Legenden der Endzeit

LeseprobeFantasy, Sci-Fi / P18
20.08.2019
04.09.2019
9
11673
1
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
[img]https://ibb.co/XYPMyGj[/IMG]

„Deva – So nennen wir die abscheulichen Wesen ohne Herzschlag, die entstehen, wenn ein verdorbener Mensch sein Ende findet. Je nach Intensität der boshaften Gefühle, die der Tote zu seiner Lebenszeit empfand, kommt er mächtiger zurück als andere Deva. Die schlimmsten Deva leben unterirdisch, weit weg von uns Menschen. Das diese nicht über uns herfallen liegt an unseren Vier Gottheiten, welche die verschiedenen Gebiete unseres Kontinents beschützen. Veskaar, die Tiefenschlange, die den Fischern und Seeleuten Schutz bietet. Ammangar, der Wächter der Lüfte, der stets dafür sorgt, dass die Nacht der Sonne weicht. Garth, der Hüter der Wüste. Er soll als schwarzer Skorpion, die Deva im Wüstensand hinterhältig in den Tod locken. Und zu guter letzt gibt es noch Hikan, den Beschützer des Weltentores. Er schützt das versteckte Tor, durch das die Deva versuchen in unser Reich zu kommen. Diese vier Gottheiten nennen wir Chaki. Die Chaki sind nicht für uns Menschen sichtbar, doch ihre Kinder, die Bari oder auch „göttliche Brut“ genannt, wandeln in allerlei Formen auf dieser Welt umher. Sie sind riesenhafte Wesen in der Form ihres Schutzgottes und haben mit leuchtenden Runen überzogene Körper. Wir Menschen nutzen sie seit Jahrhunderten als Kraftressource für das Desarit, welches Menschen besondere Fähigkeiten verabreichen kann. Diese helfen uns, um in der rauen Wüste zu überleben, fernab von jeder Zivilisation. Die Kunst des Synchronisierens des Desarits mit dem menschlichen Bewusstsein wird seit Generationen stets nur dem Dorfältesten weitergegeben, damit es niemals in die Hände der Deva fällt. Und weiß einer von euch auch, wer dieser Dorfälteste in unserer Heimat ist?“ „Ist das wieder eines deiner unsinnigen Märchen, Vater?“
Der alte Mann mit langem grauen Bart, welcher es sich auf einem gegossenen Gehstock gelehnt, auf einem Stuhl bequem gemacht hatte, zog eine graue Augenbraue in die Höhe. Die vier Kinder, welche gerade noch gespannt der Geschichte gelauscht hatten und zu Füßen des Dorfältesten auf dem Boden saßen, drehten ihren Kopf in Richtung der jungen Frauenstimme, die aus der Richtung der Eingangstür schallte. „Fyr. Komm herein, mein Kind.“, sprach der Mann langsam, während er mit seiner Hand, einladend auf den Sessel zu seiner linken deutend. „Stimmt das, Ältester? Sind das nur Märchen?“, fragte Vara, die kleine Tochter der Ersatzteilhändlerin am unteren Ende der Straße. Der Mann schüttelte langsam den Kopf und deutete  auf eine Kette mit einem rubinroten Kristall, die er an einem leichten Lederband um seinen Hals trug. „Aber nicht doch. Jedes einzelne Wort ist wahr, so wahr ich hier vor euch sitze. Diesen Kristall fand einer meiner Ahnen während-“
„des Krieges der roten Nacht. Das sagst du immer.“, schmunzelte die Frau, die an den Türrahmen gelehnt ihren fingerlosen, schwarzen Lederhandschuh zurechtrückte. Der Mann lachte heiser und fing dann an zu husten. Daraufhin sprang die Frau geradezu an seine Seite und gab ihm zwei kleinere orangefarbene Kapseln. Dabei fielen ihr einige ihrer  langen, weißen Haare ins Gesicht, welche sie genervt mit den Fingern hinter ihre Ohren zurück kämmte. Der Dorfälteste schluckte die Kapseln schnellstmöglich, was ihn wieder zur Ruhe kommen ließ. „Geht spielen, mein Vater muss sich etwas ausruhen.“, forderte sie die Kinder auf, welche sich mit einer Verbeugung bei dem Mann bedankten und dann eilig das Haus verließen.
„Hast du es etwa schon wieder getan?“ Mit einem vorwurfsvollen Blick schaute sie ihn an und legte ihre rechte Hand auf die Seine. Die Adern auf seinem Handrücken waren deutlich zu erkennen und hatten eine grünliche Verfärbung. Mürrisch entzog er seine Hand ihrem Griff. „Ich weiß, dass du auf das Desarit aus bist und meine Antwort bleibt nein.“„Du weißt genau, dass ich es brauche. Ich möchte genauso dem Dorf beim Überleben helfen wie die anderen! Außerdem musst du die Technik ohnehin weitergeben!“, schrie sie, verletzt, dass ihr eigener Vater sie erneut abwies. „Keine Diskussion, Fyr. Das ist mein letztes Wort.“, mahnte er mit einem endgültigen Blick zu seiner Tochter die versuchte die aufsteigenden Tränen zu unterdrücken. „Du verstehst nicht welche Risiken das Desarit mit sich bringt.“, versuchte er sie zu beschwichtigen. Sie schlug wutentbrannt ihre Faust gegen die rostige Eisenwand der Baracke, sodass das Gemälde, welches eine alte Prophezeiung ihres Volkes umfasste, zu Boden fiel und das Glas zersplitterte. Fyr stampfte frustriert aus der offenen Tür und dann den gepflasterten Weg hinab. Man hörte die Schritte ihrer mechanisierten Plateaustiefel noch in weiter Ferne.
Der Dorfälteste folgte ihr aus der Baracke und hielt sich die Hand über die Augen, um nicht von dem grellen Licht der Wüstensonne geblendet zu werden. Er kniff die Augen zusammen und betrachtete seine Umgebung. Das Dorf Luria, wessen Oberhaupt er war und in dem seine Tochter Fyr vor nunmehr 26 Jahren geboren wurde, liegt am Rande des Kontinents. Ächzend begab er sich wieder hinein und bereitete die Herstellung weiteren Desarits hervor.