Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Das Leben des Albus Dumbledore

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Albus Dumbledore Gellert Grindelwald
21.08.2019
20.04.2020
15
55.764
21
Alle Kapitel
31 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
02.09.2019 2.272
 
So weiter geht’s. Danke „After all this time“ für das Feedback zu den ersten zwei Kapiteln :D

Und vielen Dank an Lilo für die Beta :)

~~~~~~~~~~~~~

Die kleine Zauberer-Gaststätte „Hüpfende Besen“ war weder sonderlich edel, noch groß, aber sie war gemütlich und das Personal, trotz teilweise sichtbarer Überforderung, bemüht und herzlich. Albus saß mit Leonard an einem runden Tisch, dessen hölzerne Platte fleckig und von zahlreichen Kerben übersät war. Sie hatten etwas gegessen, auch wenn Albus kaum einen Bissen heruntergebracht, und nur um den Schein zu wahren, überhaupt etwas bestellt hatte. Dafür stand sein inzwischen drittes Glas Cognac vor ihm und langsam merkte er, wie ihm der starke Alkohol in den Kopf stieg. Er war es nicht gewohnt so viel zu trinken. Aber gerade in diesem Moment spürte er etwas, das ihm eigentlich fremd war, nämlich den intensiven Wunsch, sich einfach nur dem Vergessen, das der Weinbrand versprach, hinzugeben, ein paar Stunden Ruhe finden. Aber das würde sein Scheitern nicht ungeschehen machen, was brachte es ihm also, wenn er sich bis zur Besinnungslosigkeit betrank?

Natürlich merkte Leonard, wie still und in sich gekehrt sein Begleiter war. Über den Rand seines Cognacglases hinweg musterte er Albus mit forschendem Blick. Das dumpfe Licht der Öllampen glänzte auf seiner Glatze und in seinen Augen lag der losgelöste Glanz des Alkohols. Immerhin er schien guter Dinge zu sein.

„Sie sind schweigsam, Professor“, ergriff er, nach Ewigkeiten der Stille, das Wort.

„Nun ja, erwarten Sie nach der unglücklichen Diskussion im MACUSA gute Laune von mir?“

Leonard lachte kehlig. „Ja, dieser Auftritt war tatsächlich... sagen wir, Sie haben sich leider mit den Falschen angelegt, auch wenn Sie das Unmögliche möglich gemacht haben und die sinnlose Streiterei zu einem Ende geführt haben. Wären Sie eventuell so freundlich, mir zu erklären, warum Sie sich überhaupt derart mit der Präsidentin auf Kriegsfuß begeben haben?“

„Ich lehne die Todesstrafe ab und ich bin schon immer für meine Überzeugungen eingestanden, egal mit wem ich mich deswegen anlegen musste. Das heute war nicht das erste Mal, dass ich mir den Unmut eines Zaubereiministeriums zugezogen habe.“

Leonard schnaubte, klang aber beinahe belustigt. „In der Tat. Wenn man Sie und Ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten nicht so schätzen würde, hätten Sie vermutlich schon ewig Probleme bekommen. Aber mal ehrlich, Albus: So viel Ärger wegen Gellert Grindelwald? Selbst in Ihren Augen kann dieser Mann doch nichts anderes, als den Tod verdient haben?“

„Kein Mensch hat den Tod verdient“, beharrte Albus auf seiner Überzeugung. „Davon werden auch Sie mich nicht abbringen können, Leonard.“

„Oh Albus, ich bitte Sie!“ Leonard lachte. „Sie sind viel zu gut für diese Welt. Wir reden hier von Grindelwald! Ich für meinen Teil bin heilfroh, dass wir uns ab morgen keine Sorgen mehr um ihn machen müssen.“

Leonard nippte sichtlich entspannt an seinem Getränk, schien mit sich und der Welt im Reinen zu sein. Ganz im Gegensatz zu dem Mann, der mit verkniffenen Zügen neben ihm saß und noch mehr Löcher in die Tischplatte starrte.

„Hey, Albus!“ Leonard gab ihm einen Knuff mit dem Ellenbogen. „Jetzt entspannen Sie sich bitte. Versuchen Sie einmal Ihre überschäumende Gutmütigkeit hinter der Vernunft anzustellen, und sich einfach daran zu freuen, dass die Sache zu Ende ist, bevor sie für uns richtig angefangen hat. Ich habe in den letzten Monaten fast täglich mit einem Anschlag auf unser Land gerechnet. Wir hatten gigantisches Glück, dass er gefasst wurde, bevor es dazu kam.“

Leonard nahm einen weiteren Schluck Cognac. Auf seiner Stirn hatte sich eine Denkfalte gebildet.

„Eigentlich schon merkwürdig... Dass Großbritannien völlig von seinen Angriffen verschont geblieben ist, all die Zeit über. Er hat in ganz Europa gewütet wie ein Berserker, aber wir haben davon bestenfalls über die Zeitungen erfahren. Ein wenig komisch ist das schon, finden Sie nicht?“

Albus zuckte beiläufig die Schultern, sein Herz klopfte schwer gegen seine Kehle. Natürlich wusste er ganz genau, warum sein Land immer verschont geblieben war...

„Er wird seine Gründe gehabt haben.“

Leonard grinste. „Allerdings. Gerüchten zufolge sind Sie einer davon?“

Ich?“, fragte Albus gespielt überrascht und lachte leise, ignorierte wie sehr sein Puls sich durch diese Worte beschleunigt hatte. „Und was genau verleitet Sie zu dieser Annahme?“

Leonard zuckte die Schultern und fuhr mit dem Finger über den Rand seines Glases. „Ihnen eilt ein gewisser Ruf voraus, Albus. Mit Ihnen sollte man sich besser nicht anlegen, denn Erzählungen zufolge sind Ihre Duellier-Fähigkeiten unübertroffen, auf dem gesamten Kontinent. Wenn das wahr ist, dann könnten Sie einem Mann wie Grindelwald durchaus gefährlich werden.“

Albus lachte humorlos. „Die Leute überschätzen mich“, wich er aus, obwohl er sonst alles andere als bescheiden war.

„Ist das so?“ Leonard nippte an seinem Cognac. „Das wage ich ehrlich gesagt zu bezweifeln. Ich habe Sie einmal kämpfen sehen, Albus, damals vor acht Jahren, als Sie meiner damaligen Auroreneinheit geholfen haben Albert Fenry festzunehmen. Ich habe nie jemanden so kämpfen sehen, wie Sie. Also lassen Sie das mit der Bescheidenheit, sie steht Ihnen nicht. Sie sollten stolz darauf sein, dass die Leute so eine hohe Meinung von Ihnen haben. Ich habe mich häufig gewundert, dass Sie nach Hogwarts und nicht ins Ministerium gegangen sind. Sie wären vermutlich schon seit zehn Jahren Zaubereiminister, hätten Sie damals diesen Berufsweg eingeschlagen.“

Albus wich seinem Blick aus. „Ich hatte nie das Bedürfnis danach, Zaubereiminister zu werden“, antwortete er ehrlich. „Ich fühle mich wohl an der Schule, es gibt nichts, was mich so glücklich machen kann, wie junge Hexen und Zauberer an ihre Fähigkeiten heranzuführen. Ich brauche und ich möchte nichts anderes.“

Leonard musterte ihn mit nachdenklichem Blick. „Wie Sie meinen.“ Albus merkte genau, dass sein Begleiter seine außergewöhnlichen Fähigkeiten als verschwendet ansah, solange er sie lediglich dazu verwendete, Schüler zu unterrichten. Und er wusste, dass viele das so sahen. Denn, auch wenn er sich gegenüber Leonard ahnungslos gegeben hatte, er war innerhalb der letzten Jahre mehrfach angesprochen worden, ob er sich nicht der internationalen Auroreneinheit, die speziell Jagd auf Gellert Grindelwald machte, anschließen wollte. Bisher hatte er sich erfolgreich dagegen wehren können. Immerhin würden sie ihn damit künftig wohl in Ruhe lassen.

„Albus?“, riss Leonard ihn erneut aus seinen Gedanken. „Sie wissen doch alles. Dürfte ich Ihnen vielleicht noch eine Frage stellen?“

Albus bemühte sich um ein Lächeln. „Ich denke ich wüsste, wenn ich alles wüsste. Aber Sie dürfen mir selbstverständlich dennoch eine Frage stellen.“

Leonard lachte leise, wurde aber schnell wieder ernst. „Wären Sie vielleicht so freundlich, mir noch einmal genau zu erklären, was ein Obscurus ist? Ich bin ehrlich gesagt nicht davon ausgegangen, jemals mit diesem Thema konfrontiert zu werden und habe mich demnach auch nie tiefer damit befasst“, gestand er mit gedämpfter Stimme. Albus spürte, wie es ihm die Kehle zuschnürte. Er hatte es kommen sehen und doch war der Obscurus wahrlich das letzte, worüber er heute Abend sprechen wollte. Aber hatte er irgendeine sinnvolle Ausrede, warum er Leonard seine Frage gerade nicht beantworten wollte? Wohl nicht…

Also holte er, nach einem kurzen Moment des Zögerns tief Luft und begann mit belegter Stimme zu sprechen:

„Ein Obscurus ist eine ganz bestimmte Form von Magie. Eine bösartige, korrumpierte Version davon, die mit echter Magie nichts mehr gemein hat. Ein Obscurus entsteht nur in seltenen, sehr schweren Fällen und zwar dann, wenn ein magisch begabtes Kind aus Angst oder anderen Gründen anfängt, die Magie in seinem Inneren zu unterdrücken und zu bekämpfen. Die Magie verschwindet nicht, aber sie kann sich trotzdem nicht mehr normal entwickeln und unter Umständen… verändert sie sich und wird zu einem sogenannten Obscurus. Eine dunkle, parasitäre Macht, die im Inneren des Kindes lebt und Energie aus der Lebenskraft seines Wirtes zieht. Ein Obscurus ist, im Gegensatz zu normaler Magie, kaum kontrollierbar und bricht sich in emotional aufwühlenden Situationen explosionsartig bahn. In schlimmen Anfällen kann der Körper des Wirtes in diesem Zustand völlig verschwinden, er wird eins mit der zerstörerischen Kraft in seinem Inneren. In solchen Momenten töten die Kinder ihre Eltern oder legen ihr eigenes Zuhause in Schutt und Asche. Solange, bis der Obscurus zu stark wird und dem Kind die letzte Lebenskraft entzieht. Die meisten Obscuriale sterben noch im Kindesalter, vor ihrem zehnten Lebensjahr.“

Albus brach ab und spürte einen riesigen Knoten in seiner Kehle sitzen. Im Augenwinkel merkte er, wie Leonard ihn entgeistert anstarrte. „Das klingt ja schrecklich“, hauchte er entsetzt. „Alles was ich bisher wusste, war, dass ein Obscurus ungemein mächtig und gefährlich ist, es aber angeblich keine mehr davon gibt.“

Albus nickte knapp. „Die meisten gab es zur Zeit der Hexenverfolgung. Heutzutage sind sie eine Seltenheit, aber wie Sie sehen, es gibt nach wie vor welche.“

„Aber Albus, Sie sagten, dass ein… Obscurial… nicht älter wird als zehn. Wie ist es möglich, dass der Junge, der hier gewütet hat, fast erwachsen war?“

Albus zuckte die Schultern. „Leonard, das ist wahrlich eine interessante Frage, die ich Ihnen leider nicht beantworten kann. Wohlmöglich war der Junge innerlich so stark, dass er der Zerstörungskraft des Obscurus trotzen konnte. Mehr kann ich Ihnen dazu leider nicht sagen. Und es spielt auch keine Rolle mehr, der MACUSA hat ihn getötet.“

Wut über die Gnaden- und Kompromisslosigkeit des Kongresses kochte in Albus hoch wie Säure.

„Das Thema beschäftigt Sie, nicht wahr?“, fragte Leonard forschend und sah Albus ins Gesicht. „Sie wissen auch ungemein viel darüber.“

„Wenn man sich so intensiv mit dem Studium der Zauberei beschäftigt, wie ich es die letzten Jahrzehnte getan habe, dann stößt man auf so manche Abnormität“, erklärte Albus trocken und machte mit seinem Tonfall deutlich, dass er nicht weiter über das Thema sprechen wollte.

Leonard seufzte und für ein paar Momente schwiegen sie einfach, während das Licht der Kerze auf ihrem Tisch flackernd über ihre angespannten Züge huschte. Dann leerte Leonard die Reste seines Cognacglases mit einem Zug und stellte es geräuschvoll zurück auf den Holztisch.

„Lassen Sie uns schlafen gehen, Albus. Die Reise war anstrengend und wir haben morgen einer Hinrichtung beizuwohnen. So etwas sieht man auch nicht jeden Tag.“

„Ich werde nicht dabei sein, Leonard“, fiel Albus ihm sofort ins Wort. „Ich werde mir das nicht auch noch ansehen.“

Leonard starrte ihn mit großen Augen an. „Das geht nicht, Albus, das können Sie sich nicht erlauben! Und das wissen Sie genau!“

„Ich denke, ich kann gut selbst entscheiden, was ich kann und was nicht, Leonard“, antwortete Albus freundlich, aber bestimmt.

Leonard schnaubte. „Albus, ist Ihnen bewusst, was Sie für einen Eindruck erwecken, wenn Sie morgen nicht anwesend sind?! So wie Sie sich mit der Präsidentin angelegt haben, hält Sie vermutlich bereits die Hälfte der Delegierten für einen heimlichen Anhänger von Grindelwald! Wenn das mal reicht. Sie sollten nun keinesfalls riskieren, dass sich die Stimmung gegen Sie noch mehr aufheizt, indem Sie der Präsidentin und den anderen Ministern derart dreist auf die Füße treten und sich morgen nicht blicken lassen! Damit würden Sie sämtliche Vorbehalte und alle unausgesprochenen Anschuldigungen über eine vermeintliche Verbindung zu Grindelwald bestätigen! Dann können Sie nur noch darauf warten, dass die Präsidentin einen Grund findet, Sie festnehmen zu lassen!“

Der Blick aus Leonards grünen Augen war bitterernst und besorgt. Albus fühlte sich, als hätte er Backsteine verschluckt, die ihn nun in den Boden drückten. Natürlich wusste er, dass Leonard Recht hatte. Aber egal wie stark er im Fall der Fälle sein konnte, dafür die innere Stärke, Gefasstheit und Selbstkontrolle aufzubringen, erschien ihm vollkommen unmöglich.

„Ich will keine Hinrichtung sehen, Leonard. Das ist mir derart zuwider“, antwortete er etwas verspätet und versuchte seiner Stimme ausreichend Gefasstheit und Festigkeit zu verleihen, dass sein Gegenüber nicht merkte, welchen inneren Kampf er momentan bestritt und wie sehr diese seelische Zerreißprobe an seinen Kräften zehrte.

Leonard seufzte hörbar. „Ich befürchte, Sie können sich das nicht aussuchen und ich würde Sie auch aus rein egoistischen Motiven bitten, das Spiel einfach mitzuspielen, auch wenn ich weiß, dass Sie selten tun, was man von Ihnen fordert. Aber ich habe ehrlich gesagt wirklich wenig Lust, Minister Fawly zu erklären, warum ich Sie in einem amerikanischen Gefängnis zurücklassen musste. Er kriegt die Krise, wenn er schon wieder nach einem neuen Abgesandten für die Internationale Vereinigung suchen darf.“ Ungeachtet der Ernsthaftigkeit ihrer Diskussion begann Leonard zu lachen und selbst auf Albus’ Lippen legte sich der Schatten eines Schmunzelns. Die sollten erst einmal versuchen, ihn festzunehmen…

„Nein, Albus, ich meine es ernst. Tun Sie mir, dem Minister und allem voraus sich selbst den Gefallen, einfach gute Miene zum bösen Spiel zu machen und begleiten Sie mich morgen. Dann ist die Sache vorbei und wir können in Ruhe nach Hause zurückkehren.“

Albus stieß geräuschvoll die Luft aus seinen Lungen und schüttete in einem einzigen Zug die Reste des Cognacs seine brennende Kehle hinunter, und sei es nur, um kurz Leonards Blick zu entgehen. Er konnte das nicht, es erschien ihm völlig unmöglich. Wie nur sollte er gehorsam und schicksalsergeben dieser Hinrichtung beiwohnen, ohne dabei irgendetwas extrem Dummes zu tun? Er schwieg, länger als er sollte, dann klopfte Leonard ihm plötzlich schwungvoll auf die Schultern und grinste ihn an. Scheinbar deutete er Albus‘ Schweigen als stumme Zustimmung.

„Ich wusste, Sie würden einsichtig sein. Denken Sie einfach dran: Das ist Gellert Grindelwald, der bösartigste dunkle Zauberer, den unsere Welt jemals gesehen hat. So sehr Sie die Todesstrafe an sich auch ablehnen mögen, dieser Mann hat sie verdient. Wir sehen keinen Unschuldigen sterben, sondern einen wahnsinnigen Schwerstverbrecher. Zeigen Sie Stärke und springen Sie dieses eine Mal über Ihren Schatten, schon allein um die Präsidentin und all die anderen eins auszuwischen und Ihnen die Illusion zu rauben, Sie hätten eine Verbindung zu Grindelwald.“

Albus spürte schneidende Eiskristalle in seinem Inneren und ballte unter dem Tisch die Hand zur Faust. Er hielt den Blick starr auf eine besonders tiefe Kerbe im Tisch fixiert und antwortete schließlich völlig emotionslos: „Woher bitte sollte ich denn eine Verbindung zu ihm haben?“
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast