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Das Leben des Albus Dumbledore

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Albus Dumbledore Gellert Grindelwald
21.08.2019
20.04.2020
15
55.764
21
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
28.10.2019 2.784
 
Sorry für die Verzögerung… Ich komme momentan fast nicht zum Schreiben.

Wie immer Danke an Lilo für die Beta :)

Viel Spaß

~~~

Albus sah Gellerts peitschenden Fluch auf sich zuschnellen und reagierte mehr automatisch, als gesteuert. Er riss instinktiv den unverletzten Arm nach oben und erzeugte eine Schutzwand, stark dafür, dass er sie ohne Zauberstab wirkte, aber dennoch zu schwach, um dem Elderstab ernsthaften Widerstand entgegenzusetzen. Der Fluch traf ihn, durchdrang seinen magischen Panzer und stieß deutlich abgeschwächt aber dennoch spürbar gegen seine Brust. Er taumelte rückwärts, stieß gegen die Treppenstufen in seinem Rücken und fiel hintenüber. Schmerzhaft krachte er mit dem Steißbein gegen die Stufen und ihm wurde für einen Moment schwarz vor Augen. Sein ganzer Körper schien nur noch aus Schmerzen zu bestehen.

Noch ehe er reagieren konnte, spürte er plötzlich einen mächtigen Zug an seinen Beinen und seine Knie schnappten zusammen, als hätte sie jemand aneinandergeklebt. Gellert hatte ihn mit einem Beinklammerfluch belegt, der es ihm in diesem Moment völlig unmöglich machte, wieder auf die Füße zu kommen.

Er kam nicht dazu, sich zu überlegen, was in Merlins Namen, das gerade sollte, denn in diesem Moment pfiff der der andere Mann den Obscurus zurück.

„Lass es gut sein, mein Junge. Komm zu mir!“, rief er und das schwarze Geschöpf reagierte sofort, als hätte es auf nichts anderes, als auf diesen Befehl gewartet. Der Obscurus flackerte, ballte sich über ihren Köpfen zu einer dunklen Kugel zusammen und schoss am Fuß der Treppe in den Boden ein. Direkt neben Gellert, der nicht einen einzigen Schritt zurückwich.

Die Masse pulsierte, bewegte sich hektischer und zog sich mühsam auf ein kleineres Volumen zusammen. Albus erkannte sofort, dass das Obscurial sich bemühte, in seine menschliche Gestalt zurückzukehren, doch es gelang ihm noch nicht.

„Credence“, sagte Gellert und seine Stimme klang merkwürdig zärtlich. „Beruhig dich. Es ist vorbei.“ Der Obscurus flackerte weiter. Albus saß bewegungsunfähig auf der Treppe und beobachtete Gellert, der gerade einen weiteren Schritt auf das pulsierende, schwarze Etwas zuging. Es war wie damals. Genau wie damals. Der Anblick drehte ihm das Herz in der Brust um.

Hinter ihm erklangen plötzlich laute Stimmen und das Trommeln von zahlreichen Paaren Stiefeln drang an sein Ohr. Die Auroren! Er hatte sie völlig vergessen.

Auch Gellert wandte den Blick und genervte Missbilligung lag in seinen Augen. Er hob den Elderstab und Albus ging instinktiv in Deckung, als eine Druckwelle über seinen Kopf hinwegrauschte und jeden, der versucht hatte, näherzukommen, meterweit in den hinteren Teil der Halle zurückschleuderte. Die erschrockenen Schreie schossen Albus durch Mark und Bein, als wäre er selbst angegriffen worden. Im nächsten Moment warf Gellert seinen Feinden eine golden schimmernde Schutzwand entgegen, die sich über den Zugang zur Treppe spannte, und die Eindringlinge vorübergehend zurückhielt. Das würde zweifellos nicht ewig funktionieren, war bei weitem nicht so effektiv wie der Obscurus und noch dazu alles andere als blickdicht, doch es verschaffte ihm ein wenig Zeit.

Der blonde Mann wandte sich wieder dem Obscurus zu und ging vorsichtig vor ihm auf die Knie.

„Ich weiß, dass du es kannst Credence, du kannst es kontrollieren. Du bist viel stärker, als du denkst.“ Gellerts Gesicht verzog sich zu einem zufriedenen Grinsen. „Es ist unglaublich, was du in der kurzen Zeit seit meiner Festnahme gelernt hast. Du hast versucht, deinen Obscurus zu trainieren, nicht wahr? Du bist inzwischen sogar in der Lage, Flüche unbeschadet zu absorbieren, das ist… unglaublich. Du bist unglaublich!“

Der Obscurus flimmerte noch immer hektisch, doch er schien mit jeder Sekunde ruhiger zu werden, sich weiter zusammenzuziehen, die undeutliche, verschwommene Gestalt eines Menschen anzunehmen. Gellert streckte die Hand nach der Dunkelheit aus, als wolle er sie berühren.

„In dir schlummern Kräfte, hinter denen sich jede normale Magie verstecken kann. Lass mich dich lehren, deine Macht vollständig zu kontrollieren und zu beherrschen“, wisperte er mit der verlockenden Stimme eines schwarzen Engels. „Ich werde dich und alle Zauberer dieser Welt in die Freiheit führen. Komm mit mir und du wirst niemals wieder irgendetwas fürchten müssen. Wir werden gemeinsam das Unglaubliche möglich machen!“

Albus saß bebend auf der Treppe und fühlte sich völlig hilflos, als er zusah, wie Gellert mit diesem Obscurial genau dasselbe tat, wie mit dem ersten, das ihm Jahrzehnte zuvor begegnet war. Ihm war schlecht vor Wut und Trauer.

Gellert streckte die Hand ein wenig weiter aus und seine Fingerspitzen berührten sachte den äußeren Rand der beseelten, flimmernden Asche. Und überwanden ihn. Die Dunkelheit verebbte, schwarzer Staub rieselte herab und verschwand, ehe er den Boden berühren konnte. Gellerts Hand ruhte auf der Schulter eines jungen Mannes. Er kniete auf dem Boden, sein schmaler Körper zitterte und er hatte die Hände in seinem Schoß zu Fäusten geballt. Verblüfft starrte Albus das Obscurial an. Dieser Junge war tatsächlich gut und gerne achtzehn Jahre alt, womöglich bereits über zwanzig. Jedenfalls war er weit jenseits des Alters, das Obscuriale üblicherweise erreichten. Er war groß und schlank, mit schwarzen, kurzen Haaren  und einem hübschen Gesicht, das er momentan jedoch schmerzverzerrt zu Boden gerichtet hatte. Die Schatten waren noch nicht vollständig aus seinen Zügen gewichen. Gellert lächelte sachte. „Credence?“

Der Junge hob den Kopf und sah dem anderen Mann direkt ins Gesicht.

„Warum haben Sie mich verraten?“, flüsterte er kaum hörbar. Tiefe Verletzung sprach aus seiner Stimme und Tränen glänzten in seinen Augen.

Albus, der noch immer völlig handlungsunfähig auf der Treppe saß, beobachtete die völlig abstruse Situation und versuchte zu begreifen, was vor seinen Augen gerade geschah. Das Obscurial machte Gellert Vorwürfe. Wie es aussah, kannten die beiden sich schon länger und offenbar hatte Gellert den Jungen mit irgendetwas sehr verletzt. Dennoch war er gekommen, um den Mann, den er als Verräter bezeichnete, vor dem Tod zu retten und hatte sogar auf seine Bitten und Befehle reagiert. Das ergab doch keinen Sinn!

Gellert nickte, die Lippen zu einem schmalen Strich zusammengepresst. „Es tut mir Leid, Credence“, sagte er mit überraschend geknickter Stimme. „Sehr sogar. Ich habe mich in dir getäuscht und bitte dich nun aufrichtig um Verzeihung. Ich werde dich nicht noch einmal im Stich lassen, das verspreche ich dir.“

Die Lippen des Jungen bebten, doch in seinem Blick lag eine erschreckende Willenskraft, als er Gellert in die Augen sah.

„Lehren Sie mich, damit umzugehen“, forderte er. „Zeigen Sie mir, wie ich die völlige Kontrolle darüber bekommen kann.“

Die deutlichen Spuren von seelischem Leid verzerrten seine Züge und ein eisiges Blitzen, geboren aus Schmerz und Hoffnungslosigkeit, leuchtete aus seinen dunklen Augen heraus. Albus spürte seine Wut und die abgrundtiefe Enttäuschung gegenüber der magischen Gesellschaft, die ihn vernichten wollte, anstatt ihn an der Hand zu nehmen und in die Welt zu holen, in die er von Anfang an hinein gehört hätte. Und Gellert nutzte diese bodenlose Enttäuschung aus, um den Jungen zu seiner Marionette zu machen, zu seiner Waffe. Seiner Waffe gegen ihn…

Albus biss die Zähne zusammen und kämpfte, wehrte sich mit aller Macht gegen den Fluch, der seine Beine zusammenpresste. Er musste etwas tun, er musste handeln! Gellert durfte seinen Willen nicht bekommen und das Obscurial mitnehmen! Er musste den Jungen vor ihm beschützen, egal wie!

Gellert ergriff Credences Hände und schloss zärtlich seine Finger darum. Er lächelte. „Komm“, flüsterte er und zog den Jungen langsam vom Boden hoch. Credence gehorchte und erhob sich zitternd auf die Beine. Seine kurze Entschlossenheit schien fast wieder verflogen zu sein, er wirkte, als wage er es kaum mehr, dem anderen Mann ins Gesicht zu sehen. Gellert lächelte zufrieden und Albus gefror innerlich zu Eis. Er musste das verhindern! Er biss die Zähne so fest zusammen, dass es schmerzte und schickte alle Magie in seinem Blut hinab zu dem Fluch in seinen Beinen. Ein Beinklammerzauber war nicht schwer, das war Magie auf dem Niveau eines Erstklässlers! Er musste es doch schaffen können, den Zauber zu brechen, es musste möglich sein! Er schloss seine Augen, presste die Lider zusammen und konzentrierte sich mit aller Macht auf seine unsichtbar gefesselten Beine. Und plötzlich spürte er, wie der magische Zug nachließ, seine schmerzhaft zusammengepressten Knie sich endlich voneinander lösten. Er hatte es geschafft!

„Lass den Jungen in Ruhe!“, rief er Gellert mit lauter Stimme zu, als er sich mühsam, auf die Füße kämpfte und der Schmerz seiner Verletzungen ihm erneut fast den Atem nahm. Diese ganze Situation kam ihm so schrecklich vertraut, so grauenhaft bekannt vor. Als hätte das Rad der Zeit sich ein weiteres Mal zurückgedreht und ihn zurückkatapultiert, hinein in die schrecklichste Erinnerung seines Lebens.

Gellert und Credence wandten die Köpfe, als hätten sie seine Anwesenheit inzwischen völlig vergessen. Albus richtete den Blick auf den Jungen und durchbohrte ihn mit seinen Augen. „Er benutzt dich! Mach nicht den Fehler, ihm zu vertrauen!“

Von Gellert kam ein leises, entnervtes Zungenschnalzen und er zog abschätzig die Augenbrauen nach oben. „Oh Dumbledore… Ernsthaft?“, fragte er und wirkte nicht, als mache er sich Sorgen darüber, dass Albus sein Obscurial würde umstimmen können.

Was diesem im nächsten Moment selbst bewusst wurde. Er sah in die Augen des Jungen und erschrak über den Ausdruck darin. Sein dunkler Blick musterte Albus mit einem Ausdruck, als bedauere er, dass er ihn auf Gellerts Befehl hin nicht hatte töten dürfen. Verblüfft erwiderte Albus diesen bitterbösen Blick, kam aber nicht mehr dazu, tief genug in den Geist des Jungen zu dringen, um seine Bedeutung zu lesen.

Denn in diesem Moment legte Gellert Credence die Hand an die Schulter und flüsterte ihm etwas zu, das Albus nicht verstehen konnte. Der Junge nickte ergeben, wandte sich ab und trat einen Schritt hinter seinen neu ernannten Meister. Es war tatsächlich geschehen. Gellert hatte nun einen Obscurus an seiner Seite, wie er es seit Jahrzehnten bereits gewollt hatte. Albus wollte sich die Konsequenzen, die das mit sich brachte, gar nicht ausmalen, doch er kam mit den Gedanken gar nicht mehr so weit. Denn in dieser Sekunde jagte Gellert ihm den nächsten, unerwarteten Fluch an den Hals.

Völlig vor den Kopf gestoßen versuchte Albus sich gegen seinen Angreifer zu verteidigen, schaffte es dieses Mal jedoch deutlich schlechter, als zuvor. Die Wucht des Fluchs traf ihn heftig, ließ ihn nach hinten stolpern und nur haarscharf sein Gleichgewicht halten, als er blind die zerstörte Treppe hinaufgestoßen wurde. Der Schmerz, der durch seinen geschundenen Körper jagte, schickte ihn fast zu Boden. Doch Gellert ließ nicht locker, der nächste Angriff kam nur Sekundenbruchteile später. Albus wehrte sich mit allen Mitteln, während der andere Mann ihn in einem anhaltenden Sturm aus Flüchen immer weiter die Treppe hinaufstieß, bis er stolperte und erneut fast hintenüber fiel. Einen winzigen Moment lang kämpfte er um sein Gleichgewicht und das war ein Moment zu lang gewesen. Reißender Schmerz schoss in sein Bein, rauschte seine brennenden Nerven hinauf und ließ ihn aufschreien. Gellerts Attacke hatte ihn getroffen und der magische Einschlag bohrte sich tief in das verletzliche Fleisch knapp oberhalb seiner linken Kniescheibe. Blut schoss auf der Wunde und der reißende Schmerz ließ ihn endgültig zu Boden gehen. Er schnappte nach Luft, biss die Zähne zusammen und fragte sich instinktiv, ob Gellert ihm nun doch den Todesstoß versetzen würde, vor den Augen des gesamten MACUSA, einfach nur um seine Macht zu demonstrieren und ihn dafür bezahlen zu lassen, dass er Credence vor ihm hatte warnen wollen.

Doch als er den Blick hob, sah er Gellert am Ausgang stehen, die Hand auf der Schulter des schwarzhaarigen Jungen und ein entschuldigendes Lächeln auf den Lippen. Der Blick, den er Albus zuwarf war kurz, aber er sagte so viel mehr als tausend Worte es jemals gekonnt hätten. Als würde seine Stimme direkt in Albus‘ Kopf zu ihm sprechen. Ich werde auf dich warten. Dann ließ Gellert die gläserne Tür in seinem Rücken mit einem Wisch seiner Hand in tausend Scherben zerspringen, trat nach draußen und im nächsten Moment waren er und der Junge verschwunden.

Albus saß da, auf der völlig zerstörten Treppe in den Scherben der Uhr, den rechten Arm mit dem gebrochenen Gelenk zu Boden gerichtet, die andere Hand auf die Wunde über seinem Knie gepresst. Er atmete hektisch und sein Herz raste so, dass er das Blut in seinen Ohren hören konnte, wie es durch seinen Körper jagte und ihn am Leben hielt. Er hatte schreckliche Schmerzen in seinen gebrochenen Knochen, während er gleichzeitig seine Lebenskraft warm und feucht aus seiner Beinwunde rinnen spürte. Seine Finger färbten sich rot. In diesem Moment fühlte er sich unfähig, jemals wieder aufzustehen. Erst jetzt merkte er, wie sehr der Kampf ihm zugesetzt hatte, sein Körper war ein buntes Zusammenspiel aus pochenden Schmerzen. Merkwürdig surreal wurde ihm bewusst, dass er so bald wie möglich die Blutung an seinem Knie stoppen sollte, wenn er keinen Kreislaufkollaps riskieren wollte.

Hinter ihm nahm er Stimmen wahr, die wild Warnungen, Befehle und Verwünschungen durcheinanderschrien, begleitet vom Trommeln zahlreicher paar Schuhe auf dem Marmor. Scheinbar hatte Gellert vor seinem Abgang die magische Schutzwand, mit der er die Treppe vor den anderen Menschen in der Halle abgeschirmt hatte, aufgelöst. Oder den Auroren war es inzwischen gelungen, sie zu zerstören. Albus war es gleich. Alles was er merkte war, dass sie näher kamen.

Jemand stürzte neben ihn auf die Treppe, packte ihn an der Schulter und riss ihn zu sich herum. Es war Leonard. Sein Gesicht hatte die Farbe von verdorbener Milch und Schweißperlen glänzten auf seinem kahlen Schädel. In seinen Augen stand die nackte Panik geschrieben.

Albus hörte ihn reden, viel zu schnell um seinen Worten folgen zu können und zu wollen. Sein Blick richtete sich noch einmal Richtung Tür, dorthin, wo Gellert vor wenigen Augenblicken in die Freiheit verschwunden war. Und trotz aller Schmerzen, die sein geschundener Körper ihn nun spüren ließ, trotz all den fatalen Konsequenzen, die Gellerts Flucht nun für die Zukunft ihrer Welt mit sich brachte, ganz tief in seinem Herzen… war er überglücklich. Selbst der Obscurus, der Grund warum er sich überhaupt in seinen Weg gestellt hatte, rückte in diesem Moment in den Hintergrund. Während er verletzt inmitten des zerstörten MACUSA auf der Treppe saß, spürte er plötzlich weder Wut, noch Angst, noch Schmerz in sich, sondern nur noch ein abgrundtief falsches und doch beinahe übermächtiges Glücksgefühl, das seinen ganzen Körper zu überfluten schien. Gellert war frei. Die größte und einzige Liebe seines Lebens war dem Tod entkommen. Er sah seinen schwarzen Engel, wie er die Flügel ausbreitete und in den Himmel schoss, bereit die Sonne zu verdunkeln und die Welt in Finsternis zu tauchen. Und in diesem Moment war er bereit, dem Engel der Hölle den Himmel zu öffnen und seine Dunkelheit willkommen zu heißen. Die Seele der Welt an einen Teufel zu verkaufen, nur um den Menschen, den er noch immer liebte, am Leben zu wissen. Ungeachtet der Tatsache das er einen Obscurus bei sich hatte. Dass er ihm mit dem Tod gedroht hatte. Dass er seine Liebe ausgenutzt hatte und dasselbe wieder versuchte. Sein Kuss hatte Albus erneut zu Fall gebracht, seinen Widerstand zertrümmert und sein Bestreben, ihn aufzuhalten, zu Staub zerfallen lassen. Liebe war grausam. Sie machte aus den klügsten Menschen willenlose Narren...

Am Rande nahm Albus wahr, wie Leonard sich seinen verletzten Arm über die Schulter legte, die Hand in seine Seite presste und ihn mühsam auf die Füße zog. Ein reißender Schmerz schoss durch sein verletztes Bein, als er versuchte, es zu belasten, während Leonard ihn die restlichen Treppenstufen zur Eingangshalle hinaufzog.  

Menschen umzingelten sie, Auroren, europäische Minister, sogar die völlig am Boden zerstörte Madame Picquery. Er sah Sorge in den Gesichtern, die ihn umkreisten, konnte Anerkennung und Verblüffung aus ihren Wortfetzen entnehmen und nahm doch nicht wirklich wahr, was sie ihm sagten. Die Erschöpfung und der Blutverlust forderten langsam ihren Tribut. Sein Gesichtsfeld zog sich zusammen, schwarze Schatten tanzten am Rand seiner Wahrnehmung und drohten, ihn in die Dunkelheit zu ziehen. Er riss sich zusammen und klammerte sich mit allen Mitteln an sein Bewusstsein.

Denn trotz der lauernden Dunkelheit arbeitete sein Kopf wie eine Maschine, und er erkannte, was genau der Grund gewesen war, warum Gellert ihn ohne die blickblockierende Wand des Obscurus noch einmal attackiert hatte. Und es war nicht erster Linie aus Wut über sein störrisches Verhalten gewesen. Sondern um ihre Verbindung zueinander vor all den Menschen hier im Dunkeln zu halten. Denn er wollte, dass sein ehemaliger Partner freiwillig zu ihm zurückkehrte, und nicht weil er als vermeintlicher Verbündeter des gefährlichsten Schwarzmagiers seiner Zeit, selbst zum Gejagten wurde. Er hatte Albus beschützen wollen. Und ihm damit gleichzeitig die freie Wahl gelassen.

Seine Hand glitt von selbst in die Tasche seines Umhangs und umschloss das, was Gellert ihm fern von den Augen der Menschen, die nun ehrfürchtig zu ihm aufsahen, zugesteckt hatte. Er erkannte es sofort und all seine Wünsche, sowie all seine Befürchtungen, schienen auf einen Schlag wahr zu werden. In seinen blutverschmierten Fingern lag eine metallene Kette, der Anhänger hatte die Form eines Dreiecks und in seiner Mitte lag eine Kugel aus tiefschwarzem Glas.
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