert den am Boden liegenden Zauberstab von Albus fort und ließ ihn in Rand der Treppe in den Abgrund zu den Kellergeschossen segeln. Nahm Albus damit seine einzige Waffe und letzte Überlebenschance.

Nein! Albus weigerte sich, zu kapitulieren! Trotz der Ausweglosigkeit seiner Situation, trotz der vernichtenden Schmerzen in seiner Hand. Wenn es etwas gab, was Gellert ihn damals bereits gelehrt hatte, dann war es, niemals aufzugeben, solange noch Leben in seinem Körper steckte! Er würde diesem Mann nicht den Triumph bieten, vor ihm im Staub zu kriechen und kampflos zu sterben.

Trotz des lähmenden Schmerzes in seiner Hand handelte er schnell und überraschend kontrolliert. Er tat etwas, das hinterhältig und eines Zauberers seines Standes völlig unwürdig war. Aber es wirkte. Noch bevor Gellert wieder mit beiden Füßen fest auf dem Boden stand, packte Albus mit dem gesunden Arm seine Beine, und riss ihn mit aller Kraft die er aufbringen konnte von den Füßen. Gellert wurde von dieser unerwarteten Attacke völlig überrumpelt und fiel vornüber. Albus wurde schlecht vor Schmerz, als sein zerstörtes Handgelenk frei kam. Doch er durfte jetzt nicht aufgeben, sonst würde Gellert ihn töten. Das stand außer Frage.

So schnell er konnte rappelte er sich auf, umklammerte den Arm mit dem gebrochenen Gelenk, stolperte beinahe über seine eigenen Füße, und sah sich hektisch um. Da lag Gellerts Zauberstab, mitten auf dem Symbol des MACUSA. Albus stieß seinen Gegner, der sich gerade mühsam aufrappelte, mit einem gut platzieren Tritt zu Boden zurück, mitten in die Glasscherben der Uhr hinein und packte mit der gesunden Hand den am Boden liegenden Zauberstab. Ein sehr langer, schmaler Stab mit Ausbeulungen, die sich in regelmäßigen Abständen am Holz hinaufzogen, und uralt anmutenden Runen am Griff. Er bemerkte sofort, dass das hier ein anderer Zauberstab war, als der, den Gellert als Jugendlicher besessen hätte.

Hektisch warf er sich herum und richtete den Zauberstab auf den Mann, der sich gerade schwerfällig auf die Füße kämpfte. Er blutete aus der Nase und hielt sich mit verkrampftem Gesicht den linken Rippenbogen, wo Albus‘ Stiefel ihn getroffen hatte. Zudem war er geradezu übersäht von zahlreichen kleinen Schnittwunden, die alle mehr oder weniger stark bluteten. Keine davon sah ernsthaft bedrohlich aus, aber dass sie ihn schwächten, stand außer Frage.

Warum hast du mir das alles angetan, fragte Albus ihn stumm, während sein Herz zu verbluten schien. Ich habe dich so sehr geliebt…

Gellert hob den Blick, Überraschung und Wut glänzten in den Augen. Sie sahen sich an, blau traf auf blau und für einen Moment gefror die Zeit. Dann schob sich ein bösartiges Grinsen auf Gellerts Gesicht und Albus schickte seinen Schockzauber auf den Weg. In ebenjenem Moment hob der blonde Mann abwehrend die Hand.

Und Albus wurde schlagartig bewusst, dass er einen gewaltigen Fehler begangen hatte.
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