Fortsetzung von Staffel 22

GeschichteAllgemein / P12 Slash
20.08.2019
06.12.2019
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Kasimir warf Till einen letzten Todesblick zu, bevor er aus dem TNT-Zimmer verschwand. Wütend schlug Till mit seiner Faust gegen die Schranktür. Wie konnte er nur so dämlich sein? Warum hatte er den Schrank auch vor Kasimirs Augen geöffnet? Warum hatte er Neles Zeichnung überhaupt dort aufgehängt? Jetzt wusste ausgerechnet Kasimir, dieser Affe, sein dunkelstes Geheimnis: dass Till seit Wochen bis über beide Ohren in Martha verknallt war. Kasimir hatte es ihr bestimmt schon erzählt. Till riss die Zeichnung aus seinem Schrank und schmiss sie zusammengeknüllt in den Papierkorb. Obwohl Martha ihn gerade lächelnd dazu eingeladen hatte mit den anderen Pfannkuchen zu essen, ging Till stattdessen in den Trainingsraum. Er musste seine Wut raus lassen. Seine Wut auf sich selbst. Für Till war es das wichtigste, immer die Kontrolle zu behalten. Die Kontrolle über seine Freunde, seine Noten, seine Leistungen im Sport. Solange er alles unter Kontrolle hatte, fühlte er sich sicher. Und dann war Martha mit den Einsteinern aufgekreuzt und hatte ihm einfach so die Stirn geboten. Seit er sie damals in diesem blauen Kleid gesehen hatte, geriet sein komplettes System durcheinander. Sobald Martha in der Nähe wurde ihm ganz warm. Sobald er ihr Lachen hörte machte sein Herz Luftsprünge und er konnte sich auf nichts anderes mehr konzentrieren. Und er hasste sich dafür, wie er nachts im Traum darüber fantasierte, wie es wohl wäre ihr Freund zu sein. Er könnte sich dann selbst ohrfeigen, sobald er aufgewacht war. Till ließ noch den ganzen Abend lang seine Wut über all das an seinem Boxsack aus. Als er endlich schlafen ging war das Licht im TNT-Zimmer bereits ausgeschaltet und er konnte Nicks Schnarchen vom Flur aus hören. Niemand schien Till den Abend über vermisst zu haben.

Am nächsten Morgen begann Tills Schultag ausgerechnet mit Englisch. Das Fach, das er mit Martha zusammen hatte. Martha und Kasimir. Er wollte ihnen nicht vor dir Augen treten. Nicht, nach dem was Kasimir gestern herausgefunden hatte. Und Martha wahrscheinlich schon erzählt hatte. Till setzte sich erst kurz nach dem Klingeln ins Klassenzimmer. Natürlich kam sofort ein Kommentar von Frau Miesbach, die mit dem Unterricht beginnen wollte. Auch, wenn er es hatte vermeiden wollen, schweifte Tills Blick direkt rüber nach links zu Marthas blonden Haaren. Diese drehte sich genau in dem Moment zu ihm und lächelte. Die meerblauen Augen lächelten mit. Tills Herz sprang wieder vor sich hin. Er lächelte zurück. Bis ihm Kasimirs Blick direkt daneben auffiel, der demonstrativ seinen Arm um Martha gelegt hatte. Tills Lächeln erstarb. Mit grimmiger Miene starrte er von da an auf die Tafel. Das einzig Gute war, dass Kasimir Martha anscheinend doch nichts erzählt hatte.
Beim Mittagessen setzte sich Till zu Nick und Timo. Wenigstens die Freundschaft zu den Beiden hatte er wieder kitten können. Auch wenn er in Kauf nehmen musste, dass Sibel und Pawel mit am Tisch saßen. Er wurde nicht mehr ausgestoßen. Er musste zugeben, dass es mit so vielen an einem Tisch sogar ganz lustig war. Und es lenkte ihn davon ab, dass Martha und Kasimir sich am Nebentisch gegenseitig fütterten. „Was habt ihr in den Herbstferien so vor?“, fragte Sibel in die Runde. Die Herbstferien waren schließlich schon in eineinhalb Wochen. „Jeden Tag ausschlafen auf jeden Fall.“, Nick grinste. „Ich fahr mit meiner Familie an die Ostsee.“, kam es von Timo. Pawel war auch die kompletten 2 Wochen mit der Familie im Urlaub. Nachdem Sibel von ihren Plänen erzählt hatte schauten alle gespannt zu Till. Er war überrascht, dass es sie anscheinend tatsächlich interessierte. Aber im Gegensatz zu seinen Freunden, freute sich Till ganz und gar nicht auf die Ferien. Auch, wenn er gestern noch unbedingt nachhause gewollt hatte. Er wusste jetzt schließlich, dass es nicht auf Gegenseitigkeit beruhte. „2 Wochen lang nur zocken.“, spielte er eine unechte Vorfreude vor, die die anderen zu überzeugen schien. Er war schließlich unheimlich gut darin nichts und niemanden an sich heran zulassen. Als würde er die ganze Zeit nur eine Rolle spielen. Till, der Anführer. Till, das Sportass. Till, der Gewinner. In Wahrheit war Gewinnen das einzige, das ihn noch zu etwas Besonderem machte. Bei dem Gedanken schaute er doch wieder rüber zu Kasimir und Martha. Martha trug ihren weiten gelben Pulli und ihre schwarze Jeans. Ihre blonden Haare waren verwuschelt, weil Kasimir gerade beim Küssen mit seiner Hand durch sie durchgefahren ist. Ihre Augen strahlten wieder blau, wie das Meer. Schnell wendete Till seinen Blick auf seinen fast leeren Teller. Er musste endlich aufhören, dauernd zu den beiden rüber zu schauen. Es machte ihn nur wütend. Und dann fuhr er seine Freunde wieder an und die wurden sauer. Und Till reichte es gerade schon, dass seine Familie ihn nicht haben wollte. Er brauchte wenigstens seine Freunde um sich. Und deshalb versuchte er jetzt auch seine volle Aufmerksamkeit Nick zu schenken.
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