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Das Leben des Albus Dumbledore

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Albus Dumbledore Gellert Grindelwald
21.08.2019
20.04.2020
15
55.764
21
Alle Kapitel
31 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
27.11.2019 1.632
 
Heute nur ein recht kurzes Kapitel, die nächsten werden wieder länger.

Vielen Dank für die 11 Empfehlungen! Ich bin wirklich beeindruckt :D

Danke an Lilo für die Beta :)

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Etwa eine Viertelstunde später standen Albus, Leonard, die Goldstein Schwestern, die Präsidentin und eine Handvoll weitere Mitglieder des MACUSA inmitten eines, mit unzähligen Sicherheitsmechanismen gesicherten, Verhörzimmers um einen langgezogenen Tisch herum und betrachteten schweigend das merkwürdige Etwas, das eine knappe Handbreit über der metallenen Tischplatte schwebte. Beeindruckt kam Albus zum Schluss, dass er Newt, trotz seiner stets hohen Meinung von ihm, maßlos unterschätzt hatte. Über dem Tisch schwebte etwas, das auf den ersten Blick aussah, wie eine überdimensionierte Seifenblase. In ihrer Mitte befand sich dieselbe, schwarze, pulsierende Masse, die heute die Eingangshalle des MACUSA in Schutt und Asche gelegt hatte, nur bedeutend kleiner. Ein Obscurus ohne Wirt.

Albus hatte seine unverletzte Hand auf die Tischplatte gestützt und spürte sein Herz schmerzhaft gegen seine Kehle klopfen, als er den losgelösten Obscurus in seinem magischen Gefängnis betrachtete. Er wusste, dass das Mädchen, das diese korrumpierte Magie in sich getragen hatte gestorben war, als Newt sie davon befreien wollte. Doch tief in ihm regten sich, wie so oft, Zweifel. Zweifel ob er das Schicksal, das er damals für unausweichlich gehalten hatte, nicht doch hätte verändern können, hätte er es wirklich versucht. Credence war für ihn zum Innbegriff der Macht über einen Obscurus geworden. Womöglich wäre Ariana ähnlich stark gewesen, hätte man ihre zerstörte Magie nicht versteckt, sondern trainiert. Er hatte nie versucht, es herauszufinden und sein Gewissen legte ihm die Last seiner Schuld erneut tonnenschwer auf die Schultern.

„Ich muss zugeben, ich bin beeindruckt“, brach er nach einer gefühlten Ewigkeit das Schweigen. „Es war zweifellos nicht leicht, den Obscurus zu extrahieren und in diese Sphäre zu stecken. Mr. Scamander verdient unser aller Hochachtung für diese Leistung.“

„Was gedenken Sie nun zu tun, Professor?“, fragte Tina ihn geradeheraus, während sie ihn über den Tisch hinweg ansah.

„Ich denke, Newt ist in Bezug auf dieses Thema der einzige Weg zu den Antworten, die wir brauchen, um Grindelwalds neuen Verbündeten zu stoppen“, schloss Albus und richtete den Blick anklagend auf die Präsidentin. „Warum haben Sie ihm den Obscurus weggenommen? Er ist der Einzige, der sich ausreichend damit auskennt, um ihn erforschen zu können.“

Fest und unbeeindruckt erwiderte Madam Picquery seinen Blick. „Wir hielten es für fahrlässig, etwas derart Gefährliches in einem alles andere als sicheren Koffer durch die Gegend zu tragen, wie Mr. Scamander es getan hat. Der eine Obscurus in der Stadt hat uns gereicht. Hier bei uns ist er bedeutend sicherer verwahrt.“ Albus unterdrückte ein Schnauben und richtete den Blick zurück auf die magische Sphäre über dem Tisch.

„Wenn Sie es mir gestatten, würde ich den Obscurus gerne zurück nach Europa bringen, und Newt zurückgeben“, schloss Albus an die Präsidentin gewandt. „Jeder in diesem Raum will, dass die Gefahr, die von Grindelwalds neuem Verbündeten ausgeht, gebannt wird und wir stellen uns selbst das Bein, wenn wir aus übertriebener Vorsicht darauf verzichten, diese Macht zu erforschen. Wir sollten den Obscurus studieren und herausfinden, wie man ihm beikommen kann.“

„Professor, Ihrer Bitte nachzukommen wäre fahrlässig“, fiel die Präsidentin ihm ins Wort. „Niemand weiß, ob der Obscurus nicht vielleicht doch irgendwann eine Möglichkeit findet, aus dieser Sphäre zu entkommen. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, zu welcher Zerstörung dieses Ding fähig ist und will meine Stadt nicht ein weiteres Mal dieser Gefahr aussetzen.“

Albus holte tief Luft. Äußerlich blieb er ruhig und gelassen, obwohl er tief in sich mehr und mehr das Bedürfnis spürte, diese Frau zu packen und zu schütteln, bis sie endlich zur Vernunft kam.

„Nichts für ungut, Frau Präsidentin, aber vor einer halben Stunde haben sie sich bei mir noch für Ihre letzte Fehleinschätzung entschuldigt. Vielleicht sollten Sie mir dieses Mal einfach vertrauen.“

Die Präsidentin zog ihre Augenbrauen eine Winzigkeit nach oben, was nun, da sie wieder einigermaßen gefasst war, eine starke Zurschaustellung von Mimik in ihrem sonst so steifen Gesicht war. Sie war für einen Moment wohl unsicher, ob sie Albus für seine doch recht direkte Kritik zurechtweisen sollte. Dann aber ließ sie merkwürdig resigniert die Luft aus ihren Lungen entweichen.

„Professor, ich habe wahrhaftig keine Lust mehr, noch länger mit Ihnen herumzustreiten.“

„Da bin ich voll und ganz Ihrer Meinung, Frau Präsidentin“, pflichtete Albus ihr nickend bei und hätte große Lust gehabt, die Arme vor der Brust zu verschränken, hinge einer davon nicht in einer Schlinge um seinen Hals.

„Ich halte Ihren Plan für äußerst gefährlich, und ich lasse den Obscurus nur sehr ungern wieder aus diesem magischen Hochsicherheitsraum heraus, das können Sie mir glauben“, sprach die Präsidentin mit herausforderndem Blick. „Wir haben es hier mit einer Macht zu tun, die von keinem Magier dieser Welt wahrhaftig zu kontrollieren ist. Auch von Ihnen nicht. Aber ich befürchte, das wird Sie nicht von Ihrem Vorhaben abbringen können, nicht wahr?“

„Da haben Sie absolut Recht, Frau Präsidentin.“

Madam Picquery maß ihn mit scharfem Blick. „Wenn er Ihnen entwischt, dann tragen Sie die alleinige Verantwortung dafür“, erklärte sie mit scharfer Stimme. „Wenn ich Ihnen den Obscurus mitgebe, dann muss ich mich darauf verlassen können, dass Sie mit ihm umgehen und ihn im Zaum halten können, egal was geschieht.“

„Ich werde Sie nicht enttäuschen, Madam“, antwortete Albus knapp.

Die Präsidentin nickte, was Albus als stumme, wenn auch widerwillige Zustimmung deutete. Er konnte es selbst kaum fassen, dass er es endlich geschafft hatte, sich gegen die Engstirnigkeit dieser unsagbar sturen Frau durchzusetzen. Erleichterung breitete sich in seiner Brust aus und auf seine Lippen trat der Hauch eines Lächelns.

Die Präsidentin wandte sich an einen der Auroren neben ihr und verlangte, dass er ihr schnellstmöglich einen leeren, massiv gesicherten Aktenkoffer aus der Abteilung für magische Strafverfolgung brachte. Der junge Mann gehorchte sofort. Wenig später war der Obscurus in ebenjenem magisch vergrößerten, mit zahlreichen Scharnieren und noch mehr Zauberbannen gesicherten Koffer verstaut und Albus nahm ihn dankbar entgegen. Er war erschreckend schwer in seiner Hand. Schwer wie die Verantwortung, die er sich damit aufbürdete.

„Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Mission, Professor. Und nun bringen Sie diesen Koffer bitte schnellstmöglich fort von hier“, verabschiedete die Präsidentin ihn schließlich knapp, als er wenig später mit Leonard an seiner Seite vor der zerstörten Glastür, die aus dem MACUSA herausführte, stand. Albus nickte, sein eigener Abschied fiel nicht sehr viel herzlicher aus. Die Präsidentin mochte dankbar darüber sein, dass er sich Gellert in den Weg gestellt hatte und zweifellos hatte sie ihre vorangegangene Entschuldigung ernst gemeint, doch wirklich grün waren die beiden trotz allem nicht miteinander geworden. Albus für seinen Teil war heilfroh, endlich verschwinden zu dürfen.

Als die Präsidentin sich bereits abgewandt hatte und außer Hörweite verschwunden war, richtete Albus noch einmal das Wort an die Goldstein Schwestern, die noch immer neben ihm standen.

„Passen Sie auf sich auf“, riet er den zwei jungen Frauen mit weicher Stimme. „Sie beide. Halten Sie die Augen offen und wenn Sie irgendwelche verdächtigen Beobachtungen machen, oder Neuigkeiten haben, fühlen Sie sich frei, mir eine Eule zu schicken. Wir sollten nun mehr denn je zusammenhalten.“

Tina nickte. „Danke Professor.“

Albus lächelte matt. „Ich drücke Ihnen die Daumen, dass der MACUSA sich bald von dem heutigen Vorfall erholen und Ihr Arbeitsalltag wieder zur Normalität zurückkehren wird.“

Tina seufzte. „Ich befürchte, das wird noch eine ganze Weile dauern. Es gibt unendlich viele offene Baustellen, nicht erst seit heute. Wir haben zum Beispiel noch immer keine Ahnung, was mit dem echten Mr. Graves passiert ist, ehe Grindelwald seine Identität gestohlen hat. Ich denke, ihn zu finden wird erst einmal oberste Priorität haben.“

„Meinen Sie, er ist überhaupt noch am Leben?“, wagte Albus mit gedrückter Stimme zu fragen. Tina ließ traurig den Kopf sinken und Queenie legte ihr aufbauend die Hand auf die Schulter. Es machte den Eindruck, als hätte Tina Mr. Graves gemocht. „Ich weiß es nicht, Professor“, gestand sie kleinlaut. „Ich war dabei, als Grindelwald verhört wurde, um ihm unter anderem Mr. Graves Aufenthaltsort zu entlocken, doch es war ein Trauerspiel. Wir haben nichts aus ihm herausbekommen können. Selbst gegen das verabreichte Veritaserum war er immun, von jeglichen Versuchen mit Legilimentik ganz zu schweigen. Mir ist nie zuvor ein derart starker Okklumentiker begegnet.“

Zugegebenermaßen überraschte Albus diese Aussage nicht. Gellert war schon in seiner Jugend unnatürlich begabt darin gewesen, seinen Geist vor fremdem Zugriff zu verschließen. Dass seine Fähigkeiten diesbezüglich inzwischen extreme Ausmaße angenommen hatten, verwunderte ihn keineswegs.

„Wir werden es wohl auf die altmodische Weise versuchen müssen, Mr. Graves zu finden. Hinweise zusammentragen und so...“, schloss Tina mit hörbarer Bitterkeit in der Stimme. Sie seufzte. „Es wird ewig dauern.“

Albus nickte knapp. Kein Wort fiel mehr über Tinas heimlichen Plan, Credence zu folgen. Das sollte ihr Geheimnis bleiben, womöglich sogar vor Queenie. „Ich drücke Ihnen die Daumen. Lassen sie mich bitte wissen, wenn Sie irgendetwas herausgefunden haben. Allem voraus über Grindelwald, seinen möglichen Aufenthaltsort und seine nächsten Schritte“, bat er, obwohl er selbst kaum wusste, was genau er mit diesen Informationen dann anfangen sollte. Nur irgendwie empfand er gerade das starke Bedürfnis danach, wissen zu wollen, wo Gellert war und was er tat.

Denn bereits in den Kellerräumen des MACUSA hatte ihn das seltsam surreale Gefühl beschlichen, dass der andere Mann, wie so oft Recht behalten sollte und ihre Wege sich schon sehr bald wieder kreuzen würden. Er ahnte es mit einer geradezu ernüchternden Gewissheit. Als gäbe es wirklich eine Art Schicksal, das sie zusammenband, bis die gemeinsame Aufgabe, die das Leben ihnen schon in Jugendjahren aufgetragen hatte, beendet war.

Albus blickte einer ungewissen Zukunft entgegen und tausende Wege schienen sich vor ihm aufzutun, doch er ahnte, dass seine Vergangenheit ihn jagen würde. Dass jeder einzelne dieser Wege ihn früher oder später zu Gellert zurückbringen würde, unabdingbar und unausweichlich. Sie waren wie das Licht und die Dunkelheit und ihre gemeinsame Geschichte war noch nicht zu Ende erzählt.
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