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Das Leben des Albus Dumbledore

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Albus Dumbledore Gellert Grindelwald
21.08.2019
20.04.2020
15
55.764
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18.12.2019 2.866
 
So, weiter geht's, sorry für die lange Pause, war leider sehr gefordert in den letzten Wochen.

Danke an Lilo für die Beta

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Als Albus wenig später zusammen mit Leonard den MACUSA verließ, kam er sich vor, als würde eine himmelhohe Last von seinen Schultern fallen. Die letzten Stunden waren die Hölle für ihn gewesen und er hätte nicht dankbarer sein können, als er das Woolworth Gebäude endlich hinter sich ließ und sich bewusst machte, dass er schon bald wieder in Hogwarts sein würde. Der Koffer mit dem Obscurus lag schwer in seiner Hand und erinnerte ihn an seine Aufgabe.

Doch erst einmal galt es, den Weg zum Gasthaus in Anstand und Würde hinter sich zu bringen, was aufgrund seiner Verletzungen gar nicht so einfach war. Er musste aufpassen, dass sich die Wunde an seinem Bein nicht wieder öffnete, wenn er sie zu sehr belastete. Sie hätten apperieren können, doch Leonard und er waren beide der Meinung gewesen, dass ein wenig frische Luft ihnen guttun würde und sei es nur, um die vorangegangenen Ereignisse sacken zu lassen.

Albus schaffte es schon wieder, einigermaßen selbstständig zu gehen, doch Leonard warf ihm immer wieder prüfende Seitenblicke zu, als befürchte er, sein Begleiter würde plötzlich einfach umfallen und sich am Kopfsteinpflaster sämtliche Zähne ausschlagen. Irgendwie hatte er das dumpfe Gefühl, dass er plötzlich zu so etwas wie Leonards neuem heimlichen Helden aufgestiegen war, was er zu einem Teil amüsant, zu anderen Teil seltsam unangebracht fand.

„Was ein Tag…“, seufzte Leonard irgendwann mit müder Stimme, während er mit dem lädierten Albus an seiner Seite im Schneckentempo durch New Yorks Straßen kroch. „Sie sind sich sicher, dass der Obscurus in ihrem Koffer nicht plötzlich Fluchtgedanken bekommt?“, fragte er etwas unsicher und warf dem Metallkoffer in Albus‘ Hand einen misstrauischen Seitenblick zu.

Albus schüttelte den Kopf. „Keine Sorge, Leonard. Er käme noch nicht einmal aus dieser magischen Sphäre, geschweige denn aus dem MACUSA Koffer heraus. Und wie bereits gesagt wurde, ohne Wirt ist er praktisch handlungsunfähig.“

Leonard schnaubte leise. „Wenn Sie das sagen…“ Albus beschlich das Gefühl, Leonard wäre es deutlich lieber gewesen, er hätte den Obscurus einfach im MACUSA gelassen.

Die beiden betraten schließlich eine langgezogene Hauptstraße, auf der noch erstaunlich viele Menschen unterwegs waren, dafür dass der Sonnenuntergang schon ein paar Stunden zurücklag. Frauen in langen Mänteln mit Pelzkragen und modischen Hüten, daneben ihre Männer in warmer, aber ähnlich schicker Aufmachung. Sie alle schienen in Richtung des nahegelegenen Central Parks zu strömen. Eine Sekunde lang überlegte Albus, was die Menschen dorthin trieb, dann fiel es ihm plötzlich wie Schuppen von den Augen.

„Leonard, wie viel Uhr ist es?“, fragte er und blieb abrupt stehen.

Der andere Mann warf ihm einen fragenden Blick zu, zog dann aber brav seine Taschenuhr hervor und klappte sie auf. „Es ist neunzehn Minuten vor Mitternacht.“

„Lassen sie uns in den Central Park gehen.“

Leonard starrte ihn für einen Moment verständnislos an. „Was wollen Sie um diese Zeit im Central Park?“

Albus lächelte. „Wollen Sie nicht das neue Jahr begrüßen und es bei der Gelegenheit bitten, besser zu werden, als das Letzte?“, fragte er amüsiert und sah die Erkenntnis in Leonards Gesicht aufblitzen.

„Bei Merlins Bart, ich hatte vor lauter Grindelwald ja völlig vergessen, dass Silvester ist!“

Albus schmunzelte „In der Tat. Das neue Jahr beginnt in noch nicht einmal zwanzig Minuten. Wollen wir uns das Feuerwerk im Central Park anschauen? Die Muggel sollen neuerdings äußerst kreativ mit Pyrotechnik sein.“

Leonards Blick sprühte nicht unbedingt vor Begeisterung, doch scheinbar war er der Meinung, dass Albus nach seinem spektakulären Kampf gegen den gefährlichsten Mann der ganzen Welt ein derart banaler Wunsch, wie ein Feuerwerk nicht ausgeschlagen werden durfte. Er seufzte und nickte ergeben. „Wenn Sie möchten, Albus…“

Wenige Minuten später standen die beiden Zauberer im Central Park, etwas abseits der breiten Masse zwischen zwei Bäumen und betrachteten den beträchtlichen Pulk an Muggeln, der sich gespannt um einen vereisten See geschart hatte. Viele hatten dampfende Tassen in der Hand, die sie von einem dick in Wollschals verpackten Standverkäufer in der Nähe erworben hatten und wärmten daran ihre Finger. Es war bedeutend kälter, als in der Nacht davor und Albus sah seinen Atem als weißen Nebel seine Lippen verlassen, während vereinzelte Schneeflocken vom pechschwarzen Nachthimmel hinabfielen. Eine angenehme Stille lag in der Luft, beinahe schon andächtig. Selbst die zahlreichen anwesenden Kinder machten kaum Lärm und Albus fragte sich plötzlich, ob die Muggel womöglich instinktiv spüren konnten, dass unter den Zauberern in ihrer Mitte heute etwas Schlimmes geschehen war, auch wenn sie es nicht bewusst mitbekommen konnten.

Mit seltsam gedrücktem Gemüt lehnte er gegen den Baumstamm einer mächtigen, kahlen Eiche und ließ gedankenverloren den Blick über die Menschen vor seinen Augen gleiten. Menschen die tagein tagaus ihr Leben lebten und nichts ahnten von dem Mann, der in einer Welt jenseits ihrer eigenen plante, sie unter sein Joch zu zwingen, sie zu foltern und zu versklaven. Der Gedanke lastete schwer auf Albus‘ Seele. Er hätte Gellerts Flucht verhindern müssen, er wusste das. Hätte er es gekonnt, wenn er es wirklich gewollt hätte?

Doch plötzlich trat ein kleiner, schwarzhaariger Mann vor ihn und weckte ihn aus seinen dunklen Grübeleien.

„Guten Abend Gentlemen“, begrüßte er die beiden Zauberer mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen. Der Mann war vermutlich knapp dreißig Jahre alt, einen guten Kopf kleiner als Albus und ungefähr doppelt so breit, doch sein schnurrbärtiges Gesicht und seine dunklen Augen strahlten ebenjenen einnehmenden Charme aus, der Menschen auf den ersten Blick sympathisch machte.

„Mein Name ist Jacob Kowalsky und ich werde innerhalb der nächsten Monate eine Bäckerei in der Stadt eröffnen. Ich dachte, während wir hier alle in der Kälte stehen und auf das Feuerwerk warten, könnte ich meinen Mitmenschen die Zeit bis Mitternacht ein wenig versüßen. Dürfte ich Ihnen etwas anbieten?“

Mit einem breiten Lächeln auf den Lippen schob er Albus und Leonard einen geöffneten Koffer unter die Nasen und die beiden Zauberer staunten nicht schlecht. Er war randvoll gefüllt mit allerlei süßen Gebäckstücken, von denen Albus kein einziges benennen konnte. Doch sie dufteten köstlich und erinnerten ihn daran, dass er vor gut vierundzwanzig Stunden das letzte Mal etwas gegessen hatte.

„Die sehen wahrhaftig lecker aus“, sagte Leonard angetan und ließ den Blick über die süßen Backwaren streifen. „Wieviel möchten Sie denn für eine von diesen Kugeln?“, fragte er und deutete auf einen kinderfaustgroßen, zuckerüberzogenen Teigball.

„Gar nichts, guter Mann“, sagte Mr. Kowalski lächelnd. „Ich habe erst vor wenigen Tagen endlich eine Möglichkeit gefunden, meine Bäckerei zu finanzieren und… nun ja, ich habe niemanden, mit dem ich das wirklich feiern könnte, also möchte ich gerne auf diese Art und Weise ein paar Menschen im Central Park eine Freude machen. Wenn es Ihnen schmeckt, würde ich mich natürlich sehr über einen Besuch in meinem künftigen Laden freuen.“

Albus lächelte. Das war die wohl charmanteste Art Werbung zu betreiben, die ihm je untergekommen war.

„Dann vielen herzlichen Dank, Mr. Kowalski“, sagte Leonard und griff nach der Gebäckkugel, die ihm von Anfang an ins Auge gesprungen war. Neugierig drehte er sie vor seinen Augen. „Was genau ist das denn für eine Art Gebäck?“, fragte er neugierig.

„Es heißt Paczki und ist eine polnische Spezialität. Wissen Sie, meine Familie stammt aus Polen und ich habe die meisten Rezepte von meiner Großmutter“, sprudelte es begeistert aus dem Muggel hervor. „Das hier sind Pierniks“, erklärte er und deutete auf eine Art schokoüberzogenen Lebkuchen. „Faworkis.“ Dabei handelte es sich um einen Haufen chipsförmiger Schmalzgebäckteilchen, die Albus ein wenig an Engelsflügel erinnerten. Neugierig ließ er sich von Mr. Kowalski, der tatsächlich der geborene Bäcker zu sein schien, die polnischen Gebäckstücke zeigen, als ihm plötzlich etwas ins Auge sprang. Ein mit weißem Zuckerguss überzogenes Teilchen, das von der Form her ein wenig an einen dünnen Affen erinnerte, mit zwei Armen, zwei Beinen und einem Gesicht mit riesigen Augen.

„Was ist das denn?“, fragte er und deutete auf das etwas außergewöhnlich aussehende Einzelstück am hinteren Rand des Gebäckkoffers.

„Das…“ Kowalski lachte. „Das hat noch keinen Namen. Es ist meine neueste Kreation, fragen Sie mich bitte nicht, wo ich die Idee dafür herhabe. Das weiß ich nämlich selbst nicht. Aber Sie dürfen es gerne probieren, wenn Sie möchten.“

Das ließ Albus sich nicht zweimal sagen. Er griff mit seinen kalten Fingern vorsichtig nach dem weißen Affen und zog ihn aus dem Koffer. Er hatte sich nicht getäuscht. Das Gebäckstück aus der Backstube des Muggels sah tatsächlich aus, wie…

„Nun, ich hoffe es schmeckt Ihnen, ich muss jetzt leider weiter.“ Mr. Kowalski lächelte. „Das Feuerwerk geht in drei Minuten los und ich habe noch eine Menge Gebäck zu verteilen. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend und ein gesundes neues Jahr! Oh, und gute Besserung!“, fügte er mit Blick auf Albus‘ bandagierten Arm hinzu.

Dankend verabschiedeten die zwei Zauberer sich von dem Muggelbäcker, der sich daraufhin umwandte und zu dem großen Pulk des wartenden Publikums hinüberging, wo sich sogleich eine Gruppe kleiner Mädchen um ihn scharte und mit großen Augen auf den Inhalt seines Koffers starrte.

Albus gluckste leise. „Das war der wohl freundlichste Bäcker, der mir je begegnet ist“, schloss er grinsend. „Eine Sache wundert mich jedoch…“

„Was denn?“, fragte Leonard, der bereits von seinem Paczki abgebissen hatte, mit halbvollem Mund und musterte Albus prüfend. Der hielt ihm sein gewähltes Gebäckstück unter die Nase. „Warum, beim Barte des Merlin, backt ein Muggel ein süßes Teilchen, das aussieht wie ein Demiguise?“

Leonard sah ihn mit großen Augen an. „Ein was?“ Albus schmunzelte. Er vergaß gerne, dass andere Zauberer von magischen Tierwesen meist überhaupt keine Ahnung hatten.

„Ein affenähnliches Geschöpf, das sich unsichtbar machen kann. Sie sind vom Aussterben bedroht, weil aus ihrem Fell noch immer sehr zweifelhafte Tarnumhänge hergestellt werden. Newt, mein ehemaliger Schüler, hat einen davon. Er nennt ihn Dougal.“

Leonard sah ihn mit großen Augen an. „Tatsächlich?“

Albus zuckte die Schultern und biss dem Demiguise den zuckergussüberzogenen Kopf ab. Das Gebäck schmeckte, wie erwartet, köstlich. Es war, als würden mit einen Schlag sämtliche totgeglaubten Lebensgeister in seinen geschundenen Körper zurückkehren und er schmunzelte über sich selbst. Nun war es wohl amtlich: Er war zuckersüchtig.

Doch ein anderer Gedanke beschäftigte ihn gerade tatsächlich viel mehr...

„Manchmal glaube ich, wir können uns gar nicht so gut vor den Muggeln verstecken, wie wir immer glauben…“, überlegte er mit schleppender Stimme, als er den klebrig süßen Teig in seinem Mund heruntergeschluckt hatte.

„Wie kommen Sie darauf, Albus?“, fragte Leonard, der seinen Paczki bereits verspeist hatte und sich gerade an seinem Umhang die Zuckerkrümel von den Fingern wischte.

Albus zuckte die Schultern, nicht sicher, wie er es erklären sollte. „Wir leben in derselben Welt, in denselben Städten, teilweise sogar in denselben Gebäuden. Wir teilen die Luft zum Atmen und das Wasser zum Leben. Die Trennung, die nötig wäre, um uns wirklich voneinander abzugrenzen, ist gar nicht erreichbar und ich befürchte manchmal, dass es uns auch ohne Grindelwald nicht dauerhaft möglich sein wird, uns zu verbergen...“

Leonard musterte Albus mit prüfendem Blick. „Seit wann sind Sie denn ein derartiger Schwarzmaler?“, fragte er, wirkte aber nicht, als hätte sein Gegenüber ihn ernsthaft beunruhigen können.

Ehe Albus antworten konnte, schoss plötzlich auf der anderen Seite des vereisten Sees ein leuchtender Blitz in den Himmel hinein und explodierte dort in einem Schauer aus orangenen Funken. Es war soweit. Sie hatten 1926 hinter sich gelassen. Die Zuschauer am See johlten, fielen sich in die Arme und wünschten einander freudig ein glückliches und gesundes neues Jahr. Sie öffneten Sektflaschen und kleine Kinder rissen sich von ihren Eltern los, und drängten sich im Publikum weiter nach vorne, um das Feuerwerk besser sehen zu können. Eine weitere Rakete schoss mit einem Funkenschauer in die Höhe und erhellte den dunklen Himmel.

„Frohes neues Jahr, Albus“, sagte Leonard und klopfte dem anderen Mann auf die Schulter. „Auf das es ohne einen weiteren Kampf gegen Grindelwald über die Bühne geht.“

Albus grinste. „Danke Leonard. Auch Ihnen alles Gute für das neue Jahr. Wer weiß wie weit Sie es im Ministerium noch nach oben schaffen.“

Leonard lachte. „Momentan bin ich mit meinem Posten vollauf zufrieden“, antwortete er schlicht und folgte mit dem Blick einer weiteren, in roten Funken explodierenden Rakete, die den New Yorker Nachthimmel zum Strahlen brachte.

Eigentlich sollte es ein glücklicher Moment sein, überlegte Albus, während er das bunt explodierende Licht am Himmel beobachtete. Ein schreckliches Jahr war zu Ende gegangen und in solchen Momenten neigten Menschen normalerweise dazu, auch einer dunklen Zukunft zuversichtlich entgegenzublicken. Doch das Gefühl wollte sich bei ihm nicht einstellen. Er fürchtete die Ereignisse, die ihrer noch harren würden und er ahnte, dass der Zaubererwelt schlimme Zeiten bevorstanden. Eine merkwürdige Schwere ergriff von Besitz von ihm, als er die feiernden Menschen am Ufer betrachtete, die lachend das neue Jahr begrüßten und keine Ahnung hatten von der Gefahr, in der sie schwebten.

Erst jetzt begann er die seelischen Narben der vorangegangene Stunden wirklich zu spüren. Er dachte unwillkürlich an all die, die den Tag nicht überlebt hatten, die beim Kampf im MACUSA gefallen waren. Menschen, die nie wieder zu ihren Familien heimkehren würden. Er fühlte sich auf diffuse Weise mitschuldig an ihrem Tod. Nicht weil er es nicht geschafft hatte, Gellert an der Flucht zu hindern, sondern weil er in den vielen Jahren, in denen seine einstige große Liebe die magische Welt bereits terrorisierte, nie eingeschritten war, um ihn aufzuhalten. Er floh vor seinen eigenen Gefühlen und war gleichzeitig deren Sklave. Ein Teil von ihm hoffte inständig, dass Gellerts Attacken endlich ein Ende fanden, ein anderer war dankbar um jeden Tag, an dem er den meistgejagten Mann der magischen Welt noch am Leben wusste. Wie sollte er jemals einen Weg aus dieser Zwickmühle finden? Und noch viel mehr: Wie sollte er sein eigenes, zerrissenes Seelenleben vor dem Menschen, die Gellerts Herrschaft mit ihrem Blut bezahlt hatten, verantworten?

„Bitte Leonard, schauen Sie mal einen Moment zur Seite“, bat er schließlich aus dem dringenden Bedürfnis heraus, irgendetwas zu tun, im den Toten Respekt zu zollen, so klein und unbedeutend es auch sein mochte.

Der andere Mann sah ihn verblüfft an. „Warum?“, fragte er mit großen Augen. Ein trauriges Lächeln schummelte sich auf Albus‘ Gesicht.

„Ich werde jetzt etwas tun, was mir eigentlich strikt verboten ist. Und Sie sind schließlich direkt vom Ministerium, praktisch die rechte Hand vom Minister. Ich habe keine Lust auf Ärger.“ Albus lachte, als er Leonards völlig perplexen Blick sah.

„Was haben Sie vor?“, fragte er, als befürchte er, der Hogwarts Lehrer hätte nun endgültig den Verstand verloren.

Albus zog seinen Zauberstab. „Ein kleines Licht für all die, die heute von uns gegangen sind. Das sind wir Ihnen schuldig und im Funkenregen des Feuerwerks wird man es kaum sehen können.“

Für einen Moment sah Leonard ihn fragend an, dann jedoch legte sich Verstehen über seine Züge. Und im nächsten Moment zog er ebenfalls seinen Zauberstab hervor.

„Sie haben absolut recht, Albus. Zollen wir den Toten Respekt“, pflichtete er ihm bei und Albus freute sich einen Moment lang wie ein kleines Kind darüber, dass sich ein ranghoher Ministeriumsangestellter von ihm zu derartigem Ungehorsam anstiften ließ. Im Schatten der Bäume, unter denen sie standen und abseits der Menschen, für die sie gar nicht existieren sollten, richteten die zwei Zauberer ihre Zauberstäbe in den Himmel.

Ein jeder von ihnen schickte eine einzige Kugel aus Licht in die funkenüberzogenen Dunkelheit über ihnen hinein, die sich dort oben in tausende kleine Sternschnuppen zerteilte und zurück auf die Welt rieselte, wie leuchtender Schnee.

Einige Muggel richteten ihren Blick überrascht auf das eigentümliche Licht, das so gar nicht zum Rest des Feuerwerks passen wollte, Kinder zupften aufgeregt an den Ärmeln ihrer Eltern und deuteten auf die fallenden Sterne. Doch als sich der ein oder andere Kopf nach deren Ursprung umwandte, waren die beiden Zauberer bereits verschwunden.

Albus beobachtete den Rest des Spektakels vom Fenster des Gasthauses aus, bis der Funkenregen der letzten Raketen dem kalten Rauch verbrannter Asche gewichen war. Sein verletzter Körper war müde, sein Gemüt gedrückt und sein Herz schwer vor Sorge und Einsamkeit. Wo mochte er nun sein, der der ihn gnadenlos an seine Vergangenheit kettete und es Schicksal nannte? Der ihn auch nach fast dreißig Jahren nicht zur Ruhe kommen ließ, ihn zu sich lockte und ihn zurück in die Dunkelheit ziehen wollte, für die er damals so bitter hatte bezahlen müssen. Der ihm seine Vergangenheit als Spiegel vors Gesicht hielt und ihn zwang, hineinzusehen, egal wie sehr er versuchte, sich dagegen zu wehren. Und der sich nun der einen Waffe bemächtigt hatte, die er schon immer um jeden Preis hatte haben wollen, für die er über Leichen gegangen war.  

Der Obscurus tanzte noch immer vor Albus‘ geistigen Auge und es kam ihm vor, als hätte man ihn mit einem Tritt gegen die Brust in seine Kindheit zurückkatapultiert, damals, als er diese parasitäre Magie des Todes zum ersten Mal gesehen hatte. Er erinnerte sich an sein Entsetzen und seine Angst, als wäre es gerade erst gestern gewesen.

Die Hände in seinen Umhangtaschen ballten sich  instinktiv zur Faust, als der altbekannte Schmerz Besitz von ihm ergriff und umschlossen dabei Gellerts Kette. Sie schmiegte sich gegen die hauchfeine, kaum wahrnehmbare Narbe auf seiner Handfläche, die ihn für immer an die Nacht erinnern würde, in der er selbst dieses Schmuckstück verzaubert hatte. Und das wohlbekannte, schwarze Glas lag eiskalt in seinen Fingern…
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